{"id":16316,"date":"2019-03-20T10:09:26","date_gmt":"2019-03-20T09:09:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16316"},"modified":"2019-03-20T10:12:39","modified_gmt":"2019-03-20T09:12:39","slug":"nicht-die-kinder-bloss-speist-man-mit-maerchen-ab-eine-kleine-kritik-der-ringparabel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16316","title":{"rendered":"\u201eNicht die Kinder blo\u00df speist man mit M\u00e4rchen ab\u201c \u2013 Eine kleine Kritik der Ringparabel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Eine Taxifahrt in Kassel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im vergangenen Jahr stieg ich nach einem Treffen des Netzwerkes Bibel und Bekenntnis in ein Taxi, um mich zum Bahnhof bringen zu lassen. Mit dem Taxifahrer kam ich ins Gespr\u00e4ch \u00fcber den Glauben. Als ich ihm von Tod und Auferstehung Jesu erz\u00e4hlte, meinte er, dass er das aus der Sicht seines Glaubens ablehne. Er erkl\u00e4rte mir, dass er T\u00fcrke und Moslem sei. Ich fragte zur\u00fcck: \u201eAber was machen Sie dann mit Ihren S\u00fcnden?\u201c Er erwiderte, dass er versuche, diese durch gute Taten wiedergutzumachen.\u00a0Ich zeigte ihm, dass das nicht m\u00f6glich ist: \u201eWenn Sie jetzt \u00fcber diese rote Ampel fahren und geblitzt werden, dann werden Sie die Punkte in Flensburg und das Bu\u00dfgeld nicht los, indem Sie von jetzt an alle Verkehrsregeln einhalten.\u201c Das verstand er. Wir k\u00f6nnen das S\u00fcndenproblem nicht aus eigener Kraft l\u00f6sen, und genau darum starb Jesus am Kreuz.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fragte ihn dann nach dem Grab des Propheten Mohammed. Er best\u00e4tigte, dass man es in Medina besuchen k\u00f6nne. Nun berichtete ich ihm von dem Grab Jesu in Jerusalem. Man kann es zwar ebenfalls besuchen, aber es gibt einen gewaltigen Unterschied: Das Grab Jesu ist leer. Ich kann heute mit Jesus Kontakt aufnehmen und zu ihm beten, weil er von den Toten auferstanden ist. Mohammed dagegen ist tot. Bevor ich aus dem Taxi ausstieg, lud ich meinen Gespr\u00e4chspartner freundlich ein, den Koran zu hinterfragen und sich mit der Botschaft der Bibel zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.\u00a0<\/strong><strong>Das \u201eHouse of One\u201c in Berlin<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solche Gespr\u00e4che sind im geplanten \u201eHouse of One\u201c in Berlin nicht erw\u00fcnscht. In der \u201eCharta f\u00fcr ein Miteinander von Judentum, Christentum und Islam\u201c, das dem von einer Evangelischen Kirchengemeinde, einer j\u00fcdischen Gemeinde und einer islamischen Dialoginitiative verantworteten Projekt zu Grunde liegt, hei\u00dft es: \u201eEs ist nicht die Absicht einer Religionsgemeinschaft, die Errichtung und Nutzung des neuen Bet- und Lehrhauses mit dem Ziel eines missionarischen Handelns in Hinsicht auf die anderen Religionsgemeinschaften zu verbinden.\u201c Im \u201eHouse of One\u201c sollen sich eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee um einen zentralen Lehrraum gruppieren. In diesem Lehrraum, der sich symbolisch nach oben hin zum Himmel \u00f6ffnen wird, sollen sich die Vertreter der drei Religionen begegnen, um im gemeinsamen Dialog einander Anteil an den Wahrheitselementen der jeweiligen Religionen zu geben und so Gott suchend und tastend n\u00e4her zu kommen. Das in diesem Projekt zum Ausdruck gebrachte Wahrheits- und Gottesverst\u00e4ndnis entspricht dem Geist der Zeit und wird selbst von manchen evangelischen Christen und Kirchenvertretern geteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. <\/strong><strong>Der Glaube der Ringparabel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Vertreter dieser Denkrichtung berufen sich dabei auf die Ringparabel, die Gotthold Ephraim Lessing in seinem 1779 ver\u00f6ffentlichten Theaterst\u00fcck \u201eNathan der Weise\u201c verarbeitet hat. Ein Stoff, dessen Urspr\u00fcnge weit ins Mittelalter zur\u00fcckreichen und der bis heute f\u00fcr viele Sch\u00fcler zur verbindlichen Pflichtlekt\u00fcre an unseren Schulen z\u00e4hlt. Lessing l\u00e4sst in seinem St\u00fcck den Moslem Saladin sagen: \u201eVon diesen drei Religionen kann doch eine nur die wahre sein.\u201c Er will von dem Juden Nathan wissen, aus welchen Gr\u00fcnden er welche dieser drei f\u00fcr wahr halte. Nathan beantwortet diese Frage mit der Ringparabel, denn \u201enicht die Kinder blo\u00df speist man mit M\u00e4rchen ab\u201c. Ein K\u00f6nig ist in Besitz eines Ringes, der \u201evor Gott und den Menschen\u201c angenehm macht. Weil er drei S\u00f6hne hat, die er in gleicher Weise liebt, l\u00e4sst er zwei Kopien des Ringes anfertigen und schenkt jedem Sohn einzeln einen Ring, so als ob dieser der echte sei. Nach dem Tod des K\u00f6nigs bricht der Streit aus. Wer hat den wahren Ring? Ein Richter muss her, der diesen Streit schlichtet. Auch er stellt fest: Die Ringe sind vollkommen gleich. Der Vater habe offensichtlich alle drei gleich geliebt und keinen der drei S\u00f6hne beg\u00fcnstigen wollen. Der echte Ring sei nicht erkennbar. Und so f\u00e4llt sein Urteil aus: \u201eSo glaube jeder sicher seinen Ring den echten&#8230;Wohlan! So eifre jeder seiner unbestochenen von Vorurteilen freien Liebe nach. Es strebe von euch jeder um die Wette, die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag zu legen.\u201c Ein jeder solle also in seiner Lebensf\u00fchrung die Echtheit seines Ringes unter Beweis stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Die falschen Voraussetzungen der Ringparabel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den ersten Blick erscheint Lessings M\u00e4rchen von den drei Ringen sehr einleuchtend und anziehend. Bei n\u00e4herem Hinsehen jedoch wird schnell erkennbar, dass die Parabel den Kern der Sache nicht trifft, weil sie von v\u00f6llig falschen Voraussetzungen ausgeht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.1 Der K\u00f6nig und die drei S\u00f6hne<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Parabel will der K\u00f6nig keinen der drei S\u00f6hne bevorzugen, und so erh\u00e4lt jeder seinen Ring. Demnach h\u00e4tte der eine Gott also Juden, Christen und Muslimen unterschiedliche Glaubenssysteme offenbart, so als ob er nicht in der Lage w\u00e4re, sich der gesamten Menschheit in eindeutiger Weise und mit einer einzigen Botschaft zu offenbaren. Lessing erzeugt das Bild eines Gottes, der die Empf\u00e4nger seiner Offenbarung aus einer falsch verstandenen Liebe heraus bewusst t\u00e4uscht und im Unklaren dar\u00fcber l\u00e4sst, welcher Glaube nun der wahre und echte ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Jesus erz\u00e4hlt eine Parabel, um seinen H\u00f6rern das Himmelreich zu veranschaulichen. Auch hier tritt ein K\u00f6nig auf (Mt 22). Doch im Gegensatz zu Lessings K\u00f6nig hat dieser nicht drei S\u00f6hne, sondern einen Sohn. F\u00fcr diesen richtet der K\u00f6nig eine Hochzeit aus, zu der G\u00e4ste geladen werden, doch viele der Geladenen wollen gar nicht kommen. Jesus zeichnet also ein v\u00f6llig anderes Bild: Der lebendige Gott hat einen einzigen Sohn, und mit einer einzigen und eindeutigen Botschaft, der Botschaft des Evangeliums, l\u00e4dt er alle Menschen der Erde ein, am gro\u00dfen Hochzeitsfest des Sohnes teilzunehmen. Jesus sagt damit, dass es einen Gott gibt, einen Sohn, eine Botschaft, eine Wahrheit und einen Glauben, der allein selig macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.2 Der fehlende Widersacher<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bereits erw\u00e4hnt f\u00fchrt Lessing die Existenz der drei Ringe zur\u00fcck auf einen Urheber, n\u00e4mlich den K\u00f6nig. In der Ringparabel zeichnet demnach Gott verantwortlich f\u00fcr das Verwirrspiel der drei sog. abrahamitischen Religionen. Die Parabel verschweigt jedoch die M\u00f6glichkeit, dass ein Widersacher des K\u00f6nigs die falschen Ringe ins Spiel gebracht haben k\u00f6nnte. Ganz im Sinne der angeblich aufgekl\u00e4rten Vernunft wird also die Existenz des Teufels ausgeblendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesu Gleichnis vom \u201eUnkraut unter dem Weizen\u201c dagegen offenbart eine ganz andere Sachlage (Mt 13,24-30; 36-43). Nach diesem Gleichnis s\u00e4t Jesus Christus die gute Saat des Evangeliums und der Kinder Gottes in diese Welt. Doch der Teufel als Feind Gottes s\u00e4t eine b\u00f6se Saat, um die Wahrheit zu verdunkeln, die Menschen mit konkurrierenden religi\u00f6sen Systemen zu verwirren und so den wahren Weg zu Gott unkenntlich zu machen. Gott hat mit dem Evangelium von Jesus Christus einen rettenden Ring der Menschheit offenbart. Das Verwirrspiel der Ringe und Religionen ist ein Werk des Widersachers Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.3 Die geheime Kraft des Rings<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nathan erz\u00e4hlt, dass der Ring die \u201egeheime Kraft\u201c habe, \u201evor Gott und Menschen angenehm zu machen, wer in dieser Zuversicht ihn trug.\u201c Gerade mit Blick auf das Christentum kann dies kein belastbares Kriterium f\u00fcr die Echtheit des Glaubens sein. Jesus sagt ausdr\u00fccklich: \u201eWenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat\u201c (Joh 15,18). Die Nachfolge Jesu kann zwar auch \u201evor Menschen angenehm machen\u201c, wird aber in vielen F\u00e4llen Spott, Hohn, Hass und Verfolgung ausl\u00f6sen. Folgte man der Parabel an dieser Stelle, erschiene gerade der christliche Glaube als \u201eunechter Ring\u201c.\u00a0<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.4 Der Musterring ist nicht erkennbar<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kopien des Musterringes, die der K\u00fcnstler im Auftrag des K\u00f6nigs erstellte, sind so t\u00e4uschend echt, dass selbst der K\u00f6nig nicht mehr wei\u00df, welcher der wahre Ring ist. Auch die drei S\u00f6hne und sp\u00e4ter der Richter k\u00f6nnen das Original nicht von den Kopien unterscheiden. Hier kommen zwei zentrale Grunds\u00e4tze der Aufkl\u00e4rung zum Tragen: 1.) Die Vernunft des Menschen ist die letzte Instanz in Erkenntnis- und Glaubensfragen. 2.) Ein eindeutiges Offenbarungshandeln Gottes wird ausgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einerseits trauten die Aufkl\u00e4rer es Gott nicht zu, sich in eindeutiger und f\u00fcr alle Menschen verbindlicher Weise zu offenbaren, andererseits schrieben sie der menschlichen Vernunft die F\u00e4higkeit zu, in allen Religionen rationale Prinzipien zu entdecken, die gemeinsam eine nat\u00fcrliche Religion bilden. Selig wird der aufgekl\u00e4rte Mensch, wenn er diesen der Vernunft einsichtigen Prinzipien folgt, unabh\u00e4ngig davon, in welcher Religion er beheimatet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Sicht des aufgekl\u00e4rten Menschen sind die drei Ringe also tats\u00e4chlich identisch. Es ist seine Aufgabe, mit der Vernunft die rationalen Prinzipien der Religionen zu erkennen und danach zu handeln: \u201eSo eifre jeder seiner unbestochenen von Vorurteilen freien Liebe nach.\u201c Daraus folgt aber auch, dass keine der drei monotheistischen Religionen beanspruchen kann, der einzig wahre Weg und die eine f\u00fcr alle Menschen verbindliche Wahrheit zu sein. Die Wahrheit mag zwar subjektiv geglaubt, kann aber nicht objektiv und verbindlich f\u00fcr alle ausgesagt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dem Richterstuhl des Pilatus bezeugt Jesus Christus jedoch, dass er der von Gott gesandte K\u00f6nig ist, der die Wahrheit \u00fcber Gott bezeugt: \u201eIch bin ein K\u00f6nig. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der h\u00f6rt meine Stimme.\u201c (Joh 18,37). Ja, er ist sogar die Wahrheit in Person: \u201eIch bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich\u201c (Joh 14,6). Und ja, diese eine in seiner Person offenbarte Wahrheit Gottes ist auch erkennbar: \u201eWenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine J\u00fcnger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen\u201c (Joh 8,31-32).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zur Ringparabel sagt Jesus Christus, dass Gott seine Wahrheit in diese Welt hinein offenbart und dass diese Wahrheit auch vom Menschen erkannt und von der L\u00fcge und dem Irrtum unterschieden werden kann (vgl. 1 Joh 4,1-6).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.5 Sind die drei Ringe wirklich identisch?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem Lessing Judentum, Christentum und Islam mit drei vollkommen identischen Ringen gleichsetzt, verwischt er bewusst die Unterschiede zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen. So sehr sich die Protagonisten des Dramas auch bem\u00fchen, sie k\u00f6nnen keine Unterschiede feststellen. Wer dagegen die Schriften des Judentums, des Christentums und des Islams in die Hand nimmt, wird schnell auf gravierende Unterschiede und Gegens\u00e4tze sto\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei kommt dem Vergleich von Judentum und Christentum eine besondere Rolle zu. Das Judentum akzeptiert Jesus Christus bekanntlich nicht als den verhei\u00dfenen Messias und steht damit im deutlichen Widerspruch zum christlichen Bekenntnis. Blickt man aber in die Schriften des Alten Testaments, bestehend aus dem Gesetz, den Propheten und den Schriften, dann ist der Neue Bund die Erf\u00fcllung des Alten Bundes. So lehrte Jesus seine J\u00fcnger: \u201eUnd er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu tr\u00e4gen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war\u201c (Lk 24,25-27; vgl. Hebr 1,1-2). Die Messiaserwartung des Judentums wird in Jesus Christus erf\u00fcllt. Aus der Perspektive der Bibel ist das Judentum ein unvollendeter Ring, der durch Jesus Christus zu einem vollkommenen Ring vollendet wird. So betrachtet bilden Judentum und Christentum nicht zwei, sondern einen Ring.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vergleich zwischen Bibel und Koran bringt ein ganz anderes Bild zu Tage. Wer den Koran genau untersucht, stellt fest, dass er als antichristlicher Gegenentwurf zur Bibel konzipiert wurde. Er lehnt drei wesentliche Offenbarungstatsachen der Bibel dezidiert ab und verflucht sie sogar die Dreieinigkeit Gottes, die Sohnschaft Jesu und den stellvertretenden Kreuzestod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.5.1 Die Dreieinigkeit Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel offenbart Gott als den dreieinen Gott. Aus diesem Grunde werden Christen gem\u00e4\u00df dem Taufbefehl Jesu auf den Namen des dreieinen Gottes getauft: \u201eTaufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes\u201c (Mt 28,19). In Johannes 14 lehrt Jesus, dass der Vater und der Sohn durch den Heiligen Geist im Menschen Wohnung nehmen (Joh 14,15-26). Viele Passagen im Neuen Testament weisen eine trinitarische Struktur auf, d. h. sie nehmen Bezug auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist und implizieren dabei eine g\u00f6ttliche Wesenseinheit (z. B. R\u00f6m 1,1-5; 5,1-5; 1 Petr 1,1-2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Koran dagegen lehnt die Dreieinigkeit vehement ab: \u201eWahrlich, ungl\u00e4ubig sind, welche sprechen: Siehe, Allah ist ein dritter von drei. Aber es gibt keinen Gott, denn einen einigen Gott.\u201c (Sure 5,73)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unvereinbarkeit der beiden Gottesbilder ist offensichtlich. Der Gott, der sich einerseits als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart, kann nicht gleichzeitig der Gott sein, der alle als ungl\u00e4ubig bezeichnet, die ihn als Dreieinigen bekennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.5.2 Die Gottessohnschaft Jesu<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sohnschaft des Gottessohnes wird im Alten Testament angek\u00fcndigt und im Neuen Testament voll und ganz offenbart. In Psalm 2 sagt Gott: \u201eDu bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt\u201c (Ps 2,7; vgl. Hebr 1,5). Johannes schreibt in seinem Evangelium: \u201eDenn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben\u201c (Joh 3,16). Und die Stimme aus dem Himmel auf dem Berg der Verkl\u00e4rung sagt: \u201eDies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr h\u00f6ren\u201c (Mt 17,17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Koran dagegen lehnt die Gottessohnschaft Jesu ab und reduziert ihn auf einen Propheten in der Kette der Propheten, die dann angeblich in Mohammed ihren Abschluss findet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNicht steht es Allah an, einen Sohn zu zeugen. Preis ihm!\u201c (Sure 19,35)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend die Bibel die Sohnschaft Jesu wieder und wieder best\u00e4tigt, wird sie vom Koran abgelehnt. Der erste Johannesbrief identifiziert die Ablehnung der Sohnschaft mit dem Geist des Antichristen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWer ist ein L\u00fcgner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater.\u201c (1 Joh 2,22.23)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Neue Testament zeigt deutlich, dass es an Jesus vorbei keinen Weg zum Vater gibt. Die Ablehnung des Sohnes Gottes durch den Koran verbaut Muslimen den Zugang zu Gott: \u201eWer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht\u201c. Der wahre und lebendige Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat, und der vom Koran verk\u00fcndigte Allah widersprechen einander diametral. Sie k\u00f6nnen unm\u00f6glich beide aus derselben geistlichen Quelle stammen, wie es die Ringparabel suggerieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.5.3 Die Ablehnung des stellvertretenden Kreuzestodes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kreuzestod Jesu ist das zentrale Ereignis der biblischen Offenbarung und der Weltgeschichte \u00fcberhaupt. Mit seinem Tod am Kreuz zahlte Jesus Christus die Strafe f\u00fcr die S\u00fcnden der ganzen Welt (1 Joh 2,1-2). Auf dieses Erl\u00f6sungsgeschehen strebt die ganze biblische Offenbarung zu. Die Propheten des Alten Bundes blicken prophetisch \u00fcber einen Zeitraum von 1.500 Jahren auf dieses Ereignis voraus (vgl. Ps 22, Jes 53, Dan 9,26). Jesus selbst sagt voraus, dass er durch die H\u00e4nde der Menschen sterben wird und dann auferstehen wird (Mt 20,17-19). Er k\u00fcndigt an, dass er sein Leben geben wird als L\u00f6segeld f\u00fcr viele (Mk 10,45). Die Kreuzigungsberichte der Evangelien und die ganze apostolische Verk\u00fcndigung haben dieses zentrale S\u00fchnegeschehen im Fokus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte\u201c (Joh 19,18).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDenn ich hielt es f\u00fcr richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten\u201c (1 Kor 2,2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Koran, der rund 600 Jahre nach diesen Ereignissen aufgeschrieben wurde, versucht das Kreuzesgeschehen und das S\u00fchnopfer des Gottessohnes in Abrede zu stellen. Er akzeptiert zwar, dass Jesus eine historische Gestalt und ein Prophet Gottes war, leugnet aber seinen Kreuzestod:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDoch ermordeten sie ihn nicht und kreuzigten sie ihn nicht, sondern einen ihm \u00e4hnlichen \u2026 Sie wissen nichts von ihm, sondern folgen nur Meinungen; und nicht t\u00f6teten sie ihn in Wirklichkeit.\u201c (Sure 4,157)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem der Koran den Kreuzestod Jesu leugnet, wird Muslimen die einzige M\u00f6glichkeit genommen, die Vergebung ihrer S\u00fcnden und das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott zu erlangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese drei Beispiele sollen gen\u00fcgen, um aufzuzeigen, dass sich das Bild von den drei identischen Ringen in keiner Weise mit der Realit\u00e4t deckt. Judentum, Christentum und Islam weisen zwar \u00c4hnlichkeiten auf, vor allem aber der offene und antichristlich motivierte Widerspruch des Korans gegen\u00fcber der Botschaft des Evangeliums zeigt, dass Lessings Parabel in die Irre f\u00fchrt. Es ist v\u00f6llig ausgeschlossen, dass der eine Sch\u00f6pfergott sich sowohl in der Bibel als auch im Koran im offenen Widerspruch zu sich selbst offenbart h\u00e4tte. Beide Glaubenswege schlie\u00dfen einander aus. Es gibt keine drei identischen Ringe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Schlussfolgerungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es muss unser Anliegen sein, den vielen Menschen, die sich auf den Ringparabelglauben berufen, aufzuzeigen, dass es h\u00f6chst fahrl\u00e4ssig ist, sich in den zentralen Fragen des Lebens und des Glaubens auf ein \u201eblo\u00dfes M\u00e4rchen\u201c zu verlassen. Ein M\u00e4rchen, das bei genauerem Hinsehen ein Zerrbild von Gott zeichnet und der Wirklichkeit in dieser Welt in keiner Weise gerecht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten sie motivieren, die Bibel zu lesen, das einzige Buch der Welt, das Gottes Liebe und Wahrheit offenbart und ein Lebensfundament bietet, das in Ewigkeit bleibt, denn Jesus sagt: \u201eHimmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen\u201c (Mt 24,35).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir m\u00fcssen darauf hinweisen, dass ein interreligi\u00f6ser Dialog, der den Missionsauftrag verleugnet, ein fataler Irrweg ist und dass Projekte wie das \u201eHouse of One\u201c von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, weil sie auf dem Treibsand der Aufkl\u00e4rung und nicht auf der von Gott geoffenbarten Wahrheit gr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und zu guter Letzt wollen wir alle Menschen, ob sie nun Juden, Moslems, Buddhisten, Esoteriker, Agnostiker oder Atheisten sind, zu dem einladen, der von sich gesagt hat: \u201eIch bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich\u201c (Joh 14,6).<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Johann Hesse, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Gemeindehilfsbundes (www.gemeindehilfsbund.de)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Quelle: Aufbruch &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes (M\u00e4rz 2019)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"https:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\/fileadmin\/Aufbruch\/Aufbruch_1_2019.pdf\">Die aktuelle Ausgabe des \u201eAufbruch\u201c kann hier heruntergeladen werden.<\/a>Wenn Sie den \u201eAufbruch\u201c kostenlos abonnieren m\u00f6chten, teilen Sie uns Ihren Wunsch gerne mit. (Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes, M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode, Tel.: 05161\/911330; info@gemeindehilfsbund.de).<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Eine Taxifahrt in Kassel Im vergangenen Jahr stieg ich nach einem Treffen des Netzwerkes Bibel und Bekenntnis in ein Taxi, um mich zum Bahnhof bringen zu lassen. Mit dem Taxifahrer kam ich ins Gespr\u00e4ch \u00fcber den Glauben. 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