{"id":16302,"date":"2019-03-15T08:55:16","date_gmt":"2019-03-15T07:55:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16302"},"modified":"2019-03-19T08:56:35","modified_gmt":"2019-03-19T07:56:35","slug":"verspielt-europa-sein-christliches-erbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16302","title":{"rendered":"Verspielt Europa sein christliches Erbe?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 15. Januar 2019 hat das britische Unterhaus den mit der EU ausgehandelten Brexitplan abgelehnt. Unabh\u00e4ngig davon, wie die Sache schlie\u00dflich ausgeht, ist die Ausstiegsabsicht eines so bedeutenden Landes nichts anderes als ein Offenbarungseid, ja eine Katastrophe f\u00fcr die EU, wie Hans-Werner Sinn festgestellt hat.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Und wenn der derzeitige amerikanische Pr\u00e4sident recht hat, werden noch weitere L\u00e4nder folgen.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Wie konnte es dahin kommen, dass die hehre Idee eines vereinigten Europa, die \u00fcber Jahrzehnte hinweg viele Europ\u00e4er begeisterte, nun schon seit Jahren so dramatisch an Zustimmung einb\u00fc\u00dft? Im Folgenden versuche ich, die Ursache f\u00fcr den Attraktivit\u00e4tsverlust der europ\u00e4ischen Idee herauszufinden und sie im Licht des christlichen Glaubens zu beleuchten. Die beiden B\u00fccher \u201eEuropas Aufstieg und Verrat\u201c von Hansj\u00fcrg St\u00fcckelberger<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a> und \u201eDas Buch der Mitte\u201c von Vishal Mangalwadi<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> waren mir dabei eine gro\u00dfe Hilfe.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viele andere Zeitgenossen, die Europa nicht nur als Wirtschaftsunion, sondern als eine geistige Gr\u00f6\u00dfe verstehen wollen, habe ich mich lange Zeit an dem bekannten Wort des ersten Pr\u00e4sidenten der Bundesrepublik Deutschland Theodor Heuss orientiert, dass Europa auf den drei H\u00fcgeln Akropolis (Demokratie), Capitol (Rechtskultur) und Golgatha (N\u00e4chstenliebe) errichtet wurde.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> Doch seitdem ich einen Vortrag von Prof. Mangalwadi \u00fcber die geistigen Wurzeln Europas geh\u00f6rt habe<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a>, ist mir klargeworden, dass es letztlich der Apostel Paulus war, der das Gottes- und Menschenbild in Europa revolutioniert hat, heidnische Denk-, Glaubens- und Verhaltensmuster \u00fcberwunden und damit unseren Kontinent geistig neu begr\u00fcndet hat. Mangalwadi sprach u.a. \u00fcber die Bibelstelle Titus 1,12, wo Paulus der griechisch-r\u00f6mischen Kultur ein vernichtendes Zeugnis ausstellt, und zwar unter Berufung auf einen griechischen Philosophen, der die Kreter \u201eunaufh\u00f6rliche L\u00fcgner, b\u00f6se Tiere und faule B\u00e4uche\u201c genannt hat. Dieses Urteil, so Mangalwadi, beschreibe aber nicht nur die Dekadenz des damaligen Heidentums, sondern kennzeichne auch die heutige geistige Lage in Europa, wo neuheidnische Tendenzen das Vakuum ausf\u00fcllen, das der verschwindende christliche Glaube hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tat: die aktuelle Brexit-Debatte und insbesondere die mangelnde Bereitschaft Br\u00fcssels, das englische Mehrheitsvotum anzuerkennen, f\u00fchrte ein Lehrst\u00fcck vor, wie undemokratisch Demokraten sein k\u00f6nnen. Wenn L\u00e4nder bestraft werden, nur weil sie aus einem freiwillig gew\u00e4hlten Staatenverbund wieder ausscheiden m\u00f6chten, dann offenbart das einen Mangel an gemeinsamen christlich-ethischen Werten. Hans-Werner Sinn sagt dazu mit Recht: \u201eNur Gef\u00e4ngnisse brauchen solche Strafen\u201c.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a> Ein Lehrst\u00fcck ganz anderer Art, n\u00e4mlich wie schnell sich das Rechtsempfinden von christlichen Werten abwenden kann, lieferte im Juni 2017 der Deutsche Bundestag. Dort wurde in einem politischen Hau-Ruck-Verfahren die Jahrtausende alte j\u00fcdisch-christliche Ehe als lebenslange Treueverbindung zwischen Mann und Frau zu Grabe getragen. 393 Abgeordnete stimmten f\u00fcr die sog. \u201aEhe f\u00fcr alle\u2018, 226 dagegen. Im B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch (BGB) hei\u00dft es inzwischen unter \u00a7 1353 \u201aEheliche Lebensgemeinschaft\u2018: (1) \u201eDie Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Fazit aus solchen Beobachtungen kann nur lauten, dass Europa dabei ist, sein christliches Erbe zu verspielen. Janis Vanags, der Erzbischof der Evangelisch-lutherische Kirche Lettlands, sagt es noch drastischer: <em>\u201eEuropa f\u00fchrt zur Zeit einen Selbstmord durch, und zwar durch Absage von den christlichen Wurzeln\u201c.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\"><strong>[8]<\/strong><\/a> <\/em>Die demokratischen Spielregeln funktionieren aber nur auf der Grundlage eines Menschenbildes, das dem anderen unter allen Umst\u00e4nden seine W\u00fcrde und sein Recht l\u00e4sst, auch wenn er eine andere Meinung vertritt. Rechtsfindung und Rechtsprechung gelingen auf Dauer nur auf der Grundlage eines Gottesbildes, das Gott und seine Gebote als die obersten Rechtsautorit\u00e4ten achtet. Das hat der Staatsrechtler Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde gemeint, als er seinen vielzitierten Satz formulierte: \u201e<em>Der freiheitliche, s\u00e4kularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.\u201c<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\"><strong>[9]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gr\u00fcndungsv\u00e4ter des Nachkriegseuropas haben es noch gewusst, dass eine Vereinigung Europas nur gelingen wird, wenn sich die verantwortlichen Politiker, Wirtschaftsf\u00fchrer und Juristen des christlichen Erbes unseres Kontinents bewusst bleiben und es bewusst f\u00f6rdern. Vom geb\u00fcrtigen Luxemburger Staatsmann Robert Schuman (1886-1963) stammt das Wort: <em>\u201eDie Demokratie wird eine christliche sein, oder sie wird nicht bestehen bleiben\u201c<\/em>.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Doch die meisten europ\u00e4ischen Staatslenker unseres Jahrhunderts haben anscheinend diese Erkenntnis verloren. Es wurden Vertr\u00e4ge gebrochen wie z.B. der Maastricht-Vertrag von 1993, der den EU-Staaten eine Schuldengrenze auferlegt (Deutschland brach den Vertrag zuerst 2002).<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> Die vielen Finanzspritzen f\u00fcr Griechenland haben zu einer verantwortungs- und hoffnungslosen \u00dcberschuldung des Landes gef\u00fchrt, die \u00d6konomen Konkursverschleppung nennen. <a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a> Und Griechenland selber bestraft den Statistiker, der die Finanzl\u00fcgen beim Eintritt des Landes in die EU offengelegt hat.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> Doch die verh\u00e4ngnisvollste Verleugnung des christlichen Erbes war zweifellos der Verzicht auf den Gottesbezug im Vertrag von Lissabon (2007-2009) auf intensives Dr\u00e4ngen Frankreichs hin. Statt dessen wird nur noch von einem \u201ekulturellen, religi\u00f6sen und humanistischen Erbe\u201c Europas gesprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es gibt auch Politiker in Europa, die sich der Bedeutung des christlichen Erbes bewusst sind. Viktor Orban, der ungarische Ministerpr\u00e4sident, hat am 28.7.2018 eine bedeutsame Rede gehalten, die von den deutschsprachigen Medien kaum bemerkt worden ist.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> Darin stellt er im Blick auf die kommende Europawahl f\u00fcnf Thesen auf, die zu einer geistigen Neuorientierung Mitteleuropas f\u00fchren k\u00f6nnten. Jede Nation m\u00fcsse das Recht haben, seine christliche Kultur zu verteidigen, das traditionelle Familienmodell zu sch\u00fctzen, seine M\u00e4rkte zu sichern, Einwanderung zu verweigern und der Globalisierung zu widerstehen. Es ist h\u00f6chste Zeit, ohne Denkverbote \u00fcber diese Thesen zu sprechen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pastor Dr. Joachim Cochlovius<br \/>\nLeiter des Gemeindehilfsbundes<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: Zukunft CH-Magazin 2\/2019 (<a href=\"http:\/\/www.zukunft-ch.ch\">www.zukunft-ch.ch<\/a>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Hans-Werner Sinn: \u201eDer Austritt ist ein gr\u00f6\u00dferer, ja katastrophaler Unfall in der Geschichte Europas. Er zerst\u00f6rt die Nachkriegsordnung und l\u00e4sst eine l\u00e4dierte EU zur\u00fcck\u201c. Hans-Werner Sinn in der F.A.Z. vom 23.2.2018<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Exklusiv-Interview in der BILD vom 16.1.2017<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Hansj\u00fcrg St\u00fcckelberger, Europas Aufstieg und Verrat. Eine christliche Deutung der Geschichte. Aachen 2011<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Vishal Mangalwadi, Das Buch der Mitte. Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzst\u00fcck der westlichen Kultur. Basel 2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> &#8222;Es gibt drei H\u00fcgel, von denen das <a href=\"https:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Abendland\">Abendland<\/a> seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in <a href=\"https:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Athen\">Athen<\/a>, das Capitol in <a href=\"https:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Rom\">Rom<\/a>. Aus allen ist das Abendland geistig gewirkt, und man darf alle drei, man muss sie als Einheit sehen.&#8220; &#8211; <a href=\"https:\/\/de.wikiquote.org\/wiki\/Theodor_Heuss\"><em>Theodor Heuss<\/em><\/a><em>, bei einer Schuleinweihungsfeier 1950 in Heilbronn<\/em>; zitiert nach: Theodor Heuss, <em>Reden an die Jugend<\/em>, T\u00fcbingen 1956, S. 32.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Auf dem Kongress des Gemeindehilfsbundes \u201eDie Zukunft Europas \u2013 Geistiges Erbe und christliche Verantwortung\u201c (Bad Teinach-Zavelstein 24.3.2018), nachzulesen in der Zeitschrift \u201eAufbruch\u201c des Gemeindehilfsbundes, Okt. 2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Hans-Werner Sinn, Brexit, Deutschland und die Zukunft der EU (F.A.Z. vom 23.2.2018)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Erzbischof Janis Vanags in einem Interview mit dem \u201eAufbruch\u201c, der Zeitschrift des Gemeindehilfsbundes (Nov. 2017)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde, Staat, Gesellschaft, Freiheit. 1976, S. 60.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Zitiert nach H. St\u00fcckelberger, a.a.O. S. 418<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> rp-online (Rheinische Post) vom 17.1.2014 \u201eMaastricht-Vertrag 68 Mal gebrochen\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Werner Mussler, Augen zu und durch (F.A.Z. 23.6.2018)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> \u201eGriechenland hat sich mit falschen Zahlen in die W\u00e4hrungsunion geschummelt. Der Mann, der die Wahrheit offenlegte, steht vor Gericht.\u201c (F.A.Z. 17.2.2018)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Auf der 29. Freien Sommeruniversit\u00e4t in B\u00e1lv\u00e1nyos, vollst\u00e4ndig abrufbar unter www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15723<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. Januar 2019 hat das britische Unterhaus den mit der EU ausgehandelten Brexitplan abgelehnt. 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