{"id":16256,"date":"2019-02-19T10:00:17","date_gmt":"2019-02-19T09:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16256"},"modified":"2019-02-19T10:01:51","modified_gmt":"2019-02-19T09:01:51","slug":"mutter-erde-statt-muttersein-verzicht-auf-kinder-der-umwelt-zuliebe-eine-neue-ideologie-greift-platz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=16256","title":{"rendered":"Mutter Erde statt Muttersein &#8211; Verzicht auf Kinder der Umwelt zuliebe? Eine neue Ideologie greift Platz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Geburtenschwund in Europa geht weiter. Zwar wird er durch die Zuwanderung aus Afrika und Nahost verzerrt, vor allem in Deutschland, aber in keinem Land der EU wird derzeit die bestandserhaltende Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau erreicht, auch in Frankreich nicht. Im Gegenteil, dort zeichnet sich eine Talfahrt ab. Seit vier Jahren geht die Kurve nach unten, 2018 wurden 758.000 Kinder geboren, 12.000 weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig steigt die Zahl der Sterbef\u00e4lle (614.000) um 1,3 Prozent. Insee, das Nationale Statistische Amt Frankreichs, gibt allerlei Gr\u00fcnde daf\u00fcr an: Die Hitzewelle im Sommer, das Erreichen der Baby-Boomer im Sterbealter f\u00fcr die Todesf\u00e4lle. F\u00fcr den Geburtenschwund deuten die Experten auf die K\u00fcrzungen der Familienpolitik, auf das wieder steigende Alter der M\u00fctter bei der ersten Geburt und hier und da auch auf einen neuen Trend: Immer mehr Frauen wollen bewusst kinderlos bleiben.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Trend ist in Deutschland nicht neu. Deutschland ist mit fast einem Viertel aller Frauen weltweit das Land mit dem h\u00f6chsten Prozentsatz an Kinderlosen. Rund zehn Prozent k\u00f6nnen aus biologischen Gr\u00fcnden keine Kinder bekommen, die anderen wollen nicht aus wirtschaftlichen oder pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden. Ihre Zahl w\u00e4chst vor allem bei den j\u00fcngeren Frauen. In Frankreich sind es knapp f\u00fcnf Prozent (bei den M\u00e4nnern fast sieben Prozent). Neu allerdings ist, dass diese bewusst Kinderlosen ihre Haltung auch \u00f6ffentlich rechtfertigen und gutgehei\u00dfen sehen wollen. Die \u00f6ffentliche Akzeptanz soll aus der Sorge um die Umwelt erwachsen. In den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern ist dieser Trend schon l\u00e4nger zu beobachten. In den USA bezeichnen sich ihre Anh\u00e4nger als \u201echildfree\u201c, als Kinderfreie, oder als Gink (Green inclination, no kids), was so viel hei\u00dft wie \u201ekinderlos aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden\u201c.\u00a0 Lisa Hymas, die Erfinderin der Gink-Bewegung, ist eine \u00d6ko-Feministin und ihre Bewegung erinnert stark an Malthus, wenn sie schreibt: \u201eWenn Du Deine Kinder liebst, bring sie nicht auf die Welt, sie ist ein M\u00fclleimer\u201c. Thomas Robert Malthus (1766 \u2013 1834), ein anglikanischer Pastor, Sozialphilosoph und \u00d6konom, stellte mit seinem \u201eBev\u00f6lkerungsgesetz\u201c eine Relation zwischen Armut und Bev\u00f6lkerungswachstum auf, die zwar vielfach widerlegt wurde, aber wegen ihrer Einfachheit bis heute wirkm\u00e4chtig blieb. Auch die eher d\u00fcsteren Ideen des Club of Rome, die vom malthusianischen Bev\u00f6lkerungsgesetz beeinflusst und ebenfalls widerlegt wurden, geistern weiter durch die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich ist es mit der Gink-Bewegung. Sie geht davon aus, dass der Planet schon \u00fcberbev\u00f6lkert sei \u2013 nach welchen Kriterien wird das gemessen? F\u00fcr Europa, Nordamerika, Australien und Teile Asiens kann man es nicht so schlicht sagen \u2013 und dass jeder Mensch die Umwelt belaste und die Erderw\u00e4rmung beschleunige. Es sind krude Thesen, wissenschaftlich nicht nachweisbar. Sie basieren auf einem allzu simplen und eigentlich animalischen Menschenbild. Sie sehen den Menschen nur als Konsumenten, nicht als geistige Potenz, die andere Ressourcen hat als Ackerbau und Viehzucht. Sie rechnen nicht mit der Innovationsf\u00e4higkeit, mit neuen Erfindungen und Durchbr\u00fcchen in der Wissenschaft, sie rechnen nicht mit der Kraft des Geistes. In diesem Sinn wird \u201eein Kind weniger\u201c in dieselbe Kategorie gelistet wie \u201eVerzicht auf einen Transatlantikflug\u201c oder der \u201eWechsel von Gl\u00fchbirnen\u201c. So geschehen im Juli 2017 in der Zeitschrift Environmental Research Letters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in Deutschland kommt diese Diskussion langsam auf, naturgem\u00e4\u00df nicht in wertkonservativen, sondern in progressiven Kreisen. Im vergangen Jahr machte die S\u00fcddeutsche Zeitung auf ihrer Internetseite in einem Video eine entsprechende Rechnung auf und stellte einen Bezug her zwischen dem Umweltschutz und einem Kind. Dabei bezog sie sich auf einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr zuvor \u2013 offenbar hatte der nicht so richtig gez\u00fcndet &#8211; und kommt wie der Spiegel zu dem Schluss: \u201eAuf Auto und Fleisch verzichten und weniger Flugreisen machen &#8211; mit diesen Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen Sie das Klima sch\u00fctzen. Doch laut Forschern ist noch wirksamer: ein Kind weniger in die Welt setzen\u201c. Auch hier wieder das Kind als statische Konsumgr\u00f6\u00dfe, keine Spur von der Dynamik des menschlichen Geistes. Es ist evident, da\u00df dieses Denken in manchen politischen Kreisen auch als Werbung f\u00fcr Abtreibung dient und der Abtreibung auf jeden Fall Vorschub leistet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Frankreich hat die \u00d6ko-Ideologie es zwar etwas schwerer als in Deutschland, aber die Gink-Diskussion hat daf\u00fcr prominente Bef\u00fcrworter. Anfang Januar \u00e4u\u00dferte sich der fr\u00fchere Umweltminister Yves Cochet in der linksliberalen Zeitschrift l\u2019Obs dazu mit den Worten: \u201eKeine Kinder zeugen ist ein \u00f6kologischer Akt\u201c. Folgerichtig pl\u00e4dierte er f\u00fcr K\u00fcrzungen bei familienpolitischen Transferleistungen, f\u00fcr das dritte Kind sollten alle Leistungen gestrichen werden \u2013 der Umwelt zuliebe. Das w\u00fcrde auch Platz schaffen f\u00fcr Migranten. In den sozialen Medien mehren sich die Eintr\u00e4ge von kinderlosen jungen Frauen, die ihre Entscheidung mit dem Umweltschutz begr\u00fcnden und sich daf\u00fcr auch sterilisieren lassen. Ein Wandel der Einstellungen sei im Gange, meint die bekannte Journalistin Laure Noualhat von der linksliberalen Zeitung \u201eLiberation\u201c, man schaue nicht mehr despektierlich auf Frauen, die keine Kinder haben wollten. Corinne Maer, Autorin des Buches \u201eNo Kid \u2013 40 Gr\u00fcnde f\u00fcr die Kinderlosigkeit\u201c, meint sogar, \u201ekein Kind zu haben wird langsam als ein altruistischer Akt angesehen, jedenfalls nicht mehr als eine egoistische Haltung\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man steht vermutlich erst am Anfang dieser Diskussion in Europa. Vor allem in Deutschland d\u00fcrfte sie angesichts des prophetischen Eifers bis hin zur Hysterie bei Umweltthemen noch in diesem Jahr Fahrt aufnehmen. Mythische Elemente spielen hinein: Mutter Erde statt Muttersein. Die \u00d6ko-Ideologie schafft ihre Alternativen, die Rettung des Planeten, das \u00dcberleben der Menschheit wird gegen das Leben des Menschen in Stellung gebracht. Dabei handelt es sich vielfach bei genauerem Hinsehen doch nur um Rechtfertigungen eines totalen Individualismus, von verst\u00e4ndlichen \u00c4ngsten um den Planeten einmal abgesehen. Mit Wissenschaft und konsequentem Verhalten hat das jedenfalls nur wenig zu tun. Eher schon mit der knappen Feststellung des fr\u00fcheren Nestors der Politik-Wissenschaft, Karl-Dietrich Bracher, der Ideologie als \u201eSelbst\u00fcberh\u00f6hung\u201c definierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber unabh\u00e4ngig von der Motivationslage: Hier kommt nach dem Gender-Mainstreaming eine neue Diskussion auf die Gesellschaft zu, die vor allem den Familien viel zu schaffen machen wird. Familie wird ihre Selbstverst\u00e4ndlichkeit rechtfertigen m\u00fcssen. Kinderreiche (ab drei Kinder) werden rechtfertigen m\u00fcssen, warum sie die Umwelt und damit die Menschheit \u201ebelasten\u201c. Es wird nicht viel nutzen darauf hinzuweisen, dass viele Genies und Pers\u00f6nlichkeiten als viertes, f\u00fcnftes oder sechstes Kind in einer Familie zur Welt kamen (z.B. Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach, Otto von Bismarck, Freiherr vom Stein, Immanuel Kant, Franz Schubert, Carl Maria von Weber, Ludwig van Beethoven, Georg Friedrich H\u00e4ndel, usw.usf.). Genie und Geist z\u00e4hlen nicht in dieser neuen Ideologie. Sie betrifft \u00fcbrigens auch die nicht-produktiven Alten und liefert den Apologeten der aktiven Sterbehilfe ein Argument der Rechtfertigung. Das ist nur logisch: Wer gegen unproduktives Leben ist, der ist es am Anfang und am Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V. (<a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\">www.i-daf.org<\/a>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>IDAF_Aufsatz 1 \/ 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Geburtenschwund in Europa geht weiter. Zwar wird er durch die Zuwanderung aus Afrika und Nahost verzerrt, vor allem in Deutschland, aber in keinem Land der EU wird derzeit die bestandserhaltende Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau erreicht, auch in Frankreich nicht. Im Gegenteil, dort zeichnet sich eine Talfahrt ab. Seit vier Jahren geht die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[15,14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16256"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16256"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16258,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16256\/revisions\/16258"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}