{"id":15939,"date":"2018-11-13T16:23:59","date_gmt":"2018-11-13T15:23:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15939"},"modified":"2018-11-13T16:35:25","modified_gmt":"2018-11-13T15:35:25","slug":"interview-pfr-dr-theo-lehmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15939","title":{"rendered":"Im Gespr\u00e4ch: Pfr. Dr. Theo Lehmann"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Den Lesern des &#8222;Aufbruchs&#8220; ist der Autor der Glosse auf der letzten Seite schon seit 2011 ein Begriff. Herzlichen Dank f\u00fcr diese erfrischenden Texte! Wie kriegt man das hin, betr\u00fcbliche Sachverhalte so zu servieren, dass sie genie\u00dfbar werden?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-15947\" src=\"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Theo-Lehmann.jpg\" alt=\"\" width=\"129\" height=\"172\" \/>Luther soll mal gesagt haben, er brauche zum Predigen immer eine gewisse Wut. Er hat aber keine Wutpredigten gehalten, sondern sein Zorn auf zahlreiche Gegner und Irrlehrer diente ihm als w\u00fcrzender Antrieb seiner Wortverk\u00fcndigung. Er brauchte etwas, woran er sich reiben konnte, und davon gab es mehr als genug. So \u00e4hnlich geht es mir bei den Glossen. Ich lag mal krank im Bett, hatte f\u00fcr nichts mehr Kraft und Interesse. Eines Tages meldete ich mich zur\u00fcck und schrieb dem Redakteur, ich w\u00fcrde bereits an der n\u00e4chsten Glosse herumformulieren. Das war also mein Thermometer: Ich rege mich schon wieder \u00fcber irgendetwas auf. Der Theo hat wieder Wut, also geht\u2019s ihm wieder gut.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt kommt aber die Hauptsache: Solange es nur darum geht, sich \u00fcber etwas lustig oder jemanden fertig zu machen, bleibt\u2019s nur bei Bitterbrot mit Galle. Genie\u00dfbar wird die Glosse, wenn klar wird: Hier schreibt einer etwas Negatives, aber bitte mit Liebe. Mit Wut im Bauch und Liebe im Herzen augenzwinkernd \u00fcber \u201ebetr\u00fcbliche Sachverhalte\u201c schreiben \u2013 das macht die Glosse genie\u00dfbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Theo Lehmann ist schon lange nicht nur ein Name, sondern ein Begriff und eine Institution. Ich war Anfang der 70er Jahre im damaligen Karl-Marx-Stadt in einem der Jugendgottesdienste und traute meinen Augen nicht. Die riesige Kirche war voller junger Menschen, und das zweimal hintereinander. Bei so viel Zulauf \u00fcber die Jahrzehnte entsteht ja die Gefahr, stolz und eingebildet zu werden. Gibt es da ein Gegenmittel?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Jugendgottesdienst war gedacht f\u00fcr die Jugendlichen der Gemeinde, in der ich als Pfarrer, und zwar besonders f\u00fcr die Jugendarbeit, angestellt war. Schriftlich eingeladen wurden alle Getauften und Konfirmierten, die in der Kartei als Gemeindeglieder gef\u00fchrt wurden, aber nie in der Kirche gesichtet worden waren. Niemand hat geahnt oder geplant, was daraus wurde: drei Jahrzehnte lang war an jedem 2. Sonntag des Monats \u201eTheo-Gottesdienst\u201c, 17:00 und 19:00 Uhr. Es kamen jeweils 3000 junge Menschen. Es gab Bekehrungen und astronomische Kollekten. Da ich weder blind noch bekloppt war, blieb mir durchaus nicht verborgen, dass das eine einzigartige Veranstaltung in Deutschland war, Grund zu Dankbarkeit und Freude. Aber Grund zum Stolz? Es war ja wunderbar, dass die jungen Menschen mit Bussen und Mopeds aus dem Erzgebirge und von sonst wo anger\u00fcckt kamen, aber was bedeutet so eine Zahl 3000, so schwindelerregend sie ist? In Karl-Marx-Stadt lebten tausende Jugendliche, die nicht zu diesen Gottesdiensten kamen, nicht mal eine Ahnung von deren Existenz hatten. So gl\u00fccklich ich \u00fcber diese 3000 war, die kamen, so schmerzhaft war mir bewusst, dass 30000 oder mehr eben nicht kamen. Jedenfalls hat mich Gott gl\u00fccklicherweise vor der st\u00e4ndigen Selbstbeobachtung und Reflexionsmasche bewahrt, mit der manche ihren Dienst messen und ihre Gef\u00fchlslage analysieren. Ich habe einfach meinen Dienst gemacht. In bin Jahrgang 1934. Wenn man schon als Kind erleben musste, wie hart der \u00dcberlebenskampf war, hat man sp\u00e4ter im Leben weder Zeit noch Lust, sich dauernd am Puls zu f\u00fchlen \u2013 wie geht es mir, wie erlebe ich das, immer ich, ich, ich und mein Befinden. Ich hatte meinen Auftrag, ich war ordinierter Pfarrer, es gab riesige Aufgaben, also packen wir\u2019s an. F\u00fcr Stolz und Einbildung war in meiner Pfarrerexistenz einfach kein Platz. Das Bibelwort von den unn\u00fctzen Knechten war mir als Pfarrer auch bekannt. Im \u00fcbrigen sorgten Staat und Kirche mit ihren Qu\u00e4lereien daf\u00fcr, dass ich h\u00fcbsch auf dem Boden blieb, ganz abgesehen davon, dass ich manchmal mit zitternden Knieen gepredigt habe, z. B. als es eine Bombendrohung gab. Und an einen Gottesdienst erinnere ich mich besonders. Ich predigte, der Mittelgang war vollgestopft mit Menschen, die Kirchent\u00fcren standen offen, so dass ich beim Predigen auf den Opernplatz vor der Kirche sehen konnte. Und da sah ich, wie Uniformierte von vorfahrenden Mannschaftswagen abstiegen \u2013 vor der Kirchent\u00fcr. Ich wusste nicht, was die wollten. Wollten die mich und alle anderen verhaften? Solche Gedanken schossen mir durch den Kopf, w\u00e4hrend ich mit zitternden Knieen wie ein Weltmeister weiter predigte. Corrie ten Boom hat gesagt: \u201eMut ist Angst, die vorher gebetet hat.\u201c Und ich hatte mal den Satz gelesen: \u201eEin Prediger muss bereit sein, f\u00fcr das, was er gepredigt hat, aufs Schafott zu gehen.\u201c Das war mein Grundsatz, und dass Gott mich und die Jugendlichen bewahrt hat, war kein Grund zum Stolz, sondern zur Dankbarkeit. Vielleicht ist die Dankbarkeit das beste Gegenmittel gegen den Stolz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im Buch \u201eFreiheit wird dann sein. Aus meinem Leben\u201c sind viele Liedtexte abgedruckt. Wer kennt nicht \u201eDass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schl\u00e4gt\u201c? Theo Lehmann und die Musik geh\u00f6ren untrennbar zusammen. Wie m\u00fcssen Lieder beschaffen sein, damit sie die Herzen f\u00fcr das Evangelium \u00f6ffnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Na, sie m\u00fcssen vor allem Evangelium enthalten und in der Sprache der Gegenwart formuliert sein. Wenn bei st\u00e4ndigen Wiederholungen, m\u00f6glichst im Dreivierteltakt, der Herr und K\u00f6nig auf den Thron erhoben wird, wird\u2019s allm\u00e4hlich langweilig. Einfache sofort mitsingbare Melodien mit ebenso einfachen Texten, das ist ein gutes Konzept. Wobei Einfachheit nicht mit Plattheit verwechselt werden darf. Mit den Liedtexten ist das wie mit den Predigten. Es ist die h\u00f6chste Kunst, mit einfachen Worten die tiefsten Wahrheiten auszusprechen, lebensnah und aktuell. Wobei ja bei den Liedern die Schwierigkeit dazu kommt, dieses alles in eine bestimmte Form zu bringen. Jedenfalls brauchen wir bei Evangelisationen Lieder, die Jesus bekennen und zu ihm einladen. Deshalb ist keineswegs jeder christliche Liedermacher f\u00fcr Evangelisationen geeignet, sondern nur, wer dem\u00fctig alles dem einen Ziel von Zeugnis und Bekehrung unterordnet, ist zu diesem Dienst bef\u00e4higt. Es geh\u00f6rt zu dem gro\u00dfen Gl\u00fcck meines Lebens, dass ich in J\u00f6rg Swoboda und Wolfgang Tost zwei S\u00e4nger gefunden habe, die sich als Evangelisten verstehen und mich bei Evangelisationen begleitet haben. Mit beiden habe ich auch viele Lieder geschrieben, z. B. auch das in der Frage erw\u00e4hnte. Unsere Lieder haben das Evangelium in vielen Facetten zum Inhalt und greifen zugleich aktuelle, ethische, gesellschaftliche und politische Themen auf. Das st\u00f6rt mich, wenn ich das hier mal nebenbei bemerken darf, an der heutigen christlichen Liedermacherszene, dass sie die eben genannten Bereiche kaum ber\u00fchrt. Themen, die unsere Gesellschaft besch\u00e4ftigen und spalten und unseren christlichen Glauben speziell angehen (Abtreibung, Ehe f\u00fcr alle, Islam), werden ausgeblendet. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass auch nur ein einziger Liedermacher sich z. B. mit dem Islam auseinandergesetzt h\u00e4tte, au\u00dfer Lehmann\/Tost, bei denen es in dem Bekehrungslied<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet\u201c hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eBuddha, Allah oder Krishna<br \/>\nkannst du alle glatt vergessen.<br \/>\nWer die falschen G\u00f6tter ehrt,<br \/>\nder verliert und lebt verkehrt.<br \/>\nNiemand kann mit Gott sich messen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Manchmal wird gesagt, dass die Zeit der Evangelisationen vorbei sei. Lassen sich die Menschen heute noch \u00f6ffentlich zur Bekehrung aufrufen, und wenn ja, wie muss das geschehen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Schwachsinn h\u00f6re ich nun schon seit 50 Jahren, vor allem aus dem Mund von denen, die Evangelisation grunds\u00e4tzlich ablehnen. Mir hat es, zusammen mit anderen Evangelisten, nie an Arbeit gefehlt, und auch das s\u00e4chsische Evangelisationsteam hat keinen Mangel an Einladungen. Wir haben inzwischen seit Jahren sogar ein Zelt! Vorbei ist lediglich der \u00fcberholte Stil mit Posaunen- und M\u00e4nnerch\u00f6ren, Liedern in der Sprache Kanaans usw. Aber wenn man es richtig anpackt und bei der biblischen Botschaft bleibt, bleibt das Zelt nicht leer. Im Gegenteil, es ist nach wie vor eine der besten M\u00f6glichkeiten, die Botschaft von Jesus unter die Leute zu bringen. Bei uns im Zelt steht vorne auf der B\u00fchne ein gro\u00dfes Kreuz. Am Ende der Verk\u00fcndigung stelle ich mich daneben und sage:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir haben hier vorne ein Kreuz aufgestellt.<br \/>\nDas ist ein Zeichen, ein Symbol f\u00fcr Jesus Christus.<br \/>\nEs bedeutet: Wir Christen glauben, dass Jesus jetzt hier ist.<br \/>\nUnd wenn du zu Jesus kommen willst, kannst du das jetzt auch in der Zeichensprache ausdr\u00fccken, indem du aufstehst (du verl\u00e4sst dein altes Leben) und hierher zum Kreuz kommst w\u00e4hrend des folgenden Liedes. Ich bleibe hier nur stehen, um dir zu helfen.<br \/>\nDenn wenn du hier vor dem Kreuz stehst, werden wir ein Gebet sprechen.<br \/>\nIch sage es in kurzen S\u00e4tzen vor, und du sprichst es mir nach und machst es dadurch zu deinem eigenen Gebet. Damit sprechen wir den auferstandenen gegenw\u00e4rtigen Jesus an,<br \/>\nund das ist der entscheidende Schritt.<br \/>\nDem folgen dann gleich die n\u00e4chsten Schritte.<br \/>\nDenn wenn du hier vorne stehst, wirst du nicht alleine stehen.<br \/>\nEr werden sich Mitarbeiter zu dir stellen,<br \/>\ndie wollen hinterher noch mit dir reden und dir helfen<br \/>\ndamit aus dem ersten Schritt ein Weg wird. Und jetzt kannst du kommen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann singt der S\u00e4nger ein sogenanntes Ruflied, und diese paar Minuten sind \u00e4u\u00dferst kostbar. So etwas kommt sonst nie und nirgends bei kirchlichen Veranstaltungen und Gottesdiensten vor. Selbst wenn niemand nach vorne kommt \u2013 es fallen in diesen Minuten Entscheidungen f\u00fcr die Ewigkeit. Es geht da nur um die eine Frage: Gehe ich jetzt zum Kreuz oder nicht? Werde ich Christ, oder lasse ich es bleiben? F\u00fcr den Evangelisten ist das der schwerste Moment der Evangelisation, der nur im Gebet durchgestanden werden kann. Billy Graham erz\u00e4hlte, dass er da immer ein Hemd durchschwitzt. Das ist n\u00e4mlich der Moment, wo man es praktisch mit H\u00e4nden greifen und mit Augen sehen kann, dass wir es nicht mit Fleisch und Blut, also mit menschlichen Argumenten zu tun haben, sondern mit d\u00e4monischen M\u00e4chten, die die Angesprochenen auf ihrem Stuhl, also ihrem alten Leben, festhalten wollen. Wenn jemand zum Kreuz gekommen ist, bete ich Satz f\u00fcr Satz das \u00dcbergabegebet, und die Gekommenen sprechen es laut nach:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHerr Jesus Christus, ich brauche dich.<br \/>\nIch habe bisher mein Leben selbst bestimmt.<br \/>\nIch habe gegen dich ges\u00fcndigt.<br \/>\nIch bitte dich: Vergib mir meine Schuld.<br \/>\nIch gebe dir jetzt mein Leben<br \/>\nmit Leib, Seele und Geist,<br \/>\nmit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.<br \/>\n\u00dcbernimm die Herrschaft in meinem Leben<br \/>\nund ver\u00e4ndere mich so, wie du mich haben willst.<br \/>\nIch danke dir, dass du mich angenommen hast.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im \u201eDr. Blues-Lied\u201c von Lutz Scheufler hei\u00dft es: \u201eSeine Worte konnten treffen, daf\u00fcr schlug man auf ihn drauf. Deshalb fand er nicht nur Freunde, manche wollten ihn nicht h\u00f6r\u2018n. Legten viele Stolpersteine, um sein Predigen zu st\u00f6r\u2019n.\u201c Im genannten Freiheitsbuch kann man von diesen Widerst\u00e4nden eine Menge lesen. Wie kann man trotz Gegenwind ein fr\u00f6hlicher Christuszeuge bleiben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war nie so naiv zu denken, ich k\u00f6nnte als Prediger der Wahrheit ohne Widerstand leben. Im Gegenteil. Als Prediger der Wahrheit in einem System der L\u00fcge \u2013 das konnte nicht gut gehen und musste zu Konflikten f\u00fchren. Man muss sich mal klar machen, wo ich gepredigt habe \u2013 in Karl-Marx-Stadt. Schon der aufgezwungene Name sagt alles. Es war die Stadt, die als Vorbild einer sozialistischen Metropole galt. Und die Lehre der herrschenden Ideologie war ja, dass die Kirche ausstirbt. Und nun passierte es, dass nicht nur ein paar halb taube alte Weiblein in die Kirche kamen, sondern tausende junge Menschen. Ausgerechnet in dieser Stadt! Das passte nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht in die K\u00f6pfe und Konzepte der Kommunisten. Hier prallten zwei Totalanspr\u00fcche aufeinander. Der totalit\u00e4re DDR-Staat verlangte die totale Hingabe seiner B\u00fcrger an das sozialistische System, und da trat ein junger Pfarrer auf, der die Jugendlichen zur totalen Hingabe an Gott aufforderte, zur sofortigen Bekehrung und Nachfolge ohne R\u00fccksicht auf andere Meinungen, Menschen und M\u00e4chte. Damit war der Krach programmiert. Ich habe immer mit Gegenwind gerechnet, z. B. mit Verhaftung. Gleichzeitig war ich so naiv zu denken, meine Kirche w\u00fcrde zu mir halten. Dass ich dann von meinen eigenen \u201eBr\u00fcdern\u201c die schwerste Dresche bezog, traf mich v\u00f6llig unerwartet. Im Lauf der Jahre kam ich in einem schmerzhaften Prozess zu der Erkenntnis, dass es sinnlos ist, sich auf Menschen (Pfarrer, Bisch\u00f6fe, Kirchenleitungen, usw.) zu verlassen. Ich beschloss, mich nur noch auf Jesus, meinen Auftraggeber und Besch\u00fctzer, zu verlassen. Das hat mich freier, unabh\u00e4ngiger und mutiger gemacht. Jesus allein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wer heute 84 Jahre alt ist und in der Ex-DDR gelebt hat, kann zwei Diktaturen und eine Demokratie \u00fcberblicken. Wie k\u00f6nnen Christen das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland gegen Ideologien von links und rechts st\u00fctzen und st\u00e4rken?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das demokratische System der Bundesrepublik existiert real immer weniger, und wir bewegen uns immer mehr in Richtung Diktatur. Was ich allein bei der Ideologisierung der Gesellschaft vom Kindergarten bis zur Wissenschaft und Forschung erlebe, kommt mir sehr bekannt vor. Das hatten wir alles ja schon mal. Jeder Andersdenkende, der seinen eigenen Kopf bewahrt, zumal wenn da lange Haare drauf waren, wurde als dekadent und Friedensfeind betrachtet und behandelt. Als dann prominente Politiker der Bundesrepublik einen Teil der eigenen B\u00fcrger, die sich erlaubten selbstst\u00e4ndig zu denken, als \u201ePack\u201c bezeichneten, klingelten bei mir die Alarmglocken. Den Ton kannte ich! Ich habe mich sofort mit dem \u201ePack\u201c solidarisiert und ging seitdem zu den Montagstreffen der Chemnitzer Pegida, die meistens am \u201eNischel\u201c, also dem riesigen Karl-Marx-Kopf stattfanden. Genau dort stand ich 1989 und demonstrierte mit den Tausenden f\u00fcr die Freiheit. Es ist tragisch, dass ich jetzt als alter Mann wieder am gleichen Platz stehe, weil ich die damals schwer erk\u00e4mpfte Freiheit nicht verlieren m\u00f6chte. Da mag jeder sich seine M\u00f6glichkeit suchen, seine Meinung zu \u00e4u\u00dfern. Ob es was n\u00fctzt, mit Pegida vor dem antichristlichen Islam zu warnen, wei\u00df ich nicht. Ich mache es eben, weil es wichtig ist. Freiheit, wie wir sie als Demonstranten 89 verlangten, war praktisch unm\u00f6glich. Und dann wurde das Unm\u00f6gliche pl\u00f6tzlich doch m\u00f6glich! Und zwar, weil Gott eingegriffen hat. Ob er noch mal so eingreift? Oder gilt f\u00fcr die jetzige Lage das Pauluswort von R\u00f6mer 1,34: \u201eGott hat sie dahingegeben.\u201c? Ich will mich jetzt nicht in Spekulationen \u00fcber den Lauf der Weltgeschichte verlieren. Kehren wir zum Leben von Theo Lehmann zur\u00fcck. Ich f\u00fcr meinen Teil rufe die Menschen, zu denen ich predige, zur Bekehrung zu Gott auf, und das will ich machen, solange ich predigen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erstaunlicherweise haben viele evangelische Pfarrer und auch manche Superintendenten die Theo-Lehmann-Jugendgottesdienste im fr\u00fcheren Karl-Marx-Stadt und die Evangelisationen im Lande behindert und boykottiert. Woran liegt das? Und: gab und gibt es eigentlich Unterschiede in der Aufnahmebereitschaft f\u00fcr das Evangelium in Ost und West?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus welchen Gr\u00fcnden kirchliche Amtstr\u00e4ger gegen die Jugendgottesdienste und Evangelisationen waren, wei\u00df ich nicht. Unterschiede in der Aufnahmebereitschaft f\u00fcr das Evangelium in Ost und West sind mir nicht aufgefallen. Schon als ich zum ersten Mal im Westen predigte, sagte J\u00f6rg Swoboda, der als S\u00e4nger dabei war, mitten w\u00e4hrend einer Veranstaltung zu mir: \u201eEs ist alles wie zuhause.\u201c Bei diesem Eindruck ist es geblieben. In den Jahren nach der friedlichen Revolution wurde ich immer wieder gefragt: Gibt es einen Unterschied zwischen Ost und West? Lange wusste ich darauf keine Antwort. Dann ging ich in westdeutsche Schulen. Oft bombardierten mich die Sch\u00fcler mit den gleichen Fragen, mit denen uns schon die Kommunisten genervt hatten \u2013 Kreuzz\u00fcge, Hexenverbrennung, usw. Da wusste ich die Antwort. Sie hei\u00dft: Im Westen sind viele getauft, aber ohne pers\u00f6nliche Gottesbeziehung. Im Osten sind die wenigsten getauft, aber meist ohne pers\u00f6nliche Gottesbeziehung. Folgerung: Ob Ost oder West \u2013 alle brauchen eine pers\u00f6nliche Beziehung und Bekehrung zu Gott. Es muss evangelisiert werden!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In puncto Frauenordination, Abtreibung, Homosexualit\u00e4t und vorehelichen Sex gehen die Meinungen auch im frommen Lager weit auseinander. Die Diskussionen dar\u00fcber sind oft strapazi\u00f6s und binden Kr\u00e4fte. Wie kann die evangelikale Bewegung in diesen ethischen Fragen wieder zu einer einheitlichen, auf dem Wort Gottes gegr\u00fcndeten Haltung finden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem sie das Wort Gottes wieder als Wort Gottes, also als oberste Autorit\u00e4t anerkennt. Die Poussiererei mit dem Zeitgeist muss endlich aufh\u00f6ren!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Gemeindehilfsbund pl\u00e4diert seit 20 Jahren f\u00fcr die Einberufung einer evangelischen Bekenntnissynode, weil wir davon \u00fcberzeugt sind, dass die bekenntnis- und bibelgebundenen Christen in den Landeskirchen eine eigenst\u00e4ndige Vertretung in und gegen\u00fcber der EKD brauchen. Liegen wir da richtig, oder ist dieser Zug schon l\u00e4ngst abgefahren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, der muss erst richtig in Fahrt kommen. Genau das, eine Bekenntnissynode, hatte auch das Evangelisationsteam vorgeschlagen, und dazu stehe ich auch heute noch. Aber entweder ist der Druck noch nicht gro\u00df genug, oder die Evangelikalen sind zu zersplittert oder was wei\u00df ich, jedenfalls ist der Zeitpunkt, der kairos, offensichtlich noch nicht da. Aber Gott wird ihn bestimmen. Die Bekenntnissynode muss kommen, wird kommen, wenn Gott gr\u00fcnes Licht gibt. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir beten und arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zum Schluss bitte ich noch um eine kleine Wegweisung. Was braucht die Gemeinde Jesu in unserem Land am dringendsten? Wie kann sie im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe wachsen? Wie kann sie in einer weithin zeitgeistabh\u00e4ngigen evangelischen Kirche Salz und Licht f\u00fcr die Welt sein und werden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer bin ich, um eine Wegweisung geben zu k\u00f6nnen? Das ist zu viel verlangt. Salz und Licht f\u00fcr die Welt kann man nicht werden, denn Jesus sagt: Ihr seid es. Das brauchen wir nur zu glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Fragen stellte Pastor Dr. Joachim Cochlovius.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: Aufbruch &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes (Oktober 2018)<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.gemeindehilfsbund.de\/fileadmin\/Aufbruch\/Aufbruch_2_2018.pdf\">Die aktuelle Ausgabe des \u201eAufbruch\u201c kann hier heruntergeladen werden<\/a>. Wenn Sie den \u201eAufbruch\u201c kostenlos abonnieren m\u00f6chten, teilen Sie uns Ihren Wunsch gerne mit. (Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes, M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode, Tel.: 05161\/911330; info@gemeindehilfsbund.de).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Lesern des &#8222;Aufbruchs&#8220; ist der Autor der Glosse auf der letzten Seite schon seit 2011 ein Begriff. Herzlichen Dank f\u00fcr diese erfrischenden Texte! Wie kriegt man das hin, betr\u00fcbliche Sachverhalte so zu servieren, dass sie genie\u00dfbar werden? Luther soll mal gesagt haben, er brauche zum Predigen immer eine gewisse Wut. Er hat aber keine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":111,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,10,13],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15939"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/111"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15939"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15939\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15950,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15939\/revisions\/15950"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15939"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15939"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15939"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}