{"id":15855,"date":"2018-10-05T15:41:44","date_gmt":"2018-10-05T13:41:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15855"},"modified":"2018-10-05T15:42:50","modified_gmt":"2018-10-05T13:42:50","slug":"liebe-sexualitaet-und-sexuelle-vielfalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15855","title":{"rendered":"Liebe, Sexualit\u00e4t und &#8218;Sexuelle Vielfalt&#8216;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Bewegung der \u201eSexuellen Vielfalt\u201c hat mehrere alte Wurzeln (etwa bei fr\u00fchsozialistischen Denkern in Frankreich), wurde in Deutschland im Rahmen der 68er-Bewegung als \u201eSexuelle Revolution\u201c propagiert und ist inzwischen in eine allgemeine Forderung eingem\u00fcndet: eben die der sexuellen Vielfalt. Auch wer das sehr kritisch sieht, sollte ein wichtiges Signal und Wahrheitsmoment darin nicht \u00fcbersehen: Sexualit\u00e4t ist super! Sie ist ein tiefes Bed\u00fcrfnis des Menschen und ein hohes Gl\u00fcck. Sie ist mehr als \u2013 wie f\u00fcr manchen der Fu\u00dfball \u2013 die \u201esch\u00f6nste Nebensache der Welt\u201c. Sie ist etwas Zentrales im menschlichen Leben. Und jeder wei\u00df: ohne sie g\u00e4be es ihn nicht. Zugleich aber hat die Sexualit\u00e4t noch mehr Funktionen als die Fortpflanzung. Sie deckt vier Bereiche ab:<!--more--><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Identit\u00e4t 2. Lust 3. Beziehung \u00a04. Fortpflanzung.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und sie kann sogar ein Weg der Gottesbegegnung sein. In grausam pervertierter Form hat sich dieses Wissen in der Kultprostitution niedergeschlagen. Im positiven Sinne ist es in der Sicht der Ehe als Sakrament in der katholischen Kirche aufbewahrt. &#8211; Mit diesen f\u00fcnf Segensbereichen birgt die Sexualit\u00e4t ein einzigartiges Potential an Leben, Gl\u00fcck und Zukunftsgestaltung in sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Sexualit\u00e4t ist nichts Schmutziges, wie die versch\u00e4mte Aufkl\u00e4rungspraxis fr\u00fcherer Generationen nicht selten empfinden lie\u00df! Unter dem Einfluss des Neuplatonismus (f\u00fcr den der Leib der niedere Teil des Menschen und das Gef\u00e4ngnis der Seele, Sexualit\u00e4t ein notweniges \u00dcbel war) kam es gerade in der\u00a0 Kirche (und dabei wesentlich durch den Kirchenvater Augustin, dem wir auf anderen Gebieten sehr viel Gutes verdanken) zu einer langen Geschichte der Geringsch\u00e4tzung des menschlichen Leibes und der Lust bei der Sexualit\u00e4t. \u00a0Dabei sagt die Bibel nach der Erz\u00e4hlung \u00fcber die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau und nach dem Auftrag, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren: \u201eUnd siehe, es war sehr gut.\u201c \u2013 Gott gibt also auf den ganzen Menschen mit Leib, Seele und Geist und auch auf seine Sexualit\u00e4t \u201edie glatte Eins\u201c, das Pr\u00e4dikat \u201esehr gut\u201c. Also nicht nur die \u201eDrei\u201c und keinesfalls die \u201eSechs auf den Sex\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sexualit\u00e4t ist aber nicht nur eine supergute und saubere Gabe. Sie ist auch eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Sie ist ein \u201eFeuer\u201c, das geh\u00fctet sein will. Sie braucht R\u00e4ume der Geborgenheit, sie setzt liebendes Vertrauen voraus. Und sie braucht Ordnungen und Regeln, ohne die menschliches Leben auf keinem Gebiet gelingen kann. Sonst kann Sexualit\u00e4t ein \u201ewilder Brand\u201c werden, eine furchbare Katastrophe f\u00fcr den einzelnen Menschen, f\u00fcr ganze Familien und sogar f\u00fcr die Gesellschaft insgesamt. Sehr treffend wird die &#8211; auch sexuelle! &#8211; Liebe in dem wunderbaren \u201eHohelied Salomos\u201c im Alten Testament als \u201eFlamme des Herrn\u201c bezeichnet. Ein gro\u00dfes Gottesgeschenk also, mit dem aber auch eine gro\u00dfe Verantwortung verbunden ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass praktizierte Sexualit\u00e4t nicht der einzige Weg erf\u00fcllten Menschensein ist, muss jedoch ebenfalls betont werden. Nicht nur Kinder und sehr alte Menschen w\u00e4ren andernfalls vom vollen Menschsein ausgeschlossen, sondern z.B. auch solche, die bewusst ehelos leben. Und dass bewusster Verzicht um des Reiches Gottes willen (wie etwa bei Paulus) und die Sublimierung sexueller Energie ein Segensweg f\u00fcr die gesamte europ\u00e4ische Kultur war, kann kaum genug betont werden. Neben den fragw\u00fcrdigen\u00a0 neuplatonischen Einfl\u00fcssen hat diese Lebensweise sehr positive Impulse f\u00fcr einen beherrschten Umgang mit der Sexualit\u00e4t gegeben. Wer heute also behauptet: \u201eWenn ich mich nicht sexuell ausleben kann, ist es kein Leben!\u201c, der irrt. Ohne Selbstbeherrschung und sinnvollen Verzicht (\u201eFasten\u201c) ist gelingendes und erf\u00fclltes Leben auf dieser Erde gerade <u>nicht<\/u> m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch sexuelle Vielfalt ist in einem gewissen Sinne \u201esuper, sauber\u2026und sehr verantwortungsvoll\u201c. Vielf\u00e4ltig darf n\u00e4mlich das Liebesspiel sein, mit dem sich ein Ehepaar gegenseitig beschenkt. Verantwortungsvoll muss es dabei freilich immer zugehen: nichts darf geschehen, was den andern erniedrigt, \u00fcberfordert, was ihm Gewalt antut oder ihn\u00a0 nur \u201ebenutzt\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun steht aber das \u201emoderne\u201c Konzept der \u201eSexuelle Vielfalt\u201c im Raum &#8211; und auch in den schulischen Lehrpl\u00e4nen. Der Ausdruck \u201eSexuelle Vielfalt\u201c steht dabei m.E. auch f\u00fcr vieles, was mit gutem, sauberem und verantwortungsvollem Sex nichts mehr zu tun hat, wo das zerst\u00f6rende \u201eFeuer\u201c brennt.- Um eine begr\u00fcndete Meinung dazu zu gewinnen, ist es gut, mehrere Ebenen zu unterscheiden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.\u00a0\u00a0\u00a0 Die deskriptive (beschreibende) Ebene<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sexualforschung beschreibt eine gro\u00dfe Menge an vorfindlichen sexuellen Auspr\u00e4gungen. Da sind zun\u00e4chst die \u201esexuellen Orientierungen\u201c oder Interessen zu nennen, die entweder praktisch oder auch nur in der Phantasie ausgelebt werden: Heterosexualit\u00e4t, Bisexualit\u00e4t, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Polysexualit%C3%A4t\">Polysexualit\u00e4t<\/a>, Pansexualit\u00e4t, Homosexualit\u00e4t. Bei manchen Menschen wird von Asexualit\u00e4t gesprochen, weil sie sich nirgendwo sexuell angezogen f\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der sexuellen Orientierung zu unterscheiden ist die sexuelle Identit\u00e4t, also das Selbstverst\u00e4ndnis und Selbsterleben als m\u00e4nnlich, weiblich, nicht eindeutig als weiblich oder m\u00e4nnlich festgelegt oder als geschlechtsneutral. Begriffe daf\u00fcr sind Intersexualit\u00e4t und Transsexualit\u00e4t, Gender, Transgender und Transvestitismus. Dabei gibt es Menschen mit einem ausschlie\u00dflich seelischen \u201eFremderleben\u201c und solche, bei denen massive biologische Ursachen vorliegen, z.B. weil die Geschlechtsorgane nicht eindeutig ausgebildet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein schon aus diesen Beschreibungen ergeben sich so viele medizinische, psychologische, p\u00e4dagogische, soziologische und juristische Fragen, dass wir viele davon jetzt nicht einmal streifen\u00a0 k\u00f6nnen. \u00a0Und dazu k\u00e4men noch weitere Bereiche wie die Sprache oder philosophische Fragen wie der\u00a0 Verantwortungs-, Toleranz- und Freiheitsbegriff. Wir werden also nur wenige Striche innerhalb eines riesigen Bildes zeichnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ebene der Werte und Wertungen und der pers\u00f6nlichen Betroffenheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz grunds\u00e4tzlich stellt sich zun\u00e4chst die Frage nach den Grenzen einer ethisch verantwortbaren Vielfalt. Erfreulicherweise gibt es wenigstens in einem Punkt noch einen ziemlich breiten Konsens:\u00a0 er besteht darin, dass Freiwilligkeit und Gleichberechtigung Kennzeichen einer ethisch verantwortbaren Sexualpraxis sind. Aber unterschwellig wird auch das in Frage gestellt. Die\u00a0 \u201eGr\u00fcnen\u201c als die \u201ejungen Wilden\u201c wollten vor einigen Jahren sogar ganz offen die Legalisierung der P\u00e4dophilie durchsetzen. Und wenn man nur vom Gef\u00fchlsdrang her entscheiden wollte, h\u00e4tten in der Tat auch p\u00e4dophil empfindende Menschen ein Recht auf ihre Art von Sex. Und sogar zur Nekrophilie (Sex mit Toten) und zum Sex mit Tieren f\u00fchlen sich Menschen hingezogen! Hier h\u00f6rt verantwortbare Vielfalt nun ganz offensichtlich auf! Stichworte wie \u201ePolygamie\u201c, \u201eSchamlosigkeit\u201c, \u201eSex-Sucht\u201c, \u201ePornographie\u201c, \u201eProstitution\u201c, \u201eGruppensex\u201c, \u201eFetischismus\u201c und \u201esexueller Masochismus\u201c verst\u00e4rken den Bereich sexueller Erscheinungen, die auch heute noch viele Menschen nicht als gesund empfinden und \u00a0\u201ewertneutral\u201c beurteilen k\u00f6nnen. Allein bei unserer Aufz\u00e4hlung merken wir also, dass eine wertfreie Akzeptanz grenzenloser sexueller Vielfalt keinesfalls der gro\u00dfe Befreiungsschlag w\u00e4re, sondern eine tiefe Verletzung der Menschenw\u00fcrde. Wir sehen, dass Sexuallehre nicht rein deskriptiv bleiben kann wie das Beschreiben geometrischer Figuren, sondern dass sich ethische Frage unmittelbar aufdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn man eben doch unterscheiden muss zwischen \u201egesund\u201c und \u201egest\u00f6rt\u201c, dann fragt sich, woher man seine Kriterien daf\u00fcr gewinnt. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene Internationale Klassifikation der Krankheiten (die noch aktuelle Ausgabe ist ICD-10) nennt jedenfalls unter Punkt 64 \u201eSt\u00f6rungen der Geschlechtsidentit\u00e4t\u201c auch \u201eTranssexualismus\u201c und \u201eTransvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen\u201c. Also auch hier nicht einfach grenzenlose Vielfalt, sondern die Sorge um Menschen mit einem gest\u00f6rten Empfinden. Ob ICD-11 das auch noch so sehen wird, bleibt freilich abzuwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage der Werte und Wertungen ist also wichtig, kann jedoch kaum ohne Emotionen und aus dem ruhigen Abstand heraus angegangen werden, denn Sexualit\u00e4t ist eben ein Teil unseres eigenen Lebens. Und so gibt es Menschen, die mit Grauen an die Zeit der Heimlichkeit um ihre homosexuellen Empfindungen und den Schock und die Verzweiflung ihrer Familie beim \u201eComing out\u201c denken. Wenn dann Leute wie ich kommen und sagen, praktizierte Homosexualit\u00e4t sei S\u00fcnde, rei\u00dfen\u00a0 alte Wunden wieder auf und der innere Schmerz redet lauter als ethische Sachargumente. Dass ich in der Tat noch manches zur Heilung der Wunden und zu Wegen nach vorn zu sagen h\u00e4tte, wird nur schwer geh\u00f6rt. Eltern, die zu ihren homosexuellen Kindern stehen, empfinden mich mit meiner scheinbar \u201ealtmodischen Ethik\u201c leicht als St\u00f6renfried. Und manche von ihnen sind aufgrund der Erfahrungen mit ihren eigenen Kindern erst zu einer Neubewertung bestimmter Formen der Sexualit\u00e4t gelangt. Umgekehrt waren Freunde und Bekannte von mir entsetzt und geschockt, als in unserer Landeskirche praktizierte Homosexualit\u00e4t und Pfarrhaus pl\u00f6tzlich zusammenzupassen schienen. Hatten diese Freude doch selbst eine \u00c4nderung ihrer homosexuellen Neigungen und eine Abkehr von ihren teils sehr intensiven homosexuellen Praktiken erlebt! Und jetzt war ausgerechnet die Kirche die Wegf\u00fchrerin in die Not, aus der sie mit Jesus als Befreier gl\u00fccklich entkommen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist viel innere Disziplin oder geradezu ein Wunder n\u00f6tig, um die Argumente der Gegenseite \u00a0wirklich h\u00f6ren zu k\u00f6nnen und Werte und Wertungen nicht nur von der eigenen Betroffenheit her zu denken. So besteht also die Gefahr, sozusagen die Regeln\u00a0 jeweils nach dem aktuellen Verlauf des Fu\u00dfballspieles zu machen und Objektivit\u00e4t nicht einmal anzustreben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei ist es mir immer wichtig, nicht den Menschen abzulehnen. Denn erstens reduziert sich unser Menschsein nicht auf unsere Sexualit\u00e4t; zweitens erlebe ich Gottes Annahme mir gegen\u00fcber; und drittens ist die W\u00fcrde des Menschen nicht nur vom Grundgesetz her unverr\u00fcckbar festgeschrieben, sondern bereits vom \u201eHerstellerhandbuch\u201c her, das Gott uns Menschen mitgegeben hat und aus dem die V\u00e4ter des Grundgesetzes gesch\u00f6pft haben. Und gerade aus Liebe zu jedem einzelnen Menschen und aus hohem Respekt vor seiner W\u00fcrde lehne ich alles ab, was f\u00fcr den Menschen \u201eunter seiner W\u00fcrde\u201c ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ebene der Ursachenforschung und der Therapiem\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kann man sich aber nicht einfach nach den Fakten der Forschung richten?- Nach wie vor besteht eine gro\u00dfe Schwierigkeit darin, dass wir die genauen Ursachen f\u00fcr viele sexuelle Orientierungen und Identit\u00e4ten nicht wirklich oder nur f\u00fcr bestimmte Einzelf\u00e4lle oder Fallgruppen kennen. So tappt die Forschung etwa f\u00fcr das Ph\u00e4nomen der Transidentit\u00e4t immer noch weithin im Dunkel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch bei der Homosexualit\u00e4t liegt vieles im Nebel. Viele Fakten deuten jedoch darauf hin, dass Homosexualit\u00e4t im Wesentlichen als entwicklungsbedingt und psychosozial gesteuert verstanden werden muss. Ein Ansatz ist z.B. die Vaterbeziehung. Und nachdem sich eine genetische Verursachung (das angebliche \u201eSchwulen-Gen\u201c sollte sich im X-Chromosom Genort q28 finden) als Irrtum erwiesen hat, wird gegenw\u00e4rtig an einer epigenetischen Erkl\u00e4rung geforscht. Epigenetik ist die Wissenschaft von der Aktivierung oder \u201eStummschaltung\u201c eins Gens. Es geht dabei um eine Interaktion von Umwelt und Anlage. Die Information eines \u201estummgeschalteten\u201c Gens kann von den Enzymen nicht mehr abgelesen werden. Es ist also nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass eine vorhandene Anlage im Erbgut auch ihre praktische \u201eEinlage\u201c gibt und zur Wirkung kommt. Ein Gen kann aber auch leicht wieder aktiviert werden und damit an der Pr\u00e4gung des entsprechenden Lebewesens aktiv beteiligt sein. H\u00e4ufig werden epigenetische Informationen bei der Vererbung gel\u00f6scht; sie k\u00f6nnen aber auch weitergeben werden. Zu den Einfl\u00fcssen, die \u201eEin- oder Ausschaltwirkung\u201c an den Genen haben k\u00f6nnen, geh\u00f6ren z.B. die Ern\u00e4hrung und auch traumatische Erlebnisse. Epigenetische Ver\u00e4nderungen, die die sexuelle Pr\u00e4gung betreffen, vermutet man bereits im Mutterleib, in einer fr\u00fchen Phase der Embryonalentwicklung. &#8211; Es ist gut denkbar, dass epigenetische, entwicklungsbedingte und psychosozialen Ursachen zusammenwirken und sich gegenseitig verst\u00e4rken \u2013 oder auch abschw\u00e4chen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein pers\u00f6nlicher subjektiver Eindruck ist zudem, dass f\u00fcr jegliche Sexualtherapie die neuere Gehirnforschung zu wenig genutzt wird. Wei\u00df man doch inzwischen, dass auch starke Gef\u00fchle und Pr\u00e4gungen erlernbar sind und sich nach l\u00e4ngerer Zeit im Gehirn \u201ematerialisieren\u201c! Unsere \u201eNeuroplastizit\u00e4t\u201c ist nicht nur eine gute Botschaft f\u00fcr das intellektuelle Lernen bis ins Alter, sondern auch f\u00fcr das L\u00f6schen alter und das Erlernen neuer Gef\u00fchle. So kann es von Ha\u00df und Bitterkeit zur Liebe\u2026und auch von gest\u00f6rten sexuellen Emotionen zu gesunden kommen. Sexualit\u00e4t ist nicht unwesentlich \u201eKopfsache\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.\u00a0\u00a0\u00a0 Die anthropologisch-ethische Ebene<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit alledem stellt sich aber erneut die Frage: was ist gesund, was gest\u00f6rt? Was sollte und was kann therapiert werden, was muss schlichtweg akzeptiert werden? Und wo wird durch den Versuch einer Therapie die Integrit\u00e4t und Gesundheit eines Menschen gerade erst verletzt? &#8211; Die \u201etherapeutische Frage\u201c, in der es um Sinnhaftigkeit und M\u00f6glichkeiten oder Unm\u00f6glichkeiten der Heilung oder zumindest der Leidensdrucklinderung geht, kann allein durch medizinische und psychologische Mittel nicht gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anthropologischen Ebene geht es dabei um die Frage: Was ist der Mensch? Und was ist und was soll seine Sexualit\u00e4t? &#8211; Darauf haben wir in der Einleitung bereits einige Antworten gegeben. Unbedingt erg\u00e4nzt werden m\u00fcssten sie durch die beiden Kernaussagen aus der ersten Bibelstelle \u00fcber den Menschen, die sich bereits im 1. Kapitel der Bibel findet: Der Mensch ist nicht weniger als Gottes Ebenbild! Und die Zweigeschlechtlichkeit geh\u00f6rt sozusagen zu seiner Grundbeschaffenheit und Grunddefinition. <em>Und Gott schuf den Menschen seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.<\/em> \u00a01Mo 1,27\u00a0 &#8211; Wenn die Bibel den Menschen als Ebenbild Gottes und seinen Leib als \u201eTempel des Heiligen Geistes\u201c sieht, wenn sie auf seine Sexualit\u00e4t \u201eeine glatt Eins\u201c gibt, dann ist das zuallererst ein Grund zum Staunen, zur Freude, zur Dankbarkeit, aber auch Grund zu einer hohen Verantwortung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Kernstelle steht im 2. Kapitel der Bibel: <em>Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch.<\/em> 1Mo 2,24\u00a0 Franz Delitzsch hat das treffend kommentiert: \u201eDie Ehe ist ein Verh\u00e4ltnis, gegen welches selbst das Kindliche zur\u00fccktritt, ein Verh\u00e4ltnis, wie das Zu-einem-Fleisch-Werden besagt, innigster pers\u00f6nlicher, geistleiblicher Gemeinschaft, womit zugleich die Monogamie als die naturgem\u00e4\u00dfe, gottgewollte Form dieses Verh\u00e4ltnisses bezeichnet ist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass wir eben in die Bibel geschaut haben, zeigt meine \u00dcberzeugung, dass die Anthropologie keine \u201eselbstgenugsame\u201c Wissenschaft ist, sondern Orientierungsquellen und Orientierungspunkte braucht. Auch f\u00fcr alle sexuellen Fragen und Probleme und f\u00fcr die Bewertung sexueller Vielfalt fragt es sich, wo unser \u201earchimedischer Punkt\u201c liegt, von dem her wir denken und handeln, wo unsere Orientierungspunkte sind. Das Wunderbare: die hat uns unser Sch\u00f6pfer mit dem \u201eHerstellerhandbuch\u201c gegeben. Auch die konkreten ethischen Folgerungen aus diesem Menschenbild sind dort f\u00fcr uns aufgeschrieben. &#8211; Man kann sein Leben freilich auch anderswo orientieren, es als puren Zufall sehen, \u00a0als sinnlos betrachten und nach dem Slogan leben \u201eAlles, was Spa\u00df macht, ist o.k.!\u201c. Nur l\u00e4uft dann das wirkliche Gl\u00fcck st\u00e4ndig vor einem weg wie das Heu, das man einst dem Esel vors Maul gebunden hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.\u00a0\u00a0\u00a0 Die Steuerungsebene: Herstellerhandbuch, Liebe, Vernunft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Herstellerhandbuch Bibel orientieren hei\u00dft: die W\u00fcrde jeden Menschen \u2013 auch des sexuell gesch\u00e4digten, gest\u00f6rten oder verirrten \u00a0&#8211; ist unantastbar; die Gleichwertigkeit von Mann und Frau ist selbstverst\u00e4ndlich. Dann ist aber auch Gottes Sexualordnung unantastbar! Und diese Sexualordnung ist durchaus klar erkennbar und wir sind nicht berechtigt, sie nach unseren Problemen umzubiegen. Leider wird gegenw\u00e4rtig sogar die Hermeneutik, die Lehre vom Verstehen, dazu missbraucht, aus der Bibel das herauszuh\u00f6ren, was sie gerade nicht sagt, statt sie ihr eigenes Wort sagen zu lassen. Und kulturelle Relativierungen verfangen hier nicht, weil das Sexualit\u00e4tsbild der Bibel \u00fcber die Zeiten hin erstaunlich konstant ist. Das h\u00e4ufige Argument, verl\u00e4ssliche und partnerschaftliche homosexuelle Beziehungen h\u00e4tte es in biblischen Zeiten noch gar nicht gegeben und Paulus rede deshalb von anderem als von heutigen M\u00f6glichkeiten, \u00a0ist schlichtweg historisch falsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lassen wir also die Bibel ihr eigenes Wort sagen! Eins der ganz gro\u00dfen Hauptworte der\u00a0 Bibel ist \u201eLiebe\u201c. Und wo Menschen in sexuellen Problemen seelsorgerliche Hilfe und Begleitung brauchen, in der es um Annahme, Orientierung, Vergebung, Befreiung und ggf. (in \u00dcberschneidung mit der therapeutischen Ebene) um Heilung geht, werden wir sie zu geben oder zu vermitteln suchen. Auch wo es um das \u201eTragen\u201c in Zeiten der inneren K\u00e4mpfe geht und um neue Vergebung geht, weichen wir nicht von der Seite dessen, der uns braucht. Wo er spezielle therapeutische Hilfe braucht, werden wir sie zu vermitteln versuchen. Und wir d\u00fcrfen bei allem mit einem Gott rechnen, der Wunder tut. Ob das Wunder die innere Heilung und Befreiung oder die Ausstattung mit der Kraft ist, trotz innerer W\u00fcnsche enthaltsam zu leben, wird sich von Fall zu Fall zeigen. Mit dem Stichwort \u201eEnthaltsamkeit\u201c stechen wir freilich in ein Wespennest. Aber Christsein bedeutete an verschiedenen Stellen immer auch Alternativkultur. Wir d\u00fcrfen wieder lernen, dass dem Lebensstil der Enthaltsamkeit kein Makel anhaftet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum engen Miteinander von Bibel und Liebe muss eine dritte Gr\u00f6\u00dfe kommen: die Vernunft. Dank einer gesunden Vernunft werden wir z.B. einem \u201enaturalistischer Kurzschluss\u201c oder \u201ebiologistischen Fehlschluss\u201c nicht aufsitzen nach der Devise \u201eauch\u00a0 im Tierreich gibt es das, also ist es richtig\u201c. Der Mensch ist ein Wesen eigener Ordnung, ein kulturelles und nicht nur triebgesteuertes Wesen. Aber auch einem \u201ekulturalistischen Trugschluss\u201c oder \u201enormativistischen Fehlschlu\u00df\u201c werden wir nicht aufsitzen, wie es in der Genderbewegung geschieht, wo man meint, der Mensch k\u00f6nne sein Geschlecht frei und ohne Beachtung biologischer Vorgaben w\u00e4hlen. Die Geringsch\u00e4tzung des Leibes und der Leibvergessenheit kennen wir von Platon und von der Gnosis zur Gen\u00fcge und werden die Wiederbelebung eines solchen Konzeptes nicht so besonders neu und toll finden. Sehr sch\u00f6n entfaltet die Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz eine gesunde Sicht: \u201eGesunde Sexualit\u00e4t ist ein wichtiger Teil einer ganzheitlichen Liebes- und Lebensgemeinschaft. Sie ist Freude an der bereichernden Unterschiedenheit.\u00a0 Zielf\u00fchrend ist ein \u201ekonstruktives Anderssein von Frau und Mann. Ziel ist der R\u00fcckgewinn einer als lebenswert erfahrenen Unterschiedenheit der Geschlechter in Eros, Freundschaft und Elternschaft. Gleichwertigkeit und Anderssein sollten nicht auf herkunftslose, leiblose \u203aRollenkonstrukte\u2039 verk\u00fcrzt werden. Die eigenverantwortliche Entfaltung der Vorgaben, gerade auch der Leiblichkeit und der kulturellen Herkunftsgeschichte, soll vielmehr das jeweilige \u203aAnderssein\u2039 zu einem \u203aEigensein\u2039 und \u203aMiteinandersein\u2039 entwickeln.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6.\u00a0\u00a0\u00a0 Die politisch-ideologische und die mediale Ebene<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier kommen wir auch zu einer \u201eSteuerungsebene\u201c: zu der n\u00e4mlich, von der aus die Ideologie einer grenzenlosen und zumindest sehr weit gef\u00e4cherten sexuellen Vielfalt gesteuert wird. Eine Wurzel des Rufes nach sexueller Vielfalt war nat\u00fcrlich die Not mancher Menschen mit ihrer Sexualit\u00e4t und die erfahrene gesellschaftliche Ausgrenzung. Eine Wurzel der Bewegung \u201eSexuelle Vielfalt\u201c ist aber schon seit Jahrzenten die politische Bewegung, die man gew\u00f6hnlich \u201eNeue Linke\u201c benennt. Dort ist sexuelle Not und gesellschaftliches Unverst\u00e4ndnis politisch instrumentalisiert worden, statt den Betroffenen zu helfen und die Gesellschaft zu mehr Verst\u00e4ndnis und Barmherzigkeit zu rufen. Not wird f\u00fcr eine politisch-ideologische Schlacht missbraucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es gibt sogar destruktive Kr\u00e4fte, die die Familie und die Identit\u00e4t der Pers\u00f6nlichkeit bewusst zerst\u00f6ren wollen, um zerst\u00f6rte und haltlose Menschen leicht manipulierbar zu machen. Ich bin kein Freund von Verschw\u00f6rungstheorien, an dieser Stelle aber sollte man tiefer blicken! Gabriele Kuby hat ihr Buch \u201eDie globale sexuelle Revolution\u201c mit dem treffen Untertitel versehen \u201eZerst\u00f6rung der Freiheit im Namen der Freiheit\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die Medien? Sie k\u00f6nnen sehr hilfreich sein. Und ich halte die \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien gerade in Zeiten der sozialen Medien f\u00fcr sehr wichtig, wenn sie versuchen, seri\u00f6s zu berichten. Sie k\u00f6nnen inzwischen aber auch \u2013 und nun sage ich es bewusst medial-\u00fcberspitzt \u2013 \u201eaus Nichts so ziemlich alles machen und so ziemlich alles zunichtemachen\u201c. Viele der einflussreichsten Medien haben die Linie der Neuen Linken sehr unterst\u00fctzt und z.B. das vermeintliche \u201eSchwulen-Gen\u201c gefeiert, sachlich-kritische T\u00f6ne zur praktizierten Homosexualit\u00e4t aber st\u00e4ndig als \u201ehomophob\u201c abgeschossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine politische Frage ist auch, wie die staatliche Schule mit der \u201eSexuellen Vielfalt\u201c umgehen kann und soll. Die Kirche ist eine Bekenntnisgemeinschaft und damit frei f\u00fcr ihre eigene Lehre, wobei ich hier als selbstverst\u00e4ndlich voraussetzte, dass diese mit dem Grundgesetz \u00fcbereinstimmt; ist doch das Grundgesetz selbst auf der Grundlage des biblischen Menschenbildes entstanden! Unser freiheitlich-demokratisches Staatswesen als Ganzes verdankt sich zwar ebenfalls wesentlichen Eckpfeilern der biblischen Lehre. Es muss gerade auf diesen Grundlagen aber Menschen aller Traditionen sinnvoll einbinden. Um es ganz kurz zu machen: Die S\u00e4chsischen Leitlinien zum Umgang mit unserem Thema in der Schule sind einerseits von einer erfreulichen Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Kinder und Jugendliche aus verschiedenen sexuellen Milieus und Kulturkreisen gepr\u00e4gt. Die Klarheit eines Leitbildes k\u00f6nnte aber weit gr\u00f6\u00dfer sein. Doch dieses gro\u00dfe Fass k\u00f6nnen wir jetzt nicht aufmachen. Schauen wir vielmehr zum Schluss auf uns selbst:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7.\u00a0\u00a0\u00a0 Die Ebene der kirchlichen Lehre und des gelebten Vorbildes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde genommen hat die Kirche gar kein Wahl: Bibel, Liebesgebot und Vernunft sind ihre Steuerungsebene. Gesunde Lehre auf diesen Grundlagen wird helfen, gute (nicht perfekte!) Vorbilder im Rollenverhalten und gesunde Ehen zu f\u00f6rdern. Und gesunde Vorbilder pr\u00e4gen die nachfolgende Generation auf gesunde Weise. Dabei beginnt nach der Bibel wie nach der heutigen Forschung die Pr\u00e4gung bereits im Mutterleib\u2026Und nach Jesus beginnt die Untreue bereits in den Gedanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jugendliche sollten wieder erfahren und ermutig werden, das \u201eWarten bis zur Ehe\u201c biblisch ist und eine gutes Training f\u00fcr das sp\u00e4tere Leben. Nach Genesis 2,24 k\u00f6nnen die drei Elemente nicht voneinander losgel\u00f6st m\u00f6glich: Vater und Mutter verlassen: ein \u00f6ffentlicher Schritt, ein Rechtsakt; an seiner Frau \u201ekleben\u201c,\u00a0 wie es w\u00f6rtlich hei\u00dft, die tiefe Herzensbeziehung; ein Fleisch werden,\u00a0 die sexuelle Vereinigung \u2013 und die eben in diesem Schutzraum der Herzenstreue und der gesellschaftlich-rechtlichen Sicherheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt habe ich nat\u00fcrlich ganz am Schluss noch einmal ins Wespennest gestochen. Um der Liebe und der Wahrheit willen gerne! Zum Christsein geh\u00f6rt auch Widerstandskraft oder \u201eResilienz\u201c, wie das heutige Modewort daf\u00fcr hei\u00dft. &#8211; Und Offenheit f\u00fcr alles Gute, Saubere und Verantwortungsvolle!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfarrer Gunther Geipel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bewegung der \u201eSexuellen Vielfalt\u201c hat mehrere alte Wurzeln (etwa bei fr\u00fchsozialistischen Denkern in Frankreich), wurde in Deutschland im Rahmen der 68er-Bewegung als \u201eSexuelle Revolution\u201c propagiert und ist inzwischen in eine allgemeine Forderung eingem\u00fcndet: eben die der sexuellen Vielfalt. 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