{"id":15847,"date":"2018-09-26T14:52:35","date_gmt":"2018-09-26T12:52:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15847"},"modified":"2018-09-26T14:52:35","modified_gmt":"2018-09-26T12:52:35","slug":"die-wahre-aufklaerung-vernunft-in-dunkler-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15847","title":{"rendered":"Die wahre Aufkl\u00e4rung &#8211; Vernunft in dunkler Zeit?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAufkl\u00e4rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm\u00fcndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie\u00dfung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.\u00a0<em>Sapere aude<\/em>! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufkl\u00e4rung.\u201c So lautet die ber\u00fchmte Definition der Aufkl\u00e4rung aus der Feder Immanuel Kants. Der Philosoph gab sie in der Dezembernummer der\u00a0\u201eBerlinischen Monatsschrift\u201c\u00a0aus dem Jahr 1784 unter der \u00dcberschrift \u201eBeantwortung der Frage: Was ist Aufkl\u00e4rung?\u201c.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kant war kein Atheist, doch auch er meinte in dem Text, dass die meisten Menschen \u201ein Religionsdingen\u201c noch sehr weit davon entfernt seien, sich selbst ihres Verstandes ohne fremde Leitung zu bedienen. Der Kirchenglaube oder das kirchliche Christentum hinkt der Aufkl\u00e4rung zumindest hinterher (s. dazu auch Kants\u00a0<em>Vom Streit der Facult\u00e4ten<\/em>). Philosophen und Autoren in Frankreich gingen dar\u00fcber hinaus und verwarfen das Christentum nicht nur als zur\u00fcckgeblieben, sondern in Bausch und Bogen als ein \u00dcbel, das den Fortschritt aufh\u00e4lt. Die Fr\u00fcchte sah man bald in der Franz\u00f6sischen Revolution.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessant ist, dass Kants Artikel \u201eWas ist Aufkl\u00e4rung?\u201c erst 1784 erschien, also schon gegen Ende der Epoche der Aufkl\u00e4rung. Wie Prof. Daniel von Wachter in \u201e<a href=\"http:\/\/von-wachter.de\/papers\/Wachter-Aufklaerung-01.pdf\">Der Mythos der Aufkl\u00e4rung Teil 1: Eigenlob stinkt<\/a>\u201c sehr gut darstellt, ging es vor etwa zweihundertf\u00fcnfzig Jahren darum, das Christentum als abergl\u00e4ubisch und naiv hinzustellen. \u201eMit der Ausnahme von Kant\u2026 haben die Aufkl\u00e4rer keine ernstzunehmenden Argumente vorgetragen\u201c, so von Wachter. \u201eDer Begriff \u2018Aufkl\u00e4rung\u2019 wurde von Gegnern des Christentums erfunden, um den Eindruck zu erwecken, die Christen seien naiv und intolerant, und im 18. Jahrhundert sei dagegen schlie\u00dflich langsam die Vernunft zur Geltung gebracht worden, was zur Entstehung der Naturwissenschaft, zu Fortschritten in der Philosophie und zur Religions- und Meinungsfreiheit gef\u00fchrt habe. Die sich selbst als \u2018Aufkl\u00e4rer\u2019 Bezeichnenden wollten sich als epochemachend stilisieren.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich bedienten sich auch die voraufkl\u00e4rerischen Philosophen in intensiver Weise ihres Verstandes, ja vor 1700 war die Philosophie \u201eim Christentum von H\u00f6chstform zu H\u00f6chstform gegangen\u201c. Von Wachter: \u201eVergessen sind diese Namen vor allem, weil \u2018die Aufkl\u00e4rung\u2019 solche n\u00fcchterne, pr\u00e4zise philosophische Arbeit und vor allem Philosophen, welche die christliche Lehre glaubten, analysierten und begr\u00fcndeten, verachtete und vergessen machen wollte.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufkl\u00e4rung wurde laut von Wachter weitgehend von \u201ePopularphilosophen\u201c getragen, \u201edie sich auf journalistischem Niveau bewegten\u201c (man denke an Voltaire). Diesen begabten Autoren gelang es den \u201eMythos zu erschaffen, da\u00df die Vernunft wie die Morgenr\u00f6te ins Dunkel des christlichen Mittelalters gedrungen sei und schlie\u00dflich zum Entstehen der Wissenschaft und zur Ablehnung des traditionellen Christentums gef\u00fchrt habe.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vernunft und Verstand w\u00e4ren mit der Aufkl\u00e4rung zum Durchbruch gekommen. Dass dies offensichtlich falsch ist, zeigen allein schon die Philosophen-Theologen des Mittelalters wie Thomas von Aquin. Sp\u00e4ter dann, ab etwa 1600, bem\u00fchten sich die protestantischen Scholastiker \u201emit betr\u00e4chtlichem Erfolg um Klarheit, Pr\u00e4zision, Logik und scharfe Argumentation\u2026 Die Aufkl\u00e4rer [dagegen] argumentierten nicht gr\u00fcndlich, br\u00fcsteten sich daf\u00fcr aber umso mehr damit, endlich der Vernunft zum Durchbruch zu verhelfen und die Welt vom abergl\u00e4ubischen Christentum zu befreien.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Wachter erkennt in dem Vorgehen der Aufkl\u00e4rer eine \u201emusterg\u00fcltige Immunisierungsstrategie. Damit kann man die eigentliche Frage vermeiden: Was haben jene christentumskritischen Autoren, die sich selbst als \u2018Aufkl\u00e4rer\u2019 bezeichnet haben, wirklich geleistet, und welche Argumente hatten sie f\u00fcr ihre Christentumskritik? Ob man die Christen oder die Christentumskritiker f\u00fcr vern\u00fcnftig h\u00e4lt, ist Diskussions- und Ansichtssache. Doch die Diskussion wollen die Aufkl\u00e4rer vermeiden, sie wollen Menschen durch Bluff und Gef\u00fchle beeinflussen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Licht in finsterer Seele<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufkl\u00e4rer sahen sich als Lichtbringer in einer von Geistern, D\u00e4monen und \u00fcberhaupt Religion durchdrungenen Welt an. Diese Linie f\u00fchrt bis hin zu Carl Sagans Bestseller\u00a0<em>The Demon-Haunted World<\/em>\u00a0(1995), dessen Untertitel ganz im aufkl\u00e4rerischen Stil \u201eScience as A Candle in the Dark\u201c \u2013 die Wissenschaft als Leuchte im Dunkeln \u2013 lautet. In den verschiedenen Sprachen wird die Aufkl\u00e4rung oft noch deutlicher als im Deutschen mit dem Licht und dem Lichtbringen verbunden (engl. \u201eAge of Enlightenment\u201c, franz. \u201eLe\u00a0si\u00e8cle des Lumi\u00e8res\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein an dieser Metapher wird die antichristliche Ausrichtung der Aufkl\u00e4rung deutlich, denn es war in der vom Christentum gepr\u00e4gten Kultur des 18. Jahrhunderts auch den Skeptikern, Agnostikern und Atheisten nur zu klar, dass das Bild vom Licht in der Bibel eines der wichtigsten ist \u2013 und es wurde frech vereinnahmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wesen Gottes wird an zahlreichen Stellen der Bibel als Licht beschrieben, wobei 1 Joh 1,5 am eindeutigsten formuliert: \u201eGott ist Licht\u2026\u201c\u00a0 Er ist der \u201eVater des Lichts\u201c (Jak 1,17), der im Licht wohnt (1 Tim 6,16; Off 22,5). Die Rede ist vom \u201eLicht des Herrn\u201c (Jes 2,5); er ist \u00a0Licht und Heil der Gl\u00e4ubigen (Ps 27,1). Sein Wort schenkt Licht (Ps 119,105). In Jesus ist das Licht selbst in die Welt gekommen (Joh 3,19).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Johannes Calvin schreibt, dass das Ebenbild Gottes im Menschen \u201evor dem Fall hell erstrahlte\u201c (<em>Inst<\/em>. I,15,4) \u2013 der Mensch spiegelte etwas von dem Gott des Lichts wider. Doch mit dem S\u00fcndenfall ist Dunkelheit ins Herz des Menschen eingezogen. Gott offenbart sich immer noch klar, ja leuchtend in der Natur (s. R\u00f6m 1\u20132), doch, so Calvin, die \u201ebrennenden Fackeln im Geb\u00e4ude der Welt\u201c leuchten uns vergeblich. Der Mensch muss \u201edurch Gottes innere Offenbarung erleuchtet werden\u201c(I,5,14). S\u00fcnde hat das Denken des Menschen verfinstert (R\u00f6m 1,21; 1 Kor 1,21; 2,14; Eph 4,18, 5,8), weshalb eine Erneuerung des Verstandes n\u00f6tig ist (R\u00f6m 12,2; Eph 4,23; hier und im n\u00e4chsten Absatz folge ich Herman Bavinck,\u00a0<em>Reformed Dogmatics<\/em>, Bd. 3.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Erneuerung vollzieht Gott selbst durch seine Offenbarung; er nimmt das weg, was die wahre Erkenntnis behindert (Mt 11,25; 16,17; Gal 1,16). Er tut dies durch die Gabe seines Heiligen Geist, der der Geist der Wahrheit und der Offenbarung ist (Eph 1,17) und in alle Wahrheit leitet (Joh 16,13), alle Dinge lehrt (Joh 14,26; 1 Joh 2,20) und dazu bef\u00e4higt, Gott zu erkennen, da er selbst \u201ealle Dinge erforscht, auch die Tiefen der Gottheit\u201c (1 Kor 2,10f). So wie in der Sch\u00f6pfung Gottes durch sein m\u00e4chtiges Wort Licht in der Dunkelheit schien, so kam auch der Sohn als Licht in die Finsternis (Joh 1,5) und so werden durch den Geist die Herzen der Menschen erleuchtet (2 Kor 4,6), die Augen des Herzens erleuchtet (Eph 1,18). Daher k\u00f6nnen die Gl\u00e4ubigen erkennen, was ihnen von Gott m Evangelium geschenkt ist (1 Kor 2,12) und erlangen eine zutiefst pers\u00f6nliche Erkenntnis Gottes des Vaters (Mt 11,27; 2 Kor 4,6; Eph 1,17), des Sohnes (Mt 16,17) und der Dinge, die aus dem Geist sind (1 Kor 2,14 u.a.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen sind daher Kinder des Lichts (Lk 16,8; Eph 5,8; 1 Thess 5,5), sie haben Anteil am Reich des Lichts (Kol 1,12; 1 Pt 2,9), wandeln im Licht (Eph 5,8; 1 Joh 1,7; 2,9\u201311), \u201eim Licht leben\u201c (s. Mt 6,22\u201323; Joh 8,12; 12,46; R\u00f6m 13,12; 1 Kor 4,5; 2 Kor 6,14) und Licht sein (Mt 5,14). \u2013 Das ist die wahre Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Holger Lahayne, 23.09.2018, www.lahayne.lt<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAufkl\u00e4rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm\u00fcndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie\u00dfung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.\u00a0Sapere aude! 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