{"id":15841,"date":"2018-09-21T10:59:59","date_gmt":"2018-09-21T08:59:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15841"},"modified":"2018-09-21T11:01:39","modified_gmt":"2018-09-21T09:01:39","slug":"welches-geschlecht-ist-intelligenter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15841","title":{"rendered":"Welches Geschlecht ist intelligenter?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Wiener Eignungstest f\u00fcr das Medizinstudium offenbarte unfreiwillig kognitive Unterschiede bei m\u00e4nnlichen und weiblichen Millennials &#8211; mit entsprechender medialer Aufregung. Seit 2006 gibt es an \u00d6sterreichs medizinischen Universit\u00e4ten Aufnahmeverfahren. Nur f\u00fcr jeden achten Millenial, der studieren m\u00f6chte, gibt es auch einen Studienplatz. Von 2006 bis 2012 fragte der Test medizin-naturwissenschaftliches Grundverst\u00e4ndnis, r\u00e4umliches Vorstellungsverm\u00f6gen, Umgang mit Zahlen et cetra ab. Was man halt so braucht f\u00fcr das Medizinstudium. Niemand dachte besonders dar\u00fcber nach. Das Problem: An der Medizin-Uni Wien waren in diesem Jahren zwar 55 bis 60 Prozent der Bewerber Frauen &#8211; unter den Zugelassenen waren sie jedoch nur noch zu 43 bis 48 Prozent vertreten. 2006 waren es sogar nur 41,5 Prozent. Das irritierte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis es im Jahr 2012 zu einer viel diskutierten Ma\u00dfnahme kam: Die Universit\u00e4t versuchte gegenzulenken, indem sie einen Frauenbonus einf\u00fchrte. So wurden Frauen bevorzugt, auch wenn sie im Test schlechter abgeschnitten hatte. Weibliche Bewerberinnen kamen mit geringerer Punktezahl in der Rangliste weiter nach vorn. Die offizielle Sprachregelung daf\u00fcr lautete gendergerechte Auswertung. Aber insgeheim ging von dieser Ma\u00dfnahme eine ungewollte Botschaft aus: Frauen sind &#8222;d\u00fcmmer&#8220; als M\u00e4nner. Das ist mit Sicherheit falsch! Mit Schwarz-Wei\u00df-Denken kommt man hier nicht weiter. (&#8230;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach \u00f6ffentlichem Aufschrei wird seit dem Jahr 2013 ein neuer Test angewandt. Dieser soll Frauen nun gezielt f\u00f6rdern. Der Test \u00fcberpr\u00fcft das schulische Vorwissen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, dann aber auch verbale F\u00e4higkeiten (Lesekompetenz, Wortfl\u00fcssigkeit, verbales Ged\u00e4chtnis und Textverst\u00e4ndnis), kognitive Fertigkeiten (Zahlenfolge, Zahlenged\u00e4chtnis, Figuren zusammensetzen, Implikationen erkennen) und emotionale Kompetenz. Eine Neuerung in diesem Test ist das &#8222;Soziales Entscheiden&#8220; und der Bereich &#8222;Emotionen erkennen&#8220;. Seither ist der Gendergap deutlich zur\u00fcckgegangen. Dem urspr\u00fcnglichen, mathematischen Test sind also so lange sprachliche, soziale und emotionale Subtests hinzugef\u00fcgt worden, bis der Leistungsunterschied halbwegs ausgeglichen wurde. Damit wurde ungewollt offenbar, dass m\u00e4nnliche und weibliche Millennials bei gleicher Motivation in verschiedenen Testabschnitten nachweislich eine unterschiedliche Leistung erbringen. Und es wurde dokumentiert, dass sich kognitive Begabungen bei M\u00e4nnern und Frauen unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Handbuch Intelligenz des Psychologen Detlef H. Rost von der Universit\u00e4t Marburg ist das deutsche Standardwerk zum Thema kognitive F\u00e4higkeiten. Rost hat daf\u00fcr \u00fcber tausend Studien zur Intelligenzforschung durchgearbeitet. Im Gespr\u00e4ch mit dem Spiegel r\u00e4umte er 2013 mit einigen Mythen rund um die Intelligenz auf. Ein Mythos, \u00fcber den die Verantwortlichen f\u00fcr den Wiener Eignungstest f\u00fcr das Medizinstudium gestolpert sein k\u00f6nnten, ist der, dass M\u00e4nner und Frauen genau das Gleiche k\u00f6nnen. Gegen\u00fcber dem Spiegel sagte Rost: &#8222;Feministinnen und viele Sozialwissenschaftler h\u00f6ren es nicht gerne, aber zahlreiche Studien belegen: Es gibt Unterschiede zwischen M\u00e4nnern und Frauen in der kognitiven Leistungsf\u00e4higkeit &#8211; und bei einigen Subfacetten der Intelligenz sogar dramatische Unterschiede. Das gilt insbesondere f\u00fcr die r\u00e4umliche Orientierung, also f\u00fcr die F\u00e4higkeit, sich gedanklich in zwei- oder dreidimensionalen R\u00e4umen zu bewegen. Das ist unter anderem in vielen naturwissenschaftlichen Berufen gefragt. Da sind M\u00e4nner deutlich besser als Frauen. Diese Unterschiede haben vermutlich auch nicht nur etwas mit der Sozialisation zu tun, lassen sich also nicht einfach wegtrainieren. Umgekehrt schneiden Frauen bei anderen Subfacetten besser ab, etwa bei der Wahrnehmungsgeschwindigkeit oder den verbalen F\u00e4higkeiten..=E2??<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff &#8222;Intelligenz&#8220; ist in der Psychologie ein Sammelbegriff f\u00fcr die kognitive Leistungsf\u00e4higkeit des Menschen. Aber es gibt keinen Konsens, welche F\u00e4higkeiten sie \u00fcberhaupt umfasst. Und noch viel weniger einig ist sich die Fachwelt \u00fcber die Frage, wie man die verschiedenen F\u00e4higkeiten gewichten soll. In gewisser Weise ist Intelligenz ein schillerndes Konstrukt von findigen Testpsychologen: Aufgrund der unterschiedlichen Begabungen von Mann und Frau kann man jederzeit das eine oder das andere Geschlecht &#8222;intelligenter&#8220; erscheinen lassen &#8211; je nach Zusammensetzung der Testaufgaben. Es gibt, wie bereits festgehalten, sowohl kognitive Aufgaben, bei denen M\u00e4nner im Durchschnitt besser abschneiden, als auch solche, bei denen Frauen besser performen: M\u00e4nner vornehmlich bei Aufgaben, die das r\u00e4umliche Denken betreffen, Frauen bei sprachbezogenen. Beide Gruppen erreichen bei Intelligenztests in etwa die gleichen Mittelwerte durch ein symmetrisches Abfragen beider Denkleistungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn die verschiedenen kognitiven Begabungen sich ausgleichen: Die Varianz in den IQ-Werten d\u00fcrfte bei M\u00e4nnern gr\u00f6\u00dfer sein als bei Frauen. Das hei\u00dft, es gibt sowohl mehr hochbegabte als auch mehr schwach begabte M\u00e4nner als Frauen. Die weiblichen Testergebnisse liegen insgesamt n\u00e4her beim Durchschnitt, ohne gro\u00dfe Ausrei\u00dfer. Die Psychologin Susan Pinker betont das in ihrem Buch Das Geschlechterparadox: \u00dcber begabte M\u00e4dchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen M\u00e4nnern und Frauen. M\u00e4nner sind extremer in k\u00f6rperlicher wie geistiger Hinsicht. Ob es um Inselbegabte, Menschen mit extrem hohen IQ, Nobelpreistr\u00e4ger, Schachgenies oder musikalische Wunderkinder geht: in allen diesen F\u00e4llen dominiert klar das m\u00e4nnliche Geschlecht. Bei den geistig Behinderten, Schwererziehbaren, Schulversagern, Unruhigen und Straft\u00e4tern aber auch. Auch dieser Faktor k\u00f6nnte beim Wiener Medizintest eine Rolle gespielt haben: die hochbegabten M\u00e4nner gaben vielleicht den Ausschlag f\u00fcr das asymmetrische Ergebnis, die wenigen hochbegabten Frauen konnten das nicht ausgleichen. Durchaus denkbar, dass auch beim Wiener Test die durchschnittliche Leistung beider Gruppen identisch war. Das wurde nie bekannt und m\u00f6glicherweise gar nicht untersucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine provokante Studie ver\u00f6ffentlichten Dimitri van der Linden und seine Mitarbeitern von der Erasmus Universit\u00e4t in Rotterdam im Jahr 2017: sie verwendeten Magnet-Resonanz-Bilder (MRI) von 900 Testpersonen und verglichen die Gehirnstruktur mit der gemessenen Intelligenz. Die Forscher fanden heraus, dass bei beiden Geschlechtern das Gehirnvolumen mit dem IQ korreliert. Das hei\u00dft: je gr\u00f6\u00dfer das Gehirn, umso h\u00f6her die Intelligenz. Sie fanden auch eine Korrelation mit der grauen und der wei\u00dfen Substanz: je mehr, desto besser. M\u00e4nner hatten (wie in allen anderen Studien) gr\u00f6\u00dfere Gehirne, nicht nur absolut, sondern auch relativ zur K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe. Und sie zeigten einen um eine 1\/4 Standardabweichung h\u00f6heren IQ. Verschiedene statistische Analysen kamen alle zum Ergebnis, dass der gr\u00f6\u00dfere IQ bei M\u00e4nnern mit dem gr\u00f6\u00dferen Gehirn und da besonders mit der gr\u00f6\u00dferen grauen Substanz zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit best\u00e4tigen sie die von Richard Lynn, Professor der Psychologie der Universit\u00e4t Ulster, seit 1994 vorgebrachte Hypothese, die er 2008 mit neuen Daten wiederholte: M\u00e4nner haben gr\u00f6\u00dfere Gehirne, deswegen ist ihr IQ um etwa vier Punkte h\u00f6her. Der Unterschied beginnt ungef\u00e4hr ab dem 14. Lebensjahr, weil M\u00e4dchen vorher reifen, k\u00f6nnen sie den Unterschied ein paar Jahre wettmachen. Lynn beschreibt einen kleinen Vorteil f\u00fcr Buben und einen gro\u00dfen Vorteil f\u00fcr erwachsene M\u00e4nner bei den arithmetischen IQ Subtests. Bei der Testung der Ged\u00e4chtnisspanne haben die M\u00e4dchen einen kleinen Vorteil, der sich bei Erwachsenen dann zu den M\u00e4nnern hin verlagert. \u00dcber 2.700 Kinder zwischen 12 und 18 Jahren wurden von Lynn mit dem Ravens Matrizentest, bei dem es um Mustererfassung geht, getestet: Mit 12 Jahren waren die M\u00e4dchen in allen Dimensionen besser, mit 14 erzielten die Kinder die gleichen Ergebnisse und mit 17 waren die Jungs besser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der heikle Diskurs \u00fcber das Thema Intelligenz wurde ab 1990 erfrischend facettenreicher. Da f\u00fchrten die Psychologen John D. Mayer von der University of New Hampshire und Peter Salovey von der Yale University den Terminus Emotionale Intelligenz in die wissenschaftliche Diskussion ein. Darunter verstehen sie die F\u00e4higkeit, eigene und fremde Gef\u00fchle &#8211; korrekt &#8211; wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Zur Popularisierung des Begriffs hat insbesondere der US-amerikanische Journalist Daniel Goleman mit seinem Buch Emotionale Intelligenz beigetragen. Hauptmerkmal ist hierbei das Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen (Empathie &#8211; siehe Kapitel 4). Als weiterer Begriff wird immer wieder die Soziale Intelligenz &#8211; oder auch Sozialkompetenz &#8211; genannt. Darunter versteht man einen Komplex von F\u00e4higkeiten, die dazu dienen, sich in Gruppen richtig zu bewegen. Soziale Kompetenz war bis in die 1950er Jahre ein Kriterium zur Beurteilung von geistiger Behinderung, gleichrangig zur Intelligenz. In der Tat reicht es nicht, Zahlen schnell zusammenzurechnen und abstrakte dreidimensionale Gegenst\u00e4nde im Kopf rotieren zu lassen, um in der menschlichen Gesellschaft zu re\u00fcssieren. Beide Dimensionen w\u00e4ren eine wichtige Erg\u00e4nzung. Aber der klassische Intelligenzquotient &#8211; ohne die emotionale und soziale Dimension &#8211; hat sich in den westlichen Industriel\u00e4ndern ab 1960 als Alleinstellungsmerkmal fast durchgesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage, welches Geschlecht nun mehr Intelligenz besitzt, offenbart nach all dem Gesagten einen gewissen Mangel derselben. Wenn Intelligenz hei\u00dft, ein Problem in seinem Gesamtkontext zu erfassen und mit den vorhandenen Ressourcen (inklusive Vernetzung mit der Umgebung) lebensnah zu managen, so sind sicherlich Frauen statistisch gesehen &#8222;intelligenter&#8220;. Wenn hingegen Intelligenz hei\u00dft, m\u00f6glichst fokussiert ein Detailproblem abstrakt zu l\u00f6sen und alles andere und alle anderen auszuklammern und wegzublenden, so sind wohl M\u00e4nner &#8222;intelligenter&#8220;. Da aber Intelligenz ein Ma\u00df f\u00fcr die Lebenst\u00fcchtigkeit im Allgemeinen sein sollte, sind M\u00e4nner und Frauen kognitiv sicherlich auf gleicher Augenh\u00f6he. (&#8230;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zwei Wege f\u00fchren (gleich schnell) nach Rom<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bahnbrechende Arbeit schlechthin bez\u00fcglich Hirnstruktur, Denkmuster und Intelligenz der Geschlechter ist Psychiater Richard J. Haier und Kollegen von der University of California in Irvine im Jahr 2005 gelungen. Die Studie ist zu Recht eine der meistzitierten in ihrem Gebiet. Sie untersucht die Beziehung zwischen Gehirnstruktur und allgemeiner Intelligenz bei M\u00e4nnern und Frauen mit gleichem IQ. Als Methode w\u00e4hlten Haier und sein Forscherteam eine sogenannte voxel-basierte morphometrische Analyse von MRI-Daten. Das klingt kompliziert, l\u00e4sst sich aber einfach erkl\u00e4ren: Die Forscher untersuchten pr\u00e4zise die Wechselbeziehungen zwischen den Gr\u00f6\u00dfenunterschieden von Gehirngebieten und der Denkleistung. Die gro\u00dfe Entdeckung war, dass M\u00e4nner und Frauen gleiche Ergebnisse mit der Aktivierung verschiedener Hirnregionen erreichen. Also ganz nach dem Motto: Viele Wege f\u00fchren nach Rom. Der eine f\u00fchrt \u00fcber Villach, der andere \u00fcber den Brenner. Gleiche Fahrzeit, gleich effizient, gleiches Ziel &#8211; aber verschiedene Strecken.. Das bedeutet auch, dass f\u00fcr Intelligenz kein singul\u00e4res Hirngebiet zust\u00e4ndig ist und verschiedene Gehirn-Designs (also m\u00e4nnliches und weibliches) die gleiche intellektuelle Performance m\u00f6glich machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ergebnisse von Richard J. Haier sind auch im Detail interessant: Beide &#8211; Frauen wie M\u00e4nner &#8211; l\u00f6sten die gestellten Aufgaben zu 65 Prozent mit der linken Gehirnh\u00e4lfte. Aber Frauen zeigen dabei wesentlich mehr wei\u00dfe und deutlich weniger graue Substanz, die mit Intelligenz in Zusammenhang steht. Das ist spannend! Denn: Die wei\u00dfe Substanz besteht \u00fcberwiegend aus Leitungsbahnen, also Nervenfasern. Sie verbindet die verschiedenen Gebiete der grauen Substanz, die wiederum Nervenzellk\u00f6rper enthalten und Kerne beziehungsweise Kerngebiete darstellen. Das bedeutet also: Frauen denken viel st\u00e4rker vernetzt und assoziativ. M\u00e4nner bleiben eher auf die Probleml\u00f6sung fokussiert. Im Gehirn agieren sie wie mit Scheuklappen und &#8222;schauen&#8220; weder links noch rechts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich fanden die Forscher bei M\u00e4nnern in Bezug auf die Gehirnsubstanz fast sieben mal mehr graue Substanz bei intelligenten L\u00f6sungen involviert, w\u00e4hrend Frauen neunmal mehr wei\u00dfe Substanz verwendeten, um die gestellten Aufgaben zu l\u00f6sen. Die manchmal bem\u00fchte Unterscheidung zwischen linearem Denken (das hei\u00dft vor allem graue Substanz) und assoziativem Denken (das hei\u00dft vor allem wei\u00dfe Substanz, also Verbindungsfasern) ist aus neurowissenschaftlicher Sicht also absolut stimmig und richtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Haier und seine Kollegen konnte noch etwas Bemerkenswertes entdecken: M\u00e4nner scheinen sehr auf Analyse und abstrakte Probleml\u00f6sung konzentriert zu sein. Das zeigt sich anhand der speziellen Hirngebiete, die mit der Intelligenz zusammenh\u00e4ngen. Bei ihnen war die Korrelation zwischen IQ und graue Substanz in den frontalen und parietalen Hirngebieten am st\u00e4rksten, besonders in zwei Gebieten: einerseits im Wernicke&#8217;s Sprachzentrum (Area 39 und 40), das f\u00fcr das Sprachverst\u00e4ndnis zust\u00e4ndig ist.Und andererseits im dorsolateralen pr\u00e4frontalen Cortex (Areas BA 8 und 9), der vorwiegend kognitive Funktionen wie etwa probleml\u00f6sendes Denken, Vorausplanen oder zielgerichtetes Handeln beinhaltet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frauen hingegen scheinen gestellte Aufgaben enger mit Emotionen zu verkn\u00fcpfen, mit Assoziationen und Formulierungen. Bei ihnen waren die st\u00e4rksten Korrelationen im Frontallappen in zwei Gebieten zu finden: einerseits im Broca Sprachzentrum, das f\u00fcr die Sprachbildung zust\u00e4ndig ist, und andererseits im des Orbitofrontalen Cortex (Area BA10), der mit Pers\u00f6nlichkeitseigenschaften und der F\u00e4higkeit zur Emotionsregulation in Verbindung gebracht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu passen die letzten Ergebnisse der Studie von Haier und seinen Kollegen: M\u00e4nner gehen eine Aufgabe eher distanzierter an, w\u00e4hrend Frauen sie tendenziell eher pers\u00f6nlich nehmen und auf sich beziehen. Das Frontalhirn beherbergt die Pers\u00f6nlichkeit &#8211; und dieses Hirngebiet ist bei Frauen viel mehr in Probleml\u00f6sungen involviert. 84 Prozent der verwendeten grauen Substanz war bei Frauen im Frontalhirn lokalisiert, verglichen mit nur 45 Prozent bei M\u00e4nnern. Noch offensichtlicher war der Unterschied in der Verwendung der wei\u00dfen Substanz im Frontalhirn: 86 Prozent der identifizierten wei\u00dfen Substanz war bei Frauen im Frontalhirn, verglichen mit null Prozent bei den M\u00e4nnern! Eine Reihe von Arbeitsgruppen auf der ganzen Welt hat in der Folge &#8211; teilweise mit ganz anderer Methodik &#8211; die Resultate von Richard Haier best\u00e4tigt: M\u00e4nner und Frauen greifen bei der Intelligenz tats\u00e4chlich auf verschiedene Hirnareale zur\u00fcck (Allen et al, 2011; Tomasi et al, 2012; Ingalhalikar et al., 2014; Szalkai et al, 2015; Pezoulas et al, 2017).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zweifellos sind die beiden Formen von Intelligenz kognitiv auf Augenh\u00f6he. Wo sie gegeneinander ausgespielt werden und in Konkurrenz treten, folgt Disharmonie der Geschlechter, w\u00e4hrend sie sich in Harmonie gegenseitig erg\u00e4nzen, befruchten und potenzieren. Daf\u00fcr mag ein Begriff der chinesischen Philosophie ein gutes Bild sein: Yin und Yang. Sie stehen f\u00fcr polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Prinzipien. Yin f\u00fcr weiblich und Yang f\u00fcr m\u00e4nnlich. Alleine unvollkommen, zu zweit komplett. Die beiden sind nach chinesischer Tradition nicht gegens\u00e4tzlich (antagonistisch), sondern sie erg\u00e4nzen sich (komplement\u00e4r).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir finden also zwei Arten vor, die Welt zu erfassen und zu verarbeiten: Zwei Augen, die sich ausgezeichnet erg\u00e4nzen und nur zusammen dreidimensional sehen. Daf\u00fcr ist sowohl das Yin-Auge als auch das Yang-Auge unentbehrlich. Der jeweilige Blickwinkel ist f\u00fcr das r\u00e4umliche Sehen unersetzlich. Eine theoretische Verringerung des Augenabstands h\u00e4tte kein besseres, sondern ein flacheres Bild zur Folge.<\/p>\n<p><em>Raphael Bonelli<\/em><\/p>\n<p><em>Aus: Raphael M. Bonelli, Frauen brauchen M\u00e4nner und umgekehrt &#8211; Couchgeschichten eines Wiener Psychiaters, K\u00f6sel-Verlag, M\u00fcnchen, 349 Seiten, hier Seiten 108-110 und 112-120.<\/em><\/p>\n<p><em>Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V., September 2018 (<a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\">www.i-daf.org<\/a>)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wiener Eignungstest f\u00fcr das Medizinstudium offenbarte unfreiwillig kognitive Unterschiede bei m\u00e4nnlichen und weiblichen Millennials &#8211; mit entsprechender medialer Aufregung. Seit 2006 gibt es an \u00d6sterreichs medizinischen Universit\u00e4ten Aufnahmeverfahren. Nur f\u00fcr jeden achten Millenial, der studieren m\u00f6chte, gibt es auch einen Studienplatz. 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