{"id":15768,"date":"2018-08-20T10:25:36","date_gmt":"2018-08-20T08:25:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15768"},"modified":"2018-08-20T10:26:37","modified_gmt":"2018-08-20T08:26:37","slug":"vater-sein-dagegen-sehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15768","title":{"rendered":"Vater sein dagegen sehr&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Datenreiche Studien zu Arbeit und Funktion der V\u00e4ter in der Familie \/ Ehe als Stabilit\u00e4tsanker \/ Z\u00e4he Mythen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die j\u00fcngste Weltfamilienkarte (World Family Map 2017), an der Forscher aus Europa, Amerika, Afrika und Asien teilnehmen &#8211; deutsche sind nicht dabei &#8211; , zeigt anhand von Daten aus diesen Kontinenten, dass der R\u00fcckgang der Ehe deutlich Einfluss auf die Stabilit\u00e4t der Kinder, der j\u00fcngeren Generation und damit auch auf die gesellschaftliche Stabilit\u00e4t aus\u00fcbt. Umgekehrt l\u00e4sst sich sagen: Ehe stabilisiert, wer sie schw\u00e4cht, schw\u00e4cht auch die Gesellschaft. Das ist nicht neu, in Deutschland allerdings kaum verbreitet. Die Blockaden des Relativismus funktionieren, besonders in der Medienwelt. Zu diesen Blockaden geh\u00f6ren auch Mythenbildungen. Manche Mythen sind z\u00e4h, zum Beispiel, dass nichtverheiratete V\u00e4ter genauso gut erziehen wie verheiratete. Oder dass signifikant immer mehr V\u00e4ter Vollzeit zuhause blieben, oder dass die H\u00e4lfte aller M\u00fctter die Aufgaben des Haushalts partnerschaftlich zu fifty-fifty mit den V\u00e4tern teilen wollten. Oder auch der Mythos von der &#8222;guten Scheidung&#8220;, also der Trennung der Eltern ohne bedeutsame Folgen f\u00fcr die Kinder.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In amerikanischen Universit\u00e4ten ist man solchen Mythen jetzt auf den Grund gegangen. Professor Bradford Wilcox von der Universit\u00e4t Virginia und dort Direktor des &#8222;Nationalprojekts Ehe&#8220; (http:\/\/nationalmarriageproject.org) hat sie anhand von neuen wissenschaftlichen Befunden und Daten entzaubert. Zum &#8222;Hausmann&#8220;, der von sich aus und nicht aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden Vollzeit zuhause bleibt, die Erziehung \u00fcbernimmt und den Haushalt f\u00fchrt, ist zu sagen, dass er zu einer verschwindend kleinen Minderheit geh\u00f6rt. Der Rollentausch mag im Einzelfall gl\u00fccken und aus verschiedenen Gr\u00fcnden notwendig sein, etwa weil die Mutter in ihrem Job einfach mehr Geld verdient. Das aber bleibt die Ausnahme. Die Regel dagegen besagt, dass, wie eine Studie des Pew Research Center f\u00fcr die USA ergab, die V\u00e4ter zwei Drittel des Familieneinkommens au\u00dfer Haus erarbeiten. Das Einkommen insgesamt ist eine Frage der Familien-und Lebensform, neudeutsch der work-life-balance. Rund vierzig Prozent der deutschen Haushalte leben nach der Formel &#8222;er Vollzeit, sie Teilzeit&#8220;. Die Teilzeit bemisst sich in den meisten F\u00e4llen nach dem Alter der Kinder. Das von der Politik, der Wirtschaft und den Medien propagierte Wunschmodell (beide Vollzeit) stagniert und liegt bei 17 Prozent. Der Spiegel schrieb schon vor drei Jahren in einer gro\u00dfen Titelgeschichte mit Bedauern: &#8222;Der Papa in Vollzeit, die Mama in Teilzeit oder ganz raus aus dem Beruf &#8211; das ist Standard in den meisten deutschen Familien, selbst wenn eine andere Aufteilung zum Beispiel finanzielle Vorteile bringen w\u00fcrde. Diesen Befund zu deutschen Familien gibt es seit Jahren &#8211; und es \u00e4ndert sich wenig. Der Anteil der Vollzeit arbeitenden M\u00fctter steigt nur langsam, der Vater in Teilzeit ist in deutschen Familien weiterhin ein Exot&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der Mythos von der gerechten Aufteilung der Hausarbeit, die sich die H\u00e4lfte aller Frauen w\u00fcnschten, h\u00e4lt der Wirklichkeitspr\u00fcfung nicht stand. Nat\u00fcrlich w\u00fcnschen sich die meisten M\u00fctter eine st\u00e4rkere Beteiligung des Vaters an der Familienarbeit. Hier gibt es zweifellos Nachholbedarf. Aber mangels genauerer Definition und Messbarkeit ist es schwierig, gleiche oder &#8222;gerechte&#8220; Anteile auszumachen. Das wissen die M\u00fctter und deshalb rechneten sie nicht vor, erkl\u00e4rt Professor Wilcox. In Deutschland \u00fcbernehmen nach einer Studie des Instituts Allensbach drei von vier V\u00e4tern deutlich weniger als die H\u00e4lfte der Familienarbeit. Interessant ist jedoch die Divergenz in der pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzung. Demnach sagt einer von drei V\u00e4tern, er \u00fcbernehme nur einen kleinen Teil, aber nur jede zweite Mutter (54 Prozent) ist dieser Meinung. Und w\u00e4hrend wiederum jeder dritte Vater sagt, er liege knapp unter der H\u00e4lfte, teilt nur jede f\u00fcnfte Mutter diese Einsch\u00e4tzung. Das schlie\u00dft nicht aus, dass man V\u00e4ter, vor allem junge, zu mehr Teilnahme ermutigen kann. Vielleicht sogar sollte, besonders wenn es um die Erziehung geht. Denn die Bereitschaft ist da.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Studie der Ohio State University ist dieser Frage genauer nachgegangen und hat festgestellt, dass die Elternqualit\u00e4t der V\u00e4ter von einj\u00e4hrigen Babies, die von den M\u00fcttern in den ersten Monaten wegen des Umgangs mit dem Baby h\u00e4ufig kritisiert wurden, unter der Elternqualit\u00e4t anderer V\u00e4ter lag. Kritik schw\u00e4cht, Lob st\u00e4rkt. Die jungen M\u00fctter k\u00f6nnen die erzieherischen F\u00e4higkeiten des Vaters durchaus beeinflussen. Frauen sollten deshalb zweimal nachdenken, bevor sie V\u00e4ter f\u00fcr nebens\u00e4chliche Themen wie z.B. ihre Kleidungswahl f\u00fcr das Baby an einem bestimmten Tag kritisierten, meint Lauren Altenburger, die Leiterin der Studie, es gehe &#8222;auch darum, dem Vater einen Spielraum zum Erziehen zu geben.&#8220; Beide Eltern m\u00fcssten die Kommunikation offen halten und darauf achten, nicht zu schnell zu kritisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der dritte Mythos &#8211; nichtverheiratete V\u00e4ter erziehen genauso gut wie verheiratete &#8211; geht von einem individualistischen Menschenbild aus, das Beziehungen nicht um ihrer selbst willen und als personale Verbindung sieht, sondern als Instrument des Individuums. Es ist ein Unterschied, ob jemand in einem verl\u00e4sslichen, auf unbegrenzte Dauer angelegten Bezugsrahmen lebt und handelt oder ob die Beziehung unter der unausgesprochenen Option der Trennung steht. Die Soziologen, die Daten zu der Studie beigetragen haben, gehen zun\u00e4chst von dem Faktum aus, dass vierzig Prozent aller Kinder heute in Haushalten leben, in denen die Eltern nicht verheiratet sind. Sandra Hofferth von der Universit\u00e4t Maryland und Kermyt Anderson von der Universit\u00e4t Oklahoma konnten nun statistisch nachweisen, dass verheiratete Eltern in der Regel deutlich z\u00e4rtlicher, emotionaler und teilnehmender mit den Kindern umgehen als nicht verheiratete. Die Weltfamilienkarte zeigt zudem, dass Kinder aus nichtehelichen Haushalten doppelt so wahrscheinlich die Trennung der Familie vor ihrem 12. Lebensjahr erleben als Kinder aus ehelichen Haushalten. Eine Studie der Universit\u00e4t Bowling Green State sowie der Universit\u00e4t von Michigan wies sogar nach, dass in den USA jedes zweite Kind von nicht verheirateten Eltern den Bruch der Familie vor seinem f\u00fcnften Geburtstag erleidet. Dagegen erlebten nur 15 Prozent der Kinder von verheirateten Eltern diesen Schock. Die Soziologen Frank Frustenberg und Andrew Cherlin f\u00fchren das darauf zur\u00fcck, dass verheiratete V\u00e4ter Ehe und Vaterschaft als &#8222;eine einzige Sache, als ein Paket&#8220; betrachteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Sinn ist auch der Mythos von der &#8222;guten Scheidung&#8220;, die den Kindern nichts ausmache, zu sehen. Sara McLanahan von der Universit\u00e4t Princeton konnte das in folgende Daten fassen: F\u00fcr M\u00e4dchen geschiedener Eltern ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so gro\u00df, dass sie das Studium abbrechen, als Jugendliche schwanger werden und in Depressionen fallen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich sp\u00e4ter selber scheiden lassen, ist ebenfalls signifikant h\u00f6her, was in europ\u00e4ischen Studien \u00fcbrigens auch nachzulesen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Datenmaterial, das die Wissenschaftler f\u00fcr all diese Studien aus Amerika und der ganzen Welt zusammengetragen haben, ist enorm. Es m\u00fc\u00dfte die Politik nachdenklich machen. Aber daf\u00fcr m\u00fcssten die Politiker diese Ergebnisse erst einmal wahrnehmen wollen. Einfacher ist es wohl, an Mythen festzuhalten, zumal dann, wenn sie medial weiter transportiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Von J\u00fcrgen Liminski<\/em><\/p>\n<p><em>Institut f\u00fcr Demographie, Allgemeinwohl und Familie (<a href=\"http:\/\/www.i-daf.org\">www.i-daf.org<\/a>)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aufsatz des Monats 6 \/ 2018<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Datenreiche Studien zu Arbeit und Funktion der V\u00e4ter in der Familie \/ Ehe als Stabilit\u00e4tsanker \/ Z\u00e4he Mythen Die j\u00fcngste Weltfamilienkarte (World Family Map 2017), an der Forscher aus Europa, Amerika, Afrika und Asien teilnehmen &#8211; deutsche sind nicht dabei &#8211; , zeigt anhand von Daten aus diesen Kontinenten, dass der R\u00fcckgang der Ehe deutlich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15768"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15768"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15768\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15774,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15768\/revisions\/15774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15768"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15768"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15768"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}