{"id":15743,"date":"2018-08-14T19:45:04","date_gmt":"2018-08-14T17:45:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15743"},"modified":"2018-08-15T07:11:13","modified_gmt":"2018-08-15T05:11:13","slug":"die-dynamik-missionarischen-lebens-in-aegypten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15743","title":{"rendered":"Die Dynamik missionarischen Lebens in \u00c4gypten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als die ersten westlichen Missionare im 18. Jahrhundert nach \u00c4gypten kamen, fanden sie eine relativ erstarrte und geistlich wenig dynamische nationale Kirche vor. Deshalb galten auch erste Initiativen der geistlichen Belebung des erstarten nationalen Christentums. Bibeln wurden gedruckt und verteilt und Bibelstudium und auf der Bibel basierende Predigten wurden eingef\u00fchrt. Zudem war es die anf\u00e4ngliche \u00dcberlegung, die muslimischen Mehrheit durch die einheimische Kirche zu erreichen. Die Ablehnung evangelikalen Christentums durch die koptische Kirche f\u00fchrte zu einer Umorientierung der westlichen Missionsarbeit.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun sollten Muslime direkt erreicht werden. Der Erfolg blieb sehr begrenzt. Das f\u00fchrte wiederum dazu, dass viele Missionare interessierte Kopten f\u00fcr ihre jeweilige Konfession gewannen und nicht belebend in diese Kirche hineinarbeiteten. Aus der entstandenen evangelischen Kirche entstanden sp\u00e4ter weitere protestantische Gruppieren, die heute im Protestantischen Kirchenrat zusammengeschlossen sind. Die Zahl der Gemeindemitglieder aus muslimischem Hintergrund blieb \u00fcber viele Jahre sehr begrenzt. Die gemeindlichen Aktivit\u00e4ten blieben im Wesentlichen beschr\u00e4nkt auf Menschen mit christlichem Hintergrund. Die Kirchen, die einst aus der Missionsarbeit des 19. und 20. Jahrhunderts entstanden waren, f\u00fchrten das missionarische Leben aus dem sie entstanden waren nicht weiter, sondern setzten eher auf Bestandserhaltung. Ab den 70er Jahren des 20. Jahrhundert kamen mit Operation Mobilisation, Jugend mit einer Mission, Campus f\u00fcr Christus, Jugend f\u00fcr Christus und den Navigatoren Jugendbewegungen ins Land, die die missionarische Dimension wieder neu in die \u00e4gyptischen Kirchen hineintragen wollten. Leider wurden sie phasenweise durch ihre unsensible Vorgehensweise von den etablierten Kirchen als para-kirchliche Organisationen abgelehnt. Trotz alledem darf von einer geistlich-missionarischen Wirkung durch diese Gruppen gesprochen werden. Viele missionarisch denkende Leiter, Pastoren und Mitarbeiter wurden in ihren Jugendjahren durch deren Trainingskurse und missionarische Eins\u00e4tze au\u00dferhalb und innerhalb \u00c4gyptens gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Dimension des Gebets<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grundlage einer missionarisch orientierten Kirche ist das Gebet. So sehr die \u00e4gyptische Christenheit das mittragende Gebet durch den Rest des Leibes Christi braucht, so sehr k\u00f6nnen westliche Christen in \u00c4gypten in ihrem Gebetsleben inspiriert werden. Der Einfluss der koreanischen und heute auch chinesischen Gebetsbewegung ist in \u00c4gypten deutlich sp\u00fcrbar. Es ist tief ber\u00fchrend zu erleben, mit welcher Leidenschaft \u00e4gyptische Christen beten. Sie treffen sich in gro\u00dfen Zahlen und allen Altersgruppierungen zu w\u00f6chentlichen Gebetstreffen, Gebetsn\u00e4chten und gro\u00dfen Gebetskonferenzen. Man nimmt sich Urlaub und investiert Zeit und Geld, um in Tagen des Fastens und Betens Gottes Eingreifen in Land und Region zu erflehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Dimension des Leidens<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00e4senz des \u00e4gyptischen Christentums im 21. Jahrhundert hat unbestritten eine missionarische Dimension. Diese Pr\u00e4senz ist zudem verbunden mit einem zeugnishaften Erleiden von Diskriminierung, Bedrohung, Zerst\u00f6rung und T\u00f6tung des Lebens. Die \u00e4gyptische Kirche ist bis heute eine leidende Kirche. Die vielf\u00e4ltigen und brutalen \u00dcbergriffe auf die Christen \u00c4gyptens innerhalb der letzten 10 Jahre belegen dies \u00fcberdeutlich. Durch dieses mit Liebe und Vers\u00f6hnungsbereitschaft ertragene Leiden hat die Kirche eine missionarische Kraft entwickelt. Eine bemerkenswerte Rolle nimmt dabei die \u00e4gyptische Bibelgesellschaft ein. Innerhalb von k\u00fcrzester Zeit reagiert diese von allen \u00c4gyptern akzeptierte Organisation auf die unterschiedlichsten tragischen Ereignisse mit der Produktion von angemessenen Bibeltraktaten, die dann zu hunderttausenden wirkungsvoll im Land verteilt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Dimension des interkulturellen Dienstes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ermutigend zu beobachten, dass verschiedenste \u00e4gyptische Gemeinden und Organisationen ihre missionarische Verantwortung zunehmend erkennen. Seit 25 Jahren arbeiten \u00e4gyptische Christen missionarisch in Nordafrika, Europa, den Golfstaaten und L\u00e4ndern des Mittleren Ostens. In \u00c4gypten sind sie in wenig evangelisierten Gegenden unterwegs. Sie haben die unerreichten Volksgruppen im Sinai, in den westlichen Oasen und in Unter- und Ober\u00e4gypten entdeckt. Dar\u00fcber hinaus kommen auch andere L\u00e4nder in Asien, Afrika und S\u00fcdamerika in den Blick. Zugleich k\u00fcmmert man sich um die hilfesuchenden Fl\u00fcchtlinge aus Syrien und Jemen, die zu Hunderttausenden in \u00c4gypten oder auch im Libanon und Jordanien Zuflucht suchen. Aktuell stehen viele \u00e4gyptische Christen bereit, Gemeinden in Europa bei der Begegnung mit den vielen Fl\u00fcchtlingen aus dem Irak und Syrien zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Dimension missionstheologischer Reflexion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gro\u00dfer Freude nehmen wir wahr, dass verschiedene Gemeindeverb\u00e4nde begonnen haben, in ihr theologisches Ausbildungsprogramm nun auch missionstheologische Kurse zu integrieren, um sich f\u00fcr ein st\u00e4rkeres weltmissionarisches Engagement vorzubereiten. Leider verlangsamen h\u00e4ufig noch immer Pastoren, Gemeindeleitungen und die soziale und famili\u00e4re Vernetzung die Sendung von neuen potenziellen interkulturellen Mitarbeitern. Lokale Interessen und gemeindliche Bed\u00fcrfnisse stehen noch zu sehr im Vordergrund. Im Blick auf Sendestrukturen, Mitarbeiterbegleitung und Erfahrung in den neuen Ziell\u00e4ndern steht die \u00e4gyptische Kirche noch ziemlich am Anfang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch steht ein Paradigmenwechsel an. Besonders die evangelische \u00e4gyptische Christenheit sucht ihren Platz bei der Erf\u00fcllung des alle Volksgruppen umspannenden Auftrags Jesu (Mt 28:18-20). Die Zeit der \u201eGlaubenshelden\u201c aus dem Westen m\u00fcndet nun ein in eine neue Generation von \u201e\u00e4gyptischen Glaubenshelden\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: EMO aktuell Fr\u00fchjahr 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die ersten westlichen Missionare im 18. Jahrhundert nach \u00c4gypten kamen, fanden sie eine relativ erstarrte und geistlich wenig dynamische nationale Kirche vor. 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