{"id":15672,"date":"2018-07-03T06:00:52","date_gmt":"2018-07-03T04:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15672"},"modified":"2018-07-01T21:49:36","modified_gmt":"2018-07-01T19:49:36","slug":"stephen-hawking-das-universum-und-die-frage-nach-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15672","title":{"rendered":"Stephen Hawking &#8211; Das Universum und die Frage nach Gott"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im M\u00e4rz 2018 starb der britische Astrophysiker Stephen Hawking, der vor allem an der Physik der sogenannten Schwarzen L\u00f6cher forschte. Mit einzelnen seiner Thesen wollte er die Nicht-Existenz Gottes bewiesen haben und wird deswegen von vielen Atheisten verehrt. Er hat sich mehrfach geirrt und musste auch seine These vom ewig existierenden Universum relativieren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der weltbekannte britische Astrophysiker Stephen Hawking ist am 14.3.2018 in Cambridge gestorben (geb. 1942). Viele kennen ihn als den Physiker im Rollstuhl, der nur \u00fcber seinen Sprachcomputer mit der Au\u00dfenwelt kommunizierte. Immer wieder war er f\u00fcr scharfe Beobachtungen und steile wissenschaftliche Thesen gut. Insbesondere besch\u00e4ftigten ihn das Wesen der Schwarzen L\u00f6cher, die Allgemeine Relativit\u00e4tstheorie und die Frage nach dem Anfang des Universums.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In gewisser Weise hatte Hawking einen regelrechten Kultstatus; vielleicht weil er so gut in das Schema des skurrilen Genies passte. Einige sahen ihn auf einer Stufe mit der Physik-Ikone Albert Einstein (1879-1955). Er selbst wies diese Vergleiche immer deutlich zur\u00fcck und hielt sich f\u00fcr vollkommen \u00fcbersch\u00e4tzt. In den letzten Jahren hatte Hawking insbesondere mit seiner Behauptung f\u00fcr Diskussion gesorgt, er k\u00f6nne mit den Mitteln der Physik beweisen, dass es keinen Gott g\u00e4be. Zahlreiche Kollegen hielten das f\u00fcr eine unzul\u00e4ssige Grenz\u00fcberschreitung der Naturwissenschaft und kritisierten die Stimmigkeit dieser Theorie. Sollte Hawking mit seiner Behauptung richtig liegen, dann kann er das nun auch nicht mehr verifizieren. In diesem Fall gibt es den Physiker n\u00e4mlich nach seinem Tod als eigenst\u00e4ndige, denkende Person nicht mehr. Sollte sich Hawking aber geirrt haben, dann befindet sich seine Seele zwischenzeitlich im Jenseits und wei\u00df um die L\u00fccken seiner kosmologischen Speku\u00adlationen \u00fcber Gott und die Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Suche nach dem Wesen der Schwarzen L\u00f6cher<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Oxforder Doktorarbeit (1966) bezog Hawking Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten \u00fcber die Entstehung sogenannter Schwarzer L\u00f6cher aus dem Gravitationskollaps massereicher Sterne (Singularit\u00e4t) auf den Urzustand des Alls. Er projizierte die Expansion des Universums in umgekehrter Reihenfolge und kam dadurch zu einer extremen Konzentration von Temperatur, Dichte, Energie und Kr\u00fcmmung am Anfang des Universums. Raum und Zeit dagegen schrumpfen in diesem Szenario auf den Wert null. Damit erkl\u00e4rte Hawking den Urknall als kosmische Singularit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In weiteren Forschungen berechnete Hawking die Energie, die von Schwarzen L\u00f6chern ausgeht. Zu seinen Ehren wurde dieses Ph\u00e4nomen sp\u00e4ter Hawking-Strahlung genannt; wobei es experimentell bislang noch nicht nachgewiesen werden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit nur 32 Jahren wurde Hawking 1974 in die renommierte Royal Society aufgenommen. 1977 richtete die Universit\u00e4t Cambridge f\u00fcr ihn eine Professur in Gravitationsphysik ein. Drei Jahre sp\u00e4ter folgte die Berufung auf den ber\u00fchmten Lukasischen Lehrstuhl f\u00fcr Mathematik in Cambridge (1979-2009). Nach seiner offiziellen Pensionierung wurde Hawking in Cambridge zum Forschungsdirektor der Fakult\u00e4t f\u00fcr angewandte Mathematik und theoretische Physik ernannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hawkings popul\u00e4rwissenschaftliche B\u00fccher \u00fcber den Urknall, \u00fcber schwarze L\u00f6cher und die Quantenphysik wurden schnell zu Bestsellern. Seine Kurze Geschichte der Zeit (1988) wurde in 40 Sprachen \u00fcbersetzt und weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz seiner schweren Behinderung durch Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) wollte Hawking kein Mitleid. Er ermutigte auch andere Menschen, sich eher auf ihre M\u00f6glichkeiten statt auf ihre Probleme zu besinnen. In seiner Autobiographie Meine kurze Geschichte (2013) schreibt er:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMeiner Meinung nach sollten sich behinderte Menschen auf die Dinge konzentrieren, die ihnen m\u00f6glich sind, statt solchen hinterherzutrauern, die ihnen nicht m\u00f6glich sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Physikalischer Beweis des Atheismus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am st\u00e4rksten wurde in der breiten \u00d6ffentlichkeit Hawkings vorgeblicher Beweis des Atheismus diskutiert. \u201eHawking versetzt Gott den Gnadensto\u00df\u201c, freut sich der vielzitierte Atheist und Gottesgegner Richard Dawkins (geb. 1941).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich hatte Hawking in seiner kosmologischen Konzeption durchaus noch Platz f\u00fcr einen abstrakten Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWenn wir eine komplette Theorie haben, k\u00f6nnen wir die Gedanken Gottes verstehen\u201c, hei\u00dft es dazu beispielsweise in seinem internationalen Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC (2010) erkl\u00e4rte Hawking Gott dann aber zum entbehrlich gewordenen L\u00fcckenf\u00fcller wissenschaftlicher Theorien: \u201eMan kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. (&#8230;) Aber die Wissenschaft macht Gott \u00fcberfl\u00fcssig.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit seiner Kosmologie meinte Hawking die Existenz Gottes physikalisch widerlegen zu k\u00f6nnen. In seinem Buch Der gro\u00dfe Entwurf (2010) stellte Hawking dahingehend folgende Behauptung auf:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWeil es die Gesetze der Schwerkraft gibt, hat sich das Universum aus dem Nichts selbst geschaffen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Singularit\u00e4t des Urknalls, der absoluten Konzentration von Masse, Energie und Temperatur, k\u00e4me es rein theoretisch zu einem Verschwinden von Zeit und Raum. Damit br\u00e4chen alle heute bekannten Naturgesetze zusammen. Berechnungen, die hinter diesen Zustand zur\u00fcckgehen wollten, seien damit unm\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zustand unendlicher Konzen\u00adtration habe das Universum gar keinen r\u00e4umlich und zeitlichen Rand und keine Grenze mehr. Es sei allein in sich geschlossen und auf sich begrenzt, auch ohne eine undurchdringliche Singularit\u00e4t an seinem Rand, im Gegensatz zu Schwarzen L\u00f6chern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zu anderen Astro\u00adphysikern, f\u00fcr die Naturgesetze sich aus den Anfangs- oder Randbedingungen des Urknalls entwickelten, behauptet Hawking mit seinem Modell:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Grenzbedingung des Universums ist, dass es keine Grenze hat. Das Universum war v\u00f6llig in sich abgeschlossen und keinerlei \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen unterworfen. Es w\u00e4re weder erschaffen noch zerst\u00f6rbar. Es w\u00fcrde einfach SEIN.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Demnach w\u00e4re dieser Urzustand des Uni\u00adver\u00adsums vollkommen ohne Zeit, also in gewisser Weise ewig und in sich ruhend. Dann ben\u00f6tige es nat\u00fcrlich auch keinen Sch\u00f6pfer. Von atheistischer Seite aus wurde Hawkings Theorie begeistert gefeiert. Wobei man diesen ewigen Urzustand unendlicher Energie und Masse nat\u00fcrlich auch einfach Gott nennen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem Urspr\u00fcnglichen habe sich dann ohne erkennbare und berechenbare Ursache das ganze Universum entfaltet. Hawking:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSpontane Erzeugung ist der Grund, warum etwas ist und nicht einfach nichts, warum es das Universum gibt, warum es uns gibt. Es ist nicht n\u00f6tig, Gott als den ersten Beweger zu bem\u00fchen, der das Licht entz\u00fcndet und das Universum in Gang gesetzt hat.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwas sp\u00f6ttisch bemerkte Hawking, dass zwar viele Menschen Gott als den ultimativen Sch\u00f6pfer des Alls betrachten w\u00fcrden. Dann aber sei zu fragen, wer ihn dann geschaffen habe. \u2013 Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man jetzt Gott auch einfach an die Stelle des ewigen Urzustandes setzen und w\u00e4re hypothetisch ganz im Einklang mit Hawkings Modell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im festen Glauben an die Absolutheit physikalischer Berechnungen formulierte Hawking:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Naturgesetze k\u00f6nnen von Gott erlassen worden sein oder nicht, aber er kann nicht eingreifen und die Gesetze brechen, sonst w\u00e4ren es keine Gesetze. Gott bliebe allenfalls die Freiheit, den Anfangszustand des Universums auszuw\u00e4hlen. Aber selbst hier k\u00f6nnten Gesetze herrschen. Dann h\u00e4tte Gott \u00fcberhaupt keine Freiheit.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz offensichtlich konnte sich Hawking einen jenseits mathematischer Bere\u00adchen\u00adbar\u00adkeit stehenden Gott schlicht nicht vor\u00adstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der einen Seite beurteilte Hawking die M\u00f6glichkeiten der Wissenschaft \u00e4u\u00dferst optimistisch. Auf der anderen Seite betrachtete er die Menschheit als letztlich belanglose Episode der kosmischen Evolution:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir sind nur eine etwas fortgeschrittene Brut von Affen auf einem kleinen Planeten, der um einen h\u00f6chst durchschnittlichen Stern kreist. &#8211; Aber wir k\u00f6nnen das Universum verstehen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hawkings Missachtung wissenschaftlicher Grenzen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Wissenschaftler sind \u00fcberzeugt, dass Hawking mit seinen philosophisch-religi\u00f6sen Thesen weit \u00fcber die Erkenn\u00adt\u00adnism\u00f6glichkeiten physikalischer Metho\u00adden hinausgegangen ist, und dass Natur\u00adwissen\u00adschaften prinzipiell nichts \u00fcber Gott aussagen k\u00f6nnen, weil er f\u00fcr ihren methodischen Atheismus nat\u00fcrlich nicht zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hamburger Astro\u00adphysiker Hans-J\u00fcrgen Hagen kritisierte Hawkings Absicht, den Atheismus wissenschaftlich belegen zu wollen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch denke, dass wir als Natur\u00adwissen\u00adschaftler Gesetze finden und beschreiben k\u00f6nnen. Mehr aber auch nicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans-J\u00fcrgen Hagen vergleicht die Suche nach dem Ursprung mit einem Buch, \u201edas wir versuchen zu verstehen, aber von dem wir nicht wissen, wer es geschrieben hat\u201c. Wenn jemand den Ursprung mit physikalischen Gesetzen erkl\u00e4ren wolle, sagt Hagen, dann stelle sich doch folgerichtig die Frage, woher denn diese Gesetze kommen. Einer stimmigen Antwort weicht Stephen Hawking mit der Behauptung aus, diese Naturgesetze, bzw. ihre Voraussetzungen seien ewig. Das aber ist eher eine religi\u00f6se Antwort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Oxforder Mathematiker John Lennox (geb. 1943) h\u00e4lt Hawkings Behauptung, das Universum sei von selbst und ohne Gott entstanden, weil es so etwas wie Schwerkraft gebe, f\u00fcr unlogisch. Die Schwerkraft selbst muss durch irgendetwas entstanden sein oder auf eine weitere Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAls Wissenschaftler sage ich, dass Hawkings Behauptung fehlerhaft ist\u201c, schreibt Lennox.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEr m\u00f6chte, dass wir zwischen Gott und den Gesetzen der Physik w\u00e4hlen, so als w\u00fcrden sie in einem Gegensatz zueinander stehen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch k\u00f6nnten die Naturgesetze niemals eine vollst\u00e4ndige Erkl\u00e4rung des Uni\u00adver\u00adsums erm\u00f6glichen, so Lennox.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Gesetze selbst schaffen gar nichts, sie sind nur die Beschreibung von etwas, was unter gewissen Umst\u00e4nden passiert.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Irrt\u00fcmlicher\u00adweise ging Stephen Hawking davon aus, Gott widerlegt zu haben, weil er in seinem Weltentstehungsmodell momentan keine offenen Fragen mehr sah. Unversehens ver\u00adwechselt er damit begrenzte physikalische Hypothesen mit der vielgestaltigen Wirklichkeit selbst. Mit physikalischer Begrifflichkeit wollte er einen religi\u00f6sen Mythos f\u00fcr das 21. Jahrhundert schaffen, der ohne die bisherigen Vorstellungen von Gott auskommt. In Wirklichkeit aber bewirbt Hawking lediglich ein neues Gottesbild, das st\u00e4rker an abstrakten, natur\u00adgesetzlichen Formulierungen orien\u00adtiert ist als an den religi\u00f6sen Offen\u00adba\u00adrun\u00adgen der Bibel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spektakul\u00e4re Ideen mit Verfallsdatum<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hawking irrte in seinen wissenschaftlichen Annahmen aber auch immer wieder. So beispielsweise 1974, als er entgegen der Annahme seines amerikanischen Physikerkollegen Kip Thorne meinte nachweisen zu k\u00f6nnen, dass es sich bei der kosmischen R\u00f6ntgenquelle Cygnus X-1 um kein Schwarzes Loch handeln k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ende der 1970er Jahre prognostizierte Hawking sehr optimistisch die Entwicklung einer Weltformel bis zur Jahrtausendwende. Damit k\u00f6nnten dann alle physikalischen Ph\u00e4nomene zufriedenstellend erkl\u00e4rt werden. Diese Formel w\u00fcrde dann die klassische Physik und auch die bisherige Quantenmechanik abl\u00f6sen. Bis heute aber liegt eine solche Formel noch immer in weiter Ferne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz zu Hawking sind der Vater der Stringtheorie, Leonard Susskind (geb. 1940), und der Physik- Nobelpreistr\u00e4ger Gerardus \u2019t Hooft (geb. 1946) davon \u00fcberzeugt, dass die Gesetze der Quantenmechanik auch im Bereich Schwarzer L\u00f6cher g\u00fcltig sind; und damit wahrscheinlich auch am mutma\u00dflichen Beginn des Universums.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hawking kritisierte h\u00e4ufig, wie die Menschen mit ihrem Planeten umgehen. Als L\u00f6sung f\u00fcr die \u00fcberbev\u00f6lkerte Erde bleibe bald nur noch das Auswandern auf andere Planeten. Hawking warnte auch davor, dass die Entwicklung der k\u00fcnstlichen Intelligenz au\u00dfer Kontrolle geraten und zur Gefahr f\u00fcr die Menschen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die methodische Grenze natur\u00adwissen\u00adschaft\u00adlicher Welterforschung hielt Stephen Haw\u00adking f\u00fcr nicht mehr relevant. Seiner Ein\u00ad\u00adsch\u00e4tzung nach seien sowohl die Philo\u00adsophie als auch die Theologie faktisch tot. Neue, zukunftsweisende Ideen k\u00e4men allein noch von den Naturwissenschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg zu einer postmodernen Kosmologie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In sp\u00e4teren Jahren relativierte Hawking sein eigenes Weltentstehungskonzept. Dem\u00adnach sei der Urknall doch nicht der absolute Anfang von Raum und Zeit gewesen. \u00c4hnlich der hinduistischen Kosmologie habe es vielleicht ein Vorl\u00e4uferuniversum gegeben, das durch die Schwerkraft der darin enthaltenen Massen und Energie zu\u00ad\u00adsam\u00admen\u00adschrumpf\u00adte, bis es eine minimale Ausdehnung erreichte. In dieser Phase wuch\u00adsen Druck und Temperatur auf unfass\u00adbar hohe Werte, und die winzige Energie-Blase flog in einem Urknall ausein\u00adander, wodurch es zum gegenw\u00e4rtigen Kosmos gekommen sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem sympathisierte Hawking mit der sogenannten M-Theorie. Sie basiert auf dem Konzept der Strings. Demnach sind die kleinsten Teilchen des Universums winzige, fadenf\u00f6rmige Gebilde von 10-33 (ein millionstel milliardstel milliardstel milliardstel) Zentimeter L\u00e4nge. Entsprechend der M-Theorie ergibt sich eine Raumzeit mit zehn Raumdimensionen und einer Zeitdimension. Teil dieses Konzepts ist die Annahme, dass es viele parallel existierende Universen mit eigenen physikalischen Gesetzen geben k\u00f6nne (Multiversum). In einer Art Quantensch\u00f6pfung k\u00f6nnten unabl\u00e4ssig weitere Kosmen entstehen, jeder einzelne mit eigenen physikalischen Gesetzen. F\u00fcr die Gleichungen der M-Theorie gibt es 10500 L\u00f6sungen, von denen jede m\u00f6glicherweise ein eigenes Universum beschreibt. Demnach k\u00f6nnte es, rein theoretisch betrachtet, zahlreiche parallel nebeneinander existierende Universen geben, die nat\u00fcrlich keinerlei Ahnung von der Existenz der jeweils anderen h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende bleiben Stephen Hawkings durchaus spannende und spekulative Er\u00adkl\u00e4rungsversuche zum Aufbau und zur Geschichte des Universums. Ganz gleich, ob seine Konzepte in der Zukunft die allgemeine Zustimmung der physikalischen Forschung bekommen werden oder nicht; \u00fcber die Existenz Gottes sagen diese Modelle im Kern nichts aus.<\/p>\n<p><em>Michael Kotsch<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: Bibel und Gemeinde &#8211; 2\/2018<\/em><\/p>\n<p><em>Mit freundlicher Genehmigung des Autors.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im M\u00e4rz 2018 starb der britische Astrophysiker Stephen Hawking, der vor allem an der Physik der sogenannten Schwarzen L\u00f6cher forschte. Mit einzelnen seiner Thesen wollte er die Nicht-Existenz Gottes bewiesen haben und wird deswegen von vielen Atheisten verehrt. Er hat sich mehrfach geirrt und musste auch seine These vom ewig existierenden Universum relativieren. 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