{"id":15654,"date":"2018-06-20T10:47:29","date_gmt":"2018-06-20T08:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15654"},"modified":"2018-06-20T10:49:04","modified_gmt":"2018-06-20T08:49:04","slug":"der-zweck-des-evangelischen-lehramtes-antrittspredigt-ueber-2-korinther-124","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15654","title":{"rendered":"Der Zweck des evangelischen Lehramtes &#8211; Antrittspredigt \u00fcber 2. Korinther 1,24"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es lautet ungemein sch\u00f6n, wenn der heilige Apostel Paulus die liebevolle Aufnahme r\u00fchmt, die er bei den Galatern fand. Ihr nahmt mich auf, sagt er von denselben (Gal. 4,14), als einen Engel Gottes, ja als Jesum Christum selber, und die Anfechtungen die ich leide nach dem Fleisch, habt ihr nicht verachtet. Freilich, wer wird nicht gestehen, dass ein Mann wie Paulus, einer solchen Ausnahme h\u00f6chst w\u00fcrdig war. Ein gro\u00dfer Redner, im gew\u00f6hnlichen Sinne des Wortes, war er zwar nicht, weswegen auch die feinen Korinther sagten, seine Rede sei ver\u00e4chtlich, f\u00fclle ihnen das Ohr nicht genug. Allein wenn auch Paulus die gl\u00e4nzendsten Rednertalente h\u00e4tte entwickeln und die Rolle der ber\u00fchmtesten Redner des Altertums h\u00e4tte erneuern k\u00f6nnen, so wollte er&#8217;s doch aus dem freilich etwas eignen Grundsatze nicht tun, damit das Kreuz Christi nicht zu Schanden werde.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Selbstdenker kann man ihn in dem gew\u00f6hnlichen Sinne auch nicht nennen. Er erkl\u00e4rt sich f\u00fcr unt\u00fcchtig, aus sich selber etwas Gutes zu denken. Er war aber ein von Gott sehr hoch erleuchteter Mann, der das ganze Gebiet des Reiches Gottes und der Wahrheit mit Adlersblicken \u00fcberschaute. Er war ein ungemein heiliger Mann. Zwar lehnt er alles menschliche Urteil \u00fcber seinen moralischen Wert, den er selbst nicht bestimmen will, als etwas geringes ab; demnach m\u00f6chten wir die Behauptung wagen, er sei unter dem neuen Testament das gewesen, was David unter dem alten und Abraham unter der Verhei\u00dfung war. Seine Demut ist so gro\u00df, dass er sich f\u00fcr ein Nichts erkl\u00e4rt und nicht seine Kraft, sondern vielmehr seine Schwachheit, die dem Herrn Gelegenheit gab, in ihm stark zu sein, als die Ursache seiner ausnehmenden Taten angibt. Seine Liebe war br\u00fcnstig und wurde dadurch nicht lau, dass er \u201ewenig geliebet war.\u201c Seine Geduld hatte, so zu reden, keine Schranken, so wenig wie seine T\u00e4tigkeit, aber auch Gelegenheit genug, sich zu erweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ein solcher Mann solche Aufnahme fand, das war freilich billig; aber auch keine Kunst, sondern sehr nat\u00fcrlich. Umso r\u00fchrender muss es einem gew\u00f6hnlichen Diener des Evangeliums sein, wenn er seines weiten Abstandes von diesem Muster ungeachtet, eine liebevolle Aufnahme bei einer Gemeinde findet, nachdem eine andere ge\u00fcbte und liebende Gemeinde ihn nur mit Schmerzen von sich lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wahr, Paulus fand nicht \u00fcberall die n\u00e4mliche Aufnahme. Was will dieser Schw\u00e4tzer? fragte man zu Athen und lachte \u00fcber seine Rede. \u201eHelfet\u201c, schrie man zu Jerusalem, gerade als ob eine Schar erforderlich sei, einen einzelnen wehrlosen Mann zu \u00fcberw\u00e4ltigen, \u201ehelfet, die Leute die den ganzen Erdkreis verwirren, sind hergekommen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedoch sollte man einen Diener des Evangeliums mit Vergn\u00fcgen \u00fcberall aufnehmen und wird es tun, wenn man den Zweck des evangelischen Lehramtes anerkennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und von demselben wollen wir jetzt einiges bemerken nach Anleitung derjenigen Worte die wir in 2. Korinther 1,24 lesen und die so lauten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nicht, dass wir Herren seien \u00fcber euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer Freude.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil die ausf\u00fchrliche Anzeige des Zusammenhangs, worin diese Worte mit dem Vorherigen stehen, zum richtigen Verst\u00e4ndnis derselben nicht notwendig ist, so \u00fcbergehen wir dieselbe und erw\u00e4gen, was ein Diener des Evangeliums nicht, und was er doch sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ist<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>nicht Herr \u00fcber euren Glauben, sondern<\/li>\n<li>ein Gehilfe eurer Freude.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Er ist nicht Herr \u00fcber euren Glauben<em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Diener des Evangeliums ist nicht Herr \u00fcber euren Glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr \u00fcber jemandes Glauben w\u00e4re derjenige, der ihm geb\u00f6te, was er glauben und nicht glauben, was er f\u00fcr Wahrheit oder f\u00fcr Irrtum halten, was er als richtige Vorstellung annehmen, oder als Irrsal verwerfen soll. Nun sagt Paulus: Solche Herren \u00fcber euren Glauben sind wir nicht. Er meint zun\u00e4chst sich selbst und die \u00fcbrigen Apostel, \u201eWir\u201c; diese heiligen und gro\u00dfen M\u00e4nner Gottes, die unter allen Lehrern den ersten, einzigen und h\u00f6chsten Rang bekleiden, die an ihrer Spitze stehen und selbst vor den Propheten den Vorzug haben, zu Lehrern des ganzen menschlichen Geschlechts verordnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lasset uns ihre Vorz\u00fcge ein wenig entwickeln, welches niemand f\u00fcr eine unn\u00fctze Betrachtung erkl\u00e4ren wird, der erw\u00e4gen will, dass die Gemeine auf den Grund der Apostel erbauet ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.1<\/strong> Sie hatten zuv\u00f6rderst den Befehl, alle V\u00f6lker zu lehren. An keine besondere Gemeinde gebunden, war die ganze Welt ihr Kirchsprengel. Sie hatten die besondere Verhei\u00dfung des heiligen Geistes, der sie nach Joh. 16,13 \u201ein alle Wahrheit leitete.\u201c Deswegen bedurften sie keines Unterrichts von einem anderen, deswegen konnte Paulus gleich nach seiner Bekehrung und Berufung zum Apostelamte alsofort das Evangelium verk\u00fcndigen, ohne sich vorher mit den anderen Aposteln besprochen zu haben; deswegen brauchten sie nicht daf\u00fcr zu sorgen, sich nicht darauf vorzubereiten, was sie reden sollten, weil es ihnen zur Stunde au\u00dferordentlich und \u00fcbernat\u00fcrlich verliehen wurde. Sie hatten eine gro\u00dfe Vollmacht: \u201eWas ihr auf Erden binden oder l\u00f6sen werdet, soll auch im Himmel gebunden oder los sein; wer euch h\u00f6ret, der h\u00f6ret mich, wer euch verachtet, der verachtet mich,\u201c sagte Christus. Sie hatten bei derselben einen ungemeinen Erfolg, so dass sie nach der Verhei\u00dfung Christi gr\u00f6\u00dfere Taten ausrichteten wie er selbst, da durch sie so viel Tausend bekehrt wurden, als durch Christum vielleicht einzelne Menschen; der daher auch einmal dachte, er bringe seine Kraft unn\u00fctz zu, nach Jes. 49,4, durch eine einzige Predigt Petri hingegen wurden dreitausend Menschen auf einmal bekehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2<\/strong> Diesen Vorrechten gem\u00e4\u00df verhielten sich auch die Apostel. Sie lehrten mit gro\u00dfem Nachdruck und erkl\u00e4rten auf die entscheidender Weise alles f\u00fcr Irrtum, was ihrer Lehre widersprach, und sollte es, den unm\u00f6glichen Fall angenommen, von einem Engel des Himmels herr\u00fchren (Gal. 1). Ihre Lehre aber erkl\u00e4rten sie f\u00fcr Gottes Wort und also f\u00fcr ewige, f\u00fcr unver\u00e4nderliche Wahrheit. Deswegen reden sie oft ungemein scharf. Sie schelten die Widersprecher Hunde und die Zerschneidung (Phil. 3), w\u00fcnschen, dass die ausgerottet w\u00fcrden, die die Gemeine verst\u00f6ren (Gal. 5). Und so sanft Johannes sonst ist, so scharf geht er diejenigen an, die da \u00fcbertreten und die Lehre von Christo nicht mitbringen, und verbiete, sie auch nur zu gr\u00fc\u00dfen oder ins Haus aufzunehmen. Dennoch unterwarfen sie sich der Pr\u00fcfung. Jedoch nicht nach den S\u00e4tzen menschlicher Erfindung. Die wiesen sie ab, gestanden im voraus, dass ihre Lehre damit nicht \u00fcbereinstimme, und erkl\u00e4rten menschliche Weisheit f\u00fcr Torheit, so wie die Welt ihnen dies Pr\u00e4dikat reichlich zur\u00fcck gab, und nachdem sie Christum f\u00fcr unsinnig gescholten hatte, erkl\u00e4rte sie seine Boten f\u00fcr Narren. Dieses Titels weigerten sie sich auch so wenig, dass sie vielmehr erkl\u00e4rten, wer weise werden wolle in Christo, m\u00fcsse ein Narr werden vor der Welt (1. Kor. 3,18). Denn dieser Welt Weisheit sei Torheit bei Gott. Aber beurteilen lie\u00dfen sie ihre Lehre nach der Schrift, wie sogar Christus selber sagt: Forschet in der Schrift! Sie gaben den Ber\u00f6ern ein vorz\u00fcgliches Lob, dass sie t\u00e4glich in der Schrift forschten, ob sich&#8217;s also verhielte. Dabei konnte und kann noch ein jeder, der den Versuch machen wollte oder noch machen will, durch die Erfahrung selber inne werden, dass die Lehre aus Gott sei, dass sie die Kraft, den Mut und Trost wirklich verleihe, den sie verspricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3<\/strong> Die Apostel suchten dadurch keinen Beifall, dass sie sich nach den philosophischen Lehrgeb\u00e4uden bequemten oder einen Glanz der Beredsamkeit verbreiteten und in zierlichen Wendungen redeten. H\u00e4tten sie&#8217;s auch gekonnt, so vermieden sie&#8217;s doch absichtlich und redeten schlichtweg ohne Prunk und gesuchte Redensarten, damit ihrer Zuh\u00f6rer Glauben nicht bestehe aus menschliche Weisheit, sondern auf Gottes Kraft (1. Kor. 2,5), der das, was t\u00f6richt ist vor der Welt, erw\u00e4hlet hat, um die Weisen zu Schanden zu machen. Kein Wunder auch, denn nach ihrer Lehre ist Welt und Reich Gottes nicht nur scharf geschieden, sondern einander durchaus entgegen und feind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie lie\u00dfen alles auf den heiligen Geist ankommen und erkl\u00e4rten Nicht\u00fcbereinstimmung mit ihrer Lehre f\u00fcr ein Zeichen, dass jemand verloren gehe (1. Kor. 1,18). Auch lassen sie sich auf keine andere Beweise ein, als die aus der heiligen Schrift hergenommen sind. Ist unser Evangelium verdeckt, sagt der Apostel Kapitel 4,3, so ist&#8217;s denen verdeckt, die verloren werden. Bei ihnen verfangen ohnehin keinerlei Beweise. Der Unglaube gleicht einem Sumpfe. Werft hinein, was ihr wollt, es ist alles bald wieder versunken. Statt der Beweise stellen sie sich selbst dar als Lehrer von Gott gesandt und erleuchtet \u201eGott, der da hie\u00df das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entst\u00e4nde Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in der Person Jesu Christi\u201c, sagt der Apostel (Kapitel 4,6). Sie stellten sich dar als das Fundament, worauf die Kirche Gottes erbaut werde (Eph. 2,20). Sie fordern Glauben darum, weil ihr Wort gewiss sei; nicht als ihre eigene Ansicht und Meinung (Tit. 1,9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein wie kann dann Paulus sagen: Wir sind nicht Herren \u00fcber euren Glauben? Hei\u00dfet das denn nicht gebieten, was man glauben und nicht glauben, was man f\u00fcr Wahrheit oder f\u00fcr Irrtum halten, was man als richtige Vorstellung annehmen, oder als Irrsal verwerfen solle? Ist durch ein solches Verhalten nicht aller freie Gebrauch des Verstandes abgeschnitten, oder ihm doch wenigstens der Raum seines Wirkungskreises eng genug bezeichnet, festgesetzt, was man bei Verlierung seiner Seligkeit glauben m\u00fcsse, und nicht davon abweichen d\u00fcrfe, sollte man dar\u00fcber auch selbst von den Obersten und Angesehensten dieser Welt f\u00fcr einen Narren gehalten, oder gar auf den Tod gehasset und verfolget werden? Sagt nicht Paulus zu seinem Timotheus: Ich gebiete dir? Was ist das denn anders, als Herr \u00fcber jemandes Glauben sein wollen? Oder spielt der Apostel mit Worten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freilich muss es mit Einschr\u00e4nkung verstanden werden. Seine Meinung wird diese sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind nicht Herren \u00fcber euren Glauben in dem Sinne, als wollten wir euch nach eigenem Gutd\u00fcnken Lehren und Vorschriften geben. Die Apostel waren nicht ihr selbst eigen und unterstanden sich nicht, etwas zu sagen, wie es sehr merkw\u00fcrdig R\u00f6m. 15,18 hei\u00dft, was nicht Christus in ihnen wirkte. Gott selbst lehrte durch sie. Was sie lehrten und befahlen, band sie selbst eben so sehr als ihre Zuh\u00f6rer. So wenig diejenigen sich selbst als Herren aufwerfen, welche die Gesetze des Landesherrn bekannt machen, eben so wenig die Apostel, da sie Gottes Rat offenbarten. Auch zwangen sie niemand zum Glauben, sondern einem S\u00e4manne \u00e4hnlich, streueten sie den Samen des Wortes auf Hoffnung aus. Der Glaube l\u00e4sst sich auch seiner Natur nach nicht erzwingen, sondern entsteht in der Seele durch Belehrung unter der Mitwirkung des heiligen Geistes. Der Indifferentismus, nach welchem man jeden soll glauben und meinen lassen, was er will, und zuletzt jede Religion f\u00fcr gleichg\u00fcltig h\u00e4lt, findet hier freilich keinen Vorschub. Ihr stehet im Glauben, sagt der Apostel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gew\u00f6hnlichen Lehrer und Diener des Evangelii sind den Aposteln darin durchaus un\u00e4hnlich, dass sie ihre Lehre niemals und in keinem Falle als eine unmittelbare g\u00f6ttliche Eingebung und Offenbarung au\u00dfer dem Worte vorstellen m\u00f6gen. Sie sind genau gebunden an die Schrift, d\u00fcrfen nichts anders vortragen, als was derselben gem\u00e4\u00df ist, auch so viel m\u00f6glich alles was sie enth\u00e4lt und zur Seligkeit zu wissen n\u00f6tig ist. Sie m\u00fcssen ihre Lehrvortr\u00e4ge nach dem Worte richten und pr\u00fcfen lassen, und niemand ist verbunden, denselben weiteren Glauben beizumessen, als er sie dem g\u00f6ttlichen Worte gem\u00e4\u00df findet. Sie brauchen sich in keine anderen Beweise einzulassen, als welche in der Schrift enthalten sind, und wenn nur die Schrift etwas lehrt, so ist es eben darum schon bewiesene Wahrheit. Den abwechselnden philosophischen Lehrgeb\u00e4uden nicht huldigend, brauchen christliche Lehrer dieselben auch nicht zu widerlegen, sondern k\u00f6nnen \u00fcber dem babylonischen Turmbau die Sprachen ruhig sich verwirren lassen. Dabei m\u00fcssen christliche Lehrer nach apostolischer Heiligkeit streben, Vorbilder der Gemeine zu werden suchen, geduldig leiden, sich ohne Erbitterung schm\u00e4hen lassen, wenn&#8217;s so sein soll; dem\u00fctig sein ohne Zaghaftigkeit, nachgiebig ohne Wankelmut, die Kraft der Wahrheit je l\u00e4nger je mehr an sich selbst erfahren, auch allen suchen allerlei zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, als Herren \u00fcber den Glauben l\u00e4sset uns unser Zeitalter ohnehin nicht gelten, h\u00e4uft aber nicht selten die Beschuldigung auf uns, als suchten wir eine Priesterherrschaft. Sie kommt uns nicht zu. Wir sind Diener; doch nicht Diener eurer vorgefassten Meinungen. Ihr seid auch unsere Herren nicht, und zwar nicht unsere Diener aber auch unsere Herde, wir aber Botschafter an Christus statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Er ist ein Gehilfe eurer Freude<em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also solche lasset uns gelten, damit wir den eigentlichen Zweck unseres Amtes an euch m\u00f6gen erreichen k\u00f6nnen, welcher darin besteht, Gehilfen eurer Freude zu sein. Das ist der wahre Zweck des evangelischen Lehramtes, nicht finstere, gr\u00e4mliche Seufzer, sondern heitere, furchtlose, freudige Menschen zu bilden. Denn das Reich Gottes ist eben sowohl Friede und Freude als Gerechtigkeit und St\u00e4rke, und die Beschuldigung, als ob die evangelische Gottseligkeit melancholische Leute bilde, ist eine durchaus unwahre Beschuldigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1<\/strong> Freude ist ein Gut, was, der Einrichtung unserer Natur gem\u00e4\u00df, jeder eben so sehr begehrt und sucht, als er das Gegenteil meidet und flieht. Vieles verhei\u00dfet uns Freude. Die Welt tut&#8217;s und beut eine ganze Menge mannigfaltiger, sinnlicher Erg\u00f6tzungen dar, die auch keineswegs alle dem Christentum zuwider sind, doch aber gutenteils. Es kommt darauf an, wie sie genossen werden. Das evangelische Lehramt beut auch Freude an. Ja das nicht nur, es ma\u00dft sich ausschlie\u00dflich das Geheimnis an, zur wahren Freude f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Nun kommt&#8217;s drauf an, ob&#8217;s sich dessen mit Recht anma\u00dft! Wir behaupten, ja, und zwar aus folgenden Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es weiset die eigentliche wahre Freude an. Dass nicht jegliche Freude erlaubt sei, gibt jeder zu. Denn wer wird nicht z. B. die Schadenfreude f\u00fcr unerlaubt halten? Wie viele Arten und \u00c4u\u00dferungen vorgeblicher Freuden sind s\u00fcndlich und sch\u00e4dlich! Schon ein Heide schreibt: Glaube es mir: Es ist eine sehr ernsthafte Sache um die wahre Freude. Eine echte Freude muss sein wahr und nicht blo\u00df eingebildet, Gott gef\u00e4llig, nicht s\u00fcndlich. Sie muss sein erlangbar und nicht abh\u00e4ngig von zuf\u00e4lligen Dingen, die nicht in unserer Macht stehen, die auch in Armut, in Schmerz, in Krankheit und selbst im Tode genossen werden kann, ja, die uns bis vor den Thron des Richters aller Welt begleitet. Die echte Freude muss Gott, sie muss der W\u00fcrde und Bestimmung des Menschen angemessen und f\u00f6rderlich, sie muss vern\u00fcnftig, geistig, innerlich sein. Und eine solche Freude k\u00fcndet das evangelische Lehramt an, mit jenem Engel rufend: \u201eSiehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2<\/strong> Das evangelische Lehramt ist auch Mittel zur Freude und zwar eben dadurch, dass es die Quellen derselben anweiset, dadurch, dass es die, durch Christum gestiftete, vollkommene Vers\u00f6hnung predigt, dass es die Gnade Gottes verk\u00fcndigt, dass es ein Jahr der Barmherzigkeit, der Vergebung der S\u00fcnden ausrufet. \u201eTr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk, redet mit Jerusalem freundlich, predigt ihnen, dass ihre Missetaten vergeben seien\u201c ist nach Jes. 40 der Auftrag an evangelische Lehrer. Auch den Weg weiset es an, um zur Freude zu gelangen. Erst betr\u00fcbet es durchs Gesetz, wodurch Erkenntnis der S\u00fcnden, Reue, Leidwesen \u00fcber dieselben, mit einem Worte: Bu\u00dfe entsteht. Dann tr\u00f6stet es durch das s\u00fc\u00dfe Evangelium von der Gnade Gottes und reizet dadurch zum Vertrauen, zum Glauben. Es h\u00e4lt vor die teuersten und allergr\u00f6\u00dften Verhei\u00dfungen. Es redet nach dem Herzen der Betr\u00fcbten, und wie oft best\u00e4tigt sich&#8217;s, was David sagt: \u201eWenn dein Wort offenbar wird, so erfreuet es die Seele!\u201c Deswegen hat&#8217;s das evangelische Lehramt eigentlich und zun\u00e4chst mit den Elenden zu tun, mit Erschrockenen, mit S\u00fcndern, mit Verlorenen, mit den Traurigen zu Zion, \u201edass ihren Schmuck f\u00fcr Asche und Kleider des Lobs f\u00fcr einen ge\u00e4ngsteten Geist gegeben werden.\u201c \u201eLieblich sind ihnen die F\u00fc\u00dfe der Boten, die gutes predigen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also ist der Diener des Evangeliums Gehilfe eurer Freude.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ein solcher trete denn auch ich in Gottes Namen, auf eine ordentliche, herk\u00f6mmliche Weise dazu berufen, unter euch auf und beginne unter euch dieses liebliche Gesch\u00e4ft. Nimm mich denn als einen solchen willig auf, ehrw\u00fcrdige und geliebte Gemeinde! Dies hohe Amt trete ich unter dir an, nicht in der Einbildung, als sei ich dazu aus mir selber weise genug, geschickt genug. Fragt ein Apostel: Wer ist hierzu t\u00fcchtig? welche Sprache wird sich denn f\u00fcr mich geziemen? Ich wage es nicht, euch meinerseits etwas sonderliches zu versprechen, hoffe aber auf den Herrn, der, wie ich vertraue, mich gerufen hat. Erwartet, ich bitte euch, erwartet nicht zu viel von mir, aber lasset mich eurer flei\u00dfigen F\u00fcrbitte bestens empfohlen sein! Gebet mir auf diese Weise, damit ich imstande sein m\u00f6ge, euch wieder zu geben, und ihr den etwaigen Nutzen und Erbauung, die ihr von Gott durch mich hoffentlich empfangen werdet, zugleich als die Frucht eurer F\u00fcrbitte m\u00f6gt ansehen k\u00f6nnen. Ich kann mich keiner sonderlichen Talente und gl\u00e4nzenden Gaben r\u00fchmen, sondern bekenne gern, dass mein Predigen wie mein Christentum von der Art ist, dass ich nur dann sammeln kann, wenn der Herr seine milde Hand \u00f6ffnet, womit ich anfange, je l\u00e4nger je mehr zufrieden zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr habt aus meinem bisherigen Vortrage leicht und, wie ich hoffe, gern abnehmen k\u00f6nnen, dass ich nicht gesonnen bin, euch etwas anders zu predigen, als das uralte Evangelium, als ein biblisches Christentum. Ich mag meines Orts auch nichts wissen als Jesum Christum und zwar noch dazu als gekreuzigten. Ich wei\u00df durchaus keinen anderen Weg, wodurch jemand, er sei, wer er wolle, weise oder t\u00f6richt, hoch oder niedrig, reich oder arm, wodurch er gerecht, heilig, fr\u00f6hlich und selig werden k\u00f6nnte, ohne diesen unseren Heiland und Herrn. Ich meine: Es sei nur eine Wahrheit, und diese sei ewig und unver\u00e4nderlich dieselbe. Ich traue es unserm Zeitalter gar nicht zu, dass man w\u00e4hrend desselben erst die rechte Antwort auf die Frage: Was ist Wahrheit? entdeckt habe, sondern hange einzig an den Lippen desjenigen, der da sagen konnte: \u201eIch bin selber die Wahrheit, ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit zeugen soll.\u201c \u201eWer aus der Wahrheit ist, h\u00f6ret meine Stimme.\u201c \u201eSo jemand will des Willen tun, der mich gesandt hat, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob ich von mir selbst rede.\u201c (Joh. 7,17). O m\u00f6chten unser recht viele sein, die auf diesem Wege die Wahrheit suchten, was gilt&#8217;s, sie w\u00fcrden sie finden! Es ist ein Zeitalter des Zweifelns. Allein auf diesem Wege l\u00e4sst sich feste Gewissheit finden. Mit blo\u00dfen Gr\u00fcnden allein ist die Sache nicht ausgerichtet. Betrachtet uns denn als Gehilfen eurer Freude, deren Absicht keine andere ist als die: Unter Gottes Segen dazu beizutragen, dass ihr fr\u00f6hliche und heitere, dass ihr immer fr\u00f6hlichere und heiterere Kinder Gottes werden m\u00f6get, und lasset diese Absicht an recht vielen unter uns immer v\u00f6lliger erreicht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einem wohll\u00f6blichen Stadtmagistrat hierselbst komme ich, wie es sich f\u00fcr jeden Christen, besonders aber f\u00fcr den Diener des Evangeliums geziemt, als meiner n\u00e4chsten b\u00fcrgerlichen Obrigkeit, mit schuldigster Ehrerbietung und Untert\u00e4nigkeit entgegen. Wohl demselben alles Heil und Wohlergehen w\u00fcnschend, bitte ich zugleich um dessen Schutz, wo ich ihn bedarf. Es wird einem Diener des Evangeliums erlaubt sein, die Obrigkeit als Gottes Dienerin zu bitten, die ihr von oben herab anvertraute Gewalt, ferner zum Nutz und Frommen der Kirche, zur Erhaltung guter Sitten und Steuer des B\u00f6sen gebrauchen zu wollen, damit sie auch an ihrem Teil dazu beitrage, dass des Herrn Verhei\u00dfung erf\u00fcllet werde, nach welcher K\u00f6nige die Pfleger der Kirche und F\u00fcrstinnen ihre S\u00e4ugammen sein sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie, meine gesch\u00e4tzten und geliebten Br\u00fcder, fortan meine Amtsgenossen, nehmen Sie mich in Liebe auf! Doch ich darf Sie nicht darum bitten, ich muss Ihnen f\u00fcr die Liebe danken, womit Sie mir entgegen kommen. Seien Sie auch der meinigen versichert. Lassen Sie uns heute den Bund erneuern, mit vereinter Meinung nach unserm besten Wissen und K\u00f6nnen dahin zu ringen, das Christi Reich gebauet, des Teufels Reich aber ged\u00e4mpft werde! Lassen Sie uns, meine Br\u00fcder, lassen Sie uns getrost fortfahren, Jesum Christum den Gekreuzigten zu predigen, wenngleich den Werkheiligen ein \u00c4rgernis und den D\u00fcnkelhaften eine Torheit, doch denen, die da selig werden, g\u00f6ttliche Weisheit und g\u00f6ttliche Kraft. Streben wir eben dadurch dem Zeitgeiste entgegen! Wir wollen die Schmach Christi nicht scheuen, die Moses allein schon f\u00fcr gr\u00f6\u00dfern Reichtum achtete, als die Sch\u00e4tze \u00c4gyptens. Das soll unsere Ehre und Weisheit sein, als dem\u00fctige Sch\u00fcler uns zu den F\u00fc\u00dfen der Apostel und ihres und unseres Herrn zu setzen. O, der Herr der Kirche gebe Ihnen und mir dazu die reiche Gnade! Er erbarme sich unseres hiesigen Zions, ja der ganzen armen, irregeleiteten Christenheit, und sende aller Orten Arbeiter aus in seinen Weinberg, Schriftgelehrte zum Himmelreich gelehret, die das Volk weiden mit Lehre und Weisheit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seien Sie mir ehrerbietig gegr\u00fc\u00dft. W\u00fcrdige Glieder des Konsistoriums dieser Gemeinde! Sie kommen mir mit dem Wunsche entgegen, dass ich im vollen Segen des Evangelii gemeinschaftlich mit meinen Amtsgenossen bei dieser Gemeinde arbeiten m\u00f6ge. Der Oberhirte sage dazu Amen, so werden wir uns alle freuen. Ach, es ist ein k\u00f6stliches Werk um ein Bischofsamt, ein k\u00f6stliches Ding um einen treuen Haushalter! Ich bin noch nicht, was ich zu sein begehre. Seien Sie mir durch Ihre F\u00fcrbitte behilflich, es je l\u00e4nger je mehr zu werden! Ach, meine verehrten Br\u00fcder und Herren, man h\u00e4lt sich berechtigt, viel von uns zu fordern und zu erwarten. Wir sollen nicht nur, oder vielleicht gar, nicht so sehr wahr, als angenehm reden, unsere Zuh\u00f6rer wollen zum Teil nicht nur belehrt, sie wollen auch ersch\u00fcttert, ger\u00fchrt, erg\u00f6tzet sein. Alles soll den Sinnen schmeicheln, selbst die Religion. Welche Verantwortlichkeit, welche Pflichten haften auf uns armen Menschen! Selbst mancherlei Anfechtungen unterworfen, vielleicht gar das vorz\u00fcglichste Ziel der Pfeile des Satans, sollen wir \u201ewie Pferde Gottes den Kot der Stra\u00dfe Zions treten.\u201c Kein Wunder, dass die gr\u00f6\u00dften Heiligen, dass ein Moses, Jesajas und Jeremias sich lange weigerten, das Amt zu \u00fcbernehmen, was Gott ihnen auflegte. Denn wer ist hierzu t\u00fcchtig? Da haben wir n\u00f6tig, selbst viel zu beten, n\u00f6tig, dass viel f\u00fcr uns gebetet wird. Ihrem Amte ist es gem\u00e4\u00df, dass auch Sie den Lehrern diesen unsichtbaren aber wichtigen Beistand leisten. O tun Sie es! Des Herrn Gnade und Segen walte \u00fcber Ihren Personen, \u00fcber Ihrer Amtsf\u00fchrung, \u00fcber Ihren Angeh\u00f6rigen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seien auch Sie mir gegr\u00fc\u00dft, achtungsw\u00fcrdige Lehrer der Jugend dieser Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie bekleiden ein sehr wichtiges Amt und k\u00f6nnen den zarten Herzen der Jugend eine Richtung geben, welche f\u00fcr&#8217;s ganze folgende Leben von erfreulichen Folgen ist. Verg\u00f6nnen Sie mir&#8217;s, Sie aufzumuntern, dahin flei\u00dfig zu wirken, dass der Ihnen anvertrauten Jugend neben den n\u00e4chsten Schulkenntnissen auch eine tiefe Achtung gegen Gott, sein Wort und die Religion eingefl\u00f6\u00dft werde. Meine Br\u00fcder, Gottesfurcht erh\u00f6het ein Volk, und Religion ist Bed\u00fcrfnis. Sie, eben Sie, k\u00f6nnen ungemein viel dazu beitragen, die bessern Zeiten und Sitten herbeizuf\u00fchren, worauf wir hoffen, die wir begehren. Sie bekleiden ein sehr ehrw\u00fcrdiges, freilich auch sehr m\u00fchsames Amt und haben, bei treuer Verwaltung desselben, die gerechtesten Anspr\u00fcche auf allgemeine Hochachtung, die Ihnen auch jeder Nachdenkende gern darbringt. Sie werden es nicht ungern sehen, das hoffe, darum bitte ich, wenn ich Sie, meiner Pflicht gem\u00e4\u00df, von Zeit zu Zeit w\u00e4hrend Ihrer Schularbeit besuche, um Sie, nebst der Sie umgebenden Jugend zu gr\u00fc\u00dfen. Der Herr segne Sie, w\u00fcrdige M\u00e4nner, und verleihe Ihnen nach Leib und Seele alles, was Sie zu einer gesegneten Amtsf\u00fchrung bed\u00fcrfen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sei mir endlich in zarter Liebe gegr\u00fc\u00dft, teure Gemeinde! M\u00f6ge der Herr auch mich bei sehr vielen unter dir einen Gehilfen zur wahren, echten, ewigen Freude werden lassen. Ihr Traurigen zu Zion, ihr nach Vergebung der S\u00fcnden, nach Licht, nach Gnade, Kraft und Heiligung, nach Friede und Freude im heiligen Geiste, nach dem ewigen Leben begierigen Seelen, ihr seid besonders der Gegenstand und die Lust unseres Amtes. Der Herr brauche auch mich an euch, dass euer Herz voll Freude und euer Mund voll Jauchzens werde! Er r\u00fcste eure Lehrer s\u00e4mtlich in h\u00f6chsten Gnaden aus und brauche uns dazu, dass die Frage: Was muss ich tun, damit ich selig werde? recht allgemein geh\u00f6rt und so lange und so ernstlich fortgesetzt werde, bis jeder sagen kann: Gott Lob, auch mich nimmt Jesus an! M\u00f6ge doch der gn\u00e4dige und barmherzige Herr ein neues Schaffen in dieser Gemeinde, dass Sie, wie an Zahl und sonstigem Glanze, dass sie sich auch im ganzen Lande auszeichne durch den Glanz der wahren Gottseligkeit, damit sein hoher und heiliger Name durch uns gepreiset werde, und wir einst unbesch\u00e4mt vor ihm stehen, wenn er den ganzen Kreis der Erden richten wird in Gerechtigkeit, wobei wir alle auch gegenw\u00e4rtig sein werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Glorw\u00fcrdigster, Herr und Haupt deiner Gemeinde, die du mit deinem Blute erkaufet hast, die du durch deinen Geist heiligest, mit deinem Worte weidest, mit deiner Macht sch\u00fctzest, k\u00f6niglich sie regierest und sie endlich vollkommen selig und herrlich machst, Herr Jesu, Sohn Gottes! Du hast das Amt gestiftet, das deine herrliche, wunderbare Vers\u00f6hnung verk\u00fcndigen soll, diese Vers\u00f6hnung, den blutigen Ursprung alles Heils, den einigen Grund aller wahren Beruhigung, den Gegenstand ewiger Lobpreisungen, wor\u00fcber der ganze Himmel in eine ehrfurchtsvolle Bewegung ger\u00e4t. Sei gebenedeiet, dass das Wort von deiner Gnade noch nicht ganz verstummt, noch erschallt, noch Freunde, noch Verehrer, noch Menschen findet, die es h\u00f6her achten als Gold! Sei gepriesen, dass du drei der m\u00e4chtigsten Herrscher in der Christenheit also bewirket hast, dass sie, zum gro\u00dfen Exempel f\u00fcr die ganze Welt, dir zu Fu\u00dfe fallen, dich f\u00fcr den einigen K\u00f6nig, deine Erl\u00f6sung f\u00fcr das einige Heil, sich selbst aber f\u00fcr deine Lehnstr\u00e4ger und Bevollm\u00e4chtigte erkl\u00e4ren und ihre V\u00f6lker auf dich verweisen. Herr Jesu, deinen Geist, geu\u00df herab deinen Geist, deine Gnade, deinen Segen auf die K\u00f6nige und Herren, sonderlich unsern teuersten Landesvater und sein k\u00f6nigliches Haus, auf die Diener und R\u00e4te, auf die hohen und niederen Schulen, auf Prediger und Gemeinden! Geu\u00df ihn herab auf alles Fleisch, dass die Erde voll werde von der Erkenntnis deiner Ehre! Besonders baue die Gemeinden dieser Stadt! Lass dir gn\u00e4diglich Wohlgefallen die hier gehaltene Predigerwahl und derselben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausgang! Sprenge dar\u00fcber dein allein g\u00fcltiges Blut! Sprich dazu deinen hohenpriesterlichen Segen, nimm sie in deine F\u00fcrsprache auf dem Thron, damit alles durch dich, du A und O, deinem majest\u00e4tischen Vater gefallen k\u00f6nne, dem nichts gef\u00e4llt als durch dich. Ohne dich ist alles zu leicht. O wie gern g\u00f6nnen wir dir diese Ehre, wie gern und g\u00e4nzlich genehmigen wir diesen heiligen Weg. Segne, o segne uns dann! Segne den neuantretenden, segne die schon l\u00e4nger arbeitenden, segne den abtretenden Lehrer! Segne die regierenden V\u00e4ter der Stadt und die Verwalteten! Segne die ganze Gemeinde in allen ihren Gliedern! Gerechtigkeit und Friede begegne, Treue und Wahrheit k\u00fcsse sich in derselben! Glaube wachse auf Erden, Gerechtigkeit schaue vom Himmel! Da Herr tue uns Gutes, dass Gottseligkeit im Schwange gehe!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Antrittspredigt von Gottfried Daniel Krummacher, gehalten am 11. Februar 1816<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Herausgegeben von Thomas Karker, Bremen (<a href=\"http:\/\/www.karker.de\">www.karker.de<\/a>)<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es lautet ungemein sch\u00f6n, wenn der heilige Apostel Paulus die liebevolle Aufnahme r\u00fchmt, die er bei den Galatern fand. 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