{"id":15497,"date":"2018-04-24T09:59:34","date_gmt":"2018-04-24T07:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15497"},"modified":"2018-04-24T09:59:34","modified_gmt":"2018-04-24T07:59:34","slug":"verkuendigung-statt-dienstleistungsmentalitaet-warum-es-in-der-kirche-keine-ehe-fuer-alle-geben-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15497","title":{"rendered":"Verk\u00fcndigung statt Dienstleistungsmentalit\u00e4t &#8211; Warum es in der Kirche keine &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; geben kann"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 1. Oktober 2017 trat das &#8222;Gesetz zur Einf\u00fchrung des Rechts auf Eheschlie\u00dfung f\u00fcr Personen gleichen Geschlechts&#8220; (sog. Ehe f\u00fcr alle) in Kraft. Damit geht faktisch eine Neudefinition der Ehe einher, weil die bisher f\u00fcr die Ehe ma\u00dfgeblichen Kriterien auf die zus\u00e4tzlich einbezogenen Partnerschaftsformen nur teilweise zutreffen. Die Ehe wird hier &#8211; einer allgemeinen Tendenz individualistischen Verhaltens entsprechend &#8211; als ein einklagbares Recht verstanden, das der Einzelne dem Staat gegen\u00fcber geltend machen und das er zugleich auf die eigene Lebenssituation hin inhaltlich bestimmen kann. Die orientierende Bedeutung des bewussten Unterschieds zwischen verschiedenen Lebensformen, auch was das Ma\u00df ihrer Bedeutung f\u00fcr das Gemeinwohl und der damit einhergehenden Pflichten angeht, geht dabei verloren.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wird die Definition der Ehe offen gehalten, ist nicht begr\u00fcndbar, warum es nicht zu weiteren Ausweitungen zur M\u00f6glichkeit der Eheschlie\u00dfung kommen sollte (z.B. Polygamie, Polyamorie). Dem vermeintlichen Recht auf die Ehe, die dann tats\u00e4chlich f\u00fcr alle Personengruppen gilt, entspricht das Recht auf ein Kind. Dass dabei ggf. Dritte zu Hilfe genommen werden m\u00fcssen (z.B. Leihmutterschaft), zeigt, dass Ungleiches gewaltsam gleich gemacht werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Politik relativiert einerseits die Verbindlichkeit von Werten und Institutionen, die sich als hilfreich f\u00fcr den Erhalt und Zusammenhalt des Gemeinwesens bew\u00e4hrt haben. Andererseits macht sie sich die wechselnden Forderungen gesellschaftlicher Interessengruppen als neue Wertma\u00dfst\u00e4be zu eigen. F\u00fcr die Kirchen wird dies dann zu einem Problem, wenn sie sich unter dem Druck der sog. Political Correctness dieser Verfahrensweise der staatlichen Gesetzgebung beugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die evangelischen Landeskirchen in Deutschland sind hier aus ihrer Tradition heraus besonders gef\u00e4hrdet. Die Reformation Luthers brachte eine positive W\u00fcrdigung staatlichen Handelns als einer von Gott eingesetzten Ordnung mit sich. Den F\u00fcrsten kamen in Verantwortung vor Gott auch Verwaltungsfunktionen \u00fcber die Kirche ihres Territoriums zu. Mit dem Ende der Monarchie wurde anstelle des F\u00fcrsten die Gesellschaft zum weltlichen Bezugspunkt der Kirche. Die sprichw\u00f6rtliche Obrigkeitstreue der evangelischen Kirche konnte zu einer Haltung werden, als Volkskirche die Strukturen und Entwicklungen der Gesellschaft abbilden zu wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der K\u00f6nig als von Gott eingesetzt auch als an Gottes Wort gebunden galt, verselbst\u00e4ndigte sich aber die Gesellschaft als kirchlicher Bezugspunkt von diesem Korrektiv. Ganz anders als von Luther gewollt verstehen sich heute viele Repr\u00e4sentanten der Landeskirche eher als Moderatoren unterschiedlicher Gruppen und Interessen einer pluralistischen Gesellschaft. Die Volkskirche hat in dieser Sichtweise vornehmlich die Aufgabe, die an sie herangetragenen W\u00fcnsche auf Dienstleistungen aller Art zu erf\u00fcllen oder von sich entsprechende Angebote zu machen. Kirche wird zu einem neben anderen Dienstleistern auf einem Markt f\u00fcr Beratung, Rituale und Freizeit. Kirche ist dann faktisch eher ein Verein oder eine Firma, versteht sich aber weniger als von Gott eingesetzt und beauftragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Dienstleistungsmentalit\u00e4t ist aber etwas ganz anderes als die Frage der Heilsgewissheit, als die Rechtfertigung des S\u00fcnders durch Gott, als Vers\u00f6hnung mit Gott, wie das in der Bibel und in der Reformation als Wesen und Kern kirchlichen Handelns bezeugt wird. Darum geht es bei der Diskussion \u00fcber eine kirchlichen Segnung bzw. Trauung homosexueller Lebensgemeinschaften nicht nur um eine nebens\u00e4chliche Angelegenheit. Weil sich die Bef\u00fcrworter solcher Amtshandlungen auf die staatliche Gesetzgebung berufen und von m\u00e4chtigen Lobbygruppen unterst\u00fctzt werden, tritt dieses Thema besonders in den Vordergrund medialer Aufmerksamkeit. Jedoch spitzt sich hier ein grunds\u00e4tzlicher Konflikt zu, der ein anderes Kirchenverst\u00e4ndnis und &#8211; damit zusammenh\u00e4ngend &#8211; ein anderes Schriftverst\u00e4ndnis offenbart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht um zwei kaum vereinbare Wege. Entweder lebt der Mensch als Gesch\u00f6pf Gottes aus dem, was ihm von Gott her gegeben wird. Oder er entwirft sich und die f\u00fcr sein Leben geltenden Gestaltungsformen und Normen selbst. Entweder ist der Mensch als gefallenes Gesch\u00f6pf, als S\u00fcnder auf die Erl\u00f6sung durch Gott angewiesen, bekennt sich zu dem von Gott trennenden Wesen von S\u00fcnde, oder er definiert S\u00fcnde um, rechtfertigt die S\u00fcnde und nicht den S\u00fcnder. Entweder geht es um Verk\u00fcndigung, die auf Gewissheit des Heils und des Glaubens zielt, die nicht gemacht, sondern nur empfangen werden kann, oder es geht um gesellschaftlichen Interessenausgleich, um Moderation und Akzeptanz. Entweder ist die Kirche ein Gesch\u00f6pf des Wortes Gottes, wie die Reformation wieder neu bekannte, entweder bleibt die Bibel gerade auch in den zum jeweiligen Zeitgeist weniger passenden, sperrigen Partien verbindlich. Oder es gilt nur das aus der Bibel, was gerade kompatibel zur individuellen Lebenssituation oder zu gesellschaftlichen Trends ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daran h\u00e4ngt aber, ob in Gottesdienst und Seelsorge etwas ganz Eigenes widerf\u00e4hrt, oder kirchliches Tun austauschbar, beliebig und irrelevant wird.<\/p>\n<p><em>Dr. Christian Herrmann, 16.4.2018<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.confessio-wue.de\/themen\/gesellschaft\/\">http:\/\/www.confessio-wue.de\/themen\/gesellschaft\/<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. Oktober 2017 trat das &#8222;Gesetz zur Einf\u00fchrung des Rechts auf Eheschlie\u00dfung f\u00fcr Personen gleichen Geschlechts&#8220; (sog. Ehe f\u00fcr alle) in Kraft. Damit geht faktisch eine Neudefinition der Ehe einher, weil die bisher f\u00fcr die Ehe ma\u00dfgeblichen Kriterien auf die zus\u00e4tzlich einbezogenen Partnerschaftsformen nur teilweise zutreffen. Die Ehe wird hier &#8211; einer allgemeinen Tendenz [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":217,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15497"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/217"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15497"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15497\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15498,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15497\/revisions\/15498"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}