{"id":1548,"date":"2009-06-13T10:51:45","date_gmt":"2009-06-13T08:51:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1548"},"modified":"2009-09-04T15:04:36","modified_gmt":"2009-09-04T13:04:36","slug":"die-dreieinigkeit-gottes-und-ihre-bedeutung-fur-unseren-glauben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1548","title":{"rendered":"Die Dreieinigkeit Gottes und ihre Bedeutung f\u00fcr unseren Glauben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Dreieinigkeit Gottes und ihre Bedeutung f\u00fcr unseren Glauben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor 20 Jahren habe ich meine Vikarsausbildung in Braunlage durch das Pfarrehepaar Lundbeck erhalten, seit fast 7 Jahren bin ich als Gemeindepfarrer in Braunlage und Tanne t\u00e4tig. Unsere sch\u00f6ne Holzkirche in Braunlage hei\u00dft \u201eTrinitatis\u201c \u2013 die lat. \u00dcbersetzung des Wortes Dreieinigkeit, sogar \u2013 wie in BS Tradition: \u201eSt. Trinitatis\u201c \u2013 die heilige Dreieinigkeit. Der auf Pfingsten folgende Sonntag tr\u00e4gt den Namen \u201eTrinitatis\u201c &#8211; die Dreieinigkeit Gottes &#8211; und ist damit zugleich auch Namenstag unserer Kirche. Den haben wir jetzt gerade gefeiert und befinden uns noch in dieser Woche! Und das ganze weitere Kirchenjahr wird nach Trinitatis gez\u00e4hlt und dadurch entfaltet \u2013 Grund genug, sich mit der Dreieinigkeit\u00a0Gottes n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hauptteil<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lehre der Dreieinigkeit Gottes<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine eigentliche Lehre von der Dreieinigkeit Gottes finden wir in der Bibel nicht entfaltet, aber vielf\u00e4ltige Zeugnisse \u00fcber Gott, den Vater, seinen Sohn Jesus Christus und den Heiligen Geist, die auf ihre zusammenfassende Deutung und Bekr\u00e4ftigung im sp\u00e4teren Trinit\u00e4tsdogma hindr\u00e4ngen. Auf einige biblischen Bez\u00fcge gehe ich etwas sp\u00e4ter ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr Zeugnis stellt eindeutig fest, dass Gott nur einer ist, es neben ihm keine vergleichbare Autorit\u00e4t gibt, und dass er selbst auch nicht geteilt oder zwie-sp\u00e4ltig ist. Aus der Begegnung mit diesem Gott wuchs schon in Israel das Bekenntnis zu seiner Einzigkeit. Dtn 6,4: \u201eH\u00f6re, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein\u201c. Das wurde von Jesus best\u00e4tigt (Mk 12, 29f.) und auch von den Aposteln \u00fcbernommen, so von Paulus in der Frage des Umgangs mit G\u00f6tzenopferfleisch (1.Kor 8, 4-6). Die Theologie des Niz\u00e4nums, unseres Glaubensbekenntnisses, spricht darum von der Wesenseinheit (griech. homousios) von Vater, Sohn und Heiligem Geist und bringt darin zum Ausdruck, dass niemand anderes als der eine, ungeteilte Gott durch Sohn und Geist an uns handelt. Alle Aussagen \u00fcber die Gottheit des Sohnes und des Geistes m\u00fcssen darum innerhalb der Grenzen des Monotheismus bleiben. Die Erkenntnis, dass der eine unteilbare Gott zugleich in sich dreifaltig ist, ergibt sich nur aus seiner heilsgeschichtlichen Offenbarung, also seiner Selbsterweisung, durch Jesus Christus im Heiligen Geist. Jesus ist den Menschen als jemand begegnet, durch den Gott selbst redet und handelt. Wer an ihn glaubt, bezeugt wie Paulus: Gott war in Christus und vers\u00f6hnte die Welt mit sich selber (2.Kor 5,9). Zugleich unterschied sich Jesus aber auch von seinem himmlischen Vater und suchte nur dessen Herrschaft, das Reich Gottes. Der ewige Gott offenbarte sich also gerade in der Unterordnung des Sohnes unter den Vater und damit als ein ewiges Gegen\u00fcber von Vater und Sohn. Der Heilige Geist wiederum ist die Weise, in der niemand anderes als Gott selber in den Glaubenden Wohnung nimmt. Er macht diejenigen, die Christus annehmen, zu Gottes Kindern, indem er ihnen Anteil gibt an der Gemeinschaft Christi mit dem Vater. Er ist der Geist der Sohnschaft, wie es Paulus in R\u00f6m 8,15 schreibt: \u201cihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater\u201c. Das setzt voraus, dass der Heilige Geist bereits die innerg\u00f6ttliche Vermittlung der Gemeinschaft von Vater und Sohn ist. Das christliche Bekenntnis zu Jesus und zum Heiligen Geist besagt demnach, dass der eine Gott sich in dreierlei Gestalt offenbart und dass Gott in Ewigkeit kein anderer ist, als er sich offenbart. Gottes Werk gr\u00fcndet in seinem Wesen. Theologisch ausgedr\u00fcckt: Die Offenbarungstrinit\u00e4t gr\u00fcndet in seiner Wesenstrinit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes\u00a0hat nun die Aufgabe, um des rechten Verst\u00e4ndnisses von Christus und vom Heiligen Geist willen, zugleich von seiner Einheit und von seiner Dreiheit zu sprechen. Gott existiert in einem ewigen Gegen\u00fcber von Vater, Sohn und Geist und ist dennoch der eine unteilbare Gott. Er ist Einheit in der Dreiheit und Dreiheit in der Einheit. Es kann nur darauf ankommen, das Wesen Gottes nicht zu teilen und die Personen nicht miteinander zu vermengen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dreiheit in der Einheit l\u00e4sst sich dadurch ausdr\u00fccken, dass der Vater allein ursprungslos ist und er damit Ursache f\u00fcr die Gottheit von Sohn und Geist ist, die auf verschiedene Weisen aus dem Vater hervorgehen. Der Begriff der Zeugung des Sohnes aus dem Vater unterscheidet ihn sowohl vom Heiligen Geist als auch von allen Gesch\u00f6pfen und sichert ihm zugleich seine Wesenseinheit mit dem Vater. Eine seinshafte Abstufung darf aus den innerg\u00f6ttlichen Unterscheidungen nicht gefolgert werden, sondern nur die Unvertauschbarkeit ihrer Aufgaben innerhalb des g\u00f6ttlichen Heilsplanes. Bei der Streitfrage, ob der Heilige Geist seine Gottheit nur vom Vater oder vom Vater und vom Sohn (filioque) hat, ist zu bedenken, dass der Sohn auf Erden auch Empf\u00e4nger des Geistes ist. Zugleich aber ist auch zu bedenken, dass er als zum Vater Erh\u00f6hter auch den Geist aus sich mit hervorgehen l\u00e4sst. So kann man sagen, der Geist geht vom Vater durch den Sohn aus. Obwohl der dreieinige Gott in allen seinen Taten ungeteilt gegenw\u00e4rtig ist, muss man doch aufgrund der heilsgeschichtlichen Offenbarung den drei Personen unterschiedliche Werke besonders zuordnen: dem Vater die Sch\u00f6pfung, dem Sohn die Erl\u00f6sung, dem Heiligen Geist die Neusch\u00f6pfung. Die Einheit in der Dreiheit besteht darin, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist sich gegenseitig so durchdringen, dass man keiner Person ohne die anderen beiden begegnen kann. Kein Werk Gottes l\u00e4sst sich also ausschlie\u00dflich einer Person Gottes zuordnen. Und so wenden auch wir uns in all unseren Gebeten, ob wir dabei den Vater, den Sohn oder den Heiligen Geist anrufen, immer an ein \u201eDu\u201c und nie an ein \u201eIhr\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die dreieinige Erweisung Gottes und das Bekenntnis zum dreieinigen Gott gehen der Ausbildung der Lehre von der\u00a0Dreieinigkeit Gottes\u00a0voraus. Darum jetzt noch ein kurzer Blick auf die biblischen Bez\u00fcge der Dreieinigkeit Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Biblische Bez\u00fcge der Dreieinigkeit Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es finden sich schon im AT Hinweise, die aus christlicher Sicht auf die Dreieinigkeit Gottes\u00a0bezogen wurden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gen1,2: der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser (urspr. \u201ebr\u00fctete\u201c)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gen 1,26: \u201eLasset uns Menschen machen\u201c \u2013 Plural majestaticus oder schon Hinweis auf ein Gespr\u00e4ch zwischen Vater und Sohn und auch dem Heiligen Geist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gen 18,2: Gott erscheint dem Abraham in Gestalt von drei M\u00e4nnern und k\u00fcndigt ihm und seiner Frau die Geburt des Sohnes an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Num 6,24-26: der sog. Aaronitsche Segen, der die Dreizahl enth\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jes 6,3: Das dreimalige Engellob (Trishaggion) der Heiligkeit Gottes: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Hinweise sind aber f\u00fcr sich genommen noch nicht aussagekr\u00e4ftig genug. Die Offenbarung der Dreieinigkeit Gottes\u00a0ist an die Person Jesu und die Geisterfahrung der christlichen Gemeinde gebunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist stehen mehrfach in formelhaften Aussagen nebeneinander, z.B. im Taufbefehl (Mt 28,19): \u201eTaufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes\u201c oder in 1.Kor 12,4-6: \u201eEs sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene \u00c4mter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kr\u00e4fte, aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen\u201c oder der Briefschluss aus 2.Kor 13,13, den wir Prediger h\u00e4ufig als Kanzelgru\u00df verwenden: \u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!\u201c Ebenso der hymnische Text aus Eph 4,4-6: \u201eEin Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist \u00fcber allen und durch alle und in allen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Briefbeginn des 1.Petr, wo der Apostel seine Adressaten anspricht als die, \u201edie Gott, der Vater, ausersehen hat durch die Heiligung des Geistes zum Ge-horsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi\u201c. Oder die Schlusser-mahnung im Judasbrief (Jud 20f.): \u201cIhr aber, meine Lieben, erbaut euch auf euren allerheiligsten Glauben, und betet im heiligen Geist, und erhaltet euch in der Liebe Gottes, und wartet auf die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen sehen, dass sich das urchristliche Bekenntnis schon auf die drei Personen der Dreieinigkeit bezieht, wie dann sp\u00e4ter in den Glaubensbekenntnissen weiter ausgef\u00fchrt wird. Offen bleibt im NT, wie diese Zusammengeh\u00f6rigkeit genau zu verstehen ist und wie der Glaube an die Gottheit Jesu Christi und des Heiligen Geistes mit dem Monotheismus, also dem Ein-Gott-Glauben, zu vereinbaren ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Probleme der Dreieinigkeit Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kardinal Mei\u00dfner, Erzbischof von K\u00f6ln, \u00fcberschreibt sein Gru\u00dfwort in der Zeitschrift \u201eDiakrisis\u201c (Sonderausgabe 3\/08) mit einer lateinischen Formel zum Geheimnis der Dreieinigkeit, die ich zu Beginn dieses Unterpunktes gerne aufnehmen m\u00f6chte: \u201eSunt quinque notiones, quattuor relationes, tres personae, duae processiones, una natura, nulla probatio\u201c (\u00dcbers.: Es gibt in der Allerheiligsten Dreieinigkeit f\u00fcnf Kennmale, vier Beziehungen, drei Personen, zwei Hervorg\u00e4nge, eine g\u00f6ttliche Natur, keinen Beweis.) Mit diesem leicht eing\u00e4ngigen Satz, der aber theologisch in Bezug auf die f\u00fcnf Kennmale und die vier Relationen theologisch spekulativ ist, wollte man folgendes sagen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A. Die f\u00fcnf Kennmale sind:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Ursprungslosigkeit: diese kommt dem Vater zu. Er stammt von niemandem und ist der Ursprung selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Vaterschaft: diese kommt dem Vater zu, weil er den Sohn gezeugt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Sohnschaft: diese kommt dem Sohn zu, der vom Vater gezeugt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Hauchung: diese kommt dem Vater und dem Sohn zu, die den Heiligen Geist gehaucht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Hervorgang: dieser kommt dem Heiligen Geist zu, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgegangen (gehaucht) ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>B. Mit den vier Beziehungen ist gemeint:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Vaterschaft: Beziehung des Vaters zum Sohn<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Sohnschaft: Beziehung des Sohnes zum Vater<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Hauchung: Beziehung des Vaters und des Sohnes zum Heiligen Geist<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Hervorgang: Beziehung des Heiligen Geistes zu Vater und Sohn<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">C. Zum dogmatischen Kernbestand der Lehre von der Dreieinigkeit Gottes\u00a0geh\u00f6rt: Die drei g\u00f6ttlichen Personen sind der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">D. Die beiden Hervorg\u00e4nge sind die Zeugung des Sohnes aus dem Vater und die Hauchung des Heiligen Geistes aus dem Vater und durch den Sohn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">E. Die eine g\u00f6ttliche Natur kommt allen drei g\u00f6ttlichen Personen zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und f\u00fcr all das gibt es keinen Beweis, weil das Geheimnis der Allerheiligsten D. unerforschlich ist und wir nur davon wissen, weil es Gott uns geoffenbart hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese christliche Tradition gibt dem Theologen und Christen die Aufgabe auf, mit der Frage der Dreieinigkeit Gottes\u00a0umzugehen. In Texten der Bibel, Liedern, der Liturgie kommt die Dreieinigkeit Gottes\u00a0immer wieder zur Sprache. Wir sehen uns vor die Herausforderung gestellt: Wir m\u00fcssen die Tradition verantworten und wir m\u00fcssen uns vor der Tradition verantworten. Wir werden gefragt und m\u00fcssen uns selber fragen, wie weit wir dieses Dogma noch f\u00fcr bedeutungsvoll und grundlegend halten und als solches nach au\u00dfen vertreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedenken wir dabei, dass es dabei nicht nur um eine Lehre \u00fcber die Dreieinigkeit Gottes geht, sondern dass damit zugleich auch gefragt wird: Wer ist dieser Jesus Christus, dessen Evangelium wir verk\u00fcnden? Und in welchem Verh\u00e4ltnis steht er zum ewigen Gott? Auch der Kyrios-Titel wird sowohl f\u00fcr Christus als auch f\u00fcr den ewigen Gott gebraucht. Denken wir auch hier an unsere Gebetsanrede: \u201eHerr\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es stellt sich die Frage, wie k\u00f6nnen wir als s\u00fcndige Menschen Zeugen f\u00fcr die Sache Gottes sein? Wie kann das Reich Gottes, wie kann die Kirche wach-sen, wenn wir fehlbare Menschen nicht von Gottes Kraft im Heiligen Geist selber dazu geleitet und bef\u00e4higt werden? Und wie k\u00f6nnen wir in verst\u00e4ndlicher Weise anderen von diesem Geheimnis weitersagen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten, die die Lehre von den drei Personen in einer g\u00f6ttlichen Wesenheit bietet, sind offenkundig. Die n\u00e4chstliegenden M\u00f6glichkeiten des Missverst\u00e4ndnisses sind kirchengeschichtlich bekannt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die tritheistische (drei G\u00f6tter);<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">die modalistische (drei blo\u00dfe Erscheinungsformen des einen Gottes, unter denen er sich den Menschen zeigt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl beide als H\u00e4resie zur\u00fcckgewiesen wurden, tauchen sie immer wieder auf. Dagegen spricht: Eine Vorstellung von drei G\u00f6ttern w\u00e4re Mythologie. Gegen den modalistischen Gedanken spricht unser Bekenntnis, dass wir es als sterbliche Menschen mit dem unsterblichen Gott zu tun haben, der uns Menschen eben auf die drei Weisen seines Wesens erscheint. Darum darf vom drei-einigen Gott nicht in Form von Behauptungen \u00fcber das An-sich-Sein seiner innersten Wesenheit nachgedacht und gesprochen werden, sondern in der Form des Bekenntnisses soll sein Verh\u00e4ltnis zum Menschen bezeugt werden und die M\u00f6glichkeit des Menschen, auf eben nur diese Weise in ein Verh\u00e4ltnis zu Gott zu finden. Wie ein alter trinit\u00e4tstheologischer Lehrsatz besagt: Die Werke der Dreieinigkeit sind \u201enach au\u00dfen\u201c unzerteilt (opera trinitatis ad extra sunt indivisa), das bedeutet: Wenn Gott handelt, handelt immer der \u201eganze\u201c dreieinige Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser so verstandene Gott wird vernehmbar im Wort und in der Geschichte Jesu Christi. Hier erweist sich Gott in seiner Gottheit: im radikalen, unausweichlichen Gottesanspruch an uns Menschen, dem Jesus Sprache verleiht, und im Geschehen der Passion und der Auferstehung, in dem Jesus stellvertretend f\u00fcr den Menschen den ganzen Anspruch Gottes an den Menschen tr\u00e4gt und erf\u00fcllt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser so verstandene Gott ist auch der Geist: \u201eDer Herr ist der Geist\u201c, bezeugt Paulus in 2.Kor 3,17. Der Heilige Geist ist kein anderer als der Geist des Vaters und des Sohnes. Und dieser Geist ist in uns. Dieser dritte Aspekt der Gotteswirklichkeit ist notwendig. Denn um vom Vater und vom Sohn angemessen zu reden, bedarf es der dieser mystischen Kategorie des \u201eIn-Seins\u201c: Wir sind in Gott, Gott ist in uns. Eine Belegstelle ist aus der Predigt des Paulus auf dem Areopag in Athen entnommen: \u201eDenn in ihm leben und weben und sind wir\u201c (Apg 17,28). Zwei Stichworte, die als Folgen diese \u201eIn-Seins\u201c zu sehen sind, will ich hier nur kurz erw\u00e4hnen, ohne sie weiter ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen: Sinnstiftung und Dialogf\u00e4higkeit. Der Heilige Geist wirkt in unserem Leben Sinnstiftung mitten hinein in alle gesellschaftlichen oder individuell konstruierten Sinngebungen. Und er erm\u00f6glicht Dialog: mit Gott und miteinander als Menschen. In diesem Dialog besteht die M\u00f6glichkeit, dass Wandlung, Verwandlung, sch\u00f6pferisches Neuwerden geschieht. Das ist das Werk des Sch\u00f6pfergeistes: die Verwandlung bei gleichzeitiger Bewahrung der eigenen Identit\u00e4t. Die Neusch\u00f6pfung einer Person durch Verwandlung zu einem neuen Sein, zu einem neuen Bild, das Gott schon jetzt von uns hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bedeutung der D. f\u00fcr unseren Glauben und unser Gemeindeleben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bilder und Beispiele:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naturwissenschaft: H2O ist die eine chem. Formel f\u00fcr Wasser, das sich aber in drei unterschiedlichen Aggregatzust\u00e4nden zu verschiedenen Funktionen zeigen kann: unter 0\u00b0C als Eis im festen Zustand, \u00fcber 1\u00b0C als Wasser im fl\u00fcssigen Zustand, \u00fcber 100\u00b0C als Wasserdampf im gasf\u00f6rmigen Zustand. Doch ist es ein Grundstoff, der durch seine verschiedenen Aggregatzust\u00e4nde verschiedene, teilweise lebenswichtige Funktionen erf\u00fcllen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mathematik: Dimensionen in der Geometrie. Im Raum kann man sich in drei Richtungen bewegen: rechts-links, vor-zur\u00fcck, nach oben-unten. Das sind die drei Dimensionen, in denen wir konstruieren und in denen wir auch leben. Mit Hilfe einer Dimension k\u00f6nnen wir einen Strich ziehen, mit Hilfe von zwei Dimensionen gelingt schon eine geometrische Figur, etwa ein Viereck aus vier geraden Linien. Mit Hilfe der dritten Dimension k\u00f6nnen wir dann einen regelrechten K\u00f6rper bilden, etwa einen W\u00fcrfel aus sechs Vierecken. In Gottes Dimensionen finden wir ein Wesen, das aus drei Personen besteht, w\u00e4hrend es doch ein Wesen bleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theologie: Erinnerung aus einem Seminar in praktischer Theologie: Gott als Vater \u2013 der Ursprung, Christus als Sohn \u2013 der Urspr\u00fcngliche, der Heilige Geist \u2013 das Urspringen. Zeigt eine Dynamik in der Beziehung zwischen Ursprung und Gesch\u00f6pf auf, in die wir durch den Glauben hinein genommen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">C.S.Lewis bringt ein praktisches Beispiel (in: Pardon, ich bin Christ, Basel 1977, S. 128f.): \u201eEin ganz durchschnittlicher, schlichter Christ kniet nieder, um zu beten. Er versucht, Gott nahe zu kommen. Aber wenn er ein Christ ist, wei\u00df er, dass alles, was ihn zum Gebet dr\u00e4ngt, auch Gott ist; sozusagen Gott in seinem Inneren. Er wei\u00df auch, dass all sein Wissen um Gott von Christus kommt, dem Menschen, der Gott war; au\u00dferdem, dass Christus neben ihm steht, ihm beim Gebet hilft, f\u00fcr ihn betet. Was also geschieht? Gott ist es, zu dem er betet, das Ziel, das er erreichen m\u00f6chte. Gott ist es aber auch, der in ihm wirkt und ihn zum Beten dr\u00e4ngt; Gott ist die bewegende Kraft. Und zudem ist Gott der Weg, die Br\u00fccke, auf der er zu jenem Ziel hinzukommen versucht. So kann sich das ganze dreifache Leben des dreieinigen Wesens in einem ganz normalen Schlafzimmer vollziehen, in dem ein ganz normaler Mensch zu Gott betet\u201c. Das ist geistliches Leben: Ein Mensch ist durch Gott in Gott hinein genommen worden und bleibt doch er selber, aber mit der entscheidenden M\u00f6glichkeit der Ver\u00e4nderung. Denn wenn ein Mensch so von Gott in Gott hinein genommen worden ist, bleibt er nicht derselbe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe die entscheidende Dimension der Dreieinigkeit Gottes\u00a0darin, dass es Gottes Wille ist, Heil zu schaffen und heil zu machen. Und uns Menschen das Heil zuzueignen, das wir selbst eben nicht schaffen und erreichen k\u00f6nnen durch tugendhaftes oder moralisch einwandfreies Leben. Es gibt nur den Weg der Gnade: sola gratia, dass Gott selber und allein in seiner dreifachen Wesenheit das Heil schafft und f\u00fcr uns Menschen erf\u00fcllt, um es uns dann schenken zu k\u00f6nnen. Und nur als Geschenk bekommen wir Anteil am Heil. Wer sich nicht beschenken l\u00e4sst wie ein Kind, der kann nicht in Gottes neue Welt kommen (Vgl. Mk 10, 14f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den Abschiedsreden Jesu ist mir die Aussage Jesu wichtig geworden: \u201eAber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut f\u00fcr euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tr\u00f6ster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden\u201c (Jh 16,7). K\u00f6nnen wir uns etwas Besseres vorstellen als mit Jesus zusammen zu sein? Das konnten sich die J\u00fcnger damals auch nicht. Aber Jesus sagt genau das. So gut es ist und war, dass ich mit euch auf dem Weg war. Der Heilige Geist, der hier sicher nicht umsonst von Jesus der \u201eTr\u00f6ster\u201c genannt wird, dieser Heilige Geist wird euch leiten, st\u00e4rken, tr\u00f6sten, bef\u00e4higen, meine Zeugen zu sein, mehr noch als ich es k\u00f6nnte. Denn wenn Jesus geblieben w\u00e4re, h\u00e4tte er es immer nur selber machen k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Oder h\u00e4tten Sie sich getraut zu predigen, wenn Jesus neben Ihnen st\u00e4nde?! So geschieht durch den Heiligen Geist Gottes Heilsplan durch uns und mit uns \u2013 und manchmal sogar trotz uns und gegen uns, aber doch immer f\u00fcr uns \u2013 zur Ehre des allm\u00e4chtigen, ewigen dreieinigen Gottes!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Schluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schlie\u00dfe mit der ersten Strophe von Philipp Spittas Pfingstlied (EG 136,1): \u201eO komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gie\u00df aus dein heilig Feuer, r\u00fchr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Thesen zur Diskussion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hat Gott sich als dreieinig offenbart, dann ist er auch von Ewigkeit her in sich selbst der Dreieinige.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott unterscheidet sich nicht, um von uns wegzugehen, sondern um uns zu sich einzuholen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe ist die Triebfeder der Dreieinigkeit Gottes\u00a0und ereignet sich im Geheimnis des innerg\u00f6ttlichen Gegen\u00fcbers und Miteinanders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dreieinigkeit Gottes ist das Urbild der Einigkeit f\u00fcr Jesu J\u00fcnger (Jesus betet darum in Jh 17, 20-26!) und f\u00fcr die Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dreieinigkeit bedeutet Gottes Nahekommen und seinen Gnadenerweis zu und f\u00fcr uns Menschen: \u201eNicht nachtr\u00e4glich, sondern von sich selbst her und von seinem Sch\u00f6pferwillen ist er Gott, der so zum Menschen kommen will, dass er im Sohn mit uns wird und durch den Heiligen Geist in uns die Kraft zu unserm wahren Leben in seiner Gemeinschaft wird: sola gratia\u201c (Wilfried Joest, Dogmatik Bd. 1, G\u00f6ttingen 1984, S. 340).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Heilige Geist, die dritte Person der g\u00f6ttlichen Dreieinigkeit, erforscht und offenbart die Tiefen Gottes (vgl. 1.Kor 2, 10-16).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich vom dreieinigen Gott nicht mit seiner Gnade beschenken l\u00e4sst, hat keinen Anteil an Gottes Reich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Gott als der Dreieinige uns Menschen in seinen Dienst ruft und beruft, dann sind wir herausgefordert, uns in die Sinnsuche und den Dialog unserer Gesellschaft einzubringen und f\u00fcr Gottes Reich zu zeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(Vortrag auf dem Regionaltreffen des Gemeindehilfsbundes in Goslar am\u00a013.6.09)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dreieinigkeit Gottes und ihre Bedeutung f\u00fcr unseren Glauben Einleitung Vor 20 Jahren habe ich meine Vikarsausbildung in Braunlage durch das Pfarrehepaar Lundbeck erhalten, seit fast 7 Jahren bin ich als Gemeindepfarrer in Braunlage und Tanne t\u00e4tig. Unsere sch\u00f6ne Holzkirche in Braunlage hei\u00dft \u201eTrinitatis\u201c \u2013 die lat. \u00dcbersetzung des Wortes Dreieinigkeit, sogar \u2013 wie in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":211,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1548"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/211"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1548"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1548\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2887,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1548\/revisions\/2887"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1548"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1548"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1548"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}