{"id":15444,"date":"2018-03-21T17:10:03","date_gmt":"2018-03-21T16:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15444"},"modified":"2018-03-21T17:10:03","modified_gmt":"2018-03-21T16:10:03","slug":"stolz-und-vorurteil-wie-wissenschaftlich-ist-die-bibelwissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15444","title":{"rendered":"Stolz und Vorurteil? Wie wissenschaftlich ist die Bibelwissenschaft?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was war der gr\u00f6\u00dfte Fehler Ihres Lebens?\u201c fragte der Journalist. Der alte Kunstkritiker lachte. \u201eAls ich einmal unser Kind im Kindergarten abholte baten mich die Betreuerinnen, einen Blick auf die gesammelten Kunstwerke des Kindergartens zu werfen. Leider fiel mir nicht auf, dass zwischen den Kinderbildern ein abstraktes Werk eines bekannten K\u00fcnstlers hing. Das brachte mir noch f\u00fcr lange Zeit ein sp\u00f6ttisches Grinsen ein \u2013 und lehrte mich viel dar\u00fcber, wie leicht man durch Vorurteile etwas Wunderbares \u00fcbersehen kann.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den vergangenen 150 Jahren ist etwas Dramatisches passiert: Die Theologie hat den Blick f\u00fcr das Wunder der Bibel verloren! Das offenbarte, autoritative, normative Wort Gottes ist menschlich geworden. Fehlerhaft. Widerspr\u00fcchlich. Unhistorisch. Tendenzi\u00f6s. Nicht mehr vertrauensw\u00fcrdig. M\u00fcssen wir das als aufgekl\u00e4rte und rationale Menschen in Kauf nehmen, weil die wissenschaftliche Untersuchung der Bibel schlicht keine anderen Schlussfolgerungen zul\u00e4sst? Oder k\u00f6nnte es sein, dass sich in der Theologie genau das gleiche Drama vollzieht wie in der kleinen einleitenden Episode unseres Kunstkritikers? K\u00f6nnte es sein, dass auch in der modernen Bibelwissenschaft Vorurteile den Blick f\u00fcr das Wunder verstellen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Seite 3 des weit verbreiteten theologischen Grundlagenwerks \u201eArbeitsbuch zum Neuen Testament\u201c von Conzelmann &amp; Lindemann<a name=\"_ftnref1\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn1\">[1]<\/a> (im Folgenden als C&amp;L bezeichnet) finden wir dazu einen interessanten Hinweis: <em>\u201eDie biblischen Texte werden methodisch nicht anders behandelt als andere literarische Zeugnisse, insbesondere solche der Antike.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref2\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gleiche Blick auf die Bibel wie auf alle anderen B\u00fccher? Wird man damit der Bibel gerecht? Oder kommt diese Theologie wom\u00f6glich zu v\u00f6llig falschen Schlussfolgerungen, weil sie die Bibel unter v\u00f6llig falschen Voraussetzungen betrachtet? Bevor wir dieser Frage nachgehen muss ich als begeisterter Naturwissenschaftler zuerst einmal ein kleines Loblied auf die (Natur-) Wissenschaft singen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vom Erfolg des Ursache-Wirkungs-Prinzips<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gewaltige Erfolg der Naturwissenschaften basiert haupts\u00e4chlich auf dem Vertrauen in das Ursache-Wirkungs-Prinzip, also der Annahme, dass alles, was geschieht, eine nat\u00fcrliche Ursache hat. Auf dieser Basis ging man z.B. davon aus, dass hinter dem Gewitterdonner keine launischen zornigen G\u00f6tter stecken sondern physikalische Gesetze, die nach dem immer gleichen Schema ablaufen und die man gr\u00fcndlich erforschen und verstehen kann. Es waren nicht zuletzt Christen wie Isaac Newton, die sagten: Wenn Gott die Welt geschaffen hat, dann hat er ihr feste Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten gegeben, die wir mit Hilfe von Beobachtung und Experiment herausfinden k\u00f6nnen. Was f\u00fcr eine gute Entscheidung! Denn auf dieser Basis hat die Naturwissenschaft eine phantastische Erfolgsgeschichte geschrieben. Das Ursache-Wirkungs-Prinzip hat sich als eine phantastische Grundlage f\u00fcr die Erforschung der heutigen Welt erwiesen. Wir k\u00f6nnen dankbar sein f\u00fcr die rasante Entwicklung von Forschung und Technik, die auf dieser Basis gelungen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vom Segen der Bibelwissenschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dankbar bin ich auch f\u00fcr die akribische Arbeit vieler Bibelwissenschaftler. Die m\u00f6glichst genaue Rekonstruktion des biblischen Urtextes, die Erforschung des historischen und kulturellen Umfelds der biblischen Texte, die Ermittlung der genauen Wortbedeutungen und Textgattungen sowie die intensive \u00dcbersetzungsarbeit helfen uns, die sprachliche, zeitliche und kulturelle Kluft zwischen uns und den biblischen Texten zu \u00fcberbr\u00fccken und so die urspr\u00fcngliche Aussageabsicht der biblischen Autoren immer besser verstehen zu k\u00f6nnen. Was f\u00fcr eine wichtige und wertvolle Arbeit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von der Notwendigkeit des wissenschaftlichen Zweifels<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Wissenschaft geh\u00f6rt immer auch der wissenschaftliche Zweifel: Haben wir das bislang richtig gesehen? Wurden alle Fakten und Erkenntnisse ber\u00fccksichtigt? Oder m\u00fcssen wir etwas neu \u00fcberdenken? Wissenschaft muss nach M\u00f6glichkeit vorurteilsfrei arbeiten. Sie soll sich an den Fakten orientieren und eigene, au\u00dferwissenschaftliche Denkvoraussetzungen nicht absolut setzen. Das muss auch in der Bibelwissenschaft gelten: Fakten, die dem bisherigen Verst\u00e4ndnis von biblischen Aussagen widersprechen (also z.B. Ausgrabungsergebnisse, inner- und au\u00dferbiblische Quellen) d\u00fcrfen f\u00fcr Bibelwissenschaftler kein Grund sein, Scheuklappen aufzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andererseits wird jeder gute Bibelwissenschaftler die Aussagekraft solcher Fakten auch kritisch bewerten. Schlie\u00dflich ist historische Wissenschaft nicht mit exakter Naturwissenschaft vergleichbar. Sie untersucht nicht die gesetzm\u00e4\u00dfig ablaufenden Dinge, wie das die Naturwissenschaften tun, sondern sie versucht, unwiederholbare Ereignisse der Vergangenheit zu rekonstruieren. Sie interpretiert daf\u00fcr relevante Indizien, kann die wesentlichen Fragen aber nicht experimentell untersuchen. Die empirische Methode der Naturwissenschaften ist in den historischen Wissenschaften also nur untergeordnet anwendbar. Die Rekonstruktion vergangener Geschichte und Kulturen bleibt daher immer ein St\u00fcck weit vorl\u00e4ufig und mehr oder weniger unsicher. Sie h\u00e4ngt u.a. auch davon ab, welchen der (oft l\u00fcckenhaften und widerspr\u00fcchlichen) Quellen man mehr oder weniger Vertrauen schenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von der Fragw\u00fcrdigkeit au\u00dfer\u00adwissenschaftlicher\u00a0Vorurteile<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens wenn Pr\u00e4gungen, Erwartungen und au\u00dferwissenschaftliche Vorurteile (in der Wissenschaft \u201ePr\u00e4missen\u201c genannt) die Interpretation, Bewertung und Gewichtung von Quellen beeinflussen, verlassen wir den Boden der vorurteilsfreien Wissenschaft. Das ist an sich nicht weiter schlimm, solange man sich offen und ehrlich dazu bekennt. Irref\u00fchrend und tendenzi\u00f6s ist es aber, wenn sich solche au\u00dferwissenschaftliche Vorentscheidungen unter dem Deckmantel einer scheinbar objektiven Wissenschaft verstecken und andere Ans\u00e4tze als unwissenschaftlich aus dem Rennen werfen, bevor sie \u00fcberhaupt gepr\u00fcft wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Naturwissenschaftler f\u00e4llt mir auf: Genau das geschieht offenbar leider in Teilen der modernen Bibelwissenschaft. Vor allem auf die folgenden drei folgenschweren Vorurteile bin ich gesto\u00dfen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Vorurteil: Es kann\u00a0keine Wunder geben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Biologie hat es in Bezug auf das Ursache-Wirkungs-Prinzip eine schwerwiegende Grenz\u00fcberschreitung gegeben: Sp\u00e4testens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es nicht mehr nur auf die gegenw\u00e4rtige Sch\u00f6pfung angewandt, sondern auch auf die Ursprungsfrage ausgedehnt. Seither wurde (und wird bis heute) nicht nur bei der Frage \u201eWie funktioniert das?\u201c sondern auch bei der Frage \u201eWoher kommt das?\u201c die M\u00f6glichkeit einer (Mit-)Wirkung einer \u00fcbernat\u00fcrlichen, h\u00f6heren Intelligenz und Sch\u00f6pferkraft nicht ergebnisoffen gepr\u00fcft sondern von vornherein (\u201ea priori\u201c) grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders als bei der Erforschung der gegenw\u00e4rtigen Welt hat dieser Ausschluss sch\u00f6pferischer Eingriffe bei der Ursprungsfrage aber keine Erfolgsgeschichte nach sich gezogen, im Gegenteil: 150 Jahre nach Darwin sind noch immer zentrale und grundlegende Fragen zur Entstehung der Vielfalt der Baupl\u00e4ne der Lebewesen vollkommen ungekl\u00e4rt. Bis heute kann kein Mensch beantworten, wie komplexe Systeme, Information, Sch\u00f6nheit und Bewusstsein ohne eine steuernde Intelligenz entstehen kann<a name=\"_ftnref3\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn3\">[3]<\/a>. Der Glaube an ein allumfassendes Ursache-Wirkungs-Prinzip (Determinismus bzw. Naturalismus), der in der Bl\u00fctezeit der Aufkl\u00e4rung die akademische Welt dominiert hat<a name=\"_ftnref4\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn4\">[4]<\/a>, ist als umfassendes, ausnahmslos geltendes Welterkl\u00e4rungsmodell krachend gescheitert. Er ist zudem philosophisch letztlich unhaltbar, <a href=\"http:\/\/sammelpunkt.philo.at:8080\/2586\/1\/Wachter_2016-Wunder.pdf\">wie z.B. Prof. Daniel von Wachter dargelegt hat<\/a>.<a name=\"_ftnref5\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Erkenntnis scheint jedoch in Teilen der Theologie bis heute nicht vollst\u00e4ndig angekommen zu sein. Unter dem Eindruck der naturwissenschaftlichen Erfolgsgeschichte hatten pr\u00e4gende Theologen<a name=\"_ftnref6\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn6\">[6]<\/a> noch im 20. Jahrhundert versucht, auch in der Theologie g\u00e4nzlich ohne Wunder auszukommen. So schreibt z.B. Rudolf Bultmann:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDer Gedanke des Wunders als Mirakels ist f\u00fcr uns heute unm\u00f6glich geworden, weil wir das Naturgeschehen als gesetzm\u00e4\u00dfiges Geschehen verstehen.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref7\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0<em>\u201eMan kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsf\u00e4llen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref8\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn8\">[8]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch bei Troeltsch, Schleiermacher und anderen einflussreichen Theologen lassen sich vergleichbare Zitate finden.<a name=\"_ftnref9\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn9\">[9]<\/a> So wird verst\u00e4ndlich, warum in der liberalen Theologie des 19. Jahrhunderts der Glaube an eine leibliche Dimension der Auferstehung Jesu weitgehend durch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Auferstehung_Jesu_Christi#Subjektive_Visionshypothese\">Annahme ersetzt wurde, die J\u00fcnger h\u00e4tten nur Visionen gehabt<\/a>. Die treibende Kraft f\u00fcr diesen Umschwung waren nicht etwa irgendwelche neuen Forschungsergebnisse. Der Ausschluss von Wundern war vielmehr eine philosophische Entscheidung. Er wurde grunds\u00e4tzlich vorausgesetzt, weil \u201eman es einfach nicht glauben kann\u201c, wie Bultmann ganz offen formuliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Bultmann hat sich die universit\u00e4re Theologie weiter entwickelt. So scharf wie er w\u00fcrden heute wohl nur noch wenige Theologen den Ausschluss von Wundern formulieren. Eine grunds\u00e4tzliche Wunderskepsis ist jedoch ganz offensichtlich geblieben. Das wird bei der Auferstehung Jesu, also dem zentralen Heilsereignis der Christenheit, besonders deutlich. So formulieren C&amp;L zur Frage der Auferstehung: <em>\u201eDie immer wieder diskutierte Frage, ob die Auferstehung Jesu ein \u201ehistorisches Ereignis\u201c sei, ist von vornherein abzuweisen.\u201c<\/em><a name=\"_ftnref10\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn10\">[10]<\/a> Eine sachliche Begr\u00fcndung f\u00fcr diese These wird nicht geliefert. Noch deutlich sch\u00e4rfer formuliert Prof. Stefan Schreiber in seinem <a href=\"http:\/\/worthaus.org\/worthausmedien\/auf-der-suche-nach-dem-historischen-jesus-4-3-2\/\">\u201eWorthaus\u201c-Vortrag \u00fcber den \u201ehistorischen Jesus\u201c<\/a> <a name=\"_ftnref11\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn11\">[11]<\/a>. Die Vorstellung, dass Jesus nach der Auferstehung leiblich \u201e\u00fcber die Erde spaziert sei\u201c entspricht f\u00fcr ihn einem \u00fcberreizten Gespensterglauben, bei dem er dringend einen Arztbesuch oder wenigstens ausgiebiges Ausschlafen empfiehlt.<a name=\"_ftnref12\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn12\">[12]<\/a> Das \u201eSehen\u201c des Auferstandenen durch die J\u00fcnger setzt er mit dem \u201eSehen\u201c der alttestamentlichen Propheten gleich, obwohl sich die Berichte des Neuen Testaments \u00fcber Begegnungen mit dem Auferstandenen grundlegend von prophetischen Visionen unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All das wirkt seltsam auf mich. Denn nat\u00fcrlich kann man sehr wohl mit (geschichts-)wissenschaftlichen Mitteln die verschiedenen Erkl\u00e4rungsmodelle f\u00fcr die Entstehung des Osterglaubens durchspielen, ihre Erkl\u00e4rungskraft bewerten und damit eine Aussage dar\u00fcber treffen, welches Modell welche Wahrscheinlichkeit besitzt. Wenn man das ergebnisoffen tut, ist das Ergebnis aus meiner Sicht sehr eindeutig: <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3165\">Die Fakten sprechen klar daf\u00fcr, dass die Auferstehung eine leibliche Dimension gehabt haben muss<\/a>!<a name=\"_ftnref13\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn13\">[13]<\/a> Das ist f\u00fcr mich bislang die einzige schl\u00fcssige Erkl\u00e4rung, die zu den zahlreichen und vielf\u00e4ltigen historischen Fakten passt. Aber diese Debatte wird bei C&amp;L leider \u00fcberhaupt nicht gef\u00fchrt. Die M\u00f6glichkeit von Wundern wird hier aus philosophischen (nicht aus wissenschaftlichen!) Gr\u00fcnden von vornherein grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Vorurteil: Es gibt keine Offenbarung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die biblischen Autoren behaupten an zahlreichen Stellen, g\u00f6ttlich offenbarte Wahrheiten zu verk\u00fcnden!<a name=\"_ftnref14\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn14\">[14]<\/a> Wer aber einem allumfassenden physikalischen Ursache-Wirkungsprinzip vertraut, kann nat\u00fcrlich auch nicht an g\u00f6ttliche Offenbarung glauben. Stattdessen geht man von vornherein davon aus, dass die Bibel ein Machwerk von Menschen sein muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass dieses Vorurteil tats\u00e4chlich in den liberaleren Zweigen der Bibelwissenschaft eine Rolle spielt, zeigt sich zum Beispiel bei der Frage nach der Datierung der Evangelien. Dazu schreiben C&amp;L: <em>\u201eEbenso wie Matth\u00e4us (und wohl auch Markus) ist Lukas jedenfalls nach 70 verfasst worden; in Lk. 21,10 ist unmissverst\u00e4ndlich auf die Belagerung Jerusalems am Ende des J\u00fcdischen Krieges und auf die Zerst\u00f6rung der Stadt angespielt.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref15\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn15\">[15]<\/a> Tats\u00e4chlich lesen wir in Lukas 21, dass Jerusalem belagert und der Tempel komplett zerst\u00f6rt wird (so auch in Mark. 13,2 und Mt. 24,2). Aber das wird dort ja gerade nicht als Bericht, sondern als Vorhersage (Prophetie) Jesu dargestellt. Anders als z.B. in Apg. 11,28 erw\u00e4hnen die Evangelisten dabei mit keinem Wort, dass Jesu Prophetie tats\u00e4chlich in Erf\u00fcllung gegangen ist. Das hei\u00dft: Das einzige Argument von C&amp;L f\u00fcr eine Datierung nach 70 n.Chr. basiert auf der Annahme, dass es Prophetie nicht geben kann! Dieses Argument wiegt so stark, dass die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Evangelium_nach_Lukas#Mittlere_Datierung_um_60_n.Chr.\">zahlreichen Argumente f\u00fcr eine fr\u00fchere Datierung<\/a> gar nicht erst diskutiert werden:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Im ganzen Neuen Testament herrscht in Bezug auf die Zerst\u00f6rung des Tempels, die f\u00fcr die Juden ein absolut pr\u00e4gendes und traumatisches Ereignis gewesen sein muss, ein geradezu dr\u00f6hnendes Schweigen.<\/li>\n<li>Auch die M\u00e4rtyrertode von Paulus und vom Herrenbruder Jakobus (einem \u00c4ltesten der Urgemeinde in Jerusalem) in den 60er Jahren werden mit keinem Wort erw\u00e4hnt, stattdessen wird der M\u00e4rtyrertod des wesentlich unbedeutenderen Stephanus ausf\u00fchrlich geschildert.<\/li>\n<li>Die Apostelgeschichte des Lukas, die er nach seinem Evangelium verfasst hat, bricht noch vor dem Tod von Paulus pl\u00f6tzlich ab.<\/li>\n<li>Eine <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3296\">Textanalyse der Evangelien<\/a> belegt: Diese <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3296\">Berichte weisen alle Eigenschaften von fr\u00fchen, authentischen und kenntnisreichen Augenzeugenberichten auf<\/a>. Aufgrund der vielen stimmigen Details k\u00f6nnen sie unm\u00f6glich das Ergebnis von langer m\u00fcndlicher Tradition darstellen<a name=\"_ftnref16\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn16\">[16]<\/a>. Somit fehlt auch die Zeit f\u00fcr umfangreiche Legendenbildungen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Theologen wie C&amp;L diese Diskussion erst gar nicht f\u00fchren ist tragisch. Denn nat\u00fcrlich hat die Datierung auch erhebliche Auswirkungen auf die Vertrauensw\u00fcrdigkeit der biblischen Quellen, womit wir beim 3. Vorurteil w\u00e4ren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Vorurteil: Die biblischen Autoren sind nicht vertrauensw\u00fcrdig<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz des von Lukas selbst formulierten Anspruchs, einen genau recherchierten Bericht vorzulegen (Lk.1,1-4)<a name=\"_ftnref17\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn17\">[17]<\/a>, verwehren C&amp;L sogar bei einem in Wir-Form geschriebenen Abschnitt der Apostelgeschichte (Apg. 16,11-40) die M\u00f6glichkeit, dass es sich um einen Augenzeugenbericht handeln k\u00f6nnte. Begr\u00fcndung: Der Bericht sei <em>\u201estark mirakul\u00f6s, also vermutlich kein Augenzeugenbericht.\u201c<\/em><a name=\"_ftnref18\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn18\">[18]<\/a> Das hei\u00dft: Die grundlegende Wunderskepsis wirkt sich auch auf die Einsch\u00e4tzung der Vertrauensw\u00fcrdigkeit der biblischen Autoren aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">C&amp;L sehen aber noch mehr Gr\u00fcnde, warum man den biblischen Autoren misstrauen muss. Ein Problem ist f\u00fcr sie der Glaube der biblischen Autoren. So lesen wir, <em>\u201edass es f\u00fcr die Erscheinung des Auferstandenen niemals neutrale Zeugen gibt: Jede Erscheinung f\u00fchrte sofort zum Glauben.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref19\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn19\">[19]<\/a>. Diese Bemerkung ist nun wirklich skurril. Welcher Zeuge k\u00f6nnte wohl \u201eneutral\u201c bleiben, wenn er den Gekreuzigten lebendig vor sich stehen sieht? Diskreditiert das etwa ihr Zeugnis? W\u00e4re denn ein Zeuge, der nicht glaubt, was er sieht, glaubw\u00fcrdiger? Oder ist es nicht gerade umgekehrt ein klarer Beweis f\u00fcr die leibliche Dimension der Auferstehung, dass es nach den \u201eErscheinungen\u201c eben \u00fcberhaupt keine Zweifler mehr gab, sondern todesmutige Zeugen, die trotz massiver Verfolgung die Nachricht von der Auferstehung extrem erfolgreich verbreitet haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das grundlegende Misstrauen gegen\u00fcber den biblischen Zeugen wird bei C&amp;L auch im Kapitel \u00fcber die \u201ehistorische Jesusforschung\u201c besonders deutlich. Ausgangspunkt ist hier die Annahme, dass der reale, historisch \u00fcber die Erde gegangene Jesus sich klar unterscheidet von dem Christus, den die Urgemeinde gezeichnet und bezeugt hat. Zwar traut man den ersten Christen durchaus zu, dass in ihre Aufzeichnungen auch historische Erinnerungen an den realen Jesus eingeflossen sind. Aber die Aufgabe der Bibelwissenschaft sei es nun, diese Erinnerung zu unterscheiden von nachtr\u00e4glich entwickelten Christusbildern und von Aussagen, die die ersten Christen Jesus sp\u00e4ter in den Mund gelegt<a name=\"_ftnref20\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn20\">[20]<\/a> bzw. mit denen sie ihn nachtr\u00e4glich gedeutet hatten. Und welches Kriterium wendet man an, um diese Unterscheidung zwischen \u201eechtem Jesus\u201c und nachtr\u00e4glicher Deutung zu machen? <em>\u201eAls erstes (Minimal-) Kriterium gilt, dass zun\u00e4chst einmal nur solche Jesusworte als sicher [\u2026] \u201eecht\u201c anzusehen sind, die [\u2026] nicht aus theologischen bzw. christologischen (oder ekklesiologischen) Tendenzen der nach\u00f6sterlichen Gemeinde heraus erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref21\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn21\">[21]<\/a> Im Klartext: Zuviel \u00dcbereinstimmung mit dem urchristlichen Jesusbild spricht daf\u00fcr, dass das wohl nicht von Jesus stammt sondern ihm nachtr\u00e4glich von den ersten Christen in den Mund gelegt wurde.<a name=\"_ftnref22\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn22\">[22]<\/a> Krasser kann man sein Misstrauen gegen\u00fcber der \u00dcberlieferungstreue der Urgemeinde kaum zum Ausdruck bringen. Nur auf Basis dieses Vorurteils wird verst\u00e4ndlich, warum C&amp;L auch der Meinung sind, dass <em>\u201eJesus keinen der in den synoptischen Evangelien erw\u00e4hnten christologischen Hoheitstitel in Bezug auf seine eigene Person gebraucht\u201c<\/em> habe \u00a0<a name=\"_ftnref23\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn23\">[23]<\/a>. Im Klartext: Da k\u00f6nnen die Evangelisten schreiben, so viel sie wollen: Das sagt uns alles nichts dar\u00fcber, wie Jesus sich eigentlich selbst sah. Trotz der vielen anderslautenden Bibelstellen hielt Jesus sich selbst wohl nicht f\u00fcr den Messias. Das zeigt: Diesen Evangelisten kann man aus Sicht von C&amp;L ganz offensichtlich nicht vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Prof. Stefan Schreiber wei\u00df in seinem Vortrag \u00fcber den historischen Jesus<a name=\"_ftnref24\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn24\">[24]<\/a> letztlich nichts dar\u00fcber zu sagen, ob Jesus sich selbst als Messias sah oder nicht. Insgesamt zeichnet er <a href=\"http:\/\/worthaus.org\/worthausmedien\/auf-der-suche-nach-dem-historischen-jesus-4-3-2\/\">in seinem Vortrag<\/a> ein v\u00f6llig vermenschlichtes Jesusbild. Das ist kein Wunder. Denn auch f\u00fcr ihn wird der echte, historische Jesus erst dann sichtbar, wenn man sich auf die Jesus-Zitate konzentriert, die sich von der urchristlichen Christologie unterscheiden. Doch dieser Jesus hat dann nur noch wenig mit dem Christus des Neuen Testaments zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die fehlende Debatte: Ist es auch heute noch vern\u00fcnftig, der Bibel zu vertrauen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorurteile von C&amp;L dr\u00fccken sich nicht nur in dem aus, was sie schreiben. Man erkennt sie auch in dem, was in ihrem Buch vollkommen fehlt, n\u00e4mlich eine Debatte \u00fcber Argumente, die den Selbstanspruch der biblischen Autoren, Gottes offenbarte Wahrheit zu verk\u00fcnden, unterst\u00fctzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im <a href=\"http:\/\/www.aigg.de\/resources\/10GruendederBibelzuvertrauen.pdf\">Artikel \u201e10 Gr\u00fcnde, warum es auch heute noch vern\u00fcnftig ist, der Bibel zu vertrauen\u201c<\/a><a name=\"_ftnref25\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn25\">[25]<\/a> habe ich einige dieser Argumente aufgelistet:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die einzigartig hohe Qualit\u00e4t der Text\u00fcberlieferung<\/li>\n<li>Das unerkl\u00e4rte R\u00e4tsel der Entstehung des extrem erfolgreichen Osterglaubens in der Region und in der Zeit der Augenzeugen samt der durchg\u00e4ngigen Bereitschaft der Zeugen, f\u00fcr diesen Glauben den M\u00e4rtyrertod auf sich zu nehmen<\/li>\n<li>Die zahllosen eingetroffenen biblischen Vorhersagen, die sich oft auch nicht durch nachtr\u00e4gliche Einf\u00fcgung erkl\u00e4ren lassen<\/li>\n<li>Die stimmige, durchg\u00e4ngige Geschichte der Bibel, die \u00fcber einen Zeitraum von 1600 Jahren von mindestens 40 \u00e4u\u00dferst unterschiedlichen Autoren geschrieben wurde, die v\u00f6llig verschiedenen kulturellen und religi\u00f6sen Einfl\u00fcssen ausgesetzt waren und dabei nicht die Bibel als gemeinsame Glaubensgrundlage hatten<\/li>\n<li>Die schonungslose Ehrlichkeit, die selbst vor den gr\u00f6\u00dften K\u00f6nigen und Glaubenshelden nicht Halt macht und zu keiner Zeit die Geschichte Israels verkl\u00e4rt<\/li>\n<li>Das realistische Menschenbild, das best\u00e4tigte Weltbild und das einzigartige Gottesbild<\/li>\n<li>Die herausragende Ethik, die bis heute weltweit pr\u00e4gend wirkt<\/li>\n<li>Der g\u00f6ttliche Anspruch, der uns vor die herausfordernde Wahl stellt: Waren das Betr\u00fcger, durchgeknallte Spinner oder haben sie wirklich die Wahrheit gesagt?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichts davon wird bei C&amp;L auch nur ansatzweise diskutiert. Wie schade!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gesten grenzenloser \u00dcberlegenheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weder die genannten Argumente f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit der Bibel noch die dargelegten au\u00dferwissenschaftlichen Vorurteile halten manche Theologen davon ab, die universit\u00e4re Theologie f\u00fcr beinahe grenzenlos \u00fcberlegen zu halten. So stellt z.B. Siegfried Zimmer in seinem <a href=\"http:\/\/worthaus.org\/worthausmedien\/ein-beispiel-zur-arbeitsweise-der-modernen-bibelwissenschaft-5-8-2\/\">Worthaus-Vortrag \u00fcber die \u201eArbeitsweise der modernen Bibelwissenschaft\u201c<\/a><a name=\"_ftnref26\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn26\">[26]<\/a> die steile These auf (siehe dazu dieser <a href=\"https:\/\/youtu.be\/vjM1feSeqpI\">4-min\u00fctige Auszug aus seinem Vortrag<\/a>):<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die gesamte weltweite Kirche hat die Gleichnisse Jesu 1800 Jahre lang falsch verstanden.<\/li>\n<li>Noch heute legen weltweit Millionen von Christen, die keinen Kontakt zur Universit\u00e4tstheologie haben, die Gleichnisse Jesu falsch aus (und Zimmer fragt seine H\u00f6rer: Bist Du auch noch in einer solchen Gruppe?).<\/li>\n<li>Der Grund f\u00fcr dieses Desaster: Auch die Evangelisten Matth\u00e4us, Markus und Lukas haben die Gleichnisse bereits nicht im Sinne Jesu ausgelegt. Indem sie ihre falsche Auslegung Jesus nachtr\u00e4glich in den Mund gelegt haben, haben sie die Kirche in die Irre gef\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zimmer stellt uns also vor die Wahl: Sollen wir in der Frage der richtigen Deutung der Gleichnisse den Evangelisten Matth\u00e4us, Markus und Lukas vertrauen? Oder sollen wir stattdessen der modernen Universit\u00e4tstheologie folgen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Egal, wie Sie sich entscheiden, lieber Leser: Fakt ist jedenfalls, dass Zimmer damit den reformatorischen Grundsatz verl\u00e4sst, dass die Schrift sich selbst auslegt (\u201e<em>Sacra scriptura sui ipsius interpres\u201c<\/em>) und dass eine solche Theologie sich vollst\u00e4ndig aus der Auslegungsgemeinschaft der weltweiten und der historischen Kirche verabschiedet mit allen schwerwiegenden Folgen, die das f\u00fcr die Theologie und f\u00fcr die von ihr gepr\u00e4gten Kirchen hat<a name=\"_ftnref27\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn27\">[27]<\/a>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abschied aus der Auslegungsgemeinschaft der Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der christliche Glaube beruht nicht auf einer Sammlung von Ideen und Dogmen, auf einer Bewunderung f\u00fcr die Person Jesu oder auf einer gef\u00fchlten Begeisterung \u00fcber die Liebe Gottes sondern zuerst einmal auf historischen Ereignissen<a name=\"_ftnref28\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn28\">[28]<\/a>, v.a. dem Leben, dem Sterben und der Auferstehung Jesu. Diese Ereignisse haben f\u00fcr Christen zentrale Heilsbedeutung. Sie standen deshalb im Zentrum der Verk\u00fcndigung der ersten Christen (Joh. 20,30+31). Das f\u00fchrt nat\u00fcrlich zu der Frage: Was wird aus dem christlichen Glauben, wenn diese historischen Ereignisse in Frage gestellt werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Brisanz dieser Frage ist offenbar auch C&amp;L bewusst. Sie schreiben deshalb: <em>\u201eSo kann die Furcht aufkommen, die pers\u00f6nliche Glaubens\u00fcberzeugung werde beispielsweise durch die Infragestellung der historischen Zuverl\u00e4ssigkeit bestimmter \u00dcberlieferungen gef\u00e4hrdet. Dem steht die These gegen\u00fcber, Glaube und historische Erkenntnis geh\u00f6rten grunds\u00e4tzlich zwei verschiedenen Ebenen an.\u201c<\/em><a name=\"_ftnref29\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn29\">[29]<\/a> Diese These meint also: Der Glaube sei von historischen Erkenntnissen vollkommen unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Formulierung ist wohl bewusst so vorsichtig gew\u00e4hlt. Denn nat\u00fcrlich ist diese These v\u00f6llig unhaltbar. Selbstverst\u00e4ndlich sind die theologischen Aussagen der Bibel immer mit dem historischen Handeln Gottes aufs engste und untrennbar miteinander verkn\u00fcpft. Christliche Verk\u00fcndigung ist ja gerade nicht prim\u00e4r ein moralischer Aufruf, etwas zu tun, sondern ein Zeugnis dar\u00fcber, was Gott getan hat! <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3887\">Im Mittelpunkt steht die Tatsache: Christus starb f\u00fcr Dich!<\/a> Das ist ein historisches Ereignis, ohne das alle sonstigen Lehren und Wahrheiten des Christentums nichts wert w\u00e4ren!<a name=\"_ftnref30\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn30\">[30]<\/a> Der Glaube wird entleert, wenn ihm der Bezug auf die historischen Ereignisse genommen wird, denn er kann sich dann auf nichts mehr beziehen. Auch unser Bild von Christus h\u00e4ngt untrennbar mit seinem Leben, seinen Wundern, seinem Sterben und seiner Auferstehung zusammen.<a name=\"_ftnref31\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn31\">[31]<\/a> Wenn Christus nicht auferweckt ist, dann ist Predigt und Glaube vergeblich, sagt Paulus (1.Kor. 15,14). Das gilt auch heute noch. Wer die Historizit\u00e4t der biblischen Geschichten streicht, raubt dem Evangelium seine Basis, seine Kraft und verhindert den Gemeindebau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Christentum ohne Wunder und ohne Auferstehung ist deshalb ein Widerspruch in sich. Falls Schleiermacher und Co. die Theologie mit ihrer \u201eEntmythologisierung\u201c tats\u00e4chlich retten wollten, so muss man heute feststellen: Sie haben der Theologie und der Kirche einen B\u00e4rendienst erwiesen. Sie haben den christlichen Glauben faktisch abgeschafft. Eine Theologie auf Basis der oben genannten Vorurteile rettet die Kirche nicht, sondern sie l\u00f6st die zentralen Fundamente der Kirche auf. Sie h\u00e4lt die \u201eLehre der Apostel\u201c (Apg. 2,42) f\u00fcr menschlich und deshalb von vornherein f\u00fcr widerspr\u00fcchlich, wie C&amp;L schreiben: <em>\u201eDie Bibel enth\u00e4lt geschichtlich entstandene Dokumente, die \u2013 in gro\u00dfer Vielfalt theologischer Meinungen \u2013 den j\u00fcdischen bzw. christlichen Glauben bezeugen und darstellen.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref32\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn32\">[32]<\/a> Sie h\u00e4lt die Christologie der Urkirche f\u00fcr eine nachtr\u00e4gliche \u201eDeutung\u201c, kann aber gleichzeitig nichts Verl\u00e4ssliches sagen \u00fcber die Christologie, die Jesus selbst hatte. Diese Theologie widerspricht also grundlegend den biblischen Aussagen und Bekenntnissen der weltweiten Kirche quer durch alle Jahrhunderte. Sie hat sich damit faktisch aus der Gemeinschaft der Kirche Jesu verabschiedet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Katastrophale Folgen f\u00fcr die Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Tragische ist, dass diese kirchenferne Theologie in weiten Teilen der westlichen Kirchen nach wie vor erheblichen Einfluss auf die Ausbildung der zuk\u00fcnftigen Gemeindeleiter aus\u00fcbt. Da ist es keine \u00dcberraschung, was Christian Schwarz in seiner Analyse von tausenden von Gemeinden herausgefunden hat: <em>\u201eDas Theologiestudium hat eine stark negative Beziehung sowohl zum Wachstum als auch zur Qualit\u00e4t der Gemeinde.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref33\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn33\">[33]<\/a> Anders gesagt: Wenn ein Gemeindeleiter durch diese theologische Ausbildung gegangen ist, erh\u00f6ht das messbar die Wahrscheinlichkeit, dass die Qualit\u00e4t und die Quantit\u00e4t der Gemeinde sinkt. Tats\u00e4chlich kenne ich kein Beispiel einer bl\u00fchenden, wachsenden Gemeinde, in der der Pastor oder die Pastorin von der Kanzel predigt, dass Jesus gar nicht leiblich auferstanden ist, dass die biblischen Geschichten so gar nicht passiert sind und dass Gott in jeder Religion zu finden ist. Das rasche Schrumpfen aller westlichen Kirchen, die von dieser liberalen Theologie beeinflusst sind, untermauert dies eindr\u00fccklich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann deshalb nicht genug davor warnen, dass Formate wie Worthaus nun daf\u00fcr sorgen wollen, dass diese Theologie auch noch in evangelikale Ausbildungsst\u00e4tten, Gemeinschaften und Gemeinden hineingetragen wird.<a name=\"_ftnref34\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn34\">[34]<\/a> Denn ganz sicher wird sie auch dort die gleiche Verw\u00fcstung hinterlassen, wie wir sie jetzt schon in den gro\u00dfen Volkskirchen mit ansehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bibel ermutigt uns, vor dieser Not zu warnen! Das Anprangern von Irrlehren ist in der Bibel eben keine \u201egnadenlose Fr\u00f6mmigkeit\u201c und keine \u201eSuche nach schwarzen Schafen\u201c <a name=\"_ftnref35\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn35\">[35]<\/a>, sondern ein sch\u00fctzendes Eintreten f\u00fcr die intellektuell Schwachen, die nun einmal nicht durchschauen k\u00f6nnen, dass sich hinter vielen angeblich so objektiven, klugen und scheinbar wissenschaftlichen Lehren zutiefst unwissenschaftliche Vorentscheidungen verbergen, die man getrost ablehnen kann, ohne seinen Verstand an der Kirchengarderobe abgeben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kann es eine konservative Bibel\u00adwissenschaft geben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bereits dargelegt: Vorurteile (\u201ePr\u00e4missen\u201c) sind grunds\u00e4tzlich nichts Schlechtes, wenn man offen und ehrlich dar\u00fcber spricht und transparent macht, auf welchen Grundlagen man zu welchen Schlussfolgerungen kommt. Das Problem bei C&amp;L ist, dass die oben genannten Vorurteile kaum offen gelegt und praktisch \u00fcberhaupt nicht diskutiert werden. Eine gute Bibelwissenschaft wird das anders machen. Wenn sie evangelikal und konservativ gepr\u00e4gt ist, wird sie offen \u00fcber die Pr\u00e4missen reden, die sie in ihrer Arbeit verwendet: Sie geht davon aus, dass Wunder und Offenbarungen m\u00f6glich sind und dass die biblischen Autoren gem\u00e4\u00df ihrem Selbstzeugnis tats\u00e4chlich verl\u00e4ssliche Wahrheit verk\u00fcnden. Sie geht au\u00dferdem davon aus, dass sich die einzelnen Schriften theologisch nicht widersprechen, sondern erg\u00e4nzen und insgesamt eine Einheit bilden<a name=\"_ftnref36\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn36\">[36]<\/a>. Unter dieser Voraussetzung ist der verl\u00e4sslichste Auslegungsschl\u00fcssel f\u00fcr die Bibel immer die Bibel selbst. Aus ihr k\u00f6nnen wir am besten lernen, wie die einzelnen Verse, Texte und Geschichten zu verstehen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere wichtige Hilfe wird in dieser Theologie nicht die Abkehr, sondern die bewusste Orientierung an den kirchlichen Bekenntnissen sein, die jeden Theologen einf\u00fcgt in die Auslegungsgemeinschaft der ganzen Kirche Jesu in ihrem historischen Werdegang und ihm deshalb wertvolle Orientierung in der Auslegung der Bibel gibt.<a name=\"_ftnref37\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn37\">[37]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All das sind in gewissem Sinne \u201eVorurteile\u201c (Pr\u00e4missen), f\u00fcr deren Sinnhaftigkeit man aber \u2013 wie oben geschildert \u2013 zahlreiche gute Argumente anf\u00fchren kann. Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn es nun zu einem wissenschaftlichen Wettbewerb k\u00e4me: Welche Pr\u00e4missen f\u00fchren zu einer schl\u00fcssigeren Integration aller vorliegenden Fakten? Wer kann die Daten in seinem Modell besser erkl\u00e4ren? Das w\u00e4re echte, ergebnisoffene Wissenschaft, die es dem Au\u00dfenstehenden auch leichter machen w\u00fcrde, die Argumente zu vergleichen und sich selbst ein Bild zu machen. Doch daf\u00fcr m\u00fcsste der evangelikale Ansatz erst einmal grunds\u00e4tzlich anerkannt werden. Alle Bibelwissenschaftler m\u00fcssten ihre \u201eVorurteile\u201c eindeutig und nachvollziehbar offenlegen und sich zugleich h\u00fcten vor der Gefahr des Stolzes, die nat\u00fcrlich in allen Lagern besteht. Gerade als Bibellehrer m\u00fcssen wir alle den biblischen Ruf zur Demut immer wieder h\u00f6ren (Jak. 3,1; 1.Petr. 5,5; 1.Kor. 8,1!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der grundlegende Unterschied zwischen den theologischen Welten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Kunsthistoriker, der davon ausgeht, dass ein Bild von einem kleinen Kind gemalt wurde, wird darin niemals eine ausgereifte Kunstfertigkeit erkennen. Ein Theologe, der in seiner wissenschaftlichen Arbeit Wunder und Offenbarung von vornherein ausschlie\u00dft und seine Forschung so betreibt, als ob es Gott nicht g\u00e4be (\u201eetsi Deus non daretur\u201c bzw. \u201emethodischer Atheismus\u201c) wird in der Bibel niemals Gottes verl\u00e4ssliches, offenbartes Wort erkennen. Wie grundlegend sich die aus diesen Vorurteilen resultierende Theologie von der traditionellen und reformatorischen Theologie unterscheidet, hat der Theologe J. Gresham Machen bereits im Jahr 1923 beschrieben:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWenn man die Wunder ablehnt, macht man aus Jesus die sch\u00f6nste Blume der Menschheit, die einen derartigen Eindruck auf seine J\u00fcnger machte, dass sie nach seinem Tod nicht glauben konnten, dass er wirklich tot war, sondern Halluzinationen hatten, die den Eindruck erweckten, er sei von den Toten auferstanden. Wenn man aber die Wunder annimmt, so glaubt man an einen Erl\u00f6ser, der freiwillig auf diese Welt kam, um uns zu erl\u00f6sen, am Kreuz f\u00fcr unsere Schuld litt, durch die Macht Gottes von den Toten auferstand und nun lebt, um f\u00fcr uns einzutreten. Der Unterschied zwischen diesen beiden Standpunkten ist der zwischen zwei vollkommen verschiedenen Religionen. Es ist h\u00f6chste Zeit, das klarzustellen.\u201c<\/em> <a name=\"_ftnref38\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn38\">[38]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist dieser tiefe Graben in der Theologie inzwischen kleiner geworden? 1999 gab <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Andreas_Lindemann\">Prof. A Lindemann<\/a>, der Mitautor von C&amp;L, dem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-15239644.html\">\u00a0SPIEGEL ein eindr\u00fcckliches Interview<\/a><a name=\"_ftnref39\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn39\">[39]<\/a>. Darin sagte er: Im deutschsprachigen Raum kenne er keinen Exegeten, der die Evangelien f\u00fcr zuverl\u00e4ssige historische Zeugnisse h\u00e4lt. Seit Jahrzehnten w\u00fcrde kein ernst zu nehmender Exeget mehr behaupten, dass es sich bei den Evangelien um Lebensbeschreibungen Jesu handelt. Bis auf Ausnahmen w\u00fcrden die Exegeten \u00fcbereinstimmen, dass kein Augen- oder Ohrenzeuge noch direkt zu uns spricht. Menschen mit Allgemeinbildung w\u00fcssten, dass die Geburtsgeschichten nicht wirklich geschehen sind. Nur wenige katholische Neutestamentler hielten noch an der Jungfrauengeburt fest. Jesus habe nicht an seine Existenz vor seiner Geburt geglaubt, sich nicht f\u00fcr Gottes Sohn gehalten, seinen Tod nicht als S\u00fchnetod verstanden und das Abendmahl nicht eingesetzt. Keines der bekannten gro\u00dfen Wunder habe er tats\u00e4chlich vollbracht. Er sei nicht leiblich auferstanden, habe keinen Missionsbefehl erteilt und wollte keine Kirche gr\u00fcnden. Der christliche Glaube beziehe sich nicht auf das Selbstverst\u00e4ndnis und die Verk\u00fcndigung Jesu (diese habe dem christlichen Glauben z.T. sogar widersprochen). All das w\u00fcrden viele Exegeten so formulieren, weit mehr noch als vor 20, 30 Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <a href=\"http:\/\/www.armin-baum.de\/\">evangelikale Theologe Armin D. Baum<\/a> kommt aufgrund dieser Aussagen \u2013 ganz \u00e4hnlich wie J.G. Machen fast 100 Jahre zuvor \u2013 zu dem Schluss<a name=\"_ftnref40\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn40\">[40]<\/a>: <em>\u201eProf. Lindemann [\u2026] bestreitet in seinem SPIEGEL-Interview die christologische Kernaussage des Neuen Testaments, dass Jesus der Sohn Gottes war [\u2026] Und er bestreitet die Zentralaussage der neutestamentlichen Soteriologie, Jesus sei historisch von den Toten auferstanden [\u2026] Ob zwei Menschen den gleichen Glauben haben, l\u00e4sst sich meines Erachtens nicht einfach daran ablesen, ob sie die gleichen Begriffe verwenden. Ein solches Urteil h\u00e4ngt davon ab, welche Inhalte sie mit den Begriffen meinen.\u00a0Inhaltlich sind die Aussagen, die Prof. Lindemann und ich \u00fcber das Heil in Christus treffen, bis zur Gegens\u00e4tzlichkeit verschieden. Uns trennt ein garstiger breiter Graben, weil Prof. Lindemann das Christentum aus meiner Sicht in seinem Zentrum entkernt.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Prof. Lindemann auch nur teilweise recht haben sollte mit seiner Behauptung, dass solche Ansichten die universit\u00e4re Theologie dominieren, dann bewegt mich eine grundlegende Frage: Warum verlangt meine evangelische Kirche von ihren zuk\u00fcnftigen Gemeindeleitern, bei der Ordination ein Gel\u00fcbde auf Bibel und Bekenntnis abzulegen<a name=\"_ftnref41\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftn41\">[41]<\/a>, l\u00e4sst sie aber zuvor zumindest zum Teil von Theologen ausbilden, die den Bekenntnissen inhaltlich derart grund\u00adlegend und weitreichend widersprechen? Auf mich wirkt das so, wie wenn eine Metzgereikette seine Azubis zu \u00fcberzeugten Veganern in die Lehre schickt und sich nachher wundert, warum die Kunden kein Fleisch mehr kaufen. Wie sollen unsere Gemeindeleiter Glauben wecken, wenn sie von Menschen ausgebildet werden, die selbst elementarste Botschaften der Bibel in Frage stellen oder \u2013 wie Prof. Lindemann \u2013 sogar offen ablehnen? Ich meine: Das kann nicht funktionieren. Und deshalb bin ich \u00fcberzeugt: Ohne eine grundlegende theologische Erneuerung bleiben alle sonstigen Reformbem\u00fchungen der Kirche zwangsl\u00e4ufig zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Danke<\/strong>\u00a0an Dr. Reinhard Junker, Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter und Dr. Gerrit Hohage f\u00fcr die fachlich kompetente Pr\u00fcfung des Artikels und alle guten Anregungen, Kommentare und Korrekturen.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Besonders zu empfehlen<\/strong> sind in diesem Zusammenhang die beiden Vortr\u00e4ge, die Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter (Direktor der internationalen Akademie f\u00fcr Philosophie am F\u00fcrstentum Liechtenstein) am 9.12.2017 in der <a href=\"https:\/\/www.sthbasel.ch\/\">STH Basel<\/a> gehalten hat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Im AiGG-Blog<\/strong> sind zu diesem Thema u.a. folgende weiterf\u00fchrende Artikel erschienen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn1\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref1\">[1]<\/a> Prof. Hansj\u00f6rg Schmid hat das unter Theologen weit verbreitete Arbeitsbuch von C&amp;L als \u201eBestseller und Klassiker\u201c bezeichnet (Christ in der Gegenwart 54 (2002) 41, S. 336f.). An der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin wird aktuell an der 15. Auflage gearbeitet. Es wird also vermutlich auch zuk\u00fcnftig das Studium vieler Theologiestudenten pr\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn2\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref2\">[2]<\/a> H.Conzelmann A.Lindemann, Arbeitsbuch zum Neuen Testament 14. Auflage 2004, S. 3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn3\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref3\">[3]<\/a> Siehe dazu mein <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=882\">Artikel: \u201e4 Dinge, f\u00fcr die ich Atheisten bewundere\u201c<\/a> (AiGG-Blog 2015)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn4\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref4\">[4]<\/a> Immer wieder h\u00f6rt man die Aussage, nach der Aufkl\u00e4rung k\u00f6nne man nicht mehr so glauben und christlich lehren wie zuvor. In seinem \u00e4u\u00dferst empfehlenswerten <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/247787796\">Vortrag <em>\u201eGab es die Aufkl\u00e4rung\u201c<\/em><\/a> zeigt Prof. Daniel von Wachter, dass die dominierenden Thesen der Aufkl\u00e4rung letztlich ein Mythos und ein eingeb\u00fcrgertes Narrativ sind und keineswegs unser Verst\u00e4ndnis des christlichen Glaubens beeinflussen oder gar zerst\u00f6ren m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn5\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref5\">[5]<\/a> Prof. Daniel von Wachter 2017: <a href=\"http:\/\/sammelpunkt.philo.at:8080\/2586\/1\/Wachter_2016-Wunder.pdf\">\u201eWunder sind keine Verletzung der Naturgesetze\u201c<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn6\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref6\">[6]<\/a> Es ist nat\u00fcrlich gewagt, den Begriff der \u201eliberalen Theologie\u201c zu verwenden und schwierig, ihn zu definieren. Insbesondere in den letzten Jahrzehnten ist der Begriff sehr zerfleddert. In diesem Artikel lehne ich mich an die Definition von Prof. Daniel von Wachter an, der in seinem <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/246694473\">Vortrag \u201eDie Schl\u00fcsselvoraussetzung der liberalen Theologie\u201c<\/a> die liberale Theologie als markante theologische Schule bezeichnet, die in etwa das vertritt, was die Theologen Schleiermacher, Troeltsch und Bultmann gemeinsam haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn7\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref7\">[7]<\/a> Rudolf Bultmann 1933, 84f<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn8\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref8\">[8]<\/a> Rudolf Bultmann:\u00a0Neues Testament und Mythologie.\u00a01941, 18<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn9\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref9\">[9]<\/a> Fridrich Schleiermacher im Jahr 1829: \u201eDer Begriff des Wunders wird in seiner bisherigen Art und Weise nicht fortbestehen k\u00f6nnen.\u201c Ernst Troeltsch im Jahr 1889: \u201e[Es kann] keine Ver\u00e4nderung an einem Punkte eintreten [\u2026] ohne vorangegangene und folgende \u00c4nderungen an einem anderen, so dass alles Geschehene in einem best\u00e4ndigen korrelativen Zusammenhange steht und notwendig einen Fluss bilden muss, in dem Alles und Jedes zusammenh\u00e4ngt.\u201c (\u00dcber historische und dogmatische Methode in der Theologie) Zitiert im <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/246694473\">Vortrag \u201eDie Schl\u00fcsselvoraussetzung der liberalen Theologie\u201c<\/a> von Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn10\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref10\">[10]<\/a> H.Conzelmann A.Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 524<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn11\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref11\">[11]<\/a> <a href=\"http:\/\/worthaus.org\/worthausmedien\/auf-der-suche-nach-dem-historischen-jesus-4-3-2\/\">Worthaus-Vortrag \u201eAuf der Suche nach dem historischen Jesus\u201c<\/a> von Prof. Stefan Schreiber 2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn12\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref12\">[12]<\/a> Im Wortlaut formuliert Prof. Schreiber: \u201eDiese Menschen, und zwar nicht nur einer sondern viele, waren der Meinung oder waren davon \u00fcberzeugt, ihnen ist Jesus von Nazareth erschienen. Sie haben gesehen, dass er lebt. Sie haben erfahren, dass er lebt. Deswegen muss der noch lange nicht auf der Erde rumspaziert sein wie ein Gespenst oder so etwas. Das w\u00e4re dann eher wieder die alberne Variante. Also wenn ich jetzt meine Oma hier sehen w\u00fcrde, dann w\u00fcrde ich zum Arzt gehen, verstehen Sie? Da w\u00fcrde ich irgendwie denken, jetzt sollte ich mal wieder richtig schlafen oder so etwas. Darum geht\u2019s nicht. Darum geht\u2019s auch bei der Erweckung Jesu nicht. Die waren nicht einfach alle \u00fcberreizt oder so etwas.\u201c (ab 1:23:28)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn13\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref13\">[13]<\/a> Ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert in meinem Artikel: <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3165\">\u201eDie Auferstehung Jesu: Fakt oder Fiktion? Der Indizienprozess\u201c<\/a> (AiGG-Blog 2016)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn14\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref14\">[14]<\/a> So sahen sich Mose und die alttestamentlichen Propheten als direkte <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/LUT\/Jeremia1%2C9\">Sprachrohre Gottes<\/a> (z.B. Jer. 1,9). Jesus und die Autoren des NT haben diese Sichtweise voll best\u00e4tigt (Mt. 5,18; Hebr. 1,1; 2.Petr. 1,21). Paulus betonte, dass seine Lehre nicht menschlich, sondern eine direkte <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/text\/LUT\/Galater1%2C11-12\">Offenbarung Gottes<\/a> ist (Gal. 1,11-12). Und Johannes warnte eindringlich davor, auch nur minimale \u00c4nderungen an seinem Text vorzunehmen (Offb. 22,18-19).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn15\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref15\">[15]<\/a> H. Conzelmann &amp; A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 343<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn16\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref16\">[16]<\/a> Siehe dazu <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3296\">mein Artikel \u201eDie Berichte des NT weisen alle Eigenschaften von fr\u00fchen, authentischen Augenzeugenberichten auf\u201c<\/a> (AiGG-Blog 2017)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn17\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref17\">[17]<\/a> Dazu <a href=\"https:\/\/bibelbund.de\/2014\/09\/glaube-geschichte-und-die-neutestamentliche-wissenschaft\/\">schreibt Armin D. Baum in Bibel und Gemeinde 100, Band 4 (2000)<\/a>: Wollten die Evangelisten Geschichte schreiben? [\u2026] Prof. Lindemann hat [\u2026] eine deutliche Antwort gegeben [\u2026]: <em>\u201eEs ist \u2026 ein Missverst\u00e4ndnis der biblischen Texte, wenn sie als Tatsachenberichte aufgefasst werden\u201d.<\/em> Diese These halte ich f\u00fcr falsch. Einer der Evangelisten hat sich dazu, ganz im Stil der antiken Historiographie, ausdr\u00fccklich ge\u00e4u\u00dfert: \u201eEs erschien mir gut, nachdem ich allem bis auf die Anf\u00e4nge nachgegangen war, es exakt und der Reihe nach aufzuschreiben\u201d (Lk 1,3). Und es ist meines Wissens kein einziger antiker Leser nachweisbar, der den Evangelien eine historische Absicht abgesprochen h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn18\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref18\">[18]<\/a> H. Conzelmann &amp; A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 354<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn19\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref19\">[19]<\/a> H. Conzelmann &amp; A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 524<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn20\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref20\">[20]<\/a> Die These, dass die ersten Christen Jesus massenhaft Zitate nachtr\u00e4glich untergeschoben h\u00e4tten kommentiert <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gottfried_Schr%C3%B6ter\">Prof. G. Schr\u00f6ter<\/a>: \u201eIch halte es nicht f\u00fcr die feine Art, Jesus etwas in den Mund zu legen, damit der Text als wirkungsvoller empfunden wird. [\u2026] Nat\u00fcrlich gibt es bis heute hier und da Kujaus, Plagiatoren, Abschreiber und \u201eAls-ob-Formulierer\u201d. Aber sollten gerade die ersten Christen, die zu strikter Wahrheitsliebe aufriefen, so gehandelt haben? Mitnichten!\u201c (in <a href=\"https:\/\/bibelbund.de\/2014\/09\/und-die-intellektuelle-redlichkeit\/\">\u201eUnd die intellektuelle Redlichkeit?\u201c<\/a>, Bibel und Gemeinde 100, Band 2, 2000)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn21\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref21\">[21]<\/a> H. Conzelmann &amp; A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 464<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn22\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref22\">[22]<\/a> Dem hier vorgestellten \u201eDifferenzkriterium\u201c wird heute meist das \u201eKriterium der vielfachen Bezeugung\u201c (Erscheinen in verschiedenen Gattungen\/unabh\u00e4ngigen Quellen) sowie das \u201eKoh\u00e4renzkriterium\u201c (\u00c4hnlichkeit zu anderen Stellen, die den beiden erstgenannten Kriterien entsprechen) beigestellt. Auch das neuere \u201ehistorischen Plausibilt\u00e4tskriterium\u201c \u00fcberwindet das Differenzkriterium nicht, es erscheint dort unter den Namen \u201eTendenzwidrigkeit\u201c und \u201ekontextuelle Individualit\u00e4t\u201c (nachzulesen z.B. <a href=\"http:\/\/www.bibelstudium.kaththeol.uni-muenchen.de\/jesus_historisch\/methodisches\/index.html\">hier<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn23\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref23\">[23]<\/a> H. Conzelmann &amp; A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 495<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn24\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref24\">[24]<\/a> <a href=\"http:\/\/worthaus.org\/worthausmedien\/auf-der-suche-nach-dem-historischen-jesus-4-3-2\/\">\u201eAuf der Suche nach dem historischen Jesus\u201c<\/a> Worthaus-Vortrag von Prof. Stefan Schreiber 2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn25\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref25\">[25]<\/a> <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3176\">\u201e10 Gr\u00fcnde, warum es auch heute noch vern\u00fcnftig ist, der Bibel zu vertrauen\u201c<\/a> (AiGG-Blog 2016)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn26\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref26\">[26]<\/a> <a href=\"http:\/\/worthaus.org\/worthausmedien\/ein-beispiel-zur-arbeitsweise-der-modernen-bibelwissenschaft-5-8-2\/\">Worthaus 5.8.2<\/a> Prof. S. Zimmer 2015<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn27\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref27\">[27]<\/a> Dazu schreibt der Theologe Holger Lahayne in seinem grundlegenden <a href=\"http:\/\/lahayne.lt\/2016\/01\/25\/sola-oder-solo-scriptura\/\">Artikel von 2016 \u201eSolo oder sola scriptura<\/a>\u201c: \u201eEs w\u00e4re v\u00f6llig t\u00f6richt, all die in zweitausend Jahren angesammelten theologischen Lehren in G\u00e4nze beiseite zu schieben. Denn darin w\u00fcrde sich ein ungeheurer Hochmut ausdr\u00fccken. Schon immer haben Menschen die Bibel interpretiert, und sehr oft haben sie das Wort Gottes richtig gedeutet. [\u2026] Wenn die Tradition verachtet wird, wird es auch kaum m\u00f6glich sein, an der Wahrheit Gottes in der Heiligen Schrift festzuhalten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn28\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref28\">[28]<\/a> Der Begriff \u201ehistorisch\u201c wird hier im Sinne von \u201ewas wirklich geschehen ist\u201c verwendet. In der klassischen historisch kritischen Methode gilt nach Troeltsch aber nur das als historisch, was den Kriterien der Kritik, Analogie und Korrelation (Begriffsdefinition siehe z.B. <a href=\"https:\/\/archive.org\/stream\/Ernst-Troeltsch_1908_Historisch-kritische-Methode\/Ernst-Troeltsch_1908_Historisch-kritische-Methode_djvu.txt\">hier<\/a>) standh\u00e4lt. Wunder wie die Auferstehung sind nach dieser Definition grunds\u00e4tzlich von vornherein \u201eunhistorisch\u201c und nicht wirklich geschehen. Zurecht <a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=745\">sieht Prof. Rainer Mayer darin<\/a> den Versuch, <em>\u201eein rein innerweltliches, mithin atheistisches Wissenschaftsverst\u00e4ndnis f\u00fcr die Theologie verbindlich zu machen. [\u2026] Diese Prinzipien behindern unvoreingenommene historische Untersuchung, weil sie aller Erkenntnis ein \u201eFilter\u201c vorschalten, das von vornherein alles das als \u201eunhistorisch\u201c aussondert, was nicht in das vorgefasste Wissenschaftsparadigma passt.\u201c<\/em> Sp\u00e4tere Theologen haben den Wunderausschluss abgeschw\u00e4cht mit der Aussage: Wunder k\u00f6nnten zwar geschehen sein, aber die Wissenschaft k\u00f6nne aus methodischen Gr\u00fcnden nichts \u00fcber sie sagen. Damit wird aber nach wie vor die M\u00f6glichkeit, dass real geschehene Wunder die beste Erkl\u00e4rung f\u00fcr die historischen Fakten liefern k\u00f6nnten, von vornherein ohne Sachgr\u00fcnde aus dem wissenschaftlichen Diskurs ausgeschlossen und damit abgewertet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn29\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref29\">[29]<\/a> H. Conzelmann &amp; A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn30\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref30\">[30]<\/a> Siehe dazu mein <a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3887\">Artikel \u201eDas Kreuz \u2013 Stolperstein der Theologie\u201c<\/a> (AiGG-Blog 2018)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn31\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref31\">[31]<\/a> Dazu <a href=\"https:\/\/bibelbund.de\/2014\/12\/geschichtsschreibung-wunder-und-der-christliche-glaube-eine-antwort-an-prof-lindemann\/\">schreibt Armin D. Baum in in Bibel und Gemeinde 101, Band 1 (2001)<\/a>: \u201eDie Christologie der Evangelien ruht auf der \u00dcberzeugung, dass Jesus Wunder getan hat: Jesus von Nazareth hat sich seinen Zeitgenossen gegen\u00fcber durch Wundertaten ausgewiesen (Apg 2,22), und zwar sowohl als der in den Schriften verhei\u00dfene Messias als auch als der einzigartige Sohn Gottes. Der T\u00e4ufer lie\u00df Jesus aus dem Gef\u00e4ngnis zweifelnd fragen, ob er der verhei\u00dfene Messias sei. In seiner Antwort an den T\u00e4ufer spielte Jesus darauf an, dass der Messias Jes 35,5-6 zufolge nicht nur einzelne Heilungswunder tun w\u00fcrde, wie die Propheten vor ihm, sondern sehr viele. Der Messias sollte an der enormen F\u00fclle seiner Machttaten erkannt werden, die weit \u00fcber alles hinausging, was man aus den heiligen Schrift \u00fcber wundert\u00e4tige Propheten wusste. Eine Identifizierung Jesu als Messias w\u00e4re diesem biblischen Konzept zufolge ohne Wunder nicht m\u00f6glich gewesen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn32\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref32\">[32]<\/a> H. Conzelmann &amp; A. Lindemann, Arbeitsbuch zum NT 14. Auflage 2004, S. 3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn33\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref33\">[33]<\/a> Christian Schwarz in \u00a0<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Die-nat%C3%BCrliche-Gemeindeentwicklung-Prinzipien-Sch%C3%B6pfung\/dp\/3928093487\/ref=pd_sim_14_2?ie=UTF8&amp;psc=1&amp;refRID=XFF5X5G5BWCSXBHF7AMT\">\u201eNat\u00fcrliche Gemeindeentwicklung\u201c<\/a> 4. Auflage 2006, S. 25, in dem er die Ergebnisse seiner systematischen Untersuchung von 45.000 Gemeinden aus der ganzen Welt pr\u00e4sentiert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn34\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref34\">[34]<\/a> So schreibt Christoph Schmieding in seinem <a href=\"https:\/\/eulemagazin.de\/was-ist-eigentlich-post-evangelikal\/\">Artikel \u201eWas ist eigentlich \u201epost-evangelikal?\u201c<\/a>: \u201e<em>Das von Siegfried Zimmer initiierte Worthaus Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, moderne Bibelwissenschaft in die evangelikalen Biotope zu tragen \u2013 und das mit Erfolg!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn35\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref35\">[35]<\/a> J\u00fcrgen Mette in seiner <a href=\"https:\/\/www.pro-medienmagazin.de\/kommentar\/2018\/01\/30\/von-laemmern-leithammeln-und-schwarzen-schafen\/\">pro-Kolumne \u201eVon L\u00e4mmern, Leithammeln und schwarzen Schafen\u201c<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn36\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref36\">[36]<\/a> Dazu <a href=\"http:\/\/www.armin-baum.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/A.-D.-Baum-Eine-R%C3%BCckmeldung-an-Siegfried-Zimmer-Ichthys-46-2008-79-87.pdf\">schreibt Dr. Armin D. Baum<\/a>: <em>Im Unterschied zu dieser von ZIMMER bef\u00fcrworteten Hermeneutik geht ein evangelikales Schriftverst\u00e4ndnis von der Annahme aus, dass die Bibel \u2013 bei aller Unterschiedlichkeit der innerbiblischen Gespr\u00e4chsbeitr\u00e4ge \u2013 nicht nur in ihren zentralen Aussagen, sondern insgesamt eine theologische Einheit darstellt und als solche respektiert werden will.\u201c<\/em> Ichthys 46 (2008), S. 82-83<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn37\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref37\">[37]<\/a> <em>\u201eDie Krise des Schriftprinzips ist also immer auch eine Krise des Bekenntnisprinzips.\u201c<\/em>\u00a0Holger Lahayne 2016 in <a href=\"http:\/\/lahayne.lt\/2016\/01\/25\/sola-oder-solo-scriptura\/\">\u201eSolo oder sola scriptura<\/a>\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn38\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref38\">[38]<\/a> J. Gresham Machen \u201eChristentum und Liberalismus\u201c S. 129<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn39\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref39\">[39]<\/a> \u201eIst Jesus dem Glauben im Weg? <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-15239644.html\">SPIEGEL-Interview mit Prof. A. Lindemann vom 13.12.1999<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn40\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref40\">[40]<\/a> In <a href=\"https:\/\/bibelbund.de\/2014\/12\/geschichtsschreibung-wunder-und-der-christliche-glaube-eine-antwort-an-prof-lindemann\/\">\u201eGeschichtsschreibung, Wunder und der christliche Glaube: eine Antwort an Prof. Lindemann\u201c<\/a> in Bibel und Gemeinde 101, Band 1 (2001), S.30-37<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"_ftn41\"><\/a><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940#_ftnref41\">[41]<\/a> Aus der Urkunde \u00fcber das Ordinationsgel\u00fcbde der Nordelbischen Kirche: \u201e\u2026Er hat gelobt, [\u2026] das Evangelium von Jesus Christus zu predigen, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und im Bekenntnis unserer evangelisch-lutherischen Kirche bezeugt ist\u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Autor: Dr. Markus Till<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Blog-Beitrag von <strong><a href=\"http:\/\/biblipedia.de\/2018\/03\/14\/stolz-und-vorurteil-wie-wissenschaftlich-ist-die-bibelwissenschaft\/\">Debattenstarter <\/a><\/strong>erschien zuerst auf <strong><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/\">aufatmen in Gottes Gegenwart<\/a><\/strong> . Lies hier den Original-Artikel\u00a0&#8222;<strong><a href=\"http:\/\/blog.aigg.de\/?p=3940\">Debattenstarter: Stolz und Vorurteil? Wie wissenschaftlich ist die Bibelwissenschaft?<\/a><\/strong>&#8222;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was war der gr\u00f6\u00dfte Fehler Ihres Lebens?\u201c fragte der Journalist. Der alte Kunstkritiker lachte. \u201eAls ich einmal unser Kind im Kindergarten abholte baten mich die Betreuerinnen, einen Blick auf die gesammelten Kunstwerke des Kindergartens zu werfen. Leider fiel mir nicht auf, dass zwischen den Kinderbildern ein abstraktes Werk eines bekannten K\u00fcnstlers hing. 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