{"id":1526,"date":"2006-04-03T08:49:43","date_gmt":"2006-04-03T06:49:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1526"},"modified":"2009-09-07T13:06:46","modified_gmt":"2009-09-07T11:06:46","slug":"durfen-christen-auf-nachwuchs-verzichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1526","title":{"rendered":"D\u00fcrfen Christen auf Nachwuchs verzichten?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D\u00fcrfen Christen auf Nachwuchs verzichten? <\/strong><strong>Ehe, Kinder und Familie \u2013 in der Bibel, der katholischen und evangelischen Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bereitschaft, Kindern das Leben zu schenken und damit die nat\u00fcrliche Vorbedingung f\u00fcr eine menschenw\u00fcrdige Zukunft zu schaffen, hat auf keinem Kontinent so rapide abgenommen wie in Europa. Dieser Trend ist auch an Christen nicht spurlos vor\u00fcbergegangen. Aber steht es eigentlich im Belieben christlicher Ehepaare, ja oder Nein zu Kindern zu sagen? Oder stellt sich, wer ohne Not auf Nachwuchs verzichtet, gegen die Bibel? Diesen Fragen geht im folgenden Beitrag der evangelische Theologe Dr. Werner Neuer, Dozent f\u00fcr Systematische Theologie am Theologischen Seminar Chrischona (Bettingen bei Basel), nach. Er ist Vater von sieben Kindern.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts der katastrophalen demographischen Entwicklung besonders im deutschsprachigen Europa sollte ein ermutigendes Signal nicht \u00fcbersehen werden: Die Kinderzahl bei praktizierenden Christen liegt unserer Beobachtung nach deutlich \u00fcber dem statistischen Durchschnitt, und die Zahl kinderreicher Familien ist (von Muslimen abgesehen) bei ihnen signifikant h\u00f6her als in der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung. Offenbar geh\u00f6rt dies zu jener christlichen Kultur des Lebens, die Jesus Christus als \u201eBrot des Lebens\u201c (Joh 6,35) und als \u201eLeben\u201c in Person (Joh 10,25; 14,6) gestiftet hat: Er l\u00e4dt zu einem Leben in F\u00fclle ein (Joh 10,10). Die von ihm geschenkte Lebensf\u00fclle ist zwar weit mehr als das blo\u00dfe biologische Leben, aber sie verleiht auch dem kreat\u00fcrlichen Leben eine v\u00f6llig neue Qualit\u00e4t und hat daher auch positive Konsequenzen f\u00fcr die Bereitschaft, Kindern das Leben zu schenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kinderlos um Gottes willen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch ist nicht zu \u00fcbersehen, da\u00df die heute weit verbreitete Verh\u00fctungsmentalit\u00e4t l\u00e4ngst auch Christen ergriffen hat. Das wird daran besonders deutlich, da\u00df der durch die modernen Verh\u00fctungsmittel erm\u00f6glichte grunds\u00e4tzliche Verzicht auf Kinder inzwischen auch von christlichen Ehepaaren praktiziert wird &#8211; manchmal sogar ausdr\u00fccklich mit dem Motiv, dadurch f\u00fcr das Reich Gottes verf\u00fcgbarer zu sein. Nun kennt die Heilige Schrift zwar eine Ehelosigkeit um des Reiches Gottes willen. Aber eine freiwillig herbeigef\u00fchrte Kinderlosigkeit? Da stellt sich schon die Frage, ob ein solcher Verzicht \u00fcberhaupt mit dem christlichen Eheverst\u00e4ndnis vereinbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mehr Kinder, mehr Segen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die r\u00f6misch-katholische Kirche gibt darauf eine sehr klare Antwort. Bei einer katholischen Trauung werden die Brautleute vor der Einsegnung ausdr\u00fccklich gefragt: \u201eSeid ihr bereit, die Kinder, die Gott euch schenken will, anzunehmen und sie im Geiste Christi und seiner Kirche zu erziehen?\u201c Denn die Offenheit f\u00fcr Kinder geh\u00f6rt nach katholischem Verst\u00e4ndnis zur Voraussetzung einer christlichen Ehe. Um es mit den Worten des (katholischen) Weltkatechismus zu sagen (Nr.2630): Die eheliche Liebe steht \u201eunter der doppelten Forderung der Treue und der Fruchtbarkeit\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Agenden der deutschen evangelischen Landeskirchen findet sich in den Traufragen zwar kein ausdr\u00fccklicher Hinweis auf die Bereitschaft zum Kind. Aber es wird nach dem Willen gefragt, die Ehe nach Gottes \u201eGeboten\u201c bzw. unter seiner \u201eVerhei\u00dfung\u201c zu leben. Da die evangelischen Kirchen neben den altkirchlichen und reformatorischen Bekenntnissen die Bibel als letztg\u00fcltigen Ma\u00dfstab ihrer Lehre anerkennen, wird damit auf die speziell f\u00fcr die Ehe geltenden biblischen Gebote und Verhei\u00dfungen Bezug genommen. Die Bibel aber l\u00e4\u00dft keinen Zweifel daran, da\u00df das gottgewollte Ziel der Ehe nicht nur in der liebenden Erg\u00e4nzung (1Mo 2,18; Spr 31,10-31; Pred 9,9 u.\u00e4.) und im Einswerden von Frau und Mann besteht (1Mo 2,24; Mk 10,6-8; 1Kor 7,3-5; Eph 5,31), sondern auch in der Fortpflanzung. Der in der Sch\u00f6pfungsgeschichte an Mann und Frau ergehende Zuspruch Gottes \u201eSeid fruchtbar und mehret euch und f\u00fcllet die Erde!\u201c wird nach der Sintflut zweimal bekr\u00e4ftigt (1Mo 9,1.7) und hat die biblische Ethik nachhaltig bestimmt (vgl. 1Tim 2,15; 5,10.14). Im Gegensatz zu der heute verbreiteten Verh\u00fctungsmentalit\u00e4t wird die Fruchtbarkeit in der Bibel als Segensgabe des Sch\u00f6pfers au\u00dferordentlich positiv gew\u00fcrdigt (5Mo 7,13f; Hes 36,11 u.\u00e4.). Dementsprechend werden Kinder als \u201eGabe des Herrn\u201c (Ps 127,3) und sogar als Vorbild des Glaubens (Mt 18,2-4) hoch gesch\u00e4tzt &#8211; so hoch, da\u00df Kinderreichtum stets als besonderer Segen Gottes gewertet wird (1Mo 24,60; Ps 128,1.3; Hiob 43,12f).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Luthers Lust zum Kind<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reformatoren haben ganz im biblischen Sinne die Fortpflanzung als eine wesentliche und unverzichtbare Sinngebung der Ehe hervorgehoben. Luther hat in seiner Schrift \u201eVom ehelichen Leben\u201c betont, da\u00df Gottes Verhei\u00dfungswort \u201eSeid fruchtbar und mehret euch\u201c \u201emehr (sei) als ein Gebot, n\u00e4mlich ein g\u00f6ttlich Werk, das zu verhindern oder zu unterlassen nicht bei uns steht.\u201c Nach Luthers \u201eGro\u00dfem Katechismus\u201c will Gott durch die Ehe bewirken, da\u00df Mann und Frau \u201ezusammenhalten, fruchtbar seien und Kinder zeugen, ern\u00e4hren und aufziehen zu Gottes Ehre\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Auffassung der r\u00f6mischen Kirche, da\u00df zum christlichen Eheverst\u00e4ndnis die grunds\u00e4tzliche Bereitschaft zur Fortpflanzung geh\u00f6rt, ist also zutiefst biblisch und ebenso gut reformatorisch. Evangelische Christen, die ohne schwerwiegende (z.B. krankheitsbedingte) Gr\u00fcnde freiwillig auf Kinder verzichten, k\u00f6nnen sich daher weder auf die Heilige Schrift noch auf das reformatorische Ethos berufen. Eine an Gottes Willen orientierte Ehe darf die M\u00f6glichkeit von Kindern nicht eigenm\u00e4chtig ausschlie\u00dfen, wenn Gott die Zeugung und Erziehung von Kindern als wesentliches Ziel der Ehe vorgesehen hat. V\u00f6llig anders zu bewerten ist nat\u00fcrlich jede biologisch bedingte Unfruchtbarkeit, weil hier die Kinderlosigkeit von Gott selbst verf\u00fcgt ist. Eine solche F\u00fcgung darf der Glaubende im Vertrauen darauf annehmen, da\u00df Gott den Mangel an nat\u00fcrlichen Gaben auf andere Weise (z.B. durch Adoption oder soziale Aufgaben) zu kompensieren vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kinderlose Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kinder sind nach christlichem Verst\u00e4ndnis jedenfalls kein Verh\u00e4ngnis, vor dem man sich sch\u00fctzen mu\u00df. Sie sind auf vielf\u00e4ltigste Weise ein Segen: Ihre Art zu denken, zu lernen, die Welt zu betrachten, fordert Eltern heraus und l\u00e4\u00dft sie in ihrer Pers\u00f6nlichkeit reifen. Kinder k\u00f6nnen uns lehren, was Glauben und Vertrauen hei\u00dft. Kinder vermindern die Gefahr, da\u00df ein Paar in einen Ehe-Egoismus verf\u00e4llt, der nicht mehr \u00fcber den Rand der eigenen Beziehung hinaussieht. Kinder k\u00f6nnen Eltern dazu verhelfen, Liebe zu \u00fcben und zu lernen! Und Kinder sind in jeder Gesellschaft eine Sicherung f\u00fcr das Alter. Der Sozialstaat mit seinem umlagefinanzierten Rentensystem vertuscht zwar diesen Zusammenhang \u2013 aber die Folgen der Kinderarmut werden L\u00e4nder wie Deutschland, Japan oder China aufs bitterste zu sp\u00fcren bekommen. Ganze V\u00f6lker haben sich in erschreckendem Ma\u00df durch rigorose Verh\u00fctung und massenhafte Abtreibung um Gottes Segen gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Falsche Idealisierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun w\u00e4re es nat\u00fcrlich abwegig, das Ja zu Kindern in erster Linie als \u201ePflicht\u201c zu betrachten. Gerade die christliche Ethik wird daher bei der Frage der freiwilligen Kinderlosigkeit nicht in erster Linie die biblisch begr\u00fcndete Ablehnung betonen, sondern Gottes Liebe, die uns beschenken will: Gott m\u00f6chte die Lebensqualit\u00e4t der Ehe durch Kinder ja vertiefen und erh\u00f6hen \u2013 obwohl das Ja zum Kind f\u00fcr die Eltern eine lebenslange hohe Verantwortung und damit auch M\u00fchen bedeutet. Dies ohne falsche Idealisierung auch in einer kinderfeindlichen Gesellschaft zu bezeugen, ist heute die Aufgabe aller Christen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(Idea 3.4.2006)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcrfen Christen auf Nachwuchs verzichten? Ehe, Kinder und Familie \u2013 in der Bibel, der katholischen und evangelischen Kirche Die Bereitschaft, Kindern das Leben zu schenken und damit die nat\u00fcrliche Vorbedingung f\u00fcr eine menschenw\u00fcrdige Zukunft zu schaffen, hat auf keinem Kontinent so rapide abgenommen wie in Europa. Dieser Trend ist auch an Christen nicht spurlos vor\u00fcbergegangen. 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