{"id":15255,"date":"2018-01-12T15:49:55","date_gmt":"2018-01-12T14:49:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15255"},"modified":"2018-01-12T15:49:55","modified_gmt":"2018-01-12T14:49:55","slug":"erfuellt-die-lutherbibel-2017-die-an-sie-gesteckten-erwartungen-untersuchungen-zu-ausgewaehlten-bibelstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15255","title":{"rendered":"Erf\u00fcllt die Lutherbibel 2017 die an sie gesteckten Erwartungen? \u2013 Untersuchungen zu ausgew\u00e4hlten Bibelstellen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eBiblia\/Das ist\/Die gantze Heilige Schrifft: Deudsch\/Auffs new zugericht.\/D. Mart. Luth.\u201c, also die sogenannte \u201eLutherbibel\u201c, die 1545 in Wittenberg von Hans Lufft gedruckt worden ist, kann in ihrer Bedeutung f\u00fcr die evangelische Kirche wie f\u00fcr die deutsche Sprache nicht hoch genug gesch\u00e4tzt werden. Wenn zum Reformationsjubil\u00e4um eine revidierte \u201eLutherbibel 2017\u201c von der Deutschen Bibelgesellschaft ver\u00f6ffentlicht worden ist, darf nachgefragt werden, ob der Kirche damit ein Dienst am Evangelium erwiesen worden ist.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begr\u00fcndet wurde die Revision \u2013 urspr\u00fcnglich nur als Durchsicht der Lutherbibel 1984 geplant \u2013 vor allem mit der mangelhaften \u00dcbersetzung der sogenannten Apokryphen in den bisherigen Ausgaben. Was jedoch die neue Lutherbibel von ihrem Vorg\u00e4nger wahrnehmbar unterschei\u00addet, ist die verst\u00e4rkte Ber\u00fccksichtigung der \u00dcbersetzung von 1545.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00c4u\u00dferes und Formales<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um mit dem Positiven zu beginnen: Seit ihrem Erscheinen im Oktober 2016 sind bislang mehr als 400\u2009000 Exemplare der \u201eLutherbibel 2017\u201c verkauft worden \u2013 \u00f6konomisch f\u00fcr die <em>Deutsche Bibelgesellschaft<\/em> ein Erfolg, der auch deren bibelmissionarischen T\u00e4tigkeit zugutekommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin kann sich die neue Lutherbibel sehen lassen, hat doch Fried\u00adrich Forssman die Einbandgestaltung und die Innentypographie \u00fcbernommen. Forssman, einer der ma\u00dfgeblichen Typografen in Deutschland, versteht es, dem Bibeltext erlesene Buchstaben (Bloklands \u201eDocumenta\u201c) beizubringen. Au\u00dferdem besitzt die neue Lutherbibel gutes Kartenmaterial und einen soliden Anhang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Probleme fangen jedoch gleich im ersten Absatz des Vorworts an, wenn der Ratsvorsit\u00adzende der EKD, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford Strohm schreibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSie halten ein St\u00fcck Menschheitsgeschichte in der Hand. Die Texte, die Sie hier finden, sind in einem Zeitraum von etwa 1000 Jahren entstanden: Erz\u00e4hlungen vom Werden der Welt, von der Geschichte Gottes mit den Menschen und von den Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben. Gesetzestexte und Lieder. Gebete und Liebesgedichte. Briefe und Predigten. Reden und Visionen von einer neuen Welt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Stelle des g\u00f6ttlichen Wortschatzes sucht Bedford-Strohm die Bibel als religi\u00f6sen Erfah\u00adrungsschatz zur Geltung zu bringen. Wo man als Bibelleser sich nicht auf das g\u00f6ttliche Wort in Gesetz und Evangelium einlassen soll, sondern auf \u201egeschichtliche\u201c und damit je eigensin\u00adnige Gotteserfahrungen von Menschen, ist die Autorit\u00e4t der Heiligen Schrift in der Kirche preisgegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zur Textrevision<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun zum Text selbst. Der Anspruch der Revision ist es gewesen, \u00fcberall dort Luthers \u00dcber\u00adsetzung zu bewahren bzw. wiederherzustellen, wo diese philologisch korrekt und bis heute verst\u00e4ndlich geblieben ist. Dieser Anspruch ist freilich nicht immer eingehalten. So wird beispielsweise in Markus 1,14 Johannes der T\u00e4ufer \u2013 im Unterschied zu Luther 1984 \u2013 nicht gefangengesetzt, sondern mit Luther 1545 \u201e\u00fcberantwortet\u201c, was semantisch falsch und f\u00fcr Normalsterbliche nicht unbedingt verst\u00e4ndlich ist Johannes hat sich vor Herodes Agrippa nicht in einem Gerichtsprozess als Angeklagter zu verantworten \u2013 wie Jesus vor dem Syne\u00addrium \u2013, sondern soll in der Kerkerhaft mundtot gemacht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">David erscheint immer noch br\u00e4unlich (1Sam 16,12), obwohl das hebr\u00e4ische Adjektiv <em>admoni<\/em> wie bei Esau (1Mose 25,25) \u201er\u00f6tlich\u201c hei\u00dfen muss. Er spielt immer noch die Harfe (1Sam 16,16.23), obwohl <em>kinn\u00f4r<\/em> ein Lauteninstrument ist. Und im Himmel der Lutherbibel erklingen ebenfalls Harfen (Offb 5,8; vgl. Offb 14,2; 15,2), obwohl <em>kithara<\/em> (naheliegend) die Gitarre ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Missionsbefehl und Johannesprolog<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirklich anst\u00f6\u00dfig ist, dass Jesu Missionsbefehl (Mt 28,18-20) in der neuen Luther\u00adbibel keine J\u00fcnger mehr kennt. Stattdessen ist doppelte Belehrung angesagt, wenn es in Anlehnung an Luther 1545 hei\u00dft: \u201eMir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. [19]<em>\u00a0Darum gehet hin und lehret alle V\u00f6lker<\/em>: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes [20]\u00a0und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.\u201c Damit wird die Textfassung aus dem revidierten Luther-NT von 1956 \u201eDarum gehet hin und machet zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker\u201c zur\u00fcckgenommen, obwohl es in den anderen Standard\u00fcberset\u00adzungen wie Einheits\u00fcbersetzung, Elberfelder, Z\u00fcrcher sowie der englisch\u00adsprachigen NRSV von einem \u201eJ\u00fcnger-machen\u201c die Rede ist.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das diesbez\u00fcgliche griechische Verb <em>math\u0113teu\u014d<\/em> ist alles andere als ein gel\u00e4ufiges Wort. Der transitive Gebrauch geh\u00f6rt zur christlichen Sondersprache und ist in der gesamten antiken Literatur nur viermal belegt. Es bedeutet mehr als nur Wissenswertes zu \u201elehren\u201c, sondern bezieht sich auf ein verbindliches Lehr- und Lebensverh\u00e4ltnis, n\u00e4mlich das zwischen einem J\u00fcnger (<em>math\u0113t\u0113s<\/em>) und seinem Meister. Aufschlussreich ist, dass in Mt 27,57 sowohl die Vulgata wie auch Luther bez\u00fcglich Josef von Arimath\u00e4a die Passivform <em>emath\u0113teut\u0113<\/em> nicht als \u201ebelehrt worden sein\u201c, sondern als \u201eJ\u00fcnger sein\u201c (<em>discipulus esse<\/em>) \u00fcbersetzt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was \u201eJ\u00fcnger machen bzw. gewinnen\u201c beinhaltet, entfaltet Jesus in der nachfolgenden \u2013 eigentlich modal zu \u00fcbersetzenden \u2013 Partizipialkonstruktion, n\u00e4mlich \u201etaufen\u201c (v 19b) und \u201elehren\u201c (v 20a). Luther muss die durch seine \u00dcbersetzung von <em>math\u0113teusate<\/em> in Vers 19 entstandene Tautologie \u201eLehret alle V\u00f6lker, indem ihr lehrt\u201c aufl\u00f6sen. Er tut dies dadurch, indem er die Partizipialkonstruktion durch zwei Impera\u00adtive \u201etaufet\u201c bzw. \u201elehret\u201c parataktisch wiedergibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht in Jesu Missionsbefehl um einen bestimmten \u201eJ\u00fcnger-sein\u201c-Status von Menschen in Bezug auf Jesus selbst \u2013 in Entsprechung zu den elf J\u00fcngern (<em>math\u0113tai<\/em>), die auf dem Berg in Galil\u00e4a diesen Befehl selbst empfangen haben (v 16). Taufe auf Seinen Namen und Unterwei\u00adsung in Jesu Sinne sind beides Beziehungsgeschehen, die das \u201eJ\u00fcnger machen\u201c in die Tat umsetzen. Jesu Gegenwartszusage \u201eUnd siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende\u201c (Mt 28,20b) gilt damit sowohl f\u00fcr die elf J\u00fcnger auf dem Berg, wie auch f\u00fcr die neu hinzugewonnenen J\u00fcnger aus den V\u00f6lkern. Ohne ein \u201eJ\u00fcnger machen\u201c w\u00fcrde es hingegen eine bleibende Diskrepanz zwischen den elf \u201egelehrten\u201c J\u00fcngern und den \u00fcbrigen \u201ebelehrten\u201c Menschen geben. Ein missionarisches \u201eJ\u00fcngerschaftsverh\u00e4ltnis\u201c hingegen nimmt f\u00fcr Christen einen egalit\u00e4ren Charakter an und ist damit gerade nicht vormundschaftlich bestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in der neuen Lutherbibel hei\u00dft es eingangs des Prologs im Evangelium nach Johannes immer noch: \u201eIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.\u201c (Joh 1,1) Dieser Vers muss irritieren: Wie kann man mit jemandem zusammen sein, wenn man derselbe ist \u2013 das Wort mit Gott und zugleich Gott. Die Ursache f\u00fcr diese Konfusion ist schlicht die Auslassung des bestimmten Artikels in der deutschen \u00dcbersetzung. Martin Luther hat \u2013 wie so oft \u2013 eben nicht nach dem griechischen Urtext, sondern nach der lateinischen Vulgata \u00fcbersetzt (wo es ja keinen bestimmten Artikel gibt): \u201eIn principio erat Verbum et Verbum erat apud Deum et Deus erat Verbum.\u201c Dem griechischen Original zufolge muss die korrekte \u00dcbersetzung wie folgt lauten: \u201eIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei <em>dem<\/em> Gott, und das Wort war Gott.\u201c Das Objekt \u201edem Gott\u201d bezieht sich auf den himmlischen Vater, wo hingegen im dritten Satzteil \u201eGott\u201d als Gattungsname bzw. Pr\u00e4dikatsnomen gilt.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Folgerichtig wird das Wort (bzw. der Logos) als g\u00f6ttlich pr\u00e4diziert, was nichts anderes hei\u00dft, als dass es \u00fcber dieselben Wesenseigenschaften wie der Gott verf\u00fcgt. Trotz Wesenseinheit ist es jedoch nicht mit dem Vater identisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bu\u00dfe<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eines der eher verungl\u00fcckten W\u00f6rter des christlichen Wortschatzes ist im Deutschen das Verb \u201eb\u00fc\u00dfen\u201c (bzw. die \u201eBu\u00dfe\u201c). \u201eDas sollst Du mir b\u00fc\u00dfen\u201c hei\u00dft es, wenn es um Vergeltung geht. Dass das Wort \u201eBu\u00dfe\u201c bei uns einen schlechten Klang hat, verdankt sich dem kirchlichen Bu\u00dfverfahren des Mittelalters, bei dem es die in Bu\u00dfb\u00fcchern (<em>libri poenitentiales<\/em>) tariflich festgelegten Bu\u00dfstrafen zur eigenen Besserung abzuleisten galt. Etymologisch betrachtet kommt \u201eb\u00fc\u00dfen\u201c n\u00e4mlich von \u201ebessern\u201c. Wenn jedoch im griechischen Text der Bibel von <em>metanoia<\/em> bzw. <em>metanoe\u014d<\/em> die Rede ist, wird damit keine selbstbez\u00fcgliche \u201eBesserung\u201c, sondern eine lebensbeziehende Umkehr angesprochen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Wer umkehrt, wendet sich Christus bzw. dem Evangelium zu. Der Umkehrende ist einer, der auf seinen Glauben hin Vergebung empf\u00e4ngt und von Christus angenommen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der revidierten Lutherbibel von 2017 lautet Jesu galil\u00e4ischer Predigtruf (<em>metanoiete<\/em>) \u2013 mit Bezug auf die lateinische Wendung <em>poenitentiam agite<\/em> aus der Vulgata \u2013 immer noch luthergem\u00e4\u00df: \u201eTut Bu\u00dfe, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!\u201c (Mt 4,17) \u2013, im Unterschied zur Z\u00fcrcher Bibel bzw. zur Einheits\u00fcbersetzung: \u201eKehrt um!\u201c Interessanterweise hat gerade Martin Luther das Missverst\u00e4ndnis einer b\u00fc\u00dferischen Werkgerechtigkeit im lateinischen <em>poenitentiam agite<\/em> festgemacht, wenn er in seinem Brief an Johann von Staupitz vom 30. Mai 1518 schreibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDaran klammerte ich mich und wagte zu meinen, dass diejenigen im Irrtum seien, welche den Werken der Bu\u00dfe so viel beilegten, da\u00df sie uns von der Bu\u00dfe kaum etwas \u00fcbriglie\u00dfen au\u00dfer etwa den geringen Werken der Genugtuung und der \u00fcberaus beschwerlichen Beichte. Sie haben sich n\u00e4mlich durch das lateinische Wort \u00bbpoenitentiam agere\u00ab irreleiten lassen, was mehr nach einem Tun als einer \u00c4nderung des Sinnes klingt und dem griechischen metanoia in keiner Weise Gen\u00fcge tut.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Luther-\u00dcbersetzung von 1545 wird das Wort \u201eb\u00fcssen\u201c im urspr\u00fcng\u00adlichen Sinne als \u201ebessern\u201c verstanden, so wenn Sanballat, der Horoniter sowie Tobija, der ammonitische Knecht im Buch Nehemia in Erfahrung bringen m\u00fcssen, \u201edas die mauren zu Jerusalem zugemacht waren \/ vnd das sie die l\u00fccken angefangen hatten zu b\u00fcssen\u201c (Neh 4,7) oder aber \u00fcber die g\u00f6ttliche Wachtel-Speisung Israels in der W\u00fcste hei\u00dft: \u201eDa assen sie vnd wurden all zusat \/ Er lies sie jren Lust b\u00fcssen. Da sie nu jren lust geb\u00fcsset hatten \/ Vnd sie noch dauon assen.\u201c (Ps 78,29f) Folgerichtig taucht keine der urspr\u00fcnglichen Verwendungen des Wortes \u201eb\u00fc\u00dfen\u201c in den Revisionen der Lutherbibel nach 1912 auf. Allerdings wurde \u201eb\u00fc\u00dfen\u201c im Sinne von \u201evergolten werden\u201c in die Revision des Alten Testaments von 1964 (Spr 13,13; 30,10; Jes 24,6; Jer 31,19 sowie Sir 23,34) neu eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei drei der f\u00fcnf Stellen ist in der Lutherbibel 2017 das str\u00e4fliche B\u00fc\u00dfen beibehalten worden. In Spr\u00fcche 13,13 hei\u00dft es noch immer: \u201eWer das Wort verachtet, muss daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen\u201c, obwohl das hebr\u00e4ische <em>chabal<\/em> nichts mit \u201eb\u00fc\u00dfen\u201c im Sinne einer Besserungsstrafe zu tun hat und Luther 1545 \u201eWEr das wort veracht \/ Der verderbet sich selbs\u201c sachlich richtigliegt. \u00c4hnlich steht in Spr\u00fcche 30,10 mit Luther 1964 noch immer \u201eVerleumde nicht den Knecht bei seinem Herrn, dass er dir nicht fluche und du es b\u00fc\u00dfen musst\u201c (Luther 1545 \u201eVerrate den Knecht nicht gegen seinem Herrn \/ Er m\u00f6cht dir fluchen \/ vnd du die schuld tragen m\u00fcssest\u201c), sowie in Sirach 23,24 [34] \u201eEine solche Frau wird man der Gemeinde vorf\u00fchren, und ihre Kinder m\u00fcssen\u2019s b\u00fc\u00dfen.\u201c (Luther 1545 \u201eDiese wird man aus der Gemeine werffen \/ vnd jre Kinder m\u00fcssen jr entgelten.\u201c) Wo von einem str\u00e4flichen B\u00fc\u00dfen die Rede ist, widerspricht dies grundlegend der evangelischen Bu\u00dftheologie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Licht und Schatten<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der neuen Lutherbibel 2017 wird nunmehr Lukas 2,14 textkritisch korrekt \u00fcbersetzt: \u201eEhre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden bei den Menschen <em>seines<\/em> Wohlgefallens.\u201c Luther hatte ja \u00fcbersetzt: \u201eEhre sey Gott in der H\u00f6he \/ Vnd Friede auff Erden \/ Vnd den Menschen ein wolgefallen\u201c, was alle vormaligen Revisionen \u00fcberstanden hatte. Wenn man bei dem vertrautesten Text der Lutherbibel solch eine signifikante Korrektur \u00fcbernimmt, bleibt es unverst\u00e4ndlich, warum in Psalm 68,20 Luthers Fehl\u00fcbersetzung immer noch wiedergegeben wird: \u201eGelobt sei der Herr t\u00e4glich. <em>Gott legt uns eine Last auf<\/em>, aber er hilft uns auch. (GElobet sey der HERR teglich \/ Gott legt vns eine Last auff \/ Aber er hilfft vns auch)\u201c Richtig \u00fcbersetzt die revidierte Einheits\u00fcbersetzung 2017: \u201eGepriesen sei der Herr, Tag f\u00fcr Tag! <em>Gott tr\u00e4gt uns<\/em>, er ist unsere Rettung.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ja ein wesentlicher Unterschied, ob der Gott einem eine Last auferlegt oder aber einen selbst gnadenreich tr\u00e4gt. Dass Luther falsch \u00fcbersetzt und nicht einfach nur interpretiert hat, wissen alle. Und dass seine \u201ebelas\u00adtende\u201c Fehl\u00fcbersetzung in den Duktus eines Siegesliedes auf Gottes Herrschaft nicht passen kann, ist offensichtlich. Und doch hat man bei der aktu\u00adellen Revision bewusst an der Fehl\u00fcbersetzung festgehalten und als Fu\u00dfnote hinzugef\u00fcgt: \u201eW\u00f6rtlich: \u00bbder unsere Last tr\u00e4gt, der uns hilft\u00ab.\u201c Offensichtlich wollte man sich in der neuen Lutherbibel eine sprichw\u00f6rtliche Kernstelle frommer Gottergebenheit bewahren. Aber genau damit wird der eigene \u00dcbersetzungsanspruch zur semantischen Manipulation, womit die Autorit\u00e4t der Heiligen Schrift in Frage gestellt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl die revidierte Lutherbibel zahlreiche sprachliche Verbesserungen aufweist, ist sie f\u00fcr mich unbefriedigend. Die Sicherung eines protestantischen Kulturguts \u201eLutherbibel\u201c mit einem bildungsb\u00fcrgerlich vertrauten \u201eLuther-Sound\u201c geht nicht wirklich mit den Anspr\u00fcchen gottesdienstlicher Verst\u00e4ndlichkeit sowie philologischer Zuverl\u00e4ssigkeit zusammen. In diesem Sinne ist gerade die Z\u00fcrcher Bibel von 2007 als wirkliche Neu\u00fcbersetzung der neuen Lutherbibel \u00fcberlegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Kirche Jesu Christi, die aus Seinem Wort lebt und es dazu auch muttersprachgerecht verstehen muss, darf es jedenfalls keinen Denkmalschutz in Sachen Bibel\u00fcbersetzung geben. Ich frage mich, wie lange sich diese \u201eLutherbibel\u201c in der evangelischen Kirche und insbesondere im Gottesdienst halten wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Dr. Jochen Teuffel, V\u00f6hringen<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. dazu Johannes Zimmermann, Zwei Mal \u00bbLehren\u00ab? Ein Widerspruch zu Wolfgang Reinbolds Auslegung von Mt 28,19; ZThK 114, Heft 2, Juni 2017, 138-148.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Darauf hat schon Origenes in seinem Kommentar zum Johannesevangelium (II,2) hingewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Helmut Merklein, Art. <em>metanoia<\/em>\/<em>metanoe\u014d<\/em>, EWNT 2, Sp. 1022-1031; Julius Schniewind, Was verstand Jesus unter Umkehr?, in: Ders., Geistliche Erneuerung (G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 1981), 24-38.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> WA 1, 526,10-14; deutsche \u00dcbersetzung nach Luther Deutsch. Die Werke Luthers in Auswahl, hg. v. Kurt Aland, Bd. 2: Der Reformator, G\u00f6ttingen \u00b21981, 29.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201eBiblia\/Das ist\/Die gantze Heilige Schrifft: Deudsch\/Auffs new zugericht.\/D. Mart. Luth.\u201c, also die sogenannte \u201eLutherbibel\u201c, die 1545 in Wittenberg von Hans Lufft gedruckt worden ist, kann in ihrer Bedeutung f\u00fcr die evangelische Kirche wie f\u00fcr die deutsche Sprache nicht hoch genug gesch\u00e4tzt werden. 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