{"id":1523,"date":"2006-08-20T17:30:38","date_gmt":"2006-08-20T15:30:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1523"},"modified":"2009-09-07T10:53:17","modified_gmt":"2009-09-07T08:53:17","slug":"predigt-zum-10-sonntag-n-trin-uber-romer-91-5-101-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1523","title":{"rendered":"Predigt zum Israelsonntag"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigt zum 10. Sonntag n. Trin.<br \/>\n\u00fcber R\u00f6mer 9,1-5; 10,1-4 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich sage die Wahrheit in Christus und l\u00fcge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im Heiligen Geist, da\u00df ich gro\u00dfe Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterla\u00df in meinem Herzen habe. Ich selber w\u00fcnschte, verflucht und von Christus getrennt zu sein f\u00fcr meine Br\u00fcder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch, die Israeliten sind, denen die Kindschaft geh\u00f6rt und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verhei\u00dfungen, denen auch die V\u00e4ter geh\u00f6ren, und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott \u00fcber alles, gelobt in Ewigkeit. Amen.<br \/>\nLiebe Br\u00fcder, meines Herzens Wunsch ist, und ich flehe auch zu Gott f\u00fcr sie, da\u00df sie gerettet werden. Denn ich bezeuge ihnen, da\u00df sie Eifer f\u00fcr Gott haben, aber ohne Einsicht. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und suchen ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan. Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.<\/em> <!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Sonntag begeht die Kirche als Israelsonntag. Es geht um unser Verh\u00e4ltnis zu Israel, zum Judentum. Dieses Verh\u00e4ltnis ist belastet, leider. Daf\u00fcr gibt es viele Gr\u00fcnde, ungef\u00e4hr sechs Millionen. Wir haben aus dem, was geschehen ist, gelernt. Wir stehen dazu. Wenn auch manch einer mit sechzig Jahren Versp\u00e4tung. Wir haben das \u201enie wieder Auschwitz!\u201c verinnerlicht. Und wir achten drauf, da\u00df die braune Bande nie wieder hochkommt bei uns. In Wunsiedel darf nicht demonstriert werden am Todestag des F\u00fchrerstellvertreters. Um die rechten Umtriebe k\u00fcmmern sich Polizei und Verfassungsschutz. Und das ist gut so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und trotzdem bin ich in Sorge. Die neuen Antisemiten werden auch bei uns mit Samthandschuhen angefa\u00dft. Die in Teheran zum Beispiel. Der iranische Pr\u00e4sident redet offen davon, da\u00df Israel von der Landkarte radiert geh\u00f6rt. So hatte auch Hitler geredet, bevor er seine Worte in die Tat umgesetzt hat. Die Menschen in Israel haben daraus gelernt. Ein Jude schrieb dieser Tage, sein Vater habe ihm folgendes ans Herz gelegt: \u201eWenn einer sagt, er wolle dich vernichten \u2013 h\u00f6r auf ihn!\u201c Ein weiser Rat! Und so hat es Israel ernst genommen, als Raketen eingeschlagen sind \u2013 600 allein nach der R\u00e4umung des Gaza-Streifens \u2013, als Soldaten ermordet und gekidnappt worden sind. Israel hat sich gewehrt, und prompt hat sich die \u00f6ffentliche Meinung gegen dieses Land gewendet. Auch vielfach bei uns. Die Aggressoren wurden zu Opfern erkl\u00e4rt und die Opfer zu T\u00e4tern. Nat\u00fcrlich sind die zivilen Opfer im Libanon entsetzlich. Aber eine Terrororganisation, die ihre Stalinorgeln bewu\u00dft aus Wohnsiedlungen heraus abfeuert, hat diese Opfer damit bewu\u00dft provoziert. Um sie dann propagandistisch auszuschlachten. Und viele bei uns sind dieser Propaganda auf den Leim gegangen. Es hat bei uns in Deutschland keine Demonstrationen gegeben gegen den Terror von Hamas und Hisbollah. Aber Demonstrationen gegen Israel. Blau\u00e4ugige Linke sind in Berlin eintr\u00e4chtig mit Leuten marschiert, die mit Terroristen sympathisieren und Israel ausgel\u00f6scht sehen wollen. F\u00fcr manche braven Antifaschisten ist offensichtlich nur der Jude gut, der gehorsam in den Viehwaggon nach Auschwitz steigt. Der Jude, der sich verzweifelt seiner Haut wehrt, ist f\u00fcr sie ein Aggressor. Verstehen Sie, da\u00df ich mir wieder Sorgen um Deutschland mache?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber lassen wir die Politik! W\u00fcnschen wir Israel und seinen Nachbarn Frieden und der internationalen Nahostpolitik Erfolg, und kommen wir zur Theologie. Wie sieht Paulus das Verh\u00e4ltnis zwischen Christen und Israeliten? Als ungeheuer leidvoll. Paulus beteuert, da\u00df er gro\u00dfe Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterla\u00df in seinem Herzen tr\u00e4gt, wenn er an Israel denkt. An sein Volk und an seine Verwandten. Denn zwischen Kirche und Synagoge, zwischen Judentum und Christentum ist ein gro\u00dfer Ri\u00df. Trotz gemeinsamer Glaubensinhalte, trotz der gemeinsamen Vergangenheit. Wo dieser Ri\u00df genau verl\u00e4uft, das hat ein gro\u00dfer j\u00fcdischer Theologe genial auf den Punkt gebracht: \u201eDer Glaube Jesu verbindet uns. Der Glaube an Jesus trennt uns!\u201c So ist es. Der Glaube Jesu verbindet uns mit Israel. Paulus z\u00e4hlt hier auf, was Israel von Gott hat: Die Kindschaft und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verhei\u00dfungen geh\u00f6ren Israel. Und Israel geh\u00f6ren auch die V\u00e4ter, und aus diesem Volk kommt auch Christus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben uns das alles dankbar angeeignet. Wir bezeichnen uns als Gottes Kinder. Und wir lesen im Gottesdienst aus Israels Bibel. Aus derselben Bibel, die Jesus gelesen hat. Unsere Rechtsordnung beruht nicht auf finsteren Blutrachepraktiken, sondern auf den Zehn Geboten, die Gott Israel gegeben hatte. Unsere Kinder wachsen nicht mit den Geschichten von Siegfried und Hagen auf, sondern mit denen von Adam und Eva, Abraham und Isaak, David und Goliath. Und wenn bei uns jemand dunkle Stunden erleben mu\u00df, betet er den 23. Psalm, der Herr ist mein Hirte, statt Beschw\u00f6rungen an Donar zu murmeln. Und das ist gut so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Glaube Jesu verbindet uns. Wir glauben an denselben Sch\u00f6pfer und Vater, lesen die gleiche Bibel, beten dieselben Psalmen und beachten dieselben Gebote. Hebr\u00e4ische Worte wie Amen und Halleluja sind in unsere Sprache aufgenommen worden. Warum dann dieser schmerzhafte Ri\u00df zwischen Juden und Christen? Der Glaube an Jesus trennt uns. Da\u00df wir den Juden Jesus von Nazareth als den versprochenen Messias betrachten, ja, sogar als Sohn Gottes, das trennt uns von Israel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnte man diesen frommen Bruderzwist nicht beilegen? So fragen viele. Es w\u00e4re einfach: Wir m\u00fc\u00dften uns lediglich darauf einigen, an den einen Gott zu glauben, den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde. Ihn mit Jesus als Vater anreden und nach seinem Willen handeln. Das Judentum m\u00fc\u00dfte nur noch Jesus als frommen Rabbiner und Schriftausleger anerkennen. Das fiele ihnen leicht. Und wir Christen m\u00fc\u00dften nur anfangen, vom lieben Gott zu sprechen, statt immer von Jesus zu reden. Warum wir zu Jesus beten, wenn wir doch schon den Herrgott haben, das verstehen sowieso viele Leute, die sich als Christen betrachten, schon lange nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So einfach k\u00f6nnten wir die zwei alten Weltreligionen zusammenschmei\u00dfen! Das Christentum w\u00e4re dann die liberale Variante des Judentums oder das Judentum ein etwas traditionalistischer Zweig des Christentums. Und was spr\u00e4che dagegen, gleich noch den Islam mit ins Boot zu nehmen? Die glauben ja auch an den einen Gott. Sie stammen auch von Abraham ab, und selbst Jesus erkennen sie als Propheten an. Seit Gotthold Ephraim Lessing im 18. Jahrhundert behauptet hat, Christentum, Judentum und Islam seien im Grunde gleich wahr, sind wir doch f\u00fcr solche Gedanken offen. Wenn wir sie in die Tat umsetzen k\u00f6nnten, w\u00e4re der Nahostkonflikt entsch\u00e4rft. Und wahrscheinlich w\u00fcrde auch das Benzin wieder billiger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie wissen, da\u00df ich von solchen Ideen nichts halte. Aber sie sind in Mode zur Zeit. Dem Judentum wird von manchen Landeskirchen ein eigener Weg zu Gott zugestanden. Mission unter Juden ist verboten. Und auf evangelischen Kirchentagen werden keine Judenchristen eingeladen, die behaupten, sie h\u00e4tten in Jesus Christus Gott kennengelernt. Und auch mit Moslems gibt es schon seit einiger Zeit gemeinsame Gebete. Vor wenigen Wochen wurde von einigen Theologen aus unserer Kirche ein sogenannter Appell aus Baden ver\u00f6ffentlicht. Darin wird gefordert, eine \u00d6kumene der Religionen herzustellen \u2013 um des Weltfriedens willen. Als ersten Schritt solle man als Kirche auf Wahrheitsanspr\u00fcche und Missionierungsversuche gegen\u00fcber Moslems verzichten. Das k\u00f6nnte man tun, in der Tat, wenn dem nicht ein Grund entgegenst\u00fcnde. Ein einziger, aber schwerwiegender Grund. N\u00e4mlich der Mann aus Nazareth selbst. Der hat n\u00e4mlich nicht gesagt: Leute, ich bin ein Rabbiner, der euch die Heilige Schrift besonders gr\u00fcndlich erkl\u00e4rt! Er hat nicht gesagt: Ich bin der erste neue Mann! Oder: Ich bin ein Religionsstifter, Morallehrer oder sonstwas. Jesus hat gesagt: Ich bin der Sohn Gottes. Mehr noch. Er hat gesagt: Wer mich sieht, sieht den Vater. Ich und der Vater sind eins. Jesus hat gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und er hat gesagt: Keiner kommt zum Vater au\u00dfer durch mich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat nicht an Versuchen gefehlt, zu erkl\u00e4ren, da\u00df Jesus so was nie gesagt h\u00e4tte. Erst seine J\u00fcnger h\u00e4tten ihn in ihrer Begeisterung zum Gottessohn hochstilisiert. Aber wenn Jesus nur ein besonderer Schriftgelehrter und Wunderheiler gewesen w\u00e4re, dann h\u00e4tte niemand bei Pilatus seine Kreuzigung beantragt. Dann h\u00e4tte Paulus selbst seine Anh\u00e4nger nicht so wutentbrannt verfolgt. Und jetzt bezeugt er es selbst: Er glaubt an Christus, der nach dem Fleisch, wir w\u00fcrden sagen: genetisch, von Israel herkommt, und der Gott \u00fcber alles ist! Der Glaube an Jesus als blo\u00dfes Vorbild ist zu d\u00fcnn. Nur seinen Glauben zu teilen und ihm nachzufolgen und nach seinem Vorbild zu handeln, das geht nicht. Oder k\u00f6nnen Sie auf dem Wasser gehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, als Christen glauben wir daran, da\u00df in Jesus Gott selbst zu uns gekommen ist, um uns von dem Diktat von Gottesferne, Schuld und Tod zu befreien. Dieser Glaube macht einen Christen aus. Und der trennt uns in der Tat von anderen Religionen. F\u00fcr kluge Leute ist er eine Torheit, f\u00fcr Juden ein \u00c4rgernis und f\u00fcr einen strammen Islamisten ein todesw\u00fcrdiges Vergehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Glaube an Jesus trennt uns, wird von j\u00fcdischer Seite bekannt. Aber von derselben Seite kommen auch hoffnungsvollere T\u00f6ne: Ihr Christen wartet auf den wiederkommenden Christus. Wir Juden warten auf den kommenden Messias. Wenn er kommen wird, werden wir bemerken, da\u00df er derselbe ist. Ja, so wird es sein. Nein, mehr noch. Paulus sagt voraus, da\u00df Israel noch vorher zum Glauben an Christus kommen wird. Aber noch besteht der Ri\u00df. Und wie sollen wir uns solange verhalten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberheblichkeit, christlicher Antijudaismus und Feindschaft sind falsch. Das hat schon Katastrophen genug verursacht. Den Glauben an Christus diskret wieder einzuziehen und ihn, zumindest gegen\u00fcber Israel, r\u00fccksichtsvoll zu verschweigen, w\u00e4re ebenso verkehrt. Paulus macht es uns vor: Er verschweigt seinen Glauben an Christus nicht. Und er steht dankbar zu seinem j\u00fcdischen Erbe. Aber was ihn am meisten umtreibt, ist die Liebe. Der Ri\u00df zwischen Kirche und Synagoge erf\u00fcllt ihn mit Trauer und Schmerz. Am liebsten w\u00fcrde er seine eigene Seligkeit f\u00fcr seine j\u00fcdischen Geschwister opfern, verflucht und von Christus getrennt sein, wenn ihnen das helfen k\u00f6nnte. Das ist nicht die Sprache der \u00dcberheblichkeit. Das ist bedingungslose Liebe. Aber es w\u00fcrde Israel nichts n\u00fctzen, wenn sich Paulus f\u00fcr sein Volk opfern w\u00fcrde.Ein anderer hat sich f\u00fcr Israel geopfert, Christus selbst. Und in dem Augenblick, wenn Israel das erkennen wird, wird alles gut werden. Und weil Paulus wei\u00df, da\u00df dieser Tag kommen wird, kann er in allem Schmerz zuversichtlich sein. Bis es soweit ist, fleht Paulus zu Gott, da\u00df sie gerettet werden. Und in dieses Gebet sollen wir als Christen einstimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Satz, den Paulus \u00fcber Israel schreibt, ist mir noch wichtig geworden: Denn ich bezeuge ihnen, da\u00df sie Eifer f\u00fcr Gott haben, aber ohne Einsicht! Wie erkl\u00e4re ich das? Wenn ich von Punkt A nach Punkt B will, also zum Beispiel von Arlen nach Bohlingen, dann mu\u00df ich zwei Dinge tun: Ich mu\u00df die Richtung kennen. Und ich mu\u00df marschieren. Auch wenn ich ganz genau wei\u00df, wo es langgeht: wenn ich nicht loslaufe, komme ich nie ans Ziel. Und wenn ich die falsche Richtung einschlage, dann kann ich so z\u00fcgig marschieren wie ich will, ich komme auch nicht an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und mit dem Glauben ist es genauso. Ich mu\u00df wissen, was ich glaube. Und ich mu\u00df meinen Glauben leben. Er mu\u00df mein Denken und Handeln bestimmen. Ich kann die Bibel in- und auswendig kennen, dazu die Bekenntnisschriften und die ganze evangelische Dogmatik korrekt rauf und runter aufsagen k\u00f6nnen \u2013 wenn ich meinen Glauben nicht lebe, komme ich nicht ans Ziel. Wir m\u00fcssen im Glauben in Bewegung kommen, sonst kommen wir nicht ans Ziel: Auf Gottes Wort h\u00f6ren und danach leben. Den Kontakt mit Gott im Gebet suchen. Die Gemeinschaft mit anderen Christen pflegen und zum Abendmahl kommen. Meinen Feinden vergeben. Meinen Mitmenschen t\u00e4tige N\u00e4chstenliebe zuwenden und so weiter. Das ist die Praxis des Glaubens. Der Eifer, wie Paulus hier schreibt. Glauben ohne solchen Eifer f\u00fchrt zu toter Rechtgl\u00e4ubigkeit. Und das ist fatal. Wirklicher Glaube f\u00fchrt zur Aktivit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber ebenso fatal ist es, wenn diese fromme Aktivit\u00e4t da ist, aber in die falsche Richtung geht. Eifer f\u00fcr Gott ohne Einsicht nennt Paulus das. So was endet in Fanatismus und Irrlehre, in Schw\u00e4rmerei und Lieblosigkeit. Solchen Eifer ohne Einsicht attestiert Paulus hier seinen Zeitgenossen j\u00fcdischen Glaubens. Paulus wei\u00df, wovon er redet. Dieser blinde Eifer f\u00fcr Gott hatte ihn einmal selbst zum Christenverfolger werden lassen. Ich bin sicher: uns allen w\u00fcrden Beispiele f\u00fcr solchen falschen Glaubenseifer einfallen. Geschichten von Menschen, die man wegen ihrer Konsequenz bewundern k\u00f6nnte. Aber ihr Glauben geht in die falsche Richtung und bringt deshalb keine guten Fr\u00fcchte. Denken wir an die Zeugin Jehovas, die, weil sie das Alte Testament falsch versteht, eine Bluttransfusion f\u00fcr sich ablehnt und bei einer Operation stirbt. Denken wir an einen \u00fcberzeugten Islamisten, der meint, er m\u00fcsse die verletzte Ehre Gottes verteidigen. Er sprengt sich mit einem Flugzeug in die Luft. Der Mann setzt sein Leben f\u00fcr Gott ein \u2013 aber wir bewundern ihn daf\u00fcr nicht. Das sind Extrembeispiele f\u00fcr Eifer ohne Einsicht. Es gibt harmlosere, aber auch die f\u00fchren nicht zum Ziel. Eine engagierte Religiosit\u00e4t, die sich nicht auf Christus richtet, die an der Schrift vorbei oder \u00fcber sie hinausgeht und die nicht von der Liebe inspiriert ist, ist falscher Eifer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sehen beides: Leute mit einer ungeheuren Religiosit\u00e4t, bei denen wir geneigt sind zu sagen: Mann, hat der einen Glauben! Aber leider ist dieser Glaube verkehrt. Und wir sehen auf der anderen Seite Menschen, die wissen, worum es geht. Aber dieser Glaube setzt sie nicht in Bewegung. Zu dieser Fraktion z\u00e4hle ich mich oft genug selbst. Und denen m\u00f6chte man was w\u00fcnschen von dem disziplinierten, regelm\u00e4\u00dfigen Gebet der Moslems. Von dem Eifer der Zeugen Jehovas, anderen ihren Glauben mitzuteilen. Oder von dem unbeirrbaren Glauben eines langj\u00e4hrigen Lottospielers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich flehe zu Gott f\u00fcr sie, da\u00df sie gerettet werden, schreibt Paulus im Blick auf Israel. Diesem Gebet sollten wir uns anschlie\u00dfen. Wir wollen Gott bitten, da\u00df er die Christen in seiner Wahrheit erh\u00e4lt und immer tiefer hineinf\u00fchrt. Und da\u00df er den Glauben, die Liebe und die Hoffnung in uns wachsen l\u00e4\u00dft und uns immer mehr nach dem Bild Christi umgestaltet. Und wir wollen bitten, da\u00df er noch viele Menschen aus allen L\u00e4ndern und Religionen zu Jesus Christus ruft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigt zum 10. Sonntag n. Trin. \u00fcber R\u00f6mer 9,1-5; 10,1-4 Ich sage die Wahrheit in Christus und l\u00fcge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im Heiligen Geist, da\u00df ich gro\u00dfe Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterla\u00df in meinem Herzen habe. 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