{"id":15047,"date":"2017-11-01T11:10:00","date_gmt":"2017-11-01T10:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15047"},"modified":"2017-11-01T11:10:00","modified_gmt":"2017-11-01T10:10:00","slug":"500-jaehriges-reformationsjubilaeum-aber-nur-wenig-grund-zum-feiern-sechs-thesen-zum-31-oktober-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15047","title":{"rendered":"500-j\u00e4hriges Reformationsjubil\u00e4um \u2013 aber nur wenig Grund zum Feiern! &#8211; Sechs Thesen zum 31. Oktober 2017"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die 95 Thesen von Martin Luther waren im Herbst 1517 die Initialz\u00fcndung zur Reformation. An entscheidenden Punkten hatte sich die damalige katholische Kirche vom biblischen Zeugnis entfernt. 500 Jahre sp\u00e4ter m\u00fcssen wir feststellen, dass in der Kirche der Reformation erneut elementare biblische Wahrheiten in Frage gestellt werden. Eine christliche Kirche jedoch, die diese Wahrheiten aufgibt oder sie aufweicht, beraubt sich ihrer urspr\u00fcnglichen Kraft und Identit\u00e4t. Eine durchgreifende Reformation unserer Kirche erscheint deshalb fast noch dringlicher als vor 500 Jahren. Wir laden dazu ein, die folgenden Thesen zum 31. Oktober 2017 in den Gemeinden, in den Kirchenbezirken und auf der Leitungsebene unserer Kirche zu diskutieren:<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>These 1:<\/strong> Es entspricht nicht der biblischen Wahrheit, sofern in unserer Kirche gelehrt wird, dass es neben Jesus Christus noch andere Wege zum Heil und zur Erl\u00f6sung gibt. Kernpunkt der biblischen Lehre ist vielmehr: In Jesus von Nazareth ist der ewige Gott Mensch geworden. Durch seinen stellvertretenden Tod am Kreuz und durch das Wunder seiner Auferstehung ist Jesus Christus einzigartig unter allen Religionsstiftern. Allein an ihm entscheidet sich das Heil aller Menschen. Das ist der konfessions\u00fcbergreifende Kern der christlichen Botschaft. Eine Kirche, die diese Wahrheit aufgibt, verliert ihre \u00dcberzeugungskraft und sondert sich von der Gemeinschaft mit den anderen Kirchen ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>These 2:<\/strong> Wir sehen mit gro\u00dfer Sorge, dass in vielen Predigten und Beerdigungsansprachen gelehrt wird, dass den Menschen auch ohne Vertrauen auf Jesus Christus das Heil Gottes gelte und sie im \u201eletzten Gericht\u201c deshalb nicht verloren gehen k\u00f6nnen. Die Gnade Gottes wird dabei so gro\u00df gemacht, dass der Glaube, der das Heil in Jesus Christus ergreift, letztlich belanglos wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein zentrales Anliegen der Reformation war es dagegen, dass das angebotene Heil in Jesus Christus durch den Glauben ergriffen werden muss. Menschen, die diesen Glauben ablehnen, bleiben unter dem Gericht Gottes. Wer diese Wahrheit heute nicht mehr predigt und lehrt, wiegt die Menschen in einer tr\u00fcgerischen Sicherheit. Die Einladung zum Glauben an Jesus Christus geh\u00f6rt deshalb zur Kernaufgabe einer jeden christlichen Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>These 3:<\/strong> Wir sehen mit gro\u00dfer Sorge, dass Jesus Christus in unserer Kirche weithin lediglich als bedeutender Mensch angesehen wird, der seinen Glauben an Gott in au\u00dfergew\u00f6hnlich inniger Weise lebte. Viele der Wunder Jesu bis hin zu seiner Auferstehung werden in der theologischen Wissenschaft oft nur noch als nachtr\u00e4gliche \u201eErfindungen\u201c der ersten Christen verstanden, um die Bedeutsamkeit seiner Botschaft zu unterstreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis der J\u00fcnger Jesu und ihres Glaubens war es dagegen entscheidend, dass sie Augenzeugen von au\u00dfergew\u00f6hnlichen Taten wurden, die kein gew\u00f6hnlicher Mensch vollbringen kann. Somit sind die Wunder Jesu ein starker Hinweis f\u00fcr seine Einzigartigkeit. Wer seine g\u00f6ttliche Herkunft und seine bleibende Gottessohnschaft leugnet, raubt ihm die Ehre und das Lob, das ihm geb\u00fchrt, und stellt die Rettungstat Jesu Christi in Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>These 4:<\/strong> Es widerspricht in eklatanter Weise dem Selbstverst\u00e4ndnis der Heiligen Schrift, wenn in der theologischen Wissenschaft gelehrt wird, die Texte der Bibel seien ausschlie\u00dflich subjektive \u00c4u\u00dferungen der Glaubenden jener Zeit \u00fcber ihre Erfahrungen mit Gott. Wir sehen mit gro\u00dfer Sorge, dass selbst zentrale biblische Gebote lediglich als das Ergebnis eines rein innerweltlichen Denk- und Traditionsprozesses angesehen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Reformatoren war die Heilige Schrift dagegen gerade deshalb so einzigartig, weil Gott sich den Menschen der Bibel auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Weise offenbart und ihnen seine unbegrenzte Macht und unvergleichliche Liebe gezeigt hat. Dabei hat Gott ihnen Wahrheiten \u00fcbermittelt, die sie aus sich selbst und aus ihrem eigenen Denken heraus niemals h\u00e4tten wissen k\u00f6nnen. Durch diesen geheimnisvollen Vorgang der Offenbarung sind Gottes Wort und menschliche Worte in der Bibel untrennbar verbunden. Eine Kirche, die den g\u00f6ttlichen Ursprung der biblischen Wahrheiten und Gebote verneint, ist nicht mehr in der Lage, den Geist Gottes vom Zeitgeist zu unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>These 5:<\/strong> Es widerspricht dem biblischen Zeugnis, sofern in der Kirche gelehrt wird, es k\u00f6nne in der heutigen Zeit des Subjektivismus keine allgemeing\u00fcltigen Wahrheiten mehr geben. Es ist irref\u00fchrend, sofern in der Kirche gelehrt wird, das \u201emoderne Wahrheitsbewusstsein\u201c sei ma\u00dfgeblich auch f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Interpretation der Bibel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dagegen war es ein gro\u00dfes Anliegen der Reformatoren, dass sich alles Nachdenken in der Theologie immer wieder an der Offenbarung Gottes orientieren und sich stets von dort her korrigieren lassen muss. Die Zuverl\u00e4ssigkeit der biblischen Aussagen und ihre zeit\u00fcbergreifende G\u00fcltigkeit gr\u00fcndet allein darin, dass wir Gottes Willen darin erkennen, Gottes Weisheit und seine F\u00fcrsorge f\u00fcr die Menschen. Eine Kirche, die von dieser Wahrheit abweicht, gibt letzten Endes sich selber auf. Wer behauptet, nicht mehr hinter die philosophische Tradition der \u201eAufkl\u00e4rung\u201c zur\u00fcckgehen zu k\u00f6nnen, erkl\u00e4rt eine zuf\u00e4llige zeitgeschichtliche Entwicklung f\u00fcr absolut und misst ihr den Wert einer allgemeing\u00fcltigen Wahrheit zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>These 6<\/strong>: Wir sehen mit gro\u00dfer Sorge, dass die Offenbarung Gottes als au\u00dfergew\u00f6hnliches Eingreifen in diese Welt in der historisch-kritischen Bibelwissenschaft meistens schon von vorneherein ausgeschlossen wird. Mit einem Handstreich wird die Heilige Schrift damit ihres g\u00f6ttlichen Ursprungs beraubt und auf die Ebene rein menschlicher Reflexionen reduziert. Es ist der Besonderheit der Heiligen Schrift in keiner Weise angemessen, wenn von der theologischen Wissenschaft gefordert wird, man m\u00fcsse sie mit den gleichen Methoden bearbeiten wie alle anderen historischen Texte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angemessener w\u00e4re vielmehr: Die Ma\u00dfst\u00e4be und Kriterien f\u00fcr eine sachgerechte Auslegung der Heiligen Schrift k\u00f6nnen allein aus ihr selbst gewonnen werden und d\u00fcrfen nicht von au\u00dfen an sie herangetragen werden. Es ist an der Zeit, dass die Monopolstellung der historisch-kritischen Bibelauslegung innerhalb der theologischen Ausbildung und Forschung \u00fcberwunden wird. Alternative Auslegungsmethoden m\u00fcssen zugelassen werden, die der Bibel angemessener, aber dadurch nicht weniger wissenschaftlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfarrer Theo Breisacher, Karlsbad-Spielberg, im Oktober 2017<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich danke allen Mitgliedern des \u201eNetzwerkes Evangelischer Christen in Baden\u201c, die mich beim Verfassen dieser Thesen unterst\u00fctzt und mir wertvolle Hinweise gegeben haben! Diese Thesen k\u00f6nnen von der Homepage unseres Netzwerkes heruntergeladen werden: www.netzwerk-baden.de. Dort wird ab Anfang November auch ein vertiefender Kommentar zu den einzelnen Thesen zur Verf\u00fcgung gestellt. Kontakt: Kirchgasse 20, 76307 Karlsbad, Mail: ek.spielberg@t-online.de.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 95 Thesen von Martin Luther waren im Herbst 1517 die Initialz\u00fcndung zur Reformation. 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