{"id":15041,"date":"2017-10-31T06:58:42","date_gmt":"2017-10-31T05:58:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15041"},"modified":"2017-10-30T14:04:46","modified_gmt":"2017-10-30T13:04:46","slug":"seelsorgerliche-erwaegungen-zum-problem-der-abtreibung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15041","title":{"rendered":"Seelsorgerliche Erw\u00e4gungen zum Problem der Abtreibung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich etwas sagen darf zu einer sehr diffizilen und vielleicht der ernstesten Frage unserer Zeit, n\u00e4mlich zur Frage der Abtreibung, dann m\u00f6chte ich doch von vornherein feststellen, dass der Glaube, der Offenbarungsglaube, einen anderen Standpunkt hat als der Unglaube. Der Vogel sieht die Welt anders als der Frosch. Der Glaube, der biblische Glaube, nimmt die Sch\u00f6pfungsordnung Gottes ernst. Nach dieser Sch\u00f6pfungsordnung ist das Personsein des Menschen von einem besonderen Sch\u00f6pfungsakt Gottes abh\u00e4ngig, und so sind die Gottesgebote vom Sinai und Horeb nicht nur in der Bibel festgehalten, sondern jedem menschlichen Gewissen irgendwie eingegraben.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade von daher weist uns die Abtreibungsproblematik, d.h. dass das 5. Gebot \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten!\u201c wie kaum ein anderes Gebot wieder zur Debatte steht, auf etwas, was uns aufschrecken lassen sollte. Denn ich sehe gerade darin, dass die Gewissen in diesem Zeitaugenblick, wo tausende von Kindern abgetrieben werden, nahezu \u00fcberhaupt nicht mehr reagieren, ein Gerichtszeichen Gottes. Wir k\u00f6nnen nur beten und in Demut bitten, dass Gott an uns vor\u00fcbergehen m\u00f6ge mit seinem Gericht, das unweigerlich kommen wird, wenn wir weiterhin dasselbe tun wie die Henker des 3. Reichs mit ihren Euthanasieprogrammen, n\u00e4mlich morden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht geschieht hier noch Schlimmeres. Wer nur ein wenig auf die Stimme seines Gewissens achtet muss erkennen, dass, so wie sich die Abtreibungsfrage heute stellt, nur eine Antwort gegeben werden kann. Wir als Christen m\u00fcssen die Abtreibung ablehnen. In dem Augenblick, wo menschliches Leben entsteht, beginnt das Leben des Menschen als Person. Der Mensch ist ein Gedanke Gottes, und diesen Gedanken Gottes d\u00fcrfen und k\u00f6nnen wir nicht ausradieren. Der Mensch ist transzendent und immanent zugleich, und das unterscheidet ihn vom Tier. Und er ist Abbild Gottes, und deshalb ist es eine der verwerflichsten Entwertungen des Menschenbildes und des Menschen selbst, wenn man die Abtreibung geradezu fl\u00e4chendeckend (ca. 250.000 Abtreibungen pro Jahr in der Bundesrepublik Deutschland) vollzieht. Hier geschieht etwas, was unm\u00f6glich nachvollzogen werden kann in der Gemeinde Gottes, in der Kirche, wenn sie Kirche sein will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es mag ja wirkliche Notsituationen geben, die es n\u00f6tig machen, dass die Abtreibung sein muss, wenn etwa f\u00fcr den Arzt zur Debatte steht, ob nun die Mutter oder das Kind am Leben bleiben soll. Hier ist eine Notlage, ein Grenzfall gegeben, der durchaus hin und wieder vorkommen kann. Dann kann es eine v\u00f6llig sachgerechte Gewissensentscheidung vom Arzt sein, wenn er sagt, die Mutter soll leben, das Kind k\u00f6nnen wir nicht retten. Oder: es mag Lagen geben, wo durch eine Erbkrankheit oder durch irgendwelche anderen Belastungen die Existenz des Kindes so gravierend gef\u00e4hrdet ist, dass das Neugeborene nicht lebensf\u00e4hig sein w\u00fcrde. Diese Situation ist vom Gewissen her genau zu bedenken. Und hier gilt es auch, Verantwortung auf sich zu nehmen und mit Klarheit im Gewissen und verstehendem Glauben Mut zu haben, eventuell in die Sch\u00f6pfung einzugreifen. Auf keinen Fall kann und darf der Schwangerschaftsabbruch mit unserem billigen Reden von einer sozialen Indikation begr\u00fcndet und legitimiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die soziale Indikation ist, und das gerade heute, eine Indikation, die jeder Berechtigung entbehrt. Ich w\u00fcsste nicht, wo bei uns Menschen verhungern, wo es Familien gibt, die so arm dran sind wie etwa in \u00c4thiopien oder in anderen Gebieten der 3. Welt. Im Gegenteil, wir m\u00fcssen aufpassen, dass wir an unserem Reichtum nicht ersticken. Es ist geradezu ein Hohn, dass man \u00fcberhaupt diese Vokabel \u201esoziale Indikation\u201c gebraucht in einem Land, wo man nicht wei\u00df wohin mit Milch- und Getreide\u00fcbersch\u00fcssen und wo fast jeder B\u00fcrger darauf achten muss, dass er nicht \u00dcbergewicht bekommt. Die soziale Frage so hochzuspielen ist eine Verantwortungslosigkeit ohnegleichen, ein Ausdruck total abgestumpfter Gewissen; es ist Ausdruck f\u00fcr das Gericht Gottes, das unterschwellig anl\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So muss die Kirche, wenn sie Kirche Gottes bleiben will, in der Abtreibungsproblematik eindeutig Stellung beziehen. Es ist erfreulich, dass die katholische Kirche hier Klarheit hat und auch den Mut, das zu vertreten. In der evangelischen Kirche schwanken die Wetterfahnen und die Eindeutigkeit fehlt weithin. Vielleicht ist sie deshalb auch so orientierungslos. Es gibt keinen zureichenden Grund f\u00fcr die Abtreibung des keimenden menschlichen Lebens. Auch die Argumentation, dass es sich hier noch nicht um ein menschliches Wesen handle, weil Bewusstsein, Verstand und Wille noch nicht ausgepr\u00e4gt sind, kann nach biblischem Verst\u00e4ndnis nicht als Begr\u00fcndung eingebracht werden. Danach ist der Mensch Person, weil Gott ihn nach seiner Sch\u00f6pfungsordnung dazu gemacht und noch macht. Das ist das Kriterium. Wer Gottes Gebot \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten!\u201c bricht und da hineingreift, wo nur Gott zu entscheiden hat, ob das Entstehendes ein Gef\u00e4\u00df der Ehre, des Guten, oder Unehre, des Schlechten wird, der wird da Kainszeichen mitschleppen bis zum J\u00fcngsten Tag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin ersch\u00fcttert \u00fcber die vielen Briefe, die ich gerade in den letzten Wochen von Frauen bekommen habe, in denen ich gebeten werde, \u00f6ffentlich drauf hinzuweisen, wie sehr sie unter Angstzust\u00e4nden leiden oder schwerm\u00fctig und depressiv geworden sind, weil sie abgetrieben haben. Das keimende Leben, das unter dem Herzen der Mutter war, schreit weiter, und es kann zu einer Gewissensbelastung kommen, die bis in den Tod hinein andauert. Ich habe gerade in letzter Zeit wiederholt in den Beichten von Frauen, die auf den Sterbebetten lagen und wegen der Abtreibung nicht sterben konnten, die ungeheure Not, die im Gewissen durch dieses T\u00f6ten entstehen kann, erfahren. Viele haben mich gebeten, meinen Mund aufzutun und das, was sie jetzt gerade erleben, anderen als Warnung zu sagen. Es ist also auch ein seelsorgerlicher Gesichtspunkt, unter dem man die Dinge zu betrachten hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderer Aspekt ist folgender: Abtreibung ist ein Akt des \u00e4u\u00dfersten Egoismus und ist damit Ausdruck des Verlustes des einzig rechten und echten wirklichkeitsrelevanten Ma\u00dfstabes, n\u00e4mlich des 11. Gebotes, des Gebotes das uns Christus gegeben hat, dass wir lieben sollen wie er geliebt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als zu Bodelschwingh im 3. Reich die \u201eKommission\u201c kam und das Problem der Kranken, der S\u00fcchtigen, ja der \u201eAktion Sorgenkind\u201c, wie wir heute sagen w\u00fcrden, dadurch aufheben wollte, indem sie mit vergast oder sonst irgendwie mit Giften erledigt werden sollten, hat Bodelschwingh das Wort gesprochen: \u201eDer Weg geht nur \u00fcber meine Leiche. Der erste, der stirbt, bin ich.\u201c Diese Haltung dieses begnadeten Glaubensmannes hat so gewirkt, dass man davor zur\u00fcckgeschreckt ist, Bethel zu vernichten. Es kommt darauf an, dass unter uns noch verantwortungsbewusste Menschen sind, die nicht nur Christen hei\u00dfen, sondern es auch sind. Wir brauchen Menschen, die ausreichend wirken und den Mut haben, die S\u00fcnde beim Namen zu nennen. Das ist in diesen Tagen gefordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin ist dazu zu sagen: Wenn man um des \u00fcbersteigerten Egoismus\u2018 willen, nur um des Wohllebens und der Orgasmen willen abtreibt und das Ma\u00dfstab wird f\u00fcr den Menschen, dann wird er an sich selbst zugrunde gehen. Wenn man das barmherzig nennt, was eigentlich nur den eigenen Vorteil sucht, dann ist das die gr\u00f6\u00dfte Unbarmherzigkeit, die denkbar ist, die gr\u00f6\u00dfte Verh\u00e4rtung des Herzens, das absolute Absterben jeglicher Liebe. Wie ich den anderen sehe, so sehe ich auch mich. Wie kann ich etwas als barmherzig annehmen, wie kann ich selbst Liebe empfangen, wenn ich keine Vorstellung mehr davon habe, was Liebe ist? Wie kann ich je ein Geschenk als wirkliches Geschenk annehmen, wenn ich dem anderen unterstellen muss, dass er es nur um seines Vorteiles willen gibt, so wie ich es tue?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch den Lazarus vor der T\u00fcr, durch die behinderten Kinder, durch die \u00c4rmsten der Armen will Gott uns unseren Dienst und unsere Aufgabe anschaulich machen, n\u00e4mlich dass wir uneigenn\u00fctzig Liebe \u00fcben. Liebe stirbt, wenn wir diesen Auftrag so billig wegr\u00e4umen, indem wir alles unserer Meinung nach Lebensunwerte mit unseren medizinischen Mitteln beseitigen. Wenn das weiterhin geschieht, dann ist das Gericht Gottes so im Anzug, dass es nicht mehr aufzuhalten ist. Deshalb muss es Warner geben, und ich m\u00f6chte meine Stimme hier in Krelingen erheben mit allem Ernst, mit letztem Ernst, weil ich meine, dass keine Begr\u00fcndung zureichend ist, unsere derzeitige Abtreibungspraxis zu entschuldigen. Wie werden wir entfliehen dem furchtbaren Gericht Gottes, wenn wir die Verantwortung denjenigen \u00fcberlassen, Psychologen, Medizinern und Juristen, die sich in dieser Frage auf eine soziale Betrachtungsweise beschr\u00e4nken und dar\u00fcber das Gotteswort und die heilige Norm vergessen und missachten: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit gro\u00dfem Befremden habe ich in diesen Tagen die Aussage des Pr\u00e4sidenten des Bundesverfassungsgerichtes geh\u00f6rt, der das keimende Leben in den ersten Wochen als \u201ehimbeer\u00e4hnliches Gebilde\u201c bezeichnet hat. Ein solches Urteil ist in dieser wichtigen Frage, an der das Schicksal unseres Volkes h\u00e4ngt, einfach ersch\u00fctternd. F\u00fcr das schon geschehene Unrecht gibt es kein anderes Mittel der Vergebung als das Blut Jesu Christi. Es ist h\u00f6chste Zeit f\u00fcr uns alle, den Weg der Umkehr zu suchen und zu finden. Wir m\u00fcssen endlich aufwachen zu einem Zeitpunkt, wo die Gerichtsglocke Gottes schon am L\u00e4uten ist. Wir m\u00fcssen aufwachen und den Weg suchen und finden, den uns der Heilige Gott mit seinem Wort gewiesen hat: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten!\u201c<\/p>\n<p><em>Heinrich Kemner (1903-1993)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aus: AGORA. Krelinger Studentenrundbrief Nr. 6 (Februar 1986)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich etwas sagen darf zu einer sehr diffizilen und vielleicht der ernstesten Frage unserer Zeit, n\u00e4mlich zur Frage der Abtreibung, dann m\u00f6chte ich doch von vornherein feststellen, dass der Glaube, der Offenbarungsglaube, einen anderen Standpunkt hat als der Unglaube. Der Vogel sieht die Welt anders als der Frosch. Der Glaube, der biblische Glaube, nimmt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":223,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,13,8,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15041"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/223"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15041"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15041\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15045,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15041\/revisions\/15045"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}