{"id":15009,"date":"2017-10-23T10:21:45","date_gmt":"2017-10-23T08:21:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15009"},"modified":"2017-10-23T10:28:29","modified_gmt":"2017-10-23T08:28:29","slug":"was-glauben-wir-eigentlich-streifzuege-durch-das-augsburger-bekenntnis-von-1530","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15009","title":{"rendered":"Was glauben wir eigentlich? &#8211; Streifz\u00fcge durch das Augsburger Bekenntnis von 1530"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Reichstag in Augsburg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 20. Juni 1530 er\u00f6ffnete Kaiser Karl V. den Reichstag des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation in Augsburg. Zwei gro\u00dfe Fragen standen ganz oben auf der Tagesordnung: 1.) Die T\u00fcrkenfrage 2.) Die konfessionelle Spaltung des Reiches in r\u00f6misch-katholische und protestantische Gebiete. Der Kaiser wollte diesen \u201eZwiespalt\u201c im Reich \u00fcberwinden und dazu auf dem Reichstag die \u201eMeinung eines jeden in Liebe und G\u00fcte zu h\u00f6ren, zu verstehen und zu erw\u00e4gen\u201c. Am 25. Juni wurde das Augsburgische Bekenntnis (lat.: Confessio Augustana [abgek\u00fcrzt CA]) vor dem Kaiser und den St\u00e4nden vom kurs\u00e4chsischen Kanzler Christian Beyer verlesen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Augsburger Bekenntnis<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Seite der evangelischen St\u00e4nde in Augsburg wurde von Kurf\u00fcrst Johann dem Best\u00e4ndigen von Sachsen, Martin Luthers Landesherrn, angef\u00fchrt. Er war es, der Melanchthon beauftragt hatte, die Schwabacher und die Torgauer Artikel zu einem zusammenh\u00e4ngenden Bekenntnis zusammenzufassen. Die Schwabacher Artikel (Artikel 1-21) handeln vom Glauben. Die Torgauer Artikel behandeln die abgestellten Missbr\u00e4uche (Artikel 22-28). Sowohl die Schwabacher als auch die Torgauer Artikel waren zuvor unter Federf\u00fchrung Melanchtons und unter Mitwirkung Martin Luthers verfasst worden. Martin Luther konnte am Reichstag in Augsburg nicht teilnehmen, da er in Acht und Bann war. Er hielt sich in der 200 km entfernten Veste Coburg auf, die im \u00e4u\u00dfersten Zipfel des kurs\u00e4chsischen Gebiet lag. Von hier aus versuchte er, die Verhandlungen auf dem Reichstag zu verfolgen und durch Briefe zu beeinflussen. Das Augsburger Bekenntnis hatte das Ziel nachzuweisen, dass die Reformatoren keine H\u00e4resien verbreiteten, sondern in der Lehrtradition der altkirchlichen Bekenntnisse sowie der katholischen Kirche standen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Es wurde unterzeichnet von Johann, Herzog zu Sachsen, Georg Markgraf zu Brandenburg, Ernst Herzog zu L\u00fcneburg, Philipp Landgraf zu Hessen, Hanns Friedrich Herzog zu Sachsen, Franz Herzog zu L\u00fcneburg, Wolf F\u00fcrst zu Anhalt und den B\u00fcrgermeistern und R\u00e4ten der St\u00e4dte N\u00fcrnberg und Reutlingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie es weiterging &#8230;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 3. August legte die katholische Seite mit der \u201eConfutatio\u201c dem Reichstag die Widerlegung der Confessio Augustana vor. Innerhalb weniger Tage verfasste Melanchton daraufhin die Verteidigung der Confessio Augustana, die sogenannte \u201eApologie\u201c. Die katholische Seite lehnte auch diese ab, so dass es zum Abzug der evangelischen St\u00e4nde kam. Die evangelischen St\u00e4nde vereinigten sich im Anschluss an den Reichstag zum Schmalkadischen Bund, der offiziell am 27. Februar 1531 geschlossen wurde, um sich gemeinsam wehren zu k\u00f6nnen, sollte der Kaiser die katholischen Forderungen milit\u00e4risch durchsetzen wollen. F\u00fcr diesen Schmalkaldischen Bund verfasste Martin Luther 1537 die Schmalkaldischen Artikel, die ebenfalls zu den Bekenntnisschriften der Evang.-Luth. Kirche geh\u00f6ren. Sie gelten als klarer und sch\u00e4rfer als die konzilianteren Artikel des Augsburger Bekenntnisses.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Schmalkaldischen Krieg versuchten der Kaiser und die katholischen St\u00e4nde, die protestantischen Gegner zu besiegen, um so die konfessionelle Einheit des Reiches wiederherzustellen. Der Papst unterst\u00fctzte diesen Krieg mit einem Ablass, denn es ging Papst und Kaiser um die Ausrottung der \u201eprotestantischen Ketzerei\u201c. Der Kaiser gewann den Krieg am 24. April 1547 in der Schlacht im s\u00fcdlich von Torgau gelegenen M\u00fchlberg. Dieser Sieg konnte vor allem darum errungen werden, da Moritz von Sachsen (albertinische Linie) sich als Protestant \u00fcberraschend auf die Seite des Kaisers stellte. Das brachte ihm die Kurw\u00fcrde seines besiegten Vetters Johann Friedrich von Sachsen (Der Gro\u00dfm\u00fctige, ernestinische Linie) ein, allerdings auch den Schandnamen der \u201eJudas von Mei\u00dfen\u201c. 1552 wechselte der vom Kaiser entt\u00e4uschte Moritz von Sachsen erneut die Seiten und stellte sich an die Spitze des erfolgreichen protestantischen F\u00fcrstenaufstandes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Artikel des Augsburger Bekenntnisses &#8211; eine Auswahl<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von den 28 Artikeln des Augsburger Bekenntnisses werden wir nur eine kleine Auswahl genauer ansehen. Wir konzentrieren uns dabei auf die Artikel, in denen die zentralen Grundlagen unseres evangelischen Glaubens im Mittelpunkt stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 1: Von Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eZuerst wird eintr\u00e4chtig laut Beschluss des Konzils von Nic\u00e4a gelehrt und festgehalten, dass ein einziges g\u00f6ttliches Wesen sei, das Gott genannt und wahrhaftig Gott ist, und dass doch drei Personen in diesem einen g\u00f6ttlichen Wesen sind, alle drei gleich m\u00e4chtig, gleich ewig: Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist. Alle drei sind ein g\u00f6ttliches Wesen, ewig, unteilbar, unendlich, von unermesslicher Macht, Weisheit und G\u00fcte, ein Sch\u00f6pfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Alle H\u00e4resien, die gegen diesen 1. Artikel und das Bekenntnis zu Nic\u00e4a-Konstantinopel stehen, werden mit dem Anathema (Verdammung) belegt: Hierunter fallen die altkirchlichen Manich\u00e4er, <\/em><em>Valentianer<\/em><em>, <\/em><em>Arianer, <\/em><em>Eunomianer<\/em><em>, der Islam (als Leugner der <\/em><em>Trinit\u00e4t<\/em><em>), die Anh\u00e4nger von <\/em><em>Paul Samosata<\/em><em>, antitrinitarische Spiritualisten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In \u00dcbereinstimmung mit den altkirchlichen Bekenntnissen &#8211; das Konzil von Nic\u00e4a fand 325 n. Chr. statt, das Nic\u00e4no-Konstantinopolitanum datiert in das Jahr 381 n. Chr. &#8211; bekannten sich die Reformatoren zu dem Gott, der sich in der Bibel als Dreieiniger Gott offenbart hatte. Gott ist der Sch\u00f6pfer und Erhalter der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Dieser Gott ist ein pers\u00f6nlicher Gott, der sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist den Menschen offenbart hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausdr\u00fccklich wiesen die Reformatoren mit diesem ersten Artikel eine ganze Reihe von Irrlehren zur\u00fcck, die \u201ediesem Artikel widersprechen\u201c. Die Arianer z. B. vertraten die Ansicht, dass Christus nicht Gott sei, sondern das vornehmste der Gesch\u00f6pfe Gottes. Diese Lehre des Arius (256-336 n. Chr.) taucht heute in modernen Spielarten wieder auf z. B. bei den Zeugen Jehovas oder bei Vertretern der historisch-kritischen Theologie, denn diese lehnen weitgehend Jesu Pr\u00e4existenz vor aller Zeit, seine Geburt durch eine Jungfrau, die Historizit\u00e4t seiner Auferstehung, die Wiederkunft mit Macht und Herrlichkeit und damit seine G\u00f6ttlichkeit ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Irrlehre, die die Reformatoren ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnen und mit dem ersten Artikel der CA zur\u00fcckweisen ist die des Islams bzw. der \u201eMohammedaner\u201c. Mit den T\u00fcrken stand auch der Islam im Jahr 1529 vor den Toren Wiens, so dass die Reformatoren sich auch mit dem Koran und seinen Lehren auseinandersetzten. Der Koran leugnet ausdr\u00fccklich, dass Gott ein Dreieiniger Gott ist (Sure 5,73), dass Gott einen Sohn hat (Sure 19,35) und dass Jesus Christus gekreuzigt wurde (Sure 4,157). Die Reformatoren wiesen diese Lehre zur\u00fcck und bekannten sich stattdessen zu dem in der Bibel offenbarten Dreieinigen Gott. Wenn heute selbst Bisch\u00f6fe die Meinung vertreten, dass Christen und Muslime an denselben Gott glauben und zu demselben Gott beten<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, dann stehen sie damit im Widerspruch zu den Bekenntnisschriften, auf die sie ordiniert wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 2: Von der Erbs\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWeiter wird bei uns gelehrt, dass nach Adams Fall alle nat\u00fcrlich geborenen Menschen in S\u00fcnde empfangen und geboren werden. Das hei\u00dft, dass sie alle von Mutterleib an voll b\u00f6ser Lust und Neigung sind und von Natur keine wahre Gottesfurcht, keinen wahren Glauben an Gott haben k\u00f6nnen. Au\u00dferdem dass diese angeborene Seuche und Erbs\u00fcnde wirklich S\u00fcnde ist und daher alle die unter den ewigen Gotteszorn verdammt, die nicht durch die Taufe und den Heiligen Geist wieder neu geboren werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem der erste Artikel den Glauben an den Dreieinen Gott bezeugt, bekennen wir mit dem zweiten Artikel die totale S\u00fcndhaftigkeit des Menschen. Durch die S\u00fcnde Adams und Evas sind wir alle von Natur aus und von Grund auf S\u00fcnder. Es ist tats\u00e4chlich eine \u201eErbs\u00fcnde\u201c, weil jeder Mensch dieses s\u00fcndhafte Erbe von seinen Vorfahren \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDeshalb, wie durch einen Menschen die S\u00fcnde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die S\u00fcnde, so ist der Tod zu allen hindurchgedrungen, weil sie alle ges\u00fcndigt haben\u201c (R\u00f6m 5,12). Und Paulus schreibt auch: \u201eDas ist kein Unterschied, sie sind allesamt S\u00fcnder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten\u201c (R\u00f6m 3,22-23).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Aufkl\u00e4rer Jean-Jaques Rousseau (1712-1778) war der Ansicht, dass der Mensch im Kern gut ist und nur durch die Gesellschaft schlecht gemacht werde: \u201eDie Menschen sind b\u00f6se; eine traurige und fortdauernde Erfahrung er\u00fcbrigt den Beweis; jedoch, der Mensch ist von Natur aus gut, ich glaube, es nachgewiesen zu haben.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> W\u00e4hrend Rousseau und viele nach ihm, davon ausgingen, dass der Mensch im Kern gut sei, wussten die Reformatoren aus der Heiligen Schrift um die totale S\u00fcndhaftigkeit und Verdorbenheit des Menschen in der Tiefe seines Wesens. Diese wichtige Erkenntnis ist in unserer Zeit weitgehend verlorengegangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reformatoren sahen den Menschen auch im Anschluss an Augustinus als in sich verkr\u00fcmmte Menschen (homo incurvatus in se). Martin Luther schrieb:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnsere Natur ist durch die Schuld der ersten S\u00fcnde so tief auf sich selbst hin verkr\u00fcmmt (lat.: tam profunda est in se ipsam incurva), dass sie nicht nur die besten Gaben Gottes an sich rei\u00dft und genie\u00dft, ja auch Gott selbst dazu gebraucht, jene Gaben zu erlangen, sondern das auch nicht einmal merkt, dass sie gottwidrig, verkr\u00fcmmt und verkehrt alles [\u2026] nur um ihrer selbst willen sucht.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der durch die S\u00fcnde in sich selbst verkr\u00fcmmte Mensch ist von Gott getrennt, er ist dem Tode verfallen, er ist sterblich und verg\u00e4nglich und steht unter dem ewigen Gotteszorn. Der Mensch ist erl\u00f6sungsbed\u00fcrftig. Er braucht einen Erl\u00f6ser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 3: Vom Sohn Gottes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem dritten Artikel bekennen sich die Reformatoren zu Jesus Christus und seiner Erl\u00f6sungstat auf Golgatha. Das Augsburger Bekenntnis ist systematisch-theologisch aufgebaut. Nachdem in Artikel 1 der Glaube an den Dreieinen Gott formuliert und in Artikel 2 die totale S\u00fcndhaftigkeit und Erl\u00f6sungsbed\u00fcrftigkeit des Menschen festgestellt wurde, folgt nun die Antwort Gottes auf die Not des Menschen: Gott sendet seinen Sohn in diese verlorene Welt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eEbenso wird gelehrt, dass Gott, der Sohn Mensch geworden ist, geboren aus der reinen Jungfrau Maria, und die zwei Naturen, die g\u00f6ttliche und die menschliche, also in einer Person untrennbar vereinigt, ein Christus sind, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a>, wahrhaftig geboren, gestorben und begraben, dass er ein Opfer nicht allein f\u00fcr die Erbs\u00fcnde, sondern auch f\u00fcr alle anderen S\u00fcnden war und Gottes Zorn vers\u00f6hnte, ebenso dass dieser Christus hinabgestiegen ist zur H\u00f6lle, am dritten Tage auferstanden ist von den Toten und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, dass er ewig \u00fcber alle Gesch\u00f6pfe herrsche und regiere; dass er alle, die an ihn glauben, durch den Heiligen Geist heilige, reinige, st\u00e4rke und tr\u00f6ste, ihnen auch Leben und allerlei Gaben und G\u00fcter austeile und sie sch\u00fctze und beschirme gegen den Teufel und die S\u00fcnde, dass dieser Herr Christus am Ende \u00f6ffentlich kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von wem reden wir, wenn wir von Jesus Christus reden? Ist er ein Religionsstifter wie Buddha oder Mohammed? Ist er ein bewundernswerter Lehrer, der in vollkommener Weise geliebt und gelebt hat und damit allen Menschen ein Vorbild ist? Oder ist er tats\u00e4chlich der Sohn Gottes, der als wahrer Gott und wahrer Mensch in diese Welt gesandt wurde, um S\u00fcnde und Tod zu \u00fcberwinden? Wir greifen aus dem dritten Artikel vier Punkte heraus:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><em>\u201egeboren aus der reinen Jungfrau Maria\u201c:<\/em> Die Reformatoren bekannten sich zur Jungfrauengeburt aus gutem Grund. Auch ihnen war klar, dass jeder nat\u00fcrliche Mensch einen biologischen Vater und eine biologische Mutter haben muss. Doch durch die \u00fcbernat\u00fcrliche Empf\u00e4ngnis konnte der Sohn Gottes aus der Ewigkeit in unsere Zeit gelangen und Menschengestalt annehmen. Somit tritt ein einzigartiger Mensch in die Menschheitsgeschichte ein, der nicht in der ungebrochenen Linie der Erbs\u00fcnde steht. Er ist ganz Mensch, doch ohne S\u00fcnde (1 Joh 3,5). Die Jungfrauengeburt ist das Eingangstor des pr\u00e4existenten Gottessohnes in die Menschheitsgeschichte. Wenn die fr\u00fchere EKD-Ratsvorsitzende und \u201eLutherbotschafterin\u201c Margot K\u00e4\u00dfmann gegen\u00fcber dem SPIEGEL meint: \u201eDa bin ich ganz Theologin des 21. Jahrhunderts. Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat. Aber dass sie im medizinischen Sinne Jungfrau war, das glaube ich nicht\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, dann leugnet sie damit einen wesentlichen Bestandteil des Bekenntnisses aller christlichen Kirchen. Sie leugnet damit auch indirekt die heilsgeschichtliche Notwendigkeit, dass der Sohn Gottes aus der Ewigkeit aufbrechen musste, um Mensch zu werden und die S\u00fcnde der Menschen durch seinen Tod zu s\u00fchnen.<\/li>\n<li><em>\u201eder wahrer Gott und wahrer Mensch ist\u201c: <\/em>Die Reformatoren bekannten sich dazu, dass Jesus mehr ist als ein ganz besonders vorbildlicher Mensch: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Mit dem Neuen Testament bekannten sie die Fleischwerdung des Gottessohnes (Joh 1,1-14). Sie erkannten, dass in Jesus Christus die ganze F\u00fclle der Gottheit in Menschengestalt zu den Menschen gekommen war (Kol 2,9).<\/li>\n<li><em>\u201eein Opfer nicht allein f\u00fcr die Erbs\u00fcnde, sondern auch f\u00fcr alle anderen S\u00fcnden\u201c: <\/em>Die Reformatoren bezeugten, dass der Tod Jesu Christi ein stellvertretender S\u00fchnetod war. Jesus Christus bezahlte am Kreuz f\u00fcr die S\u00fcnden der Menschen und nahm den Zorn Gottes in seinem Leiden und Sterben auf sich.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der fr\u00fchere Pr\u00e4ses der Evangelischen Kirche im Rheinland Nikolaus Schneider antwortete in einem Interview der evangelischen Monatszeitschrift Chrismon auf die Frage, ob Gott tats\u00e4chlich kein S\u00fchnopfer brauche: \u201eGott braucht es tats\u00e4chlich nicht.\u201d<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Weiterhin meinte Schneider, Jesus sei \u201enicht im Sinne einer stellvertretenden \u00dcbernahme von Strafe\u201d<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> f\u00fcr uns Menschen gestorben. Er ist stattdessen der Ansicht, Jesus \u201eteile mit seinem Leiden und Sterben menschliche Leidens- und Todeserfahrungen\u201d<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a>, das Kreuz zeuge \u201evon seiner [Gottes] Liebe, nicht von seinem Zorn\u201d. Mit diesen Aussagen steht der fr\u00fchere Pr\u00e4ses der zweitgr\u00f6\u00dften evangelischen Landeskirche ganz in der Tradition einer liberalen Theologie, die die Notwendigkeit des Opfertodes Christi f\u00fcr die S\u00fcnden der Menschheit leugnet. So hielt z. B. Rudolf Bultmann das neutestamtliche Zeugnis, \u201edass ein Mensch gewordenes Gotteswesen durch sein Blut die S\u00fcnden der Menschen s\u00fchnt\u201d f\u00fcr \u201eprimitive Mythologie.\u201d<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit den Reformatoren und dem Neuen Testament halten wir daran fest: Am Kreuz ist tats\u00e4chlich S\u00fchnung f\u00fcr meine S\u00fcnden geschehen. Er hat bezahlt, was ich verschuldet habe, wie es im Lied von Paul Gerhardt hei\u00dft (\u201eO Haupt voll Blut und Wunden\u201c):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nun, was du, Herr, erduldet,<br \/>\n<\/em><em>ist alles meine Last;<br \/>\n<\/em><em>ich hab es selbst verschuldet,<br \/>\n<\/em><em>was du getragen hast.<\/em><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Schau her, hier steh ich Armer,<br \/>\n<\/em><em>der Zorn verdienet hat.<br \/>\n<\/em><em>Gib mir, o mein Erbarmer,<br \/>\n<\/em><em>den Anblick deiner Gnad.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder mit den Worten des Apostels Paulus: \u201eEr hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet\u201c (Kol 2,14)<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"4\">\n<li>\u201e\u2026<em>am dritten Tage auferstanden ist von den Toten\u2026<\/em>\u201c Die Reformatoren bekannten sich zur leibhaftigen Auferstehung von den Toten. Auch hier entsteht ein Gegensatz zur historisch-kritischen Theologie vieler EKD-Theologen. Im EKD-Text \u201eF\u00fcr uns gestorben\u201c (2015) hei\u00dft es beispielsweise: \u201eF\u00fcr die Auferstehungshoffnung ist es nicht konstitutiv zu wissen, ob das Grab voll oder leer war\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>. F\u00fcr die Reformatoren war dies jedoch sehr wohl konstitutiv, darum bekannten sie sich immer wieder zur Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Der christliche Glaube h\u00e4ngt wesentlich an der Frage, ob Christus tats\u00e4chlich auferstanden ist und das Grab demnach auch tats\u00e4chlich leer war. Das ganze 15. Kapitel des 1. Korintherbrief widmet sich eben dieser Frage: Ist es entscheidend f\u00fcr den christlichen Glauben, ob die Auferstehung Christi tats\u00e4chlich stattgefunden hat oder nicht? F\u00fcr den Apostel Paulus war klar: \u201eHoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendsten aller Menschen\u201c (1 Kor 15,19). Im Gegensatz zu der irref\u00fchrenden Aussage des EKD-Textes bekennen wir mit den Reformatoren, dass es f\u00fcr die Auferstehungshoffnung konstitutiv ist zu wissen und zu glauben, dass das Grab leer war. Weil wir wissen, dass Christus auferstanden ist und das Grab leer war, gehen wir zuversichtlich durch dieses Leben und haben eine lebendige Hoffnung, die durch den Tod hindurch tr\u00e4gt und in fester Gewissheit die kommende Auferstehung erwartet.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 4: Von der Rechtfertigung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWeiter wird gelehrt, dass wir Vergebung der S\u00fcnde und Gerechtigkeit vor Gott nicht durch unser Verdienst, Werk und Genugtuung erlangen k\u00f6nnen, sondern dass wir Vergebung der S\u00fcnde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnade um Christi willen durch den Glauben, wenn wir glauben, dass Christus f\u00fcr uns gelitten hat und dass uns um seinetwillen die S\u00fcnde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird. Denn diesen Glauben will Gott als Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, ansehen und zurechnen, wie Paulus zu den R\u00f6mern im 3. und 4. Kapitel sagt<\/em>.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben festgestellt, dass wir vor Gott erl\u00f6sungsbed\u00fcrftige S\u00fcnder sind (CA 2). In CA 3 wird uns Jesus Christus als der menschgewordene Gottessohn vorgestellt, der f\u00fcr unsere S\u00fcnde am Kreuz von Golgatha stirbt. Der Artikel 4 der CA war f\u00fcr die Reformation ganz entscheidend und ist in gewisser Weise das Herzst\u00fcck des reformatorischen Bekenntnisses, da die Reformatoren hier die kooperative Mitwirkung am Heil durch gute Werke ablehnen und die Rechtfertigung \u201eallein durch den Glauben\u201c (R\u00f6m 3,28) bekennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was genau bedeutet Rechtfertigung? Die Rechtfertigung im Sinne der paulinisch-reformatorischen Theologie bedeutet, dass der Schuldige gerecht gesprochen wird, weil Christus an seiner Statt die Strafe \u00fcbernommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reformatoren lehrten, dass der Versuch, das Heil durch eigene Werke und Fr\u00f6mmigkeit zu erlangen, zum Scheitern verurteilt war: \u201e<em>Weiter wird gelehrt, dass wir Vergebung der S\u00fcnde und Gerechtigkeit vor Gott nicht durch unser Verdienst, Werk und Genugtuung erlangen k\u00f6nnen.\u201c <\/em>Der s\u00fcndige Mensch kann Tod, S\u00fcnde und Gericht nicht aus eigener Kraft durch gute Werke, durch fromme Leistung oder ein gutb\u00fcrgerliches Leben \u00fcberwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen bekannten sie: \u201e<em>dass wir Vergebung der S\u00fcnde bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnade um Christi willen durch den Glauben, wenn wir glauben, dass Christus f\u00fcr uns gelitten hat und dass uns um seinetwillen die S\u00fcnde vergeben, Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind gerechtfertigt um Christi willen. Er hat \u201ef\u00fcr mich\u201c (pro me) und \u201ef\u00fcr uns\u201c (pro nobis) gelitten und vergibt uns unsere S\u00fcnden auf der Grundlage seines stellvertretenden Leidens und Sterbens. Wir bekennen unsere S\u00fcnden und nehmen im Glauben dieses Geschenk der Vergebung an. Allein das Kreuz und der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Christus l\u00e4sst uns \u00fcber den Graben der ewigen Trennung von Gott schreiten und zu Gott und zum ewigen Leben gelangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der wunderbare Tausch oder fr\u00f6hliche Wechsel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin Luther sprach vom \u201ewunderbaren Tausch\u201c oder vom \u201efr\u00f6hlichen Wechsel\u201c. Oder mit den Worten des bereits erw\u00e4hnten Passionsliedes von Paul Gerhardt: \u201eNun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last; ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.\u201c Das ist der wunderbare Tausch, durch den wir vor Gott gerechtfertigt werden. Rechtfertigung ist also ein Tausch: Ihre S\u00fcnden liegen auf ihm. Sie erhalten seine Gerechtigkeit. Die Reformatoren sprachen von der \u201ealiena iustitia\u201c, der fremden Gerechtigkeit, die uns durch den Glauben aus Gnade, also unverdient, angerechnet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist das nicht ein genialer Tausch? Sie geben Ihre S\u00fcnden ab und erhalten daf\u00fcr die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, S\u00fcndenvergebung, Friede, Freude, den Geist Gottes, ewiges Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies kann man wissen oder formal anerkennen. Die Frage ist aber, wie und ob es mein eigen wird. Dabei ist entscheidend ist, dass wir begreifen, dass dies \u201ef\u00fcr uns\u201c geschehen ist. Dazu Martin Luther: \u201eDass Jesus Christus am Kreuz f\u00fcr die S\u00fcnde verblutet ist, das wissen auch die Teufel und zittern! Dass er aber f\u00fcr meine S\u00fcnde verblutet ist, damit beginnt der Glaube.\u201c Glaube ist, wenn ich Christi Werk \u201ef\u00fcr mich\u201c pers\u00f6nlich annehme und meine S\u00fcnden bei ihm eintausche gegen seine Gerechtigkeit. Glauben Sie das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 5: Vom Predigtamt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eUm diesen Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, das Evangelium und die Sakramente gegeben, durch die er als Mittel den Heiligen Geist gibt, der den Glauben, wo und wann er will, in denen, die das Evangelium h\u00f6ren, wirkt, das da lehrt, dass wir durch Christi Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gn\u00e4digen Gott haben und es werden die Wiedert\u00e4ufer verdammt und andere, die lehren, dass wir den Heiligen Geist ohne das leibhafte Wort (sine verbo externo) des Evangeliums durch eigene Vorbereitung, Gedanken und Werke erlangen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie erlange ich diesen Glauben? Indem mir das Evangelium verk\u00fcndigt wird. Das Evangelium zeigt mir, dass ich ein S\u00fcnder bin und es verweist mich auf Christus (Gesetz und Evangelium). Es l\u00e4dt mich ein, den fr\u00f6hlichen Wechsel zu vollziehen. Ich bekenne im Glauben Christus meine S\u00fcnden und erhalte die Vergebung der S\u00fcnden und die Gewissheit der Auferstehung von den Toten. Wie stelle ich mich nun zu dem Angebot, das mir im Evangelium gemacht wird? Glaub ich\u2019s oder glaub ich\u2019s nicht? Der Heilige Geist wirkt dann die Zustimmung, wo und wann er will. Der Geist weckt den Glauben. Immer aber gebunden an den Zuspruch des Evangeliums, immer gebunden an das Wort Gottes, niemals losgel\u00f6st davon. Eine vertikale Wirkung des Geistes losgel\u00f6st vom Wort nannten die Reformatoren \u201eSchw\u00e4rmerei\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Sakramente sind Teil der Evangeliumsverk\u00fcndigung: Die Sakramente (vgl. CA 13)\u00a0 sind in gewisser Weise gestaltgewordenes Wort. Der Vergebungszuspruch \u201eDeine S\u00fcnden sind dir vergeben\u201c klebt am Wasser der Taufe und an den Elementen des Abendmahls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Architektur evangelischer Kirchen wurde die zentrale Rolle der Predigt durch den sogenannten Kanzelaltar zum Ausdruck gebracht. Die Kanzel wurde \u00fcber dem Altartisch angebracht. Damit wurde zum Ausdruck gebracht, dass die Verk\u00fcndigung des Evangeliums in Predigt (Kanzel) und Sakramenten (Altar) der Mittelpunkt des evangelischen Gottesdienstes ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 6: Vom neuen Gehorsam<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAuch wird gelehrt, dass dieser Glaube gute Fr\u00fcchte und gute Werke hervorbringen soll und dass man gute Werke tun muss, und zwar alle, die Gott geboten hat (nicht falsche Werke wie Rosenkranzbeten, Heiligenverehrung, M\u00f6nchwerden etc.) um Gottes willen. Doch darf man nicht auf solche Werke vertrauen, um dadurch Gnade vor Gott zu verdienen. Denn wir empfangen Vergebung der S\u00fcnde und Gerechtigkeit durch den Glauben an Christus.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reformatoren schlossen jegliche Mitwirkung der guten Werke an der Rechtfertigung aus. Damit setzten sie sich dem Vorwurf aus, sie w\u00fcrden Gesetzlosigkeit predigen. So hei\u00dft es in CA 20: \u201eDen Unseren wird in unwahrer Weise nachgesagt, dass sie gute Werke verbieten\u201c. In CA 6 werden Rechtfertigung und Werke ins rechte Verh\u00e4ltnis zueinander gesetzt (siehe aber vor allem auch CA 20). Die Werke haben keinen Anteil an der Erl\u00f6sung oder Rechtfertigung des Menschen, denn sie \u201everdienen keine Gnade vor Gott\u201c. Aber die guten Werke folgen dem rechtfertigenden Glauben nach. Rechtfertigender Glaube, wenn er echter Glaube ist, bringt immer auch ein ver\u00e4ndertes Leben, Fr\u00fcchte des Heiligen Geistes, gute Werke und ein Leben nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der biblischen Ethik hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute wird vielfach die Errungenschaft der protestantischen Freiheit mit ethischer Beliebigkeit verwechselt. Selbst eindeutig in der Heiligen Schrift verurteilte S\u00fcnden werden von evangelischen Amtstr\u00e4gern \u201egesegnet\u201c. F\u00fcr die Reformatoren war klar, dass evangelische Freiheit immer auch Umkehr, Bu\u00dfe und eine Hinwendung zu einem Leben nach den Geboten mit sich brachte &#8211; eine Freiheit in Bindung an das Wort Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 7: Von der Kirche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eEs wird auch gelehrt, dass allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muss, die die Versammlung aller Gl\u00e4ubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">CA 7 sagt uns, was die Kirche dem Wesen nach ist. Kirche ist da, wo 1.) die Christusgl\u00e4ubigen sich versammeln, wo 2.) das Evangelium rein gepredigt wird und wo 3.) die Sakramente schriftgem\u00e4\u00df gereicht werden. Kirche ist also nicht vor allem da, wo der Papst ist, wo Bischofspal\u00e4ste stehen, wo gewaltige Dome oder Kirchen zu sehen sind, wo Priester im Ornat oder M\u00f6nche mit Tonsur ihren Dienst tun, sondern sie ist an diesen drei Kennzeichen zu erkennen. Die R\u00f6misch-Katholische Kirche sah es damals und sieht es auch bis heute so, dass das Heil nur in ihr und durch die Vermittlung ihrer Priester zu haben ist (\u201eExtra ecclesiam salus non est\u201c). CA 7 legt die Grundlage daf\u00fcr, dass es auch Heil au\u00dferhalb dieser r\u00f6misch-katholischen Gro\u00dfinstitution geben kann und geben muss, n\u00e4mlich \u00fcberall dort, wo Christen das Evangelium und die Sakramente schriftgem\u00e4\u00df empfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 11: Von der Beichte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eVon der Beichte wird so gelehrt, dass man in der Kirche die privata absoluta (private Absolution oder Lossprechung) beibehalten und nicht wegfallen lassen soll, obwohl es in der Beichte nicht n\u00f6tig ist, alle Missetaten und S\u00fcnden aufzuz\u00e4hlen, weil das doch nicht m\u00f6glich ist.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein gro\u00dfes Vers\u00e4umnis der evangelischen Kirchen, dass uns die Beichte mehr oder weniger abhanden gekommen ist. Viele evangelische Christen halten die Beichte f\u00fcr eine katholische Einrichtung und denken dabei an die alten Beichtst\u00fchle, die wir alle aus den katholischen Kirche kennen. Dabei wollten die Reformatoren die Beibehaltung der Beichte, denn ihnen war daran gelegen, dass S\u00fcnden aufgedeckt und bekannt werden. Hier m\u00fcssen wir wieder neu lernen, S\u00fcnden im Spiegel der Gebote Gottes bei uns ganz pers\u00f6nlich zu erkennen, um diese dann Christus zu bekennen. Die Beichte vor einem Seelsorger, der ja kein Pastor sein muss, kann dabei eine gro\u00dfe Hilfe sein. Wenn wir unsere S\u00fcnden bekennen, dann ist es Jesus Christus, der uns von den S\u00fcnden reinigt. Aber es ist gut und hilfreich, den Zuspruch der Vergebung aus dem Mund eines Seelsorgers oder eines Mitchristen zu h\u00f6ren. Um es mit den Worten Dietrich Bonhoeffers zu sagen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eWer schafft uns hier Gewi\u00dfheit, da\u00df wir es im Bekenntnis und in der Vergebung unsere S\u00fcnden nicht mit uns selbst zu tun haben, sondern mit dem lebendigen Gott? Diese Gewi\u00dfheit schenkt uns Gott durch den Bruder. Der Bruder zerrei\u00dft den Kreis der Selbstt\u00e4uschung. Wer vor dem Bruder seine S\u00fcnden bekennt, der wei\u00df, da\u00df er hier nicht mehr bei sich selbst ist, der erf\u00e4hrt in der Wirklichkeit des Andern die Gegenwart Gottes. &#8230; Weil aber die S\u00fcnde doch einmal ans Licht mu\u00df, darum ist es besser, es geschieht heute zwischen mir und dem Bruder als da\u00df es am letzten Tag in der Helle des j\u00fcngsten Gerichtes geschehen mu\u00df. Es ist Gnade, da\u00df wir dem Bruder unsere S\u00fcnden bekennen d\u00fcrfen. Es ist Verschonung vor dem Schrecken des letzten Gerichts. &#8230; Wie das Bekenntnis meiner S\u00fcnde dort vor dem Selbstbetrug entzogen wird, wo es vor dem Bruder geschieht, so ist auch die Zusage der Vergebung mir erst dort ganz gewi\u00df, wo sie der Bruder mir im Auftrag und im Namen Gottes zuspricht.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><strong>[12]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Artikel 17: Von der Wiederkunft Christi zum Gericht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAuch wird gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am J\u00fcngsten Tag kommen wird, um zu richten und alle Toten aufzuerwecken, den Gl\u00e4ubigen und Auserw\u00e4hlten ewiges Leben und ewige Freude zu geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die H\u00f6lle und zur ewigen Strafe zu verdammen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Theologe Rudolf Bultmann erkl\u00e4rte die \u201eErwartung des mit den Wolken des Himmels kommenden Menschensohnes\u201c in seinem ber\u00fchmten Vortrag \u201eNeues Testament und Mythologie\u201d von 1941 f\u00fcr \u201eerledigt\u201c.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Viele Theologen und sp\u00e4tere Pastoren nach ihm lernten an den Universit\u00e4ten, dass diese Aussagen einen antik-mythologischen Hintergrund haben und so heute nicht mehr geglaubt werden k\u00f6nnen. Doch Theologen oder Christen, die die sichtbare Wiederkunft Christi bestreiten, stehen au\u00dferhalb aller gro\u00dfen christlichen Bekenntnisse. Der Apostel Petrus hat in seinem Brief angek\u00fcndigt, dass in den letzten Tagen Irrlehrer auftreten werden, die die Verhei\u00dfung seines Kommens leugnen werden. Sie spotten: \u201eWo bleibt die Verhei\u00dfung seines Kommens\u201c (2 Petr 3,4). Glauben wir mit den Aposteln und den Reformatoren, dass Jesus Christus vielleicht schon sehr bald sichtbar wiederkommen wird? Glauben wir, dass er Tote und Lebende richten wird, dass es eine Auferweckung der Toten zum ewigen Leben und zu ewiger Verdammnis geben wird? Glauben wir, dass dieser Tag vielleicht schon sehr nah ist? Sind wir auf den Tag der sichtbaren Wiederkunft Christi vorbereitet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Kind und Jugendlicher sa\u00df ich mit meiner Familie auf den Kirchenb\u00e4nken der St. Andreaskirche in Verden. Beeindruckt sah ich das gro\u00dfe Deckengem\u00e4lde \u00fcber dem Altar mit dem auf einem Regenbogen thronenden Christus als Weltenherrscher. Doch damals glaubte ich nicht, dass dieses Bild eine Wirklichkeit zum Ausdruck brachte. Ich sprach das Glaubensbekenntnis und murmelte die Worte: \u201evon dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten\u201c, doch glauben konnte ich es nicht. Das Glaubensbekenntnis war ein reines Lippenbekenntnis. Ich bin Gott sehr dankbar daf\u00fcr, dass ich heute mit den Reformatoren die Wahrheiten des Apostolischen und auch des Augsburger Bekenntnisses glauben und bekennen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johann Hesse, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Gemeindehilfsbundes, Vortrag bei der Subkommende Neubrandenburg des Johanniterordens am 12.10.2017<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes<br \/>\n<\/em><em>M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode<br \/>\n<\/em><em>Tel.: 05161\/911330<\/em><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>info@gemeindehilfsbund.de<br \/>\nwww.gemeindehilfsbund.de<br \/>\nwww.gemeindenetzwerk.de<\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Was-glauben-wir-eigentlich-Streifz\u00fcge-durch-das-Augsburger-Bekenntnis-1530.pdf\">Hier k\u00f6nnen Sie die Power Point Pr\u00e4sentation des Vortrages mit Bildern herunterladen.<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u201eUnser Glaube &#8211; Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, G\u00fctersloher Verlagshaus, 1991, S. 51.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> So Bischof Dr. Martin Hein in seinem Vortrag \u201eGlauben wir alle an denselben Gott?\u201c Gedanken zum Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen. Gemeinsamer Jahresempfang der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Kommissariats der Deutschen Bisch\u00f6fe, Konferenzsaal der COMECE, 5. Dezember 2016.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Abhandlung \u00fcber den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, 1755<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Martin Luther: Scholion zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer\">R\u00f6m<\/a> 5,4 <a href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/go.php?lang=de&amp;bible=Lut&amp;ref=R%C3%B6m5%2C4\">Lut<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weimarer_Ausgabe_(Luther)\">WA<\/a> 56, 304, 25\u201329.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Im Konzil von Chalcedon (451 n. Chr.) wurde festgestellt, dass Jesus Christus zwei Naturen in einer einzigen Person vereint (unvermischt und ungetrennt) und dass er \u201ewahrer Gott\u201c und \u201ewahrer Mensch\u201c ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Der Spiegel, Spiegel-Gespr\u00e4ch, \u201eDort sind alle Tr\u00e4nen abgewischt\u201c, 22.7.2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Pr\u00e4ses Nikolaus Schneider, Chrismon plus Rheinland, 04.2009, S. 46<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Pr\u00e4ses Nikolaus Schneider, Chrismon plus Rheinland, 04.2009, S. 44<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Pr\u00e4ses Nikolaus Schneider, Chrismon plus Rheinland, 04.2009, S. 44<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> H.-G. P\u00f6hlmann, Abri\u00df der Dogmatik, 5. Auflage, G\u00fctersloher Verlagshaus Gerd Mohn, G\u00fctersloh 1973, S. 241.<\/p>\n<p>[11] F\u00fcr uns gestorben: Die Bedeutung von Leiden und Sterben Jesu Christi. Ein Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) G\u00fctersloher Verlagshaus 2015<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Dietrich Bonhoeffer, Gemeinsames Leben, Chr. Kaiser Verlag M\u00fcnchen. Achte, unver\u00e4nderte Auflage 1955. Seite 80 f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Rudolf Bultmann, <em>Neues Testament und Mythologie<\/em>, erschienen in: \u201eKerygma und Mythos \u2013 Ein theologisches Gespr\u00e4ch\u201c, Herbert Reich Evangelischer Verlag, Hamburg 1951, S. 17.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Reichstag in Augsburg Am 20. 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