{"id":15007,"date":"2017-10-21T21:36:26","date_gmt":"2017-10-21T19:36:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15007"},"modified":"2017-10-21T21:36:26","modified_gmt":"2017-10-21T19:36:26","slug":"wenn-er-spricht-so-geschiehts-ein-beitrag-zur-wiederentdeckung-des-schoepferischen-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=15007","title":{"rendered":"Wenn er spricht, so geschieht\u2019s. Ein Beitrag zur Wiederentdeckung des sch\u00f6pferischen Gottes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der mir unvergessene Prof. A. E. Wilder-Smith (1915-1995) wurde bei seinen Vortr\u00e4gen nicht m\u00fcde zu betonen, dass der Mensch seinen Denkapparat genauso wie auch andere Apparate zerst\u00f6ren kann. \u201eWenn wir mit einer Kaffeem\u00fchle Steine mahlen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sie bald stumpf wird. Wenn wir unserer Vernunft andauernd zumuten, Unlogisches zu denken, werden wir erleben, dass sie unbrauchbar wird\u201c.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Mit diesem und \u00e4hnlichen Argumenten machte er uns klar, dass es ein Gebot der Logik sei, von den Sch\u00f6pfungswerken auf den Sch\u00f6pfer zu schlie\u00dfen, und ein Gebot der Selbstachtung, das eigene Denken an den sch\u00f6pferischen Gott heranzuf\u00fchren<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a>. Mit den folgenden Ausf\u00fchrungen m\u00f6chte ich dieser doppelten Ermahnung nachkommen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00f6pfungsvergessenheit unserer Zeit, die zutiefst auf der Weigerung beruht, den Dreieinigen Gott als den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde anzuerkennen, f\u00fchrt unser Volk und die Gesellschaft in immer gr\u00f6\u00dfere Probleme. Wer hinter der Sch\u00f6pfung nicht mehr den Sch\u00f6pfer wahrnimmt, gleitet entweder in heidnische Naturverachtung oder Naturverg\u00f6tzung ab, verliert die Ehrfurcht vor der Unverf\u00fcgbarkeit des Lebens, kann den Begriff der Menschenw\u00fcrde nicht mehr f\u00fcllen und wird anf\u00e4llig f\u00fcr die Utopien einer sich selbst organisierenden Natur bzw. Materie (Charles Darwin und Manfred Eigen) und eines sich selbst vervollkommnenden Geistes (Georg Friedrich Wilhelm Hegel und Karl Marx). Nur eine Neuentdeckung des biblischen Glaubens an Gott den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde kann uns helfen, die globalen \u00f6kologischen Probleme zu meistern, eine wahrhaft soziale Ethik wiederzugewinnen, den Menschen, auch in seiner embryonalen Form und auch als Sterbenden, neu zu achten und schlie\u00dflich widerstandsf\u00e4hig zu werden gegen\u00fcber den tr\u00fcgerischen Hoffnungen auf eine immer vollkommener werdende Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte gern Mut machen zu einem konsequenten Glauben an den \u201eGott, der dem, was nicht ist, ruft, dass es sei\u201c (R\u00f6m.4,17). Dieser Glaube ist logisch, denn er f\u00fchrt eine genial gestaltete Sch\u00f6pfung auf einen intelligenten Sch\u00f6pfer zur\u00fcck. Er ist Gott dem Sch\u00f6pfer angemessen, denn er gibt ihm die Ehre, die ihm zukommt. Und er ist hilfreich, denn er spendet Trost und Kraft. Der sch\u00f6pferische Gott, der aus dem Nichts alles erschafft, ist ja auch in der Lage, aus den W\u00fcsten- und Krisensituationen unseres pers\u00f6nlichen Lebens das Gegenteil zu machen. Er, dessen Kraft Wind und Wolken bewegt, vermag auch unser Leben so zu steuern, dass wir an das richtige Ziel kommen, n\u00e4mlich zur Herrlichkeit in Gottes Ewigkeit, die uns verhei\u00dfen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1 Die Sch\u00f6pfungsvergessenheit unserer Zeit und ihre Folgen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.1 Die Entfremdung unserer Jugend vom christlichen Glauben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor \u00fcber 40 Jahren gab es eine Umfrage unter den Sch\u00fclern eines norddeutschen Gymnasiums, was sie vom christlichen Glauben halten. Mehr als die H\u00e4lfte erkl\u00e4rten, dass sie deswegen nicht mehr an Gott glaubten, weil der biblische Sch\u00f6pfungsbericht durch die Wissenschaft widerlegt sei<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a>. Wer sich in deutschen Biologie- und Religionsb\u00fcchern umsieht, wundert sich \u00fcber diese Haltung nicht. Eine Aussage, dass unsere Erde und der Kosmos auf gewaltige Sch\u00f6pfungsakte Gottes zur\u00fcckgeht, sucht man hier vergeblich.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> 1982 fand im Geistlichen R\u00fcstzentrum Krelingen ein Kongress zum Thema Sch\u00f6pfung und Evolution statt, der mit einer Resolution der Teilnehmer an s\u00e4mtliche deutsche Kultusministerien abgeschlossen wurde. Wir haben darin die Kultusminister gebeten, in den Rahmenrichtlinien des Biologie- und Religionsunterrichts Platz f\u00fcr die Darstellung des christlichen Sch\u00f6pfungsglaubens und der Sch\u00f6pfungswissenschaft einzur\u00e4umen. Das Echo war deprimierend. Nur drei Ministerien antworteten, und nur eins davon versprach, die Eingabe zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Folgen dieses offiziellen Schweigens f\u00fcr Glauben und Denken unserer Jugend sind fatal. Bei einer Sch\u00fclerfreizeit stellte ich einmal einige Fragen, deren Beantwortung mich verbl\u00fcffte. Ich wollte von den jungen Leuten wissen, wof\u00fcr mehr Intelligenz, Kraft und Wille notwendig sei, f\u00fcr den Bau einer Gartenlaube, eines Autos, das aus etwa 10 000 Einzelteilen besteht, oder einer Mondrakete, die etwa 10 Millionen Teile hat. Die Antworten waren korrekt. Dann kam ich zur entscheidenden Frage: Ich schilderte das menschliche Gehirn, das aus 100 Milliarden Teilen besteht, mit 500 000 km Kabel vernetzt ist, 1 Trillion Rechenoperationen pro Sekunde ausf\u00fchrt, wassergek\u00fchlt ist und 1,5 kg wiegt, und fragte dann, ob es auf einen genialen Erfinder hinweise oder sich zuf\u00e4llig aus niedrigeren Nervensystemen entwickelt haben k\u00f6nnte. Nach einigem \u00dcberlegen antwortete die Mehrzahl, dass es sich zuf\u00e4llig entwickelt habe. Bei den drei anderen Objekten war es ihnen allen klar gewesen: Es braucht zur Ausf\u00fchrung Intelligenz, Kraft und Willen. Beim Gehirn verga\u00dfen sie ihre Logik. Ich frage mich, wie lange wir als Eltern noch zusehen wollen, wie unseren Kindern durch die Sch\u00f6pfungsleugnung an unseren Schulen der Glauben schwer gemacht und das logische Denken im Blick auf den Sch\u00f6pfer abtrainiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.2 Zwischen Naturverachtung und Naturverg\u00f6tzung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verlust des Sch\u00f6pfungsglaubens und -denkens hat zwangsl\u00e4ufig Folgen f\u00fcr den Umgang mit der Natur und Umwelt. Wer sich in die Sch\u00f6pfung hineingestellt und damit vor den Sch\u00f6pfer gestellt sieht, ist sich seiner Verantwortung im Umgang mit ihr bewusst oder zumindest darauf ansprechbar. Gleichzeitig wei\u00df er aber auch, dass Natur und Umwelt geschaffene und keine letzten Werte darstellen. Wer aber diesen Bezug zur Sch\u00f6pfung nicht hat, steht immer in einer doppelten Gefahr, n\u00e4mlich auf der einen Seite die materielle Welt nur als Verf\u00fcgungsmasse zu sehen oder sie auf der anderen Seite als die letzte und eigentliche Lebensgrundlage zu hoch zu bewerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum ein anderer hat die sch\u00e4dlichen Umwelt- und Sozialfolgen der modernen Sch\u00f6pfungsvergessenheit so scharf analysiert wie der 2001 verstorbene geniale Zukunftsforscher Prof. Johann Millendorfer aus \u00d6sterreich. Die immateriellen \u201eEntsorgungsprobleme\u201c des modernen Menschen, d.h. seine Hilflosigkeit im Umgang mit Schuld und Versagen, f\u00fchren nach Millendorfer zu den globalen materiellen Entsorgungsproblemen. Das marxistische bzw. sozialistische Menschenbild, das den Menschen wesentlich \u00fcber seine Arbeitsf\u00e4higkeit und seinen Nutzen f\u00fcr den Staat definiert, f\u00fchrt zu einem \u00dcberwuchern der Produktionsbereiche \u00fcber die Lebensbereiche, das die Natur ausbeutet und paradoxerweise die Produktivit\u00e4t und Arbeitsqualit\u00e4t mindert. Der Verlust der Stille und des Sinns f\u00fcr Sch\u00f6nheit f\u00fchren zur Machermentalit\u00e4t und zu kurzgreifenden und einseitigen Diagnosen und Entscheidungen.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a> Es ist kein Ruhmesblatt f\u00fcr die Christen in den Industriel\u00e4ndern, dass sie diese sch\u00e4dlichen Folgen der Naturverachtung und -ausbeutung entweder gar nicht oder zu nachl\u00e4ssig sahen, so dass erst eine \u201egr\u00fcne\u201c Bewegung, die sich weithin aus neomarxistischen Wurzeln speist, auf sie aufmerksam machen musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite ist es eine sch\u00f6ne Utopie, gerade auch in dieser Bewegung, auf eine Welt zu hoffen, \u201ein der die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen geachtet und bewahrt werden\u201c, wenn man sich gleichzeitig einem emanzipatorischen Menschenbild und einer Gesellschaft verpflichtet sieht, \u201ein der die Menschen eine Chance haben, ihr Leben selbst zu gestalten &#8211; frei von Bevormundung\u201c.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> Wer Selbstbestimmung und \u00d6kologie zu letzten Werten erhebt, der verkennt gr\u00fcndlich, dass es ja gerade der glaubensferne und \u201eselbstbestimmte\u201c Mensch war und ist, der seine Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung Gottes vergessen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.3 Der Verlust der Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00f6pfungsvergessenheit hat auch das Menschenbild der Moderne und Postmoderne entscheidend mitgepr\u00e4gt. Die Verantwortung des Menschen als Gesch\u00f6pf Gottes vor seinem Sch\u00f6pfer trat zur\u00fcck. Andere Instanzen r\u00fcckten an die Stelle Gottes. Der Rationalismus und die Aufkl\u00e4rungsphilosophie erkl\u00e4rten die menschliche Vernunft zur letzten Instanz. Diese wiederum k\u00fcrte sich unter dem Einfluss der Franz\u00f6sischen Revolution die Menschenrechte der Gleichheit, Freiheit und Br\u00fcderlichkeit zu ihren Idealen. Die Qualit\u00e4t und W\u00fcrde des Menschen wurde nun unter dem Einfluss dieser Werte nicht mehr durch seine Gesch\u00f6pflichkeit bestimmt, sondern vom Grad der Verwirklichung der Menschenrechte. Menschsein hie\u00df jetzt, m\u00f6glichst viel an Gleichheit, Freiheit und Br\u00fcderlichkeit zu erlangen. Doch die dunkle Kehrseite dieser gl\u00e4nzenden Ideale kam schnell ans Licht. Der Verlust der Gesch\u00f6pflichkeit hatte n\u00e4mlich unter der Hand dem menschlichen Leben seinen Wert genommen. Es konnte nun bedenkenlos geopfert werden, wenn es bei der Durchsetzung der Menschenrechte als hinderlich erschien. W\u00e4hrend der Franz\u00f6sischen Revolution wurden etwa 40 000 Menschen im Namen der Menschenrechte get\u00f6tet. Francis Schaeffer hat diese Paradoxie richtig beschrieben: \u201eDiese Zerst\u00f6rung kam nicht von au\u00dferhalb des Systems, sie wurde vom System selbst produziert\u201c.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weder die Kriege und sozialen Katastrophen noch die kirchlichen Erweckungsbewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts haben es vermocht, das christliche Bild vom Menschen als eines Gott verantwortlichen Gesch\u00f6pfes gesellschaftlich umfassend zur Geltung zu bringen. Selbst die gro\u00dfe Ersch\u00fctterung aller neuzeitlichen Ideale, die der 2. Weltkrieg und sein Ende ausl\u00f6ste, f\u00fchrte nicht zu einer umfassenden Neuentdeckung der Gesch\u00f6pflichkeit des Menschen oder zu einer christlichen Neubestimmung der Menschenw\u00fcrde. Zu tief hatten sich die Ideale der Aufkl\u00e4rung und der Menschenrechte in das Bewusstsein der Menschen eingegraben. So hatte dann auch die neomarxistische Ideologie, die seit der Studentenrevolte von 1968 die Leitideen f\u00fcr die weitere gesellschaftliche Entwicklung der Postmoderne lieferte, ein leichtes Spiel, ihr Ideal der absoluten Selbstbestimmung des Einzelnen weithin durchzusetzen. Und wieder, wie schon zur Zeit der Franz\u00f6sischen Revolution, verbirgt sich hinter einem ansprechenden Ideal eine dunkle Kehrseite. Der \u201eselbstbestimmte\u201c Mensch ist n\u00e4mlich durchaus bereit, zur Durchsetzung seines Ideals auch gegen die Interessen des anderen zu handeln. Der Grund liegt auf der Hand. Die Tatsache der menschlichen Gesch\u00f6pflichkeit ist ihm abhandengekommen. F\u00fcr ihn ist dieses Menschenbild nichts anderes als eine \u201eFremdbestimmung\u201c und insofern eine Zumutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo sich aber der Mensch nicht mehr in der Verantwortung vor seinem Sch\u00f6pfer sieht, degeneriert die Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben zur blo\u00dfen Floskel. Warum sollte er denn vor dem Leben des anderen noch Ehrfurcht haben? Die \u00f6ffentliche Diskussion und die Gesetzestexte zur Abtreibung und zur Embryonenforschung in den vergangenen 30 Jahren reden eine deutliche Sprache. Schon 1991 hie\u00df es in der Stellungnahme einer deutschen evangelischen Landeskirche: \u201eIn Konfliktsituationen kann die letzte Entscheidung der betreffenden Frau von niemandem abgenommen werden; sie muss sie in ihrer Verantwortung vor Gott treffen\u201c.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> 1995 gab es dann den bis heute geltenden notvollen Abtreibungskompromiss, nach dem die Abtreibung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zwar nicht rechtm\u00e4\u00dfig, aber dennoch straflos ist, wenn ein Beratungsgespr\u00e4ch nachgewiesen ist. Sieben Jahre sp\u00e4ter, im Januar 2002, stimmte der Deutsche Bundestag mehrheitlich einem Gesetzentwurf zu, der grunds\u00e4tzlich den Import von menschlichen embryonalen Stammzellen erm\u00f6glicht und damit die wissenschaftliche Forschung an menschlichen Embryos freigibt. Wiederum verf\u00fcgt der \u201eselbstbestimmte\u201c Mensch, diesmal im Namen der Freiheit der Wissenschaft, \u00fcber ihm nicht geh\u00f6rendes menschliches Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.4 Geschichtslosigkeit, Autorit\u00e4tsverfall und Ungeborgenheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Abschnitt m\u00f6chte ich auf einige tiefere gesellschaftspsychologische Folgen unserer Sch\u00f6pfungsblindheit hinweisen. Sir Julien Huxley, der erste Generaldirektor der UNESCO (1946-1948), feierte noch die Ausmerzung des Glaubens an den Sch\u00f6pfergott aus der \u00f6ffentlichen Diskussion als gro\u00dfen Fortschritt: \u201eDarwins eigentliche Leistung war die Entfernung der Idee eines Gottes, der die Organismen geschaffen hat, aus der Sph\u00e4re der rationalen Diskussion.\u201c<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer sich jedoch heute mit den hintergr\u00fcndigen Folgen dieser Abschaffung des Sch\u00f6pfergottes besch\u00e4ftigt, kommt zu einer ganz anderen Einsch\u00e4tzung. Die von Hegel, Marx und Darwin entwickelten atheistischen Ersatzideen eines allm\u00e4hlich zu sich findenden Weltgeistes, einer sich selbst zum Guten hin entwickelnden menschlichen Gesellschaft und einer sich selbst vervollkommnenden Natur haben den abendl\u00e4ndischen Menschen nicht nur dem christlichen Glauben entfremdet, seinen Umgang mit der Natur gesch\u00e4digt und ihm die Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben genommen, sie haben auch seine Seele tief gesch\u00e4digt. Ich m\u00f6chte drei negative Auswirkungen nennen: 1.) Der Mensch wird von seiner eigenen Geschichte entfremdet; 2.) Ihm wird ein grunds\u00e4tzliches Misstrauen gegen alle Autorit\u00e4ten eingepflanzt; 3.) Er vereinsamt und erf\u00e4hrt keine Geborgenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Geschichtslosigkeit.<\/strong> Wer glaubt, dass sich die Menschheit immer mehr vervollkommnet, sieht die Vergangenheit mit Vorbehalt. Die Geschichte wird anr\u00fcchig. Das Denken, F\u00fchlen und Wollen fr\u00fcherer Generationen fand ja auf einer niedrigeren Stufe statt. Warum sollte ich mich \u00fcberhaupt noch mit vergangenen Epochen besch\u00e4ftigen, wenn sie mir ohnehin nichts f\u00fcr mein Leben heute vermitteln k\u00f6nnen? Ist nicht der niedrige Stellenwert des Geschichtsunterrichts an unseren Schulen eine Langzeitfolge der Sch\u00f6pfungsvergessenheit?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Autorit\u00e4tsverfall.<\/strong> Eng mit unserer postmodernen Geschichts\u00fcberheblichkeit ist der Autorit\u00e4tsverfall verbunden. Der neomarxistische Philosoph J\u00fcrgen Habermas forderte bereits vor \u00fcber 40 Jahren die Infragestellung aller \u201eherrschaftslegitimierenden Weltbilder\u201c, die andauernde \u201eProblematisierung\u201c der geltenden Normen und den \u00dcbergang vom sog. \u201ezweckrationalen\u201c zum \u201ekommunikativen\u201c Handeln, das seiner Meinung nach von neuen Normen bestimmt wird, die durch gesellschaftliche Dauerdiskussionen gefunden werden sollen.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Der Mensch wird hier aufgefordert, alle Autorit\u00e4ten kritisch zu hinterfragen und letztlich nur noch die Autorit\u00e4t seiner eigenen Vernunft gelten zu lassen. Das gleiche Konzept vertritt Julian Nida-R\u00fcmelin, wenn er erkl\u00e4rt, dass es \u201ekeine externen Kriterien f\u00fcr die richtige Wahl der Lebensform\u201c gebe.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a> Alle Lebensfragen und alle Antworten soll der Mensch letztlich aus sich selbst heraus entwickeln. Der pers\u00f6nlichkeitspr\u00e4gende Wert von Vor- und Leitbildern kommt in dieser Philosophie nicht mehr in den Blick. Was sind die Folgen? Der in dieser Weise antiautorit\u00e4r geschulte Mensch bleibt immer derselbe. Er nimmt sich selbst die Entwicklungs- und Ver\u00e4nderungschancen, denn er will sich ja von niemand pr\u00e4gen lassen. Er wird lernm\u00fcde und reagiert aufs\u00e4ssig und aggressiv, wenn er sich einer Autorit\u00e4t unterordnen soll. Im Endeffekt schadet er sich selbst am meisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Ungeborgenheit.<\/strong> Aus dem Autorit\u00e4tsverfall entspringt eine gro\u00dfe Beziehungsnot. Der Mensch hat niemand mehr, dem er sich ganz und gar anvertrauen will. Wer keine Autorit\u00e4ten au\u00dfer seiner eigenen Vernunft anerkennt, bleibt mit sich allein und wird einsam. Damit bleiben aber entscheidende Bed\u00fcrfnisse und Anlagen seiner Pers\u00f6nlichkeit unbefriedigt und ungenutzt, denn der Mensch ist ein Beziehungswesen, und er kann zu wirklichem Lebensgl\u00fcck und Lebenssinn nur finden, wenn seine Beziehung zu Gott dem Sch\u00f6pfer und zu seinen Mitmenschen stimmt. Eine tiefe seelische Traurigkeit und ein krankmachender Lebensfrust sind die Folgen dieser seelischen Ungeborgenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.5 Sch\u00f6pfungsvergessenheit &#8211; eine folgenreiche Schuld vor Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus R\u00f6mer 1,18-31 wissen wir, dass ein falsches Denken \u00fcber die Sch\u00f6pfung Schuld vor Gott ist und verh\u00e4ngnisvolle Folgen hat. Wer die immensen sozialen, \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Probleme am Anfang des dritten Jahrtausends sieht, dem fallen hier innere Zusammenh\u00e4nge mit der herrschenden Sch\u00f6pfungsvergessenheit ins Auge. Machen wir uns noch einmal die Schau des Apostels klar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Anfang an hat Gott den Kosmos als eine Predigt an die Menschheit gemeint. An den Sch\u00f6pfungswerken sollen die Menschen seine unendliche Kraft und seine g\u00f6ttliche Majest\u00e4t erkennen und daraus die richtigen Schlussfolgerungen ziehen (R\u00f6m. 1,20). Jeder Mensch hat also eine Grundkenntnis von Gottes Existenz, Gr\u00f6\u00dfe und Pracht (V. 19). Aber er unterdr\u00fcckt diese Wahrheit (V. 18b), er verleugnet sie, er vergisst sie, er problematisiert sie. Anstatt die einzig richtige Schlussfolgerung zu ziehen, n\u00e4mlich ein Leben zu Gottes Ehre zu f\u00fchren und Gott f\u00fcr die Sch\u00f6pfung zu danken, wendet er sich mit seinen Gedanken nichtigen Dingen zu und wird ein Narr und macht sein ganzes Wesen damit finster (V. 21). Die Sch\u00f6pfungsvergessenheit ist also f\u00fcr Paulus eindeutig Schuld vor Gott. Wer sich der Predigt der Sch\u00f6pfung verschlie\u00dft, beleidigt den Sch\u00f6pfer. Gilt nicht diese Mahnung des Apostels in unserer Zeit in ganz besonderem Ma\u00df?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genauso wie das menschliche Versagen schildert Paulus auch die g\u00f6ttliche Antwort ohne Schonung (V. 22-32). Gott gibt den Menschen an seine selbstgew\u00e4hlte Dummheit und Herzensfinsternis dahin. Wer den Abschnitt V. 22-32 sorgf\u00e4ltig liest, erkennt eine dreifache Antwort Gottes, die jeweils genau der menschlichen Schuld entspricht. 1.) Der Mensch nimmt Gott die Ehre, indem er Bilder verg\u00e4nglicher Lebewesen verehrt. Gott nimmt dem Menschen die Ehre, indem er ihn den unreinen sexuellen Begierden des anderen Geschlechts preisgibt (V. 22-24). 2.) Der Mensch vertauscht die g\u00f6ttliche Wahrheit mit L\u00fcge, indem er anstelle des Sch\u00f6pfers das Gesch\u00f6pf anbetet. Gott gibt den Menschen an sch\u00e4ndliche homosexuelle Leidenschaften hin, so dass M\u00e4nner und Frauen den nat\u00fcrlichen sexuellen Umgang vertauschen mit dem widernat\u00fcrlichen (V. 25-27). 3.) Der Mensch verachtet seine Kenntnis von Gott. Gott gibt ihn an die Folgen einer verachtenswerten, zum Guten unf\u00e4higen Gesinnung hin (V. 28-31).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man die Zunahme der heterosexuellen und homosexuellen Unzucht und der Kriminalit\u00e4t in den letzten 50 Jahren beobachtet, muss man unwillk\u00fcrlich an die geistlichen Mahnungen des Apostels Paulus im R\u00f6merbrief denken. Wir haben uns angew\u00f6hnt, diese gesellschaftlichen Entwicklungen als Ausdruck \u00fcberzogener Liberalit\u00e4t und einer Zunahme des menschlichen Egoismus zu beklagen. Doch im Licht von R\u00f6mer 1,18-31 bekommen sie eine ganz neue Wertigkeit. Sie sind dann n\u00e4mlich unmittelbare Antworten Gottes an eine Menschheit, welche die Sch\u00f6pfungswerke und das Sch\u00f6pfertum Gottes missachtet. Wie wichtig wird dann aber auch, in diesem Horizont gesehen, eine Wiederentdeckung des sch\u00f6pferischen Gottes!<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\" start=\"2\">\n<li><strong> Die Wiederentdeckung des sch\u00f6pferischen Gottes<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.1 Verschiedene Wege zum gleichen Ziel<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wie oft verschiedene Pfade zu einem Berggipfel f\u00fchren, so kann man den sch\u00f6pferischen Gott auf verschiedenen Wegen finden. Ich m\u00f6chte drei Wege nennen: die Logik, die Forschung und den Glauben an Christus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Weg der Logik.<\/strong> Vor Studenten der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg hielt der eingangs schon erw\u00e4hnte Prof. Wilder-Smith in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einmal einen Vortrag \u00fcber Sch\u00f6pfung und Evolution. Ich erinnere mich noch genau, wie mich eines seiner Argumente f\u00fcr die Sechs-Tage-Sch\u00f6pfung total verbl\u00fcffte und mir schlie\u00dflich zur Br\u00fccke f\u00fcr ein w\u00f6rtliches Verst\u00e4ndnis des Sch\u00f6pfungsberichts wurde. Er wies auf die Aussage im Hebr\u00e4erbrief 1,2 hin, wonach Gott durch seinen Sohn die Welt erschaffen hat, und er f\u00fcgte hinzu: \u201eWenn Jesus, der Sohn Gottes, beim Sch\u00f6pfungshergang dabei war, wenn er sogar dabei in Person die ausf\u00fchrende Hand Gottes war, und wenn er es nicht f\u00fcr n\u00f6tig befunden hat, den alttestamentlichen Sch\u00f6pfungsbericht zu korrigieren, dann sollten auch wir diesen Bericht so nehmen, wie er dasteht, als Darstellung des Sch\u00f6pfungshergangs innerhalb sechs normaler 24-Stunden-Tage.\u201c Die Logik dieses Arguments hatte mir geholfen. C. S. Lewis berichtet einmal, wie er im Lauf seines Lebens aufgrund der Unlogik des Zufallsglaubens immer skeptischer gegen den von ihm sogenannten Evolutionsmythos geworden ist: \u201eWenn das Sonnensystem durch eine zuf\u00e4llige Kollision entstanden w\u00e4re, m\u00fcsste auch das organische Leben auf dieser Erde ein Zufall sein. Die ganze Evolution des Menschen w\u00e4re dann Zufall. Dann w\u00e4ren aber auch alle unsere Denkprozesse zuf\u00e4llig, das zuf\u00e4llige Nebenprodukt atomarer Bewegungen. Das gilt sowohl f\u00fcr Materialisten, Astronomen und alle \u00fcbrigen. Wenn aber die Gedanken, wie z.B. diejenigen der Materialisten und Astronomen zuf\u00e4llige Nebenprodukte sind, warum sollten wir dann glauben, dass sie stimmen? Ich sehe keinen Grund daf\u00fcr, zu glauben, dass mir der Zufall die richtige Antwort auf all die \u00fcbrigen Zuf\u00e4lle gibt\u201c.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Weg der Forschung.<\/strong> Naturwissenschaftler verschiedener Wissenschaftszweige kommen zunehmend aufgrund ihrer empirischen Forschungen zu dem Resultat, dass die Annahme einer zuf\u00e4lligen Entstehung des Lebens und der komplexen Vielfalt des Mikro- und Makrokosmos einen Grad an Wahrscheinlichkeit hat, der gegen Null geht, und dass die Annahme einer spontanen Erschaffung des Kosmos durch einen hochintelligenten Sch\u00f6pfungsakt wesentlich wahrscheinlicher ist.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[13]<\/a> Der englische Kosmologe Fred Hoyle hat die Wahrscheinlichkeit, dass Leben durch Zufallsprozesse entstanden sein k\u00f6nnte, genauso gering eingesch\u00e4tzt wie die zuf\u00e4llige Entstehung einer funktionsf\u00e4higen Boeing 707 durch einen Tornado, der durch einen Schrottplatz gejagt ist.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a> Das empfehlenswerte Buch \u201eEvolution. Ein kritisches Lehrbuch\u201c gibt eine gute Einf\u00fchrung in den derzeitigen Forschungsstand der verschiedenen Wissenschaftsbereiche der Sch\u00f6pfungswissenschaft.<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Weg des Glaubens an Christus. <\/strong>Der Glaube an den sch\u00f6pferischen Gott ist ein Glaube, der Gott das Unm\u00f6gliche zutraut. Wenn wir an Christus glauben, dann sollten wir uns auch in diesen Glauben an den sch\u00f6pferischen Gott ein\u00fcben. Als der betagte Patriarch Abraham vor Gott klagte, ohne Kinder sterben zu m\u00fcssen, und Gott ihn aufforderte, die Sterne anzublicken, weil genauso zahlreich seine Nachkommen sein w\u00fcrden, glaubte Abraham dem Herrn (1. Mose 15,6). Paulus beschreibt diesen Glauben Abrahams in R\u00f6mer 4 n\u00e4her. Es ist ein Glaube, der Gott zutraut, Tote lebendig zu machen und dem, was nicht ist, zu rufen, dass es sei (R\u00f6m. 4,17). Es ist ein Glaube, der aufs allergewisseste wei\u00df, dass Gott tun kann, was er verhei\u00dft (R\u00f6m. 4,21). Einen solchen Glauben k\u00f6nnen wir nat\u00fcrlich nicht aus uns selbst produzieren. Aber wir k\u00f6nnen uns ein\u00fcben, auf Gottes Verhei\u00dfungen zu vertrauen und sie wichtiger zu nehmen als eigene Erfahrungen, Gef\u00fchle oder Verstandesbedenken. Das gilt f\u00fcr den ersten Glaubensschritt genauso wie f\u00fcr alle weiteren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wichtigste Verhei\u00dfung Gottes ist und bleibt die Zusage des ewigen, g\u00f6ttlichen Lebens f\u00fcr alle, die Jesus Christus ihr Leben anvertrauen (Joh. 3,16). Wer sich auf diese Verhei\u00dfung einl\u00e4sst, empf\u00e4ngt ein g\u00f6ttliches Licht in seinem Herzen, wie es Paulus in 2. Korinther 4,6 ausdr\u00fcckt. Wo er vorher in sich Dunkelheit, Ratlosigkeit, Leere und eine unbestimmte Suche sp\u00fcrte, erf\u00e4hrt er nun eine Helligkeit, die ihm W\u00e4rme, Orientierung und Geborgenheit gibt. Er merkt, dass ein Sch\u00f6pfungsakt Gottes an ihm und in ihm vollzogen wurde. Gott hat in ein Nichts hineingesprochen und in ihm etwas wunderbares Neues erschaffen. Wer Christus findet, hat damit den sch\u00f6pferischen Gott gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch das Leben mit Christus f\u00fchrt zum sch\u00f6pferischen Gott. Es besteht ja aus vielen Glaubensschritten, die sich auf Verhei\u00dfungen Gottes verlassen. Der Christ erlebt dabei, dass Gott zwischenmenschliche Verh\u00e4ltnisse erneuern, vielf\u00e4ltig helfen und auch in ausweglos erscheinenden Situationen tr\u00f6sten und Hoffnung schenken kann. Er lernt Gottes Wort als Licht auf dem Wege sch\u00e4tzen und sieht, dass Gott sch\u00f6pferisch in seinem Leben handelt. Damit wird ihm auch der Glaubenszugang zu den gro\u00dfen Sch\u00f6pfungswerken ge\u00f6ffnet. Es ist ja ein und derselbe Gott, der einst gesprochen hat \u201eLicht soll aus der Finsternis hervorleuchten\u201c, und der hier und heute sein Licht in unsere Herzen gibt. So sieht es Paulus in der schon zitierten Stelle 2. Kor. 4,6. Das gewaltige sch\u00f6pferische Geschehen, das sich an allen ereignet, die Christus vertrauen, ist der Schl\u00fcssel, der uns Christen die T\u00fcr zur Erkenntnis des sch\u00f6pferischen Gottes im Kosmos aufschlie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.2 \u201eWenn er spricht, so geschieht\u2018s\u201c(Ps. 33,9)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evolutionslehre fu\u00dft auf drei Axiomen, d.h. auf drei unbeweisbaren Voraussetzungen: Die erste Annahme ist das sog. Uniformit\u00e4tsprinzip. Es besagt, dass in der Vergangenheit die gleichen Rahmenbedingungen f\u00fcr die nat\u00fcrlichen Prozesse wie heute geherrscht haben. Die zweite Annahme ist der riesige, auf mehrere Milliarden Jahre gesch\u00e4tzte Zeitrahmen f\u00fcr die in der Vergangenheit stattgefundenen Prozesse. Die dritte Annahme ist die Entstehung von Information ohne einen intelligenten Urheber. Alle drei Axiome sind Postulate, also in den Rang von Denknotwendigkeiten erhobene Vermutungen, durch die das Denkmodell der Evolutionslehre plausibel gemacht werden soll. Nachweisbar sind sie nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kosmischen Rahmenbedingungen k\u00f6nnen fr\u00fcher anders als heute gewesen sein, so dass heute beobachtbare nat\u00fcrliche Prozesse in der Vergangenheit in ganz anderen zeitlichen Abl\u00e4ufen stattgefunden haben k\u00f6nnen. Das vorausgesetzte sehr hohe Alter des Kosmos kann bei der Annahme eines Sch\u00f6pfungsaktes als scheinbares Alter verstanden werden, genauso wie ja auch f\u00fcr die beiden ersten Menschen ein ihnen anerschaffenes scheinbares Alter angenommen werden muss. Und die Annahme einer von selbst, ohne Urheber entstehenden Information ist eine reine Hypothese, die weder logisch noch wissenschaftlich begr\u00fcndbar ist. Alle drei Axiome der Evolutionslehre sind also keineswegs zwingend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der biblische Sch\u00f6pfungsglaube fu\u00dft demgegen\u00fcber auf dem einen Axiom der Annahme eines intelligenten Sch\u00f6pfers und seiner Sch\u00f6pfungsakte. Auch dieses Axiom ist nicht beweisbar. Aber es bietet den unsch\u00e4tzbaren Vorzug, dass es Intelligenz aus Intelligenz und Leben aus Leben ableitet und damit sowohl der menschlichen Logik als auch der wissenschaftlichen Beobachtung entspricht. Denn weder in der Logik noch in der Beobachtung kann aus Nicht-Intelligenz entsprungene Intelligenz und aus Materie entsprungenes Leben gedacht oder festgestellt werden.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Glaube an einen sch\u00f6pferischen Gott bietet dar\u00fcber hinaus noch einen weiteren Vorzug. Er traut Gott dem Sch\u00f6pfer spontane und komplexe Sch\u00f6pfungsakte aus dem Nichts zu. Damit kann die Ordnungsstruktur der Sch\u00f6pfung viel besser als mit der auf Zufall und Entwicklung aufgebauten Evolutionslehre erkl\u00e4rt werden. Die der menschlichen Beobachtung zug\u00e4nglichen kosmologischen, biologischen oder mikrokosmischen Ordnungen fu\u00dfen n\u00e4mlich auf dem Prinzip der Komplementarit\u00e4t, d.h. der gegenseitigen Bedingung. Sie funktionieren nur als gegenseitiges Zusammen- und Wechselspiel. Die Best\u00e4ubung der Bl\u00fctenpflanzen ist ein anschauliches Beispiel f\u00fcr diese Komplementarit\u00e4t.<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[17]<\/a> Komplement\u00e4re Ordnungen m\u00fcssen aber spontan entstanden sein, weil sie nur komplett funktionieren. \u201eNoch in Entwicklung befindliche\u201c Teile oder Faktoren anorganischer oder organischer Systeme w\u00e4ren gar nicht existenz- bzw. lebensf\u00e4hig und w\u00fcrden die Komplementarit\u00e4t verhindern. Die Evolutionslehre vermag f\u00fcr die Entstehung der komplement\u00e4ren Ordnungen keine Erkl\u00e4rung zu geben. Demgegen\u00fcber vermag die Annahme ihrer spontanen Erschaffung durch einen komplex komplement\u00e4r denkenden Sch\u00f6pfer dieses R\u00e4tsel durchaus zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Psalm 33,9 bezeugt, dass Gottes sch\u00f6pferisches Handeln spontan und sofort erfolgt, nicht in Form von \u201eEntwicklungen\u201c. Sein Wort hat sch\u00f6pferische Kraft und ist nicht auf die Faktoren Raum und Zeit angewiesen. Die uns im Neuen Testament \u00fcberlieferten Wunder und Zeichenhandlungen Jesu waren s\u00e4mtlich Spontanakte mit sofortiger Wirkung. Als Beispiele w\u00e4hle ich die sieben Wundertaten Jesu aus, von denen Johannes in seinem Evangelium berichtet. Bei der Hochzeit zu Kana wurde von Jesus mit sofortiger Wirkung Wasser in Wein umgewandelt (Joh. 2,1-11). Der Sohn des k\u00f6niglichen Beamten wird durch ein Wort Jesu augenblicklich geheilt (Joh. 4,46-54). Der Gel\u00e4hmte am Teich Bethesda wird unmittelbar, nachdem Jesus ihn angesprochen hat, gesund (Joh. 5,1-9). Bei der Speisung der 5000 M\u00e4nner (zuz\u00fcglich ihrer Angeh\u00f6rigen!) auf einem Berg beim See Genezareth erschuf Jesus unmittelbar aus dem Nichts Brot und Fische, so dass alle satt wurden (Joh. 6,1-13). Als Jesus seine J\u00fcnger bei Nacht und Sturm auf dem See sah, gebot er dem Sturm und dem Wasser und versetzte das Boot augenblicklich an Land (Joh. 6,16-21). Der Blindgeborene wird sofort sehend, als er sich auf Gehei\u00df Jesu im Teich Siloah wusch (Joh. 9,1-7). Nachdem Jesus dem verstorbenen und begrabenen Lazarus geboten hatte herauszukommen, kam dieser sofort lebendig heraus (Joh. 11,43f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All diese sch\u00f6pferischen Akte des Sohnes Gottes \u00fcbersteigen unsere Vorstellungskraft. Weder unsere Logik noch unsere Beobachtung k\u00f6nnen uns eine Br\u00fccke zu ihrem Verst\u00e4ndnis bauen. Die <em>creatio ex nihilo<\/em>, die Erschaffung aus dem Nichts, ist und bleibt uns ein R\u00e4tsel. Doch einen Zugang zu diesem R\u00e4tsel gibt es: den Glauben. \u201eDurch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort erschaffen ist, so dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist\u201c (Hebr. 11,3). Der lebendige Glaube an Christus, der selber das Wunder einer Neusch\u00f6pfung an sich erfahren hat, ist die Br\u00fccke auch zu diesen gewaltigen und alle Vorstellungen \u00fcbersteigenden Sch\u00f6pfungsakten der Weltentstehung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zeugnis von Psalm 33,9 hilft auch zum Verst\u00e4ndnis des Sch\u00f6pfungsberichts. Viele Christen tragen bez\u00fcglich des Sch\u00f6pfungsberichts noch Denk- und Glaubensbarrikaden mit sich, ausgel\u00f6st durch das an Schulen und Universit\u00e4ten herrschende Evolutionsdenken und durch die eigene Schwierigkeit, sich spontane Sch\u00f6pfungsakte vorzustellen. Der hebr\u00e4ische Wortlaut in 1. Mose 1 weist jedenfalls eindeutig auf eine Welterschaffung an sechs 24-Stunden-Tagen hin. Der hebr\u00e4ische Begriff f\u00fcr Tag (jom), der manchmal auch \u201eZeitraum\u201c bedeuten kann, meint n\u00e4mlich in Verbindung mit einer Zahl (1. Tag, 2. Tag usw.) oder mit den Begriffen \u201eAbend\u201c und \u201eMorgen\u201c immer den normalen 24-Stunden-Tag. Wer sich von Psalm 33,9 von der Art des sch\u00f6pferischen Handelns Gottes \u00fcberzeugen l\u00e4sst, wird auch zu einem w\u00f6rtlichen Verst\u00e4ndnis des Sch\u00f6pfungsberichts finden. Es gibt nach meiner \u00dcberzeugung keine schwerwiegenden Gr\u00fcnde, weder logische noch wissenschaftliche noch Glaubensgr\u00fcnde, die gegen eine spontane, augenblickliche Erschaffung von Himmel und Erde sprechen.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a> \u201eWenn er spricht, so geschiehts\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.3 Die Erneuerung des christlichen Gottes- und Menschenbildes<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer durch den j\u00fcdischen Teil der Jerusalemer Altstadt geht, kann fast an jeder Ecke eine \u201eJeshiva\u201c, eine Talmudschule finden. Sie sind meistens bis auf den letzten Platz belegt, und man kann in ihnen viele junge schwarzgekleidete orthodoxe Juden beobachten, die mit erstaunlichem Eifer die j\u00fcdischen heiligen B\u00fccher studieren. In gleicher Weise gibt es in vielen islamischen L\u00e4ndern ein neuerwachtes Interesse am Koran und der islamischen Glaubens\u00fcberlieferung. Es gibt zahlreiche \u00f6ffentliche Wettbewerbe im Auswendiglernen des Korans, und man staunt, dass schon Achtj\u00e4hrige den kompletten Koran zitieren k\u00f6nnen. Ein \u00e4hnliches Interesse an den Grundlagen des christlichen Glaubens m\u00f6chte man sich auch in unseren Gemeinden w\u00fcnschen. Wir haben zwar unser ehrw\u00fcrdiges apostolisches Glaubensbekenntnis, und als evangelische Christen dar\u00fcber hinaus auch die reformatorischen Katechismen, doch der Eifer f\u00fcr die vertiefende christliche Lehre ist weithin erlahmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der Hauptursachen liegt m.E. im inneren Verlust des 1. Glaubensartikels. \u201eIch glaube an Gott den Vater, den Allm\u00e4chtigen, den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde\u201c &#8211; das ist bei vielen Christen zur blo\u00dfen Formel erstarrt. Dass Gott als mein allm\u00e4chtiger Vater jederzeit und \u00fcberall sch\u00f6pferisch eingreifen, ver\u00e4ndern und helfen kann, ist ihnen nicht mehr bewusst. Das erkaltete und erstarrte Gottesbild wirkt sich aber auch unmittelbar auf das christliche Menschenbild aus. Der Glaube der Christen, dass der Mensch Gesch\u00f6pf ist und vor seinem Sch\u00f6pfer Verantwortung tr\u00e4gt, tritt zur\u00fcck hinter den gesellschaftlich aktuellen Menschenbildern, die den Menschen von seinem \u00f6ffentlichen Nutzen (Karl Marx), von seinen Trieben und Veranlagungen (Siegmund Freud) oder von seiner Vernunft und Selbstbestimmung her (Neomarxismus) bestimmen. Wenn man die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte in Westeuropa verfolgt, kann man sogar von einer weitgehenden geistigen Kapitulation des christlichen Menschenbildes vor den genannten konkurrierenden Menschenbildern sprechen. Eine Wiederentdeckung des sch\u00f6pferischen Gottes kann dagegen sowohl unser Gottes- als auch unser Menschenbild erneuern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Gottesbild.<\/strong> Wie verh\u00e4ngnisvoll sich die Sch\u00f6pfungsvergessenheit im Glaubensleben der Christen auswirkt, kann man z. B. in der Eheseelsorge feststellen. Zunehmend lassen sich Eheleute in Krisen von resignativen Gef\u00fchlen leiten. Der Gedanke an eine Ehescheidung wird schneller als noch vor einer Generation gedacht, ge\u00e4u\u00dfert und in die Tat umgesetzt. Dass Jesus von sich gesagt hat, dass er der Weg ist (Joh. 14,6), also in jeder Krise helfen kann, und dass Gott ein sch\u00f6pferischer Gott ist, der dem, was nicht ist, ruft, dass es sei (R\u00f6m. 4,17), also spontan eingreifen und ver\u00e4ndern kann, wird nur noch selten geglaubt. Wie wichtig kann f\u00fcr solche Menschen, aber auch f\u00fcr andere in anderen Lebenskrisen, der Durchbruch zum sch\u00f6pferischen Gott sein! Oder denken wir an die in unserer antiautorit\u00e4ren Zeit immer schwieriger werdende Erziehung. Wieviel Hoffnungspotential k\u00f6nnen Eltern gewinnen, wenn sie im Blick auf ihre Kinder an einen sch\u00f6pferischen Gott zu glauben beginnen! \u00c4hnliches gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr Menschen, die sich gegen Gott auflehnen, krank sind oder am Sterben sind. Der sch\u00f6pferische Gott kann augenblicklich neue Situationen und neue Einsichten schenken und Glauben erwecken. Unser ganzes Glaubensleben wird revolutioniert, wenn wir uns aus dem Bann der Sch\u00f6pfungsvergessenheit l\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Menschenbild.<\/strong> Der vorhin schon erw\u00e4hnte Neomarxist J\u00fcrgen Habermas hat am 14. Oktober 2001 in der Frankfurter Paulskirche eine interessante Rede \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Glauben und Wissen gehalten.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a> Er reflektiert dort \u00fcber die Sinnl\u00fccke, die durch die S\u00e4kularisierung in den postmodernen Gesellschaften des Westens aufgebrochen ist, und er empfiehlt eine \u201e\u00dcbersetzung\u201c des Glaubens in die Sprache der s\u00e4kularen Gesellschaften. Dabei geht er besonders auf den j\u00fcdisch-christlichen Glauben an Gott den Sch\u00f6pfer ein und bekennt sich &#8211; als Atheist &#8211; zu der in 1. Mose 1,26f. ausgedr\u00fcckten Ebenbildlichkeit des Menschen und dem daraus resultierenden Menschenbild. Und er warnt vor den Konsequenzen, \u201ewenn die im Sch\u00f6pfungsbegriff angenommene Differenz verschw\u00e4nde\u201c und der Mensch sich, indem er \u201ein die Zufallskombination von elterlichen Chromosomens\u00e4tzen\u201c eingreift, zum Sch\u00f6pfer des Menschen machte. Ein erstaunlicher Vorgang: ein Neomarxist, der sich zu den \u201ereligi\u00f6s Unmusikalischen\u201c z\u00e4hlt, bekommt Angst vor den Konsequenzen des von ihm selbst \u00fcber lange Jahre empfohlenen Menschenbildes der radikalen Selbstbestimmung und sucht Zuflucht in dem von ihm ebenso \u00fcber lange Jahre bek\u00e4mpften christlichen Menschenbild. Die Rede zeigt die ungebrochene Aktualit\u00e4t des christlichen Menschenbildes. Wenn doch wir Christen selber \u00fcberzeugter davon w\u00e4ren und die unverf\u00fcgbare Gesch\u00f6pflichkeit des Menschen st\u00e4rker in die \u00f6ffentlichen Diskussionen einbr\u00e4chten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von derselben Aktualit\u00e4t ist der christliche Begriff der Menschenw\u00fcrde. F\u00fcr die Evolutionsanh\u00e4nger ist die W\u00fcrde des Menschen lediglich \u201eeine kulturell-sozial begr\u00fcndete Attribution\u201c, wie es der fr\u00fchere und 2015 verstorbene Pr\u00e4sident der Max-Planck-Gesellschaft, der Biologe Hubert Markl, in einer Grundsatzrede im Juni 2001 ausdr\u00fcckte.<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[20]<\/a> D.h. jede menschliche Gesellschaft f\u00fcllt den Begriff des Menschseins neu und anders, eine in der Gesch\u00f6pflichkeit des Menschen liegende unver\u00e4u\u00dferliche W\u00fcrde gibt es nicht. Die schon erw\u00e4hnten Mehrheitsentscheidungen des Deutschen Bundestags zur Abtreibung von 1995 und zur Embryonenforschung von 2002 zeigen, dass die Menschenw\u00fcrde heute von unseren Volksvertretern tats\u00e4chlich mehrheitlich nicht gesch\u00f6pflich begr\u00fcndet, sondern \u201ekulturell-sozial\u201c zugewiesen wird. Die gesellschaftliche Hauptfolge dieses evolutionistischen Begriffs von Menschenw\u00fcrde haben wir schon jetzt alle zu tragen: Die Deutschen sind ein allm\u00e4hlich aussterbendes Volk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der christliche Begriff der Menschenw\u00fcrde h\u00e4lt gegen\u00fcber diesen willk\u00fcrlichen W\u00fcrde-Zuschreibungen an der in Gottes Sch\u00f6pfertum begr\u00fcndeten W\u00fcrde fest. Jeder Mensch, auch der ungeborene, der abgetriebene, der zu Forschungszwecken im Embryonalstadium \u201everbrauchte\u201c, der unheilbar kranke, ist von Gott \u201ebereitet\u201c und \u201egebildet\u201c (Ps. 139,13-16) und vom lebensschaffenden sch\u00f6pferischen Wort Christi \u201egetragen\u201c (Hebr. 1,3). Jeder Mensch ist berufen zur W\u00fcrde der Ebenbildlichkeit (1. Mose 1,26f.). Jeder ist von Gott \u201ewenig niedriger gemacht als Gott\u201c, jeder ist als Gesch\u00f6pf \u201emit Ehre und Herrlichkeit gekr\u00f6nt\u201c (Ps.8,6). Und jedem gilt die Liebe Gottes uneingeschr\u00e4nkt, der seinen Sohn f\u00fcr alle Menschen dahingegeben hat, um ihnen durch ihn das wahre Leben zu schenken (Joh. 3,16). Der Glaube an den sch\u00f6pferischen Gott erneuert das Gottesbild und das Menschenbild. Es ist unsere Aufgabe, dies offen zu bezeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.4 Die Sch\u00f6pfungswerke predigen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Psalmisten wussten, dass die Werke der Sch\u00f6pfung eine Predigt sind. \u201eDie Himmel erz\u00e4hlen die Ehre Gottes, und die Feste verk\u00fcndigt seiner H\u00e4nde Werk\u201c (Ps. 19,2). \u201eDie H\u00fcgel sind erf\u00fcllt mit Jubel\u201c (Ps. 65,13). \u201eDie Himmel werden, Herr, deine Wunder preisen\u201c (Ps. 89,6). \u201eDie Himmel verk\u00fcndigen seine Gerechtigkeit\u201c (Ps. 97,6). \u201eDie Str\u00f6me sollen frohlocken, und alle Berge seien fr\u00f6hlich\u201c (Ps. 98,8; vgl. Ps. 96,11f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist nun aber der Inhalt dieser Predigt? Die Pl\u00e4ne Gottes mit der Menschheit, sein Erl\u00f6sungs- und Vollendungswerk hat Gott seinen Propheten anvertraut (R\u00f6m. 1,3), dies predigen die Sch\u00f6pfungswerke nicht. Aber sie verk\u00fcndigen nach R\u00f6mer 1,20 die unendliche Kraft und die Majest\u00e4t Gottes und nach R\u00f6mer 8,19-22 ihre Sehnsucht nach Unverg\u00e4nglichkeit. Wir wollen uns noch kurz diesen drei Predigtthemen der Sch\u00f6pfungswerke zuwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Predigt der unendlichen Kraft Gottes.<\/strong> Die Sch\u00f6pfungswerke bezeugen die unfassliche, ewige Kraft Gottes. Die Intelligenz, die den Makrokosmos mit seinen unvorstellbaren Dimensionen erschaffen hat und die Bahnen und Standorte der Himmelsk\u00f6rper nach festen Ordnungen und Gesetzen steuert, muss \u00fcber eine unermessliche Kraft verf\u00fcgen (Hiob 38,31-38). Wer aus kleinsten Samenk\u00f6rnern gewaltige B\u00e4ume wachsen lassen kann (Hiob 38,22-30), wer Festland und Meer trennen kann (Hiob 38,8-11), wer die tektonischen Kr\u00e4fte der Erde beherrscht (Hiob 38,16-21), verf\u00fcgt \u00fcber unvorstellbare Kraftreserven. Seine riesige Kraft, und das ist der eigentliche Inhalt dieser Predigt, kann und will Gott aber auch f\u00fcr uns Menschen einsetzen. \u201eDer Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fu\u00df gehen kann\u201c (Paul Gerhardt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Predigt der g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t.<\/strong> Die Sch\u00f6pfungswerke weisen auch auf die liebevolle und wunderbare g\u00f6ttliche F\u00fcrsorge und Verantwortung hin, die der Sch\u00f6pfer f\u00fcr seine Sch\u00f6pfung \u00fcbernimmt. Dem Makrokosmos, der den Menschen unmittelbar umgebenden Natur und dem Mikrokosmos liegen hochintelligente komplement\u00e4re Muster und Strukturen zugrunde, die durch das Zusammenwirken unendlich vieler Faktoren die Funktion der Sch\u00f6pfungswerke gew\u00e4hrleisten. Weil Gott selbst ein kommunikativer Gott ist, der als Vater, Sohn und Geist in engster liebevoller Gemeinschaft steht, tr\u00e4gt seine ganze Sch\u00f6pfung kommunikative Z\u00fcge. Eins dient dem anderen und dem Ganzen. Sowohl in der anorganischen als auch in der organischen Natur sorgt Gott f\u00fcr die Existenz und das Leben jedes Teils seiner Sch\u00f6pfung (Hiob 38,39-39,30). Die Predigt der g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t besteht also im Hinweis auf die f\u00fcrsorglichen Wesensz\u00fcge Gottes f\u00fcr seine Sch\u00f6pfung, die in ganz besonderer Weise dem Menschen gelten. \u201eF\u00fcrchtet euch nicht, ihr seid besser als viele Sperlinge\u201c (Matth. 10,31).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Predigt der Sehnsucht nach Unverg\u00e4nglichkeit.<\/strong> Wir wissen aus R\u00f6mer 8,20, dass Gott nach dem S\u00fcndenfall des ersten Menschenpaares seine gesamte Sch\u00f6pfung der Verg\u00e4nglichkeit unterworfen hat. Der sog. zweite thermodynamische Hauptsatz der Physik formuliert eine langsame, aber stetig fortschreitende Minderung der ausnutzbaren Energie und best\u00e4tigt damit diese paulinische Aussage. Der Apostel h\u00f6rt das angstvolle Seufzen der Sch\u00f6pfung (R\u00f6m. 8,22). Sie sehnt sich nach dem Tag der Wiederkunft Christi, wenn alle Kinder Gottes Anteil an Gottes Herrlichkeit in Gestalt eines Herrlichkeitsleibes empfangen (R\u00f6m. 8,11.17.23). Dann werden auch Himmel und Erde in einem gewaltigen sch\u00f6pferischen Akt erneuert (2. Petr. 3,13). Der Fluch der Verg\u00e4nglichkeit wird von ihnen genommen. Ganz neue, f\u00fcr uns heute noch unvorstellbare Lebens- und Wachstumsbedingungen werden dann diese erneuerte Sch\u00f6pfung bestimmen (Jes. 65,17-25; Offb. 22,1-5). Die Predigt dieser Sehnsucht soll uns Menschen auf die gewaltigen kommenden Ereignisse vorbereiten. Wir Christen sollen in der uns geschenkten lebendigen Hoffnung gest\u00e4rkt werden (1. Thess. 4,13-18). Unser Umgang mit der von Gott geschaffenen Kreatur soll vom H\u00f6ren auf ihren Schrei nach Unverg\u00e4nglichkeit mitbestimmt sein. \u201eMich sollte nicht jammern Ninive&#8230;und der vielen Tiere?\u201c (Jona 4,11).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2.5 Der Jubel \u00fcber den Sch\u00f6pfer<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die innere Haltung des Menschen, der den sch\u00f6pferischen Gott wiederentdeckt, besteht in Ehrfurcht, Lobpreis und Anbetung. Was derjenige, der die Predigt der Sch\u00f6pfungswerke nicht h\u00f6ren will, schuldhafterweise vernachl\u00e4ssigt und vergisst, n\u00e4mlich Gott den Sch\u00f6pfer zu preisen und zu danken (R\u00f6m. 1,21), das wird nun zum Lebensinhalt bei allen, die den Blick auf den sch\u00f6pferischen Gott wieder neu gefunden haben. Sie preisen Gott f\u00fcr die Sch\u00f6nheit der Natur (Ps. 104,1f.), sie staunen \u00fcber seine Sch\u00f6pferkraft (Ps. 104,3-9), sie freuen sich \u00fcber seine F\u00fcrsorge (Ps. 104,10-18), sie beten seine Weisheit an (Ps. 104,19-24), sie erbitten in Ehrfurcht seine Gnade (Ps. 104,25-30) und sie wollen Gott ihr Leben lang loben (Ps. 104,31-35).<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Anmerkungen<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Im letzten Buch von Prof. Wilder-Smith gibt es einen lesenswerten Bericht \u00fcber seine Teilnahme an einer \u00f6ffentlichen Diskussion zum Thema \u201eSch\u00f6pfung und Evolution\u201c in Oxford, der seine Position kurz und pr\u00e4gnant wiedergibt: A. E. Wilder-Smith, Beate Wilder-Smith, Es war ein reiches Leben. Holzgerlingen 2000, S. 412-416<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Mit dem Begriff \u201esch\u00f6pferischer Gott\u201c meine ich den Dreieinigen Gott, der nach 1. Mose 1,26 als Vater, Sohn und Heiliger Geist sch\u00f6pferisch t\u00e4tig ist (vgl. auch 1. Mose 1,1; Hebr. 1,2 und\u00a0 11,3; 1. Mose 1,2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Werner Gitt, In 6 Tagen vom Chaos zum Menschen. Neuhausen-Stuttgart 5. Aufl. 1998, S. 49<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Statt dessen findet man diffuse Formulierungen wie diese: \u201eIrgendwann in der Erdurzeit muss das Leben entstanden sein.\u201c Biologie heute 2 G. Ein Lehr- und Arbeitsbuch f\u00fcr das Gymnasium. Hannover 1991, S. 322<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Johann Millendorfer, \u00d6konomie und \u00d6kologie. Die Industriel\u00e4nder vor den Herausforderungen der Zukunft. In: Joachim Cochlovius (Hrsg.), Das Evangelium und die \u00f6kologische Katastrophe, Moers 1990, S. 40ff.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> \u201eGr\u00fcn 2020. Wir denken bis \u00fcbermorgen\u201c. Grundsatzprogramm von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen zur Vorlage f\u00fcr die Bundesdelegiertenkonferenz im M\u00e4rz 2002<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Francis Schaeffer, Wie k\u00f6nnen wir denn leben? Aufstieg und Niedergang der westlichen Kultur. Neuhausen-Stuttgart 1977, S. 119<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Rosenheimer Erkl\u00e4rung der Landessynode zum Schutz des ungeborenen Lebens und zu Fragen des Schwangerschaftsabbruchs. April 1991<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> John F. Ashton, Die Akte Genesis. Warum es 50 Wissenschaftler vorziehen, an die Sch\u00f6pfung in 6 Tagen zu glauben. CH Berneck 2001, S. 299<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> J\u00fcrgen Habermas, Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus, 2. Aufl. Frankfurt\/M. 1976; Theorie des kommunikativen Handelns, 2 Bde. Frankfurt\/Main 1981<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Julian Nida-R\u00fcmelin, Strukturelle Rationalit\u00e4t. Ein philosophischer Essay \u00fcber praktische Vernunft, Stuttgart 2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> C. S. Lewis, God in the Dock, Grand Rapids 1970, S. 52f. Zitiert in dem Anm. 9 genannten Buch \u201eDie Akte Genesis\u201c S. 63<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Die Akte Genesis (Anm. 9)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Die Akte Genesis (Anm. 9), S. 176<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> Reinhard Junker, Siegfried Scherer, Evolution. Ein kritisches Lehrbuch, 7. Aufl. Gie\u00dfen 2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> \u201eDie von Pasteur formulierte Aussage <em>omne vivum ex vivo <\/em>steht bis in die Gegenwart in voller \u00dcbereinstimmung mit allen experimentellen Daten der pr\u00e4biotischen Chemie. Bis heute konnte nicht plausibel gemacht werden, dass die ersten Zellen hier eine Ausnahme darstellen\u201c. Zitat aus dem unter Anm. 9 genannten Buch, S. 149<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Werner Gitt in dem unter Anm. 3 genannten Buch, S.161-165<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> In dem von Don Batten herausgegebenen Buch \u201eFragen an den Anfang. Die Logik der Sch\u00f6pfung\u201c (Bielefeld 2001) werden im 2. Kapitel ausf\u00fchrlich die Einw\u00e4nde gegen die Welterschaffung in sechs Tagen behandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Die Rede ist dokumentiert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 15.10.2001<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[20]<\/a> Die Rede ist im Auszug dokumentiert in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 25.6.2001<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aktualisierte Fassung eines 2002 verfassten Aufsatzes<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der mir unvergessene Prof. A. E. Wilder-Smith (1915-1995) wurde bei seinen Vortr\u00e4gen nicht m\u00fcde zu betonen, dass der Mensch seinen Denkapparat genauso wie auch andere Apparate zerst\u00f6ren kann. \u201eWenn wir mit einer Kaffeem\u00fchle Steine mahlen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn sie bald stumpf wird. 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