{"id":14924,"date":"2017-09-19T10:35:43","date_gmt":"2017-09-19T08:35:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14924"},"modified":"2017-09-19T10:35:43","modified_gmt":"2017-09-19T08:35:43","slug":"die-heilige-schrift-traegt-ihre-beglaubigung-in-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14924","title":{"rendered":"Die Heilige Schrift tr\u00e4gt ihre Beglaubigung in sich selbst"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Dabei also soll es bleiben: wer innerlich vom Heiligen Geist gelehrt ist, der verharrt fest bei der Schrift, und diese tr\u00e4gt ihre Beglaubigung in sich selbst; daher ist es nicht angebracht, sie einer Beweisf\u00fchrung und Vernunftgr\u00fcnden zu unter\u00adwerfen. Die Gewi\u00dfheit aber, die sie uns gewinnt, die erlangen wir durch das Zeugnis des Geistes. Gewi\u00df verschafft sich die Schrift ganz von selbst durch ihre eigene Majest\u00e4t Ehrfurcht, aber sie ergreift uns erst dann recht und ernstlich, wenn sie durch den Geist in unserem Herzen versiegelt ist. Da\u00df die Schrift von Gott kommt, das glauben wir, weil die Kraft des Geistes uns erleuchtet, nicht aber auf Grund des eigenen Urteils oder desjenigen anderer Leute. Es ist ja gerade, als ob wir Gottes eigene Majest\u00e4t hier erschauten; und deshalb ist unsere Gewi\u00dfheit unersch\u00fctterlich fest, st\u00e4rker, als sie uns menschliches Urteil verleihen k\u00f6nnte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So halten wir daf\u00fcr, da\u00df die Schrift zwar durch den Dienst von Menschen, aber tats\u00e4chlich doch aus Gottes eigenem Munde zu uns kommt. Nicht Beweisgr\u00fcnde, nicht Wahrscheinlich\u00adkeiten suchen wir, um unser Urteil darauf zu gr\u00fcnden, sondern wir unterwerfen unser Urteil und unser Denken dieser v\u00f6llig aller Frage entzogenen Tatsache. Das geschieht freilich nicht so, wie einige es machen, die zuweilen eine unbekannte Sache mit Eifer annehmen, die ihnen dann doch bei n\u00e4herer Kenntnis mi\u00dff\u00e4llt, sondern es geschieht darum, weil wir voll und ganz \u00fcberzeugt sind, es mit der unbestreitbaren Wahrheit zu tun zu haben! Das hat auch nichts mit der Art zu tun, wie elende Menschen dem Aberglauben ihren Geist gefangen geben, sondern wir kommen zu dieser Gewi\u00dfheit, weil wir empfinden, da\u00df hier die unbezweifelbare Gewalt g\u00f6tt\u00adlicher Majest\u00e4t waltet und wirkt &#8211; und diese Kraft zieht und entz\u00fcndet uns zum Gehorsam, mit Wissen und Willen, aber viel lebendiger und st\u00e4rker, als alles menschliche Wollen und Wissen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ruft der Herr mit vollem Rechte durch Jesaja aus (43,10), die Propheten samt dem Volke seien seine Zeugen; denn sie waren ja durch Weissagungen belehrt und zweifelten nicht daran, da\u00df Gott ohne Trug und Zweideutigkeit zu ihnen geredet habe. Das ist eine \u00dcberzeugung, die der Gr\u00fcnde nicht bedarf, das ist ein Wissen, das seinen Grund in sich selber tr\u00e4gt, ja, auf dem das Herz sicherer und best\u00e4ndiger ruht als auf irgendwelchen Gr\u00fcnden; das ist ein Empfinden, das nur aus himmlischer Offenbarung entstehen kann. Ich rede von dem, was jeder einzelne Gl\u00e4ubige bei sich selber erf\u00e4hrt &#8211; freilich reichen meine Worte bei weitem nicht hin, um die Sache recht zu beschreiben! Ich \u00fcbergehe jetzt vieles, weil ich an anderer Stelle auf diese Dinge zur\u00fcckkommen mu\u00df. F\u00fcr jetzt wollen wir uns dies merken, da\u00df nur der Glaube der rechte ist, den der Heilige Geist in unseren Herzen versiegelt. Der bescheidene Leser, der sich gern sagen l\u00e4\u00dft, wird sich mit einem Zeugnis als Be\u00adgr\u00fcndung zufrieden geben: n\u00e4mlich mit der Verhei\u00dfung des Jesaja, alle S\u00f6hne der erneuerten Kirche w\u00fcrden von Gott gelehrt sein (Jes. 54,13). Da w\u00fcrdigt Gott seine Auserw\u00e4hlten allein eines einzigartigen Vorrechtes und unterscheidet sie da\u00admit von dem ganzen Menschengeschlecht. Denn womit soll die rechte Lehre bei uns ihren Anfang nehmen, als mit der bereitwilligen Freudigkeit, das Wort Gottes zu h\u00f6ren? Gott aber fordert Geh\u00f6r durch den Mund des Mose, wie geschrieben steht: &#8222;Du sollst nicht sprechen in deinem Herzen: wer wird in den Himmel fahren . oder wer wird hinabsteigen in den Abgrund? Siehe, das Wort ist in deinem Munde .&#8220; (5. Mose 30,12ff.; hier nur einige St\u00fccke daraus, etwas ungenau angef\u00fchrt!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Gott einen solchen Schatz der Weisheit allein f\u00fcr seine Kinder hat bereiten wollen, so ist es nicht verwunderlich oder widersinnig, wenn unter der Masse der Menschen soviel Unwissenheit und Stumpfheit sich zeigt. Unter &#8222;Masse&#8220; verstehe ich hier auch die hervorragendsten Menschen, ehe sie in den Leib der Kirche eingef\u00fcgt sind! Jesaja erkl\u00e4rt an einer Stelle, die prophetische Lehre werde nicht nur den Au\u00dfenstehenden, sondern auch den Juden, die f\u00fcr Hausgenossen gelten wollten, unverst\u00e4ndlich sein, und dann f\u00fcgt er gleich den Grund daf\u00fcr bei: &#8222;Denn nicht allen wird der Arm des Herrn offenbar&#8220; (Jes. 53,1). Sooft uns die geringe Zahl der Gl\u00e4ubigen wankend machen will, sollen wir uns im Gegenteil vor Augen halten, da\u00df niemand die Geheimnisse Gottes begreifen kann &#8211; als die, welchen es gegeben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johannes Calvin, Institutio 1-07-05<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dabei also soll es bleiben: wer innerlich vom Heiligen Geist gelehrt ist, der verharrt fest bei der Schrift, und diese tr\u00e4gt ihre Beglaubigung in sich selbst; daher ist es nicht angebracht, sie einer Beweisf\u00fchrung und Vernunftgr\u00fcnden zu unter\u00adwerfen. Die Gewi\u00dfheit aber, die sie uns gewinnt, die erlangen wir durch das Zeugnis des Geistes. 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