{"id":14905,"date":"2017-09-15T11:51:35","date_gmt":"2017-09-15T09:51:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14905"},"modified":"2017-09-15T11:51:35","modified_gmt":"2017-09-15T09:51:35","slug":"die-entrueckung-der-gemeinde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14905","title":{"rendered":"Die Entr\u00fcckung der Gemeinde"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDanach werden wir, die wir leben und \u00fcbrigbleiben, zugleich mit ihnen entr\u00fcckt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tr\u00f6stet euch mit diesen Worten untereinander\u201c (4,17-18). Der Begriff \u201eEntr\u00fcckung\u201c bezeichnet ein pl\u00f6tzliches \u201eHinwegnehmen von der Erde an einen anderen Ort\u201c. Wie das genau geschehen wird, wissen wir nicht. Doch die Himmelfahrt Jesu kann uns eine Hilfe zum Verst\u00e4ndnis dieses Vorgangs sein. Jesus wurde bei der Himmelfahrt \u201evon einer Wolke\u201c in den Himmel aufgenommen (Apg 1,9). Hier geschieht die Entr\u00fcckung der Gemeinde 1.) \u201eauf den Wolken\u201c, 2.) \u201ein die Luft\u201c, 3.) \u201edem Herrn entgegen\u201c, und dann wird die Gemeinde mit Jesus vereinigt.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Gruppen werden zu Jesus hin entr\u00fcckt. Die erste Gruppe besteht aus den Christen, die von den Toten auferweckt wurden. Die andere Gruppe besteht aus den Christen, die zum Zeitpunkt der Wiederkunft am Leben sein werden. Diese zweite Gruppe wird bei der Wiederkunft verwandelt werden: \u201eDenn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden\u201c (1 Kor 15,52). Die sterblichen K\u00f6rper aus \u201eFleisch und Blut\u201c werden in unzerst\u00f6rbare und geistliche K\u00f6rper verwandelt werden, die f\u00fcr die Ewigkeit in Gottes vollkommener Sch\u00f6pfung gemacht sind. Die Totenauferstehung oder auch Verwandlung der K\u00f6rper sind Voraussetzung f\u00fcr die Entr\u00fcckung und Vereinigung mit Jesus, denn \u201eFleisch und Blut k\u00f6nnen das Reich Gottes nicht ererben\u201c (1 Kor 15,50).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gemeinde wird \u201eentr\u00fcckt auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen\u201c. W\u00e4hrend der Herr vom Himmel herabkommt, kommt ihm die Gemeinde entgegen und wird mit ihm noch in der Luft vereinigt. Was genau geschieht dann? Die Gemeinde wird nun in die triumphale R\u00fcckkehr des Herrn zur Erde und in die \u201eStadt des gro\u00dfen K\u00f6nigs\u201c, in welcher der Herr gekreuzigt wurde, eingegliedert. Denn er kommt vom Himmel herab und kehrt zur\u00fcck nach Jerusalem, wo seine F\u00fc\u00dfe auf dem \u00d6lberg stehen werden (Sach 14,4). Von dort war er nach seinem Kreuzestod und seiner Auferstehung aufgefahren in den Himmel. Jetzt kehrt er dorthin zur\u00fcck als Richter, K\u00f6nig und Weltenherrscher. In seinem Gefolge befindet sich die entr\u00fcckte und jetzt mit ihm vereinigte Gemeinde und das Heer der Engel Gottes (vgl. 3,13).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der antike Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ein K\u00f6nig in eine Stadt einzog, dann war es in der Antike \u00fcblich, dass ihm die Honoratioren und B\u00fcrger der Stadt entgegenzogen. Als David nach seiner Flucht und dem Tod Absaloms \u00fcber den Jordan zog, um nach Jerusalem zur\u00fcckzukehren, kamen ihm die M\u00e4nner Judas aus Jerusalem entgegen: \u201eUnd als er an den Jordan kam, waren die M\u00e4nner Judas nach Gilgal gekommen, um dem K\u00f6nig entgegenzuziehen und den K\u00f6nig \u00fcber den Jordan zu f\u00fchren\u201c (2 Sam 19,16). Das Volk kam dem K\u00f6nig entgegen, und gemeinsam zogen sie zur\u00fcck nach Jerusalem (Einholung oder Abholung). Es ist interessant, dass der in der griechischen \u00dcbersetzung des Alten Testaments (Septuaginta) f\u00fcr den Begriff \u201eentgegen\u201c (<em>eis apanten<\/em>) verwendete Begriff nahezu identisch ist mit dem Wort, das Paulus hier verwendet, um das \u201edem Herrn entgegen\u201c (<em>eis apantesin<\/em>) zum Ausdruck zu bringen. Die Gemeinde Jesu wird dem Herrn entgegenger\u00fcckt, um dann gemeinsam mit ihm zur Erde zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Ehrerweisung wurde auch Paulus zuteil, als er auf der Via Appia nach Rom reiste. Als die Christen in Rom h\u00f6rten, dass Paulus zu ihnen unterwegs war, kamen sie ihm bis nach Forum Apii und Tres-Tabernae entgegen (, um ihn zu empfangen und nach Rom zu geleiten (Apg 28,15).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Flavius Josephus berichtet \u00fcber die \u00fcberschw\u00e4ngliche Begeisterung, mit welcher der Senat und die B\u00fcrger Roms die Parusie oder Ankunft Kaiser Vespasians feierten, als er im Jahr 66 n. Chr. aus der Provinz Jud\u00e4a aus den K\u00e4mpfen des J\u00fcdischen Krieges nach Rom zur\u00fcckkehrte: \u201eDenn w\u00e4hrend Vespasian noch weit entfernt war, huldigte ihm auch schon ganz Italien mit einem Jubel, als w\u00e4re er bereits zur Stelle. Der au\u00dferordentliche Enthusiasmus machte eben keinen Unterschied mehr zwischen Erwartung und Ankunft. &#8230; Angesichts dieser gro\u00dfartigen allgemeinen Begeisterung f\u00fcr Vespasian litt es die Spitzen der Beh\u00f6rden nicht mehr in Rom, sondern sie beeilten sich, soweit als m\u00f6glich, von der Hauptstadt aus ihm entgegenzukommen. Aber auch die \u00fcbrige Einwohnerschaft konnte seine Ankunft nicht mehr erwarten. Wie ein m\u00e4chtiger Strom flutete die ganze Menschenmasse zu den Toren hinaus, und jedermann fand diesmal das Fortgehen bequemer und leichter, als das Bleiben, so dass jetzt auch die Stadt selbst ihre Vereinsamung mit einem innigen Vergn\u00fcgen betrachten konnte. Denn die Zahl der Zur\u00fcckgebliebenen war viel kleiner als die der Ausziehenden\u201c (Der J\u00fcdische Krieg, VII, 68-72). Nach der \u00fcberschw\u00e4nglichen Begr\u00fc\u00dfung des Kaisers wurde Vespasian von den f\u00fchrenden Senatoren und unter dem Jubel der begleitenden Massen feierlich nach Rom geleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist der antike Hintergrund, auf dem die Wiederkunft Christi und die Entr\u00fcckung der Gemeinde zu verstehen ist. Der Herr kommt vom Himmel herab. Die von den Toten auferweckte und verwandelte Gemeinde kommt ihm entgegen. Sie wird mit ihm vereinigt und kehrt im triumphalem Zug mit ihm auf die Erde und nach Jerusalem zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Lehre von der Vorentr\u00fcckung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den drei\u00dfiger Jahren des 19. Jhdt. entstand die sog. Vorentr\u00fcckungslehre. Nach dieser Vorstellung w\u00fcrde Jesus zun\u00e4chst unsichtbar erscheinen, um seine Gemeinde vor der gro\u00dfen Tr\u00fcbsal heimlich zu sich zu holen. Die sichtbare Wiederkunft Christi w\u00fcrde erst sieben Jahre (bei anderen Auslegern 3,5 Jahre) sp\u00e4ter erfolgen. W\u00e4hrend das Neue Testament die Sammlung der Auserw\u00e4hlten, die Entr\u00fcckung der Gemeinde und die Wiederkunft Christi als ein zusammenh\u00e4ngendes und einheitliches Geschehen betrachtet, rei\u00dft diese Theorie Entr\u00fcckung und Wiederkunft zeitlich auseinander. Bekannte Vertreter der Vorentr\u00fcckungslehre waren z. B. John Nelson Derby und Edward Irving. Durch die erfolgreiche Roman-Serie \u201eFinale \u2013 die letzten Tage der Erde\u201c (Tim LaHaye\/Jerry B. Jenkins) hat sie auch in evangelikalen Kreisen weite Verbreitung gefunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst ist festzuhalten, dass Paulus, wie auch die anderen Schriften des Neuen Testaments, diesen Einschub an keiner Stelle erw\u00e4hnen. Die Entr\u00fcckung f\u00fcgt sich bruchlos in die Wiederkunft Christi ein. Paulus beschreibt die Parusie als ein \u201eHerabkommen\u201c des Herrn vom Himmel zur Erde (4,16). Die Gemeinde wird in dieses \u201eHerabkommen\u201c hineingenommen, indem sie zu Christus hin entr\u00fcckt und mit ihm vereinigt wird. Gemeinsam kommen Christus und die Gemeinde auf die Erde herab. Eine Unterbrechung von sieben Jahren erw\u00e4hnt Paulus nicht. In keiner Weise legt der Text nahe, dass sich Jesus mit den Seinen nach der Entr\u00fcckung und Vereinigung erst einmal f\u00fcr einen Zeitraum von sieben Jahren zur\u00fcckzieht, um dann auch f\u00fcr den Rest der Welt sichtbar zu erscheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paulus legt das ganze Wiederkunftsgeschehen mit der Ankunft des Herrn, dem Herabkommen zur Erde, der Auferstehung der Toten, der Verwandlung der Lebenden, der Entr\u00fcckung zu Christus, der Vereinigung mit Christus und dem Gericht \u00fcber die gottfeindlichen Gegner auf einen Tag, den er den \u201eTag des Herrn\u201c nennt (5,2; 2 Thess 2,2). Nach der Vorentr\u00fcckungslehre w\u00fcrden die Entr\u00fcckung und die sichtbare Wiederkunft zur Erde auf unterschiedliche Tage fallen. Die Bibel kennt aber nur einen \u201eTag des Herrn\u201c, der alle diese Ereignisse umfasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Abfolge der Ereignisse im 2. Thessalonicherbrief<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im zweiten Thessalonicherbrief macht der Apostel Paulus deutlich, dass die bedr\u00e4ngte Gemeinde sich auf der Erde befindet, wenn Christus wiederkommt, um die Heiligen aus gro\u00dfer Bedr\u00e4ngnis zu erretten und die Verfolger aufs H\u00e4rteste zu bestrafen (2 Thess 1,6-10). Verfolger und Verfolgte erleben zeitgleich die Parusie Christi, die einen als Rettung, die anderen als Strafe und Verderben. F\u00fcr einen siebenj\u00e4hrigen Einschub ist hier offensichtlich kein Platz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Vorentr\u00fcckungslehre w\u00fcrden das Offenbarwerden des Antichristen und die gro\u00dfe Tr\u00fcbsal mit Drangsal und Verfolgung erst nach der Entr\u00fcckung stattfinden. Die Gemeinde w\u00fcrde die Tr\u00fcbsal also nicht miterleben m\u00fcssen. Christus w\u00fcrde dann entweder am Ende oder in der Mitte der siebenj\u00e4hrigen Tr\u00fcbsalszeit mit der Gemeinde auf die Erde zur\u00fcckkehren. Dieser \u201eFahrplan\u201c steht im Widerspruch zu den Aussagen des Paulus im zweiten Kapitel des zweiten Thessalonicherbriefes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort n\u00e4mlich beschreibt Paulus eine genaue Abfolge der Ereignisse, die der Vereinigung des Herrn mit seiner Gemeinde vorausgehen: \u201eWas nun das Kommen (<em>parousia<\/em>) unseres Herrn Jesus Christus angeht und unsre Vereinigung mit ihm, so bitten wir euch, liebe Br\u00fcder, dass ihr euch in eurem Sinn nicht so schnell wankend machen noch erschrecken lasst &#8211; weder durch eine Weissagung noch durch ein Wort oder einen Brief, die von uns sein sollen -, als sei der Tag des Herrn schon da\u201c (2 Thess 2,1-2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kommen des Herrn und die Vereinigung der Gemeinde finden demnach am \u201eTag des Herrn\u201c statt. Aus dem ersten Thessalonicherbrief wissen wir bereits, dass dieser Tag auch der Tag der Entr\u00fcckung ist. Weiter schreibt Paulus: \u201eLasst euch von niemandem verf\u00fchren, in keinerlei Weise, denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens\u201c (2 Thess 2,3).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist wichtig, die Reihenfolge zu beachten: <em>Zuvor<\/em> muss der \u201eAbfall kommen\u201c und der \u201eMensch der Bosheit\u201c offenbar werden. Der \u201eSohn des Verderbens\u201c und \u201eWidersacher Gottes\u201c wird sich \u201ein den Tempel Gottes setzen\u201c und die Gemeinde Jesu in gro\u00dfe Bedr\u00e4ngnis und Tr\u00fcbsal bringen (vgl. 2 Thess 1,7; Mt 24,29). Erst wenn diese finale Zuspitzung der Weltgeschichte mit dem Offenbarwerden des Antichristen eingetreten ist, findet das \u201eKommen des Herrn\u201c und die \u201eVereinigung mit ihm\u201c statt. Jesus kommt vom Himmel herab, um seiner bedr\u00e4ngten Gemeinde zu helfen, sie aus der Tr\u00fcbsal herauszunehmen (Entr\u00fcckung), sich mit ihr zu vereinen und den \u201eSohn des Verderbens\u201c zu vernichten. Dann wird Jesus Christus \u201eihn umbringen mit dem Hauch seines Mundes, und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt\u201c (2 Thess 2,8).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schriften des Neuen Testaments lehren \u00fcbereinstimmend, dass sich die Gemeinde Jesu w\u00e4hrend der letzten gro\u00dfen Bedr\u00e4ngnis auf der Erde befindet. Die Wiederkunft Christi schlie\u00dft diese gro\u00dfe Tr\u00fcbsal ab. Jesus wird erscheinen, um den Widersacher Gottes \u201emit dem Hauch seines Mundes\u201c zu vernichten und seine geliebte Gemeinde auf ewig mit sich zu vereinen: \u201eSo werden wir beim Herrn sein allezeit\u201c (4,17).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Johann Hesse, Walsrode<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der Brosch\u00fcre \u201eJesus kommt wieder \u2013 Die Botschaft des ersten Thessalonicherbriefes\u201c, August 2017, 52 Seiten. Die Brosch\u00fcre kann f\u00fcr 2,00 \u20ac zzgl. Versandkosten bei der Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes bestellt werden (Tel.: 05161\/911330; info@gemeindehilfsbund.de)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eine ausf\u00fchrliche Auseinandersetzung mit der dispensationalistischen Vorentr\u00fcckungslehre bietet das Buch von Manfred Sch\u00e4ller, \u201eSiehe, er kommt mit den Wolken\u201c, Jota-Verlag, 2011.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDanach werden wir, die wir leben und \u00fcbrigbleiben, zugleich mit ihnen entr\u00fcckt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tr\u00f6stet euch mit diesen Worten untereinander\u201c (4,17-18). Der Begriff \u201eEntr\u00fcckung\u201c bezeichnet ein pl\u00f6tzliches \u201eHinwegnehmen von der Erde an einen anderen Ort\u201c. 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