{"id":1488,"date":"2007-11-08T18:02:17","date_gmt":"2007-11-08T16:02:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1488"},"modified":"2009-09-05T22:06:30","modified_gmt":"2009-09-05T20:06:30","slug":"zeugen-der-gegenwart-christi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1488","title":{"rendered":"Predigt: Zeugen der Gegenwart Christi"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Zeugen der Gegenwart Christi&#8220;<br \/>\nPredigt im Dom zu Riga am Samstag, 13. Oktober 2007 zur Einf\u00fchrung von zwei neuen Bisch\u00f6fen in Lettland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eDa kam Jesus in die Gegend von C\u00e4sarea Philippi und fragte seine J\u00fcnger und sprach: Wer sagen die Leute, da\u00df der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der T\u00e4ufer, andere, du seist Elia, und wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, da\u00df ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der H\u00f6lle sollen sie nicht \u00fcberw\u00e4ltigen. Ich will dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden l\u00f6sen wirst, soll auch im Himmel gel\u00f6st sein.\u201c (Matth\u00e4us 16, 13-19)<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses ist ein besonderer Tag \u2013 aus allen Ecken und Enden, aus allen Regionen Lettlands, aus nahen und fernen L\u00e4ndern der Erde, aus Europa und Amerika, auch aus Afrika haben sich Leute der Gemeinde Christi hier im St. Mariendom in Lettland versammelt. Wer sind sie, und wer sind wir, die wir hier zusammengekommen sind? Ich denke, zu diesen Fragen k\u00f6nnten wir verschiedene Standpunkte h\u00f6ren, wenn wir sie an die Leute richten, verschiedene Antworten, mit denen sie diese Versammlung, diese Gemeinde beurteilen m\u00f6chten. Der Apostel Petrus sagt dar\u00fcber in seinem Brief: \u201eIhr aber seid das auserw\u00e4hlte Geschlecht, die k\u00f6nigliche Priesterschaft, das heilige Volk des Eigentums, da\u00df ihr verk\u00fcndigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.\u201c Heute hat sich das Volk Gottes, die k\u00f6nigliche Priesterschaft, auf Grund ihrer Berufung durch Gott hier versammelt, um nach dem Vorbild der Apostel durch Handauflegung zwei gew\u00e4hlte M\u00e4nner zu Hirten, W\u00e4chtern und Bisch\u00f6fen der Kirche Christi zu best\u00e4tigen. Dieses ist wirklich ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher und ganz besonderer Tag, und wenn wir die Schriftstelle aus dem Matth\u00e4usevangelium lesen, dann k\u00f6nnen wir dort eine wesentliche Stufe auf dem Wege nach oben in dem Verhalten der Leute um Jesus wahrnehmen, welches Christus von seinen J\u00fcngern ihm gegen\u00fcber erwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste und einfachste ist mit der Frage ausgesprochen, was die Leute \u00fcber Jesus sagen, wer er eigentlich sei, und die J\u00fcnger in ihrem Durcheinanderreden das wiedergeben, was sie von den Leuten vernommen haben. Das ist nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig schwer, und die Leute pflegen sich die verschiedenen Aussagen \u00fcber Jesus in das Ged\u00e4chtnis zu rufen, zu beraten, sie miteinander zu vergleichen, wie man das im t\u00e4glichen Leben oder sogar auf akademischen Veranstaltungen tut. Offensichtlich haben solche Gespr\u00e4che, Vergleiche und dieser Austausch von Standpunkten auch ihre Berechtigung. Doch Jesus gestattet es keinem einzigen, in dieser Phase des Weges stehen zu bleiben. \u201eWas sagt ihr? Was sagst du? Wer bin ich?\u201c Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird jeder von uns diese Frage beantworten m\u00fcssen. Dabei ist nicht das wichtig, was ich mit Worten ausspreche, sondern was mein Leben, meine Entscheidungen und mein Handeln aussagen. Wer ist Jesus f\u00fcr mich? Das ist die wesentliche und entscheidende Frage. Es mag uns \u00fcberraschen, aber da ist wirklich nur dieser kurze Satz, mit dem Simon Petrus antwortet: \u201eDu bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn.\u201c Dieser kurze Satz \u00f6ffnet eine Schleuse, und l\u00e4sst Christi unvorstellbar gro\u00dfen Worte auf Petrus gleichsam herabst\u00fcrzen: \u201eDu bist Petrus \u2013 das hei\u00dft der Stein oder Fels, \u2013 auf den ich meine Gemeinde bauen m\u00f6chte, und die Pforte der H\u00f6lle sollen sie nicht \u00fcberw\u00e4ltigen. Ich will dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben; alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden l\u00f6sen wirst, soll auch im Himmel gel\u00f6st sein.\u201c Was f\u00fcr Worte, mit denen ein kurzer Satz beantwortet wird!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Lawine von Verhei\u00dfungen zeigt, wie wichtig im Leben eines Menschen die Frage Christi ist: Wer bin ich f\u00fcr dich? Nicht f\u00fcr die Leute, nicht f\u00fcr die Gesellschaft, sondern f\u00fcr dich. Das zeigt uns, wie viel in unserem Leben davon abh\u00e4ngt. da\u00df wir auf diese Frage unseres Herrn eine pers\u00f6nliche Antwort finden, und uns davor nicht f\u00fcrchten, mit Worten und mit unserem Leben das zu bekennen, auch wenn alles um uns herum, die Gesellschaft und deren Wertesystem, etwas v\u00f6llig anderes sagt als \u201eDu bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn,\u201c wie Petrus. Das auszusprechen bedeutete einen Umsturz, denn das Volk des Apostels Petrus hatte viele Jahrhunderte auf Christus, den Messias, den Feldherrn und K\u00f6nig gewartet, der es von den verhassten Besatzern oder aus der Gewalt des ungerechten Verwalters des eigenen Hauses befreit. Das sind doch Hoffnungen, die auch wir nur zu gut verstehen k\u00f6nnen. Sie erwarteten einen Feldherrn, einen K\u00f6nig, der den guten und gerechten Staat wieder herstellen wird, wie er in einer weit zur\u00fcckliegenden Zeit einmal war, oder mindestens f\u00fcr diese alten Zeiten eintritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen es uns gut ausmalen, wie Christus nach den Ansichten und Vorstellungen der Leute damals h\u00e4tte sein m\u00fcssen. Aber damit, da\u00df Petrus die Frage Jesu, dieses armseligen Predigers des Reiches Gottes, dessen einzige Armee nur aus einem H\u00e4uflein ver\u00e4ngstigter Fischer besteht, mit \u201eDu bist Christus\u201c beantwortet, st\u00f6\u00dft er die Konzeption Christi v\u00f6llig um. Christus ist der Sohn Gottes, der gekommen ist, um uns von der Gewalt der S\u00fcnde, Satans und des Todes zu befreien. Nicht durch Streitkr\u00e4fte als deren Befehlshaber, sondern als Hoher Priester und gleichzeitig als das Lamm Gottes, das die S\u00fcnde der Welt tr\u00e4gt, das sich selbst opfert zum L\u00f6segeld f\u00fcr viele. Die Worte Petri besagen, da\u00df Christus derjenige ist, der den Menschen aus der Sklaverei der tief in ihm verwurzelten S\u00fcnde befreit, die N\u00e4he zu Gott wieder herstellt und in ihm so zu seinen potentiell bereits vorhandenen gerechten Beziehungen zu seinen Mitmenschen dadurch befreit, da\u00df er ein Reich aufrichtet, in dem Gerechtigkeit, Gl\u00fcck und Wohlergehen herrschen. Christus ist es, der den Menschen zum B\u00fcrger des Reiches Gottes macht und ihn damit sogar nach seinem leiblichen oder sogar politischen Verst\u00e4ndnis frei macht. Petrus, der das bekannt hat, gibt Jesus die Schl\u00fcssel des Himmelreichs. Er kann binden und l\u00f6sen. Auf diesem Grunde und auf diesen Fels m\u00f6chte Jesus seine Kirche bauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWer bin ich?\u201c \u2013 das ist die wichtige Frage, von der so viel abh\u00e4ngt. Die gleiche Frage stellt uns heute auch Seine Kirche. Diese Frage wird heute sogar auch an die Kirche gerichtet: \u201eWer bin ich?\u201c Unsere Zeit ist so, da\u00df sich die Kirche selbst fragen k\u00f6nnte: \u201eWer bin ich?\u201c Und wieder k\u00f6nnen wir mit der Frage beginnen: \u201eWas sagen die Leute dazu?\u201c Und auch dabei k\u00f6nnen wir die unterschiedlichsten Reden und Antworten vernehmen, angefangen mit seichten oder einfach geh\u00e4ssigen, die sagen, da\u00df die Kirche ein Gesch\u00e4ftsunternehmen sei mit dem Ziel, gutgl\u00e4ubige Menschen zu verdummen. Dabei m\u00fcssen wir zugeben, da\u00df die Kirche tats\u00e4chlich solche Fehler gemacht hat, und da\u00df es in ihrer Geschichte Dinge gegeben hat, die sie nur bereuen kann. Oder \u2013 die Kirche ist eine Organisation der Gesellschaft, in der sich Menschen zusammengeschlossen haben, um ihre religi\u00f6sen Interessen zu befriedigen, und die in der Welt eine unbedingt notwendige soziale Aufgabe zu erf\u00fcllen hat, die f\u00fcr die Gerechtigkeit in der Gesellschaft, die globale Erw\u00e4rmung und den Frieden in der Welt mit verantwortlich ist. Auch das alles hat seine Berechtigung. Schlie\u00dflich ist da noch das, was Theologen und alte Kirchenv\u00e4ter \u00fcber die Kirche gesagt haben: sie sei ein edles Gesch\u00f6pf, die Braut Christi, Sein mystischer Leib, der bereits vor der Sonne und dem Mond geschaffen ist, die schon vor Ewigkeiten zusammen mit Christus bei Gott war, und bei ihrem Vorr\u00fccken zur eschatologischen Vollkommenheit jetzt sichtbar und in der menschlichen Geschichte gegenw\u00e4rtig geworden ist. Menschen k\u00f6nnen sie nicht gr\u00fcnden und organisieren, sondern sich ihr auf ihrem ewigen Wege nur anschlie\u00dfen, welcher Christus ist \u2013 der Weg, die Wahrheit und das Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So verschieden sind die Urteile in der Welt \u00fcber die Kirche. Was sagst du? Was ist sie f\u00fcr dich? Die Antwort k\u00f6nnen wir in der Antwort Christi an Petrus nur erahnen. Christus will die Kirche gr\u00fcnden als die Fortsetzung Seines Lebens und Werkes auf Erden. Er redet mit seinen J\u00fcngern und mit Petrus an den Grenzen von C\u00e4sarea Philippi. Er hat einen Leib sowie einen Mund, mit dem er reden kann, F\u00fc\u00dfe mit denen er gehen kann, H\u00e4nde, mit denen er arbeiten kann. Doch als Christus zum Vater geht, wird die Kirche zu Seinem Mund, der redet, zu Seinen F\u00fc\u00dfen, mit denen er zu den Menschen geht, zu Seinen H\u00e4nden, mit denen Er ihnen dient. Sie muss Sein Werk, seinen Willen tun, wozu Er Seine Gemeinde bevollm\u00e4chtigt hat. Nicht jeder, der mitarbeitet, sondern die ganze Kirche. Er hat die Schl\u00fcssel des Himmelreichs weitergegeben, die Vollmacht, vor Gott zu binden und zu l\u00f6sen. Mit der Predigt des Gesetzes Gottes deutlich zu machen, was vor Gottes Augen verbrecherisch und verwerflich ist, und die Vollmacht, Menschen von S\u00fcnde, Irrtum und Schuld zu l\u00f6sen und ihnen die Vergebung zuzusprechen, die auch im Himmel gilt, und sie durch die Predigt des Evangeliums in Worten und sie auf sichtbare Weise durch die Sakramente \u2013 die Taufe, das Abendmahl und die Absolution, &#8211; und, was heute besonders wichtig ist, durch das geistliche Amt zu vermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es k\u00f6nnte den Anschein haben, da\u00df das alles sehr wenig ist \u2013 da\u00df Gesetz und Evangelium, Gottes Gerechtigkeit und Gericht, Gnade und Vergebung in Jesus Christus die beiden Schl\u00fcssel im komplizierten Labyrinth mit dessen vielen T\u00fcren der Probleme und Schlupfl\u00f6cher der Herausforderungen seien. Was kann man da mit nur zwei Schl\u00fcsseln \u00fcberhaupt anfangen? Das ist doch das Einzige, was den Menschen f\u00fcr den Weg zum Seligwerden bereit machen kann, auf dem der Mensch das Gute, das ihm von Gott geschenkte Potential zu verwirklichen und auf dem der Heilige Geist die F\u00e4higkeiten zu entwickeln vermag, die f\u00fcr das Errichten einer gerechten Gesellschaft, zur Abwendung der globalen Erw\u00e4rmung und zur Bewahrung des Weltfriedens notwendig sind. Alle diese Probleme m\u00fcssen vom Menschen dadurch gel\u00f6st werden, da\u00df er das B\u00f6se in sich selbst besiegt. Das vermag der Mensch nicht aus eigener Kraft, das vermag nur Gott, der uns diese zwei Schl\u00fcssel gegeben hat \u2013 das Gesetz und das Evangelium. F\u00fcr diese einmalige Mission hat Christus Seine Kirche erbaut \u2013 mit der Vergebung der S\u00fcnden und der Befreiung des Menschen zum Dienst Gottes und seiner Mitmenschen. Doch lasst uns noch etwas beachten: \u201eAuf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen,\u201c sagt Christus. Diese Worte bezieht er nicht auf irgendeine Theorie, auf den Glauben und auf ein Dogma oder ein Bekenntnis. Dieses Wort sagt er zu Petrus, zu einem Menschen. Christus berief Menschen zu seinen Zeugen. Es gibt kein Zeugnis ohne einen Zeugen. Das betrifft alle Zeiten. Er hat Menschen zu dieser einmaligen Mission der Befreiung berufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind heute Zeugen eines Ereignisses, wir feiern heute das Geschehen, bei dem Gott zwei M\u00e4nner aus Seinem Volk zum Bischofsamt beruft und durch die H\u00e4nde Seiner Kirche als Bisch\u00f6fe einsetzt, damit sie vor dem Volk stehen und die Kirche vertreten und vor der Kirche stehen und ihr gegen\u00fcber Christus vertreten. Das ist ein sehr hoher Anspruch an euch, meine Br\u00fcder, und das ist ein Anspruch, an den man sofort die Frage stellen k\u00f6nnte: \u201eWas soll ich tun?\u201c Heute erhaltet ihr die Insignien eures Amtes. Das sichtbarste von ihnen ist der Bischofsstab, der nicht der Stab eines Herrschers ist, sondern ein Hirtenstock mit der Hacke eines G\u00e4rtners. An einer anderen Stelle sagte Jesus zu Petrus: \u201cWeide mein Schafe.\u201c Was hei\u00dft das, die Schafe zu weiden? Das ist zugleich eine Erinnerung und die Antwort auf diese Frage: \u201eWas soll ich tun?\u201c \u201eWeiden\u201c bedeutet die Herde zu f\u00fcttern, tr\u00e4nken und zusammenzuhalten. Jesus sagt \u201eF\u00fcttere\u201c. Womit? F\u00fcttere sie mit dem, womit Christus die Welt gespeist hat \u2013 mit dem Wort Gottes. Mit dem Wort Gottes, das von der Liebe Gottes und Seiner Vergebung berichtet, was in uns wie Medizin wirkt, die wir einnehmen, die in uns weiter wirkt selbst dann, wenn das Wort in uns verstummt ist und wir es nicht mehr h\u00f6ren. Weide und f\u00fcttere meine Herde mit Gottes Wort und mit einer klaren Predigt, erquicke sie mit den Sakramenten \u2013 mit den Gnadenmitteln, in denen wir Christus begegnen. Wir k\u00f6nnen Ihm an keiner anderen Stelle begegnen als nur dort, wo wir unsere Arznei gegen die S\u00fcnde, unser Gegengift gegen den ewigen Tod, als Brot des ewigen Lebens empfangen. Tr\u00e4nke meine Schafe, besch\u00fctze sie vor den rei\u00dfenden W\u00f6lfen der Irrlehren, von denen Christus bereits gesprochen hat und vor denen auch Paulus warnt. Weide meine Schafe, da\u00df sie bleiben in der rechten Lehre des wahren Wortes Gottes \u2013 das ist der Auftrag eines Bischofs. Hilf ihnen, den Weg der Heiligung zu gehen, denn es darf nicht sein, da\u00df das Wort Gottes und die heiligen Sakramente so versickern wie ein Wassertropfen und wir uns darauf verlassen, da\u00df Gottes Vergebung und die Rechtfertigung uns einfach als Geschenk in den Scho\u00df fallen und wir in unserem Leben nichts mehr zu \u00e4ndern brauchen. Christus hat uns zu einem geheiligten Leben aufgerufen. Nur Gott, wir selbst und unsere N\u00e4chsten wissen es, wie weit ein jeder von uns noch davon entfernt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb sollt ihr, liebe Br\u00fcder, Seine Herde, Seine Gemeinde auf diesem Weg der Heiligung in der Wahrheit mit Christus vereint begleiten, denn es gibt keinen anderen Grund, auf dem die Kirche einig bleiben kann als nur der Glaube an Christus und Seine Erkenntnis. Die Kirche kann nur um ihr Haupt, um ihren Hohenpriester vereint sein, welcher ist Christus. Das ist doch Euer ganz besonderer Dienst, da\u00df ihr die Kirche dadurch zusammenhaltet, da\u00df ihr dem Teufel bei allen menschlichen Streitereien und Spaltungsversuchen entgegentretet, wie sie oft unter Menschen und auch in der Gemeinde Christi vorkommen. Da\u00df ihr als Friedenstr\u00e4ger und Ruhestifter euern Dienst verseht, denn wenn die Kirche in Eintracht leben und den Streit beenden m\u00f6chte, bedarf es nach der Anweisung Christi nur des einen und keines anderen, um die Probleme evangelisch nach dem von Christus verk\u00fcndigten Wort zu l\u00f6sen: der Anrufung des Heiligen Geistes als Leiter und Tr\u00f6ster der Gemeinde. So sollt ihr die Gemeinde Christi leiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr sollt Zeugen sein, sagt Christus zu Petrus. Er selbst hat kein Buch geschrieben oder Seine Lehren in Stein gemei\u00dfelt. Ohne einen Zeugen gibt es kein Zeugnis. Doch das Zeugnis umfasst nicht nur die m\u00fcndliche Aussage, sondern das ganze Leben. Auch das ist der Auftrag jedes Pastors, und ganz besonders des Bischofs, wenn er ein Zeuge und Vertreter der Kirche vor der Welt sein m\u00f6chte: durch seine Person Christus sichtbar und gegenw\u00e4rtig zu machen. Damit er das kann, muss er t\u00e4glich auch selbst Christus suchen. Petrus, der an dieser Stelle mit so gro\u00dfen Worten bedacht wird, erlebt nur wenige Verse danach eine gro\u00dfe Blamage. Dort wird berichtet, da\u00df er nach der ersten Leidensank\u00fcndigung Jesus r\u00fcgt: \u201eGott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht.\u201c Und Jesus ist gen\u00f6tigt, ihn streng zurechtzuweisen: \u201cGeh weg von mir, Satan! Du bist mir ein \u00c4rgernis; denn du meinst nicht, was g\u00f6ttlich, sondern was menschlich ist.\u201c Auch noch manche andere Dinge k\u00f6nnen wir wahrnehmen, die Petrus nicht begreift. Auch nach dem Augenblick seiner Bef\u00f6rderung in ein so hohes Amt muss er noch viel dazulernen und sich vom Heiligen Geist formen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu geh\u00f6rt die Schriftstelle aus dem Johannesevangelium, in der Jesus Seinen J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe waschen m\u00f6chte, Petrus aber sich dagegen wehrt. Wenn wir diese Stelle lesen, k\u00f6nnen wir den Eindruck haben, da\u00df diese Abwehr Ausdruck einer tiefen Demut sei, so da\u00df er es nie zulassen m\u00f6chte, da\u00df Christus ihm die F\u00fc\u00dfe w\u00e4scht. Doch eigentlich verbirgt sich dahinter, wenn wir tiefer blicken, heimlicher Hochmut, denn das macht deutlich, was Petrus unter Leitung versteht, was es f\u00fcr ihn bedeutet, Leiter, Vorsteher, Oberhaupt zu sein. Wenn er an der Stelle Jesu w\u00e4re, w\u00fcrde er nie anderen die F\u00fc\u00dfe waschen, denn das geh\u00f6rt sich nicht. Doch Jesus sagt: \u201eWenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber euch, liebe Br\u00fcder, und alle im Pfarramt m\u00f6chte ich daran erinnern, da\u00df wir zu Dienern berufen sind. \u201eWer der Erste sein m\u00f6chte, der sei aller Diener.\u201c Dazu m\u00f6ge Gott uns helfen. Ohne dem k\u00f6nnen wir nicht gute Frucht in unserem Dienst und in der Kirche bringen. Dich, liebe Gemeinde, bitte ich, diese neuen Bisch\u00f6fe in Liebe aufzunehmen, sie in eure F\u00fcrbitte einzuschlie\u00dfen und ihnen die geb\u00fchrende Achtung, Unterst\u00fctzung und, wenn erforderlich, auch Gehorsam zu erweisen, damit ihr Dienst unserer Kirche zum Segen werde. Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>aus Sv\u0113tdienas R\u012bts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, vom 20. Oktober 2007 (\u00fcbersetzt von Johannes Baumann)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Zeugen der Gegenwart Christi&#8220; Predigt im Dom zu Riga am Samstag, 13. Oktober 2007 zur Einf\u00fchrung von zwei neuen Bisch\u00f6fen in Lettland \u201eDa kam Jesus in die Gegend von C\u00e4sarea Philippi und fragte seine J\u00fcnger und sprach: Wer sagen die Leute, da\u00df der Menschensohn sei? 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