{"id":14808,"date":"2017-08-07T09:19:27","date_gmt":"2017-08-07T07:19:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14808"},"modified":"2017-08-07T09:19:27","modified_gmt":"2017-08-07T07:19:27","slug":"lutherbibel-revidiert-2017-gemessen-am-original-1545","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14808","title":{"rendered":"\u201eLutherbibel revidiert 2017\u201c \u2013 gemessen am Original (1545)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 19. Oktober 2016 erschien die \u201eLutherbibel revidiert 2017\u201c w\u00e4hrend der Frankfurter Buchmesse. Geworben wird f\u00fcr diese Bibel auf der Umschlagbanderole mit Worten. \u201eDas Original \u2013 so zuverl\u00e4ssig wie nie! Vollst\u00e4ndig \u00fcberpr\u00fcft und durchgehend auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand!\u201c \u201eDer Klassiker \u2013 jetzt noch pr\u00e4gnanter! Die vertraute und eing\u00e4ngige Luthersprache vielfach wieder hergestellt.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Werbung weckt bei einem kundigen Leser Erwartungen. Er denkt dabei an die letzte Gesamtausgabe der Heiligen Schrift von 1545, die Martin Luther noch verantwortet hat. Schon in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts legte der Deutsche Taschenbuchverlag<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> in einer dreib\u00e4ndigen Taschenbuchausgabe diese Bibel in moderner Druckschrift neu auf. Obwohl es schon einige M\u00fche kostet, kann doch der heutige Leser entdecken, welchen Schatz Luther uns hinterlassen hat. Denn es liegt nicht nur eine reine \u00dcbersetzung vor, sondern mit den Vorreden zu den biblischen B\u00fcchern und den Seitenanmerkungen liegt so etwas wie eine \u201eStudienbibel\u201c vor. Der Reformator leitet den Leser an, wie er die Bibel in rechter Weise lesen und verstehen kann.\u00a0 Diese Besprechung kann nicht auf alle Einzelheiten eingehen. Deutlich wird aber immer wieder, dass die Heilige Schrift vordringlich Christuszeugnis ist. Zwei Beispiele seien hier angef\u00fchrt:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>So sieht der Reformator im Gerichtswort an die Schlange in 1. Mose 3,15 auch das erste Evangelium, das von Anfang den Menschen Hoffnung gab. Darin folgte Luther den V\u00e4tern der alten Kirche: <em>\u201eDas ist das erste Evangelium und Verhei\u00dfung von Christus geschehen auf Erden. Das er sollt S\u00fcnd, Tod und H\u00f6lle \u00fcberwinden und uns von der Schlangen Gewalt selig machen. Daran glaubte Adam mit allen seinen Nachkommen. Davon er Christ und selig geworden ist von seinem Fall.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/em><\/li>\n<li>In seiner Vorrede zum Propheten Jesaja h\u00e4lt Luther sinngem\u00e4\u00df fest, dass dieser wie sonst kein anderer Prophet Jesus vorhersagen w\u00fcrde und,<em> \u201edass er auch die Mutter Christi, die Jungfrau Maria beschreibt, wie sie ihn empfangen und geb\u00e4ren soll.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilfreich ist auch seine Anmerkung zu R\u00f6mer 15,8 an <em>\u201eSumma summarum dieser Epistel: Juden und Heiden sollen selig werden etc.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><strong>[4]<\/strong><\/a> <\/em>Hier zeigt sich, dass auch der \u201esp\u00e4te Luther\u201c daran festgehalten hat, dass auch die Juden gerettet werden sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luther hat mit der Bibel 1545 Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt, die eine Revision, die sich auf das \u201eOriginal\u201c beruft, beachten muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inwieweit gelingt es der \u201eRevision 2017\u201c\u00a0 diesem selbstgestellten Anspruch gerecht zu werden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider ergibt sich ein widerspr\u00fcchlicher Eindruck. Auf der einen Seite kehren die Herausgeber in sinnvoller Weise zum \u201eOriginal\u201c zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wird jetzt wieder in 1. Mose 3,15 vom <em>\u201eSamen\u201c<\/em> der Frau und der Schlange gesprochen. Es wird verst\u00e4ndlicher, warum in der altkirchlichen und reformatorischen Schriftauslegung diese Stelle als \u201eProtevangelium\u201c (Erstes Evangelium) verstanden wurde. Das Bild des Samens verbindet sich einsichtiger mit messianischen Verhei\u00dfungen, wo vom <em>\u201eSpross\u201c,<\/em> der <em>\u201eWurzel\u201c<\/em> oder dem <em>\u201eReis\u201c<\/em> gesprochen wird. Trefflich ist es auch, dass im \u201e<em>Lobgesang des Zacharias<\/em>\u201c wieder vom <em>\u201eHorn des Heils\u201c<\/em> (Lk 1,69) gesprochen wird. Das <em>\u201eHorn\u201c<\/em> verweist n\u00e4mlich auf die H\u00f6rner des alttestamentlichen Brandopferaltars, die f\u00fcr S\u00fcnder als Zufluchtsst\u00e4tte dienten (vgl. 1. K\u00f6n. 1,50). So wird deutlich, dass es an dieser Stelle nicht nur um die Macht und Kraft des Messias, sondern um sein Wirken als Heiland und Retter geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider wird \u00a0an anderen Stellen diese Sicht in Frage gestellt, indem man u.a. die Jungfrauengeburt bezweifelt. Die \u00dcbersetzung Jes 7,14 lautet noch <em>\u201eSiehe, eine <strong>Jungfrau<\/strong> ist schwanger&#8230;\u201c<\/em> Die Anmerkung dazu erkl\u00e4rt aber, dass es w\u00f6rtlich <strong><em>\u201ejunge Frau\u201c<\/em><\/strong> bedeutet. Die Worterkl\u00e4rungen im Anhang unter dem Stichwort <em>\u201eJungfrau\u201c<\/em> verst\u00e4rken dann die Tendenz, die Jungfrauengeburt Jesu zu hinterfragen: \u201eDie Aussage von der jungfr\u00e4ulichen Empf\u00e4ngnis Jesu (Mt 1,23; Lk 1,27) will nicht als biologisches Wunder, sondern als eine theologische Aussage \u00fcber seine g\u00f6ttliche Herkunft verstanden werden.\u201c <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Jes 7,14 ist zu sagen: Das hebr\u00e4ische Wort <em>\u201ealmah\u201c<\/em> kann auch <em>\u201ejunge Frau\u201c<\/em> bedeuten. Es kommt aber darauf an, in welchen Zusammenh\u00e4ngen es gebraucht wird. Otto Betz, ein Pionier der Qumranforschung und Judaist, sagt: <em>\u201eDas seltene Wort almah meint eben nicht die verheiratete junge Frau, sondern das heiratsf\u00e4hige junge M\u00e4dchen, das noch Jungfrau ist (virgo matura) &#8230;<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wird R\u00f6mer 9,5 nicht mehr als Bekenntnis zur\u00a0 Gottheit Jesu wiedergegeben. Hie\u00df es bisher: <em>\u201eAus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott \u00fcber alles, gelobt in Ewigkeit.\u201c<\/em>; hei\u00dft es nun: <em>\u201eAus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. Gott, der da ist \u00fcber allem, sei gelobt in Ewigkeit.\u201c<\/em> Dazu kommt die Anmerkung <em>\u201eLuther \u00fcbersetzte nach dem lateinischen Text \u00bbChristus &#8230; der da Gott ist \u00fcber alles.\u00ab\u201c<\/em> So entsteht der Eindruck, dass jene \u00dcbersetzung, die Christus als Gott bekennt, sich der lateinischen \u00dcbersetzung verdankt. Nun ist es aber so, dass schon griechische Kirchenv\u00e4ter wie Iren\u00e4us und Athanasius R\u00f6mer 9,5 im Sinne von \u00bb<em>Christus &#8230; der da Gott ist \u00fcber alles.\u00ab<\/em> verstanden haben. \u00a0Unbeachtet bleibt, \u00a0dass R\u00f6mer 9,5 in den lutherischen Bekenntnisschriften ein Schriftbeleg ist, um die wahre Gottheit und Menschheit Jesu zu bezeugen: \u201e<em>Wir glauben, lehren und bekennen, &#8230;dass Christus Jesus nunmehr in einer Person zugleich wahrhaftiger, ewiger Gott sei, vom Vater von Ewigkeit her geboren, und ein wahrhaftiger Mensch, von der hochgelobten Jungfrau Maria geboren, wie geschrieben steht, R\u00f6m 9 [,5]: \u00bbaus welchen Christus herkommt nach dem Fleisch, der Gott ist \u00fcber alles, gelobt in Ewigkeit\u00ab.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><strong>[7]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedenklich ist manches in der Zeittafel im Anhang der Revision 2017. Nicht immer kann eine genaue Chronologie biblischer Ereignisse erstellt werden. Dennoch lassen sich die meisten Ereignisse geschichtlich grob zuordnen. Bisher hielten Lutherbibeln fest, wann ungef\u00e4hr die Erzv\u00e4ter wie Abraham wirkten und in welcher Zeit der Auszug aus \u00c4gypten geschah. In der Revision 2017 tauchen diese Ereignisse nicht mehr auf. Die Geschichte des Alten Testaments beginnt mit dem K\u00f6nigreich Sauls. Man kann vermuten, dass hier die Meinung mancher Alttestamentler aufgenommen wird, die nicht mit der Faktizit\u00e4t dieser Ereignisse rechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den gr\u00f6\u00dften Eingriff in das \u201eOriginal\u201c stellt die Einf\u00fcgung der Wendung <em>\u201eBr\u00fcder und Schwestern\u201c<\/em> (u.a. Apg 15,32; 16,40; 21,17; 28,14; R\u00f6m 1,13; 7,4; Phil 1,12; Gal 1,2; Hbr 3,12) dar, wo im Urtext nur der m\u00e4nnliche Plural steht. Es mag sein, dass an etlichen Stellen auch immer die christlichen Schwestern angesprochen sind. Diese Vermutung kann ich anmerken und diskutieren, aber den Text so zu erg\u00e4nzen, ist fragw\u00fcrdig. So f\u00e4llt gar nicht mehr auf, wo die <em>\u201eSchwestern\u201c<\/em> tats\u00e4chlich ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt werden: Mt 12,50; 19,29; Mk 3,32; 3,35; 6,3; 10,29f; Lk 14,26; 1. Kor 7,15; 1. Kor 9,5; Jak 2,15. Wer keinen Zugriff auf den Urtext hat, \u00a0kann nicht feststellen, wo wirklich der Begriff \u201eSchwester\u201c ausdr\u00fccklich vorkommt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemessen am \u201eOriginal\u201c muss festgestellt werden, dass die \u201eLutherbibel revidiert 2017\u201c versucht, Anliegen des Vorbildes aufzunehmen. Teilweise gelingt dies. Es gibt Stellen, wo deutlich wird, dass die Bibel Christuszeugnis ist. An anderen Stellen wird diese Linie aber durch \u00dcbersetzung und Anmerkungen in Frage gestellt. Es w\u00e4re sinnvoll, wenn diese Revision im Sinne des\u00a0 Originals \u00fcberarbeitet w\u00fcrde. Bei der Revision 1975 hatte man schon einmal den Mut, einen solchen Schritt zu wagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pastor Andreas Volkmar, Bielefeld<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Beitrag ist im &#8222;Aufbruch &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes&#8220; (Juni 2017) erschienen. Wenn Sie den &#8222;Aufbruch&#8220; kostenlos abonnieren m\u00f6chten, schreiben Sie bitte an <a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\">info@gemeindehilfsbund.de<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> D. Martin Luther: <strong>Biblia <\/strong>Das ist die gantze Heilige Schrift Deudsch auffs new zugericht, Hrsg: Hans Volz, M\u00fcnchen 1974<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Biblia, S.20<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Biblia, S. 1170<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Biblia, S. 2293<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Luther 2017, S. 344<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> O. Betz, Was wissen wir von Jesus? Der Messias im Licht von Qumran, Wuppertal, 1999<sup>3<\/sup>, S. 128 f.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Konkordienformel, Solida Declaratio VIII, zitiert nach \u201eUnser Glaube, die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche\u201c, hrsg. Vom Amt der VELKD, G\u00fctersloh, 2013, S. 857f<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19. Oktober 2016 erschien die \u201eLutherbibel revidiert 2017\u201c w\u00e4hrend der Frankfurter Buchmesse. Geworben wird f\u00fcr diese Bibel auf der Umschlagbanderole mit Worten. \u201eDas Original \u2013 so zuverl\u00e4ssig wie nie! Vollst\u00e4ndig \u00fcberpr\u00fcft und durchgehend auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand!\u201c \u201eDer Klassiker \u2013 jetzt noch pr\u00e4gnanter! 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