{"id":14758,"date":"2017-07-16T08:30:13","date_gmt":"2017-07-16T06:30:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14758"},"modified":"2017-07-16T08:30:13","modified_gmt":"2017-07-16T06:30:13","slug":"sola-scriptura-allein-die-schrift-6-thesen-zum-reformationsjubilaeum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14758","title":{"rendered":"Sola scriptura &#8211; Allein die Schrift (6 Thesen zum Reformationsjubil\u00e4um)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">1\u00a0 Der Grundsatz \u201eAllein die Schrift\u201c geht auf Martin Luther zur\u00fcck: \u201eIch will, dass allein die Heilige Schrift herrsche, ich will nicht, dass sie durch meinen Geist oder durch den Geist anderer Menschen ausgelegt werde, sondern dass sie durch sich selbst und durch ihren eigenen Geist verstanden werde\u201c (Assertio omnium articulorum, 1520). Es geht also um die Frage, wer die Auslegungskompetenz hat. <!--more-->Im Hintergrund steht die Auslegungswillk\u00fcr im Mittelalter (Beispiel: Bulle \u201aUnam sanctam\u2018 von Papst Bonifaz VIII 1302, wo mit Luk 22,38 allegorisch die Oberherrschaft der R\u00f6m.-kath. Kirche \u00fcber Staat und Christenheit begr\u00fcndet wurde). Sp\u00e4ter wurde der Grundsatz von Luther auch gegen die \u201eSchw\u00e4rmer\u201c angewendet, die sich bei der Bibelauslegung auf pers\u00f6nliche Erfahrungen mit dem Heiligen Geist beriefen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2\u00a0 Mit dem Grundsatz \u201eAllein die Schrift\u201c (auch \u201eSchriftprinzip\u201c genannt) wurde der Protestantismus eine Bibelbewegung und steht damit im Widerspruch zur R\u00f6m.-kath. Kirche, die sich im Konzil von Trient (1545-1563) eine doppelte Grundlage gegeben hat, die Bibel und die Lehrtradition, und die ihr eigenes kirchliches Lehramt als letzte Autorit\u00e4t f\u00fcr das richtige Bibelverst\u00e4ndnis bestimmt hat. Wenn die evangelische Kirche die Bibel nicht mehr als Autorit\u00e4t f\u00fcr Leben und Lehre anerkennt, verliert sie ihre Autorit\u00e4t und Existenzberechtigung. Wenn die R\u00f6m.-kath. Kirche das Vertrauen in die Bibelautorit\u00e4t verliert, kann sie dennoch aufgrund ihrer Lehrtraditionen weiterexistieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3\u00a0 Wie legen wir die Bibel so aus, dass der Grundsatz \u201eAllein die Schrift\u201c gew\u00e4hrleistet bleibt? Die reformatorische Antwort lautet: Indem wir sie als Christusbuch lesen. Luther: \u201eDa sollte sich unser Studieren und Lesen sich \u00fcben und sehen, wer Christus sei, wozu er uns gegeben ist, wie er uns verhei\u00dfen war, und wie sich die ganze Schrift auf ihn bezieht, wie er selber in Joh 5,46 gesagt hat\u201c (Vorrede zur Wartburgpostille 1522). Man soll also in der ganzen Bibel, auch im A.T., danach forschen und erkennen, \u201ewas Christum treibet\u201c, d.h. die Spuren und Hinweise auf Christus und seine Sendung erforschen, z.B in der Abrahamsgeschichte, Josephsgeschichte und Danielgeschichte, oder auch in den Berichten \u00fcber die Freist\u00e4dte und in den Opfergesetzen (vgl. Wilhelm Busch, Spuren zum Kreuz).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4\u00a0 Wie bringt die Bibel Christus zu uns? Indem sie auf eine doppelte Weise zu uns redet, als Anspruch und als Zuspruch Gottes, als Gesetz und Evangelium. Das Gesetz sagt uns, dass wir verlorene S\u00fcnder sind, weil wir dem Anspruch Gottes nicht gen\u00fcgen, aber das Evangelium sagt uns, dass wir in Christus Vergebung, Heil und Ver\u00e4nderung finden. F\u00fcr ein geistlich f\u00f6rderliches Bibelverst\u00e4ndnis ist es n\u00f6tig, dass wir uns auf diese doppelte Redeweise der Schrift einstellen. Wer sie nur als Gesetz h\u00f6rt, macht sie zu einem frommen Forderungskatalog, der den Menschen knechtet. Wer sie nur als Evangelium h\u00f6rt, verliert den Blick auf die Realit\u00e4t seiner S\u00fcnde. Beispiel: Hiob 1,1 \u201eEs war ein Mann im Lande Uz, der war fromm und rechtschaffen, gottesf\u00fcrchtig und mied das B\u00f6se\u201c. Das Gesetz sagt, dass wir alle so sein sollen. Das Evangelium sagt, dass Christus uns durch den Heiligen Geist so umgestalten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">5\u00a0 Die Ziele der Schrift mit uns nach 2 Tim 3,16f.: \u201eJedes Buch der Schrift entstammt dem Heiligen Geist und ist n\u00fctzlich zur Lehre, n\u00e4mlich zur \u00dcberf\u00fchrung der S\u00fcnde, zur Zurechtbringung und zur Erziehung in der Glaubensgerechtigkeit, damit der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und zuger\u00fcstet ist\u201c. Der Heilige Geist deckt uns also durch die Bibel unsere S\u00fcnde auf, er macht uns Mut, der S\u00fcnde zu widerstehen, und er hilft uns zur Heiligung. So f\u00fchrt uns die Schrift immer wieder ins Kreuzeszeichen hinein, indem sie uns ins Licht Gottes stellt und zum Dienst am N\u00e4chsten auffordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">6\u00a0 Unsere Aufgabe besteht darin, am Wort Gottes dranzubleiben. \u201eDu aber bleibe bei dem, was du gelernt hast\u201c (2 Tim 3,14). Die innere Geschichte des Protestantismus zeigt, dass viele evangelische Christen diese Aufgabe immer wieder vers\u00e4umt haben, leider auch ma\u00dfgebliche Geistesgr\u00f6\u00dfen und kirchliche Amtstr\u00e4ger bis heute. Beispiele aus der deutschen Geistesgeschichte: Lessing, Kant, Goethe. Beispiele aus der evang. Kirche: Beschluss der bayrischen Landessynode zur Abtreibung 1991, Empfehlung der VELKD-Bischofskonferenz zur \u00d6ffnung der evangelischen Pfarrh\u00e4user f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partnerschaften 2004, EKD-Grundlagentext \u201aRechtfertigung und Freiheit\u2018 von 2014, wonach man heute die Bibel nicht mehr so als Wort Gottes ansehen k\u00f6nne wie zur Zeit der Reformatoren. Desto wichtiger ist es f\u00fcr jeden evangelischen Christen, die ganze Bibel des Alten und Neuen Testaments als Christusbuch zu lesen und sich im Leben und Glauben an der Lehre der Apostel auszurichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1\u00a0 Der Grundsatz \u201eAllein die Schrift\u201c geht auf Martin Luther zur\u00fcck: \u201eIch will, dass allein die Heilige Schrift herrsche, ich will nicht, dass sie durch meinen Geist oder durch den Geist anderer Menschen ausgelegt werde, sondern dass sie durch sich selbst und durch ihren eigenen Geist verstanden werde\u201c (Assertio omnium articulorum, 1520). 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