{"id":1469,"date":"2005-12-15T17:21:23","date_gmt":"2005-12-15T15:21:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1469"},"modified":"2009-09-11T11:03:02","modified_gmt":"2009-09-11T09:03:02","slug":"mission-impossible-ein-unmoglicher-auftrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1469","title":{"rendered":"Predigt: Mission impossible &#8211; ein unm\u00f6glicher Auftrag"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mission impossible &#8211;\u00a0ein unm\u00f6glicher Auftrag<br \/>\nPredigt\u00a0\u00fcber Joh. 6,1-13<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus erteilt seinen J\u00fcngern einen unm\u00f6glichen Auftrag. F\u00fcnf Brote, zwei Fische \u2013 also so viel, wie ein Knabe mit sich tragen konnte. Und dann ist dort die gro\u00dfe verhungerte Volksmenge mit allein 5000 M\u00e4nnern. Es f\u00e4llt schwer, sich diesen zum Mi\u00dferfolg verurteilten und im voraus zu berechnenden Auftrag auszumalen. Jeder von uns wird einmal etwas \u00e4hnliches erlebt haben. Irgend etwas mu\u00df gemacht werden, was wir auch wirklich machen m\u00f6chten. Doch wenn wir dann die Ressourcen \u00fcberschlagen (wie das die J\u00fcnger damals taten) \u2013 dann haben wir nur 200 Groschen, f\u00fcnf Brote und zwei Fische, die wir uns von einem Knaben leihen k\u00f6nnen. Doch das ist in keinem Fall genug. Und dann stehen wir ratlos da.<!--more-->\u00a0Dazu haben Komplikationen und hoffnungslose Situationen eine sehr unangenehme Eigenschaft \u2013 wir wissen es nicht, worauf sie hinauslaufen. Das macht alles noch unertr\u00e4glicher. Vielleicht ist die Speisung der Tausende von Menschen das einzige Wunder Jesu, von dem alle vier Evangelisten berichten, damit wir, auch wenn wir nur einen von ihnen lesen, eine Anleitung h\u00e4tten, wie wir uns verhalten sollten in einem Augenblick, in dem wir anscheinend Unm\u00f6gliches zu bew\u00e4ltigen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher wird jetzt jemand einwenden: \u201eDieser Fall ist doch gar nicht mit meinem zu vergleichen! Damals stand den J\u00fcngern doch Jesus zur Seite. Er hat alles gel\u00f6st. Er hat das Brot und die Fische vermehrt. Wenn Jesus dort nicht gewesen w\u00e4re, dann w\u00e4re doch alles mit Schande und einem Misserfolg zu Ende gegangen. Den J\u00fcngern stand Jesus zur Seite, aber wen haben wir?\u201c Ja, wir k\u00f6nnen wirklich, wenn wir fragen, wodurch sich die im Neuen Testament geschilderten Ereignisse von Episoden unseres eigenen Lebens offensichtlich unterscheiden, zum Schlu\u00df kommen: bei ihnen war damals Jesus und hat gro\u00dfe Dinge getan. Doch bei uns ist das nicht der Fall. Wir befinden uns in einer v\u00f6llig anderen Situation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir so reden, dann sind wir Philippus und Andreas sehr \u00e4hnlich, die Jesus in die Augen schauen, mit ihm reden und sagen: \u201cWir haben nicht gen\u00fcgend Mittel. Wir haben nur die 200 Groschen, f\u00fcnf Brote und zwei Fische.\u201c Als ob Jesus \u00fcberhaupt nicht da w\u00e4re. Selbst die von Christus berufenen J\u00fcnger suchen einen Ausweg, so als ob Jesus gar nicht anwesend w\u00e4re. Und dann kann es wirklich sein, da\u00df Auftr\u00e4ge unerf\u00fcllbar und Situationen unl\u00f6sbar erscheinen. Dabei ist die am schwersten zu bew\u00e4ltigende von allen Situationen die Begegnung mit dem Tode. Doch Jesus hat uns verhei\u00dfen: \u201eIch bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.\u201c Dieses Wort bedeutet, da\u00df wir uns dem Wesen nach in einer vergleichbaren Lage befinden wie die J\u00fcnger damals \u2013 Jesus war nahe bei ihnen und Jesus ist nahe bei uns. Alle Tage. Bis an das Ende. Christus ist vom Himmelreich zu uns gekommen, um bei uns zu sein in komplizierten Lebenslagen. Jesus ist bei ihnen und bei uns alle Tage. Das glauben wir doch, oder nicht? Ist es uns schon eingefallen und haben wir genug Vertrauen, das auch in der Praxis des Alltages zu \u00fcberpr\u00fcfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weshalb sollen wir uns darauf verlassen? Wer macht uns Mut, die L\u00f6sung bei Jesus zu suchen? Johannes macht an dieser Stelle die Bemerkung, da\u00df dort am Ort, an dem sich das Volk lagerte, viel Gras gewesen sei. Das scheint eine Bemerkung ohne Belang zu sein, die keiner weiteren \u00dcberlegung wert ist. Doch der Evangelist Johannes gibt sich nicht mit unwesentlichen Kleinigkeiten ab. Das Symbol f\u00fcr Johannes ist der Adler. Er betrachtet alles aus der Sicht des fliegenden Adlers: \u201eIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort&#8230;\u201c Aber was bedeutet dann das Gras? Erinnert uns dieses kleine Detail nicht an etwas oft Geh\u00f6rtes und an etwas ganz Gro\u00dfes? \u201eDer Herr ist mein Hirte, mir wird nicht mangeln. Er weidet mich auf einer gr\u00fcnen Aue&#8230;\u201c (Psalm 23) Sowohl durch den Flug des Adlers als auch durch die Niederung der gr\u00fcnen Aue versucht der Evangelist dasselbe zu sagen: \u201eDer bei euch alle Tage ist, der euch sagt \u201a Kommet her zu mir alle, und ich werde euch nicht zur\u00fcckweisen\u2019 \u2013 ist der Herr, dem Himmel und Erde gehorsam sind.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus fragt Philippus: \u201eWo kaufen wir Brot, da\u00df diese essen?\u201c Er fragt ihn, um ihn zu pr\u00fcfen, denn er selbst wu\u00dfte wohl, was er tun wollte. Jesus pr\u00fcft Philippus damit, da\u00df er ihm einen unm\u00f6glichen Auftrag erteilt. Wie wird Philippus darauf reagieren? Welche L\u00f6sung wird er suchen? Philippus besteht die Pr\u00fcfung nicht. Er f\u00e4ngt an, Geld zu z\u00e4hlen. Andreas z\u00e4hlt die Fische. Dennoch hat dieser Vorgang etwas sehr beruhigendes. Wenn es in unserem Leben zu Komplikationen kommt und wir nicht sehen, was hinter der Kurve auf uns zukommt, wei\u00df Jesus bereits, was er in dieser Situation tun m\u00f6chte. Und er ist es, der alle auf dem Grase lagern l\u00e4sst. Er ist der Herr. Er ist es, der bereit war, sein Leben f\u00fcr uns zu opfern. Durch seine Auferstehung von den Toten zeigte er der Menschheit, da\u00df er gen\u00fcgend Ressourcen hat, um uns auch mit dem unm\u00f6glichsten Auftrag zu betrauen \u2013 dem Tode zu begegnen und dennoch weiter zu leben. Wenn wir ratlos sind, dann la\u00dft uns daran denken, da\u00df Jesus es bereits wei\u00df, was er mit uns in dieser Lebenslage vor hat. Sein liebender Wille geschehe! Wir k\u00f6nnen versuchen, einen fordernden Ton aus seiner Frage herauszuh\u00f6ren: \u201eWas wirst du in dieser deiner Lebenslage tun? Was wirst du tun, wenn du an die letzten Dinge deines Lebens denkst? Wirst du Fische z\u00e4hlen? Oder f\u00e4llt dir dabei etwas anderes ein?\u201c Und dann bekommen unsere Gewohnheiten eine gro\u00dfe Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der schwedische Theologe Sven Erik Brod sagte in einem Interview einer lettischen Zeitschrift: \u201eChrist sein hei\u00dft, an einer ganz bestimmten Praxis festhalten. Du nimmst an der Liturgie teil, betest, versuchst, dich in das Geheimnis des Lebens aus der Perspektive der Tradition deiner Kirche zu vertiefen.\u201c Menschen, die es gewohnt sind, den christlichen Glauben als eine erhabene Idee, als reines Dogma oder als spontanes geistliches Geschehen aufzufassen, l\u00e4sst diese Antwort das Gesicht verziehen. Praxis? Gewohnheit? Das h\u00f6rt sich eher an wie Routine, wie irgendwelche \u00e4u\u00dferen Formen. Das h\u00f6rt sich nach Kirche an!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch kann man gerade durch die eigenen Gewohnheiten viel \u00fcber die eigene Bereitschaft zu einem geistlichen Leben erfahren. Wonach greifst du in Stre\u00df Situationen? Nach einem \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Aktivismus? Nach fieberhaftem Schaffen? Zum Alkohol? Nach Jesus? Ist es deine Gewohnheit, in einer Situation, die dich pl\u00f6tzlich \u00fcberf\u00e4llt, dich an Ihn zu wenden? Im entscheidenden Augenblick k\u00f6nnte das von entscheidender Bedeutung sein f\u00fcr die richtige Entscheidung. Im Vergleich mit der Begabung ist die Gewohnheit von gro\u00dfer Bedeutung. Wenn du nicht begabt bist, dann kannst du daran nur schwer etwas \u00e4ndern, doch Gewohnheiten kannst du entwickeln. Zum ersten Mal ist es Philippus und Andreas sicher sehr schwer gefallen, Jesus zu gehorchen. Doch nach der Erfahrung der Speisung der vielen Tausenden fiel es ihnen viel leichter, sich auf den Weg zu machen, um das Unm\u00f6gliche zu tun. Und so f\u00e4llt es mit jedem Mal leichter, statt die Brote und die Fische zu z\u00e4hlen, die L\u00f6sung bei Jesus Christus zu suchen. Als die Frauen den J\u00fcngern die Botschaft brachten, da\u00df sie sich nach Galil\u00e4a zu begeben h\u00e4tten, um etwas ganz unvern\u00fcnftiges zu tun \u2013 um Jesus zu sehen, den sie doch soeben begraben hatten \u2013 da gehorchten sie und gingen. Nachdem sie dem Auferstandenen begegnet waren, waren sie bereit, zu gehen und alle V\u00f6lker zu J\u00fcngern zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu sind sie nicht in einem Augenblick gekommen, sondern Schritt um Schritt dadurch, da\u00df sie jedes Mal Jesus gehorchten. Am Anfang hatten sie nicht gen\u00fcgend Geld und Fische. Sie hatten auch noch nicht einen sehr starken Glauben. Doch sie bestanden den Gehorsams \u2013 Test. Es mag ihnen unvern\u00fcnftig und hoffnungslos vorgekommen sein, doch sie taten, was Jesus ihnen auftrug \u2013 sie lie\u00dfen die Tausende sich im Grase lagern, nahmen ihre l\u00e4cherlich geringen Lebensmittelvorr\u00e4te und fingen an, diese von einem Ende bis zum anderen zu verteilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oft k\u00f6nnen wir nicht einen gro\u00dfen Glauben oder eine tiefe Weisheit vorweisen, doch diese vermehren sich mit unserem Vertrauen. Jesus vermehrte das Brot praktisch aus dem Nichts. Dasselbe kann er auch mit unserem geringen Glauben und unserer geringen Erkenntnis tun, wenn wir bereit sind, das im Gehorsam weiter zu geben. Denn das ausgestreute Samenkorn des Gehorsams bringt die Frucht der Erfahrung. Wenn jemand erfahren hat, da\u00df Christus diejenigen nicht zu Schanden werden l\u00e4\u00dft, die sich auf ihn verlassen, dann er\u00f6ffnet sich ihm eine solche Dimension der Realit\u00e4t des Glaubens, da\u00df man sie nicht beschreiben, sondern sie nur erfahren kann. Die Erfahrung des Glaubens ist es, die Vertrauen, Mut und Frieden schenkt. Unsere Kirchen haben es erfahren, was es bedeutet, von Jesus beauftragt zu sein, das Unm\u00f6gliche zu tun. War es nicht von der Kirche unvern\u00fcnftig, zu versuchen, die Jahre der sowjetischen Besatzung zu \u00fcberleben? Konnten wir es wirklich erhoffen, da\u00df wir das Imperium des B\u00f6sen \u00fcberwinden w\u00fcrden? Konnten wir, die wir Jahrzehnte lang in Hoffnungslosigkeit gelebt hatten, es ahnen, da\u00df diese eines Tages verschwinden w\u00fcrde? Nat\u00fcrlich konnten wir das nicht. Doch wir konnten auf Jesus h\u00f6ren. Es gab viele, die anfingen, Geld und Brote zu z\u00e4hlen \u2013 wenn ich weiterhin zur Kirche gehe, was wird dann aus meiner Arbeit und meinem Beruf, aus meiner Rente. aus meiner Freiheit oder sogar aus meinem Leben? Doch es gab viele, die blieben. Sie sahen nicht nur, sondern erfuhren die Verhei\u00dfung Christi: \u201eDie Pforten der H\u00f6lle werden die Kirche nicht besiegen.\u201c Heute werden wir oft gefragt; \u201cErz\u00e4hlt uns doch, wie das war \u2013 w\u00e4hrend der Sowjetzeit der Kirche anzugeh\u00f6ren. \u201c Das kann man eigentlich nicht beschreiben, das kann man nur erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und die M\u00f6glichkeit, es zu erfahren, haben wir auch noch heute. Das Sowjetimperium ist zusammengebrochen, doch w\u00e4re es naiv, sich einzubilden, da\u00df die Pforten der H\u00f6lle sich geschlossen h\u00e4tten. Nicht nur im Blick auf die Sowjetunion sagte Jesus den Seinen: \u201eIhr werdet geha\u00dft sein von jedermann um meines Namens willen. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig.\u201c (Markus 13,13). Der sozialistische Totalitarismus in Europa ist zu Ende, doch die Kirche wird von dem bek\u00e4mpft, was wir wirklich als Fundamentalismus des s\u00e4kularen Humanismus bezeichnen k\u00f6nnen. Die Kirche wird von der Diktatur des Marktes und der Tyrannei der Gel\u00fcste herausgefordert. Jeder Glaube und jede Moral sind H\u00fcrden f\u00fcr den neuen Materialismus, weil sie jeden Absatz von Waren verringern und der z\u00fcgellosen Lust ihre Grenzen zeigen. Diese Konfrontation ist vielleicht nicht so gewaltsam wie die davor, doch der Wunsch, die Kirche zum Schweigen zu bringen oder sich von ihr zu befreien, ist mit dem Abtreten des alten Regimes keineswegs verschwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier k\u00f6nnte nun die Kirche mit dem Z\u00e4hlen der Fische beginnen \u2013 k\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt etwas gegen die allm\u00e4chtigen Mechanismen des Marktes bewirken? K\u00f6nnen wir etwas dem heutigen krassen Relativismus oder Individualismus entgegensetzen? Wird man uns nicht f\u00fcr altmodisch halten, wenn wir sagen, da\u00df wir der Bibel als Gottes Offenbarung vertrauen? Wenn wir die Jugend zu einem reinen Leben aufrufen, wird sie sich dann nicht von uns abwenden? Werden die M\u00e4chtigen im Staate nicht an uns Rache nehmen wollen, wenn wir mit ihnen reden wie einst der Prophet Nathan mit David geredet hat? Wird man uns nicht f\u00fcr intolerant und undemokratisch halten, wenn wir f\u00fcr die traditionelle Familie eintreten oder uns entschieden gegen Abtreibung aussprechen? Offen gesagt, wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wir k\u00f6nnen die Zukunft nicht im voraus berechnen. Doch wir k\u00f6nnen auf Jesus h\u00f6ren. Unsere geschichtliche Erfahrung lehrt uns, da\u00df dieses die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein vern\u00fcnftiges Handeln ist. Der Gehorsam gegen\u00fcber Jesus sollte uns zur t\u00e4glichen Gewohnheit werden \u2013 uns als einzelnen Menschen und uns als Kirche. Gott helfe uns dazu. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mission impossible &#8211;\u00a0ein unm\u00f6glicher Auftrag Predigt\u00a0\u00fcber Joh. 6,1-13 Jesus erteilt seinen J\u00fcngern einen unm\u00f6glichen Auftrag. F\u00fcnf Brote, zwei Fische \u2013 also so viel, wie ein Knabe mit sich tragen konnte. Und dann ist dort die gro\u00dfe verhungerte Volksmenge mit allein 5000 M\u00e4nnern. 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