{"id":14678,"date":"2017-06-08T15:11:15","date_gmt":"2017-06-08T13:11:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14678"},"modified":"2017-06-08T15:23:01","modified_gmt":"2017-06-08T13:23:01","slug":"christus-siegt-ueber-tod-und-grab-zum-einhundertsten-todestag-von-hermann-von-bezzel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14678","title":{"rendered":"Christus siegt \u00fcber Tod und Grab &#8211; zum einhundertsten Todestag von Hermann von Bezzel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Am 8. Juni 1917, also vor einhundert Jahren, starb der Theologe Hermann von Bezzel. Bezzel war Rektor der Diakonissenanstalt Neuendettelsau und ab 1909 Leiter des Oberkonsistoriums der Kirchenleitung der bayerischen Evangelisch-Lutherischen Kirche in M\u00fcnchen. Pastor Heinrich Kemner setzte sich in \u201eChristus oder Chaos\u201c mit der Theologie Hermann von Bezzels im Verh\u00e4ltnis zur Theologie Luthers auseinander und zitierte ihn immer wieder in Predigten und Ver\u00f6ffentlichungen. Im Gedenken an Bezzels hundertsten Todestag drucken wir nachfolgend Ausz\u00fcge aus einer Katechismuspredigt von Hermann von Bezzel zum 2. Glaubensartikel: <\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus Christus, gekreuzigt in der Schwachheit, verlassen von der Kraft, einsam, von seinem Vater dem Tod, der S\u00fcnde und H\u00f6lle \u00fcberantwortet, ohne Hilfe und Heil, ohne Leben und Licht, ohne Trost und Rettung, ward ins Grab gesenkt. Und \u00fcber dem geschlossenen Grabe triumphierte alles, was widerg\u00f6ttlich ist, und an dem verriegelten Grabe jauchzte alles, was wider die Wahrheit ist; und am Todestage des Herrn erloschen alle Lichter und alle Sterne erbleichten. Aber die Wahrheit ist eben doch st\u00e4rker als die L\u00fcge, und die Liebe ist doch gr\u00f6\u00dfer als der Tod, das Licht ist doch reicher als die Finsternis der Nacht, und das Leben muss triumphieren, wenn es wirklich Leben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am dritten Tage, als die Welt sich darauf einrichtete, ohne Erl\u00f6ser und ohne Erl\u00f6sung dem Tode auf ewig verfallen zu sein, und die kleine, verzagte, ge\u00e4ngstete Christengemeinde mit dem Gedanken sich abfand, es sei auch ihre Hoffnung vergeblich \u2013 am dritten Tage, da die Sonne sich besann, ob sie noch einmal \u00fcber dieser Erde aufgehen sollte, \u00fcber dieser Erde, die ein gro\u00dfes Grab ihres Gottes und Sch\u00f6pfers in sich barg, hat die Sonne endlich den Mut gefunden, \u00fcber alles Gew\u00f6lk des Todes und \u00fcber alle Schatten der H\u00f6lle und \u00fcber alle Finsternis und alles Grauen der Verwesung siegreich aufzugehen. Am dritten Tage, als es Morgen ward, da schien die Sonne, als ob es nie eine Nacht gegeben h\u00e4tte und triumphierte, als ob sie nie \u00fcber ein Grab h\u00e4tte hinleuchten m\u00fcssen, und war gro\u00df, majest\u00e4tisch und gewaltig wie ein Held, zu laufen ihre Bahn (Ps 19,6), als ob sie nie ihren Schein verloren h\u00e4tte und nie der gro\u00dfen Finsternis h\u00e4tte weichen m\u00fcssen, drei volle Stunden. Am dritten Tage um den Morgen ging es durch die Welt wie ein Fr\u00fchlingsahnen: \u201eDein Tau ist wie ein Tau des gr\u00fcnen Landes, aber das Land der Toten wirst du st\u00fcrzen\u201c (Jes 26,19). Am dritten Tage ist der, den sie leblos, leidlos, teilnahmslos in die Erde senkten, vom Tode auferstanden und lebt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und am dritten Tage, da es hie\u00df: \u201enun ist die gr\u00f6\u00dfte Tatkraft f\u00fcr immer ausgetan und gel\u00e4hmt!\u201c, und da die einen \u00fcber solchen Tod jubilierten und den andern \u00fcber solchen Tod des Geliebten das Herz brechen wollte, da geht es durch die Lande, und da l\u00e4utet es mit \u00f6sterlichen Glocken, und da ist\u2019s Fr\u00fchling auf Erden, weil\u2019s Fr\u00fchling in der Heimat geworden ist: Jesus lebt! Auferstanden, nicht aus dem Grabe gestohlen von den J\u00fcngern, dass sie dann mit dem Toten ihren Kultus und mit dem zerfallenden Menschenbilde ihren Dienst trieben, nicht m\u00fchsam vor Verwesung und Verfall gesch\u00fctzt, wie dort in den Pyramiden \u00c4gyptens, in den K\u00f6nigsgr\u00e4bern die Herrscher, sondern in der F\u00fclle der Lebensmajest\u00e4t, in der Gr\u00f6\u00dfe der unmittelbaren Lebenswahrheit, in der \u00fcberzeugenden Gewalt, dass Jesus nicht sterben darf forthin, in der alle Zweifel erm\u00e4chtigenden und allen Widerspruch niederschlagenden und aller \u00c4rmlichkeit der Verneinung spottenden Majest\u00e4t ist er auferstanden: er lebt! Nicht ein k\u00fcmmerliches Leben, dass man ihn lieber wieder im Grabe s\u00e4he, nicht ein altersschwaches D\u00e4mmern, da jeder Nerv versagt, und jeder Muskel der M\u00fche und Anstrengung sich weigert, nicht ein schw\u00e4chliches, wehm\u00fctiges Erinnern an ein fr\u00fcheres Leben und dessen Kraft, sondern, wie der Fr\u00fchling \u00fcberall hervorbricht, quellend in seiner Gewalt, knospend in seiner Freude, die Welt mit dem \u00dcberfluss an Lebensg\u00fctern \u00fcbersch\u00fcttend und bewegend, so ist unser Heiland aus dem Grabe hervorgegangen, nicht ein Lebendiger, sondern das Leben. Er hat den Knechtsleib getragen, aber in der Glorie des Siegers; er hat den Menschenleib an sich gehabt, aber in der Majest\u00e4t der paradiesischen Sch\u00f6ne; keine Miene war mehr vom Schmerz bewegt, kein Blick mehr von der Wehmut getr\u00fcbt, kein einziges mehr, dass sich irgendwie seiner Kraft hemmend in den Weg stellte, sondern in der F\u00fclle der Gottheit hat er die Menschheit bereichert, erf\u00fcllt und verkl\u00e4rt, und in der Echtheit der Menschheit hat er die Gottheit verwirklicht und bezeugt. Ganz Mensch, der damit den Seinen das Brot brach nach seiner Auferstehung, ganz Mensch, der am jenseitigen Ufer stand und dem Petrus das Herz schwellen lie\u00df, dass er sich ins Wasser warf, Jesus entgegen; denn \u201ees ist der Herr!\u201c (Joh 21,7). Ganz Mensch, da er dem tastenden Zweifler in seine N\u00e4gelmale die Finger und seine Hand in seine Seite bergen und legen lie\u00df (Joh 20,27). Ganz Mensch, und dabei doch Gott: \u201eR\u00fchre mich nicht an!\u201c (Joh 20,17). Ganz Mensch, so dass das arme, schwache Weib meint, es sei der G\u00e4rtner \u2013 ganz Gott, so dass sie untereinander sagen: \u201eBrannte nicht unser Herz!\u201c (Lk 24,32). Ganz Mensch, dass die J\u00fcnger von Emmaus sagen: \u201eBleibe bei uns, denn es will Abend werden!\u201c (Luk. 24,29) \u2013 ganz Gott, der durch verschlossene T\u00fcren einkehrt und aus verschlossenen T\u00fcren wieder scheidet (Joh 20,19).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus ist am dritten Tage wieder auferstanden! Das ist Gottes Bekenntnis nicht nur zu seinem Sohne, sondern zu all dem, was leben, bleiben und ewig regieren will, dass das Leben dennoch auferstehen muss, dass alles, was es vergehen und enden l\u00e4sst, was es herniederzwingt, nur zur F\u00f6rderung wahren Lebens gereichen soll. Je gr\u00f6\u00dfer die Steine, mit denen man es beschwert, je fester die Siegel, die man aufs Grab pr\u00e4gt, desto machtvoller werden die Steine weggew\u00e4lzt und die Siegel gesprengt und des Todes Gewalt verbannt und vertrieben werden; denn das Leben hat das letzte Wort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christliche Gemeinde, willst du dir das auch rauben lassen, diesen h\u00f6chsten Trost, von dem die Kirche singt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil du vom Tod erstanden bist,<br \/>\nsoll ich im Tod nicht bleiben,<br \/>\nMein h\u00f6chster Trost dein Auffahrt ist,<br \/>\nTodesangst kann sie vertreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Willst du dir diesen Trost auch rauben lassen von den \u00dcberverst\u00e4ndigen, von der Untreue und Phantasterei eines Christentums, das Christum aus dem Mittelpunkte st\u00f6\u00dft? Willst du das, so lass dich weiterhin betr\u00fcgen. Aber etliche bleiben bei dem \u00f6sterlichen Geheimnis am offenen Grabe ihres Herrn und Heilandes und sprechen: \u201eIch danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, f\u00fcr deines Todes Schmerzen\u201c, ach damit, wenn mein Leben sich endet, es mit deinem Ende schlie\u00dfe, damit es in deinem Anfang, dem Anfange ewigen Lebens, neu beginne. \u201eWer so stirbt, der stirbt wohl.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, dass Jesus Christus am dritten Tage auferstanden ist von den Toten nach der Schrift (1 Kor 15,4) und ist ein Erstling geworden unter denen, die da schlafen (1 Kor 15,20). Das ist ein gro\u00dfer und seliger Trost und eine wahrhaftige und felsenhafte Gewissheit. Und in dieser Gewissheit sprechen wir auch angesichts des Grabes:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird mir sein ein K\u00e4mmerlein,<br \/>\ndrin ich auf Rosen liege,<br \/>\nweil ich nun durch deinen Tod<br \/>\nTod und Grab besiege.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hermann von Bezzel (1861-1917)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Der 2. Glaubensartikel \u2013 Katechismuspredigten, Buchhhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1925<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Beitrag erschien in der aktuellen Ausgabe des &#8222;Aufbruchs &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes&#8220; (Juni 2017). Wenn Sie den &#8222;Aufbruch&#8220; kostenlos abonnieren m\u00f6chten, schreiben Sie bitte an<a href=\"mailto:info@gemeindehilfsbund.de\"> info@gemeindehilfsbund.de<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. 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