{"id":14674,"date":"2017-06-07T09:50:14","date_gmt":"2017-06-07T07:50:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14674"},"modified":"2017-06-07T09:52:48","modified_gmt":"2017-06-07T07:52:48","slug":"die-wurzel-traegt-dich-roemer-1118-eine-erklaerung-der-christusbewegung-lebendige-gemeinde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14674","title":{"rendered":"\u00a0\u201e&#8230;die Wurzel tr\u00e4gt dich\u201c  (R\u00f6mer 11,18) &#8211; Eine Erkl\u00e4rung zum Verh\u00e4ltnis von Christen und Juden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bis ins Reformationsjahr 2017 hinein wurden in den evangelischen Kirchen viele Gespr\u00e4che \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Christen und Juden gef\u00fchrt. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hat sich insbesondere von Luthers Schm\u00e4hungen gegen\u00fcber Juden distanziert, die biblisch klar bezeugte Treue Gottes zu seinem Volk Israel neu formuliert und \u00fcber Fragen der sogenannten \u201eJudenmission\u201c diskutiert. Nicht thematisiert wurden dabei die messianischen Juden, die an Jesus als Messias glauben, sich aber gleichwohl als Juden verstehen. Darum halten wir erg\u00e4nzend Folgendes fest.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine einzigartige Verbundenheit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christen und Juden sind auf einzigartige und unl\u00f6sbare Weise verbunden: Wir teilen den Glauben an den einen Gott, der sich in der Bibel als Sch\u00f6pfer und liebender Vater offenbart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erkennen uns durch sein Wort als Ebenbilder Gottes, gewinnen im gemeinsamen H\u00f6ren auf die Schrift einen Sinn f\u00fcr die W\u00fcrde des Menschen und den Wert jedes einzelnen Lebens. Wir h\u00f6ren gemeinsam auf Gottes Gebote und fragen nach seinem Willen. Uns verbindet Gottesfurcht und Gottesliebe. Wir teilen die Haltung der Bu\u00dfe vor dem heiligen Gott und die Hoffnung auf seine Barmherzigkeit und Gnade. Uns verbindet die Erwartung auf den kommenden und endg\u00fcltig Frieden schaffenden Messias. Wir teilen die Verantwortung f\u00fcr diese Welt, f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung und den Einsatz f\u00fcr gerechte Lebensverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die bleibende Erw\u00e4hlung Israels<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Christen wissen wir uns in den Bund Gottes mit Israel mit hineingenommen. Wir erkennen eine einzigartige Verbundenheit mit den Juden, die wir in Demut und Dankbarkeit annehmen. Wir sind verbunden durch die gemeinsame Schrift, die wir als Gottes Wort h\u00f6ren und achten. Wir sind verbunden durch die Erw\u00e4hlung Gottes. Den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs bekennen wir Christen als Vater Jesu Christi und damit als den einen Gott der ganzen Bibel, den Sch\u00f6pfer und Erl\u00f6ser, von dessen Treue wir gemeinsam mit den Juden leben. Dabei l\u00f6st die Erw\u00e4hlung der Kirche die Erw\u00e4hlung Israels keinesfalls ab \u2013 im Gegenteil: Christen wissen sich in die eine Erw\u00e4hlung Gottes, die zuerst Israel gilt, mit hineingenommen. Der Apostel Paulus formuliert an Christen aus den V\u00f6lkern gerichtet: \u201eNicht du tr\u00e4gst die Wurzel, sondern die Wurzel tr\u00e4gt dich\u201c (R\u00f6mer 11,18). Jede Haltung der \u00dcberheblichkeit gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Volk ist darum g\u00e4nzlich unangemessen; sie widerspricht dem Wesen des Gottesvolkes aus altem und neuem Bund und sie verkennt v\u00f6llig den Charakter der Erw\u00e4hlung Gottes, die uns unverdienterma\u00dfen zukommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bleibende Unterschiede<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir diese grundlegenden Gemeinsamkeiten festhalten, \u00fcbersehen wir die Unterschiede nicht. Als Christen glauben wir an Jesus Christus als den Sohn Gottes und Retter der Welt. Wir erkennen in ihm den erwarteten Messias. Wir bekennen seinen Tod am Kreuz f\u00fcr uns und seine Auferstehung. Wir sind im Vertrauen auf ihn gerechtfertigt allein durch seine Gnade und sein Erbarmen. In Jesus Christus erkennen und bezeugen wir Gottes Heilsweg f\u00fcr alle Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schuld und Verpflichtung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Christen stehen wir an der Seite der Juden und achten sie mit Respekt als Gottes erw\u00e4hltes Volk. Jeder Form des Antijudaismus oder Antisemitismus widersprechen und widerstehen wir in Solidarit\u00e4t mit den Juden. Ohne Einschr\u00e4nkung erkennen wir die bleibende Erw\u00e4hlung Israels an. Allzu oft haben auch die christlichen Kirchen vergessen und missachtet, dass sie ihren Grund in der Erw\u00e4hlung Gottes haben, die zuerst Israel gilt. Mit tiefer Besch\u00e4mung erkennen wir eine Mitverantwortung und Mitschuld an den Verbrechen gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Volk durch die Jahrhunderte und ein Versagen der Kirche in der Schoah des 20. Jahrhunderts. Als Christen in Deutschland erkennen wir in unserer Geschichte eine besondere Schuld, mit der eine besondere Verpflichtung f\u00fcr Gegenwart und Zukunft einhergeht. Wir treten entschieden gegen die Abwertung des Judentums auf und wir treten f\u00fcr ein vers\u00f6hntes Miteinander ein. Wir sind dankbar, dass in Deutschland wieder j\u00fcdische Gemeinden entstanden sind und Juden hier ihre Heimat haben. Als Christen erkennen wir den Staat Israel an und wissen uns mit Israel in besonderer Weise verbunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Christuszeugnis gegen\u00fcber Juden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geh\u00f6rt zum Wesen des christlichen Glaubens, dass er sich artikuliert. Wer glaubt, bekennt und bezeugt. Mit ihrem Zeugnis von Jesus Christus bringen Christen ihr Wesensinneres zum Ausdruck, das ihnen pers\u00f6nlich wie auch allen anderen Menschen gilt. Es ist die gute Nachricht von der Rettung, Erl\u00f6sung und Befreiung durch Jesus Christus. Das Evangelium von Jesus Christus ist eine \u201egute Botschaft\u201c, derer sich kein Mensch sch\u00e4men muss (R\u00f6mer 1,16). Die Verk\u00fcndigung dieser guten Botschaft kann nicht so beschnitten werden, als gelte sie nicht f\u00fcr alle Menschen zu allen Zeiten. Das Besondere und \u00dcberraschende war am Anfang, dass diese Predigt von Gottes Heil in Christus auch den Heiden gilt. Das bedeutete aber zu keiner Zeit, dass sie nicht mehr f\u00fcr Juden g\u00e4lte. Juden und Heiden \u2013 alle sollen sie h\u00f6ren und zum Lob Gottes finden (R\u00f6mer 15,5-13).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahrheit von Jesus Christus als Retter der Welt darf \u201eniemandem vorenthalten, muss also auch Israel gegen\u00fcber angezeigt werden. Aus der Bezeugung des Evangeliums in Israel ist ja die Kirche hervorgegangen. Sie m\u00fcsste ihre eigene Herkunft verleugnen, wenn sie das Evangelium ausgerechnet Israel gegen\u00fcber verschweigen wollte. Dass das Evangelium Israels ureigenste Wahrheit ist, daran zu erinnern haben die Apostel sich verpflichtet gewusst. Aus dieser Verpflichtung kann auch die Kirche nicht entlassen werden\u201c (Eberhard J\u00fcngel vor der Synode der EKD in Leipzig 1999). \u201eDie den Christen im Ostergeschehen erschlossene Wahrheit \u00fcber den Heilswillen Gottes ist das Evangelium f\u00fcr alle Menschen, f\u00fcr die Juden zuerst und auch f\u00fcr die Heiden (R\u00f6mer 1,16). Das Evangelium Juden und Heiden zu bezeugen, geh\u00f6rt von Anfang an zur Apostolizit\u00e4t der Kirche (Galater 2,7-9). Dieses Zeugnis ist unabl\u00f6sbar vom Christsein selbst.\u201c (Gutachten der T\u00fcbinger Evangelisch-Theologischen Fakult\u00e4t vom 23. Februar 2000)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Sendung zu allen und die Freiheit der Angesprochenen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein lebendiges Zeugnis von Christus stellt sich dabei nicht \u00fcber die Menschen, die es h\u00f6ren. Es vereinnahmt nicht, sondern l\u00e4sst dem jeweiligen Gegen\u00fcber alle Freiheit zur Antwort offen. Das gilt generell. Es gilt gegen\u00fcber Juden aber in besonderer Weise: Wenn Christen ihnen den Messias Jesus bezeugen, so tun sie das auf der Basis einer gemeinsamen Verhei\u00dfung. Sie stellen damit die j\u00fcdische Identit\u00e4t nicht in Frage. Ein zentraler Bestandteil des irdischen Wirkens Jesu, der als \u201eDiener der Juden\u201c lebte (R\u00f6mer 15,8), war die Sendung seiner J\u00fcnger zu seinem j\u00fcdischen Volk (Matth\u00e4us 10; Lukas 10). Diese Sendung ist nie zum Ende gekommen. Sie geht fort bis auf diesen Tag (Apostelgeschichte 1,8). Allerdings geschieht diese Sendung unter anderen Vorzeichen als die zu den V\u00f6lkern. Die missionarische Verk\u00fcndigung des Evangeliums unter den sogenannten Heidenv\u00f6lkern ist vom Zeugnis gegen\u00fcber Juden daher kategorial zu unterscheiden. Als Christuszeugnis eigener Art ist das Zeugnis gegen\u00fcber Juden aber Ausdruck christlicher Identit\u00e4t auf der Basis gro\u00dfer Gemeinsamkeit, das in der gegenseitigen Begegnung einen Raum haben muss, wenn diese Begegnung authentisch sein soll. Ein solches dem\u00fctiges Zeugnis wahrt den Respekt gegen\u00fcber dem Anderen, achtet dessen Freiheit und dient dem Lob Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Verhei\u00dfung an Israel und das Bekenntnis zu Jesus Christus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Zeugnis von Christus geh\u00f6rt unverzichtbar zum Bekenntnis zu Jesus Christus. \u201eDie Tatsache, dass Juden dieses Bekenntnis nicht teilen, stellen wir Gott anheim. Auf dem Weg der Umkehr und Erneuerung haben wir von Paulus gelernt: Gott selbst wird sein Volk Israel die Vollendung seines Heils schauen lassen (vgl. R\u00f6m 11,25ff). Das Vertrauen auf Gottes Verhei\u00dfung an Israel und das Bekenntnis zu Jesus Christus geh\u00f6ren f\u00fcr uns zusammen. Das Geheimnis der Offenbarung Gottes umschlie\u00dft beides: die Erwartung der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit und die Zuversicht, dass Gott sein erstberufenes Volk rettet.\u201c (Synode der EKD, in: \u201e&#8230;der Treue h\u00e4lt ewiglich\u201c, 2016 in Magdeburg).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eine Erkl\u00e4rung der ChristusBewegung Lebendige Gemeinde,\u00a0Korntal, 6. M\u00e4rz 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis ins Reformationsjahr 2017 hinein wurden in den evangelischen Kirchen viele Gespr\u00e4che \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Christen und Juden gef\u00fchrt. 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