{"id":1466,"date":"2007-07-10T17:11:18","date_gmt":"2007-07-10T15:11:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1466"},"modified":"2009-09-11T18:06:21","modified_gmt":"2009-09-11T16:06:21","slug":"christliche-botschaft-an-die-politik-%e2%80%93-der-wert-des-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1466","title":{"rendered":"Der Wert des Menschen &#8211; Christliche Botschaft an die Politik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Wert des Menschen &#8211; Christliche Botschaft an die Politik\u00a0<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<strong>Interview der lettischen Zeitung \u201eNeatkar\u00edga R\u00edta Av\u00edze Latvijai\u201c mit Erzbischof Janis Vanags \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Christentum und Gesellschaft (22.06.2007).<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erzbischof J\u0101nis Vanags: \u201eAuf unsere Zukunft in Europa blicke ich nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig optimistisch.\u201c Wir sprachen mit Erzbischof J\u0101nis VANAGS \u00fcber die Beziehungen der Kirche zur Politik und die Spekulationen der Politik mit der Kirche.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Papst kritisierte in einem Vortrag im vorigen Herbst die westliche Welt, da\u00df sie das Christentum vernachl\u00e4ssigen w\u00fcrde. Der lutherische Erzbischof hat in einem Schreiben \u00fcber die europ\u00e4ischen Konsequenzen \u00e4hnliches ausgesprochen. Was hei\u00dft in diesem Zusammenhang \u2013 vernachl\u00e4ssigen?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der christliche Glauben ist auf das Leben insgesamt gerichtet. Die Menschen haben gemeinsame Werte und Normen. Sie sind sogar bereit, ihre eigenen Interessen im Namen der h\u00f6chsten Ideale der Freiheit zur\u00fcckzustellen, um Christi willen. Die christlichen Ideen machten einst Europa zu einem Ort einer so vitalen Zivilisation. Dagegen spornt unsere Zeit einen jeden an, selbst seine eigene Ethik, seine Werte und sogar seine Religion zu formulieren. Der Mensch der Postmoderne sagt, da\u00df das Einzige, was f\u00fcr die Religion von irgendeiner Bedeutung ist, mein Verh\u00e4ltnis zu Gott sei, aber wie diese sind und was das f\u00fcr ein Gott ist, das lasse ich mir selbst einfallen. Durch den Individualismus gibt es bei den Menschen immer weniger Gemeinsames, seine Interessen sind egozentrisch und habs\u00fcchtig. Im Zentrum der Gesellschaft gibt es den Markt, der die Leidenschaften und primitivsten Triebe weckt, um sie dazu zu bewegen, sogar das zu verbrauchen, was sie eigentlich gar nicht brauchen. Das steht aber zur christlichen Lebensauffassung in krassem Gegensatz. Oberfl\u00e4chlich betrachtet, mag das alles verlockend und angenehm erscheinen, aber langfristig ist es dem Untergang preisgegeben. Europa wird immer \u00e4lter und gebrechlicher und kann nur noch wie eine Alte mit dem Finger drohen und alle belehren, wie sie zu leben haben, ohne auf die Ursachen der Hinf\u00e4lligkeit zu reflektieren. Auf unsere Zukunft in Europa blicke ich nicht allzu optimistisch. Das Verlangen, die individuelle Freiheit uneingeschr\u00e4nkt auszuweiten und zu nutzen \u2013 das wird immer gr\u00f6\u00dfer werden. Damit werden die traditionellen gemeinsamen Strukturen des Zusammenlebens abgebaut, die es Europa erm\u00f6glichten, sich so vital zu entwickeln und in der ganzen Welt zu dominieren. Vitale Nationen, vitale Zivilisationen m\u00fcssen wir bereits heute wo anders suchen. Wie hofft Europa eigentlich 70 Millionen Menschen mit einer sehr deutlichen islamischen Identit\u00e4t zu integrieren, wenn es die T\u00fcrkei in die EU aufnimmt? Das wird zu sehr gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber mu\u00df die Kirche die Zeit fatalistisch begreifen und sich ihrer Umgebung anpassen? Bei Lukas 12,56 lese ich: \u201e\u00dcber das Aussehen der Erde und des Himmels k\u00f6nnt ihr urteilen; warum aber k\u00f6nnt ihr \u00fcber diese Zeit nicht urteilen?\u201c Und daher tun sich die Gegner der Kirche wichtig \u2013 wir leben doch im 21. Jahrhundert, aber wo seid ihr geblieben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche von heute repr\u00e4sentiert nicht den ganzen Staat und die ganze Gesellschaft wie im Mittelalter. Sie kann nicht mehr wie Innozenz III die K\u00f6nige am Ohr zupfen und ihnen sagen, was sie zu tun haben. Die Kirche ist bestrebt, das christliche Lebensmodell in ihrem Inneren umzusetzen und so ein alternativer Lebensraum zu sein. Teilweise kann ich dem beipflichten, da\u00df die Kirche nicht immer eine f\u00fcr das 21. Jahrhundert verst\u00e4ndliche Sprache spricht. Doch keineswegs kann ich dem zustimmen, da\u00df die christliche Botschaft heute nicht mehr aktuell sei. Gibt es Gott? Wie sind meine Beziehungen zu ihm? Wer bin ich? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Was wird geschehen, wenn ich diese Schwelle \u00fcbersteigen werde? Im christlichen Raum ist die Frage noch konkreter \u2013 wer errettet mich im Gericht Gottes, wenn ich \u00fcber mein Leben Rechenschaft ablegen mu\u00df? Das fragen die Menschen und werden sie fragen. Wenn das 22. Jahrhundert vor der T\u00fcr steht, wird man sich an viele heute aktuell erscheinende Theorien nicht mehr erinnern, aber \u00fcber diese Fragen werden die Menschen immer nachdenken. Und die Kirche wird darauf etwas zu sagen haben. Wo sind wir als Kirche? Ich m\u00f6chte sagen, da\u00df wir, die wir in unserer Zeit leben, auf den Kreis der ewigen Dinge ausgerichtet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Kirche ist vom Staat getrennt. Aber die Religion ist nicht von der Gesellschaft getrennt. Wie lautet die Botschaft der Kirche an die Politik, \u00fcber die so mancher Philosoph sagt, da\u00df sie nichts mit Moral, und so mancher Theologe \u2013 da\u00df sie nichts mit dem Heiligen, sondern nur mit dem Profanen zu tun h\u00e4tte?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Blick darauf bin ich ein Idealist. Ich m\u00f6chte gerne daran glauben, da\u00df Politik etwas mit Moral zu tun haben k\u00f6nnte. Ich habe den Eindruck, da\u00df f\u00fcr viele Menschen die ethischen und geistlichen Werte zu ihren Bed\u00fcrfnissen des Alltags geh\u00f6ren. Und dennoch erwarten sie, da\u00df diese Werte auf irgendeine Weise beachtet und respektiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Politik werden Menschen mit Gewalt \u00fcberwacht und oftmals werden dabei die \u201eAlltagsnotwendigkeiten\u201c \u00fcbertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u00dcberwachung mit Gewalt f\u00fchrt dazu, da\u00df diejenigen, welche die Macht haben, nicht mehr diejenigen h\u00f6ren, die sie nicht haben. Die christliche Botschaft an die Politik ist die, da\u00df jeder Mensch ein Wesen von einmaligem Wert ist. Die Vorstellungen sowohl von den Menschenrechten als auch von einer gerechten Politik haben ihren Ursprung im christlichen Verst\u00e4ndnis vom Wert des Menschen als Bildnis und Gleichnis Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche kann sich immer noch des Vertrauens von \u00fcber der H\u00e4lfte der Einwohner Lettlands sicher sein. Die staatliche Macht ist davon weit entfernt. Das allein belegt, da\u00df die Kirche Einflu\u00df hat, und da\u00df die Politik diesen Einflu\u00df in ihr Spiel einbeziehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ja, gelegentlich benutzt man uns als Leiter der Kirchen auch ein wenig dazu. Man bittet uns um ein Gespr\u00e4ch, und dort tauchen pl\u00f6tzlich freundschaftlich gestimmte Medien auf, die alles filmen und dann mit entsprechenden Kommentaren vorf\u00fchren. Manches Mal mu\u00df man dar\u00fcber l\u00e4cheln, manches Mal \u00e4rgert man sich dar\u00fcber, da\u00df die Kinder dieser Welt in ihren Bereichen kl\u00fcger sind als die Kinder des Lichtes. Aber eigentlich sind die Beziehungen zwischen der Kirche und der Politik ein ganz kompliziertes Gebilde. Auf der einen Seite soll die Kirche in unserer Zeit auf diesem Gebiet etwas ganz konkretes leisten. F\u00fcnfzehn Jahre meines Lebens mu\u00dfte ich mich mit den Beziehungen zwischen der Kirche und dem Staat befassen. Mehr, als ich es eigentlich gewollt h\u00e4tte. Aber die Sowjetzeit hat die Menschen hier so vereinnahmt, da\u00df auch den Leuten der Kirche die Kenntnis \u00fcber den Platz der Kirche und deren M\u00f6glichkeiten, in der Gesellschaft zu wirken, fehlte. Da gibt es viel Skepsis und Unverst\u00e4ndnis. Um etwas neu aufzubauen, mu\u00df man sich oft mit Politikern treffen und mit ihnen reden. Vielleicht ist das vielen sch\u00e4dlich erschienen. Mir wurde oft die Frage gestellt \u2013 weshalb tanzen die Leute der Kirche so oft um die Vertreter der Macht herum? Was haben sie bei denen zu suchen? Aber das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Staat und der Kirche bedarf einer Kl\u00e4rung und mu\u00df weiter entwickelt werden. Andererseits hat die Kirche von ihrer Berufung her eine prophetische Funktion. Die Kirche mu\u00df zur rechten Zeit die staatliche Macht mit dem g\u00f6ttlichen Imperativ konfrontieren. Mit dem allerh\u00f6chsten Ma\u00dfstab, mit Gott. Konfrontieren und kooperieren&#8230; Da gibt es keine Widerspr\u00fcche, hier geht es um zwei verschiedene Ebenen. Doch vom Rande her betrachtet, mag das wirklich widerspr\u00fcchlich erscheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>War nicht die Situation vor dem 18. November 2000, als Sie es ablehnten, den \u00f6kumenischen Gottesdienst zu leiten, ein Beleg daf\u00fcr, da\u00df die weltliche Macht diese zweite Funktion der Kirche nicht mehr ernst nahm?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke, da\u00df dieses wirklich ein Augenblick war, in dem alle diese prophetische Funktion der Kirche wahrnahmen. So genau kann ich mich an die Einzelheiten der Umst\u00e4nde und Empfindungen der damaligen Zeit nicht mehr erinnern&#8230; Jedenfalls hie\u00df es \u00fcberall: Das nationale Erwachen zum Wohl f\u00fcr das ganze Volk&#8230; Doch allm\u00e4hlich kam man zur ersch\u00fctternden Einsicht, da\u00df in der staatlichen Verwaltung vieles zu geschehen begann, nicht zum Wohl des ganzen Volkes oder des Staates, sondern zum Wohl der gesch\u00e4ftlichen Interessen Einzelner. Zuerst versuchte ich das in meiner Predigt am 18. November 1999 auszusprechen. Das l\u00f6ste zwar eine gewisse Aufregung aus, f\u00fchrte aber sehr schnell zu weiterem Verschweigen. Im Jahr darauf hatten wir das Empfinden, da\u00df wir besser schweigen sollten. Und das l\u00f6ste eine gr\u00f6\u00dfere Reaktion aus als das Reden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ist es jetzt besser?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ein Jahr danach der n\u00e4chste 18. November herankam, warteten alle gespannt darauf, was Vanags dieses Mal wohl machen w\u00fcrde. Aber damals hatte ich nicht die Absicht, etwas wie einen Hungerstreik anzuk\u00fcndigen \u2013 also da\u00df ich nicht mehr reden w\u00fcrde, bis im Staat alles in bester Ordnung w\u00e4re. Ein Jahr davor war das eine einmalige Aktion, ein Aufruf an die Politiker und an die Gesellschaft, da\u00df in unserem Staat etwas schief geht, und wir es dabei nicht belassen d\u00fcrfen. Die Staatsm\u00e4nnern wandten sich wieder ihren Pflichten gegen\u00fcber ihrem Volk zu. Das Volk mu\u00df fordernder werden und darf sich nicht au\u00dfer Kraft setzen lassen. Ich denke, da\u00df das damals alle verstanden hatten. Ein Versuch der Wiederholung w\u00e4re kindisch gewesen, und eigentlich ist unser Auftrag die Mission durch das Wort und nicht durch das Schweigen. Im n\u00e4chsten Jahr versuchten wir, in das gro\u00dfe gemeinsame F\u00fcrbittengebet m\u00f6glichst viele Vertreter der Gesellschaft aktiv einzubeziehen, auch die Vertreter der staatlichen Macht. Wir wollten Solidarit\u00e4t schaffen zwischen ihnen und dem Himmel. Das ist es, was wir auch weiterhin zu tun bestrebt sind. Das ist kein Widerspruch, sondern einfach eine andere Weise, das zu erreichen, was wir uns gew\u00fcnscht hatten. Aber im Ganzen habe ich den Eindruck, da\u00df sich die Dinge in eine gute Richtung bewegt haben. Wir sind nicht mehr in der wilden Phase des Kapitalismus wie im Jahr 2000.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie steht es um die Beziehungen zwischen der Kirche und der Politik? Der von Weber hoch gelobte Einflu\u00df des Protestantismus schwindet. Aber die Kirche m\u00fcht sich, ihre Identit\u00e4t, ihren Einflu\u00df nicht nur bei den Leuten, sondern auch bei der politischen Macht zu wahren. Wo liegen die haupts\u00e4chlichen Gegens\u00e4tze zwischen der Kirche und der Politik?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcrde eher von der Spannung zwischen der christlichen Position und dem S\u00e4kularismus sprechen. Sogar in Br\u00fcssel gibt es diese Spannung oder diese gegens\u00e4tzlichen Positionen. Ich war dort mehrfach und habe dabei das europ\u00e4ische Beamtentum kennen gelernt. Unter ihnen bilden Christen und S\u00e4kularisten jeweils etwa die H\u00e4lfte. Vielleicht sind die S\u00e4kularisten sogar etwas in der \u00dcberzahl, und damit auch die Idee, da\u00df ein Staat s\u00e4kular, weltlich sein m\u00fcsste. Sogar viele Christen stimmen dieser These zu, denn sie denken, da\u00df s\u00e4kular religi\u00f6s neutral bedeuten w\u00fcrde. Das ist ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis. Der S\u00e4kularismus ist eine Ideologie, die gegen alles Religi\u00f6se \u00e4u\u00dferst aggressiv eingestellt ist. Damit sind S\u00e4kularisten in der Regel auch Fundamentalisten. Man k\u00f6nnte eher davon sprechen, da\u00df der Staat neutral zu sein h\u00e4tte und f\u00fcr gleichwertige Voraussetzungen f\u00fcr alle Weltanschauungen Sorge tragen m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es ist der Kirche nicht verboten, mit politischen Parteien zu kooperieren. In welchem Rahmen ist das der Fall?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kirche sollte von keiner Partei sagen \u2013 schaut, das ist unsere Partei. Die Kirche sollte eher Programme, Ideen und Vorhaben f\u00f6rdern. Die Medien befassen sich sehr gerne mit der \u201eErsten Partei\u201c (PP), besonders wenn sie einmal etwas unternommen hat, was bei dem Volk nicht gut angekommen ist. Dann wird dieser Partei sehr schnell der Spitzname \u201ePastorenpartei\u201c angeh\u00e4ngt. Doch auch die LPP ist keine Partei der Kirche. Eins ist allerdings wahr. Die PP war bisher die einzige, die auf eigene Initiative regelm\u00e4\u00dfig zu uns gekommen ist mit der Frage: was interessiert euch, was habt ihr f\u00fcr W\u00fcnsche? Schlie\u00dflich haben die Kirche und die Christen wesentliche Interessen (nicht so sehr wirtschaftliche als vielmehr geistliche Interessen), welche sie als objektive gesellschaftliche Notwendigkeiten begriffen haben, die Beachtung und Respekt verdienen. Daraus macht man der LPP den Vorwurf, da\u00df sie auf diese Weise sich die Stimmen der Christen einhandeln m\u00f6chte. Aber das ist doch die normalste und beste Weise f\u00fcr eine Partei, die Stimmen der W\u00e4hler zu gewinnen, wenn sie das tut, was die W\u00e4hler von ihr erwarten. Ich habe stets gesagt, da\u00df es niemanden g\u00e4be, der einer anderen Partei verboten h\u00e4tte, auf eigene Initiative zu uns zu kommen, und davon zu profitieren. F\u00fcr die Kirche ist es wichtig, da\u00df es in der Saeima Menschen gibt, mit denen sie reden kann, und sei es, da\u00df sie ihnen erkl\u00e4ren kann, wodurch sich die innere Logik der Kirche von der Logik weltlicher Organisationen unterscheidet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie funktionieren die Vertr\u00e4ge zwischen den Kirchen und dem Staat?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Zeit funktioniert \u00fcberhaupt nichts. Die Idee eines Staats-Kirchen-Vertrages wurde von Deutschland entlehnt. Dort schlie\u00dft jedes Bundesland Vertr\u00e4ge mit den lutherischen Kirchen und der katholischen Kirche ab \u00fcber die Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten. Das stellte man sich auch hier so vor, als der Vertrag unterzeichnet wurde. Doch dann sagten die Juristen, da\u00df das nicht m\u00f6glich sei. Man k\u00f6nnte dadurch nicht das ganze System der staatlichen Gesetzgebung durcheinander bringen. Jetzt versucht die Saeima, diese unterzeichneten Vertr\u00e4ge in die Form eines Gesetzes umzuformulieren und dieses auf gewohntem Wege zu beschlie\u00dfen. Das die Lutheraner betreffende Gesetz ist bei der zweiten Lesung stecken geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zusammenhang mit der Wahl eines neuen Staatspr\u00e4sidenten wurde als Gegensatz dargestellt, da\u00df das Volk Herrn Endzi\u0146\u0161, die Kirche jedoch Herrn Zatlers bevorzugen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Zatlers hat den Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, sich mit uns, den Leitern der Kirche, zu treffen. Das Gespr\u00e4ch fand am Sonntag Trinitatis statt. Herr Zatlers erl\u00e4uterte seine Ansichten \u00fcber Fragen, die uns interessieren, und sagte \u2013 da\u00df er, sollte er zum Staatspr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt werden, sehr daran interessiert sei, den Dialog mit der Kirche auch k\u00fcnftig fortzusetzen. Als wir den Saal verlie\u00dfen, stand dort eine Kamera, und man befragte uns nach dieser Begegnung. Ich sagte, da\u00df das Gespr\u00e4ch interessant und erfreulich gewesen sei, und das war auch wirklich der Fall. Das ist das, was damals geschehen ist. Herr Endzi\u0146\u0161 hat nicht den Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, sich mit uns zu treffen. Damit gab es eigentlich f\u00fcr die Medien keinen Anlass, daraus irgendwelche Schl\u00fcsse zu ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ist der \u00dcbergang der St. Petrikirche in Riga in kirchlichen Besitz ein Geschenk der politischen Macht an die ELKL? Wof\u00fcr?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die St. Petrikirche ist von Rechts wegen und nach ihrer Bestimmung Eigentum der lutherischen Kirche. Sie ist ein Gotteshaus und kein Club oder Museum. Vor dem Zweiten Weltkrieg geh\u00f6rte sie der deutschen Gemeinde, und die deutschen Gemeinden waren ein Bestandteil der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, und keine eigenst\u00e4ndige Kirche. Deshalb wurde der ganze Besitz der deutschen Gemeinden bei der Umsiedlung der Deutschen (auch die St. Petrikirche) nicht verkauft, sondern vom Oberkirchenrat der ELKL \u00fcbernommen. Ja, die St. Petrikirche wurde w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges schwer besch\u00e4digt und nach dem Kriege restauriert, jedoch durch Geld, das aus Moskau kam, und nicht aus Riga. Und jene 65%, die als Investition f\u00fcr die Restaurierung als Begr\u00fcndung daf\u00fcr genannt werden, da\u00df die Kirche im staatlichen Besitz bleiben m\u00fcsste, betreffen von Rechts wegen nur die Kompensationen, und nicht die R\u00fcckgabe des Besitzes an den Eigent\u00fcmer. Wenn der Oberste Rat damals nicht gesagt h\u00e4tte, da\u00df wir f\u00fcr den Dom und die St. Petrikirche eigene Gesetze brauchten, w\u00e4re die St. Petrikirche schon l\u00e4ngst den Lutheranern zur\u00fcckgegeben worden. Im Falle des Domes wurde damals die Frage des Eigentumsrechtes durch die Saeima vern\u00fcnftig und gerecht gel\u00f6st. Man sollte jetzt wirklich nicht einen Beschluss herbeizuf\u00fchren versuchen, um eine M\u00f6glichkeit zu schaffen, die St. Petrikirche noch einmal zu konfiszieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie weit darf die Kirche politisch gehen, um ihre Interessen zu wahren?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So weit, da\u00df sie nicht ihre Lehre, ihre Ideale und ihren Auftrag blo\u00dfstellt. Das war einst die Trag\u00f6die der lutherischen Kirche in unserem Lande, da\u00df sie den Baronen so nahe stand. 1905 fielen einige Revolution\u00e4re \u00fcber Pastoren her und erschossen sie, weil sie diese mit der herrschenden Macht identifizierten. Ich denke, da\u00df die Kirche in eine solche Situation nie mehr geraten d\u00fcrfte. Sie m\u00fc\u00dfte immer dazu f\u00e4hig sein, ihren prophetischen Auftrag wahrzunehmen und ihre Stimme f\u00fcr diejenigen zu erheben, denen das verwehrt ist. Sie sollte sich um die Gerechtigkeit in der Gesellschaft sorgen oder mindestens f\u00fcr sie eintreten. Soll ein Pastor in die Politik gehen? Das ist nicht unm\u00f6glich. Wenn wir auf Ain\u0101rs Ba\u0161tiks schauen (Pastor einer Baptistengemeinde), dann sehen wir in ihm einen sehr f\u00e4higen Minister. Doch noch besser w\u00e4re es, wenn das andere Glieder der Kirche, Laien, t\u00e4ten. Der Pastor hat seinen Platz eigentlich am Altar. Und wenn ein Pastor in der Politik etwas Schlechtes bewirkt, dann geht das auch auf das Haupt der ganzen Kirche und sogar vieler, die dann um Christi willen daf\u00fcr leiden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00dcbersetzung: Johannes Baumann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wert des Menschen &#8211; Christliche Botschaft an die Politik\u00a0 Interview der lettischen Zeitung \u201eNeatkar\u00edga R\u00edta Av\u00edze Latvijai\u201c mit Erzbischof Janis Vanags \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Christentum und Gesellschaft (22.06.2007). 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