{"id":14572,"date":"2017-05-02T09:41:11","date_gmt":"2017-05-02T07:41:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14572"},"modified":"2017-05-02T09:41:11","modified_gmt":"2017-05-02T07:41:11","slug":"jordanien-junge-muslime-schuetzen-kirchen-als-zeichen-fuer-zusammenhalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14572","title":{"rendered":"Jordanien: Junge Muslime sch\u00fctzen Kirchen als Zeichen f\u00fcr Zusammenhalt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach den verheerenden Anschl\u00e4gen auf Kirchen in \u00c4gypten im Vorfeld der Osterfeiertage ergriffen junge Muslime in Jordanien die Initiative und sch\u00fctzten am Ostersonntag 2017 christliche Kirchen im gesamten K\u00f6nigreich. Sie zeigten damit \u00f6ffentlich ihre Verbundenheit und Solidarit\u00e4t mit den Christen ihrer Heimat. Au\u00dferdem wollten sie ein Zeichen f\u00fcr die Einheit Jordaniens und das friedliche Zusammenleben der Religionen setzen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Drohvideo des &#8222;Islamischen Staates&#8220; (IS) und die 44 \u00e4gyptischen Todesopfer aus der Vorwoche hatten auch in Jordanien Sorge und Angst verbreitet. In mehreren Regionen und St\u00e4dten wie Amman, Zarqa, Ajlun oder Madaba versammelten sich muslimische Freiwillige vor Kirchen. Sie boten den Christen am Feiertag zusammen mit der ohnehin anwesenden Polizei zus\u00e4tzlichen Schutz. Vor allem aber zeigten sie sowohl ihren christlichen Nachbarn als auch den Islamisten, dass die Extremisten sich nicht auf die R\u00fcckendeckung einer schweigenden Mehrheit st\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die jungen muslimischen Jordanier halfen bei Sicherheitskontrollen am Eingang der Kirchen, unterst\u00fctzten das staatliche Sicherheitspersonal und standen vor den Kirchen Wache, w\u00e4hrend die Christen den Ostergottesdienst feierten. An einigen Orten wurden auch zus\u00e4tzliche Kr\u00e4fte von Polizei und Milit\u00e4r auf Abruf bereitgestellt. Die gesamten Osterfeiertage in Jordanien blieben ohne Zwischenf\u00e4lle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein beteiligter Muslim aus dem Gouvernement al-Balqa betonte, dass die Aktion zudem die Einheit Jordaniens unterstreichen solle sowie die Freiheit, seine Religion ohne Einschr\u00e4nkung und ohne Angst aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. Andere beschrieben Jordanien als ein harmonisches Mosaik aus vielen verschiedenen Teilen. Mit dieser Art von Aktivismus wollten sie ein Beispiel f\u00fcr den gemeinsamen Kampf gegen Extremismus, Radikalisierung und Fremdenfeindlichkeit setzen. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcnschen sich Christen und Muslime gleicherma\u00dfen, dass es keine Notwendigkeit f\u00fcr solchen Schutzma\u00dfnahmen geben sollte. Die Gefahr gehe nach ihrer Ansicht nicht von Jordaniern oder einzelnen Religionsgemeinschaften im Land aus, sondern von externen Extremisten, die aus anderen L\u00e4ndern nach Jordanien gekommen seien oder \u00fcber ihre Hetze bis nach Jordanien einwirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die IGFM begr\u00fc\u00dft die Initiative der jungen Muslime in Jordanien sehr. Sie ist ein positives Zeichen in Zeiten von Konflikten zwischen Muslimen und Christen sowie innerhalb der muslimischen Welt. Die Initiative zeigt, dass Muslime und Christen friedlich zusammenleben k\u00f6nnen, sich respektieren und f\u00fcreinander einstehen. Jordanien kann dabei beispielhaft vorangehen f\u00fcr andere Staaten, Regionen und Gemeinden. Es zeigt ein Land, in dem Muslime und Christen leben, die trotz erheblicher Schwierigkeiten offen f\u00fcreinander einstehen und Religionsfreiheit leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hintergrund zur Situation in Jordanien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gro\u00dfe Mehrheit der Jordanier sind sunnitische Muslime. Gesch\u00e4tzt etwa f\u00fcnf Prozent der Bev\u00f6lkerung geh\u00f6ren verschiedenen christlichen Kirchen an. Das kleine, nur ca. sechseinhalb Millionen Einwohner z\u00e4hlende arabische Land hat in der Vergangenheit und aktuell eine enorme Zahl von Fl\u00fcchtlingen aufgenommen. Darunter auch sehr viele Christen aus dem Irak und Syrien. In etwa die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung des K\u00f6nigreiches ist pal\u00e4stinensischer Abstammung. Die Radikalisierung vieler Menschen im irakischen und syrischen B\u00fcrgerkrieg bleibt auch f\u00fcr die Nachbarl\u00e4nder nicht folgenlos. Viele Fl\u00fcchtlinge sind ebenfalls radikalisiert. Gleichzeitig gibt es unter vielen Jordaniern eine heftige Abneigung gegen den &#8222;Islamischen Staat&#8220; (IS). Dazu beigetragen hat m\u00f6glicherweise ein Video, das der IS am 2. Februar 2015 ver\u00f6ffentlichte. Es zeigt, wie der (muslimische) Pilot Moath al-Ksasbah aus Jordanien lebendig verbrannt wird. Der IS rechtfertigte das Verbrechen mit einem historischen Vorbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Internationale Gesellschaft f\u00fcr Menschenrechte, 28.4.2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den verheerenden Anschl\u00e4gen auf Kirchen in \u00c4gypten im Vorfeld der Osterfeiertage ergriffen junge Muslime in Jordanien die Initiative und sch\u00fctzten am Ostersonntag 2017 christliche Kirchen im gesamten K\u00f6nigreich. Sie zeigten damit \u00f6ffentlich ihre Verbundenheit und Solidarit\u00e4t mit den Christen ihrer Heimat. 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