{"id":1456,"date":"2007-11-18T16:48:54","date_gmt":"2007-11-18T14:48:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1456"},"modified":"2009-09-11T10:54:00","modified_gmt":"2009-09-11T08:54:00","slug":"%e2%80%9egebt-ihr-zu-essen%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1456","title":{"rendered":"Predigt: Gebt ihr zu essen!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eGebt ihr zu essen!\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigt am Sonntag, dem 18. November 2007 im \u00f6kumenischen Gottesdienst im Dom zu Riga anl\u00e4\u00dflich des nationalen Feiertages zum Ged\u00e4chtnis der Proklamation der Republik Lettland am 18. November 1918<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eAls Jesus zur\u00fcckkam, nahm ihn das Volk auf, denn sie warteten alle auf ihn. Und siehe, da kam ein Mann mit Namen Jairus, der ein Vorsteher der Synagoge war, und fiel Jesus zu F\u00fc\u00dfen und bat ihn, in sein Haus zu kommen; denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zw\u00f6lf Jahren, die lag in den letzten Z\u00fcgen&#8230; Als er noch redete, kam einer von den Leuten des Vorstehers der Synagoge und sprach: Deine Tochter ist gestorben; bem\u00fche den Meister nicht mehr. Als aber Jesus das h\u00f6rte, antwortete er ihm: F\u00fcrchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gesund! Als er aber in das Haus kam, lie\u00df er niemanden mit hineingehen als Petrus und Johannes und Jakobus und den Vater und die Mutter des Kindes. Sie weinten aber alle und klagten um sie. Er aber sprach: Weint nicht! Sie ist nicht gestorben, sondern sie schl\u00e4ft. Und sie verlachten ihn, denn sie wu\u00dften, da\u00df sie gestorben war. Er aber nahm sie bei der Hand und rief: Kind, steh auf! Und ihr Geist kam wieder, und sie stand sogleich auf. Und er befahl, man solle ihr zu essen geben.\u201c (Lukas 8, 40-42; 49-55)<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die allergr\u00f6\u00dfte Freude entsteht dann, wenn etwas anscheinend Unm\u00f6gliches Wirklichkeit wird. Im Hause des Jairus gab es ein Fest. Ihre Tochter, ewiglich verloren, wurde vom Schlaf des Todes zu einem Leben voller Hoffnungen und M\u00f6glichkeiten auferweckt. Das war wie ein zweiter Geburtstag \u2013 nur gr\u00f6\u00dfer und froher als der erste. Ihr Fest erinnert sehr an unseren 18. November, an den Tag, an dem wir der wundersamen Befreiung Lettlands von den Banden des Todes gedenken, und auf die Zukunft mit deren Hoffnungen und M\u00f6glichkeiten blicken. Auch vor 89 Jahren, als der Staat Lettland aus dem Nichts auferweckt wurde, gab es um ihn herum viele, die dar\u00fcber lachten und sagten \u2013 ein hoffnungsloses Unterfangen. Ebenso gab es in den Tagen des nationalen Erwachens und der Wiederherstellung der staatlichen Eigenst\u00e4ndigkeit viele ungl\u00e4ubige Lacher, die sagten: \u201eWas bildet ihr euch ein? Meint ihr wirklich, da\u00df Lettland als souver\u00e4ner Staat weiterleben kann?\u201c Doch dann geschah es tats\u00e4chlich. Lettland erhob sich aus dem Nichts. Es erhob sich aus dem Grabe der sowjetischen Besatzung und Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Jahr macht ein ganz besonderes Geschenk unseren Staatsfeiertag sehr sch\u00f6n \u2013 der Film \u201eDie W\u00e4chter Rigas\u201c. Dieser Film stellt sehr scharf dar, wie unm\u00f6glich, wie hoffnungslos im Jahr 1918 das Vorhaben der Gr\u00fcndung des Staates Lettland und dessen Verteidigung vor den Kr\u00e4ften der Feinde und der Gleichg\u00fcltigkeit der Verb\u00fcndeten erschien. Etwas \u00c4hnliches k\u00f6nnen wir in den Filmen von Raits Valers sehen, die \u00fcber die Zeiten des nationalen Erwachens berichten. Ja, das waren wirklich Wunder &#8211; ebenso wie die Auferweckung des gestorbenen M\u00e4dchens vom Tod. Daf\u00fcr danken wir heute Gott. Ein jeder von uns m\u00f6chte doch ganz bestimmt Augenzeuge eines Wunders sein. Viele m\u00f6chten sicher auch sehen, wie ein Wunder geschieht. Aber erinnern wir uns doch, wer im Hause des Jairus an der Auferweckung des M\u00e4dchens teilnehmen durfte. Wir lesen: \u201eAls er aber in das Haus kam, lie\u00df er niemand mit hineingehen als Petrus und Johannes und Jakobus und den Vater und die Mutter des Kindes.\u201c Mitkommen durften diejenigen, die am meisten glaubten, hofften und liebten. In deren Gegenwart wurde die Tote lebendig gemacht. Drau\u00dfen blieben die Lacher, Ungl\u00e4ubigen, die Mi\u00dfg\u00fcnstigen, die Selbsts\u00fcchtigen, die einfach Neugierigen und die Gleichg\u00fcltigen. Ebenso war es 1918 und w\u00e4hrend der Freiheitsk\u00e4mpfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso war es w\u00e4hrend der Zeit des nationalen Erwachens. Das Unm\u00f6gliche wurde m\u00f6glich und Wunder geschahen, an denen diejenigen teilhaben durften, die so glaubten, hofften und liebten, wie es Jesus sagte \u2013 niemand hat gr\u00f6\u00dfere Liebe als die, da\u00df er sein Leben l\u00e4\u00dft f\u00fcr seine Freunde. Am Jahrestag der Proklamation der Republik Lettland danken wir f\u00fcr die Menschen, die es vermochten, so selbstlos zu glauben, zu hoffen und zu lieben, da\u00df Gott durch sie das Wunder tun und Lettland zu einem Leben voller Hoffnungen und M\u00f6glichkeiten erbauen konnte. Der 18. November ist stets mit Patriotismus verbunden. Patriotismus ist zu allererst die Bereitschaft, selbstlos zu hoffen und zu lieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Jahr begehen wir das Fest in einer aufregenden Zeit, und denken dabei weniger an die ruhmreichen Siege der Vergangenheit, als da\u00df wir unsere Blicke auf unsere Gegenwart und Zukunft richten. So mancher meint, da\u00df es heute eines neuen Wunders bedarf, eines neuen Aufwachens, einer neuen Auferstehung wie in den Jahren 1918 und 1991. Doch blicken wir noch einmal auf das Geschehen im Hause des Jairus. Jesus tut das, was nur er allein tun kann. Er zerbricht die Macht des Todes und schenkt dem M\u00e4dchen das Leben. Doch gleich danach befiehlt er: \u201eGebt ihr zu essen!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen Befehl k\u00f6nnen wir auch als Gottes Auftrag an uns gegen\u00fcber der auferweckten Prinzessin Lettland annehmen. Gott hat das Seine getan. Er hat dieses Land auferweckt zu einem freien und unabh\u00e4ngigen Staat. Jetzt seid ihr an der Reihe. Gebt ihr ihm zu essen. Das Zu Essen Geben ersch\u00f6pft sich nicht in einigen Kampagnen oder Aktionen. Zu Essen Geben bedeutet, mit dem zu versorgen, was am Leben erh\u00e4lt, Kraft gibt, wachsen l\u00e4\u00dft \u2013 Tag f\u00fcr Tag, drei Mal t\u00e4glich, bis zum Ende des Lebens. Zuerst geht es dabei selbstverst\u00e4ndlich um die Nahrung und Bekleidung. Das sind die allt\u00e4glichen Bed\u00fcrfnisse des Menschen. Es stimmt froh, da\u00df wir an unserem Staatsfeiertag stolz sagen k\u00f6nnen, da\u00df wir eine stark wachsende Wirtschaft haben und das st\u00e4rkste Wachstum bei der Gesamtproduktion sowie andere Anzeichen, die zu deuten einem Nichtfachmann kaum m\u00f6glich sind. Wir tun gut daran, wenn wir sie wahrnehmen und anl\u00e4\u00dflich eines Festes allen danken, die sie bewirkt haben. Doch der Mensch lebt nicht von Zahlen allein. Tag f\u00fcr Tag lebt er sein einmal geschenktes und sich nicht wiederholendes und nicht mehr wiederkehrendes Leben. Und dann sieht die Landschaft am Feiertag ganz anders aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen uns freuen \u00fcber die wachsenden Prozentzahlen bei der Gesamtproduktion, aber wir k\u00f6nnen uns nicht dar\u00fcber freuen, wenn jemand durch flei\u00dfige und ehrliche Arbeit nicht mehr eines w\u00fcrdigen Lebens und ruhiger Tage im Alter gewi\u00df sein kann. Wir k\u00f6nnen uns freuen, wenn Letten mit der eigenen Yacht in den Urlaub nach \u00c4gypten oder Thailand segeln oder die ganze Welt bereisen k\u00f6nnen, aber wir k\u00f6nnen uns nicht freuen, wenn sich viele keine Fahrkarte f\u00fcr die Heimfahrt mit dem Bus, die in diesem Jahr wieder teurer wird, leisten k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen uns freuen, wenn wir unsere Beamten gut bezahlen k\u00f6nnen, wir k\u00f6nnen uns aber nicht dar\u00fcber freuen, wenn ein Lehrer oder eine Krankenschwester 10 Mal (!) weniger verdient. Wir k\u00f6nnen uns \u00fcber jedes lettische Kind freuen, das eine der besten Schulen Europas besucht, aber wir k\u00f6nnen uns nicht \u00fcber Kinder freuen, die im Lettland des 21. Jahrhunderts Analphabeten bleiben und an Tuberkulose oder an AIDS erkranken. Solange es noch Dinge gibt, \u00fcber die man sich in gleichem Ma\u00dfe freuen oder nicht freuen kann, nagt Lettland weiterhin am Hungertuch. Christus sagt:\u00a0&#8222;Gebt ihr ihnen zu essen!&#8220; Das ist nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern viel mehr ein ethischer Begriff. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Prozentzahlen bei der Gesamtproduktion als um Gerechtigkeit und um die F\u00e4higkeit, unseren Mitmenschen anzuh\u00f6ren, uns in sein Leben hineinzudenken und etwas zu tun. Der 18. November ist die beste Gelegenheit daf\u00fcr, uns selbst zu fragen, ob ich das weiterhin noch vermag. Patriotismus ist zuerst der Wunsch, zu denen zu geh\u00f6ren, die h\u00f6ren, verstehen, und die das Vernommene auf sich selbst beziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gebt ihr zu essen&#8230; Oft sehnt sich jemand mehr als nach Brot nach klaren und verst\u00e4ndlichen Prinzipien. Weshalb hat der Film \u201eDie W\u00e4chter Rigas\u201c die Herzen der Menschen so bewegt? Weil sie in ihm das entdeckten, wonach sie sich t\u00e4glich sehnen \u2013 klare Motive, selbstlosen Mut, eine, wenn auch gelegentlich recht grobe, so doch ehrliche und selbstlose Liebe des Vaterlandes. Eine der eindrucksvollsten Episoden ist ein kurzer Dialog, bei dem Niedra in einem ganz kritischen Augenblick (den sp\u00e4teren Staatspr\u00e4sidenten) Ulmanis auffordert: \u201eDenk an dich, K\u0101rlis!\u201c, Ulmanis aber ihm die Gegenfrage stellt: \u201eMeinst du wirklich, da\u00df die dort auf der Br\u00fccke im Kugelhagel an sich denken?\u201c Bei dem Aufbau eines Staates steht man oft vor viel komplizierteren Aufgaben als vor heldenhaften milit\u00e4rischen Operationen. Doch ist es \u00e4u\u00dferst wichtig, da\u00df das Volk selbst bei den kompliziertesten und verborgensten Dingen, die am schwersten zu begreifen sind, die gleichen klaren und ungeheuchelten selbstlosen Motive sp\u00fcrt, mit denen sich die W\u00e4chter Rigas den Bermont-Verb\u00e4nden entgegenstellten. Auch hier ist die Anordnung Jesu \u201eGebt ihr zu essen\u201c mehr eine ethische Frage als eine professionelle Weisung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir von den Motiven sprechen, dann begegnen wir im Evangelium einem anderen sehr bezeichnenden Geschehen. Einmal fragte Jesus seine J\u00fcnger: \u201eWor\u00fcber redet ihr da miteinander?\u201c Sie schwiegen betroffen, denn eben hatten sie miteinander darum gestritten, wer von ihnen der Gr\u00f6\u00dfte sei und auf welchem Stuhl ein jeder im Reiche Gottes sitzen w\u00fcrde. Zwei von ihnen versuchten sogar, sich, ohne da\u00df es die anderen merkten, die Berechtigung zu erschleichen, zur Linken und zur Rechten Jesu sitzen zu d\u00fcrfen. Jesus aber sprach: \u201eIhr wi\u00dft, da\u00df die Herrscher ihre V\u00f6lker niederhalten und die M\u00e4chtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch, sondern wer unter euch gro\u00df sein will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in Lettland ist heute die Frage wieder aktuell, wer auf welchem Stuhl sitzen soll. Dabei sollten wir uns deutlich machen, welches die Grundlage der Macht ist. Vielleicht sagen wir \u2013 die Demokratie oder die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Doch die Mehrheit der Stimmen ist in Christi Augen nicht die Grundlage der Macht. Die Stimmenmehrheit ist nur der gesetzliche Weg, auf dem jemand zu einem Amt kommt. Die Grundlage der Macht liegt im Wunsch und in der Bereitschaft, zu dienen. Gro\u00df zu werden im Dienen. Wer unter euch gro\u00df sein will, der sei euer aller Knecht. Unser Volk gedenkt in Dankbarkeit derer, die dadurch gro\u00df waren, da\u00df sie nicht \u00fcber uns herrschten, sondern uns dienten. Die Gespr\u00e4che dar\u00fcber, wer auf welchem Stuhl sitzen sollte, m\u00fc\u00dften ein Wettstreit um die Berechtigung sein, sich selbst zu verleugnen und zum Diener aller zu werden. Das Wort \u201eMinister\u201c k\u00f6nnen wir mit \u201eDiener\u201c \u00fcbersetzen und das Wort \u201ePremierminister\u201c mit \u201eerster Diener\u201c oder \u201eDiener der Diener\u201c. Die Macht wird erst durch die Motivation zu dienen legitimiert. Das aber ist weniger eine Frage der Politik oder Demokratie als eine Frage der Ethik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Jahr ist am 18. November die Zeit gekommen, von unseren Leitern ganz besonders auf dem Gebiet der Ethik Rechenschaft zu fordern. Und das ist recht. Das ist nicht nur das Recht, sondern sogar auch die Pflicht des Volkes. Sicher ist es nicht richtig, wenn wir nach dem Prinzip verfahren, da\u00df man \u00fcber den Leiter nur Schlechtes oder \u00fcberhaupt nichts sagt. Es ist schwer, Gerechtigkeit zu fordern, wenn wir selbst nicht gerecht sein wollen. Und wir w\u00fcrden einen Fehler begehen, wenn wir meinten, da\u00df die Worte Christi \u201egebt ihr zu essen\u201c nur die Leitenden betr\u00e4fe. Sie betreffen alle und alles. K\u00fcrzlich hatte ich ein Gespr\u00e4ch mit einem jungen Mann. Er sagte, da\u00df es heutzutage schon eine gro\u00dfe Sache w\u00e4re, ein M\u00e4dchen zu finden, das dich nicht mit deinen engsten Freunden betr\u00fcgt, sondern das weiter entfernt und nicht \u00f6fter als einmal im Monat tut. Das k\u00f6nnte uns sehr privat und nur den Einzelnen betreffend erscheinen, und nichts mit dem Fragenkomplex zu tun haben, der uns am Staatsfeiertag besch\u00e4ftigt. Und trotzdem h\u00e4ngt das alles miteinander zusammen. Betrug ist Betrug in der engsten Gemeinschaft ebenso wie im Gesch\u00e4ftsleben oder in der Politik. Wer bereit ist, einmal zu betr\u00fcgen, der wird ganz sicher auch vor dem n\u00e4chsten Betrug nicht zur\u00fcckschrecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich die Schilderung der Umwelt durch den jungen Mann h\u00f6rte, \u00fcberkam mich das Gef\u00fchl, da\u00df wir noch gar nicht begriffen haben, wie weit sich unsere Zivilisation von den einst geltenden Vorstellungen \u00fcber Ehre und Sitte entfernt hat. Der Zerfall der Moral kam \u00fcberhaupt nicht spontan, sondern war ein zielbewu\u00dft geleiteter und gewollter Vorgang. Ist es nicht ein Widerspruch in sich, wenn irgendwelche Leute, gesellschaftliche Organisationen oder Medien, die sich sehr darum gem\u00fcht haben, die Normen der geltenden Moral aus dem Denken der Gesellschaft, aus den staatlichen Gesetzen und noch mehr aus dem Bewu\u00dftsein und Handeln der Menschen zu entfernen, pl\u00f6tzlich auf anderen Gebieten Moral fordern? Selbst wenn diese Forderungen berechtigt sein sollten, sind sie nicht konsequent und k\u00f6nnen keine Frucht bringen. Eine sittliche Politik kann nur aus einer sittlichen Gesellschaft herauswachsen. Es ist nicht m\u00f6glich, das eine zu schaffen, ohne da\u00df man das andere ber\u00fccksichtigt. Und das ist nur mit Gottes Hilfe und mit gemeinsamen Anstrengungen zu bewirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christus sprach: \u201eIch habe sie vom Tod auferweckt. Jetzt seid ihr dran und m\u00fcsst ihr zu essen geben.\u201c Unser Lettland zu speisen, zu st\u00e4rken, am Leben zu erhalten, ist viel mehr ein geistlicher, seelischer, ethischer als ein wirtschaftlicher oder juristischer Auftrag. Der Bericht \u00fcber das Fest im Hause des Jairus beginnt mit den Worten: \u201eAls Jesus zur\u00fcckkam, nahm ihn das Volk auf, denn sie warteten alle auf ihn.\u201c Damit beginnt die Auferstehung und ein Leben voller Hoffnungen und M\u00f6glichkeiten. Was schenken wir Lettland heute an seinem Geburtstag? Wie feiern wir das Fest seiner Auferweckung? Das wertvollste Geschenk w\u00e4re das ernsthafte Gespr\u00e4ch eines jeden von uns mit Christus, bei dem wir ihm in die Augen blicken und dabei unser eigenes Gewissen und unsere Motive erforschen. Dabei werden wir auf Dinge sto\u00dfen, \u00fcber die wir mit ihm am liebsten nicht reden m\u00f6gen. Doch gerade \u00fcber sie mit ihm zu sprechen, ist das Wichtigste. \u201eSiehe, ich stehe vor der T\u00fcr und klopfe an\u201c sagt er. \u201eWenn jemand meine Stimme h\u00f6ren wird und die T\u00fcr auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist das f\u00fcr eine T\u00fcr. an die Jesus anklopft? Sie verschlie\u00dft unser Herz ganz fest, und hinter ihr verbirgt sich in der Finsternis alles, was wir niemandem zeigen m\u00f6chten, nicht einmal uns selbst. Wenn wir sie f\u00fcr Christus auftun und es ihm gestatten, da\u00df er unsere Herzenskammer reinigt, durchl\u00fcftet und hell macht, dann kann das eigentliche Fest der Geburt und Auferstehung beginnen, und das Mahl, bei dem nicht nur unsere Seele gespeist wird, sondern auch Lettland. \u201eGebt ihr zu essen\u201c hei\u00dft eigentlich \u2013 gebt euch und anderen \u2013 Gro\u00dfen und Kleinen, Jungen und Alten, Starken und Schwachen, Reichen und Armen \u2013 der Gesellschaft und dem Volk die M\u00f6glichkeit, in einem ernsthaften und offenen Gespr\u00e4ch des Herzens Christus zu begegnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gott segne Lettland!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(Anmerkung des \u00dcbersetzers: Mit diesen Worten beginnt die lettische Nationalhymne.)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><em>Aus Sv\u0113tdienas R\u012bts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, Nr. 43 vom 24.November 2007<br \/>\n(\u00dcbersetzung Johannes Baumann)<\/em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGebt ihr zu essen!\u201c Predigt am Sonntag, dem 18. 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