{"id":1448,"date":"2006-03-12T16:37:26","date_gmt":"2006-03-12T14:37:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1448"},"modified":"2009-09-11T11:00:28","modified_gmt":"2009-09-11T09:00:28","slug":"die-heilung-des-blindgeborenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1448","title":{"rendered":"Predigt: Die Heilung des Blindgeborenen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Heilung des Blindgeborenen<br \/>\nPredigt <\/strong><strong>(gehalten am 12. M\u00e4rz 2006 in der St. Petrikirche in Riga).<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eUnd Jesus ging vor\u00fcber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine J\u00fcnger fragten ihn und sprachen: \u201eMeister, wer hat ges\u00fcndigt, dieser oder seine Eltern, da\u00df er blind geboren ist?\u201c Jesus antwortete: \u201eEs hat weder dieser ges\u00fcndigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an \u00edhm. Wir m\u00fcssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.\u201c Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden. Und er sprach zu ihm: \u201eGeh zum Teich Siloah \u2013 das hei\u00dft \u00fcbersetzt: gesandt \u2013 und wasche dich!\u201c Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder. Die Nachbarn nun und die, die ihn fr\u00fcher als Bettler gesehen hatten, sprachen: \u201eIst das nicht der Mann, der dasa\u00df und bettelte?\u201c Einige sprachen: \u201eNein, aber er ist ihm \u00e4hnlich.\u201c Er selbst aber sprach: \u201eIch bin\u2019s.\u201c\u201c (Joh. 9,1-9)<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schaut doch! Da gibt es einen Menschen und der hat ein Problem. Er ist blind. Er bettelt. Die Menschen identifizieren ihn nach diesen Merkmalen. \u201eIst das nicht der Mann, der dasa\u00df und bettelte?\u201c fragen sie. F\u00fcr sie ist dieser ein Mensch, \u201eder dasa\u00df und bettelte.\u201c Einige der Umherstehenden fragen sogar nach den Ursachen: \u201eHat dieser ges\u00fcndigt oder seine Eltern, da\u00df er blind geboren ist?\u201c Und hier spricht Christus ein wesentliches Wort aus, das die Rolle des Menschen beschreibt oder sogar definiert: \u201eAn ihm sollen die Werke Gottes offenbar werden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ein blinder Jude, der dasa\u00df und bettelte. Gottes Werke sollten an ihm offenbar werden. Ich bin ein Bischof, der von der Kanzel aus spricht. Gottes Werke sollen an mir offenbar werden. Du bist vielleicht ein Student, der heute einen freien Tag hat. Gottes Werke sollen an dir offenbar werden. Vielleicht bist du ein Journalist, der \u00fcber aktuelle Themen berichten mu\u00df. Gottes Werke sollen an dir offenbar werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schaut doch um euch herum. Da sehen wir viele Menschen. Dort ist vielleicht ein Unternehmer, der mit Arbeit \u00fcberlastet ist und es nicht vermag aufzuh\u00f6ren. Oder eine Mutter mit vielen Kindern, die nicht wei\u00df, wie es weitergehen soll. Oder ein Funktion\u00e4r, der nicht wei\u00df, wie er sich bei dem n\u00e4chsten offiziellen Feiertag am 16. M\u00e4rz verhalten soll. Oder ein K\u00fcnstler, der sich Sorgen macht um die Ausstellung seine Werke, wenn die St. Petrikirche wieder ihren urspr\u00fcnglichen Status als Eigentum der Kirche erh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt so viele Weisen, wie wir in dieser Welt leben. Und doch vereinigt uns alle unsere gemeinsame Rolle als Menschen, die Christus so beschreibt: \u201eGottes Werke sollen an uns, an jedem von uns, offenbar werden.\u201c Das ist die geistliche Dimension unserer Existenz. Deshalb leben wir als von Gott geschaffene Menschen in einer von Gott geschaffenen Welt. Nicht damit wir durch irgend etwas Religi\u00f6ses unser Leben versch\u00f6nerten und erg\u00e4nzten, sondern da\u00df die Werke Gottes an uns offenbar w\u00fcrden. Und das ist nicht lediglich eine Veredelung der Pers\u00f6nlichkeit, sondern doch wohl eher eine Befreiung, Entdeckung, Verwandlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Menschen fragen Jesus nach dem Mann, an dem Er die Werke Gottes offenbart hat: \u201eIst das nicht der, welcher dasa\u00df und bettelte?\u201c und \u00fcberlegen weiter: \u201eNein, er sieht ihm wohl \u00e4hnlich, ist aber ein anderer.\u201c Er ist derselbe, und doch so sehr ver\u00e4ndert. Wir leben und wirken ein jeder an seinem Ort in dieser Welt \u2013 und wenn wir uns gegen\u00fcber ganz ehrlich sind, dann gibt es keine S\u00fcnde, die wir in einer bestimmten Lebenslage nicht auch begehen k\u00f6nnten. Das Wort Christi spricht \u00fcber uns und \u00fcber den Sinn unseres Lebens etwas ganz wesentliches aus. Wir leben, damit die Werke Gottes an uns offenbar w\u00fcrden, und wir uns in unserem Wesen \u00e4nderten., damit wir unseren g\u00f6ttlichen Auftrag erkennen, um zu entdecken, da\u00df Gott den Menschen Ihm zum Bilde geschaffen hat. Deshalb leben wir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie geschieht das? Wie verrichtet Gott Seine Werke am Menschen? Im Predigttext finden wir die eine Stelle: \u201eAls er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden.\u201c Versuchen wir uns das vorzustellen! Das ist alles so nat\u00fcrlich, wie dieses Werk Gottes ausgef\u00fchrt wird, doch dieses ungew\u00f6hnliche k\u00f6rperliche Handeln Jesu spricht eine ganz wichtige Wahrheit aus, ein zentrales Prinzip, das dem Werk Gottes zu Grunde liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir stellen es uns oft vor, da\u00df Gott ganz bestimmt auf eine unsichtbare, sehr \u00e4therische, allem Materiellen widersprechende Weise sein Werk tut; da\u00df geistliche Dinge nur auf der Ebene unfa\u00dfbarer Ideen und Gef\u00fchle geschehen. Aber hier spuckt Jesus auf die Erde, vermischt seinen Speichel mit der Erde zu einem Brei und streicht diesen dem Blinden auf die Augen. Kann man sich \u00fcberhaupt ein irdischeres und k\u00f6rperlicheres Handeln vorstellen? Und doch ver\u00e4ndert es die Pers\u00f6nlichkeit und das Leben eines Menschen von Grund auf. Ganz gegen die astralen Erwartungen esoterischer Kreise redet Gott mit den Menschen in wichtigen Augenblicken auf sichtbare, h\u00f6rbare und sp\u00fcrbare Weise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das eine ist wohl wahr \u2013 Gott ist mit den Augen nicht zu erblicken und mit den H\u00e4nden nicht zu greifen. In dieser Hinsicht sind wir alle blinde Bettler \u2013 wir sehen nicht, wir bitten nur. Wir sind von Gottes Initiative abh\u00e4ngig \u2013 wird Er mit uns kommunizieren, wird Er sich uns offenbaren, wird Er sich uns schenken, werden wir zu Ihm Zugang haben? Gott hat das auf eine sehr k\u00f6rperliche Weise getan \u2013 Er wurde Mensch. Das Wort ward Fleisch. Er wurde als Mensch geboren, starb als ein Mensch, Er ist auferstanden, wie alle Menschen am J\u00fcngsten Tage auferstehen werden. Der ungl\u00e4ubige Thomas ber\u00fchrte mit seinen H\u00e4nden die Wundmale Christi. Da erf\u00fcllte sich das 700 Jahre davor ausgesprochene Prophetenwort: \u201eEr ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer S\u00fcnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf da\u00df wir Frieden h\u00e4tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.\u201c Christi Leben, Lehre und stellvertretendes Opfer durch Seinen Tod, mit dem Er unsere S\u00fcnden erkaufte. Das alles war so sichtbar und sp\u00fcrbar wie der Brei auf den Augen des Blinden. Auf diese Weise war Christus das Licht der Welt. Nicht auf irgendeine unfa\u00dfbare Art, sondern ganz konkret, ganz sichtbar, ganz sp\u00fcrbar wie der Brei auf den Augen des Blinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn der uns aufgestrichen wird, dann geschieht das Werk Gottes an uns. Dann erhalten wir unsere Bestimmung, Ebenbild Gottes zu sein, und das ewige Leben zur\u00fcck, zu dem wir Zugang haben, wenn Christus auch uns mit diesem Brei bestrichen hat. Wer wir auch sein m\u00f6gen, dieses Werk Gottes mu\u00df an uns geschehen, damit wir nicht umsonst gelebt haben m\u00f6gen. Wo finden wir die Werke Gottes, die an uns noch geschehen m\u00fcssen? Kann man sie sehen, kann man sie finden, kann man sie erfassen? Christus war das sichtbare Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Gottes unsichtbare Werke tat er auf sichtbare Weise. \u201eWer mich sieht, der sieht den Vater,\u201c sagte Er. Er war sichtbar, h\u00f6rbar, sp\u00fcrbar und daher zug\u00e4nglich, wirklich zug\u00e4nglich. Die Menschen konnten Gott n\u00e4her kommen dadurch, da\u00df sie sich Ihm zu F\u00fc\u00dfen setzten, Ihm zuh\u00f6rten, mit Ihm zusammen a\u00dfen und tranken. Gott hatte in der Ewigkeit die Absicht, mit den Menschen auf menschliche Weise zu kommunizieren. Jesus was Sein Repr\u00e4sentant in der Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier k\u00f6nnte nun bei unserem Bericht ein Problem auftauchen. Alles das hat sich in der Vergangenheit abgespielt. Jesus war unter den Menschen. Er war sichtbar, war h\u00f6rbar, war zug\u00e4nglich. Doch dann fuhr Er auf gen Himmel. Und was nun?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht ist jetzt die von den Esoterikern hoch gelobte Zeit gekommen, da\u00df Gott mit uns nur durch Ideen, Dogmen und okkulte Erfahrungen kommuniziert? Jesus h\u00e4tte vielleicht noch irgendwelche feurige Vibrationen in den \u00c4ther hinausblasen k\u00f6nnen, damit Seine Nachfolger \u00fcber Generationen diese noch anpeilen und mit ihnen vibrieren k\u00f6nnten. Doch er hat immer betont: \u201eIch mu\u00df wirken die Werke dessen, der mich gesandt hat. Ich rede und tue nichts aus mir selbst, sondern aus dem Vater. Ich bin Sein Wort und wirke die Werke meines Vaters.\u201c Und wie Gott f\u00fcr Ihn sichtbare Dinge offenbart hat \u2013 so nahm Er den Menschen an und lie\u00df in ihm Seine Vollkommenheit Fleisch werden, so nutzte auch der Sohn Dinge der Erde und verlieh denen Seine g\u00f6ttliche Natur. So zum Beispiel bei diesem Brei (der sicher alles andere als appetitlich war), den er dazu gebrauchte, um dem Blinden die Augen zu \u00f6ffnen und Gott zu ehren, und um die N\u00e4he Seines Reiches zu verk\u00fcndigen. H\u00e4tten wir diese Schriftstelle etwas weiter gelesen, dann h\u00e4tten wir erfahren, da\u00df dieser blinde Bettler allen Menschen und allen Schriftgelehrten seiner Zeit voran geht, um Christus zu bekennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So verwandelte Christus diesen Menschen mit der Hilfe einer ganz unedlen und unappetitlichen Substanz. Und dann nahm Er Brot und Wein und reichte diese im Abendmahl als Seinen sakramentalen Leib und Sein Blut, damit Seine Leute weiterhin zusammen mit Gott essen und trinken k\u00f6nnten. Er lie\u00df Seine J\u00fcnger Wasser nehmen und damit zur Wiedergeburt im Heiligen Geist taufen. Und deshalb ist es nur zu gut zu verstehen, da\u00df Er, als Er zum Vater zur\u00fcckkehrte, der Welt etwas sichtbares, h\u00f6rbares und sp\u00fcrbares hinterlie\u00df und uns damit den Zugang zu Ihm schuf. Was hat Er getan?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er hat Seine Kirche gegr\u00fcndet. In ihr verbarg Er \u2013 oder ganz im Gegenteil \u2013 offenbarte Er (je nachdem wem) alles, was Ihm vom Vater anvertraut war. Alles, was zur Seelen Seligkeit notwendig ist. Das, was an keinem anderen Ort zu finden ist \u2013 weder am Meeresstrand oder unter einer edlen Eiche, noch auf den Himalajah\u00f6hen, sondern nur in der Kirche. An anderen Stellen kann man vielleicht etwas anderes finden. Doch Christi Gegenwart in Seinem Wort, der Predigt und den Sakramenten, das Opfer Christi, mit dem Er unsere Schuld erkauft, uns Vergebung und Erl\u00f6sung von unserer S\u00fcnde geschenkt hat durch die von Christus uns \u00fcbertragene Macht der Schl\u00fcssel \u2013 das alles kann man nur in der Kirche finden und ergreifen. Ich bin mir dessen bewu\u00dft, da\u00df vielen das nicht gefallen wird. Und das hat auch seinen Grund. Die reale historische Kirche sieht nicht immer sehr blendend aus. Auch viele, die zu ihr geh\u00f6ren, haben unsch\u00f6ne Dinge getan, Dinge, derer wir uns gewi\u00df nicht r\u00fchmen k\u00f6nnen, und die unser Volk seit dem 13. Jahrhundert begleiten. Dinge, die einen heute zusammenzucken lassen und einem Angst machen von der Vorstellung, an die Kirche denken zu sollen. Zeitweise l\u00e4\u00dft die Kirche wirklich den Vergleich mit dem Bespucken der Erde durch Gott zu \u2013 und das war ja auch damals kein appetitlicher Anblick. Dennoch la\u00dft es uns in unser Ged\u00e4chtnis rufen, da\u00df diese keineswegs edle Masse, mag sie auch eine noch so unedle und sogar ekelerregende Substanz darstellen, dem Blinden die Augen ge\u00f6ffnet, seine Pers\u00f6nlichkeit verwandelt und aus dem Bettler einen Botschafter Gottes gemacht hat. Wie auch die Geschichte aussehen mag, so hat die Kirche dennoch unserem Land das Evangelium von Jesus Christus gebracht, es bewahrt und weitergegeben, und damit die Menschen und unser Volk erleuchtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auch die historische Kirche manches Mal ausgesehen haben mag, so dient sie durch die Jahrhunderte hindurch als der heilende Brei Christi, und das ist die Hauptsache. Christus sagt \u00fcber die Kirche noch gr\u00f6\u00dfere Dinge. Ihr werdet euch doch noch sicher an die Stelle aus der Apostelgeschichte erinnern, in der Saulus, der sp\u00e4ter zum Apostel Paulus wurde, die Offenbarung Christi erf\u00e4hrt, die ihn blendet und erblinden l\u00e4\u00dft, und er dabei eine Stimme vernimmt, die ihm sagt: \u201eSaul, Saul, was verfolgst du mich?\u201c Das ist Christus, der ihn anredet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Haben wir \u00fcberlegt, was das bedeutet, da\u00df Saulus die Kirche, die Gemeinde verfolgt, aber Christus sagt: \u201eDu verfolgst mich.\u201c Jesus identifiziert sich mit Seiner Kirche. Mit diesen Worten sagt Er: \u201eIch bin Meine Gemeinde, ich bin die Kirche.\u201c Heute sind die Menschen gro\u00dfe Einzelg\u00e4nger. Sie m\u00f6gen sehr gerne f\u00fcr sich allein sein. Sie sagen: mein Leben, meine Beziehung zu Gott, mein Glaube. Mein Glaube ohne irgendeine Zugeh\u00f6rigkeit. Die Betonung des pers\u00f6nlichen Glaubens hat ihre Ursachen, ebenso wie die Betonung der pers\u00f6nlichen Beziehungen mit Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen es: Der Glaube ist eine Art, die von Gott geschenkte und von Christus erkaufte Erl\u00f6sung zu empfangen. Wer da glaubet und getauft ist, der wird selig. Nicht mit guten Werken k\u00f6nnen wir das ewige Leben verdienen, sondern Gott schenkt es denen, die an Seinen Sohn Christus glauben und Ihm nachfolgen. Der Gerechte lebt aus dem Glauben. Heute sagt man oft: \u201eEs ist doch nicht wichtig, woran der Mensch glaubt, die Hauptsache ist doch, er glaubt \u00fcberhaupt an etwas.\u201c Doch der rettende Glaube ist nicht der Glaube an irgend etwas Undefinierbares. Rettender Glaube ist etwas sehr Konkretes \u2013 es ist der Glaube an Christus und der Gehorsam gegen\u00fcber Seinem Wort. Und \u00fcber die Kirche sagt Christus: \u201eIch bin der Weinstock, ihr seid die Reben. wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder identifiziert Er sich mit Seiner Gemeinde. Beachten wir bitte, da\u00df Er nicht sagt: \u201eIch bin die Wurzel und ihr der Baum, Ich bin der Baumstamm und ihr die \u00c4ste.\u201c Er sagt: \u201eIch bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.\u201c Und wenn dann der Apostel Paulus sagt, da\u00df es an denen, die in Jesus Christus sind, nichts zu Verdammendes mehr g\u00e4be, dann sollten wir fragen: Was hei\u00dft das, in Jesus Christus zu sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.\u201c Das sagt Er \u00fcber Seine Gemeinde, das sagt Er \u00fcber Seine J\u00fcnger. Anhand dieser Worte Christi sollten wir die heute weit verbreitete Ansicht, die Kirche sei eine Erfindung von Menschen, und da\u00df man, um zu glauben, zu keiner Gemeinde zu geh\u00f6ren brauchte, kritisch hinterfragen. Nach den eigenen Worten Christi ist ein Glaube ohne Zugeh\u00f6rigkeit oder ein Weinstock ohne Reben unfruchtbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Heilige Schrift geht noch weiter. Sie nennt die Kirche den Leib Christi. Bei Seiner Himmelfahrt hinterlie\u00df Christus auf Erden Seinen Leib, die Kirche, der Er den Heiligen Geist schenkte, damit sie auf Erden Sein Werk fortsetzen k\u00f6nnte. Man kann Christus in Seiner F\u00fclle weder voll begreifen noch erfassen au\u00dferhalb Seines Leibes, wie das Cyprian im 4. Jahrhundert sagte: \u201eAu\u00dferhalb der Kirche gibt es kein Heil.\u201c Das m\u00fcssen wir so verstehen, da\u00df es au\u00dferhalb von Christus, das hei\u00dft doch au\u00dferhalb der Kirche als dem Leibe Christi nicht das Heil geben, und man nicht ganz in Christus sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch in der Folge der sichtbaren Dinge und Werke Gottes gibt es noch eine ganz nat\u00fcrliche Sache, die f\u00fcr uns heute von besonderer Bedeutung ist. Ein Glaube ohne Werke bleibt tot. Seit Urzeiten hat die Kirche ihrem Glauben Ausdruck gegeben mit der Sorge um die Ungl\u00fcckskinder und Armen, der Sorge um Frieden und Gerechtigkeit, der Sorge darum, da\u00df Menschen besser und leichter leben k\u00f6nnten. Diese Dinge bleiben oft im Verborgenen. Jesus selbst hat es den Seinen oft an das Herz gelegt: Posaunt nicht vor euch her, was ihr alles Gutes getan habt. Der Glaube an Christus hat sich oft auf die Entwicklung der Kultur und des Bildungswesens ausgewirkt. Doch es gibt auch eine ganz besonders sichtbare und sp\u00fcrbare Art dessen, wie sich der Glaube verbreitet hat, &#8211; seit Urzeiten hat die Kirche damit ihren Glauben bekannt, da\u00df sie Gottesh\u00e4user erbaut hat. Man pflegt von der unsichtbaren Kirche zu sprechen. Dabei gibt es nichts zu mystifizieren. Wenn ich den gesch\u00e4ftigen Zentralmarkt in Riga an einem Werktage verlasse, dann werde ich dort keine Kirche entdecken, auch wenn dort die H\u00e4lfte der Leute, die sich dort als K\u00e4ufer oder Verk\u00e4ufer zu schaffen machen, einer Kirche zugeh\u00f6ren. Dennoch ist dort die Kirche zugegen, auch wenn man sie mit den Augen nicht erkennen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn wir in einer fremden Stadt eine Kirche suchen, werden wir sie nicht gleich auf dem Bahnhof oder auf der Stra\u00dfe erblicken, auch wenn \u00fcberall um uns herum Gemeindeglieder sind. Und dann halten wir Ausschau nach einem Gotteshaus. Ein Gotteshaus ist in Stein abgebildeter Glaube, der oft die Form des Kreuzes darstellt. Eine Kirche gibt Zeugnis. Deshalb die Entr\u00fcstung unseres Herrn Jesus \u00fcber die Verweltlichung der Kirche. Christus, der geduldige und dem\u00fctige, geriet nur ein einziges Mal so au\u00dfer sich vor Zorn, da\u00df Er eine Peitsche in die Hand nahm. Das geschah, als Er im Tempel auf viele Wechsler und H\u00e4ndler an ihren Tischen stie\u00df. Mein Haus soll ein Bethaus sein. Ihr aber habt es zu einer M\u00f6rdergrube gemacht. Er lie\u00df sie keine unn\u00fctzen Dinge in den Tempel tragen. \u00dcbertreibt Er da nicht? Wie h\u00e4tten die H\u00e4ndler da jemandem gef\u00e4hrlich oder lebensbedrohend werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin in einem atheistischen Staat geboren und aufgewachsen. In der Schule wurde ich mit atheistischer Propaganda vollgestopft, doch auf dem Wege zur Schule mu\u00dfte ich an mehreren Kirchen vorbeigehen. Mein Weg des Glaubens begann damit, da\u00df ich eines Tages als Kind die T\u00fcr der St. Josefskirche in Liep\u0101ja \u00f6ffnete. Da versuchte ich mir vorzustellen: Wie w\u00e4re es, wenn ich an der T\u00fcr h\u00e4tte eine Eintrittskarte kaufen m\u00fcssen? Wer wei\u00df, ob ich dort hineingegangen w\u00e4re, denn das Geld brauchte ich doch f\u00fcr das Br\u00f6tchen und den Kompott. Und als Kind waren diese Dinge mir sehr wichtig. Aber, wenn ich dennoch eine Eintrittskarte gekauft h\u00e4tte und dort weiter hineingegangen w\u00e4re, und es h\u00e4tte sich dann herausgestellt, dass dieses ein Museum war, in dem man antike Gegenst\u00e4nde besichtigen konnte? Oder da\u00df es sich um eine Ausstellungshalle handelte? Vielleicht w\u00e4re das f\u00fcr mich ganz interessant gewesen und ich w\u00e4re vielleicht noch einmal wiedergekommen. Aber sicher h\u00e4tte ich dort nie Christus entdeckt und w\u00e4re aus einem ungeratenen Jungen zu einem niedertr\u00e4chtigen Mann herangewachsen. Und vielleicht w\u00fcrde meine Seele in die H\u00f6lle kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie gut war es doch, da\u00df die T\u00fcr, die ich damals ge\u00f6ffnet hatte, als ich etwa acht Jahre alt war, mich direkt in ein Gotteshaus hineinbrachte. In der Zeit des Wiedererwachens gab es den Film \u201eS\u00fcndenbekenntnis\u201c, in dem das noch viel sch\u00e4rfer ausgedr\u00fcckt wurde: \u201eWer braucht \u00fcberhaupt einen Weg, wenn dieser nicht zum Tempel f\u00fchrt?\u201c Daher die Entr\u00fcstung unseres Herrn Jesu, daher die Mahnung des Apostel Paulus: Wer den Tempel Gottes zerst\u00f6rt, den wird Er zerst\u00f6ren. Deswegen ist es das einzige Interesse der Kirche, da\u00df die St. Petrikirche wirklich ein Gotteshaus w\u00fcrde. Da\u00df sie zum Zeugnis f\u00fcr Christus w\u00fcrde, damit jemand, der die T\u00fcr \u00f6ffnet, hier auch wirklich der Gegenwart Gottes begegnete. Dieses und kein merkantiles Interesse, wie es in manchen Zeitungen angepriesen wird, ist unsere Sorge. Die St. Petrikirche soll ein Haus Gottes sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit die Dinge nach ihrer normalen und nat\u00fcrlichen Ordnung geschehen, da\u00df ein Gesch\u00e4ft ein Gesch\u00e4ft sein mag, ein Konzertsaal ein Konzertsaal, da\u00df es in einem Museum antike Gegenst\u00e4nde zu betrachten gibt, so soll im Gotteshaus der lebendige Gott gegenw\u00e4rtig sein. Denn \u00fcberall leben noch so viele Menschen, in deren Leben die Werke Gottes noch nicht offenbar geworden sind. Alles \u00dcbrige kann nat\u00fcrlich auch sein. Erinnern wir uns doch daran, wo die Kantate \u201eGott, dein Land brennt!\u201c damals zur Zeit des Wiedererwachens zum ersten Mal erklang. Nicht in Konzerts\u00e4len, sondern in Kirchen. Wohin man zum ersten Mal die rot-wei\u00df-rote Fahne trug und aufstellte? Auch vor allem in Kirchen. Die Kirche kann und m\u00f6chte mit ihren Menschen zusammen leben, doch zuerst kommt das Allererste! Erinnern wir uns doch daran, was Noah tat, nachdem er aus der Arche gestiegen war, und um sich herum nur eine W\u00fcstenei erblickte! Die ganze Zivilisation und Kultur mu\u00dfte neu aufgebaut werden, und Noah erbaute einen Altar. Das Allererste zuerst! Gott helfe uns! Gott segne Lettland!<br \/>\n<em>(Bemerkung des \u00dcbersetzers: Diese letzten Worte sind die ersten Worte der lettischen Nationalhymne. J.B.)<\/em><br \/>\nAmen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aus: Sv\u0113tdienas R\u012bts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands. \u00dcbersetzer: Johannes Baumann.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Heilung des Blindgeborenen Predigt (gehalten am 12. M\u00e4rz 2006 in der St. Petrikirche in Riga). \u201eUnd Jesus ging vor\u00fcber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine J\u00fcnger fragten ihn und sprachen: \u201eMeister, wer hat ges\u00fcndigt, dieser oder seine Eltern, da\u00df er blind geboren ist?\u201c Jesus antwortete: \u201eEs hat weder dieser ges\u00fcndigt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1448"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1448"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1448\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3389,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1448\/revisions\/3389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1448"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1448"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1448"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}