{"id":14449,"date":"2017-03-31T10:34:21","date_gmt":"2017-03-31T08:34:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14449"},"modified":"2017-03-31T10:43:26","modified_gmt":"2017-03-31T08:43:26","slug":"was-koennen-wir-heute-von-martin-luthers-aussagen-zum-islam-lernen-thesen-des-lutherischen-konventes-im-rheinland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14449","title":{"rendered":"Was k\u00f6nnen wir heute von Martin Luthers Aussagen zum Islam lernen? &#8211; Thesen des Lutherischen Konventes im Rheinland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1.<\/strong> Martin Luther hat sich in seiner Zeit mit den Grundlagen des Islams befasst und den Koran (in lateinischer \u00dcbersetzung) gelesen. Damit unterscheidet er sich von zahlreichen heutigen kirchlichen und gesellschaftlichen Stellungnahmen zum Islam, die die Inhalte der islamischen Religion nur ober\ufb02\u00e4chlich zur Kenntnis nehmen.<!--more--><br \/>\n<strong>2.<\/strong> Luther emp\ufb01ehlt den Christen, den Koran zu studieren, um sich ein differenziertes Urteil bilden zu k\u00f6nnen und um &#8211; im Vergleich zum Islam &#8211; im Glauben an Christus gefestigt zu werden. Dabei setzt er nat\u00fcrlich f\u00fcr Christen das Lesen der Bibel und die Kenntnis des christlichen Glaubens voraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Luther h\u00e4tte kein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass Vertreter der Kirche die Bibel und das Glaubensbekenntnis in Frage stellen, inhaltlich entleeren oder ihre Aussagen uminterpretieren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3.<\/strong> Luther benennt klar und deutlich die Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben. Er lehnt die wesentlichen Inhalte des Korans und des Islams als anti-christlich ab:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Der Koran verneint Jesus Christus als den Sohn Gottes, sein Erl\u00f6sungswerk in Kreuz und Auferstehung und den Heiligen Geist als dritte Person der Gottheit. Jesus gilt im Koran zwar als Prophet und Gesandter Gottes, der aber unter Mohammed steht.<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Luther erkennt einen \u201eWerkglauben&#8220; im Islam, der der menschlichen Vernunft durchaus entgegenkommt, der aber nichts von der Rechtfertigung durch das Vertrauen auf Jesus Christus wei\u00df.<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Die islamische Sicht der Ehe (ein Mann kann mehrere Frauen heiraten) steht f\u00fcr Luther im Widerspruch zum Wort Gottes.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eine Suche nach Einheit zwischen Islam und christlichem Glauben im Sinne einer \u201eabrahamitischen \u00d6kumene\u201c w\u00e4re f\u00fcr Luther aufgrund der inhaltlichen Unterschiede nicht denkbar. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Evangelische Kirche sollte neben den Gemeinsamkeiten die Unterschiede zwischen Islam und Christentum herausstellen und nicht im Zuge der Globalisierung einer Religionsvermischung das Wort reden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4.<\/strong> Luther kann Anerkennung f\u00fcr den religi\u00f6sen Ernst der Muslime (im damaligen Sprachgebrauch = \u201eT\u00fcrken\u201c) und ihre Fr\u00f6mmigkeitspraxis formulieren. Entscheidend bleibt aber f\u00fcr ihn der Glaube an Jesus Christus und nicht Werke der Fr\u00f6mmigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>F\u00fcr Christen muss heute Respekt vor anderen Glaubens\u00fcberzeugungen und einer anderen Glaubenspraxis selbstverst\u00e4ndlich sein.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5.<\/strong> Luther kritisiert, dass die mittelalterlich-katholische Kirche nur die auff\u00e4lligen Schattenseiten und Schandtaten des Islam angeprangert, aber seine guten Aspekte und religi\u00f6sen St\u00e4rken nicht gew\u00fcrdigt habe. Erst die Reformation mit der Wiederentdeckung des allein rettenden Glaubens an Jesus Christus habe es m\u00f6glich gemacht, zum eigentlichen Kern der Auseinandersetzung vorzusto\u00dfen. Das Christentum sei mehr als sch\u00f6ne Zeremonien und gute Werke, sondern das Vertrauen auf Gott durch den S\u00fchnetod und die Auferweckung seines Sohnes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es gibt keinen Dialog ohne Zeugnis und keine Mission ohne Dialog. Dazu geh\u00f6rt die Bereitschaft, dazuzulernen und eigene Vorurteile zu \u00fcberwinden. Neben den Dialog mit den Muslimen muss daher um des Evangeliums willen eine Mission zu den Muslimen treten, die ihnen die Gnade Gottes in Jesus Christus im heutigen Kontext verst\u00e4ndlich zu machen versucht, die christliche Botschaft der Liebe glaubw\u00fcrdig vorlebt und auf jeglichen Druck verzichtet.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6.<\/strong> Luther lehnt Kreuzz\u00fcge ab; er will keine Gewalt und keinen Krieg im Namen oder zur Ausbreitung des Glaubens. Er sieht das Erstarken des Islams im Zusammenhang mit der Schw\u00e4che und dem Unglauben der Christenheit und ruft an erster Stelle die Christen zu Gebet, Umkehr und Bu\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Christen haben im Verlauf einer langen und immer wieder mit Schuld beladenen Kirchengeschichte gelernt, dass mit physischer oder psychischer Gewalt der Glaube an Christus nicht verbreitet werden kann und darf.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7.<\/strong> Luther betont das Recht und die P\ufb02icht zur Verteidigung durch den Kaiser als weltlichen Herrscher gegen die anst\u00fcrmenden Heere des t\u00fcrkischen Sultans, die 1529 zum ersten Mal Wien belagerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wir hoffen, dass die Zeiten der Kreuzz\u00fcge und Eroberungskriege zwischen Christen und Muslimen im 21. Jahrhundert vorbei sind. Gleichzeitig ist zu beklagen, dass Christen in den meisten muslimischen L\u00e4ndern nicht gleichberechtigt sind, sondern benachteiligt, zunehmend sogar verfolgt und gefangengenommen werden. Besonders gef\u00e4hrdet sind die christlichen Konvertiten, die in vielen islamischen L\u00e4ndern entweder gesellschaftlich vogelfrei oder durch staatliche Gesetze mit Gef\u00e4ngnis und Tod bedroht sind. Weltweit muss islamistischen Terroristen mit allen Mitteln des Rechtsstaates begegnet werden, was sich u.a. auch aus Luthers Zwei-Regimenten-Lehre ergibt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8.<\/strong> Luther sah, dass der Islam aufgrund seiner mangelnden Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, Werken und Glauben, Politik und Religion zu einer Vermischung der beiden Reiche und Regimente f\u00fchrt, sogar das Reich Allahs auf Erden mit staatlichen Mitteln verwirklichen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Diese angeblich vern\u00fcnftige, theokratische Konzeption ist der Grund f\u00fcr die Anf\u00e4lligkeit des Islams f\u00fcr politische Ideologie sowie den Fanatismus und die Gewaltbereitschaft vieler Muslime. Blutige Kriege und Terrorismus im Namen Gottes sind die Folge (vgl. Mt 11,12; Lk 16,16). Der Islam erweist sich so als gesetzliche Potenzierung der S\u00fcnde (R\u00f6m 5,20; 7,7ff.) und hat dadurch in den letzten Jahren die Religionen in den Augen vieler Menschen moralisch diskreditiert. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9.<\/strong> Luther hielt es f\u00fcr m\u00f6glich, dass das biblische Evangelium Muslime dazu \u00fcberzeugen kann, den Glauben an Jesus Christus anzunehmen. Eine gezielte \u201eMission\u201c von Christen unter Muslimen hatte er nicht im Blick.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Allerdings h\u00e4tte Luther keinerlei Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, die Bezeugung des christlichen Glaubens an Muslime grunds\u00e4tzlich zu unterlassen, wie es in manchen aktuellen kirchlichen Verlautbarungen gefordert wird. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10.<\/strong> Ein interreligi\u00f6ser Dialog war zur Zeit Luthers angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Islam in Mittel- und Osteuropa keine reale M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Heute ist er eine gesellschaftliche Notwendigkeit, um ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubens\u00fcberzeugungen zu gew\u00e4hrleisten. Daf\u00fcr k\u00f6nnen wir von Luther lernen, dass nicht eine Verharmlosung und Verschleierung der Gegens\u00e4tze, sondern ein klares Bekenntnis des eigenen Glaubens zum gegenseitigen Verstehen f\u00fchrt. Christen sollten der Spirale von Diffamierung und Gewalt widerstehen und auf dem schmalen Grat zwischen \u00fcbertriebener Toleranz und religi\u00f6ser Indifferenz gehen. Dialog und Mission sind keine Gegens\u00e4tze, sondern im freiheitlichen Rechtsstaat m\u00f6glich und tragen zum Religionsfrieden bei.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lutherischer Konvent, K\u00f6nigswinter, 27. M\u00e4rz 2017<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Martin Luther hat sich in seiner Zeit mit den Grundlagen des Islams befasst und den Koran (in lateinischer \u00dcbersetzung) gelesen. 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