{"id":1444,"date":"2006-08-14T16:32:21","date_gmt":"2006-08-14T14:32:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1444"},"modified":"2009-09-05T18:09:57","modified_gmt":"2009-09-05T16:09:57","slug":"der-unehrliche-verwalter-luk-161-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1444","title":{"rendered":"Predigt: Der unehrliche Verwalter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der unehrliche Verwalter (Luk. 16,1-9)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigt auf dem Kirchentag in Al\u016bksne, Lettland, Juli 2006<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Predigttext:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Er sprach aber auch zu den J\u00fcngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er lie\u00df ihn rufen und sprach zu ihm: Was h\u00f6re ich da von dir? Gib Rechenschaft \u00fcber deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht; auch sch\u00e4me ich mich zu betteln. Ich wei\u00df, was ich tun will, damit sie mich in ihre H\u00e4user aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden f\u00fcr sich, und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herren schuldig? Er sprach: Hundert Eimer \u00d6l. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs f\u00fcnfzig. Danach fragte er den zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig. Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil es klug gehandelt hatte, denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen kl\u00fcger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen H\u00fctten.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Freunde, Gnade und Friede sei euch reichlich beschert in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses ist schon ein ganz besonderer Sonntag, denn heute treffen sich in Al\u016bksne viele Menschen im Gottesdienst unseres Kirchentages, die bisher wohl in geistlicher Gemeinschaft miteinander verbunden waren, sich aber noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen haben. Ist das nicht ungew\u00f6hnlich, da\u00df wir als Glieder der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, und damit in einem Herrn, einem Geist, einem Glauben und in einer Kirche vereint, einander nicht kennen? Deshalb scheint mir der Kirchentag als ein Treffen von einander nahe Stehenden etwas ganz Nat\u00fcrliches und seit langem Erforderliches zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es mutet schon ein wenig ironisch an, da\u00df uns heute ein so schwerer Evangelientext zuf\u00e4llt wie der vom unehrlichen Hausverwalter. Vielleicht ist er sogar anl\u00e4sslich dieses Festes ein wenig ungeeignet. So k\u00f6nnte man versucht sein, \u00fcber etwas ganz anderes zu sprechen. Zum Beispiel \u00fcber Johannes 1, 45 \u2013 \u201ekomm und sieh!\u201c, die Losung des Kirchentages. Doch im Alltag ist die Kirche durch viele F\u00e4den in sich selbst vereint, und einer von ihnen ist die Reihe der Perikopen. Es ist sch\u00f6n, sich bewu\u00dft zu machen, da\u00df nicht nur heute, sondern an jedem Sonntag in allen unseren Gemeinden dasselbe Gotteswort laut wird. Deswegen sollte uns auch der Kirchentagssonntag ein besonderer Anla\u00df sein, der Reihe der Perikopen als ein Bindeglied der Kirche die Ehre zu geben. So reden wir heute \u00fcber den unehrlichen Verwalter. Dieses Mal erz\u00e4hlt unser Herr ein wirklich ungew\u00f6hnliches Gleichnis. Der Ausgangspunkt ist eine Situation, die uns wohl bekannt ist. Ein Beamter gibt Geld aus, das ihm nicht geh\u00f6rt. Das wird der obersten Instanz angezeigt. Es droht ein Ermittlungsverfahren. Er nutzt seine Dienststellung, um etwas f\u00fcr sein Leben nach seiner drohenden Entlassung zu tun. Das liest sich genau so wie \u00e4hnliche Berichte, die wir aus Zeitungen kennen. Doch die L\u00f6sung ist wirklich \u00fcberraschend. Der Herr \u2013 also der Gesch\u00e4digte \u2013 lobt den unehrlichen Verwalter f\u00fcr seine letzte Manipulation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade das macht uns Schwierigkeiten beim Lesen dieses Evangeliumstextes. Dadurch da\u00df Jesus das F\u00e4lschen eines Wechsels lobt, unterst\u00fctzt er doch anscheinend die Korruption. Nach unserem Verst\u00e4ndnis m\u00fc\u00dfte der Verwalter daf\u00fcr noch zus\u00e4tzlich bestraft werden Aber der Herr mit seinen offensichtlich angeschlagenen Vorstellungen \u00fcber Moral handelt anders. Er erblickt in diesem h\u00e4\u00dflichen Vorfall sogar etwas Gutes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir scheint, da\u00df dieses Gleichnis mehr als viele andere etwas \u00fcber Gottes geduldiges, langm\u00fctiges Vaterherz aussagt. Der Herr versucht zuerst, das Gute zu erkennen und nicht das B\u00f6se. Selbst dann, wenn das B\u00f6se oben schwimmt und stinkt. Hier haben wir eine der Situationen, in denen sich das Wort erf\u00fcllt hat, welches der Herr dem Propheten Jesaja gesagt hatte: \u201eMeine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege.\u201c Uns f\u00e4llt es schwer, dieses Gleichnis zu verstehen, denn es liegt im Wesen des Menschen, zuerst das B\u00f6se zu suchen und zu erkennen. Selbst dann, wenn jemand etwas uneigenn\u00fctzig aus gutem Herzen getan hat, sagen wir nicht selten: \u201ees ist zu sch\u00f6n, um wahr zu sein\u201c und suchen bei seinem Handeln nach einer niedertr\u00e4chtigen Motivation oder nach einer b\u00f6sen Absicht. Gott handelt v\u00f6llig anders. Im irrenden und s\u00fcndigen Menschen, dessen b\u00f6se Absichten, Worte und Werke nicht zu \u00fcbersehen sind, erblickt Er immer noch etwas Gutes, was der Liebe wert ist. Wie gut, da\u00df Gottes Wege und Gedanken h\u00f6her sind als unsere, und da\u00df der Himmel h\u00f6her ist als die Erde! Wir w\u00fcrden in Elend und Not versinken, wenn sich Gott uns gegen\u00fcber so verhalten w\u00fcrde, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen. Wenn Gott damit beg\u00f6nne, in uns das B\u00f6se zu suchen, wer k\u00f6nnte da noch bestehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten uns an diese Stelle des Evangeliums erinnern, wenn wir dar\u00fcber nachdenken, da\u00df wir als Ebenbild Gottes geschaffen sind. Bitte, hier haben wir eine Art. die etwas \u00fcber die Ebenbildlichkeit Gottes aussagt \u2013 im Anderen zuerst das Gute zu suchen. \u00dcber ihn zuerst Gutes zu reden. Zu versuchen, ihm Gutes zu tun. Ihm Handlungsspielraum zu geben. Uns selbst lieben wir doch fraglos, trotz aller unserer Fehler und M\u00e4ngel, die wir nur zu genau kennen, nicht wahr? Jesus l\u00e4\u00dft uns unseren N\u00e4chsten lieben wie uns selbst, um damit unsere Ebenbildlichkeit Gottes zu verwirklichen. Deshalb lehrt Er uns beten, da\u00df der Vater uns vergeben m\u00f6chte, wie wir vergeben. Nicht unser Wille, sondern Gottes Wille geschehe, nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden in unseren menschlichen Beziehungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Lob, mit dem der Herr das Verhalten des unehrlichen Verwalters bedenkt, ist es ganz bestimmt wert, von uns beachtet zu werden. Sind wir nicht auch solche Verwalter wie er? Verwalten wir das, was uns der Herr anvertraut hat, nicht ebenso schlecht? Unsere Zeit, unsere Gaben, unsere physische Kraft und Gesundheit und die vielen anderen Gaben, die Gott uns anvertraut hat? Vergeuden wir diese Wohltaten Gottes nicht oft unsachgem\u00e4\u00df gegen Gottes Bestimmung und gegen Sein Interesse? Deshalb la\u00dft uns versuchen zu entdecken, was den Herrn veranla\u00dft haben mag, seinen Verwalter zu loben. Erstens hat der Verwalter klug gehandelt, und zweitens hat er sich Freunde gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht so recht, ob man dieses listige Handeln gegen alles Gesetz als lobenswerte Klugheit ansehen kann. Doch der Verwalter war angesichts der bevorstehenden Rechenschaftslegung in Angst geraten. Sein Herz ist unruhig. In der Schrift hei\u00dft es, da\u00df die Furcht des Herrn aller Weisheit Anfang sei. Eine der Eigenschaften, vor denen Gott in Seinem Wort die Menschen immer wieder warnt, ist der Leichtsinn und \u00dcbermut. Der Mensch beachtet nicht die Gesetze des Lebens, die uns Gott gegeben hat und macht sie sich nicht selbst bewu\u00dft, sondern denkt \u2013 ach was, es wird schon irgendwie gehen. Ganz so schlimm kann es ja nicht werden. Kann Gott wirklich so kleinlich sein? M\u00f6chte er nicht alles ausgleichen und vergeben? Es wird schon alles irgendwie gut gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs wird gut gehen.\u201c Das ist etwas wie ein beruhigendes und einschl\u00e4ferndes Mantra f\u00fcr den heutigen Menschen. Man mu\u00df es nur oft genug wiederholen, und dann \u00fcberkommt mich das Gef\u00fchl, da\u00df schlie\u00dflich alles gut gehen wird. Doch wenn sich der Verwalter auf diese Weise selbst beruhigt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte er erleben m\u00fcssen, da\u00df am Ende gar nicht alles gut ausgegangen ist, da\u00df er vertrieben wird, und mit allen schlimmen Folgen seines b\u00f6sen Handelns leben mu\u00df. Der Verwalter ist nicht so sorglos, wie es zun\u00e4chst scheint. Er ist dar\u00fcber schockiert, was er angerichtet hat und nicht mehr gut machen kann. In der Schrift hei\u00dft es \u201eEin ge\u00e4ngstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.\u201c (Ps. 51,19) Nicht weil es Gottes Wille ist, da\u00df wir uns qu\u00e4len, sondern weil das Dastehen mit leeren H\u00e4nden vor Gott zu einer L\u00f6sung f\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein unruhiges Gewissen ist ein Zeichen daf\u00fcr, da\u00df der Heilige Geist am Werk ist. Der Heilige Geist ist es, der den Menschen seine S\u00fcnden zeigt und zur Reue und zur Bu\u00dfe f\u00fchrt. Wenn wir \u00fcber eine Sache die Vorw\u00fcrfe des Gewissens versp\u00fcren, dann wissen wir, da\u00df der Heilige Geist da ist und uns zur Hilfe kommt. Wir brauchen uns nicht gegen ihn zu wehren und uns mit allerlei Entschuldigungen zu beruhigen, die unser listiges Gewissen geschwind erfunden hat. Statt nach Entschuldigungen sollten wir nach L\u00f6sungen suchen. Nicht zuf\u00e4llig ist die einzige S\u00fcnde, die nicht vergeben werden kann, die S\u00fcnde wider den Heiligen Geist. Wenn sich der Mensch dem Wirken des Heiligen Geistes verschlie\u00dft, dann vermag er weder Bu\u00dfe zu tun noch sein Leben zu \u00e4ndern und die Vergebung zu empfangen. In die allergr\u00f6\u00dfte Not ger\u00e4t die Seele eines Menschen, wenn er B\u00f6ses tut und sich davor nicht mehr f\u00fcrchtet. Dann geht der Mensch zu Grunde, und es gibt keinen, der ihn dabei aufhalten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verwalter sprach bei sich selbst: \u201cWas soll ich tun? Was wird nun mit mir geschehen?\u201c Und der Herr lobt diesen Beamten daf\u00fcr, da\u00df er nicht sorglos weitergelebt, sondern ernsthaft dar\u00fcber nachgedacht hat, wie es nachher weitergehen k\u00f6nnte. Er bereitet sich auf seine Zukunft vor. Das ist klug gehandelt. Auch wir, die wir Verwalter des Reichtums Gottes sind, auf die der Tag der Abrechnung zukommt, sollten uns die gleiche Frage stellen. Nur wenn er daran denkt, was danach kommt, vermag der Mensch das heutige Leben recht zu begreifen. F\u00fcr den unehrlichen Verwalter l\u00f6st sich seine verzweifelte Situation v\u00f6llig \u00fcberraschend. Ohne den ihm zugef\u00fcgten Schaden auch nur mit einem Wort zu erw\u00e4hnen, lobt ihn der Herr. Ja, daf\u00fcr, da\u00df er fremdes Eigentum in seiner Raffgier verschleudert hat, mu\u00df er bestraft werden. Doch erh\u00e4lt er Lob daf\u00fcr, da\u00df er den ihn vom Herrn anvertrauten Besitz verwendet hatte, um sich Freunde zu machen dadurch, da\u00df er deren Situation erleichterte. Vielleicht aus ganz eigenn\u00fctzigen Erw\u00e4gungen, vielleicht auch aus List. Doch schlie\u00dflich hat er den Besitz seines Herrn so verwendet wie es der Herr offensichtlich f\u00fcr richtig gehalten hat \u2013 um Freundschaft zu schaffen und den Menschen das Tragen ihrer Lasten zu erleichtern. Schlie\u00dflich hat er damit auch im Interesse seines Herrn gehandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Schriftstelle entspricht auch einem anderen Gleichnis Jesu \u2013 dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der nicht danach fragte, ob der Verwundete auf dem Wege sein N\u00e4chster sei, sondern der ihn zu seinem N\u00e4chsten machte dadurch, da\u00df er ihm half und ihm sein Leid leichter machte und dadurch sein Leben rettete. Gehe hin und tu desgleichen! Diesem Thema begegnen wir oft in Jesu Lehre. Was ihr getan habt einem der Geringsten, das habt ihr mir getan. Helft einander, unterst\u00fctzt einander, macht den anderen zu eurem N\u00e4chsten. Dann gebraucht ihr den Besitz, den euch der Herr anvertraut hat, recht. Dann werdet ihr im Sinne eures Herrn wirken und werdet in eurer Gottesebenbildlichkeit wachsen, nach der ihr geschaffen seid.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An allen solchen Stellen lehrt Jesus die Menschen das, was zu tun er Mensch geworden ist. Er ist das Ebenbild Gottes, der bereit ist, Verluste zu erleiden, wenn dadurch die Schuld des Menschen getilgt werden kann und die Freundschaft gr\u00f6\u00dfer wird. Jesus mu\u00dfte den allergr\u00f6\u00dften Verlust erleiden. Um die Schuld des Menschen vor Gott zu tilgen, um uns zu Kindern des himmlischen Vaters und zu Seinen Freunden zu machen, verlie\u00df er Seinen g\u00f6ttlichen Status und wurde Mensch. Er nahm die Last der S\u00fcnde der ganzen Menschheit auf sich und l\u00f6ste sie durch Seinen Kreuzestod aus. Also hat Gott die Welt geliebt, da\u00df Er Seinen eingeborenen Sohn gab, auf da\u00df alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3,16) Unser Herr Jesus m\u00f6chte, da\u00df der Glaube, um dessentwillen der Mensch das ewige Leben ererbt, in der Gemeinschaft, in der Vergebung, in gegenseitigem Unterst\u00fctzen und Helfen unter Seinen J\u00fcngern sichtbar wird. \u201eDaran wird jedermann erkennen, da\u00df ihr meine J\u00fcnger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.\u201c (Joh. 13, 35), sagt Er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laufe der Zeit ist die Frage oft gestellt worden \u2013 Wem n\u00fctzt die Kirche? Es hat Theologen gegeben, die versucht haben, das Evangelium der Kirche entgegenzustellen, welche dann sagten, da\u00df die wahre Lehre Jesu nichts mit den Strukturen der Kirche zu tun h\u00e4tte. In Internet-Diskussionen wird die Kirche oft als eine menschliche Erfindung, ja sogar als ein Gesch\u00e4ft bezeichnet. Heute ist es weit verbreitet, da\u00df jeder seine eigenen Beziehungen zu Gott selbst sucht, so da\u00df die Kirche mit ihrer Lehre, ihren Sakramenten und Gottesdiensten von manchem als st\u00f6rend und l\u00e4stig empfunden wird. Doch urteilen wir nicht \u00fcbereilt. Die Kirche wurde von Christus selbst gegr\u00fcndet. Er brauchte sie und sie war Ihm wichtig. Und somit ist sie auch f\u00fcr die Menschen notwendig und wichtig. Bleibt uns nur noch zu begreifen, wie und weshalb. Gott ist f\u00fcr das menschliche Auge unsichtbar und f\u00fcr die Hand unber\u00fchrbar. Einst hatte Er mit Seinem Volk in der Wolke und in der Rauchs\u00e4ule oder durch die Offenbarungen der Propheten geredet. Doch von Ewigkeit an hatte Gott beschlossen, sich der Menschheit, wenn die Zeit erf\u00fcllt war, sichtbar, f\u00fchlbar und verstehbar zu offenbaren \u2013 in Jesus Christus. Gottes vollkommenste Offenbarung war das fleischgewordene Wort, das unter uns wohnte. Sein Himmelreich war wirklich nahe herbeigekommen. Jesus lehrte, half, speiste, heilte Menschen und befreite sie von der Macht b\u00f6ser Geister. Sein Kreuzestod und Seine Auferstehung war das gr\u00f6\u00dfte Werk Gottes seit der Sch\u00f6pfung der Welt. Dort zerbrach Er die Macht des Todes und der H\u00f6lle \u00fcber den Menschen. Der Schlange wurde der Kopf zertreten, obwohl sie ihm in die Ferse stach. Dort erk\u00e4mpfte Christus uns die Vergebung der S\u00fcnde, auf da\u00df niemand, der an Ihn glaubt, verloren ginge. sondern das ewige Leben habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch es kam f\u00fcr Jesus die Zeit der R\u00fcckkehr in den Himmel, woher Er gekommen ist. Wie ging es dann mit Seiner Lehre weiter? Wie ging es mit Seinem Werk weiter? Beachten wir, da\u00df Jesus kein Buch geschrieben hat, damit jeder alles nachlesen k\u00f6nnte, wann und wie er es m\u00f6chte. Er gr\u00fcndete Seine Kirche. Albert Schweitzer hat einmal gesagt, da\u00df die ersten J\u00fcnger auf das Kommen des Reiches Gottes gewartet h\u00e4tten, doch gekommen w\u00e4re nur die Kirche. Dieser hat Er Seine Lehre anvertraut. Er hat ihr den Auftrag gegeben, sie aufzuschreiben und das Neue Testament zu schaffen. Gott schenkte der Kirche den Heiligen Geist, damit sie die Heilige Schrift verst\u00e4nde. Er schenkte es der Kirche, im Laufe der Jahrhunderte auf wichtige Fragen der Zeit aus der Schrift die Antwort zu finden. Er gab der Kirche den Befehl, das Evangelium zu predigen, die Sakramente zu spenden und alle V\u00f6lker zu J\u00fcngern zu machen, die Kranken zu heilen, die Traurigen zu tr\u00f6sten und den Elenden zu helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcrzer ausgedr\u00fcckt: Christus vertraute es der Kirche an, da\u00df sie Sein Werk auf Erden fortsetzen m\u00f6chte. Noch mehr: Er identifiziert sich mit der Kirche. Als Saul die Gemeinde verfolgte, fragte ihn Jesus: \u201eSaul, Saul, was verfolgst du \u2013 mich?\u201c Im Neuen Testament wird die Kirche Leib Christi genannt, also ist sie die Fortsetzung des Wirkens des Fleisch gewordenen Wortes. Und wenn das so ist, kann dann die Kirche wirklich nur von so geringem Wert sein? Kann sie dann zum Evangelium und zum Glauben im Gegensatz stehen? Nein. Ganz im Gegenteil. Allein k\u00f6nnen wir Christus au\u00dferhalb der Kirche als dem Leibe Christi nicht vollkommen begreifen. \u201eIn Christus sein\u201c ist von \u201ein der Kirche sein\u201c nicht zu trennen. Er selbst hat es gewollt. So wichtig war f\u00fcr Ihn die Kirche. Was bedeutet das f\u00fcr uns?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat uns Christus zu Verwaltern Seines Reichtums ernannt \u2013 zu Verwaltern der Kirche. Er hat es uns anvertraut, Haushalter Seiner Geheimnisse zu sein. Der Apostel Petrus schreibt: \u201eIhr aber seid das auserw\u00e4hlte Geschlecht, die k\u00f6nigliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, da\u00df ihr verk\u00fcndigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht\u201c (1. Petrus 2,9). Als berufene Haushalter ist es f\u00fcr uns wichtig, zu beachten, was der Herr Jesus bei der Arbeit eines Haushalters lobenswert findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erstens, da\u00df ein Haushalter klug handelt und auf den Tag der Rechenschaft vorbereitet ist. Erinnern wir uns an ein anderes Gleichnis Jesu, in dem auch vom Tag der Rechenschaft die Rede ist. Ein Mensch vertraut seinen Besitz seinen Dienern an und verreist. Am Tage der Abrechnung kommt der Diener, de seinen Anteil anscheinend am sichersten aufbewahrt hat dadurch, da\u00df er ihn in der Erde vergrub. Daf\u00fcr wird er nicht gelobt sondern ger\u00fcgt. Stattdessen ernten die Knechte Lob, die das anvertraute Geld haben arbeiten lassen und damit f\u00fcnffachen oder zehnfachen Gewinn machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Herr hat seiner Kirche viele Reicht\u00fcmer geschenkt \u2013 sein Wort und Sakrament, die Gaben des Heiligen Geistes und das Gebet der Gl\u00e4ubigen vieler Generationen und die reichen Erfahrungen des geistlichen Lebens. Er hat uns das nicht anvertraut, damit wir es in der Erde vergraben, sondern es richtig einsetzten und vermehrten und es Zinsen einbr\u00e4chte. Zuerst sollte jeder, der glaubt, daf\u00fcr sorgen, da\u00df die von Christus geschenkte Erl\u00f6sung und der Heilige Geist in ihm selbst Fr\u00fcchte br\u00e4chte. Die Fr\u00fcchte des Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, G\u00fcte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.\u201c (Galater 5,22) \u201eWenn ihr durch den Geist die Taten des Fleisches t\u00f6tet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder,\u201c schreibt der Apostel Paulus (R\u00f6mer 8, 13-14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist eine Aufforderung zum ernsthaften, inneren, geistlichen Leben. Zu einem Leben mit dem Wort Gottes, den Sakramenten, mit dem Gottesdienst und dem pers\u00f6nlichen Gebet, dem Studium und der Betrachtung der Heiligen Schrift \u2013 nicht nur am Sonntag, sondern auch im Alltag, immer. Christus hat uns daf\u00fcr das Leben wiedergegeben. Wie viel in unserem Leben geben wir dem Raum? Christus hat die Rechtfertigung und die Vergebung der S\u00fcnde allen geschenkt, die an Ihn glauben und Ihm nachfolgen. Das predigen wir in unseren Gemeinden sehr oft. Doch sind das Geschenk des Heils und das Sakrament der Taufe auch Aufrufe zur Heiligung ein ganzes Leben lang. Heiligung hei\u00dft alles, was die Seele dem Heiligen Geist \u00f6ffnet, da\u00df er dort die innere Wiedergeburt und Erneuerung bewirkte. Wenn wir das suchen und tun, dann sind wir ehrliche Haushalter der anvertrauten Gaben, die Frucht bringen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur durch die Gaben des Geistes werden die Glieder der Kirche zu glaubw\u00fcrdigen Zeugen Christi. Wir haben noch die Worte Christi im Ohr, da\u00df die Kinder der Welt unter ihresgleichen kl\u00fcger sind als die Kinder des Lichts. Sie erkennen schnell, wo jemand mit dem Mund Worte ausspricht, die in seinem Herzen und in seinem Geist nicht lebendig sind. Die Mission und das Zeugnis geht von unserem eigenen Hineinwachsen in das Leben des Geistes aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christus hat es gewollt, da\u00df Seine Kirche der Ort in der Welt sei, in dem der Mensch seine Schuld getilgt sieht und sich von seinen Lasten befreit wiederfindet. Dann kann auch er das Lob des Herrn erhoffen. Nat\u00fcrlich kann die Kirche noch viel anderes machen \u2013 sich in die Kultur und die Politik mit einbeziehen, sich f\u00fcr den Umweltschutz mit verantwortlich f\u00fchlen, f\u00fcr den Frieden in der Welt beten: Doch wenn wir das tun, dann d\u00fcrfen wir die Hauptsache nicht beiseite schieben: Das Wort Gottes und die Sakramente. Jede andere gesellschaftliche Aktivit\u00e4t kann auch der Staat oder eine andere Organisation leisten, aber kein anderer kann den Menschen das Evangelium nahe bringen als nur die Kirche. Wenn die Kirche dieses beiseite schiebt, dann ist sie mit dem unn\u00fctzen Knecht zu vergleichen, der das ihm anvertraute Gut, die anvertraute Zeit und seine Vollmachten nur verschwendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Haushalter sollte sich stets dessen bewu\u00dft sein, da\u00df nicht er der Herr des ihm anvertrauten Gutes ist, sondern nur der Verwalter. Die heutige postmoderne Gesellschaft m\u00f6chte und erwartet von der Kirche, da\u00df diese sich ihr anpa\u00dft. Da\u00df die Kirche best\u00e4tigte,. da\u00df Recht auf seine eigene Wahrheit, seine eigene Sittlichkeit h\u00e4tte und das ein jeder das Recht auf Gottes Segen h\u00e4tte, ganz gleich, was er tut und unternimmt. Das kann der Kirche verlockend erscheinen, denn daf\u00fcr erntet sie den Beifall der Welt. Dennoch ist die Kirche nur Verwalterin und nicht der Herr. Das Wort, die Wahrheit und die Lehre geh\u00f6ren Gott und nicht der Kirche. Die Kirche hat nicht die Freiheit, etwas anderes zu lehren als nur das Wort Gottes \u2013 Gesetz und Evangelium. Das mu\u00df sie zu jeder Zeit in einer Sprache tun, die der Mensch versteht, und dennoch ist es stets die gleiche Botschaft. Wenn die Kirche das tut, dann erntet sie oft die R\u00fcgen der Welt. Dennoch darf sie nicht das Lob der Welt anstreben, sondern nur das Lob ihres Herren. Der Haushalter handelt klug, wenn er sich auf den Tag der Abrechnung einstellt. Gottes Wort sagt: Seid getreu bis an das Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und schlie\u00dflich noch das: Der Herr lobt Seinen Verwalter daf\u00fcr, da\u00df er sich Freunde gemacht hatte. Auch das ist unser Auftrag \u2013 Freunde machen, Freundschaft mehren. \u00dcberall wo wir sind \u2013 in unserer Familie, an unserer Arbeitsstelle, in unserer Stadt sollten Christen sich und ihrem Herrn Freunde machen. Einmal kam Jesus mit Seinen J\u00fcngern in ein Dorf, in dem sich die Einwohner ihnen gegen\u00fcber nicht allzu freundlich verhielten. Die J\u00fcnger waren entr\u00fcstet. Sie wollten sogar Feuer vom Himmel herabrufen, damit es das Dorf verbrannte. Aber Jesus sagte: \u201eDenkt daran, wes Geistes Kinder ihr seid!\u201c Das ist auch eine Erinnerung an uns, die wir unter den Kindern dieser Welt leben \u2013 daran zu denken, wes Geistes Kinder wir sind und f\u00fcr die Fr\u00fcchte des Geistes in unserem Leben zu sorgen. Dadurch machen wir uns und unserem Herrn aus Nichtfreunden Freunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute an diesem Kirchentag m\u00f6chte ich zum Abschlu\u00df besonders die Gemeinschaft in der Kirche betonen Die wird unser Herr besonders loben. Als Haushalter m\u00fcssen wir die Gemeinschaft in der Kirche und in unserer Gemeinde, unserer Propstei, mit unseren Nachbargemeinden, zwischen allen unseren Gemeinden ganz besonders schaffen und f\u00f6rdern. An der Gemeinschaft in unserer Kirche m\u00fcssen wir noch sehr arbeiten und f\u00fcr sie beten. Auch f\u00fcr die Gemeinschaft unter den christlichen Kirchen in Lettland und in der ganzen Welt. Erinnern wir uns, wof\u00fcr der Herr Seinen Verwalter gelobt hat \u2013 da\u00df er sich Freunde machte. Auch wenn das mit der Hilfe des ungerechten Mammons geschah, doch er hat Freundschaft verbreitet. Gemeinschaft in Christus mu\u00df gepflegt werden. Wir m\u00fcssen unseren Seelen Liebe und den Wunsch nach der Einheit der Kirche zutragen und darum beten. F\u00fcr sie m\u00fcssen wir immer etwas tun. Das ist nicht unser Wunsch, sondern die Pflicht des Haushalters. Gott segne uns, da\u00df unser Kirchentag zur Tradition wird, die die Einheit und die Gemeinschaft unserer Kirche st\u00e4rkt. Der Kirchentag m\u00f6ge auch dazu beitragen, da\u00df wir die Sch\u00f6nheit unserer Kirche entdecken und sie immer mehr lieben. Amen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aus: Sv\u0113tdienas R\u012bts, Zeitung der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, 5.8.06<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der unehrliche Verwalter (Luk. 16,1-9) Predigt auf dem Kirchentag in Al\u016bksne, Lettland, Juli 2006 Predigttext: Er sprach aber auch zu den J\u00fcngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er lie\u00df ihn rufen und sprach zu ihm: Was h\u00f6re ich da von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[12],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1444"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1444"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3012,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1444\/revisions\/3012"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}