{"id":14431,"date":"2017-03-16T16:36:42","date_gmt":"2017-03-16T15:36:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14431"},"modified":"2017-03-16T16:36:42","modified_gmt":"2017-03-16T15:36:42","slug":"streit-um-die-auferstehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14431","title":{"rendered":"Streit um die Auferstehung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Auszug aus einem Streitgespr\u00e4ch zwischen Prof. Dr. Gerd L\u00fcdemann, G\u00f6ttingen, und Pastor Dr. Joachim Cochlovius, Walsrode. Das Gespr\u00e4ch moderierte Ralph Ludwig. Ostermontag, 31.03.1997, NDR (H\u00f6rfunk).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ludwig:<\/strong> Der Heidelberger Bibelwissenschaftler Klaus Berger hat gesagt: \u201eAls Historiker kann man sagen, wenn man ganz vorsichtig ist: Es besteht kein Zweifel, dass Petrus und die Frauen das leere Grab gesehen haben und dass die J\u00fcnger Jesus nach seinem Tod gesehen haben. Damit ist nichts gesagt \u00fcber die Tats\u00e4chlichkeit, als ob man beweisen k\u00f6nnte, dass das Grab leer war oder dass der Auferstandene erschienen ist.\u201c Stimmen Sie dem zu?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Die \u00dcberzeugungskraft dieser Aussage ist mit der Lupe zu suchen. Ich will das hier einmal frank und frei sagen: Wenn Personen da sind, die f\u00fcr sich beanspruchen Zeugen zu sein, hat ein Historiker nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, von der Stimmigkeit ihrer Aussagen auszugehen bis zum Beweis des Gegenteils.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ludwig:<\/strong> Herr L\u00fcdemann, bis zum Beweis des Gegenteils?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Der Beweis ist auf der Grundlage des vorhandenen Quellenmaterials zu entscheiden. Und hier ist im Falle der Feststellung des Kollegen Berger, dass Petrus und die Frauen das leere Grab gesehen haben, zu sagen: Nein, sie haben es mit Sicherheit nicht gesehen. Das andere, dass die J\u00fcnger den Auferstandenen gesehen haben: Nat\u00fcrlich, sie haben ihn gesehen, denn die subjektive \u00dcberzeugung, ihn gesehen zu haben, wird man ihnen nicht bestreiten, es sei denn man sagt, sie h\u00e4tten Betrug ge\u00fcbt und das alles nur erfunden. Das schlie\u00dfe ich aber aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Ich bin hier anderer Ansicht. Ich gehe davon aus, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Zeugen \u2013 besonders der Evangelisten \u2013 doch die Grundtatsachen ganz zuverl\u00e4ssig berichtet sind. Dass also hier ein leeres Grab gefunden wurde, dass Engel gesehen worden sind und dass auch der Auferstandene, Jesus, da war und zu den Frauen gesprochen hat, vermutlich sogar zweimal, und dass eine allgemeine Aufregung und Hektik sich der Leute bem\u00e4chtigt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Aber damit vergessen Sie die Kritik, Herr Cochlovius. Wer hat denn hier Zeugnis abgelegt? Wir haben \u00fcberhaupt kein Zeugnis des Petrus und der Frauen, sondern wir haben Berichte dar\u00fcber, was ihnen passiert ist. Das ist doch ein gro\u00dfer Unterschied. Nach dem \u00e4ltesten Evangelium, nach Markus, ist Petrus gar nicht zum leeren Grab gegangen, da soll den J\u00fcngern erst eine bestimmte Botschaft mitgeteilt werden, erst in den Quellen, die drei\u00dfig oder vierzig Jahre nach Markus geschrieben worden sind, kommt Petrus zum Grab. Da kann man doch beim besten Willen nicht sagen, dass eine Quelle aus dem Jahr 100 \u00fcber Ereignisse siebzig Jahre vorher informiert ist. Das sind ganz grobe Kl\u00f6tze, die Sie uns hier glauben machen wollen. Dar\u00fcber hat eine 250j\u00e4hrige Forschung auch mehrheitlich ein klares Votum abgegeben, dass Petrus das leere Grab nicht gesehen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Da m\u00f6chte ich einen entschiedenen Widerspruch anmelden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ludwig:<\/strong> Geht es denn \u00fcberhaupt beim Glauben an die Auferstehung um die Frage, ob das Grab leer war oder nicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Zun\u00e4chst einmal geht es darum: Was ist damals passiert? Herr Cochlovius und viele andere aus seiner Richtung sagen, das Grab war leer. Und dann frage ich gleich: Steht das in der Bibel? Und ich frage dann gleich: Rechnen Sie damit, dass ein Leichnam wiederbelebt wurde, weil das Heraustreten aus dem leeren Grab zur Voraussetzung hat, dass ein Leichnam wiederbelebt wurde und dann verkl\u00e4rt wurde. So steht es nun einmal in der Bibel, und so ist es dann in der Tradition der Kirche jahrhundertelang tradiert worden. Im Glaubensbekenntnis: \u201eAuferstehung des Fleisches\u201c usw. Und da muss ich \u2013 da ist Herr Cochlovius wohl mit mir einig \u2013 sagen, die ganze Kirche hat bis vor kurzem die leiblich-fleischliche Auferstehung bekannt. Und ich sage dagegen nur: Historisch ist das ein Humbug. Das ist so nicht gewesen. Jesu Leichnam ist verwest.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Das sagen Sie, als seien Sie mit dem Fotoapparat dabei gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Nein! Wenn das Grab voll war, wenn Jesus nicht rausgekommen ist, dann nehme ich an, dass das, was inzwischen mehr als 20 Milliarden Menschen geschehen ist, die verwest sind, Jesus geschehen ist. Damit habe ich noch nichts dazu gesagt, ob der Glaube heute eine Relevanz haben kann, wenn er anders formuliert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Also, zum Thema \u201eleeres Grab\u201c: Das leere Grab als solches ist immer zweideutig, mehrdeutbar. Was aber in den Auferstehungsberichten eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt, ist ja die Tatsache, dass der eigentliche Glaubensakt erst dann bewirkt wird, wenn der Auferstandene selbst mit den Menschen redet. Das ist f\u00fcr mich eine sehr deutliche und wichtige Beobachtung. Dort, wo der Auferstandene zu den J\u00fcngern eintritt oder wo er dem Thomas begegnet. Das hat meines Erachtens beispielhafte Bedeutung bis heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Sie weichen historisch aus. Was hei\u00dft \u201eder Auferstandene\u201c? Wer ist der Auferstandene? Kann ich ihn anfassen, kann ich ihn sehen? Ich w\u00fcrde auch sagen: Die Rede von \u201edem Auferstandenen\u201c setzt ein Weltbild voraus, was heute nur noch als Hokuspokus bezeichnet werden kann, wenn man das heute ungebrochen \u00fcbernimmt. Denn in der \u00e4ltesten Tradition handelt es sich eindeutig um Visionen, unseren Tagtr\u00e4umen vergleichbar, und daraus ist dann erst \u2013 sekund\u00e4r \u2013 als man n\u00e4mlich sp\u00e4ter dar\u00fcber nachdachte, welche K\u00f6rperlichkeit diese Person hat, die Aussage geworden, Jesus isst und trinkt, das k\u00f6nnen wir doch nicht f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen. So dass ich hier Herrn Cochlovius eine v\u00f6llig unklare, nebul\u00f6se Begrifflichkeit vorwerfen m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Vielen Dank, Herr L\u00fcdemann, f\u00fcr die deutlichen Worte. Dann muss ich sagen, dass ich seit \u00fcber zwanzig Jahren mit einem Hokuspokus lebe. Seit dieser Zeit bin ich innerlich ganz und gar durchdrungen davon, dass Christus auferstanden ist und dass er durch den Heiligen Geist Wohnung nimmt in all denen, die dem Evangelium vertrauen, auch in mir. Also, ich glaube, wenn wir hier von Hokuspokus reden, nehmen wir ein St\u00fcck der Gespr\u00e4chsbr\u00fccke, an der mir sehr viel liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht nicht nur um Interpretationen, es geht letztlich um den Glauben, Herr L\u00fcdemann, und wenn Sie sich als Bibeltheologe nach wie vor verstehen m\u00f6chten, dann frage ich Sie: Was sagen Sie den Menschen in einer Zeit, die nun wirklich in einem unendlichen Pluralismus versinkt, wo viele ein ausrichtendes und hilfreiches Wort eines Christen, auch eines Theologieprofessors, suchen, was sagen Sie den Menschen, die nach dem christlichen Glauben fragen, wenn Sie ihnen gleichzeitig die Grundlage, die leibliche Auferstehung, die Himmelfahrt Jesu und auch seine Existenz im Heiligen Geist, in jedem der glaubt \u2013 wenn Sie diese Grundlage bestreiten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Zun\u00e4chst einmal begr\u00fc\u00dfe ich den Pluralismus. Ich denke mit Entsetzen an die Zeit, wo andere unterdr\u00fcckt wurden. Zweitens: Wer ist heute ein Christ? Was glauben die Christen wirklich. Was glauben unsere Bisch\u00f6fe wirklich? Ich halte es f\u00fcr \u00e4u\u00dferst schwierig, darauf eine Antwort zu bekommen, und wie Sie wissen, diskutiert keiner von den Bisch\u00f6fen mit mir. Ich halte also die Voraussetzung, die Sie machen, f\u00fcr hinterfragbar. Denn die Mehrheit der heutigen Kirchenmitglieder, die \u2013 wie gesagt \u2013 die Volkskirche bezahlen, glaubt das gar nicht mehr, was da steht. Ich w\u00fcrde sagen, f\u00fcnf bis acht Prozent der deutschen Bev\u00f6lkerung, die zur Kirche geh\u00f6ren, h\u00e4ngen dem traditionellen Glauben an, die anderen sind voller Zweifel, und alle anderen leiden in gewisser Weise darunter, weil sie sich von den Theologen im Stich gelassen f\u00fchlen. Ich sch\u00e4tze die heutige Situation eben ganz anders ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ludwig:<\/strong> Eigentlich war die Rede von der kirchlichen Auferstehung und vom leeren Grab fr\u00fcher eine Hilfe zum Glauben, heute scheint beides f\u00fcr viele eine Art Hindernis, eine H\u00fcrde zu sein, die sie nehmen m\u00fcssen, um zu glauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Herr L\u00fcdemann hat die H\u00fcrde schon abgebaut, f\u00fcr ihn gibt es gar keine H\u00fcrde mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Nein, nein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Doch! Sie haben das so ausgedr\u00fcckt. Dass Sie eine Antwort suchen, die auf m\u00f6glichst breite Zustimmung sto\u00dfen kann, weil sie m\u00f6glichst viel Denkschwierigkeiten wegnimmt. Also einen, wie soll ich sagen, Marktglauben wollen, der f\u00fcr jeden immer und \u00fcberall sofort und unmittelbar einsichtig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Sie haben mich falsch verstanden. Ich habe gesagt, ich m\u00f6chte eine Erkl\u00e4rung des Entstehens des fr\u00fchchristlichen Osterglaubens bieten, die m\u00f6glichst wenige Gegenargumente gegen sich hat. Ich m\u00f6chte zun\u00e4chst einmal rational die Entstehung dieses geheimnisvollen Glaubens erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Aber das kommt doch darauf hinaus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Nein! Und dann frage ich: Was hat diesen Glauben \u00fcberhaupt veranlasst? Ich sage: Am Anfang stehen die Visionen, und dann f\u00fchr ich die Visionen auf den Eindruck zur\u00fcck, den Jesus auf seine J\u00fcnger gemacht hat. Das f\u00fchrt dann zu einem ganz anderen Glauben an Jesus, an den historischen Jesus, als es traditionell der Fall ist. Mit anderen Worten: Ich ziehe aus meinen historischen Rekonstruktionen die Konsequenzen, um Zeitgenossen, die sich ja nicht f\u00fcr dumm verkaufen lassen \u2013 ich habe manchmal den Eindruck, dass Kirchenfunktion\u00e4re einen f\u00fcr dumm verkaufen, wenn sie solche Thesen in die Welt setzen von der Jungfrauengeburt, von der leiblichen Auferstehung usw. \u2013 um diesen Menschen, die sich immer noch innerhalb der christlichen Tradition im weitesten Sinne bewegen und nach Antworten such, das Glauben einfacher zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Also genau dasselbe Problem kann man ganz anders ansehen. Ich denke, dass wir in der Diagnose unserer Christlichkeit oder kaum noch vorhandenen Christlichkeit in unserem Land und Volk weitgehend einig sind. Nur: Sie ziehen darauf die entgegengesetzten Schl\u00fcsse. Ich bin nach wie vor davon \u00fcberzeugt, und meine eigene Biografie ist f\u00fcr mich das beste Beispiel, dass wir auch einem nachaufkl\u00e4rerischen Menschen durchaus das Glaubensbekenntnis bezeugen k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Die Jungfrauengeburt auch?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> \u2026einschlie\u00dflich der Jungfrauengeburt!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Die echte Jungfrauengeburt? So richtig Jungfrauengeburt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Aber nat\u00fcrlich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Das ist Aberglaube!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Ja, das ist Ihre Definition. Erst haben Sie Hokuspokus gesagt, jetzt sagen Sie Aberglaube \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ludwig:<\/strong> Ich unterbreche an dieser Stelle. Mein Interesse ist doch: Wie kann man sich die Auferstehung im Glauben vorstellen \u2013 neben der Frage: Was ist denn damals geschehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Da kann ich eine ganz einfache Antwort geben: R\u00f6mer 4, Vers 25: \u201eChristus dahingegen f\u00fcr unsere S\u00fcnden, auferweckt f\u00fcr unsere Rechtfertigung\u201c. Damit ist alles inbegriffen. Er ist nicht nur f\u00fcr uns gestorben, er ist auch f\u00fcr uns auferstanden, damit wir die Gerechtigkeit Gottes empfangen. Was ist das? Es ist das Heil Gottes, damit wir geheilte Menschen werden f\u00fcr Zeit und Ewigkeit. Und das vermag nur der Auferstanden durch den Heiligen Geist. Das ist das komplette Zeugnis des Neuen Testaments.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Ein Wort von ihren Darlegungen finde ich gut: Heil. Heil hat mit Heilen zu tun. Alles andere, also: \u201eF\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben\u201c stammt aus vergangenen Denkvoraussetzungen. \u00dcberlegen Sie sich, was Sie da sagen. Christus ist f\u00fcr die S\u00fcnden gestorben \u2013 musste er sterben? Brauchte Gott das Opfer seines Sohnes, damit er uns die S\u00fcnden vergibt? Kann er uns nicht so die S\u00fcnden vergeben? Ich halte da das Gottesbild, das dahintersteht, f\u00fcr barbarisch und v\u00f6llig unzeitgem\u00e4\u00df. Alle die Bibelstellen, die Sie zitieren, sind f\u00fcr mich Vergangenheit, eine ehrw\u00fcrdige Vergangenheit! Ich m\u00f6chte sagen, was ich selbst unter Auferstehung verstehe. Auferstehung hei\u00dft f\u00fcr mich stehen k\u00f6nnen, einen Grund unter die F\u00fc\u00dfe bekommen k\u00f6nnen und damit mit dem Grund meines ganzen Lebens zu tun zu haben. Aufrecht sein k\u00f6nnen. Den Inhalt dessen, was ich sage, finde ich ansatzweise im Johannes-Evangelium, wo schon gesagt wird: Wer an Christus glaubt, ist schon heute vom Tod ins Leben gegangen. Da wird schon gesagt: Hier und heute entscheidet sich das Heil, hier und heute k\u00f6nnen wir stehen. Und ich w\u00fcrde es auch noch dahin zuspitzen k\u00f6nnen: Auferstanden sein hei\u00dft \u201eich\u201c sagen k\u00f6nnen. Das ist ein ganz anderes Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Ja, in der Tat, das ist ein anderes Verst\u00e4ndnis von Auferstehung, und es lohnt sich, dar\u00fcber nachzudenken, Herr L\u00fcdemann. Aber \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Vielen Dank, Sie sind gener\u00f6s \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> \u2026aber Sie fahren nachher mit dem Zug nach Hause. Wenn Sie ein paar Minuten haben, dann schauen Sie sich mal einen Kiosk an und die dort ausgelegte Literatur. Ich hab\u2019s neulich getan und war wieder \u00fcberrascht. Fast die H\u00e4lfte der Taschenb\u00fccher befasst sich mit Bewusstseinserweiterungsstrategien, die im Grunde genau das beinhalten, was Sie jetzt als Extrakt des christlichen Auferstehungsglaubens gedeutet haben, n\u00e4mlich: Stabilisierung des Menschen, aufstehen k\u00f6nnen, feststehen k\u00f6nnen \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Was haben Sie dagegen? Das ist Heilung!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cochlovius:<\/strong> Ich habe dagegen \u00fcberhaupt nichts! Aber dazu brauchen Sie keinen christlichen Glauben! Das kriegen Sie an jeder Ecke f\u00fcr 12,80 DM geliefert. Wissen Sie, also daf\u00fcr den christlichen Glauben in Anspruch zu nehmen, das ist so ein Minimalprogramm. Ich glaube, da holen Sie keine Katze hinter dem Ofen hervor!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L\u00fcdemann:<\/strong> Aber wenn Sie das nicht von innen kennen, diese Studien und diese Gruppen, dann d\u00fcrfen Sie dar\u00fcber nicht urteilen. Ich selbst habe vier Jahre lang intensiv damit gearbeitet. Man sollte nicht so absch\u00e4tzig dar\u00fcber reden. Aber so denken eben die Zeitgenossen. Daran muss sich die Kirche orientieren, auch an den Interessen der Leute, und dann kommen vielleicht mehr in die Kirche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: NDR (H\u00f6rfunk), 31.03.1997<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus einem Streitgespr\u00e4ch zwischen Prof. Dr. Gerd L\u00fcdemann, G\u00f6ttingen, und Pastor Dr. Joachim Cochlovius, Walsrode. Das Gespr\u00e4ch moderierte Ralph Ludwig. Ostermontag, 31.03.1997, NDR (H\u00f6rfunk). 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