{"id":14415,"date":"2017-03-09T16:22:32","date_gmt":"2017-03-09T15:22:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14415"},"modified":"2017-03-09T16:22:32","modified_gmt":"2017-03-09T15:22:32","slug":"predigt-ueber-mt-823ff-fuerchte-dich-nicht-jesus-ist-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14415","title":{"rendered":"Predigt \u00fcber Mt 8,23ff: &#8222;F\u00fcrchte dich nicht, Jesus ist da!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie eine dunkle drohende Decke liegt es auf unserm Land, auf Europa. Ein Gespenst geht um. Das Gespenst hat einen Namen: Angst. Angst vor Krieg und Terror, Selbstmordattent\u00e4ter lassen uns unsicher werden, wenn wir durch unsere D\u00f6rfer und St\u00e4dte gehen. Angst vor \u00dcberfremdung und Verlust unserer Kultur. Angst, dass Europa auseinanderbricht. Wir k\u00f6nnten diese Liste noch weiterf\u00fchren. Fernsehen, Zeitung und Internet bringen uns diese Schrecken Tag f\u00fcr Tag in Erinnerung. Angst hat uns im Griff. Und sie hat viele Gesichter.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in unserm pers\u00f6nlichen Leben werden wir t\u00e4glich mit der Angst konfrontiert. Das m\u00fcssen nicht immer die gro\u00dfen weltersch\u00fctternden Dinge sein, die uns Angst machen. Einen Termin zu vers\u00e4umen, den Zug zu verpassen, zu sp\u00e4t zu einer Verabredung zu kommen: Angst, einen Aufzug zu betreten. Angst vor einer Menschenansammlung. Nur um einmal einige kleine Angstmacher zu nennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sind die gr\u00f6\u00dferen \u00c4ngste: Angst vor dem Alter, vor der Einsamkeit und Hilflosigkeit. Angst, arbeitslos zu werden. Angst vor der Altersarmut und dem Verlust des Ersparten. Wenn wir zum Arzt gehen, ist sie da, \u201ewas wird er sagen\u201c? Angst vor Krankheit, Sterben und Tod. Wir k\u00f6nnten diese Liste auch hier weiterf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angst hat viele Gesichter. Jeder hat seine ganz pers\u00f6nliche Angst. Auch wie wir mit unserer Angst umgehen, ist ganz verschieden. Aber davon sprechen wir nicht gern. Manchmal sch\u00e4men wir uns. Dabei ist Angst etwas ganz Normales, sie geh\u00f6rt zu unserem Leben. Angst h\u00e4ngt mit \u201eEnge\u201c zusammen, mit \u201eBedr\u00fcckung\u201c. Wir sagen dann \u201ees schn\u00fcrt uns die Kehle zu\u201c. Angst warnt uns aber auch vor Gefahren. Angst hat etwas mit unserer Verletzlichkeit zu tun. W\u00e4ren wir unverletzlich, h\u00e4tte die Angst keine Angriffsfl\u00e4che in uns. Angst geh\u00f6rt also unserem Menschsein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage aber ist: Wie gehen wir mit unserer Angst um? Jeder hat hier seine eigenen Tricks und Hilfsmittel. Die einen st\u00fcrzen sich in die Arbeit, nur nicht nachdenken \u00fcber die angstmachenden Dinge. Ob wir darum so viel arbeiten? Die anderen feiern Feste, um der Angst zu entgehen. Sie bet\u00e4uben uns und dr\u00f6hnen uns die Ohren zu. Wieviel Angst mag hinter all den Parties, die gefeiert werden, stecken? Schaut man sich die Gesichter der Menschen auf solchen Veranstaltungen an, hat mich nicht unbedingt den Eindruck, dass sie fr\u00f6hlich sind. Beim Untergang der Titanic spielte die Bordkapelle bis zum bitteren Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spricht es nicht B\u00e4nde, wenn die Weltgesundheitsorganisation schreibt, dass etwa vier Prozent der Weltbev\u00f6lkerung depressiv ist? Noch nie wurden so viele Antidepressiva geschluckt wie in unserer Zeit. Man spricht schon von der Volkskrankheit \u201eDepression\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aber wie ist das nun mit uns Christen? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6ren wir nicht oft: Christen haben keine Angst. Wenn du bei Jesus bist, hast du keine Angst. Stimmt das? Aber hat uns Jesus ein Leben ohne Schwierigkeiten versprochen? Er verspricht keine Luxuskreuzfahrt. Hat er nicht gesagt: in der Welt habt ihr Angst? Er f\u00fcgt aber hinzu: Ich habe die Welt \u00fcberwunden. Und wie war das in Gethsemane: \u201eGehe dieser Kelch von mir\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch als Christen bleiben wir an unser Menschsein gebunden. Auch wir haben Angst! H\u00f6ren wir dazu einen Bericht aus der Bibel: Evangelium nach Matth\u00e4us, Kapitel 8 ab Vers 23<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Und er stieg in das Boot und seine J\u00fcnger folgten ihm. Und siehe, da war ein gro\u00dfes Beben im Meer, sodass das Boot von den Wellen bedeckt wurde. Er aber schlief. Und sie traten zu ihm, weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilf, wir verderben! Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingl\u00e4ubigen, warum seid ihr so furchtsam?, und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine gro\u00dfe Stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das f\u00fcr ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind? <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, ist denn das m\u00f6glich? Da sind die J\u00fcnger mit ihrem Meister Jesus unterwegs in ihrem Boot. Jesus ist bei ihnen im Boot. Und dann dieser Sturm mit seinen Wellen. Angst \u00fcberf\u00e4llt diese erfahrenen Fischer. Sie k\u00e4mpfen um ihr \u00dcberleben. Und Jesus? Er ist im Boot, aber er schl\u00e4ft. Das Boot droht zu kentern und Jesus \u2013 wo ist er? Er schl\u00e4ft im Heck. Sieht er ihre Not nicht? Dann greift er ein. Ein Wort, und der Sturm schweigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kennen wir das nicht auch? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da droht unser Lebensschifflein zu kentern und weit und breit ist nichts von Jesus zu sehen. Keine Hilfe! Ich habe doch so gebetet! Geschrien um Hilfe. Aber er war nicht da. H\u00f6ren wir noch einmal genau hin, was Jesus zu seinen J\u00fcngern sagt: \u201eIhr Kleingl\u00e4ubigen, habt ihr kein Vertrauen\u201c. Da liegt unser Problem. Wie ist das mit unserem Vertrauen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht genau hinh\u00f6ren. Die Angst hat uns taub und blind gemacht. Oder wir sind so auf unsere Vorstellung von Hilfe fixiert, dass wir nichts anderes h\u00f6ren oder sehen. Pr\u00fcfen wir uns einmal, wenn wir nach Hilfe rufen. Wie soll die Hilfe aussehen? Wir haben ganz bestimmte Vorstellungen wie Gott helfen muss. Schreiben wir ihm das nicht oft vor, wie die Hilfe auszusehen hat, wie er helfen muss?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sind wir darum oft nicht blind und taub f\u00fcr seine Hilfe? Wie gehen wir mit unseren \u00c4ngsten um? Was sagen wir einem Menschen, der in seiner Angst und Not zu uns kommt? Kann es ihm helfen, wenn ich ihm ein Bibelwort sage? Ich habe keine fertige Antwort. Ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten. Wenn ein Mensch wirklich ganz tief in seiner Angst steckt, dann werden ihm auch gut gemeinte Bibelworte nicht helfen. Er kann oft gar nicht mehr h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Rat: Nehmen Sie diesen Menschen in die Arme und beten Sie, still oder laut. Erwarten Sie nicht, dass er mitbetet, das kann er in diesem Augenblick nicht. Lassen Sie ihn Ihre N\u00e4he sp\u00fcren. Sie d\u00fcrfen in diesem Augenblick f\u00fcr ihn Jesus sein. An ihnen darf er sp\u00fcren: Ich bin doch nicht allein, nicht verlassen. So kann sein Lebensschifflein in ruhiges Fahrwasser kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will es an drei pers\u00f6nlichen Erfahrungen deutlich machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich besuchte einen alten Jugendfreund im Krankenhaus. Sehr schnell kam die Frage \u201eWarum\u201c auf. Wir haben damals unsere Angst im Gebet vor Gott gebracht. Haben ihm gesagt, dass wir das alles nicht verstehen. Wir haben unsere Hilflosigkeit und Angst ihm hingelegt. Als dann der Chefarzt ihn fragte, ob die Chemotherapie fortgesetzt werden solle, war seine Antwort \u201eNein\u201c. Die Angst war besiegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben ein befreundetes Ehepaar. Der Mann war sehr krank. Sie haben viel gebetet, aber Gott hat geschwiegen; keine Hilfe; keine Heilung. Als es zum Sterben kam, sangen beide \u201eJesu geh voran auf der Lebensbahn\u201c, so starb er in den Armen seiner Frau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe \u00fcber Jahre eine junge Frau, eine fr\u00fchere Konfirmandin, regelm\u00e4\u00dfig in ihrer Krankheit besucht. Bei einem der letzten Besuche sagte sie \u201eSind Sie bei mir, wenn ich sterbe\u201c? Ich versprach es, wusste aber nicht, wie das m\u00f6glich sein sollte. Wir sa\u00dfen beim Fr\u00fchst\u00fcck als das Krankenhaus anrief und sagte \u201emit Frau X geht es zu Ende\u201c. Ich fuhr sofort hin. Als ich in ihr Zimmer kam, sah sie mich an, atmete schwer. Ich ergriff ihre Hand, dr\u00fcckte sie und betete. Sie machte noch ein paar Atemz\u00fcge und ihr Lebensschifflein war an Land.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was also sollen wir machen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machen Sie sich mit dem anderen im Gebet eins. Legen Sie Gott diese Angst hin. Nehmen Sie den anderen in den Arm und lassen Sie ihn N\u00e4he sp\u00fcren. Sie d\u00fcrfen hier wirklich an Jesu statt handeln. Bitten Sie aber auch Gott, dass er Ihnen offene Augen und Ohren gibt, damit Sie die verborgenen \u00c4ngste und N\u00f6te der Menschen h\u00f6ren und sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun bleibt noch die Frage: Was soll und kann ich pers\u00f6nlich machen, wenn mich die Angst \u00fcberf\u00e4llt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Rat: Suchen Sie in ihrer Angst sich einen Menschen, dem Sie vertrauen k\u00f6nnen und der beten kann. Gehen Sie zusammen mit ihm zu Jesus und sagen sie Jesus ihre Angst. Lesen sie laut oder leise aus der Bibel oder dem Gesangbuch ein tr\u00f6stliches Wort. Sagen Sie es laut oder leise vor sich hin, immer wieder, bis Ihre Seele es begriffen hat. Unsere Seele braucht oft sehr lange, bis sie es begriffen hat. Sagen Sie: \u201eLiebe Seele, f\u00fcrchte dich nicht, Jesus ist da!\u201c Oft aber gen\u00fcgt es schon, wenn Sie einfach sagen \u201eJesus\u201c. Sie werden erfahren, dass sich zwar die Umst\u00e4nde nicht \u00e4ndern, aber tief in Ihrem Inneren geschieht die Wandlung, die Angst weicht, sie kommen zur Ruhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will mit einem Liedvers schlie\u00dfen: \u201eWenn mir am allerb\u00e4ngsten wird um das Herze sein, dann rei\u00df mich aus den \u00c4ngsten kraft deiner Angst und Pein.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfarrer Johannes G\u00fcnther Moll, Predigt im NbC\/GHB-Gottesdienst, Landau-M\u00f6rzheim am 26.02.2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde! Wie eine dunkle drohende Decke liegt es auf unserm Land, auf Europa. Ein Gespenst geht um. Das Gespenst hat einen Namen: Angst. Angst vor Krieg und Terror, Selbstmordattent\u00e4ter lassen uns unsicher werden, wenn wir durch unsere D\u00f6rfer und St\u00e4dte gehen. Angst vor \u00dcberfremdung und Verlust unserer Kultur. 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