{"id":1437,"date":"2005-12-06T16:06:46","date_gmt":"2005-12-06T14:06:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1437"},"modified":"2009-09-07T15:54:24","modified_gmt":"2009-09-07T13:54:24","slug":"botschaft-zum-reformationsfest-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1437","title":{"rendered":"Botschaft zum Reformationsfest 2005"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Botschaft zum Reformationsfest 2005<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bedeutet f\u00fcr uns die Reformation? Gew\u00f6hnlich stehen uns die Ereignisse vor Augen, die mit einem unbeugsamen Mut, einer gro\u00dfer Begeisterung und einem festen Glauben verbunden sind, f\u00fcr den die Menschen bereit waren, ihr Leben hinzugeben. Dabei erinnern wir uns zuerst an die Worte Luthers \u201ehier stehe ich, ich kann nicht anders\u201c, seine leidenschaftlichen Dispute und seine polemischen Schriften. Wir erinnern uns an die Unruhen jener Zeit, Luthers Zorn \u00fcber die \u201eSchw\u00e4rmer\u201c und Bilderst\u00fcrmer, an die Einfl\u00fcsse der weltlichen M\u00e4chte, an seine Internierung auf der Wartburg, an seine Exkommunikation und das Verbrennen der p\u00e4pstlichen Bulle. Wir erinnern uns auch an seine unerm\u00fcdliche Arbeit, an die \u00dcbersetzung der Bibel und der Gottesdienstordnung in die Sprache des Volkes, an die Verfassung des Katechismus und vieler theologischer Schriften.<!--more-->\u00a0Deshalb bringt das Reformationsfest viele unserer Gl\u00e4ubigen in die Stimmung heldenhafter K\u00e4mpfe und mancher Erfolge, wie sie vielleicht auch die Patrioten Lettlands empfinden m\u00f6gen, wenn wir an unserem Nationalfeiertag und an anderen Gedenktagen am Ufer der D\u00fcna Kerzen anz\u00fcnden und uns vornehmen, genau so zu handeln wie die Helden der Befreiungsk\u00e4mpfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dennoch, mag das alles so bedeutend und heroisch gewesen sein, so sind diese Ereignisse unserer Geschichte nicht die Reformation, sondern sie erinnern nur an die Situation um sie herum. Nach meinem Empfinden ist die Reformation ihrem tiefsten Wesen nach ein Fest der Gnade und bedingungslosen Liebe. Das Reformationsfest ist ein Tag, an dem wir der Freigiebigkeit unseres Herrn Jesus Christus gedenken, mit der er die am Kreuz erk\u00e4mpfte und mit seinem Blut erkaufte Gerechtigkeit dem S\u00fcnder schenkt, der an ihn glaubt. Daran mu\u00dfte ich ganz besonders soeben beim Lesen des Buches von Bischof Bo Giertz \u201eGottes Hammer\u201c denken. Eine der eindrucksvollsten Episoden darin ist ein Gespr\u00e4ch zwischen zwei Leuten vom Lande \u2013 zwischen Katharina und dem sterbenden Johannes. Gro\u00df ist die Verzweiflung des Johannes angesichts des ihm bevorstehenden Todes. Man sagt, da\u00df vor einem sterbenden Menschen sein ganzes Leben blitzartig vor\u00fcberziehen w\u00fcrde. F\u00fcr Johannes ist diese Erfahrung eine harte Predigt des Gesetzes. Bei vielen Perioden seines Lebens entdeckt er sein hartes Herz und sein s\u00fcndhaftes Wesen. Er erkennt, wie verpfuscht seine guten Werke und die Leistungen seines Glaubens und wie unvollkommen seine S\u00fcndenbekenntnisse waren. Der gut gebildete Pastor, der ein intensives humanistisches und philosophisches Studium absolviert hatte, konnte ihn auch nicht damit tr\u00f6sten, da\u00df er sagte, da\u00df Johannes eine bessere und gerechtere Seele h\u00e4tte als jeder andere, dem er in seinem Leben begegnet w\u00e4re. Was hat der Vergleich mit anderen Menschen \u00fcberhaupt f\u00fcr eine Bedeutung? Gott wird Johannes nach seinen Werken und nicht nach den Werken anderer Menschen richten. Johannes hat im streng pietistischen Geist und im Geist der Erweckungsbewegung gelebt und hat nur die Flammen der H\u00f6lle vor Augen. Katharina, die in diesem Buch die klassische lutherische Tradition verk\u00f6rpert, versucht Johannes zu tr\u00f6sten. \u201eDu hast recht, du bist ein gro\u00dfer S\u00fcnder. Aber Jesus der Heiland ist gr\u00f6\u00dfer.\u201c Ein Wort folgt dem anderen, und diese Bauersfrau bringt Frieden in die verzweifelte und von Angst gequ\u00e4lte Seele, so da\u00df er, bevor er seinen letzten Gang antritt, noch die Absolution und das Sakrament des Abendmahles empfangen kann. Was hat sie gesagt? Welche Worte einer geheimen Weisheit hat sie ausgesprochen? Sie hat ihn nur auf das reine und \u201eeinfache\u201c Evangelium hingewiesen: \u201eSiehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt. Alle haben ges\u00fcndigt und allen mangelt es an der g\u00f6ttlichen Herrlichkeit. Doch Gott hat sie ohne ihr Verdienst gerecht gemacht und ihnen das Heil in Jesus Christus geschenkt\u201c. Wenn wir diese Worte h\u00f6ren, dann erscheint alles so einfach, doch in der Stunde des Todes kann wirklich nichts anderes die durch die Last des Gesetzes und der Gewissensqualen ver\u00e4ngstigte Seele zur Ruhe bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich meine, da\u00df gerade das die Reformation ausmacht. Nichts anderes \u2013 weder fromme Traditionen, noch gutes Bestreben, weder die Heldentaten der Heiligen, noch philosophische Erkenntnisse, weder die kirchliche Hierarchie, noch die die Sinne verwirrenden Lehren d\u00fcrfen das Evangelium in den Schatten stellen und es vor den hungernden Seelen verbergen. Man kann es nicht durch ein Liebessurogat und durch billige Gnade ersetzen, die man mit anderen Namen bekleidet \u2013 wie Inklusivit\u00e4t und Toleranz. Es darf auch nicht durch konfessionelle Gesetzlichkeit und lutherisches Zelotentum, nicht durch Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem eigenen Erbe oder durch unsere eigene menschliche Schw\u00e4che, durch S\u00fcnde oder durch die M\u00e4ngel unseres inneren geistlichen Lebens verdunkelt werden. Wenn wir uns am Reformationsfest zu lutherischen Heldentaten aufgerufen f\u00fchlen, dann lasst uns dabei nicht die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde, sondern lieber das Wesentliche beachten \u2013 wie die Seele des Menschen die heilige Krise durch die Strenge des Gesetzes erf\u00e4hrt und Frieden findet im klaren, reinen und \u201eeinfachen\u201c Evangelium. Wir sind Erben der Reformation dann, wenn wir die Liebe Christi predigen, bekennen und sie durch unser Leben sichtbar machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich ist es viel leichter, sich mit der Situation der damaligen Zeit zu befassen und die Konflikte und K\u00e4mpfe zu glorifizieren. Doch, wie Luther das in seinen Kirchenpostillen schreibt, m\u00fcssen wir die Heiligen nicht durch ihre Werke erkennen, um diesen nachzustreben, sondern durch ihren Gehorsam gegen\u00fcber Gott. Ich denke, da\u00df er dasselbe im Bezug auf seine eigene Person und die der anderen Reformatoren sagen w\u00fcrde. Wenn wir von Spaltungen sprechen, die ja die Reformation begleitet hatten, dann denke ich, da\u00df deren Ursache bei der menschlichen Schw\u00e4che der Kirche lag, die es nicht vermochte, Fragen der Lehre zu l\u00f6sen und dabei die Einheit zu erhalten. Die Folgen dieses Unverm\u00f6gens sind f\u00fcr beide Teile der Kirche \u2013 sowohl f\u00fcr die lutherische wie auch f\u00fcr die r\u00f6misch katholische Kirche &#8211; in gleicher Weise tragisch. Ich glaube daran, da\u00df es Gottes Wille und unsere Pflicht als Christen ist, einen Weg zu suchen, der zur Einheit des Leibes Christi f\u00fchrt. Wir d\u00fcrfen sie nicht dadurch suchen, da\u00df wir mit unserer \u00dcberzeugung und Identit\u00e4t Handel betreiben, sondern miteinander ehrlich, mit W\u00fcrde, Demut und br\u00fcderlicher und schwesterlicher Liebe auf die Quelle der Einheit zuschreiten &#8211; auf Jesus Christus und Sein Evangelium. Gott helfe uns dazu!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>(\u00dcbersetzung aus der lettischen Kirchenzeitung Svetdienas Rits Nr. 39\/05 vom 29.10.05)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Botschaft zum Reformationsfest 2005 Was bedeutet f\u00fcr uns die Reformation? Gew\u00f6hnlich stehen uns die Ereignisse vor Augen, die mit einem unbeugsamen Mut, einer gro\u00dfer Begeisterung und einem festen Glauben verbunden sind, f\u00fcr den die Menschen bereit waren, ihr Leben hinzugeben. 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