{"id":14295,"date":"2017-01-19T18:29:30","date_gmt":"2017-01-19T17:29:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14295"},"modified":"2017-01-21T18:14:56","modified_gmt":"2017-01-21T17:14:56","slug":"vom-fruchtlosen-und-fruchtbaren-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14295","title":{"rendered":"Vom fruchtlosen und fruchtbaren Leben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Einmal sprach ich mit einem evangelistisch aktiven jungen Mann \u00fcber seinen Dienst. Er war traurig, weil sich in letzter Zeit trotz intensiver Bem\u00fchung niemand bekehrt hatte. Er meinte, sein Dienst sei ohne Frucht und begann, an sich und an Gott zu zweifeln. \u00c4hnliches h\u00f6rt man immer wieder. Es gibt nicht wenige Christen, die den\u00a0Sinn ihres Lebens allein darin sehen, ob und wie viele sie zum Glauben gef\u00fchrt haben. Und sie werden traurig, wenn das nicht der Fall war. Ich denke, dass sich hier ein falsches Verst\u00e4ndnis von \u201eFrucht\u201c eingeschlichen hat, das unbedingt korrigiert werden sollte.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fruchtloses Leben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende seines Briefs an Titus gibt Paulus eine letzte, abschlie\u00dfende Ermahnung weiter: \u201eLass aber auch die Unseren lernen, sich hervorzutun mit guten Werken, wo sie n\u00f6tig sind, damit sie kein fruchtloses Leben f\u00fchren\u201c (Tit 3,14). Es gibt also durchaus die Gefahr, dass Christen ein fruchtloses Leben f\u00fchren. Man kann voller Glaube sein, aber an seinen N\u00e4chsten, die in N\u00f6ten sind, teilnahmslos vor\u00fcbergehen. Der Priester und der Levit in Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Luk 10) sind Beispiele daf\u00fcr. Sie k\u00fcmmern sich lieber um die Vertikale als um die Horizontale ihres Lebens. Ein solches Leben ist gef\u00e4hrlich.\u00a0Im Weinstockgleichnis, das innerhalb seiner Abschiedsreden an die J\u00fcnger steht (Joh 15), warnt Jesus eindringlich vor einem fruchtlosen Leben. \u201eEine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen\u201c (Joh 15,2). \u00a0Es geht also bei unserer Frage nach Fruchtlosigkeit und Fruchtbarkeit unseres Lebens um viel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt im Protestantismus eine verh\u00e4ngnisvolle Scheu vor guten Werken. In einer falsch verstandenen Lutherinterpretation will man allein durch den Glauben selig werden, ohne Werke, und man vergisst, dass beides zusammengeh\u00f6rt. Wenn Bodelschwingh und Wichern so gedacht h\u00e4tten, dann w\u00e4ren ihre Liebeswerke nie entstanden. Aus einer solchen grunds\u00e4tzlichen Abwertung der guten Werke entspringt dann oft eine Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem N\u00e4chsten und seinen unmittelbaren Anliegen. In vielen Gemeinden kann man das erleben. Ein Freund erz\u00e4hlte uns jetzt von einem Besuch einer evangelikalen Gemeinde in Haifa. Sie nahmen ohne sich vorher angemeldet zu haben an einem Gottesdienst teil. Anschlie\u00dfend standen sie ziemlich verloren herum. Niemand kam auf sie zu, niemand lud sie ein zu bleiben. Leider ist das keine Einzelerfahrung, wie ich aus vielen Besuchen landeskirchlicher und freikirchlicher Gemeinden wei\u00df. Hier k\u00f6nnen evangelische Christen noch viel lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der evangelischen Kirche gibt es anerkannterma\u00dfen viel Fernstenliebe und diakonischen Einsatz. Brot f\u00fcr die Welt ist nach wie vor ein Renner, der viele Menschen mobilisiert. Aber an bestimmten sozialen Brennpunkten warten die Menschen vergeblich auf kirchliche Zeichen der N\u00e4chstenliebe. Die ungewollt schwanger gewordene Frau kann zwar in den evangelischen Beratungsstellen das gesetzlich vorgeschriebene Beratungsgespr\u00e4ch in Anspruch nehmen, aber die eigentliche christliche Solidarit\u00e4t erf\u00e4hrt sie nicht. Die w\u00fcrde n\u00e4mlich darin bestehen, ihr die letzte Entscheidung \u00fcber Leben und Tod ihres Kindes nicht zuzumuten, ihr den hohen Wert des menschlichen Lebens in Gottes Augen ins Gewissen zu legen und ihr alle nur denkbaren praktischen Hilfen f\u00fcr das Neugeborene bis hin zur Adoptionsvermittlung anzubieten. Die Ausstellung des sog. Beratungsscheines, der die Abtreibung auf Kosten des Steuerzahlers erm\u00f6glicht, kann jedenfalls nicht als \u201egutes Werk\u201c im Sinn von Tit 3,14 gelten. Vielmehr ist das ein Akt des geistlichen Desinteresses an der Frau, eine Verbeugung vor dem falschen G\u00f6tzen der Selbstbestimmung, und es ist eine Verweigerung des Evangeliums. Denn das Evangelium zeigt uns die Allmacht Gottes, der immer helfen kann, auch in scheinbar ausweglosen Situationen, und es zeigt uns die Barmherzigkeit Gottes, die sich der Not der Menschen annimmt, die ihn um Hilfe anflehen. Mit ihrer hochproblematischen Beratungspraxis tr\u00e4gt die evangelische Kirche dazu bei, dass in unserer Gesellschaft der Wert des ungeborenen Lebens immer mehr abnimmt. Ein aktuelles Beispiel: In Stadthagen will jetzt die Klinik Agaplesion ihre Arbeit aufnehmen. In ihren Satzungen steht, dass sie sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet sieht. Abtreibungen nach der sog. sozialen Indikation soll es in dieser Klinik nicht geben. Seit Oktober 2016 gab es gegen diese Zielvorgabe \u00f6ffentliche Angriffe, und zwar quer durch alle im Kreistag vertretenen Parteien und viele\u00a0\u00f6ffentliche Gruppen. Die Lokalpresse sprach von einem \u201eSkandal\u201c und \u201er\u00fcckst\u00e4ndigem Weltbild\u201c. Auf ein Wort der Solidarit\u00e4t mit dieser mutigen Haltung der Klinik seitens der evangelischen Kirche wartet man bis heute vergeblich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein \u00e4hnliches Versagen der evangelischen Kirche sehe ich in ihrer Unt\u00e4tigkeit, Unwilligkeit und Unf\u00e4higkeit, gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen, die eine normale, aufs andere Geschlecht bezogene sexuelle Empfindung anstreben, Hilfestellungen anzubieten. Mir ist keine einzige Einrichtung der evangelischen Kirche bekannt, die eine solche Zielsetzung hat. Ich frage mich, warum keine evangelische Synode, weder der Landeskirchen noch der EKD, f\u00fcr ein solches Projekt Mittel zur Verf\u00fcgung stellt. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde man mit solch einer Anlaufstelle f\u00fcr gleichgeschlechtlich empfindende aber Ver\u00e4nderung suchende Menschen nicht das gesamtgesellschaftliche Problem\u00a0l\u00f6sen k\u00f6nnen, das Christa Meves schon in den 90er Jahren mit dem Stichwort der &#8222;Homosexualisierung Europas&#8220; bezeichnet hat, aber man h\u00e4tte wenigstens ein Angebot, das auf der biblischen Zuordnung von Mann und Frau aufbaut und ein Zeichen echter christlicher N\u00e4chstenliebe w\u00e4re, weil es konkrete N\u00f6te anderer Menschen ernstnimmt. Auch das w\u00e4re ein &#8222;gutes Werk&#8220; im Sinn von Tit 3,14.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie sieht es bei uns selber aus? Sind wir bereit und willig zu spontanen Taten der N\u00e4chstenliebe? Es war vor vielen Jahren, in der Zeit des Aufbaus des Geistlichen R\u00fcstzentrums Krelingen durch Pastor Kemner, als H. Kemner aufs Herz gelegt bekam, etwas f\u00fcr die Drogenabh\u00e4ngigen zu tun. Dazu brauchte es ein entsprechendes Haus. Ein Bauer war bereit, sein Anwesen zu verkaufen, das direkt neben dem damaligen Gel\u00e4nde des R\u00fcstzentrums lag. Doch woher das Geld nehmen? Gott wusste des Ausweg. Eines Tages bekam Pastor Kemner Besuch eines in Norddeutschland bekannten Unternehmers. Er wollte ihn unbedingt sprechen, nachdem er eine Ansprache Kemners \u00fcber den Unterschied von Frucht und Erfolg geh\u00f6rt hatte. Er erkl\u00e4rte, dass er mit Gottes Hilfe einen gro\u00dfen gesch\u00e4ftlichen Erfolg habe, dass er aber vor Gott Frucht haben m\u00f6chte. Und so \u00fcbergab er einen Scheck mit genau der Summe, die zum Kauf des Hauses noch fehlte. Da hatte jemand die Gefahr eines fruchtlosen Lebens gesp\u00fcrt und ein \u201egutes Werk\u201c getan, genauso wie Paulus es in Tit 3,14 gefordert hat. Fruchtlosigkeit war zur Fruchtbarkeit geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6ge uns der Herr bewahren vor geistlicher Fruchtlosigkeit! Wir m\u00fcssen niemand bekehren. Aber wir brauchen ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die N\u00f6te unserer N\u00e4chsten und sollen ihnen dort nach Kr\u00e4ften beistehen. Dann w\u00e4chst aus unserem Leben Frucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fruchtbares Leben<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin Luther hat in einer Auslegung zu Titus 3 sehr einpr\u00e4gsam auf den Punkt gebracht, was er unter guten Werken versteht. \u201eDemzufolge ist nicht nur das dein gutes Werk, dass du ein Almosen gibst oder betest, sondern wenn du dich deinem N\u00e4chsten von Herzen zuwendest und ihm dienst, n\u00e4mlich mit allem, was er braucht und wie du es kannst. Das k\u00f6nnen Almosen sein, aber auch Beten, Arbeiten, Fasten, Ratschl\u00e4ge, Tr\u00f6sten, Lehren, Ermahnen, Strafen, Entschuldigen, Kleiden, Speisen und &#8211;\u00a0sollte es dazu kommen &#8211; auch durch Leiden und Sterben f\u00fcr ihn. Sag mir: Wo findet man jetzt solche Werke in der Christenheit?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein geistlich fruchtbares Leben definiert sich also nicht an der Zahl derjenigen, die ein Christ bekehrt, sondern an seiner praktischen N\u00e4chstenliebe, an dem, was er aus Liebe f\u00fcr den anderen tut. Luther z\u00e4hlt hier ein F\u00fclle von Bet\u00e4tigungsfeldern auf. Das korrespondiert mit dem, was der Apostel Paulus in Galater 5 \u00fcber die Frucht des Geistes ausf\u00fchrt. Sehen wir uns die bekannte Stelle Gal 5,22-23 einmal etwas n\u00e4her an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Trias Liebe, Freude, Frieden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst stellt der Apostel fest, dass die Liebe die eigentliche Voraussetzung f\u00fcr ein fruchtbares Leben ist. Ohne die g\u00f6ttliche Liebe l\u00e4uft nichts, was zur Frucht werden kann. M\u00fcssen wir da nicht t\u00e4glich um Liebe bitten? Ich denke nicht. Das Lied \u201eGib mir Liebe ins Herz, lass mich leuchten\u201c ist zwar nett zu singen, aber es macht nicht ernst mit den biblischen Tatsachen. In R\u00f6m 5,5 hei\u00dft es, dass der Heilige Geist die g\u00f6ttliche Liebe, die Agape, in das Herz aller Christen ausgegossen hat. Was da ist, muss ich anwenden, aber ich muss nicht immer neu darum bitten. Unser Enkelkind Janosch hat zu Weihnachten ein Puppenhaus bekommen. Wie seltsam w\u00e4re es, wenn er sich zu seinem n\u00e4chsten\u00a0Geburtstag ein Puppenhaus w\u00fcnschte! Nicht umsonst steht die Liebe hier an erster Stelle. Wie so oft bei Paulus, bildet das erste Glied einer Aufz\u00e4hlung die zusammenfassende \u00dcberschrift. Die Liebe ist also keine &#8222;Frucht&#8220;, denn sie wird jedem Christen unmittelbar vom Heiligen Geist gegeben. Sie ist sozusagen das Startkapital, das der Heilige Geist uns allen, die wir Jesus nachfolgen,\u00a0mit auf den Weg gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die beiden n\u00e4chsten Wirklichkeiten \u201eFreude\u201c und \u201eFrieden\u201c sollte man nicht zur Frucht z\u00e4hlen, denn sie sind unmittelbare Mitbringsel des Heiligen Geistes. In R\u00f6m 14,17 hei\u00dft es sinngem\u00e4\u00df \u201eDie Herrschaft Gottes manifestiert sich in unserem Leben als Christ nicht dadurch, dass Gott f\u00fcr unseren Leib sorgt (denn das macht er auch bei den Nichtchristen), sondern dadurch, dass wir die g\u00f6ttliche Gerechtigkeit empfangen, im Frieden mit Gott leben d\u00fcrfen und vollen Anteil an der Freude am Herrn bekommen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Trias Liebe, Freude, Frieden zeichnet unser Wesen als Christen aus. Ein Christ, der die in ihm existierende Liebe nicht zu praktischer N\u00e4chstenliebe werden l\u00e4sst, der im Unfrieden mit Gott lebt, weil er sich der S\u00fcndenvergebung nicht gewiss ist, und der nicht immer wieder zur Freude am Herrn durchbricht \u2013 wie soll der Frucht bringen? Wir merken, bevor wir uns mit den praktischen Liebestaten besch\u00e4ftigen, die uns aufgetragen sind, muss die geistliche Trias Liebe, Frieden und Freude uns durchstr\u00f6men und bestimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Menschen plagen sich mit Angina pectoris herum, der Verengung der Herzkranzgef\u00e4\u00dfe. Die Innenw\u00e4nde der Arterien sind rauh geworden und lassen das Blut nur\u00a0mit M\u00fche und\u00a0 manchen Ablagerungen durch. So kann es zu kompletten Verschl\u00fcssen der Gef\u00e4\u00dfe kommen und schlie\u00dflich zu Infarkten. Vor vielen Jahren lag ich mit der Diagnose auf Angina pectoris im OP-Saal eines Krankenhauses. Zum Gl\u00fcck reichten zwei Stents, um die Gef\u00e4\u00dfe etwas zu weiten. Dann kl\u00e4rte mich ein Freund \u00fcber die Ursachen der Arterienverkalkung auf und riet mir zu Arginin, einem Nahrungserg\u00e4nzungsmittel, das in der Lage sei, die Arterieninnenw\u00e4nde wieder geschmeidig und durchl\u00e4ssig zu machen. Seit vielen Jahren nehme ich Arginin und hatte seitdem nie mehr Angina pectoris-Probleme. Warum erz\u00e4hle ich das? Der geistliche Kreislauf in unserem Leben versorgt uns immer wieder mit Liebe, Freude und Frieden. Wenn dieser Kreislauf aber ins Stocken kommt, dann m\u00fcssen wir dringend etwas dagegen unternehmen. Was das Arginin in meinem Beispiel bewirkt, das bewirkt die t\u00e4gliche Bitte um S\u00fcndenvergebung im geistlichen Leben. Liebe, Freude und Frieden m\u00fcssen flie\u00dfen, und sie flie\u00dfen, wenn unser Verh\u00e4ltnis zum himmlischen Vater in Ordnung ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sind wir bei der &#8222;Frucht&#8220;. Das sind die Taten, die wir als Christen aus g\u00f6ttlicher Liebe heraus tun. In ihnen und durch sie erweisen wir uns als die wahren Alternativen, als die \u201eKinder des Lichts\u201c. Zun\u00e4chst: Wir enthalten uns jeglicher Unzucht, jeglicher Habgier und jeglicher feindseligen Rede. Das betont Paulus mehrmals in seinen Briefen (siehe 1 Kor 6 und Eph 5). Aber diese Enthaltsamkeit sind noch nicht die \u201eguten Werke\u201c, zu denen wir aufgerufen sind. Die treten uns vor Augen, wenn wir uns die sechsfache Frucht in Gal 5,22-23 ansehen. Und sie \u00f6ffnen uns die T\u00fcr zu einem geistlich fruchtbaren Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als erstes werden wir zu \u00a0<strong>Taten der \u201eGeduld\u201c (<\/strong>\u201ehypomon\u00e4\u201c) aufgerufen, zu Taten der geistlichen Tragkraft, die uns hilft, missliche Lagen auszuhalten. Christen m\u00fcssen nicht ausrasten, wenn es in ihrem Leben anders l\u00e4uft als sie denken und erbitten. Ich habe viel gelernt an Ps 50,15. Gott bevorzugt es, unsere Gebete \u201ezu unserer Errettung\u201c zu erh\u00f6ren. Und weil wir im allgemeinen diesen weiten Horizont nicht haben, ist es gut, dass Gott nicht alle Gebete so erh\u00f6rt, wie wir sie meinen. Diese Einsicht gibt \u201eGeduld\u201c, \u201eTragf\u00e4higkeit\u201c, eine wunderbare Frucht des Heiligen Geistes. Ein Christ, der in den letzten Jahren viel Krankheitsleiden durchzumachen hatte, sagte mir neulich am Telefon: Ich habe gelernt, ewigkeitsbewusst zu leben. Ich bin jetzt t\u00e4glich bereit, dass der Herr mich holt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die geistliche Freundlichkeit<\/strong> ist mehr als Nettigkeit und Hilfsbereitschaft. Sie vermag den anderen als \u201eFreund\u201c zu sehen, auch wenn er selber nichts Freundliches an sich hat. Auch eine wunderbare Frucht des Heiligen Geistes. Die Welt denkt im Freund-Feind-Schema. Christen k\u00f6nnen im anderen, wie absurd er sich auch\u00a0geb\u00e4rdet und wie gemeingef\u00e4hrlich er vielleicht auch sein mag, immer auch den von Gott geliebten Menschen sehen. Das schlie\u00dft nicht aus, ihm in H\u00e4rte zu begegnen, wo es nicht anders geht. Ein herausragendes Beispiel f\u00fcr diese geistliche Freundlichkeit ist Dr. Friedrich Wilhelm Baedeker (1823-1906). Nach seiner pers\u00f6nlichen\u00a0 Erweckung wirkte er viele Jahre in Ru\u00dfland. Vom Zar erhielt er eine Extraerlaubnis zum Besuch der Bleiwerke Sibiriens, wo die schlimmsten Verbrecher schufteten. F\u00fcr sie, die oft weder lesen noch schreiben konnten, lie\u00df er die &#8222;Bibel ohne Worte&#8220; drucken, die nur aus vier Seiten mit den Farben schwarz, rot, wei\u00df und golden bestand. An diesen vier Farben erl\u00e4uterte er das ganze Evangelium. Damit tat er eine gesegnete Arbeit. Seine Freundlichkeit, die ihn immer wieder nach Sibirien f\u00fchrte, wurde sprichw\u00f6rtlich. Georg M\u00fcller segnete ihn f\u00fcr diesen au\u00dfergew\u00f6hlichen\u00a0Dienst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die G\u00fcte ist eine weitere Frucht<\/strong>. Taten aus G\u00fcte d\u00fcrfen nicht verwechselt werden mit blo\u00dfer humanistischer Hilfe. &#8222;G\u00fcte&#8220; kommt von &#8222;gut&#8220;. Die geistliche G\u00fcte orientiert sich immer an dem, was in Gottes Augen gut und richtig ist. In unseren Eheseminaren versuchen wir, den biblischen Hilfsbegriff in 1 Mose 2,18 zu erkl\u00e4ren. Die wahre Hilfe besteht nicht darin, dass die Frau ihrem Mann jeden Wunsch von den Lippen abliest, sondern dass sie ihm das gibt an Ermutigung und Ermahnung, was er aktuell braucht, um zu einem verantwortungsf\u00e4higen Ehemann und Familienvater zu werden. In unserer Zeit, wo ein intaktes Vaterbild in vielen Familien zur Mangelware wird, tr\u00e4gt die Frau eine ganz besondere Verantwortung f\u00fcr ihren Mann. Sie braucht viel Weisheit, damit sie ihrem Mann wirklich so gegen\u00fcbertreten kann, dass er ihren Rat und ihre Hilfe annimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kommen wir zur <strong>Treue<\/strong>. Ein treues Verhalten und ein treues Verh\u00e4ltnis ist Gold wert. Jeder von uns braucht Grunderfahrungen von Treue, Heimat und Geborgenheit. Menschen, die treu zu mir stehen, die sich nicht scheuen, mir bei Fehlentscheidungen kr\u00e4ftig aber liebevoll ihre Meinung zu sagen, auf deren treue F\u00fcrbitte ich mich verlassen kann, werden in unserer Zeit der zunehmenden unverbindlichen Verh\u00e4ltnisse immer wichtiger. Wohl dem, der solche Christen in Ehe, Familie, Gemeinde und Freundeskreis hat. Ich wei\u00df von einem \u00fcber 90j\u00e4hrigen Christen, der in treuer, t\u00e4glicher F\u00fcrbitte f\u00fcr unsere Familie und f\u00fcr die Dienste des Gemeindehilfsbundes betet. Eine wunderbare Frucht des Heiligen Geistes!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Sanftmut ist keine Weichlichkeit<\/strong>, die alle F\u00fcnfe gerade sein l\u00e4sst. Jesus war sanftm\u00fctig, als er nicht zur\u00fcckschlug, als man ihn schlug, aber er behielt trotzdem die gesamte Entwicklung des Passionsgeschehens hundertprozentig in seiner Hand, und er ging seinen Weg mit festen Schritten. Wer in seinen geistlichen Arterien Liebe, Freude und Frieden hat, kann es sich leisten, sanftm\u00fctig zu reagieren und trotzdem fest zu bleiben. Als der Widerst\u00e4ndler Helmuth Graf James von Moltke vor Roland Freisler stand und die \u00fcbelsten Beschimpfungen \u00fcber sich ergehen lassen musste, hatte er Sanftmut. Ruhig und sachlich antwortete er, dass er als Christenmensch nur einen F\u00fchrer anerkennen k\u00f6nne, n\u00e4mlich Jesus Christus. Das muss einen ungeheuren Eindruck auf alle Versammelten gemacht haben. In einer solchen Lage sanftm\u00fctig zu bleiben, das ist aus eigener Kraft unm\u00f6glich, das ist eine Frucht des Geistes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Keuschheit<\/strong> als letzte hier genannte geistliche Frucht wird in unserer sexualisierten und pornographisierten Zeit immer wichtiger. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das Generalverbot unz\u00fcchtiger Schriften und Bilder vom Deutschen Bundestag gekippt. Seitdem ergie\u00dft sich mit zunehmender Wucht ein Schmutz-Tsunami ungeahnten Ausma\u00dfes durch das Internet in die Herzen insbesondere der M\u00e4nnerwelt. Pornographie verschwei\u00dft Bilder und Schriften fremder Sexualit\u00e4t in den Seelen der M\u00e4nner. Viele k\u00f6nnen nicht mehr unterscheiden zwischen Fremdbild und ihrem aktuellen Bezug zum anderen Geschlecht. Die Sexualit\u00e4t als erster Sch\u00f6pfungssegen f\u00fcr die Menschenwelt verkommt zur egoistischen Triebbefriedigung, die keine wirkliche Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau mehr aufkommen l\u00e4sst. Und nun sollen auch noch die Kindergarten- und Schulkinder in die sog. sexuelle Vielfalt hineingeholt werden. Was hier an den Kinderseelen angerichtet wird, das kommt dann in 20-30 Jahren als unangenehme Quittung zur\u00fcck. Die Menschen werden beziehungsunf\u00e4hig, der Wert der Ehe wird nicht mehr empfunden. Kinder werden immer mehr als Last angesehen werden. Die durch die Pornographie entw\u00fcrdigte Frau wird sich immer mehr vom Mann zur\u00fcckziehen und ihre eigenen Wege gehen. Aber Gott hat uns als Gemeinde Jesu mitten in diese Welt gestellt und will uns heilig machen und heilig erhalten. Geht das \u00fcberhaupt? Ja, es geht. Denken wir nur an Hiob. Auch dieser Gottesmann hatte sexuelle Anfechtungen. Aber er blieb nicht bei ihnen stehen, sondern er machte vor Gott einen Bund mit seinen Augen, damit er keine Jungfrau mehr l\u00fcstern anblickte (Hiob 31,1). Was er von Gott daraufhin empfing, war nichts anderes als die Keuschheit als geistliche Frucht. Und die gilt uns genauso.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcnsche allen Lesern in diesem Sinn von Gal 5,22 und 23 ein fruchtbares Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einmal sprach ich mit einem evangelistisch aktiven jungen Mann \u00fcber seinen Dienst. Er war traurig, weil sich in letzter Zeit trotz intensiver Bem\u00fchung niemand bekehrt hatte. Er meinte, sein Dienst sei ohne Frucht und begann, an sich und an Gott zu zweifeln. \u00c4hnliches h\u00f6rt man immer wieder. 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