{"id":14264,"date":"2017-01-10T09:03:32","date_gmt":"2017-01-10T08:03:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14264"},"modified":"2017-01-10T09:05:57","modified_gmt":"2017-01-10T08:05:57","slug":"glauben-christen-und-muslime-an-den-gleichen-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14264","title":{"rendered":"Glauben Christen und Muslime an den gleichen Gott?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland ist durch den Terroranschlag in Berlin aufgew\u00fchlt. Sind wir dem Islamismus und seiner Gewaltbereitschaft ausgeliefert? Was kann unsere freiheitliche Gesellschaft gegen die Bedrohung tun? Die Fragen, die hier zu stellen sind, lassen sich nicht von den religi\u00f6sen Hintergr\u00fcnden abl\u00f6sen. F\u00fcr Christen gilt es, sowohl f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben einzutreten, als auch eindeutig am christlichen Glaubensbekenntnis und der Geltung des Missionsbefehls festzuhalten.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun hat der Bischof der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck, Dr. Martin Hein, aus Kassel sich in den letzten Wochen mehrfach zu dieser Thematik ge\u00e4u\u00dfert. Im November sprach er sich vor seiner Landessynode unter dem Stichwort \u201eDer barmherzige Gott\u201c daf\u00fcr aus, dass die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam zum gleichen Gott beten. In einem darauffolgenden Interview mit der Tageszeitung \u201eHessische Allgemeine\u201c fasste er seine Gedanken unter diesem Motto nochmals zusammen. Inhaltlich etwas entfaltet und differenzierter pl\u00e4dierte der Kirchenf\u00fchrer schlie\u00dflich f\u00fcr interreligi\u00f6se Gemeinsamkeit am 5. Dezember 2016 beim gemeinsamen Jahresempfang der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Kommissariats der deutschen Bisch\u00f6fe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>1. Das ist unbestritten: wir schulden jedem Menschen Respekt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ziel, das Bischof Hein mit seinen diversen \u00c4u\u00dferungen vor Augen steht, ist eindeutig. Er verkn\u00fcpft die Forderung politischer Toleranz mit der theologischen Frage nach den Grundlagen f\u00fcr die religi\u00f6se Gemeinschaft zwischen Judentum, Christentum und Islam. Seine Begr\u00fcndung hierf\u00fcr ist, dass es sich bei allen drei Religionen um einen gemeinsamen monotheistischen Gottesglauben handelt, der von allen Religionsangeh\u00f6rigen gleicherma\u00dfen gesucht und angebetet wird. Kontrovers sei in diesem Kontext nur der Weg, auf dem das Gebet praktiziert wird. Einen weiteren Hinweis auf Glaubensgemeinschaft sieht Martin Hein im R\u00fcckbezug der drei monotheistischen Religionen auf Abraham als Stammvater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dieser theologischen Perspektive ergeben sich f\u00fcr den Bischof weitreichende Konsequenzen. Er behauptet, dass die religi\u00f6sen bzw. theologischen Fragen als solche bereits eminent politisch sind und verweist u.a. auf ganz praktische Herausforderungen in der multikulturellen Gesellschaft, die gemeinsames Handeln erforderlich machen; so in Kindertagesst\u00e4tten, Schulen und angesichts gro\u00dfer gesellschaftlicher Krisen und Herausforderungen. Hier ist nach seiner Meinung gemeinsames Handeln im Sinne religions\u00fcbergreifender gottesdienstlicher Feiern w\u00fcnschenswert, ja sogar n\u00f6tig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Feindbild aller Religionen sieht der Bischof im Fundamentalismus, der exklusiv den eigenen Wahrheitsanspruch gegen andere Religionen behauptet. Das w\u00fcrde n\u00e4mlich zu einem Missionsverst\u00e4ndnis f\u00fchren, das auf Religionswechsel abhebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit liegt der Bischof ganz im Horizont der zivilgesellschaftlichen Erwartungen. Heins Zielsetzung f\u00fcr die christlichen Kirchen n\u00e4hert sich damit entschieden dem Projekt einer Zivilreligion an, bei der im Hintergrund durchaus unterschiedliche Wahrheitsanspr\u00fcche stehen k\u00f6nnen. Die sind aber nicht so bestimmend, dass sich das gemeinsame Gebet und interreligi\u00f6se Gottesdienste verbieten w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Das Ja zur Persontoleranz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im strikt politischen Sinne ist Martin Hein zuzustimmen: Wir leben in einer pluralen, offenen Gesellschaft, die ihre Freiheit und ihr friedliches Zusammenleben nur dadurch gew\u00e4hrleisten kann, dass sie Menschen gegens\u00e4tzlicher Religionen und Weltanschauungen duldet. Gefordert ist eine Toleranz, die den Respekt vor der Person des anderen praktiziert, auch wenn die Glaubensinhalte und ethischen Normen voneinander abweichen. Auf dieser Basis betont das Grundgesetz der Bundesrepublik auch die Trennung von Kirche und Staat. Das Grundgesetz steht damit im Horizont der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rungstradition hinsichtlich der Menschenrechte und Religionsfreiheit. Kein biblisch orientierter Christ wird diese Form der Toleranz ernsthaft infrage stellen wollen. Und dies nicht lediglich aufgrund einer zu erwartenden politischen Correctness, sondern aus innerster theologischer \u00dcberzeugung. Jesus hat nie einen Menschen zum Glauben gezwungen. Er hat seinen H\u00f6rern die Einladung Gottes ausgesprochen und ihnen deutlich die Wahrheit gesagt, allerdings so, dass er ihnen in jedem einzelnen Fall die pers\u00f6nliche Gewissensentscheidung freigestellt hat. Dass mit der Entstehung der \u201echristlichen Reichskirche\u201c unter Konstantin dem Gro\u00dfen im 4. Jahrhundert die christlichen Kirchen dazu \u00fcbergegangen sind, nichtchristliche Minderheiten zu diskriminieren und zu disziplinieren und im schlimmsten Fall sogar mit politischer Gewalt zur Annahme christlicher Glaubens\u00fcberzeugungen zu zwingen, war ein fataler Irrweg, der mit dem Willen und praktischen Verhalten von Jesus Christus unvereinbar ist. Auf das Neue Testament kann sich also politischer Fundamentalismus keinesfalls berufen. Der Andersgl\u00e4ubige darf nicht unter Druck gesetzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Dennoch bleibt es beim Missionsbefehl von Jesus<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber von dieser Persontoleranz muss nun inhaltlich die Sachtoleranz unterschieden werden. Im Blick auf die Inhalte des Glaubens und ihr biblisches Profil kann und darf die Kirche nicht verzichten. Damit befinden wir uns n\u00e4mlich auf einer anderen Argumentationsebene. Martin Luther, der in diesem Jahr 2017 besonders gefeiert wird, hat durch seine sog. Zwei-Regimenten-Lehre deutlich zwischen Kirche und Staat unterschieden. Der politische Bereich, in dem das Gesetz und das Gewaltmonopol des Staates gilt, ist jene Regierungsform Gottes, die der Erhaltung der Ordnung in der Welt und der Abwehr des Chaos dient. Ganz anders sieht die Sache in den Fragen des Glaubens aus. Hier kann nur durch das Wort ohne Gewalt dem Menschen die Einladung des Evangeliums weitergegeben werden. Das Evangelium ist allerdings auch mit der Ansage des J\u00fcngsten Gerichts verbunden. Jeder Mensch, ob Atheist, Moslem, Jude oder Christ, hat sich vor dem Richterstuhl Christi zu verantworten. Das ewige Heil wird ausschlie\u00dflich durch Jesus Christus geschenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Horizont dieser Erkenntnis ist f\u00fcr die christliche Gotteslehre die Einheit zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist unverzichtbar. Der Glaube an den trinitarischen Gott geht weit \u00fcber den Monotheismus des Judentums und des Islam hinaus. Von daher ist die Behauptung, Muslime und Christen w\u00fcrden an einen gemeinsamen Gott glauben, irref\u00fchrend und falsch. Nat\u00fcrlich erkennt die christliche Kirche im Gespr\u00e4ch mit dem Islam an, dass Gott nur einer und ein Einziger ist. Diese \u00dcberzeugung teilen wir als Kirchen vor allem auch mit dem Judentum. Aber um Gott wirklich kennenzulernen und in seiner N\u00e4he zu leben, brauchen wir Christus, der uns mit Gott vers\u00f6hnt hat und uns die Liebe des Vaters offenbart hat. Deshalb ist es auch Auftrag aller Jesusj\u00fcnger, an Christi statt zu bitten: \u201eLasst euch vers\u00f6hnen mit Gott!\u201c (2Kor 5,20)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade im Zusammenhang des Gebets zum trinitarischen Gott wird der Irrtum von Bischof Hein offenkundig. Wenn man die politische Gleichheit aller Menschen zusammenwirft mit dem Ziel der gottesdienstlichen Glaubensgemeinschaft, dann werden die tiefgreifenden Unterschiede zwischen Islam und Christentum verwischt. Und damit wird alles falsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d6kumenisch verweist Bischof Hein in seiner Argumentation auf Dokumente des II. Vatikanischen Konzils hin. Er \u00fcbersieht dabei die fundamentalen Unterschiede zu seiner eigenen interreligi\u00f6sen Konzeption. Die katholische Kirche hat in ihrem Lehrdokument \u201eLumen Gentium\u201c den allumfassenden Heilswillen Gottes allen Menschen gegen\u00fcber betont. Das kann man nur bejahen und unterschreiben; genauso auch den Hinweis des II. Vatikanums, dass wir als Christen das Gute und das Wahre in den verschiedenen religi\u00f6sen Kulturen anerkennen sollen. Das hat \u00fcbrigens in klaren Worten auch die evangelikale Bewegung 1974 in der Lausanner Verpflichtung so ausgesprochen. Schlie\u00dflich verweist die r\u00f6mische Kirche auf gemeinsame Traditionen zwischen Judentum, Christentum und Islam. Allerdings unter dem wichtigen Vorzeichen, dass die \u00dcbereinstimmungen zwischen den Religionen als \u201epraeparatio evangelica\u201c, d.h. als Vorbereitung auf das Evangelium zu verstehen sind. In diesem Sinne bejahen evangelikale Christen durchaus den interreligi\u00f6sen Dialog, n\u00e4mlich als Weg des respektvollen gegenseitigen Kennenlernens; aber eben mit der unabdingbaren Zielsetzung, Menschen \u2013 soweit sie durch ihre religi\u00f6sen Erkenntnisse von Gott auf die Botschaft des Evangeliums vorbereitet sind \u2013 ausdr\u00fccklich und tats\u00e4chlich zu Christus einzuladen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem Bischof Hein die Frage der theologischen Wahrheit in einen unl\u00f6sbaren Zusammenhang von politischer Toleranz stellt, hebt er nicht nur eine Grundeinsicht des Neuen Testaments, sondern auch der Reformation auf. Diese Haltung erweist sich vor allem darin als fatal, dass sie die Bereitschaft, missionarisch zu Christus einzuladen, verdunkelt und schw\u00e4cht. So bleibt am Ende einzig die Offenheit des interreligi\u00f6sen Gespr\u00e4chs und des Austauschs von verschiedenen religi\u00f6sen \u00dcberzeugen. Aber es wird nicht mehr klar artikuliert, worin der Auftrag der Christen wirklich besteht, n\u00e4mlich im Ruf zu Christus, und zwar gegen\u00fcber allen Menschen in Deutschland, d.h. den Atheisten, den Muslimen und den s\u00e4kularisierten Kirchenmitgliedern. Die Kirchen haben die gro\u00dfe Chance im Sinne der Demokratie, auf dem Recht der Religionsfreiheit zu bestehen; inklusive des Rechts zum Religionswechsel. Es gilt allen Menschen, die biblische Botschaft von Christus als dem einzigen Retter der Welt weiterzusagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Rolf Hille, 4.1.2017<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bibelundbekenntnis.de\">www.bibelundbekenntnis.de<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland ist durch den Terroranschlag in Berlin aufgew\u00fchlt. Sind wir dem Islamismus und seiner Gewaltbereitschaft ausgeliefert? 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