{"id":14206,"date":"2016-12-16T10:41:49","date_gmt":"2016-12-16T09:41:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14206"},"modified":"2016-12-16T10:42:27","modified_gmt":"2016-12-16T09:42:27","slug":"offener-brief-zum-austritt-aus-der-evangelischen-landeskirche-mitteldeutschlands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14206","title":{"rendered":"Offener Brief zum Austritt aus der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Dr. Wulf Bennert gilt als einer der renommiertesten Restauratoren von Kirchen und Baudenkmalen in Deutschland. Nach 60 Jahren Zugeh\u00f6rigkeit zur Evangelischen Kirche erkl\u00e4rte er am 17. November seinen Austritt aus der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands. Mit der freundlichen Zustimmung von Prof. Dr. Bennert ver\u00f6ffentlichen wir untenstehend seinen Brief an Landesbisch\u00f6fin Junkermann, in dem er seinen Austritt begr\u00fcndet.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hopfgarten, den 19.11.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herrn Pfarrer Thomas Behr<br \/>\nAuf dem Sand 23<br \/>\n99428-Niederzimmern<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frau Landesbisch\u00f6fin Ilse Junkermann<br \/>\nMichaelisstra\u00dfe 39<br \/>\n99084 Erfurt<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herrn Superintendent Henrich Herbst<br \/>\nHerderplatz 8<br \/>\n99423 Weimar<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Begr\u00fcndung meines Austritts aus der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands am 17.11.2016<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr geehrte Frau Landesbisch\u00f6fin, sehr geehrter Herr Superintendent, sehr geehrter Herr Pfarrer,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">am 17. 11. 2016 habe ich nach 60 Jahren Zugeh\u00f6rigkeit zur Evangelischen Kirche meinen Austritt erkl\u00e4rt. Diesem Schritt ist ein schmerzhaftes Ringen vorausgegangen, stellte die Kirche doch einen wesentlichen Inhalt meines Lebens dar. In dem repressiv-atheistischen System der DDR war ich einige Zeit Vorsitzender des Gemeindekirchenrates in Hopfgarten und stellvertretender Synodaler der Th\u00fcringischen Landeskirche. Im Rahmen meiner beruflichen T\u00e4tigkeit konnte ich in den letzten drei Jahrzehnten f\u00fcr den baulichen Erhalt von mehreren hundert Kirchengeb\u00e4uden in ganz Deutschland sorgen. F\u00fcr den Fall, dass die Gr\u00fcnde meiner dennoch getroffenen Entscheidung Sie interessieren sollten, m\u00f6chte ich deren wichtigste nachstehend benennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2776 In dem von der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgegebenen Bericht \u00fcber die am 9. November zu Ende gegangene EKD-Synode in Magdeburg steht unter dem Punkt <strong><em>Politische Kultur in den Gemeinden <\/em><\/strong>zu lesen: \u201e<em>Vor dem Hintergrund des wachsenden politischen Einflusses von Rechtspopulisten hat die EKD in den vergangenen Jahren <strong>mehrfach die Lage in Kirchengemeinden untersuchen lassen<\/strong>. In Magdeburg wurde die qualitative Studie \u201eKirchenmitgliedschaft und politische Kultur\u201c pr\u00e4sentiert. Zwar seien in Kirchengemeinden <strong>feindliche Einstellungen<\/strong> wie Antisemitismus, Homophobie und <strong>Islamophobie<\/strong> festgestellt worden, hei\u00dft es darin. Es gebe aber auch \u201estarke Faktoren\u201c von Widerstandf\u00e4higkeit. Da die Ergebnisse keine allgemeing\u00fcltigen Aussagen zulassen, hat die Synode den Rat um regelm\u00e4\u00dfige quantitative Forschungen gebeten.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu erkl\u00e4re ich: Es ist f\u00fcr mich nicht hinnehmbar, dass Kirchensteuern dazu verwendet wurden \u2013 und in Zukunft noch umfangreicher verwendet werden sollen \u2013 um die politischen Einstellungen der Gemeindemitglieder systematisch zu untersuchen. Ich f\u00fchle mich dabei in fataler Weise an die Gesinnungsschn\u00fcffelei des DDR-Regimes erinnert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und ich selbst finde mich nach obigen Ausf\u00fchrungen auf der Seite einer \u201efeindlichen Einstellung\u201c wieder. Denn nach intensiver Besch\u00e4ftigung mit dem Islam hege ich so erhebliche Bef\u00fcrchtungen gegen\u00fcber den weltweiten Auswirkungen des politischen Islam, dass diese wohl mit dem altgriechischen Begriff <em>\u03c6\u03cc\u03b2\u03bf\u03c2<\/em> bezeichnet werden k\u00f6nnen &#8211; die von der EKD beauftragten \u201eForscher\u201c w\u00fcrden bei mir also die \u201efeindliche Einstellung der Islamophobie\u201c diagnostizieren. Ich m\u00f6chte jedoch keiner Glaubensgemeinschaft angeh\u00f6ren, die mich als ihren Feind betrachtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2777 Der Inhalt des vorbeschriebenen Tagesordnungspunktes \u201ePolitische Kultur in den Gemeinden\u201c stellt keine singul\u00e4re Verirrung dar, sondern f\u00fcgt sich in den allgemeinen Duktus der Synode ein, der von der S\u00fcddeutschen Zeitung mit der Titelzeile <strong>\u201e<em>Klare Kante gegen rechts\u201c <\/em><\/strong>gew\u00fcrdigt worden ist. In der einstimmig verabschiedeten Erkl\u00e4rung der Synode hei\u00dft es: \u201e<em>Wir beziehen klar Position gegen populistische Angstmache und rechte Hetze.\u201c <\/em>Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass der Adressat dieser Erkl\u00e4rung vor allem die AfD ist. Damit besorgt die EKD das Gesch\u00e4ft der etablierten Parteien, die sich aus beinahe panischer Angst vor Machtverlust zu einem Meinungskartell zusammengeschlossen haben, das der neuen Partei a priori Ha\u00df und rechte Hetze unterstellt. Das Wohlwollen des Mainstream-Journalismus ist ihr damit sicher. F\u00fcr mich jedoch verbreitert sie damit nur den tiefen Graben, der sich inzwischen durch Deutschland zieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2778 Am 20. Oktober diesen Jahres besuchte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx den Tempelberg und die Klagemauer in Jerusalem. Beide kirchliche W\u00fcrdentr\u00e4ger legten \u2013 wie mehrere Pressefotos belegen &#8211; f\u00fcr diese Besuche ihre Kreuze ab. Als Begr\u00fcndung f\u00fchrte der Ratsvorsitzende an, er sei sowohl von der muslimischen als auch von der j\u00fcdischen Glaubensgemeinschaft um die Abnahme dieses christlichen Symbols gebeten worden und \u00e4u\u00dferte auf der Synode in Magdeburg: \u201e<em>Ich habe die Verantwortung als Vertreter einer christlichen Religion, friedensstiftend zu wirken.\u201c <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich ist diese Erkl\u00e4rung der untaugliche Versuch, eine von sch\u00e4bigem Opportunismus diktierte Handlung zu \u201efriedensstiftendem Wirken\u201c hochzustilisieren. Offenbar im Gegensatz zu den Teilnehmern der Synode m\u00f6chte ich kein Mitglied einer Kirche mehr sein, deren h\u00f6chster Repr\u00e4sentant ohne Not das zweitausendj\u00e4hrige, die gesamte Christenheit einigende Symbol des Kreuzes verleugnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2779 Auf Facebook findet sich unter <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/MajorAryeShalicar\/\">https:\/\/www.facebook.com\/MajorAryeShalicar\/<\/a> die Aufforderung des Vertreters der israelischen Sicherheitsdienste Arye Sharuz Shalicar, der Ratsvorsitzende m\u00f6ge \u00f6ffentlich machen, welcher Sicherheitsdienst von j\u00fcdischer Seite angeblich verlangt habe, an der Klagemauer die christlichen Glaubenssymbole nicht \u00f6ffentlich zu tragen. Er habe den Vorwurf \u00fcberpr\u00fcft, und man sei emp\u00f6rt \u00fcber eine solche Behauptung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn diese Information zutrifft, hat Bischof Bedford-Strohm vor der Synode wissentlich die Unwahrheit gesagt. Ein so bedenklicher Mangel an Wahrheitsliebe ist v\u00f6llig unvereinbar mit der Aus\u00fcbung des Amtes eines Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte die Hoffnung auf eine Zeit nicht aufgeben, in der die Evangelische Kirche in Deutschland sich nicht mehr wie eine politische Partei geb\u00e4rdet und dabei die Gesinnung ihrer Gemeindeglieder ausforscht, sondern sich wieder auf die Verk\u00fcndigung des Evangeliums konzentriert. In diese Kirche \u2013 der gewi\u00df nicht mehr ein Bischof Bedford-Strohm vorsteht &#8211; \u00a0w\u00fcrde ich dann sehr gerne wieder eintreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Prof. Dr. sc. techn. Dr. rer. nat. Wulf Bennert<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; Tr\u00e4ger des Bundesverdienstkreuzes &#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Wulf Bennert gilt als einer der renommiertesten Restauratoren von Kirchen und Baudenkmalen in Deutschland. Nach 60 Jahren Zugeh\u00f6rigkeit zur Evangelischen Kirche erkl\u00e4rte er am 17. November seinen Austritt aus der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands. 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