{"id":14173,"date":"2016-12-05T13:35:31","date_gmt":"2016-12-05T12:35:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14173"},"modified":"2016-12-05T13:36:22","modified_gmt":"2016-12-05T12:36:22","slug":"60-000-generationen-untersucht-gruesse-aus-dem-labor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14173","title":{"rendered":"60.000 Generationen untersucht: Gr\u00fc\u00dfe aus dem Labor"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Jahr j\u00e4hrt sich zum f\u00fcnften Mal das Erscheinen einer wissenschaftlichen Arbeit, die einen \u201e50.000 Generationen Gru\u00df an Charles Darwin\u201c in ihrem Titel trug (Richard E. Lenski: \u201eEvolution in action \u2013 a 50.000 Generation Salute to Charles Darwin\u201c Microbe 6, S. 30-33, 2011). Der Autor Richard Lenski (Michigan State Universit\u00e4t, USA) berichtet von einem Langzeitexperiment mit Mikroorganismen, die bald darauf die 60.000. Generation erreicht haben werden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Besondere dieses wissenschaftlichen Berichts liegt in der Ausnutzung der Eigenschaft bestimmter Mikroorganismen (hier: Bakterien), sich unter idealen Bedingungen (z.B. im Labor) sehr schnell zu vermehren und so an einem einzigen Tag sechs bis sieben Generationen zu durchlaufen. Damit kommen in einigen Jahren sehr viele Generationen zusammen, die untersucht und miteinander verglichen werden k\u00f6nnen. Ein Langzeitexperiment, das geeignet ist, Evolutionsvorg\u00e4nge aufzuzeigen, also die Weiter- und \u201eH\u00f6herentwicklung\u201c von Organismen nach dem Prinzip des Zufalls und der Selektion zu untersuchen (zum Vergleich: ein Freilandexperiment mit einer Eidechsen-Art umfasste 15 Generationen in 15 Jahren. 60.000 Generationen entsprechen in diesem Sinne ca. 1 Millionen Jahre Evolution des Menschen). Und Zeit ist im Rahmen der evolutiven Deutung der Lebensentstehung und -entwicklung kritisch, ja sogar sehr kostbar. Denn es werden mehrere hundert von Millionen Jahren angenommen, die es brauchte, um von den ersten molekularen Strukturen, die eine biochemische Informationsverarbeitung zulie\u00dfen zu jenen Organismen zu gelangen, die f\u00e4hig sind, den vorliegenden Artikel zu schreiben bzw. zu lesen. So sollte es mit dem Ansatz von Richard Lenski m\u00f6glich sein, evolutive Ver\u00e4nderungen im Labor darstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bis 2013 ver\u00f6ffentlichten und debattierten Ergebnisse zeigen, dass es bisher nicht gelungen ist, eine neue Eigenschaft im Sinne einer zu Beginn des Experiments bei den Bakterien noch nicht vorhandenen Funktion nachzuweisen. Es wurde ein besonderer Fall diskutiert, der auf eine ganz neue Stoffwechseleigenschaft eines der Bakterienst\u00e4mme hinzuweisen schien, doch konnte bei genaueren Nachuntersuchungen festgestellt werden, dass die sog. evolution\u00e4re Neuheit auf eine Ver\u00e4nderung der Genregulation zur\u00fcckzuf\u00fchren war, also auf einer Variation schon vorhandener M\u00f6glichkeiten beruhte. Ein noch nicht erkl\u00e4rbarer Befund dieses Langzeitexperiments ist das Auftauchen von St\u00e4mmen, die eine erh\u00f6hte Ver\u00e4nderungsrate ihres Genoms aufweisen, ohne jedoch, verglichen mit den anderen St\u00e4mmen, die diese Eigenschaft nicht aufweisen, neue oder bessere \u00dcberlebensf\u00e4higkeiten zu generieren. Sie zeigen dazu eine Zunahme ihrer relativen Wachstumsrate, die anh\u00e4lt und noch keine Erkl\u00e4rung gefunden hat. In der Diskussion \u00fcber diesen Befund ist jedoch die Meinung eindeutig, dass diese Steigerung nicht mit evolution\u00e4rer Neuigkeit gleichzusetzen ist. Der Biochemiker Michael Behe macht darauf aufmerksam, dass einige dieser St\u00e4mme ihre F\u00e4higkeit durch die Ausschaltung zweier Stoffwechselkatalysatoren erlangten. Somit w\u00e4re diese evolution\u00e4r vorteilhafte Entwicklung eine R\u00fcckentwicklung \u2013 \u201eein schlechtes Omen f\u00fcr jegliche Theorie der Evolution, die sich allein auf blinde, ungerichtete Prozesse verl\u00e4sst\u201c (Behe 2013, zitiert nach Daniel Vedder, 25 Jahre Evolution in vitro, Studium Integrale Journal, 21. Jahrgang, Heft 1, Mai 2014, S. 36ff.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich kann man mit einem solchen experimentellen Ansatz Gott nicht beweisen, zumal in den allermeisten wissenschaftlichen Versuchen Gott als eine M\u00f6glichkeit von vorneherein ausgeschlossen ist. Doch lassen sich diese Befunde nat\u00fcrlich sehr gut in theologischer Hinsicht und unter dem Lichte des Sch\u00f6pfers von Himmel und Erde betrachten. So ist zu fragen, ob hier nicht mit diesem Experiment, wenngleich ungewollt, auf die creatio continua des Sch\u00f6pfergottes hingewiesen wird. Martin Luther beschreibt diese im Kleinen Katechismus in vorz\u00fcglicher Weise, wenn er den ersten Artikel des Apostolikums auslegt: \u201eIch glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erh\u00e4lt [\u2026]\u201c. Die aufgezeigten Ergebnisse der Langzeitstudie zeigen bildhaft die Konstanz und Lebensf\u00e4higkeit, die Erhaltungsf\u00e4higkeit wie Erhaltungsw\u00fcrdigkeit der Gesch\u00f6pfe Gottes. Sie sind ausgestattet mit alldem, was zum Leben, auch in unterschiedlicher Umgebung und Zeit, n\u00f6tig ist. Wissenschaftlich gewendet findet diese Vorstellung ihren Niederschlag in der Grundtypenbiologie. Nach dieser standen am Anfang der heutigen Arten genetisch polyvalente (vielseitige) Grundtypen, deren Herkunft auf dem Sch\u00f6pfungsakt Gottes beruht. Polyvalenz bedeutet dabei die im Erbgut der Arten bereits angelegte F\u00e4higkeit zur Ausbildung verschiedener Merkmale oder Merkmalszust\u00e4nde. Es handelt sich dabei also um ein den Grundtypen innewohnendes Variationspotential (Reinhard Junker, Siegfried Scherer, Evolution \u2013 Ein kritisches Lehrbuch, S. 34 ff.).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier stellt sich dann die Frage, inwieweit es der Autor des Langzeitexperiments tats\u00e4chlich vollbracht hat, mit 50.000 Generationen von Bakterien Charles Darwin einen Salut und damit die Ehre zu erweisen. Ist es nicht vielmehr so, dass der wissenschaftliche Versuch, das Leben in Begriffen des Leblosen zu erkl\u00e4ren, indem es seiner Komplexit\u00e4t entkleidet und auf ein Zusammenwirken seiner einfacheren Bauteile zur\u00fcckgef\u00fchrt wird, seit Darwins Zeiten eben gerade nicht dazu gef\u00fchrt hat, dass wir nun besser verst\u00fcnden, was Leben ist und warum es entstand? Einer der gr\u00f6\u00dften Theologen der letzten 100 Jahre, Wolfhart Pannenberg, hat es in diese Worte gefasst: \u201eWenn der Gott der Bibel der Sch\u00f6pfer des Universums ist, dann ist es nicht m\u00f6glich, die Prozesse der Natur vollst\u00e4ndig oder auch nur angemessen ohne Bezugnahme auf Gott zu verstehen\u201c (Wolfhart Pannenberg, Toward a Theology of Nature. Essays on Science and Faith, Louisville, Kentucky, 1993, S. 16 in: Christian Herrmann, Rolf Hille, Verantwortlich glauben, N\u00fcrnberg, 2016, S. 135).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und diesem Gott ist nichts zu gro\u00df oder gar zu klein, und so gr\u00fc\u00dfen 60.000 Generationen von Mikroben, von ihren wissenschaftlichen Beobachtern missinterpretiert, den Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde und geben Ihm die Ehre! Soli Deo Gloria!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. J\u00f6rg Michel, Biebertal<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Aufbruch &#8211; Informationen des Gemeindehilfsbundes, Dezember 2016 (3\/2016)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Aufbruch erscheint 2-3 Mal j\u00e4hrlich und kann kostenlos abonniert werden. Bestellungen bitte an die Gesch\u00e4ftsstelle des Gemeindehilfsbundes, M\u00fchlenstr. 42, 29664 Walsrode, 05161\/911330, info@gemeindehilfsbund.de.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Jahr j\u00e4hrt sich zum f\u00fcnften Mal das Erscheinen einer wissenschaftlichen Arbeit, die einen \u201e50.000 Generationen Gru\u00df an Charles Darwin\u201c in ihrem Titel trug (Richard E. Lenski: \u201eEvolution in action \u2013 a 50.000 Generation Salute to Charles Darwin\u201c Microbe 6, S. 30-33, 2011). 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