{"id":14160,"date":"2016-12-01T11:11:04","date_gmt":"2016-12-01T10:11:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14160"},"modified":"2016-12-01T11:13:36","modified_gmt":"2016-12-01T10:13:36","slug":"postmoderne-und-gesellschaftliche-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14160","title":{"rendered":"Postmoderne und gesellschaftliche Zukunft"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der Postmoderne wird die Vernunft entthront. Denn eine wichtige postmoderne These lautet, dass es nicht <em>die eine <\/em>Wahrheit gibt, um die gerungen werden muss, sondern dass unendlich viele Verst\u00e4ndnisse von Wahrheit existieren. Deshalb m\u00fcsse, so die Folgerung, nicht l\u00e4nger um Wahrheitsanspr\u00fcche gerungen werden. Die Vielfalt als solche wird gefeiert. Wer eine These vertritt, die in sich selbst widerspr\u00fcchlich ist, l\u00e4sst sich im Horizont postmodernen Denkens keineswegs dadurch umstimmen, dass er auf die Vernunftwidrigkeit seiner Meinung hingewiesen wird. (Z.B. bei der Gender-Ideologie, nach der es unendlich viele frei variable \u201eGeschlechter\u201c gibt, w\u00e4hrend gleichzeitig homosexuelle Neigungen als unver\u00e4nderlich angeboren gelten.)<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hei\u00dft dann, das alles sei doch nur eine Frage der Perspektive. Jeder Mensch habe halt seine eigene Sichtweise. Und die sei zu respektieren. Wichtiger als logische Stimmigkeit sei es, die Gesellschaft so zu ver\u00e4ndern, dass in der Anerkennung von Vielfalt niemand ausgegrenzt werde. Das Stichwort daf\u00fcr lautet \u201eDiversity\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu dieser Denkweise gilt: Es ist gewiss erstrebenswert, alle Menschen zu achten, sie in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und niemanden zu \u201ediskriminieren\u201c. Doch um Entscheidungsprozesse sinnvoll voranzutreiben, braucht es \u00fcbergeordnete Ziele. Aus der Vielfalt selbst lassen sich n\u00e4mlich keine Ziele ableiten, sondern lediglich Chaos. Auch z.B. die Diskurstheorie setzt voraus, dass die Diskursteilnehmer ein Ziel kennen, etwa ein gutes Leben. Also wird ein Konsens \u00fcber \u201egutes Leben\u201c zumindest ann\u00e4herungsweise vorausgesetzt. Stets ist zu fragen: \u201eWas wollen wir, worauf soll\u2019s hinaus?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Wirtschaft wird z.B. von \u201eDiversity-Management\u201c gesprochen. Gemeint ist, dass sich alle Betriebsangeh\u00f6rigen, die sich in ethnischer, kultureller und anderer Hinsicht voneinander unterscheiden, in einem Team ihre jeweilige Sichtweise einbringen. Das kann in der Tat hilfreich sein. Doch vorausgesetzt ist ein Betriebsziel, in diesem Fall der wirtschaftliche Erfolg, vielleicht in Kombination mit Umweltschutz usw. Aber unbestreitbar geht es um Ziele. Die Pluralit\u00e4t selbst ist nicht das Ziel, sondern wird als ein Element eingebracht, um das gesetzte Ziel zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun aber fehlen in der Postmoderne die \u201egro\u00dfen Erz\u00e4hlungen\u201c des Abendlandes, der\u00a0 \u00fcberw\u00f6lbende Sinn- und Zielhorizont, zu dem auch Bibel und christlicher Glaube geh\u00f6ren. Ebenso z\u00e4hlt die Vernunftbegr\u00fcndung, wie sie von der Aufkl\u00e4rung her pr\u00e4gend geworden ist, nicht mehr (siehe oben). So ist Europa \u201ealt geworden\u201c, ein Weltteil, der ohne Orientierung durch die Zeiten taumelt. Wo der Mangel bemerkt wird, wird nach \u201eWerten\u201c gerufen. Doch \u201eWerte\u201c ohne ethischen Kontext gibt es nicht. Das Postulat nach \u201eWerten\u201c ist eine Leerformel. Denn die Pluralit\u00e4t selbst gilt ja als h\u00f6chster \u201eWert\u201c. So dreht sich das Geschehen orientierungslos im Kreis und wird als \u201eBuntheit\u201c sch\u00f6ngeredet. Wer jedoch wirklich Ethik und geistige Orientierung vermittelt, wird als \u201ekonservativ\u201c, als \u201efundamentalistisch\u201c oder \u201eextremistisch\u201c gebrandmarkt; manchmal wird sogar eine \u201ePhobie\u201c (= Angstneurose) unterstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darum besteht die akute Gefahr, dass sich ein neuer Totalitarismus etabliert. Denn kein Gemeinwesen \u00fcberdauert die Zeiten ohne Gemeinsamkeiten. Die ersten Ans\u00e4tze zeigen sich bereits. Demokratie wird ausgeh\u00f6hlt. Es wird \u201eStimmung\u201c gemacht. Meinungen werden abgefragt. Begr\u00fcndungen fehlen. Autorit\u00e4r von oben nach unten (\u201etop down\u201c) werden Entscheidungen aufgezwungen, wie z.B. die Gender-Agenda und entsprechende \u201eBildungspl\u00e4ne\u201c. Was die Betroffenen wirklich brauchen, spielt keine Rolle. Sie sollen umerzogen werden. \u2013 Au\u00dferdem bleibt durchweg unbeachtet, dass Begriffe ganz verschiedene Inhalte transportieren k\u00f6nnen. Zum Beispiel ist Religionsfreiheit richtig und wichtig. Doch sind wirklich alle Religionen in gleicher Weise f\u00f6rderungsw\u00fcrdig? \u2013 Es wird nicht bedacht, welches die geistigen Voraussetzungen f\u00fcr eine gelungene Demokratie sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts dieser Lage besteht eine Chance zur Rettung allein in Bekehrung zum biblischen Glauben und Umkehr zur Vernunft. \u201eEs gibt keinen intimeren Freund des gesunden Menschenverstandes als den Heiligen Geist\u201c (Karl Barth; KD IV\/4,31).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Prof. Dr. Rainer Mayer, Stuttgart<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Postmoderne wird die Vernunft entthront. Denn eine wichtige postmoderne These lautet, dass es nicht die eine Wahrheit gibt, um die gerungen werden muss, sondern dass unendlich viele Verst\u00e4ndnisse von Wahrheit existieren. Deshalb m\u00fcsse, so die Folgerung, nicht l\u00e4nger um Wahrheitsanspr\u00fcche gerungen werden. Die Vielfalt als solche wird gefeiert. 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