{"id":14156,"date":"2016-11-29T13:20:59","date_gmt":"2016-11-29T12:20:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14156"},"modified":"2016-11-29T13:20:59","modified_gmt":"2016-11-29T12:20:59","slug":"hier-irrt-der-bischof-beten-nicht-zu-demselben-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14156","title":{"rendered":"Hier irrt der Bischof: Beten nicht zu demselben Gott"},"content":{"rendered":"<header class=\"entry-header\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kasseler Tageszeitung \u201eHessische Allgemeine\u201c (HNA) pr\u00e4sentierte\u00a0am 24.11.2016\u00a0in gro\u00dfer Aufmachung ein Interview mit\u00a0 Bischof Martin Hein von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKK). Dessen Botschaft war eindeutig: Juden, Christen und Muslime beten zu demselben Gott. Das lese ich als Kasseler morgens nach dem Fr\u00fchst\u00fcck und bin erstaunt, wie klar und geradezu schroff der Bischof seine Meinung kundgibt. Oder bin ich erschrocken?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da es ein w\u00f6rtlich wiedergegebenes Interview ist, kann ich nicht annehmen, dass der Bischof falsch zitiert wurde. Zur Sicherheit schaue ich nach, was auf der Internetseite der Landeskirche \u00fcber die Aussagen des Bischofs steht. Auch da die klare Aussage des Bischofs: \u201eMeine \u00dcberlegungen zur Barmherzigkeit als einer Eigenschaft bzw. als einer Handlungsweise Gottes lassen eigentlich keine andere Antwort zu als ein klares Ja: Wir beten zu demselben Gott. Aber wir tun es auf verschiedene Weise.\u201c (http:\/\/www.ekkw.de\/synode\/21575.htm)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bischof wei\u00df nat\u00fcrlich, dass viele Gemeindeglieder seine Meinung nicht teilen. Wahrscheinlich ist auch bei einigen Synodalen seiner Kirche der Blutdruck gestiegen, als er ihnen auf der Landessynode seine Ansicht vortrug. Aber bei diesem und anderen hei\u00df umstrittenen Themen wie der kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Paare halten etliche Bisch\u00f6fe, nicht nur Hein, R\u00fccksichtnahme auf einen gro\u00dfen Teil der Gemeindeglieder offensichtlich nicht f\u00fcr angebracht. Mit starker medialer Unterst\u00fctzung k\u00f6nnen sie f\u00fcr ihre Ansichten rechnen. Und die nutzen sie gekonnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum geht Hein bei diesem Thema so rigoros vor? Setzen wir beste Absichten voraus. Es geht ihm darum, gesellschaftlichen Frieden zu stiften. Bischof Hein in dem Zeitungsinterview: \u201eWenn wir uns vom Terror l\u00e4hmen lassen, dann haben die Terroristen ihr Ziel erreicht. Sicher macht es die angespannte Situation voller Gewalt nicht leichter, dass sich die drei monotheistischen Religionen aufeinander zubewegen. Aber gerade deshalb ist es wichtig, dass die besonnenen Kr\u00e4fte des Islam, aber auch des Judentums und des Christentums einen k\u00fchlen Kopf bewahren und fragen: Was verbindet uns? Es ist unsere Aufgabe, gemeinsam f\u00fcr Frieden und Vers\u00f6hnung einzutreten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstverst\u00e4ndlich ist es unsere Aufgabe, uns um ein friedliches Zusammenleben zu m\u00fchen. Aber wie? Befremdlich finde ich, dass der Bischof Judentum und Islam gleich behandelt. Selbstverst\u00e4ndlich beten Christen und Juden zu demselben Gott, n\u00e4mlich dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Allerdings ist f\u00fcr viele Juden nicht akzeptabel ist, wenn Jesus als Messias und Sohn Gottes angebetet wird. Die Juden Petrus, Johannes und Paulus haben das mit vielen anderen Juden und dann auch Nichtjuden getan. Wir tun es auch heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den Vater des Messias Jesus mit Allah, dem Gott, wie er im Koran gelehrt wird, zu identifizieren, ist ein dreistes St\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Redakteurin der HNA fragt den Bischof: \u201eSie gehen bei der Suche nach Gemeinsamkeit sehr weit und sagen, dass wir alle denselben Gott anbeten. Wie ist das gemeint?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hein antwortet: \u201eDas zentrale verbindende Element zwischen den drei Religionen habe ich im Verst\u00e4ndnis der Barmherzigkeit Gottes gefunden. Diese Vorstellung teilen Christen, Juden und Muslime. Aber unsere Erfahrungen Gottes sind unterschiedlich. Ein h\u00e4ufiger Vorwurf der Muslime lautet, wir Christen w\u00fcrden drei G\u00f6tter anbeten. Da erwarte ich, dass sie sich mit dem Verst\u00e4ndnis der Dreieinigkeit auseinandersetzen. Uns begegnet Gott in Jesus Christus. Solche Unterschiede bedeuten aber nicht, dass jede Religion im Himmel ihren eigenen Gott hat.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begegnet Gott nur uns in Jesus Christus? Ist Gott in Jesus nicht f\u00fcr alle Menschen gekommen? War nicht Gott in Christus und vers\u00f6hnte die Welt mit sich selbst? (2.Korinther 5,19) Der Bischof meint wohl, man d\u00fcrfe das nicht als Tatsache hinstellen, es sei ja nur die christliche Vorstellung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hein scheint auch ein merkw\u00fcrdig abstraktes Verst\u00e4ndnis von Barmherzigkeit Gottes zu haben. Die Bibel, Altes und Neues Testament, dokumentiert, dass Gott seine Barmherzigkeit in seinen Taten f\u00fcr Israel und in Leben, Sterben und Auferweckung von Jesus der ganzen Welt offenbart: So sehr hat Gott die Welt geliebt! (Johannes 3,16) Zentrum dieses Geschehens sind Kreuzigung und Auferweckung von Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber genau diese Kreuzigung Jesu bezeichnet der Koran als L\u00fcge (Sura 4). Der Prophet Isa (Jesus) kann nach dem Koran nicht get\u00f6tet worden sein, denn Gott ist allm\u00e4chtig und weise. Und wer Jesus als Sohn Gottes anbetet, begeht die unvergebbare S\u00fcnde (Shirk).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hein wird gefragt: \u201eWas folgt daraus f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis der Religionen?\u201c Er antwortet: \u201eEs f\u00fchrt zu Toleranz, ohne die Berechtigung der einzelnen Religionen zu relativieren. Ich bin mit Begeisterung Christ und werde es auch bleiben. Aber durch den gemeinsamen Glauben an einen barmherzigen Gott k\u00f6nnen wir uns trotz aller Unterschiedlichkeiten n\u00e4herkommen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt nach Meinung des Bischofs offenbar nur verschiedene Vorstellungen von Gott in den Religionen, wobei niemand wei\u00df, wer Gott wirklich ist. Die Aussagen der Bibel \u00fcber Gott sind nach dieser Auffassung nur menschliche religi\u00f6se Vorstellungen, \u201eGlaubenszeugnisse\u201c hei\u00dft das im Theologenjargon. Die Bibel ist nicht Urkunde der Offenbarung Gottes. Die kritische Relativierung der Bibel f\u00fchrt dazu, dass aus dem klaren Bekenntnis zum lebendigen Gott menschliche Gottesvorstellungen werden, \u00fcber die wir dann mit den Vertretern anderer religi\u00f6ser Vorstellungen verhandeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hein geht es gar nicht um theologische Kl\u00e4rung, auch nicht um die Wahrheitsfrage, sondern um pragmatische Integrationsschritte z.B. in den Schulen: \u201eMan wird nur Schritt f\u00fcr Schritt aufeinander zugehen k\u00f6nnen. Das beginnt bei gegenseitigen Einladungen in den Gottesdienst oder zum Freitagsgebet, nach dessen Ende der Gast seinerseits ein Gebet spricht \u2013 man k\u00f6nnte das spirituelle Gastfreundschaft nennen. Der zweite Schritt ist eine multireligi\u00f6se Feier, die von allen Teilnehmern zusammen gestaltet wird \u2013 wie bei dem gemeinsamen Gottesdienst zum 25-j\u00e4hrigen Gedenken des Grubenungl\u00fccks von Stolzenbach geschehen. Und als drittes stellt sich die Frage nach dem gemeinsamen Gebet. Dabei gilt es, Formen des Gebets zu finden, in denen sich alle drei Religionen wiederfinden, ohne dass sie ihre eigenen religi\u00f6sen Anliegen aufgeben m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bischof sagt dann noch \u201eMir geht es darum, dass wir intensiver \u00fcber diese Fragen nachdenken.\u201c Das halte ich auch f\u00fcr dringend geboten. N\u00f6tig ist auch, dass dem Bischof offen und mit biblisch-theologischen Gr\u00fcnden widersprochen wird. \u201eDas tut man nicht, jedenfalls nicht \u00f6ffentlich\u201c, h\u00f6re ich schon wieder manche raunen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Widerspruch in der Zeitung bleibt uns die Nische der Leserbriefe, weil die Redaktion sich nicht vorschreiben l\u00e4sst, die Gegenposition an vergleichbar prominenter Stelle im Blatt zu pr\u00e4sentieren. Der in Kassel lebende Theologe, Pfarrer und Dozent Dr. Wolfgang Reinhardt hat versucht, diese M\u00f6glichkeit zu nutzen. Nachstehend sein Leserbrief, von dem ich noch nicht wei\u00df, ob und in welchem Umfang er ver\u00f6ffentlicht wird. Dr. Wolfgang Reinhardt ist Mitglied des Netzwerkes Bibel und Bekenntnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Ulrich Parzany<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Netzwerk Bibel und Bekenntnis, 28.11.2016<\/em><\/p>\n<\/header>\n<p>____________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leserbrief zum HNA Artikel vom 24.11.2016<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hier irrt der Bischof: Beten nicht zu demselben Gott<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist w\u00fcnschenswert, sich \u00fcber den Islam zu informieren, alles f\u00fcr ein respektvolles und friedliches Zusammenleben zu tun, in Projekten zusammenzuarbeiten und den Dialog mit Moslems zu f\u00f6rdern (wobei nicht vergessen werden darf, dass der Dialog und die Gleichberechtigung in islamischen L\u00e4ndern nicht gew\u00e4hrt wird! Die muslimischen Gespr\u00e4chspartner sollten sich daf\u00fcr einsetzen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es f\u00fchrt in die Irre, wenn Bischof Hein wie manche andere behauptet, Moslems und Christen beteten zu \u201edemselben Gott\u201c. Das ist f\u00fcr den Dialog nicht f\u00f6rderlich, wenn die fundamentalen Unterschiede im Gottesglauben aus falsch verstandenem Toleranzdenken \u00fcberspielt werden. Das Zentrum des christlichen Glaubens ist, dass der allm\u00e4chtige Gott sich so erniedrigt hat, dass er in Jesus, dem Messias, Mensch wurde. Seine Barmherzigkeit gipfelt darin, dass er stellvertretend am Kreuz f\u00fcr uns starb und auferweckt wurde. Das ist f\u00fcr Moslems undenkbar und Gottesl\u00e4sterung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Behauptung ist auch ein Schlag ins Gesicht f\u00fcr die Millionen Christen, die in islamischen L\u00e4ndern \u2013 manche auch bei uns \u2013 brutal verfolgt werden, weil sie Christen wurden und erkannten, dass der Gott, der sich in Christus zeigt und auf alle Gewalt verzichtet, nicht \u201ederselbe\u201c Gott ist wie der, den der Koran lehrt.\u00a0 Warum sollten diese Christen das Risiko eingehen, gefoltert oder get\u00f6tet zu werden, wenn es doch um denselben Gott ginge?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gab es auf der Synode keinen offenen Widerspruch?\u00a0 Gerade im Blick auf das Reformationsjubil\u00e4um sollte sich alle an die von Luther geforderte M\u00fcndigkeit erinnern lassen, nicht nur der Pfarrer sondern jedes (!) Christen, der in der Bibel zu Hause ist, \u201ealle Lehre zu beurteilen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese evangelische Kirche, in der heute so viele zentrale Inhalte der Bibel und Reformation in Frage gestellt werden, braucht dringend eine neue Reformation und Erweckung aus dem Wort Gottes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dr. Wolfgang Reinhardt, Kassel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kasseler Tageszeitung \u201eHessische Allgemeine\u201c (HNA) pr\u00e4sentierte\u00a0am 24.11.2016\u00a0in gro\u00dfer Aufmachung ein Interview mit\u00a0 Bischof Martin Hein von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKK). Dessen Botschaft war eindeutig: Juden, Christen und Muslime beten zu demselben Gott. 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