{"id":14013,"date":"2016-09-30T19:45:59","date_gmt":"2016-09-30T17:45:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14013"},"modified":"2016-09-30T19:47:05","modified_gmt":"2016-09-30T17:47:05","slug":"das-leben-im-alter-gestalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=14013","title":{"rendered":"Das Leben im Alter gestalten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was hei\u00dft eigentlich alt? In der Geschichte der Menschen geh\u00f6ren wir zu dem kleinen Teil der L\u00e4nder, die eine sehr hohe Lebenszeiterwartung verzeichnen. In der Antike galt als alt, wer \u00fcber sechzig war. So war es in Israel, bei den Griechen und den R\u00f6mern. In Athen und Sparta endete mit 60 die Wehrpflicht. In Rom endete die pers\u00f6nliche Steuerpflicht. Es begann das Greisenalter. Biblisch kennen wir die Hervorhebung \u201eunser Leben w\u00e4hret 70 Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es 80 Jahre.\u201c Das waren schon die besonderen Ausnahmen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Endlich Zeit haben! <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den gegenw\u00e4rtigen Jahrzehnten sehen wir eine \u00e4ltere Generation, die weit \u00fcber die 60 hinaus lebt bis 90 plus. Dieser lange Zeitraum ruft hervor, nach einer Gliederung dieser dritten Lebensphase zu suchen. Da spricht man von den \u201ejungen Alten\u201c und den \u201ealten Alten\u201c, von Hochbetagten, aber auch von der \u201eGeneration 55 plus\u201c. Wer in Frankreich mit 60 in den Ruhestand geht, erreicht ab 60 nicht selten eine Spanne von Lebenszeit im Alter, die seiner Zeit im Beruf entspricht. Diese Jahrzehnte, insbesondere die Abschnitte am Anfang des Ruhestandes, rufen nach einer sinnvollen Gestaltung. Sie sind gekennzeichnet durch Verf\u00fcgbarkeit \u00fcber ein hohes Ma\u00df an Zeit. Viele M\u00f6glichkeiten tun sich da auf. Da ist Zeit f\u00fcr die Familie, da ist Zeit f\u00fcr sich selber und auch Zeit f\u00fcr ehren amtliche Mitarbeit jeglicher Art. Wenn die Zeit der vollen Beanspruchung im Beruf vorbei ist, die Jahrzehnte von Verantwortung, von Zust\u00e4ndigkeit und ganzem Krafteinsatz, dann zeigt sich der \u201eRuhestand\u201c als eine Phase voller neuer M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf die Signale des K\u00f6rpers h\u00f6ren. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inmitten dieser Lebensphase des Ruhestandes hei\u00dft es jedoch, die Kennzeichen des Alters zu registrieren, nicht auszuweichen oder zu verdr\u00e4ngen. Es gilt un\u00fcbersehbar: Wir bauen ab. Die Kr\u00e4fte lassen nach. Die Ruhezeiten werden l\u00e4nger. Der K\u00f6rper sendet manche Signale, die auf das Alter hindeuten. Diese Ver\u00e4nderungen wollen angenommen sein, ohne sich zu zieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201ePapa, jetzt bist du alt!\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Andacht zu meinem 75. Geburtstag, die meine drei S\u00f6hne gestaltet haben, legte einer den Weisheitsspruch (Spr\u00fcche 17, Vers 6) aus: \u201eDer Alten Krone sind Kindeskinder und der Kinder Ehre sind ihre V\u00e4ter.\u201c In der Auslegung fiel auch der bedeutungsschwere Satz: \u201ePapa, jetzt bist du alt!\u201c. Diese Direktheit ist gut und seelsorgerlich deutlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie man seine Kraft einsetzt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorg\u00e4nge des \u00c4lterwerdens sind allermeist gleitend und allm\u00e4hlich. Da ist es jedoch wichtig, inne zu werden, dass man sich mitten im Alter befindet. Viel Positives schlie\u00dft das Alter ein. Es er\u00f6ffnet sich die Chance, die vielen Erfahrungen der aktiven Jahre zu verarbeiten, Wichtiges vom Kleinklein zu unterscheiden, etwas Weisheit herauszufiltern. Es bleibt die Tatsache, \u201eman ist von gestern\u201c. Die Enkel leben in einer anderen Welt, unter deren Einfl\u00fcssen, mit anderen Selbstverst\u00e4ndlichkeiten. Die Jahre des Alters k\u00f6nnen genutzt werden, um das \u201eGestern\u201c zu reflektieren, ohne zu denken, es lie\u00dfe sich einfach fortsetzen &#8211; das w\u00e4re doch das Allerbeste. Jedoch welche Kontinuit\u00e4t ist wirklich wertvoll? Woher bezieht der Einzelne, eine christliche Glaubensgemeinschaft, noch weiter gefasst: eine Gesellschaft ihr inneres Gleichgewicht? Die vielzitierten Werte kommen ins Spiel; eine Reflexionsphase in der dritten Lebensphase. Bei der Einteilung von verf\u00fcgbarer Kraft, von ehrenamtlicher Mitarbeit und auch der Betr\u00e4ge, die an Glaubenswerke \u00fcbersandt werden, verfolgen meine Frau und ich ganz grob drei Wesensmerkmale des christlichen Glaubens: Was dient der Ehre Gottes? Wo wird der weltweite Sendungsauftrag des Auferstandenen ausgef\u00fchrt? Und wo wird die christliche N\u00e4chstenliebe konkret ausge\u00fcbt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Den biblischen Zehnten geben.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Wesensmerkmale unseres Glaubens haben pers\u00f6nliche Bez\u00fcge, und weit dar\u00fcber hinaus geht es um die Unterst\u00fctzung von Glaubenswerken, deren Reichweite einen gro\u00dfen Radius umfasst. Eingef\u00fcgt sei hier, dass bei einem zur\u00fcckhaltenden Haushaltsbudget es keinerlei Anstrengungen braucht, den biblischen Zehnten vom Netto zu geben &#8211; und in manchen Jahren auch deutlich dar\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kranke mit \u00d6l salben.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer aus einem Verk\u00fcndigungsdienst kommt, wird je nach Kraft und Konzentration weiter dem Evangelium dienen, in Referaten und Vortr\u00e4gen zu den Quellen des Glaubens hinf\u00fchren. Immer mehr aber werden wir \u00c4lteren zu Christen, die h\u00e4ufig die Versammlungen des Dreieinigen Gottes aufsuchen, die \u201eGemeinschaft der Heiligen\u201c, wie sie im Glaubensbekenntnis bezeugt wird. Der Zuspruch von Gnade und Vergebung wird wichtig, das Heilige Mahl gibt seine Glaubensbest\u00e4rkung als \u201eMedizin der Unsterblichkeit\u201c, wie ein griechischer Kirchenvater formulierte. Die \u201ejungen Alten\u201c haben eine Aufgabe an den Hochbetagten in Besuch und Seelsorge einschlie\u00dflich des Gebetes und des Segens f\u00fcr den besuchten Mitchristen. Von Christen, die den Jakobusbrief gelesen haben, wird manchmal auch ein eigener Besuch erbeten, bei dem der Kranke unter Gebet und Segen mit \u00d6l gesalbt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kundige Gro\u00dfm\u00fctter k\u00f6nnen Mut machen zu mehr Kindern.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Schenken und Verteilen von christlichen Schriften stellt eine weitere Weise dar, den Inhalten unseres Glaubens zu dienen. Gerade die kleinen Schriften haben hier ihre Bedeutung. Es ist gut, einen Vorrat zu Hause zu haben f\u00fcr verschiedene Gelegenheiten. Da ich selber ein paar solcher Texte geschrieben habe, wollte ich einem Konfirmanden einige davon schenken. Mein Ansinnen war, er k\u00f6nnte da ein St\u00fcck hineinlesen. Jedoch mit einem freundlichen L\u00e4cheln h\u00f6rte ich seine Frage: \u201eOpa, was schreibst du denn da so?\u201c. Ich war leicht verdattert. Denn hier begegneten sich ein Gro\u00dfvater der B\u00fccher und ein Enkel mit Smartphone. Er erwartete von mir, eine SMS zu dem, was mir wichtig erschien, niederzuschreiben. Die Zeit f\u00fcr Enkel, wenn einem welche geschenkt sind, bringt eine Quelle von Beobachtungen hervor, von Stunden, die begl\u00fccken und wohltun. Dazu auch Zeiten, zu denen bei jungen Familien eine echte Mithilfe erforderlich ist. Solche Unterst\u00fctzung, vor allem von kundigen Gro\u00dfm\u00fcttern, macht jungen Ehepaaren auch Mut, mehrere Kinder zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eSo Gott will und ich lebe\u201c. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleibt noch genug Zeit f\u00fcr eigene Interessen, f\u00fcr Mu\u00dfe und die m\u00f6gliche sportliche Bewegung. Auch Zeit f\u00fcr Ausstellungen, Museen und Konzerte. Die vielen M\u00f6glichkeiten wollen immer wieder zusammen komponiert werden. Schlie\u00dflich auch ein gewisses Ma\u00df an ehrenamtlicher Mitarbeit in christlichen Gremien. Sie ist sichtlich erw\u00fcnscht, braucht aber auch die Selbstpr\u00fcfung, wenn man sich zur\u00fcckzieht. Wenn dann in einem Leitungskreis oder in einem Kuratorium die Jahresplanung f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr in den Kalender eingetragen wird, sage ich dann leise zu mir: \u201eSo Gott will und ich lebe.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Landesbischof i. R. Heinrich Herrmanns, Memmingen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was hei\u00dft eigentlich alt? In der Geschichte der Menschen geh\u00f6ren wir zu dem kleinen Teil der L\u00e4nder, die eine sehr hohe Lebenszeiterwartung verzeichnen. In der Antike galt als alt, wer \u00fcber sechzig war. So war es in Israel, bei den Griechen und den R\u00f6mern. In Athen und Sparta endete mit 60 die Wehrpflicht. 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