{"id":1389,"date":"2008-01-10T11:54:52","date_gmt":"2008-01-10T09:54:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1389"},"modified":"2009-09-02T16:32:41","modified_gmt":"2009-09-02T14:32:41","slug":"warum-eigentlich-mission","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1389","title":{"rendered":"Warum eigentlich Mission?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Warum eigentlich Mission?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Warum der neue kirchliche Ruf nach Evangelisation oft wenig glaubw\u00fcrdig ist Warum eigentlich Mission? Er war der bekannteste Evangelist der DDR, wurde von der Stasi verfolgt und pr\u00e4gte mit seinen Jugendgottesdiensten in Karl-Marx-Stadt\/Chemnitz Generationen von Christen: Dr. Theo Lehmann. Im folgenden Kommentar nimmt der s\u00e4chsische Pfarrer das neue Interesse der Landeskirchen am Thema Mission kritisch ins Visier. Der Theologe ist \u00fcberzeugt: Das neue Ja zur Mission ist gut \u2013 die Begr\u00fcndung daf\u00fcr allerdings h\u00e4ufig falsch.<\/em><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus Christus selbst hat den Missionsbefehl gegeben. Gegen\u00fcber einem Befehl, zumal von allerh\u00f6chster Stelle, gibt es nur eine angemessene Reaktion, und das ist der Gehorsam. Der f\u00fcr mich geradezu selbstverst\u00e4ndliche Gehorsam ist das tragende Motiv f\u00fcr mein Leben als Theologe. Alles andere (wobei ich wei\u00df, da\u00df Gott ja auch das Wollen schafft) ist Gottes Sache gewesen. Nun wei\u00df ich, da\u00df es bei anderen Theologen ganz andere Reaktionen gegeben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mission vor allem, um neue Steuerzahler zu gewinnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat sogar Zeiten gegeben, wo sich Theologen nicht entbl\u00f6det haben, offen zur Gehorsamsverweigerung aufzurufen. Zur Zeit der Orthodoxie hat der Prediger Erdmann Neumeister (1671-1756), dem wir das herrliche Lied \u201eJesus nimmt die S\u00fcnder an&#8220; verdanken, in einer Predigt gesagt, \u201eda\u00df die so genannten Missionen heutzutage nicht n\u00f6tig seien&#8220;. Er schlo\u00df: \u201eVor Zeiten hie\u00df es wohl: ,Geh hin in alle Welt.&#8216; Jetzt aber: Bleib allda, wohin dich Gott bestellt.&#8220; Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Von Synoden und aus vieler Bisch\u00f6fe Munde vernehmen wir pausenlos, da\u00df Evangelisation die wichtigste Aufgabe der Kirche sei und ihr in Ausbildung und Praxis die h\u00f6chste Priorit\u00e4t zukomme. Nat\u00fcrlich freue ich mich \u00fcber die lieblichen T\u00f6ne dieses cantus firmus, wenn ich auch in der Praxis und an der Basis kaum ein Umdenken in Sachen Evangelisation feststellen kann. Aber ich \u00e4rgere mich in zunehmendem Ma\u00dfe \u00fcber die Begr\u00fcndung. Es wird ganz offen und naiv ausgesprochen, da\u00df die Kirche missionieren mu\u00df, weil sie Kirchensteuerzahler rekrutieren mu\u00df. Der Chefredakteur einer Kirchenzeitung formulierte: \u201eLetztendlich hat die Kirche nichts anderes zu tun als ein Sportverein, ein Buchclub oder eine Freiwillige Feuerwehr: Sie hat Mitglieder zu werben. Das kann, wer m\u00f6chte, \u201cMission\u201c nennen, das kann man auch \u2013 weltlich ausgedr\u00fcckt \u2013 als ,Zukunftsinvestition&#8216; bezeichnen.&#8220; Das einzige, was mit diesen S\u00e4tzen bewiesen wird, ist die Tatsache, da\u00df der Verfasser weder wei\u00df, was Kirche noch was Mission ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Missionieren f\u00fcrs Gehalt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es stimmt nat\u00fcrlich, da\u00df wir, genau wie die Freiwillige Feuerwehr, Mitglieder brauchen, wenn wir \u00fcberleben wollen. Sonst gehen wir unangenehmer Gehaltsk\u00fcrzung entgegen (die Angst davor scheint wichtigstes Missionsmotiv zu sein). Aber das kann nie und nimmer das Motiv f\u00fcr Mission sein. Wir missionieren nicht, um zu \u00fcberleben, sondern um ohne den Glauben an Jesus Christus Verlorene ins ewige Leben zu rufen. Wir missionieren nicht, um die maroden Finanzen der Kirche zu retten, sondern um S\u00fcnder vor der ewigen Verlorenheit zu retten. Wir missionieren nicht, um an die Knete der Leute ranzukommen, sondern damit sie aus der Knechtschaft der S\u00fcnde befreit in den Himmel kommen. Die so verstandene Mission und Evangelisation hat sich nur eine kleine Spezialeinheit auf die Fahnen geschrieben, und diese Spezialtruppe wird oft von den anderen Truppenteilen und vom Generalstab etwas argw\u00f6hnisch betrachtet. Dabei kann ich mich bei meiner T\u00e4tigkeit als Evangelist ja nicht nur auf das Neue Testament, sondern in diesem Fall auch auf Vater Luther berufen, der z.B. zu Markus 16,15 gesagt hat: \u201eDas Hauptst\u00fcck in diesem Evangelium ist der Befehl, den der Herr Christus seinen J\u00fcngern gibt, da er spricht: ,Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur &#8230;&#8216; Das hei\u00dft, das Maul weit auftun und nicht im Winkel, sondern frei \u00f6ffentlich predigen, also, da\u00df es von allen Kreaturen, Sonne, Mond usw. erschalle und da\u00df es alle Menschen&#8230; h\u00f6ren k\u00f6nnen, auf da\u00df sich niemand zu entschuldigen habe noch sagen d\u00fcrfe, er habe es nicht geh\u00f6rt &#8230; Dieser Befehl ist so gro\u00df und stark, da\u00df kein gr\u00f6\u00dferer noch st\u00e4rkerer Befehl oder gr\u00f6\u00dferes Gebot je in die Welt ausgegangen ist.&#8220; Und f\u00fcr die, die den Missionsbefehl nicht ausf\u00fchren, hatte er besonders scharfe Worte: \u201eVermaledeit und verflucht sei das Leben in die H\u00f6lle hinein, das sich Christus allein lebt, denn das ist heidnisch und nicht christlich.&#8220; \u201eGott will einen Christen nicht um seinetwillen leben lassen. Ja verflucht sei das Leben, das f\u00fcr sich lebt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zielgruppe: Hans und Grete<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin Evangelist und habe manchmal den Eindruck, da\u00df ich bei manchen Theologen unter dem Verdacht stehe, gar kein richtiger Theologe zu sein. Einer hat mal \u00fcber mich gesagt: \u201eDer predigt ja so einfach \u2014 hat der Mann das n\u00f6tig?&#8220; Jedenfalls haben das die n\u00f6tig, zu denen ich predige, der Hans und die Grete. Mit gro\u00dfen Worten \u00fcber die K\u00f6pfe der Leute wegreden, das kann jeder Idiot. Aber sich so ausdr\u00fccken, da\u00df es ein Kind versteht, das ist die gro\u00dfe Kunst. Und diese Kunst besteht in der Hauptsache aus einer ungeheuren Disziplin und Arbeit an der Sprache, um die kompliziertesten theologischen Sachverhalte f\u00fcr den Normalb\u00fcrger verst\u00e4ndlich auszudr\u00fccken. Ich habe mich deshalb immer auch als Lehrer der Kirche verstanden, der an vorderster Front die biblische Lehre der Kirche zu erkl\u00e4ren hat. Schon allein in meinem ber\u00fchmten Fragekasten werde ich konfrontiert mit Fragen von der Jungfrauengeburt bis zur Dreifaltigkeit, von der Abtreibung bis zur Homosexualit\u00e4t. Da mu\u00df ich in wenigen S\u00e4tzen etwas zu einer Frage sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was hei\u00dft \u201everloren&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Beispiel: \u201eWas hei\u00dft ,verloren&#8216;?&#8220; Antwort: \u201eVerloren ist das, was nicht dort ist, wo es hingeh\u00f6rt. Der Autoschl\u00fcssel, der nicht in der Handtasche, sondern im M\u00fcllbeutel liegt, ist verloren. Und der Mensch, der sich nicht in der Hand Gottes befindet, wo er hingeh\u00f6rt, der ist eben verloren.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u201eHolzschnittartig&#8220; predigen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mir ist aufgefallen, da\u00df in letzter Zeit die Arbeit des Evangelisten mehrmals kirchenobrigkeitsbeh\u00f6rdlicherseits mit dem Begriff \u201eholzschnittartig&#8220; beschrieben wurde. Es ist gemeint, da\u00df der Evangelist in seiner holzschnittartigen, also grobschl\u00e4chtigen Beschr\u00e4nktheit nicht in der Lage ist, die theologischen Einzelheiten, Ver\u00e4stelungen und Feinheiten zu erfassen bzw. zu ber\u00fccksichtigen. Mit anderen Worten: Der holzschnittartig arbeitende Evangelist trampelt wie ein grober Holzf\u00e4ller im sanft duftenden Roseng\u00e4rtlein der Theologie herum, ein Waldschrat eben, dem f\u00fcr die feinere theologische Florettfechterei nur seine plumpe Bekehrungskeule zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsereiner predigt ja nicht nur vor Hans und Grete, sondern da sitzen oft kritisch gestimmte Pastoren in der Menge. Oftmals Berufsbedenkentr\u00e4ger, die immer so tun, als ob der Verk\u00fcndigungsengel den armen, ungebildeten Hirten nicht zugerufen h\u00e4tte: \u201eIch verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude&#8220;, sondern \u201eIch verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Probleme&#8220;. Die Versuchung besteht nun darin, diesen Kollegen mal so nebenbei zu zeigen, da\u00df man kein theologischer Bl\u00f6dmann ist. Nachdem ich dieser Versuchung einmal in Potsdam erlegen bin und dabei \u00fcber die K\u00f6pfe von Hans und Grete hinweggepredigt hatte, zog ich einen Schlu\u00dfstrich. Seitdem ziehe ich es vor, lieber unter dem Verdacht zu leben, gar kein richtiger Theologe zu sein, als meinen H\u00f6rern die klare Botschaft durch intellektuelle Angebereien zu vernebeln. Mit anderen Worten: Ich bin lieber Theo der Holzf\u00e4ller als ein theologischer S\u00fc\u00dfholzraspler.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Aus: idea 10.1.2008<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum eigentlich Mission? Warum der neue kirchliche Ruf nach Evangelisation oft wenig glaubw\u00fcrdig ist Warum eigentlich Mission? Er war der bekannteste Evangelist der DDR, wurde von der Stasi verfolgt und pr\u00e4gte mit seinen Jugendgottesdiensten in Karl-Marx-Stadt\/Chemnitz Generationen von Christen: Dr. Theo Lehmann. 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