{"id":13876,"date":"2016-08-30T09:11:17","date_gmt":"2016-08-30T07:11:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13876"},"modified":"2016-08-30T09:20:40","modified_gmt":"2016-08-30T07:20:40","slug":"irak-todesaengste-am-is-checkpoint-ausgestanden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13876","title":{"rendered":"Irak: Todes\u00e4ngste am IS-Checkpoint ausgestanden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Um als Christin zu \u00fcberleben, floh Miriam Khader im Sommer 2014 aus ihrer Heimat Mossul. Doch um Iraks zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt verlassen zu k\u00f6nnen, musste sie am IS-Checkpoint Erniedrigungen \u00fcber sich ergehen lassen und Todes\u00e4ngste ausstehen. Es war der Samstag, 19. Juli 2014. Dieser Tag markiert einen traurigen H\u00f6hepunkt in der Geschichte der Christenverfolgung im Irak. Die noch rund 25.000 Christen in Mossul wurden vom Islamischen Staat aufgefordert, die Stadt innert 24 Stunden zu verlassen, wenn sie nicht zum Islam \u00fcbertreten oder eine Schutzsteuer bezahlen wollten.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Miriam Khader* ist eine dieser betroffenen Christen. Die umtriebige Frau war noch am Freitag, 18.?Juli, von einer Gesch\u00e4ftsreise nach Mossul zur\u00fcckgekehrt. Keine 24 Stunden sp\u00e4ter h\u00f6rte sie den unmissverst\u00e4ndlichen IS-Aufruf aus den Muezzin-Lautsprechern der Moscheen. Miriam, die in diesem Schreckensmoment mit ihrer Mutter und Schwester zusammen war, wusste, dass sie die Drohung ernst nehmen mussten. \u00abWir lie\u00dfen praktisch alles zur\u00fcck. Wir nahmen nur unsere Identit\u00e4tskarten, die mobilen Telefone sowie unsere Handtaschen mit etwas Geld und Schmuck mit\u00bb, erinnert sich Miriam an den Beginn ihrer Flucht zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein \u00abCheckpoint f\u00fcr Christen\u00bb<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem Taxi erreichten sie den IS-Checkpoint au\u00dferhalb von Mossul, bei dem die Autos Schlange standen. \u00abDoch als die IS-Terroristen uns erblickten, kamen sie direkt auf uns zu\u00bb, bemerkt Miriam. Sie fragten den Fahrer, wer die drei Frauen seien. Als dieser erkl\u00e4rte, dass es sich um Christinnen handelte, wies der IS-K\u00e4mpfer ihn an, einen anderen Checkpoint aufzusuchen, der speziell f\u00fcr Christen sei. Miriam d\u00e4mmerte es sofort, was dies bedeutete: \u00abEs war mir klar, dass sie uns dort alles abnehmen w\u00fcrden. Vergeblich flehte ich den IS-Mann an, uns durchzulassen. Ich bot ihm auch an, dass er meine Handtasche durchsuchen k\u00f6nne. Doch er blieb stur.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Angsteinfl\u00f6\u00dfende IS-Helferin<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der ber\u00fcchtigte Checkpoint befand sich neben einer Moschee. Es waren \u00fcber 20 M\u00e4nner, zum Teil maskiert, die das Taxi stoppten. Nachdem sie die Handtaschen durchsucht hatten und Miriam ihnen ein altes Handy gegeben hatte, forderten die IS-Leute die Frauen auf, in die Moschee zu gehen. Dort w\u00fcrden sie von einer Frau kontrolliert werden. Miriam Khader lief es in diesem Augenblick kalt den R\u00fccken herunter. \u00abIch hatte mein Geld und das Gold unter meinen Kleidern versteckt, w\u00e4hrend meine Mutter die Handys unter ihren BH gesteckt hatte. Was w\u00fcrde diese Frau wohl mit uns machen?\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die IS-Frau, die eine Ganzk\u00f6rperverschleierung trug, fuhr sie sogleich an: \u00abIhr seid Christen, also Ungl\u00e4ubige? Ihr Nazarener habt uns zerst\u00f6rt. Jetzt werdet ihr sehen, was wir mit euch anstellen!\u00bb Miriam Khader, deren Mutter und Schwester litten Todes\u00e4ngste. Denn die IS-Helferin, die aufgrund ihres Dialektes wohl aus Mossul selbst kam, trug eine Pistole. Sie tastete zuerst Miriams Mutter ab und fragte sie, wo das Geld und das Gold sei. Als die Mutter antwortete, dass sie nichts habe, schrie sie die IS-Kollaborateurin an: \u00abSei still, oder ich werde dich und deine T\u00f6chter erschie\u00dfen!\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die aggressive Frau fand zwei der drei Handys. Nun war die Tochter an der Reihe. Die Frau tastete sie auch unter den Kleidern ab. Doch sie fand nichts. \u00abVielleicht hielt Gott sie fern\u00bb, ging es der zitternden Miriam durch den Kopf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die IS-Schergen lie\u00dfen die Frauen wieder ins Taxi einsteigen. Doch bevor dieses losfahren konnte, drohten die IS-Leute dem Fahrer: Falls sie etwas finden w\u00fcrden, das er vor ihnen verborgen hatte, w\u00fcrden sie ihn und die Frauen t\u00f6ten. Nachdem die IS-Leute dem Fahrer das Handy abgenommen hatten &#8211; unter der falschen Annahme, dass es den Frauen geh\u00f6ren w\u00fcrde &#8211; konnten die vier den furchterregenden Ort endlich verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erleichtert und zugleich besorgt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Miriam Khader in der kurdischen Stadt Erbil ankam, befand sie sich in einem Schockzustand. Sie war wie im Delirium, in einer anderen Welt. Die tapfere Irakerin hatte in den Jahren zuvor schon einige schlimme Ereignisse durchgemacht. Doch diese Vertreibung aus Mossul \u00fcbertraf alles. \u00abMeine Mutter, Schwester und ich hatten mit dem Tod gerechnet. Doch Gott hat uns gerettet.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Miriam ist dankbar, dass sie nun alle mindestens in Sicherheit sind. Doch die einst erfolgreiche Gesch\u00e4ftsfrau plagen materielle Sorgen. Sie hat praktisch alles verloren. Am liebsten w\u00fcrde sie nach Mossul zur\u00fcckkehren und ihr Haus verkaufen, um das sich ihre muslimischen Nachbarn k\u00fcmmern. Doch eine Reise dorthin ist derzeit nicht zu verantworten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem hat sie ihr Vertrauen in die islamische Gemeinschaft von Mossul verloren, obschon sie gleich anf\u00fcgt, dass viele Muslime in ihren Augen gute Menschen seien. Zudem stammten wohl die meisten IS-K\u00e4mpfer, denen sie begegnete, aufgrund ihres Dialektes aus dem Ausland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gef\u00e4hrliches Mossul schon vor der IS-Eroberung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon in den Jahren vor der IS-Eroberung war Miriam Khader h\u00e4ufig mit der prek\u00e4ren Sicherheitslage in Mossul konfrontiert worden. So wurde zum Beispiel im Jahr 2004 direkt vor ihrem Haus eine Frau get\u00f6tet. Sie ist eines von vielen Opfern, die in Miriams ehemaliger Wohngegend get\u00f6tet wurden. Vier Jahre sp\u00e4ter explodierte vor ihrem Haus eine Autobombe. 2010 musste Miriam beim Gottesdienstbesuch mit eigenen Augen zusehen, wie der Bischof und vier Diakone von Islamisten entf\u00fchrt wurden. Wenig sp\u00e4ter fand man ihre Leichen. In jenem Jahr wurde Miriam bereits aufgefordert, eine Art Schutzsteuer zu bezahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wegen der Gefahren, die in Mossul schon lange vor dem IS drohten, trug Miriam Khader immer einen Hijab, wenn sie von ihren Gesch\u00e4ftsreisen in ihre Heimat zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Autor: Reto Baliarda<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>*Namen ge\u00e4ndert<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: CSI-Newsletter, August 2016 (<a href=\"http:\/\/www.csi-de.de\">http:\/\/www.csi-de.de<\/a>)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um als Christin zu \u00fcberleben, floh Miriam Khader im Sommer 2014 aus ihrer Heimat Mossul. Doch um Iraks zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt verlassen zu k\u00f6nnen, musste sie am IS-Checkpoint Erniedrigungen \u00fcber sich ergehen lassen und Todes\u00e4ngste ausstehen. Es war der Samstag, 19. Juli 2014. 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