{"id":13818,"date":"2016-08-12T12:29:38","date_gmt":"2016-08-12T10:29:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13818"},"modified":"2016-08-12T12:29:38","modified_gmt":"2016-08-12T10:29:38","slug":"jesus-weint-ueber-jerusalem-predigt-am-israelsonntag-ueber-lukas-1941-44","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13818","title":{"rendered":"Jesus weint \u00fcber Jerusalem, Predigt am Israelsonntag \u00fcber Lukas 19,41-44"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seit der Reformationszeit denkt die Kirche mit dem \u201eIsraelsonntag\u201c, Anfang August, in besonderer Weise an das Volk Israel und daran, dass Jesus ja selbst diesem Volk angeh\u00f6rt. Israel steht wie kein anderes Volk in der Kritik der Welt\u00f6ffentlichkeit und wird auch wie kein anderes Volk von einer \u00dcbermacht an Feinden bedroht, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Israel vom Erdboden auszul\u00f6schen. Das ist allerdings nicht neu. Es gab noch nie eine Zeit in der Geschichte, in der Israel ein Liebling der V\u00f6lker war. Bei der Beurteilung der aktuellen politischen Situation betrachten wir Israel immer nur durch das aktuelle Zeitfenster. Es fehlt uns oft der Durchblick. Wir sehen die Dinge nicht im Zusammenhang der Heilsgeschichte Gottes mit Seinem Volk und Seiner gesamten Sch\u00f6pfung.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb beurteilen wir z.B. Israel nur aus dem heutigen Blickwinkel, d.h. was wir heute sehen und h\u00f6ren und kommen dadurch zwangsl\u00e4ufig oft zu falschen Schlussfolgerungen. Deshalb ein ganz kurzer Blick auf die Heilsgeschichte Gottes. Nachdem die Menschen der Urgeschichte sich immer wieder gegen Gott und Seine gute Herrschaft aufgelehnt hatten, erw\u00e4hlte ER Abraham und gab ihm die Zusage, dass ER ihn zu einem gro\u00dfen Volk, zu Seinem Volk machen wolle. Und Gott wies ihm ein gro\u00dfes, fest umrissenes Land zu und verhie\u00df ihm: \u201eIn dir sollen gesegnet werden alle V\u00f6lker und ICH will segnen, die dich segnen.\u201c (Vgl 1.Mo 12,3)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus Abraham und seiner Familie wurde ein Volk in der \u00e4gyptischen Gefangenschaft. Gott rettete Israel auf wunderbare und einmalige Weise aus der Sklaverei und Macht in \u00c4gypten. Als Israel kurz darauf schon wieder anderen G\u00f6ttern nachlief, sandte Gott \u00fcber Jahrhunderte Seine Propheten und warnte Sein Volk vor den Folgen ihrer Vielg\u00f6tterei. Durch den Propheten Jeremia lie\u00df ER Seinem Volk ausrichten: \u201e\u2026du musst innewerden und erfahren, was es f\u00fcr Jammer und Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott, zu verlassen und ihn nicht zu f\u00fcrchten, spricht Gott, der HERR Zebaoth.\u201c (Jer 2,19b)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Volk gehorchte nicht und so kam es, wie es Gott angek\u00fcndigt hatte: Am 9. August des Jahres 587 v. Chr. wurde Israel von dem babylonischen Heer unter Nebukadnezar erobert, die Stadt und der Tempel zerst\u00f6rt und ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung in die babylonische Gefangenschaft gef\u00fchrt. Gott schenkte ihnen zwar nach 70 Jahren die M\u00f6glichkeit der R\u00fcckkehr in ihre Heimat. Doch von dieser Katastrophe hat sich Israel nie wieder so richtig erholt und wurde kein eigener Staat mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiterhin sandte Gott Seine Propheten und warnte Sein Volk, sich erneut von IHM, dem lebendigen Gott, abzuwenden. Aber Sein Volk wollte nicht h\u00f6ren. Zuletzt sandte Gott dann Seinen eigenen Sohn, Jesus Christus, um Sein Volk zu retten. Drei Jahre wirkte Jesus in Galil\u00e4a und Jud\u00e4a und erkl\u00e4rte den Menschen den Heilsplan Gottes. Aber sie wollten nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann, am Sonntag vor dem Passahfest des Jahres 33 n.Chr., zog Jesus unter dem Jubel einer gro\u00dfen Menschenmenge nach Jerusalem, der Stadt Gottes. Auf dem \u00d6lberg macht ER halt. Ich lese Lukas 19, 41-44.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eUnd als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte \u00fcber sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist&#8217;s vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit \u00fcber dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedr\u00e4ngen und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier bekommen wir einen kleinen Einblick in das Herz Gottes, denn Jesus ist Gott! ER, der HERR \u00fcber die Naturgewalten, der Kranke heilte und Tote wieder ins Leben zur\u00fcckrief, ja der mit Seinem kr\u00e4ftigen Wort das ganze Universum zusammenh\u00e4lt, weint, als ER vom \u00d6lberg aus auf Seine Stadt Jerusalem blickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Urtext vergoss ER nicht nur Tr\u00e4nen, sondern es \u00fcberfiel IHN ein lautes Schluchzen! Jesus ist zutiefst ersch\u00fcttert, denn ER sieht mehr, als das nat\u00fcrliche Auge sieht. ER sieht, welche Konsequenzen ihre Ablehnung in Zukunft haben wird. Dieser Bericht zeigt uns Jesus als den wahren Heiland und Retter, der Sein Volk liebt. Der Tag des Einzugs des HERRN in Seine Stadt war der letzte Entscheidungstag f\u00fcr Jerusalem. Die ganze Vergangenheit des Volkes h\u00e4tte an diesem einen Tag wiedergutgemacht werden k\u00f6nnen. Aber die g\u00f6ttliche Gnade, die der einziehende K\u00f6nig bringen wollte, war nach Gottes gerechtem Ratschluss dem Volk verborgen (Mt 11,25.26), aber nicht ohne pers\u00f6nliche Schuld des Volkes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesu ist ersch\u00fcttert. IHM liegt Sein Volk Israel so sehr am Herzen, dass ER weint, als ER erkennt, dass sie IHN als ihren Retter nicht haben wollen. Sie hatten eine bestimmte Vorstellung von dem verhei\u00dfenen Messias und dem entsprach Jesus nicht, weil ER anders war, anders lehrte und anders handelte als erwartet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So klagt Jesus aus tiefstem Herzen: \u201eJerusalem, Jerusalem, die du t\u00f6test die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre K\u00fcken versammelt unter ihre Fl\u00fcgel; und ihr habt nicht gewollt!\u201c (Mt 23,37)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine gef\u00e4hrliche Ansammlung von Eigensinn, \u00dcberheblichkeit und Gleichg\u00fcltigkeit kann man hinter ihrer Ablehnung vermuten. Es finden sich ja bis heute immer wieder Gr\u00fcnde, die Menschen davon abhalten, Jesus nachzufolgen. Aber, wer Jesus ablehnt, der als Einziger der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, l\u00e4uft in sein eigenes Ungl\u00fcck. Manfred Siebald dr\u00fcckt das in seinem Lied klar aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit IHM gehen wir ins Licht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Hermann Bezzel stammt das Zitat:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWissen, was man wei\u00df, und es nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen, das bricht einem Mann das Herz.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ist es hier bei Jesus: Seine Tr\u00e4nen sind Ausdruck Seiner Ohnmacht. Denn, was kann man machen, wenn der Ruf zur Umkehr nicht geh\u00f6rt wird. Selbst Jesus sind die H\u00e4nde gebunden, obwohl ER alle Macht hat. Seine Liebe zwingt nicht. Sie wirbt um jeden Einzelnen und l\u00e4dt ihn ein, das Rettungsangebot anzunehmen. Weil aber die Liebe nicht zwingen kann, ist die andere Seite der werbenden Liebe das Leiden. Die Tr\u00e4nen Jesu sind Ausdruck Seines Leidens an Seinem Volk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus sieht vor Seinem geistigen Auge hinter den sch\u00f6nen Fassaden der Stadt Jerusalem bereits die Tr\u00fcmmer und Schutthaufen und den endg\u00fcltig zerst\u00f6rten Tempel, die Wohnung Gottes bei Seinem Volk. ER sieht auch die Zerstreuung in alle Welt und die Pogrome, denen Sein Volk in den kommenden 2000 Jahren ausgesetzt sein wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb sagt ER schweren Herzens die Worte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAber nun ist&#8217;s vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit \u00fcber dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedr\u00e4ngen und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.\u201c (Lk 19, 42b-44)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau das geschah, als Titus, der Sohn des r\u00f6mischen Kaisers mit seiner gro\u00dfen Armee Jerusalem belagerte, einen Wall aufsch\u00fctten lie\u00df und die Stadt eroberte und zerst\u00f6rte. Tausende kamen dabei um und der Rest des Volkes wurde in alle Winde zerstreut, bis auf den heutigen Tag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch das Feuer waren die Goldplatten an den Tempelfassaden geschmolzen und das kostbare Material in die Steinfugen und Fundamente gelaufen. Es blieb, wie vorhergesagt, kein Stein auf dem anderen. Als einziges blieb ein Teil der Westmauer, die sog. Klagemauer, stehen. Die Zerst\u00f6rung Jerusalems fand exakt am gleichen Tag statt, wie damals unter Nebukadnezar, n\u00e4mlich ebenfalls an einem 9. August im Jahre 70 n.Chr. d.h. 37 Jahre nach der Ank\u00fcndigung durch Jesus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seither ist dieser Tag der nationale Trauertag f\u00fcr das gesamte Judentum. Bis heute trauern sie \u00fcber diese f\u00fcr sie so furchtbare und weitreichende nationale Katastrophe. Davon hat sich Israel bis heute nicht wieder erholt. Nur wenige erkennen darin aber wirklich ein Gerichtshandeln Gottes bis heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte das aber der Schluss der Geschichte Gottes mit Seinem Volk Israel sein, dann w\u00e4re es, nicht nur f\u00fcr Israel, sondern auch f\u00fcr uns pers\u00f6nlich, eine furchtbare Katastrophe. Doch Gottes Heilsgeschichte geht weiter. Seine Gerichte zielen nicht auf endg\u00fcltige Vernichtung, sondern ER will Sein Volk damit erziehen und zurechtbringen, heimsuchen. Zun\u00e4chst aber schiebt ER Israel zur Seite und wendet sich f\u00fcr fast 2000 Jahre den Heidenv\u00f6lkern zu und bietet ihnen Sein Heil an. Damit will ER Sein Volk neugierig machen und in ihm die Eifersucht auf die fr\u00f6hliche Gottesbeziehung der Heiden wecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Seine Rettungsbotschaft nun fast alle V\u00f6lker erreicht hat, wendet sich Gott erneut Seinem Volk Israel zu und bewirkt, dass 1948 der Staat Israel gegr\u00fcndet wird. Nach 2000 Jahren d\u00fcrfen Ju\u00adden wieder in ihrem eigenen Land leben. Und Gott wirkt weiter. ER h\u00e4lt sch\u00fctzend Seine Hand \u00fcber Sein Volk und Land und ruft die zerstreuten Glieder Seines Volkes aus aller Herren L\u00e4nder (170) zur\u00fcck. Ein einmaliges Ereignis in der gesamten Weltgeschichte, das da vor unseren Augen abl\u00e4uft. Wir sehen Gott am Werk. ER will und wird Sein Volk nicht nur \u00e4u\u00dferlich \u201eheimbringen\u201c in sein urspr\u00fcngliches Land, sondern auch in eine gute Beziehung zu sich und zu den V\u00f6lkern. ER will eine innere Erneuerung und dass sie Jesus als ihren Messias und Retter erkennen. Davon sind wir aber noch um einiges entfernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch gilt: \u201eWohl dem Volk, dessen Gott, der HERR ist, dem Volk, das ER zu Seinem Erbteil erw\u00e4hlt hat. (Ps 33,12) Es erinnert daran, dass Gottes Erw\u00e4hlung f\u00fcr Israel noch immer gilt. Gott hat Sein Volk ja extra dazu \u201egebildet\u201c, damit es ein Zeichen Gottes in der Welt ist, das auf IHN hinweisen soll. Israel ist zwar untreu gewesen, aber Gottes Treue ist durch Israels Untreue nicht aufgehoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist f\u00fcr uns als Gemeinde und als Einzelne von besonderer Bedeutung. W\u00fcrde Gott Seine Verhei\u00dfung zur\u00fccknehmen und Israel endg\u00fcltig verwerfen, dann k\u00f6nnten wir den Zusagen Gottes f\u00fcr unser Leben und unsere Rettung f\u00fcr die Ewigkeit nicht mehr vertrauen. Wir m\u00fcssten immer damit rechnen, dass ER wegen unserer Untreue die Geduld verliert und Seine Zusagen an uns auch zur\u00fccknimmt. Dann w\u00e4ren wir auf ewig verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun aber d\u00fcrfen wir anhand der 4000-j\u00e4hrigen wechselvollen Ge\u00adschichte Israels die unbeugsame Treue Gottes zu Seinem Volk und damit auch zu Seinen Verhei\u00dfungen an uns als Gemeinde erkennen. Auf Sein Wort ist unbedingt Verlass, daf\u00fcr ist Israel Gottes un\u00fcbersehbares Zeichen in dieser Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jesus sagt: \u201eHimmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.\u201c (Mt 24,35)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pr\u00e4dikant Wolfgang Wilke, Predigt f\u00fcr den 11. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag), 7.8.2016<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Reformationszeit denkt die Kirche mit dem \u201eIsraelsonntag\u201c, Anfang August, in besonderer Weise an das Volk Israel und daran, dass Jesus ja selbst diesem Volk angeh\u00f6rt. 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