{"id":1375,"date":"2006-01-21T10:51:30","date_gmt":"2006-01-21T08:51:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1375"},"modified":"2009-09-05T21:39:16","modified_gmt":"2009-09-05T19:39:16","slug":"lebensgemeinschaften-ehestatus-ohne-familienfunktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=1375","title":{"rendered":"Lebensgemeinschaften &#8211; Ehestatus ohne Familienfunktion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8222;Lebensgemeinschaften&#8220; &#8211;\u00a0<br \/>\nEhestatus ohne Familienfunktion<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDer Aufruhr in Italien, die Proteste in Spanien und die pomp\u00f6se Hochzeit, die Elton John in London inszenierte, sind Zeichen f\u00fcr die Gleichstellungswelle, die unaufhaltsam durch Europa rollt. Wie ein Tsunami setzt sie sich nicht nur \u00fcber Einw\u00e4nde und Widerst\u00e4nde, sondern auch \u00fcber die Frage hinweg, ob da fundamental Ungleiches nicht gleich behandelt werden soll. Der aggressive Stil, in dem die sexuelle Komponente bei solchen Anl\u00e4ssen vorgezeigt wird, macht eine Antwort leichter.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wunsch, die Grenze zwischen \u00f6ffentlicher und privater Sph\u00e4re aufzuheben, kann sich auf alles M\u00f6gliche berufen, nur nicht auf die Verfassung. Der Staat habe im Schlafzimmer nichts zu suchen, hei\u00dft eine alte Formel, zu der sich auch die Gr\u00fcnen gern bekennen; allerdings nur so lange, bis sich die Schwulen und die Lesben melden. Dann darf der Staat nicht nur, dann mu\u00df er geradezu den Blick ins Schlafzimmer riskieren. Denn ohne Offenlegung der sexuellen Pr\u00e4ferenz keine eingetragene Lebenspartnerschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Keuschheitsgel\u00fcbde, das sich der deutsche Staat verordnet hat, kennt eine einzige Ausnahme: Das ist die Ehe zwischen Mann und Frau. Da darf und soll und mu\u00df er sich einmischen, weil er ohne Nachwuchs bald auf dem trockenen s\u00e4\u00dfe. Peuplierung oder Bev\u00f6lkerungspolitik war denn auch ein legitimes Ziel aller Regierungen, die ihren Auftrag ernstgenommen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Grundgesetz h\u00e4lt sich auf dieser Linie, wenn es Ehe und Familie in einem Atemzug behandelt und gemeinsam unter den Schutz der staatlichen Ordnung stellt. Die Formulierung stammt aus der Weimarer Verfassung, der das Grundgesetz ja auch sonst weithin folgt. Aus historisch verst\u00e4ndlichen, sonst allerdings fatalen Gr\u00fcnden hat sich der Parlamentarische Rat jedoch geniert, auch die Begr\u00fcndung zu \u00fcbernehmen, die diesem Artikel urspr\u00fcnglich einmal beigegeben worden war. In Weimar wurde die Ehe n\u00e4mlich nicht einfach so, sondern &#8222;als Grundlage des Familienlebens und der Erhaltung und Vermehrung der Nation&#8220; dem Schutz der Verfassung unterstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zusatz macht deutlich, da\u00df es den Weimarern nicht auf den Status, sondern auf die Funktion ankam. H\u00e4tten die Bonner Verfassungsgeber auch diese Klarstellung \u00fcbernommen, die Schwulen und die Lesben h\u00e4tten es erheblich schwerer, mit ihren Forderungen durchzudringen; und die Familien entsprechend leichter, ihre jahrzehntelange Benachteiligung zu \u00fcberwinden. Denn Nachwuchs kann die gleichgeschlechtliche Partnerschaft, wenn sie auf Eingriff und Hilfe von au\u00dfen verzichtet, aus den nat\u00fcrlichsten von allen Gr\u00fcnden ja gerade nicht hervorbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re konsequent, auf diesen Umstand mit einer Einschr\u00e4nkung der hergebrachten Eheprivilegien auf die Familie zu reagieren. Statt dessen sollen sie auf immer neue Gruppen ausgeweitet werden. Einzig der Status soll noch z\u00e4hlen, nicht die Funktion. Wer das f\u00fcr falsch h\u00e4lt, mu\u00df hier in Deutschland mit der Frage rechnen, ob er zur\u00fcck-wolle zu den Mutterkreuzen der Nazis oder vorhabe, ein &#8222;Sprunggeld&#8220; f\u00fcr sexuell aktive V\u00e4ter auszuloben. Mit solchen und \u00e4hnlichen Argumenten haben die Sozial- und Gleichstellungspolitiker s\u00e4mtlicher Parteien jede ernsthafte Debatte \u00fcber Aufgabe und Umfang der Familienf\u00f6rderung jahrzehntelang verhindert. Die Folgen werden allm\u00e4hlich sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich schl\u00e4gt der Staat sich nicht nur selbst die F\u00fc\u00dfe weg, er kommt auch in Begr\u00fcndungsnot, wenn er bei seiner Gleichstellungspolitik auf den Status abstellt, diesen Status dann aber an eine wie auch immer geartete sexuelle Veranlagung bindet. Entweder &#8211; oder: Entweder er interessiert sich f\u00fcr das Sexuelle, dann bitte auch f\u00fcr seine Funktion; oder er huldigt dem reinen Status. Dann freilich h\u00e4tte er jede Art von Lebens-, Wohn- oder Verantwortungsgemeinschaften zu pr\u00e4mieren, ohne nach der sexuellen Orientierung auch nur zu fragen. Dann w\u00e4re es glatte Willk\u00fcr, die mit der Lebensgemeinschaft verbundenen Vorrechte auf Schwule und Lesben zu begrenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die Homosexuellen sind gut organisiert, und sie verstehen es, ihre Interessen durchzusetzen. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament hat Antje Vollmer, wohlvertraut mit dem Auftreten dieser Lobby durch ihre T\u00e4tigkeit bei den Gr\u00fcnen, dazu einige aufschlu\u00dfreiche Bemerkungen gemacht. Wenn jemand die Kunst beherrscht, Gleichstellung zu sagen und Vorrechte zu meinen, dann sie. Sie wollen wie Familien besteuert, versichert und verrentet werden, obwohl sie die elementaren Voraussetzungen, die diese Sonderstellung erst begr\u00fcnden k\u00f6nnen, nicht erf\u00fcllen. Und sie achten sorgf\u00e4ltig darauf, da\u00df sie die Vorteile, die sie der Familie abringen wollen, mit keiner anderen Gemeinschaft teilen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Artikel erschienen am\u00a0 21. Januar 2006<br \/>\n\u00a9 WELT.de 1995 &#8211; 2006<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Lebensgemeinschaften&#8220; &#8211;\u00a0 Ehestatus ohne Familienfunktion Der Aufruhr in Italien, die Proteste in Spanien und die pomp\u00f6se Hochzeit, die Elton John in London inszenierte, sind Zeichen f\u00fcr die Gleichstellungswelle, die unaufhaltsam durch Europa rollt. 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