{"id":13692,"date":"2016-07-22T08:27:21","date_gmt":"2016-07-22T06:27:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13692"},"modified":"2016-07-22T08:42:58","modified_gmt":"2016-07-22T06:42:58","slug":"die-geistliche-verfuehrung-ist-gefaehrlicher-als-die-verfolgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeindenetzwerk.de\/?p=13692","title":{"rendered":"Die geistliche Verf\u00fchrung ist gef\u00e4hrlicher als die Verfolgung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die komfortable Lage der Christen in Europa steht in krassem Gegensatz zur Verfolgung der Christen in vielen Teilen der Welt, auch in den Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften in Deutschland, wie gerade Hilfsorganisationen ver\u00f6ffentlicht haben. Mit einen flammenden Aufruf \u201eVergesst die Christen nicht!\u201c weist auch die Journalistin Regina M\u00f6nch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ 10.5.16 S.11) auf diese N\u00f6te hin: \u201eWie kann es sein, dass sich in unserem Land, wo Hunderttausende ihre \u201aWillkommenskultur\u2018 monatelang feierten und jeden angifteten, der auf offensichtliche Probleme hinwies, ein solcher Skandal ohne nennenswerte Gegenwehr entwickelte?\u201c Und sie weist auf den besch\u00e4menden Tatbestand hin: \u201eAber es gibt auch Bisch\u00f6fe, die diese Not immer noch herunterspielen und, wie es neudeutsch hei\u00dft, darum keinen Handlungsbedarf sehen, zumal die \u201aBeweislage\u2018 schwierig sei.\u201c<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wir haben alle Freiheit<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die europ\u00e4ischen L\u00e4nder garantieren die Freiheit des Glaubens, die ungest\u00f6rte Religionsaus\u00fcbung, die Versammlungsfreiheit, das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu \u00e4u\u00dfern und zu verbreiten. Diese Rechte stehen in Europa nicht nur auf dem Papier wie in den Verfassungen vieler Staaten weltweit, sie k\u00f6nnen gelebt werden und sind einklagbar. Davon gehen wir als B\u00fcrger der europ\u00e4ischen L\u00e4nder selbstverst\u00e4ndlich aus. Umso gr\u00f6\u00dfer ist der Skandal, dass christliche Fl\u00fcchtlinge diese Rechte faktisch nicht genie\u00dfen k\u00f6nnen. Seit Jahren sind auch in Deutschland manche ehemalige Muslime, die Christen geworden sind, schutzlos den Todesdrohungen ihrer Familien oder des iranischen Geheimdienstes ausgesetzt und m\u00fcssen sich verstecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur dieser Widerspruch weist daraufhin, dass wir Christen unsere Freiheit nicht angemessen nutzen. Nicht Verfolgung ist unser Problem, sondern Verf\u00fchrung. Wo liegt das Problem?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wo liegt das Problem?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir alle haben ein Grundbed\u00fcrfnis nach Anerkennung und Best\u00e4tigung. Der Gef\u00e4llt-mir-Daumen von Facebook k\u00f6nnte unser Erkennungszeichen sein. Er wir milliardenfach geklickt. Viele sind s\u00fcchtig danach. Aber auch wer mit Facebook nichts zu tun hat, achtet darauf, was bestimmte Leute \u00fcber ihn denken und sagen. Besonders bequem f\u00fchlt es sich an, wenn die Mehrheit so denkt, redet und handelt wie man selbst. Schwimmen mit dem Strom kostet keine Kraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Christen in den ersten Jahrhunderten schwammen gegen den Strom der Mehrheitsgesellschaft. Sie folgten Jesus, der in der Bergpredigt gesagt hatte: \u201eGeht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis f\u00fchrt, und viele sind\u2019s, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben f\u00fchrt, und wenige sind\u2019s, die ihn finden!\u201c (Matth\u00e4us 7,13f) Sie lebten wo n\u00f6tig auch gegen die Moral der Mehrheitsgesellschaft und bezeugten fr\u00f6hlich ihren Glauben an Jesus. Sie zahlten daf\u00fcr einen Preis \u2013 oft mit dem Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann wurde das Christentum Staatsreligion. Die Christen kamen an die Macht. Sie nutzten sie leider auch zur Verfolgung ihrer Gegner. In Europa herrschte auch nach der Reformation der Grundsatz \u201ecuius regio, eius religio\u201c. Wer die Macht hatte, durfte bestimmen, was die Untertanen zu glauben hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hat sich erst im Zuge der S\u00e4kularisierung im 19. Jahrhundert und der Trennung von Kirche und Staat im 20. Jahrhundert ge\u00e4ndert. Jetzt galt \u201eReligion ist Privatsache\u201c. Der Einzelne durfte bestimmen, was er glauben wollte. Religion wurde nicht mehr vom Staat verordnet. Im deutschsprachigen Europa wurden die christlichen Kirchen weiter freundlich behandelt und hatten durchaus Einfluss in der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die christlichen Erneuerungsbewegungen (Pietismus, Erweckungsbewegungen) begriffen die Chancen dieser Entwicklung. Die Zwangsverordnung des Christentums von oben hatte der Glaubw\u00fcrdigkeit des Evangeliums von Jesus Christus geschadet. Wer zum Glauben zwingt, produziert Heuchelei. Das Evangelium aber muss frei verk\u00fcndet werden. Liebe kann nicht zwingen. Menschen werden zu eigenen Entscheidungen eingeladen. Das nennen wir Evangelisation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den westlichen Demokratien leben Christen und Nichtchristen aller Art friedlich miteinander, solange keiner versuchte, dem anderen seine Weltanschauung mit Gewalt aufzuzwingen. Man dachte, man h\u00e4tte in Europa eine Art des friedlichen Zusammenlebens gefunden. In den letzten zwei Jahrzehnten aber mischte der radikale Islam die Lage wieder auf. Der Islam versteht sich n\u00e4mlich nicht zuerst als Privatsache, sondern als Gemeinschaftssache. Mohammed war nicht nur Prophet einer privaten Religiosit\u00e4t, er war von fr\u00fchen Zeiten an der politische und milit\u00e4rische F\u00fchrer der muslimischen Gemeinschaft. Viele Europ\u00e4er haben das zun\u00e4chst gar nicht verstanden, weil sie Religion nur als Privatsache kannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Jahren schlug das gesellschaftliche Klima bei uns um. Viele sehen nun die freie, offene, pluralistische, demokratische Gesellschaft durch den totalit\u00e4ren Anspruch der Religionen wieder bedroht. Zun\u00e4chst schien sich die Kritik gegen den Islam zu richten. Aber viele wie z.B. die Neuen Atheisten oder der Soziologe Prof. Ulrich Beck richteten ihre Kritik gegen alle Religionen, vor allem die monotheistischen mit ihrem exklusiven Wahrheitsanspruch. Die Christen versuchten sich gegen diese Kritik zu wehren. Sie verwiesen auf Toleranz und Liebe. Die Kritiker verwiesen dagegen auf Jahrhunderte der Machtaus\u00fcbung der Kirchen durch die Staatsreligion. Motto: \u201eJetzt habt ihr Kreide gefressen, weil ihr keine Macht mehr habt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das gesellschaftliche Klima der freundlichen Duldung ist in eine manchmal feindselige Stimmung gegen\u00fcber Christen, die ihren Glauben offen bekennen und ihn \u00f6ffentlich vertreten, umgeschlagen. Und da entsteht unser Problem der Verf\u00fchrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ist der Gef\u00e4llt-mir-Daumen unser Wappenzeichen?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wir Christen m\u00f6chten gern anerkannt sein. Der Gef\u00e4llt-mir-Daumen k\u00f6nnte auch unser Wappenzeichen sein. Bei Vorstellungen neuer Pfarrer und Pfarrerinnen in Zeitungen wird lobend erw\u00e4hnt, was sie selber sagen: Wir wollen nat\u00fcrlich nicht missionieren. Denn Missionieren ist pfui. Bisch\u00f6fe sehen bei Nachrichten \u00fcber misshandelte Christen in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften keinen Handlungsbedarf. Sie wollen ja nicht als islamophob gelten \u2013 siehe oben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht wenige Gemeinden halten \u00f6ffentliche Evangelisationsveranstaltungen nicht mehr f\u00fcr zeitgem\u00e4\u00df. Sie setzen auf pers\u00f6nliche Kommunikation. Das h\u00f6rt sich gut an. Es ist aber nicht wirklich gut, wenn sich Christen in die privaten Nischen zur\u00fcckziehen, um nicht anzuecken. Das Evangelium ist eine pers\u00f6nliche Nachricht <b>und<\/b> eine \u00f6ffentliche Botschaft. Gott ist n\u00e4mlich der Sch\u00f6pfer, Erhalter, Retter, Richter und Vollender des Universums. Kein privater Nischen-G\u00f6tze. Er ist der Gott f\u00fcr alle. Er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1.Timotheus 2,4) Die Verk\u00fcndigung des Evangeliums von Jesus muss in die \u00d6ffentlichkeit. Wir haben alle Freiheit dazu. Keiner verbietet es uns, wenn nicht wir selbst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelische Kirche in Deutschland l\u00e4sst aus Anlass des anstehenden Reformationsj\u00fcbil\u00e4ums verlauten, dass sie das Alleinstellungsmerkmal des christlichen Glaubens nicht mehr vertreten will. Die Apostel haben vor Gericht in Jerusalem \u00fcber Jesus gesagt: \u201eUnd in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen gerettet werden.\u201c (Apostelgeschichte 4,10) Die EKD erkl\u00e4rt: \u201eDie Herausforderung besteht darin, von Christus zu sprechen, aber so, dass dabei nicht der Glaube des anderen abgewertet oder f\u00fcr unwahr erkl\u00e4rt wird. So wie f\u00fcr den Christen das Geh\u00f6ren zu Christus der einzige Trost im Leben und im Sterben ist, so ja auch f\u00fcr den Anh\u00e4nger der anderen Religion sein spezifischer Glaube. Dies darf auf beiden Seiten des Gespr\u00e4ches anerkannt werden.\u201c (Rechtfertigung und Freiheit, S.58)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Soziologen reden von \u201ePlausibilit\u00e4tsstrukturen\u201c. Wenn die Mehrheit ringsum meinem Verhalten applaudiert, dann f\u00e4llt es mir leicht, mich so zu verhalten. Da ist ja was dran. Schon deshalb tun uns Gottesdienste gut. Aber die wenigsten Christen leben immer in einer christlichen \u201ePlausibilit\u00e4tsstruktur\u201c. Die Mehrheitsgesellschaft tickt nicht christlich. Aber wir m\u00f6chten doch so gern anerkannt und best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Konflikte sind unvermeidlich<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ein Christ ehrlich sein will, aber das Pech hat, bei einem Unternehmer angestellt zu sein, der nicht t\u00fcchtig genug ist, um ehrliche Gesch\u00e4fte zu machen, muss er um seine Karriere oder gar um seinen Job f\u00fcrchten. Wenn ein Prediger oder Pastor Geiz oder Habgier in seiner Gemeinde anprangert, muss er mit Spendenausfall rechnen. Wenn er Ehebruch und anderen au\u00dferehelichen Sex kritisiert, wird er vielleicht Mitarbeiter verlieren und die Spaltung seiner Gemeinde riskieren. Wenn ein Theologe die Bibel f\u00fcr Gottes Wort und f\u00fcr den allein g\u00fcltigen Ma\u00dfstab f\u00fcr Glauben und Leben h\u00e4lt, wird er als Fundamentalist beschimpft. Ob er in der Kirche noch einen Arbeitsplatz findet, falls er nicht schon drin und verbeamtet ist, ist unsicher. Wer sich gegen die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ausspricht, kommt f\u00fcr Leitungs\u00e4mter in den Landeskirchen nicht mehr in Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir Evangelisten sind besonders durch Verf\u00fchrung gef\u00e4hrdet. Wir m\u00f6chten Menschen gewinnen, zuerst ihre Aufmerksamkeit, dann hoffentlich auch ihr Herz. Wir fragen deshalb: Was interessiert die Menschen? Die Bed\u00fcrfnisse sind offenkundig, die Ankn\u00fcpfungspunkte ohne Zahl. Die Kreuzigung von Jesus ist Gottes stellvertretendes Gericht \u00fcber uns S\u00fcnder und darum unsere Rettung. Sollten wir nicht lieber vermeiden, die Menschen als S\u00fcnder zu bezeichnen? Ich bin okay, du bist okay. Gott liebt uns alle, wie wir sind, wird verk\u00fcndet, und stillschweigend klingt mit: Und wir d\u00fcrfen bleiben, wie wir sind \u2013 selbstgerechte Ehebrecher, Geizkragen, Betr\u00fcger. Der Kunde ist K\u00f6nig. Der Evangelist ist beliebt. Aber diese \u201ebillige Gnade\u201c ist Betrug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Taten der Liebe, Diakonie und soziale Verantwortung, sind wesentliche Lebens\u00e4u\u00dferungen der Christen-Gemeinden. Aber die Verf\u00fchrung lauert auch hier. F\u00fcr soziales Engagement werden die Christen gelobt. F\u00fcr die evangelistische Verk\u00fcndigung werden sie als Sekten verachtet. Also lassen sie die Evangelisation \u2013 wenigstens vorl\u00e4ufig \u2013 und hoffen durch soziale Dienste \u201egesellschaftlich relevant\u201c zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Toleranz und \u00f6ffentliche Auseinandersetzung geh\u00f6ren zusammen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der einstige w\u00fcrttembergische Landesbischof Gerhard Maier schrieb einmal: \u201eVerf\u00fchrung ist f\u00fcr die Gemeinde gef\u00e4hrlicher als Verfolgung. Verfolgung eint die Gemeinde. Verf\u00fchrung spaltet sie. Verfolgung l\u00e4sst das Echte hervortreten, Verf\u00fchrung das Unechte triumphieren.\u201c Ja, Verf\u00fchrung ist auch deshalb gef\u00e4hrlicher, weil sie schleichend wirkt. Hilfe kann nur kommen, wenn wir uns der schleichenden Gefahr bewusstwerden. \u201eIhr habt doch den Mann vom Kreuz im Kreuz\u201c, sagte mir einmal ein Journalist, der die Christen aus fragender Distanz betrachtete. Ich f\u00fcge hinzu: Und wir haben den auferstandenen und wiederkommenden Herrn Jesus vor uns. Der R\u00fccken ist frei, die Zukunft ist offen. Keine Angst!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die pluralistische, demokratische Gesellschaft bietet uns Wirkungsm\u00f6glichkeiten, wie sie wenige Christen in der Welt haben. Wir sollten uns deshalb allerdings neu bewusst machen: Was ist Toleranz?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fr\u00fcher hie\u00df Toleranz: Andere werden als B\u00fcrger zweiter Klasse geduldet. So z.B. im Toleranzpatent Kaiser Josephs II. von 1781. Die Evangelischen durften auch Kirchen bauen, aber nicht mit Kircht\u00fcrmen. Diese Architektur kann man noch heute in Bratislava (Pressburg), Brno (Br\u00fcnn) und anderswo besichtigen. Darum sagte Goethe, tolerieren hie\u00dfe verachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis heute behaupten viele, Toleranz bedeute: Wir m\u00fcssen auf die Beantwortung der Wahrheitsfrage verzichten und stattdessen versuchen, friedlich miteinander zu leben. Das ist die Quintessenz der Ringparabel in Lessings Drama \u201eNathan der Weise\u201c. Der wahre Ring ging wahrscheinlich verloren. \u201eEs eifre jeder seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach!\u201c (G.E.Lessing, Nathan der Weise, Ringparabel, 1779) Das gleiche Toleranzverst\u00e4ndnis vertrat der Soziologe Ulrich Beck: \u201eInwieweit Wahrheit durch Frieden ersetzt werden kann, entscheidet \u00fcber die Fortexistenz der Menschheit.\u201c (Ulrich Beck, Der eigene Gott, S.209)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a target=\"_blank\" name=\"_GoBack\"><\/a> Die postmoderne Weltanschauung versucht die Heilung der Misere mit der Behauptung: Es gibt keine f\u00fcr alle verbindliche Wahrheit; jeder hat seine eigene. Darum lohnt sich der ganze Streit nicht. Was aber ist dann mit dieser Behauptung? Wenn es keine verbindliche Wahrheit gibt, warum sollte diese Behauptung wahr sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Philosoph J\u00fcrgen Habermas hat \u00fcberzeugend beschrieben, was Toleranz ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWir brauchen nicht tolerant zu sein, wenn wir gegen\u00fcber fremden Auffassungen und Einstellungen ohnehin indifferent sind oder gar den Wert dieses \u201aAnderen\u2018 sch\u00e4tzen\u2026 Die politische Tugend der Toleranz ist erst dann gefragt, wenn die Beteiligten ihren eigenen Wahrheitsanspruch im Konflikt mit dem Wahrheitsanspruch eines Anderen als \u201anicht verhandelbar\u2018 betrachten, aber den fortbestehenden Dissens dahingestellt sein lassen, um auf der Ebene des politischen Zusammenlebens eine gemeinsame Basis des Umgangs aufrechtzuerhalten.\u201c (Wann m\u00fcssen wir tolerant sein? \u00dcber die Konkurrenz von Weltbildern, Werten und Theorien, Berlin-Brandenburg. Akademie der Wissenschaften, gehalten am 29. 6. 2002)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Toleranz hei\u00dft nicht, die eigene Position aufzugeben. Im Gegenteil, die freie Gesellschaft braucht die \u00f6ffentliche Darstellung und Diskussion gegens\u00e4tzlicher Weltanschauungen. Kompromisse m\u00fcssen gesucht werden. Wo keine Kompromisse m\u00f6glich sind, m\u00fcssen die Regeln f\u00fcr eine friedliche Austragung des Konfliktes vereinbart werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Toleranz in diesem Sinne darf man von uns Christen wohl erwarten. Jesus erwartet mehr von uns: \u201eLiebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet f\u00fcr die, die euch beleidigen.\u201c (Lukas 6,27f)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Pfr. Ulrich Parzany, 29.6.2016<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bibelundbekenntnis.de\">www.bibelundbekenntnis.de<\/a> (leicht gek\u00fcrzt ver\u00f6ffentlicht in ideaSpektrum 28.6.2016)<\/em><\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die komfortable Lage der Christen in Europa steht in krassem Gegensatz zur Verfolgung der Christen in vielen Teilen der Welt, auch in den Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften in Deutschland, wie gerade Hilfsorganisationen ver\u00f6ffentlicht haben. 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